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Full text of "Jahrbuch des Kaiserlich Deutschen Archäologischen Instituts"

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Jahrbuch 

DES ^^ l'i>~l' 

KAISERLICH DEUTSCHEN 

Archäologischen Instituts 



Band xiii 

i898 



MIT DEM BEIBLATT ARCHÄOLOGISCHER ANZEIG ER 



BERLIN 

DRUCK UND VERLAG VON GEORG REIMER 



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Inhalt 



Seite 

F. von Bissing Eine Bronzeschale mykenischer Zeit. Mit Tafel 2 und 

20 Abbildungen 28 

R. Förster Skulpturen von Antiochia. Mit Tafel 11 und 8 Abbildungen 177 

B. Graef Die Zeit der Kodrosschale. Mit Tafel 4 und 3 Abbildungen 65 

G. Hab ich Hermes Diskobolos. Mit 3 Abbildungen 57 

E. Hübner Die Büste von Ilici. Mit 7 Abbildungen 114 

Ad. Michaelis Hermes Diskobolos 175 

Ad. Michaelis Eine verschollene Statue des thronenden Zeus. Mit 

4 Abbildungen 192 

E. Pernice Römische Wage aus Chiusi. Mit 3 Abbildungen 74 

E. Pernice Korinthische Schale in Jena. Mit Tafel 12 200 

B. Pick Thrakische Münzbilder. Mit Tafel 10 134 

O. Richter Der Castortempel am Forum Romanum. Mit Tafel 6 — 9 und 

13 Abbildungen Sj 

G. Weber Die Hochdruck- Wasserleitung von Laodicea ad Lycum. Mit 

Tafel 3 und 19 Abbildungen i 

F. Winter Iliupersis auf einem Thonbecher im Antiquarium zu Berlin. 

Mit Tafel 5 und einer Abbildung 80 

P. Wolters Vasen aus Menidi. Mit Tafel i und 4 Abbildungen 13 

Tafel I. Bruchstück einer Vase aus Menidi. 

2. Bronzeschale im Museum von Gizeh. 

3. Umgebung von Laodicea. 

4. Innenbild der Kodrosschale in Bologna. 

5. Iliupersis auf einem Thonbecher im Antiquarium zu Berlin. 

6. Castortempel. Plan der Ausgrabungen an der Frontseite des Tempels 
(Juli 1896). 

7. Castortempel. Aufrifs. 

8. Castortempel. Grundrifs. 

9. Castortempel. Durchschnitt. 
IG. Thrakische Münzbilder. 

11. Bronzegruppe aus Antiochia. 

12. Korinthische Schale in Jena. 



i 



IV 



Inhalt. 



ARCHÄOLOGISCHER ANZEIGER 



Seite 
Jahresbericht Über die Thätigkeit des 

Kaiserlidh Deutschen Archäologi- 
schen Instituts 107 

Bericht über die Thätigkeit der 
Reichslimeskommission von Ende 
November 1896 bis Ende Dezember 1897. 
Mit Abbildung i 

Gymnasialunterricht und Archäologie 143 

Sitzungsberichte der Archäologischen 
Gesellschaft zu Berlin. 1898. Mit 10 
Abbildungen 32. 120. 175. 

Archäologische Funde im Jahre 1897 (C). 
Mit Abbildung 

Archäologische Neuigkeiten aus Nord- 
afrika (A. Schulten). Mit 3 Abbildungen 
und einer Beilage 

Reisen der HHr. Brünnow, v, Domas- 
zewski und Euting in der römischen 
provincia Arabia 

Die Häfen von Karthago (R. Oehler). 
Mit Beilage 

Kaiserlich ottoroanisches Museum in 
Pergamon (Conzc) 

Der Flächeninhalt von Antidchia (J. 
Partsch) 

Eduard-Gerhard-Stiftung 



224 



HO 



112 



120 

221 

223 
198 



Seite 
Erwerbungen der Antikensammlungen 

in Deutschland 1896. 

I. Dresden (G. Treu. P. Herrmann). 

Mit 24 Abbildungen. II. Die westdeutschen 

Altertumssammlungen (H. Lehner). Mit 7 

Abbildungen. III. Dresden (Schlufs) (P. 

Herrmann). Mit 12 Abbildungen. IV. 

Cassel (O. Eisenmann. J. Boehlau). Mit 

16 Abbildungen . . 66. 129. 188 

Erwerbungen des Museum of Fine 

Arts in Boston im Jahre 1897 .... 139 
Erwerbungen des Ashmolean Museum 

zu Oxford 142 

Erwerbungen des Louvre im Jahre 1897. I 194 
Erwerbungen des British Museum im 

Jahre 1897 234 

Neue Gipsabgüsse (A. Michaelis) .... 239 

Verkäufliche Photographien -. 144 

Verkäufliche Diapositive 144 

Institutsnachrichten .... 144. 198. 239 
Zu den Institutsschriften (F. v. Bissing. 

F. Koepp. F, Hauser. R. Förster). 

Mit 4 Abbildungen ... 78. 146. 199. 241 

Bibliographie 79. 148. 200. 242 

Register 264 



JAHRBUCH DES INSTITUTS 1898 




UMGEBUNG 



VON 



LAODICEA 



TA F. 3 




DIE HOCHDRUCK-WASSERLEITUNG VON 

LAODICEA AD LYCUM. . 

(Tafel 3.) 

Die Anlagen zur Wasserversorgung der Stadt Laodicea sind so auffallend 
und so eigenartig, dafs die Reisenden seit Rev. Dr. Smith ^ sie immer erwähnen, 
doch nur in ihren der Stadt nächstgelegenen Theilen und ohne in die Einzel 
heiten einzugehen. In einer Reihe von Sommerferien, während derer" ich mir 
zur Aufgabe gemacht hatte den Plan der Stadt aufzunehmen, ist es mir zu gleicher 
Zeit gelungen, da ich durch den »Vorläufigen Bericht über die Wasserleitungen in 
Pergamon, von F. Gräber und Carl Schuchhardt« , dazu angeregt war, die ganze 
Anlage der Wasserleitung festzustellen und damit einen Beitrag zu einer in gröfse- 
rem Umfange und mit mehr fachmännischer Kenntnifs zu führenden Untersuchung 
der antiken Wasserleitungen zu liefern. 

Im Süden des Lykos-Thales liegt auf der ganzen Strecke von Saraiköi bis 
Bödjeli dem Salbakos- und Kadmosgebirge eine durch Anschwemmung zurück- 
gelassene, äufserst kahle Hügelreihe vor, die dem Thale hier seinen besonderen 
Charakter verleiht. An beiden Enden, im Nordwesten und Südosten, bleibt diese 
Hügelreihe rückwärts in steter Verbindung mit den genannten gröfseren Gebirgen, 
in der Mitte aber, gerade bei Laodicea, wird sie durch eine Ebene, die Ebene von 
Denisli, von ihnen getrennt, und hier wird sie von drei perennirenden Gewässern 
durchbrochen, nämlich erstens von dem Gök Bunar Tschai (Kadmos) bei Ak-kan, 
zweitens von dem Baschly Tschai (Kapros) auf der Nordostseite der Stadthöhe von 
Laodicea und drittens von dem Gümüsch Tschai (Asopos) an deren Nordwest-Seite. 
Den Verlauf der Gewässer zeigt die Kartenskizze auf Tafel 3. 

Der Tschukur Su, der hoch oben, zwischen dem Kadmos- und Salbakos- 
gebirge, entspringt, nimmt in der Höhe von 586 m die reiche Quelle des Gök- 
Bunar (nicht Kara - Göl) auf und heifst dann Gök Bunar Tschai. Im Thale ange- 
kommen, windet er sich in nördlicher Richtung am Westhange der Hügelreihe ent- 
lang, bis er sie in einem etwa dreiviertel Stunden langen, sehr malerischen Thale, 
dem Baghyrzak-dör^ (Thal der Eingeweide), das bei Akkan mündet, durchbricht. 

Die beiden anderen Flüsse, der Baschly -Tschai' und der Gümüsch -Tschai, ent- 
stammen, der erste den reichen Quellen der heutigen Stadt Denisli, der zweite dem 
Hügelland westlich von ihr. Beide haben den ganzen Sommer Wasser, wenn auch 
der Baschly -Tschai bei Laodicea in dieser Jahreszeit verhältnifsmäfsig klein ist, da 



*) Epistolae quatuor; quarum duae de moribus ac ecclesiarum et Constantinopoleos notitiam continenU 

institutis Turcarum xigunt, duae Septem Asiae Oxonii 1674. S. 149 f. 

Jahrbach dei arehiologisehen IniUtais XIII. X 



Weber, Die Hochdruck -Wasserleitung von Laodicea ad Lycum. 






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er zu Bewässerungszwecken ausgenützt wird. Der Gümüsch- 
Tschai hat auch im Sommer wenigstens noch soviel Wasser, 
um der Eisenbahn für die Lokomotiven vollauf das nöthige 
Wasser zum Betrieb zu liefern, im Winter hingegen ist er 
sehr stark, wie sein breites Bett und der ruinirte Zustand 
der alten römischen Brücke bezeugen. 

Der Stadthügel von Laodicea, Eski-Hissar, wird 
also, wie der von Pergamon, von zwei Flüssen umspült 
und auf drei Seiten von Höhen, die etwa 50 — 60 m 
höher sind als er, umgeben; nur nach Nordosten, gegen 
das Lykosthal hin, ist er frei. Anstatt aber wie in Per- 
gamon das Hinterland hoch und weit zu beherrschen, 
erhebt der Stadtberg von Laodicea seine höchste Spitze 
im Nordwesten nur 100 m über der Gondjeli -Station, die 
selbst 204 m über dem Meere liegt. Die Ebene von 
Denisli liegt auch im Durchschnitt 100 m über dem 
Lykosthal; sie steigt gegen Süden an, so dafs die Denisli- 
Station die Höhe von 356 m erreicht. Die Entfernung 
dieses Punktes von dem Stadium in der alten Stadt be- 
trägt in der Vogellinie nur 5 km. 

Die Ingenieure fanden also hier, um Wasser in 
die Stadt zu führen, eine etwas einfachere Sachlage vor, 
als in Pergamon. Es handelte sich nur darum, eine der 
reichen Quellen von Denisli in der nöthigen Horizontal- 
curve durch die Ebene bis zu den Hügeln im Norden zu 
leiten, dort eine bequeme Flanke zu wählen um die Lei- 
tung auf einen Punkt angesichts der Stadt zu bringen, 
der etwas höher als diese läge, und dann die Leitung 
durch Hochdruck in dieselbe einmünden zu lassen. Im 
Folgenden werden wir sehen, wie die Aufgabe gelöst 
wurde, wozu die nebenstehende Skizze eines Durchschnitts 
zu vergleichen ist (Fig. i). 

Der Stadthügel oder besser das Plateau von Lao- 
dicea hängt mit den südwärts von ihm gelegenen Anhöhen 
durch eine Einsattlung zusammen, deren tiefster Punkt 
42 m unter dem höchsten Punkte des Stadtberges liegt. 
Dafs über diesen Sattel hin, der sich 58 m über der 
Gondjeli-Station erhebt, einst Zuleitung von Wasser statt- 
fand, zeigt auf den ersten Blick die lange Doppelreihe 
von durchbohrten kubischen Kalksteinblöcken, die ihn in 
ziemlich gerader Linie übersetzen. Der dem Stadthügel 



Weber, Die Hochdruck -Wasserleitung von Laodicea ad Lycum. 



nächst gelegene Theil der Leitung fehlt. Die Anhöhe hat hier einen sehr sanften 
Abfall, das Wegschleppen der Blöcke war zu bequem; im Kan von Tschardak 
sind deren zwei in der West- 



front eingemauert. Der An- 
fangspunkt ist jedoch klar ge- 
kennzeichnet durch den in bei- 
stehender Skizze (Fig. 2) darge- 
stellten Wasserthurm [castellum\ 
der heute noch unweit des Ost- 
endes des Stadiums zum Theil 
aufrecht steht (B in der Plan- 
skizze). Es ist ein Mauerwerk 
aus kubischen Quadersteinen 
(0,50 bis 0,60 an jeder Seite), 







Fig. 2. 



noch 4 bis 5 m hoch; da das Terrain der Stadt 8 bis 9 m höher ist, so mufs 
der Bau ursprünglich noch höher gedacht werden. — Das Barometer gibt hier 
285 m an'. 

Von diesem Wasserthurme aus vertheilte sich das Wasser in ausmündenden 
Thonrohren, von denen eine Anzahl an der Ostseite des Thurms noch sichtbar ist. 
Die äufsere Mauer ist an dieser Seite abgebrochen. 

In der Stadt gab es dann noch andere Reservoirs, von denen aus das 
Wasser nach verschiedenen Stellen geführt wurde. Ein solches Reservoir, welches 
schon Hamilton bemerkt hat, befindet sich rechts von der grofsen Strafse, die vom 
Ephesischen bis zum Syrischen Thore führt (bei A auf der Kartenskizze). Es ist, 
wie umstehend im Grundrisse (Fig. 3) skizzirt, ein arg zerstörter Komplex von 
mehreren Kammern, von denen man noch vier erkennt, rechts zwei grofse und 
links zwei kleinere. Die Aufsenmauern sind, bis auf einen niedern Kern aus in Kalk 
gebetteten Rollsteinen, abgetragen. Sie würden wenig zur Aufklärung des Gebäudes 
helfen, wenn nicht die Scheidewand, welche die zwei nördlichen von den zwei 
südlichen Kammern trennt, der Merkmale genug aufwiese, um den Zweck der An- 
lage aufser Zweifel zu stellen. 



^ An der Westseite des Thurmes steht eine schöne 
Säule aus rothgeadertem Marmor, drei bis vier 
Meter hoch; der Boden ist über ein Meter tief 
ausgegraben. Pococke, 1739, sah deren noch 
zwei. Diesen Sommer fand ich in dem Graben 
einen behauenen Stein, der erst kürzlich aus 
dem Schutt herausgenommen sein roufste, mit 
folgender, bereits in den Athen. Mitth. des In- 
stituts 1897, S. 357f. veröffentlichten Inschrift: 
"ExTiaev 'HW^pou; (le (x)al 'HSuj^pouv ^vd^asaev, 
Ae^noa'jvots dvaOeU (x)ap7r6v ^<Bv (x)ap.c(TU)v. 
Ein gewisser 'Hft6}^pouc hatte hier also aus 



eigenen Mitteln, xapi:6v lütv xafidTcov, ein Denk- 
mal errichtet, dem er seinen Namen gab und 
das er den Kindern seines Patrons weihte. 

Dann möchte unter dem Denkmal, am Fufsc 
des Wasserthurmes und hart am Thore, das in 
das Stadium führte, ein monumentaler Brunnen 
zu verstehen sein, dem der Name 'H66^pouc, 
der Schön- oder Zartfarbige, zukommen konnte. 
Der Brunnen spräche im eigenen Namen. 

Die Schrift ist schön ausgeführt, mit kleinen 
Apices und stammt wohl aus dem i. Jahr- 
hundert n. Chr.. 



Weber, Die Hochdruck -Wasserleitung von Laodicea ad Lycum. 



Drei Meter stark, aus grofsen Trachytquadern erbaut, ist diese Mauer noch 

rund I m über dem Boden erhalten; an beiden Rändern entlang ist eine Reihe 

von verschiedenen Höhlungen senk- 
recht in dieselbe eingelassen, die 
alle Thonrohre enthielten, wie in 
Fig. 4 in gröfserem Mafsstabe dar- 
gestellt ist Auf der Südseite sind 
noch zwei kenntlich, die eine halb- 
kreisförmig (Durchmesser 0,28), die 
andere viereckig (0,24); die Thon- 
rohre sieht man noch unten am 
Boden. Auf der Nordseite be- 
finden sich fünf solcher Aushöh- 
lungen: die erste, 0,45 Durchmesser, 
enthält zwei Thonrohre; die zweite 
ist sehr klein; die dritte (0,30) ist, 
wie die erste, offen gegen das 
Bassin zu; sie enthält ein Thon- 
rohr. Die vierte ist wieder klein; 
die fünfte und letzte besteht eigent- 
lich aus zwei ganz nah bei einan- 
der liegenden Höhlungen, je 0,20 

stark. — Es sind Vertheilungsröhren, die das Wasser nach verschiedenen Theilen 

der Stadt brachten. 

Es wäre interessant zu erfahren, wie das Wasser in die verschiedenen 

Bassins aus- und eintrat; bei dessen Eigenschaft der Sinterablagerung ist wohl an- 




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Fig. 3. 



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Fig. 4. 

zunehmen, dafs es nur an der Oberfläche geschah, daher die grofsen Dimensionen 
der Bassins. Da aber die Oberfläche des Gebäudes ganz abgetragen ist, so fehlt 
ein sicherer Anhalt. Das Terrain (Barom.-Höhe 294 m) überragt dasjenige bei dem 
Thurme B um 9 m, so dafs dieser nothwendigörweise dieselbe Höhe haben mufste. 



Weber, Die Hochdruck -Wasserleitung von Laodicca ad Lycum. 



5 



Die Verbindung beider Anlagen geschah durch in die Erde gelegte Thon- oder 
Steinrohre; Spuren auf der jetzigen Oberfläche sind nicht vorhanden. Ob noch 
andre solche Reservoirs vorhanden, ist bei dem jetzigen Zustand der Stadtruinen 
nicht zu ersehen, Ausgrabungen allein könnten darüber Aufschlufs geben. Doch 
trifft man hin und wieder auf dem Ruinenfelde durchbohrte Blöcke an; zwei 
(Fig. 5 u. 6) liegen auf der Agora. Der eine Stein (Fig. 5), ziemlich roh behauen. 







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Fig. 5- 




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Fig. 6. 



hat zwei ungleiche Höhlungen (0,28 und 0,37 Durchmesser). No. 6 hingegen ist gut 
bearbeitet; die zwei Kniehöhlungen sind auffallend. Wenn man die Dübellöcher 
in Betracht zieht, so dürfte dieser Block wohl einem öffentlichen Brunnen angehört 
haben. Ein marmorner Cylinder (Fig. 7), den ich in einem Hause von Gondjeli ge- 
funden habe, bezeugt, wie mannigfaltig die Herstellung dieser Leitungen war. 

Wir kehren nun zum Wasserthurme B zurück. Steigt man von ihm süd- 
wärts das sanfte Gefälle hinab, so findet man bald die ersten zu der Wasserleitung 
gehörenden Blöcke noch in situ liegend. Eine Strecke lang 
ist nur eine Reihe vorhanden, doch bald wird sie doppelt und 
zieht dann durch das Thal bis zur Eisenbahn und von da den 
Hügel hinauf bis zu einem Reinigungsbassin (C auf der Plan- 
skizze), etwa in dem umstehend im Grundrisse skizzirten 
Schema (Fig. 8). Die in einander greifenden Blöcke sind an 
allen Seiten flach bearbeitet. An den Stofsfugen haben sie 
um die Höhlung herum einen vorspringenden Rand auf der 
einen und eine vertiefte Muffe auf der anderen Seite, so dafs 
sich der umstehende Längs- und Querschnitt ergiebt (Fig. 9). 
Diese Konstruktionsweise ist ganz dieselbe, wie sie Koldewey 
bei Methymna auf Lesbos erwiesen hat', nur dafs hier die 
Proportionen viel grofsartiger sind. Der Länge nach variiren 
unsere Blöcke zwischen 0,95 und 0,50 m, in der Breite zwischen 0,95 und 0,70, in 
der Höhe zwischen 0,95 bis 0,77. Diese Ungleichheit rührt daher, dafs von den 
zwei Reihen die westliche stärker als die östliche ist (Fig. 10). 




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9. 


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Fig. 7. 



') Die antiken Baureste der Insel Lesbos S. 18, 



6 



Weber, Die Hochdruck -Wasserleitung von Laodicea ad Lycum. 



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Bekanntlich besafs das Wasser von Laodicea die Eigenschaft der Sinter- 
ablagerung wie das von Hierapolis; Strabo macht darauf aufmerksam, setzt aber 

, hinzu, dafs es doch trinkbar sei. Ein Blick in die Steinrohre 
j , I ; genügt, um es zu erweisen; manche haben eine Kruste von i 

bis 2 cm Dicke; unter den Blöcken, welche zu der Hofmauer 
eines dem Hadschi-Achmed gehörigen, südlich von der Eisenbahn 
gelegenen Hauses ver^'endet sind, gibt es solche, die vom Sinter 
verstopft sind, und wieder andere, die ganz frei davon sind. 
Eine genaue Untersuchung der Steine war also nöthig um die 
Stellen der Verstopfungen herauszufinden, dann den bezüglichen 
Stein zu reinigen oder durch einen neuen zu ersetzen. Der Tech- 
niker mag entscheiden, ob zur Auffindung dieser Stellen die 
Löcher gedient haben mögen, die man von Zeit zu Zeit oben 
in die Blöcke eingeschnitten findet (siehe Fig. 9 und 10). Sie 
reichen trichterartig bis auf die Höhlung des Wasserganges. In 
Pergamon hat Gräber dieselbe Beobachtung gemacht (Vorl. Ber. 
S. 17), ja sogar das Glück gehabt »noch einen runden Stein in 
das Loch eingepafst und die Fuge mit Kalkmörtel vergossen vor- 
zufinden«. Mir ist das nicht gelungen; alle Löcher waren offen, 
keine Spur von Mörtel war zu sehen. Auch an den Stofsfugen 
der Blöcke fehlt jede Spur einer Verbindung durch Mörtel. Im 
Thale sind diese oberen Öffnungen der Leitungsblöcke nicht zahlreich, an dem süd- 
lichen Abhang aber sehr häufig, manchmal an zwei nebeneinanderliegenden Steinen; 
an einigen Stellen, wo die Blöcke zu kurz waren, wurde das Loch in die Stofs- 
fuge gelegt (Figur 9). 

Diese am Abhänge, ganz in situ liegende, nur anscheinend durch Erdbeben 
leicht gelockerte Doppelreihe der Blöcke ist überhaupt die interessanteste Partie. 



1 




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0,70 































0,90 



\0.7S 



Fig. 8. 



0.7S 







0,85 



0,90 



0.5! 



Fig. 9, 




0,96 



Dafs die Leitung niemals anders als unter Hochdruck die Senkung zwischen dieser 
Anhöhe und dem Stadthügel überschritten haben kann, wird hier zur vollen Gewifs- 
heit. Auffallend ist, dafs der Grundrifs der Leitung nicht eine mathematisch gerade, 
sondern eine leicht geschlängelte Linie bildet. Diese Schwingungen einem Erdbeben 
zuzuschreiben geht wohl nicht an, da sie zu regelmäfsig sind; wahrscheinlicher 
dürfte es erscheinen, dafs die Ingenieure durch diese Anlage der Leitung mehr 



Wfbcr, Die Hoc h druck -Was sc rlciliing von Laodicea ad Lycum. -j 

Widerstandskraft verleihen wollten, als es bei einer geraden Linie der Fall ge- 
wesen wäre. 

Wohl zu bemerken ist noch, dafs die Leitung genau auf der Scheidelinie 
beider Flufsthäler über den Sattel setzt, dafs sie also keinem ßiefsenden Wasser 
ausgesetzt war, das Regenwasser vielmehr an beiden Seiten abflofs. 




Fig. lo. 

Ist man anf der Anhöhe bei C angekommen, so beherrscht der Blick das ganze 
Stadtplateau. Das Barometer giebt hier 316 m an, also 12 m mehr als der höchste 
Punkt des Stadthügels (304 m), 54 m über der tiefsten Stelle des Sattels. Hier war 
der erwünschte Punkt zum Anfang der Hochdruck-Leitung, zur Anlage eines Rei- 
nigungsbassins. Die Ruinen dieses Bassins sind noch vorhanden (C auf der Flan- 
skizzc), allein in einem trostloseren Zustande, als bei dem Stadtbassin. So viel man 
noch erkennen kann, bestand es aus zwei Kammern, einer gröfseren, etwa 14 m im 
Quadrat messenden und einer kleineren zu 4,50X4,65 m (siehe Grundrifs, Fig. 11). 



t 



Fig. 1 



Von dieser letzteren stehen noch eine Reihe von Aufsenquadern aus dem Boden 
hervor {Länge 0,62 bis 1,11 und Breite 0,62 bis 0,76 m). Von der grösseren Kam- 
mer ist nur der Kern der Mauer, aus grofscn Kieselsteinen mit Kalk verbunden, 
erhalten geblieben. Die Höhe des Auf baus dieses IJassins läfst sich nicht mehr be- 
stimmen, eben so wenig die Stärke der Mauern. Auch ist keine Spur mehr 
von der Verbindung, weder südlich mit dem gleich zu erwähnenden kleinen Aquä- 
dukte, noch nördlich mit der Hochdruckleitung vorhanden. Doch fand ich an der 
Nordseite der kleineren Kammer einen Block mit einer knieförmigcn Durchhöhlung 
(Fig. 12), der allem Anscheine nach dieser Verbindung angehörte. EJgenthümlich 
ist hier die Kontroliröffnung gestaltet, indem die Trichterform sich nach unten zu 
einem kleinen Loch von nur 1 cm Durchmesser zuspitzt. 

Dieses Klärungsbassin steht auf einer vorspringenden Schulter der Hügei- 
rcihe, die sich von hier südwestlich gegen DenisH hinzieht. Einige hundert Schritte 



8 



Weber, Die Hochdruck -Wasserleitung von Laodicea ad L}xum. 





Östlich erhebt sich der Gipfel noch um 50 m höher. 
Eine kleine Mulde trennt diese Schulter von dem 
nächsten Anstiege; sie wurde von den Ingenieuren 
mit einem niedern Aquädukt (in der Mitte noch 3,30 
hoch), 145 m lang, überschritten (Fig. 11). Nur drei 
Bögen stehen noch aufrecht in der Mitte der Mulde 
(A auf Fig. 11); die andern sind nicht -ibodily^ um- 
gestürzt, wie Hamilton meint \ sondern durch das 
Herausnehmen der behauenen Steine seitens der 
umwohnenden Bauern einfach in sich zusammen- 
gefallen. Der Bau war nicht hoch genug, um von 
Erdbeben viel zu leiden. 

Der Aquädukt bestand an seinen beiden 
Enden wohl nur aus einer Mauer, in der Mitte aus 
einer Bogenstellung auf etwa 35 Pfeilern, 1,06 bis 
1,15 in Front, mit einer Bogenspannung von 2,50 m. 
In der Mitte beträgt die Lichthöhe des Gewölbes 
vom Erdboden etwa 2,30; nach beiden Enden hin verringerte sie sich natürlich. 
Oben auf der Bogenstellung ist sie noch 2,50 breit. Von dem Wasserkanal obenauf 
ist keine Spur mehr vorhanden. 

Die Technik dieser Bogenstellung ergiebt sich aus der genauen Abbildung 

der Südfront des mittlem der noch auf- 
recht stehenden Bogen, so wie aus dem 
Grundrifs des einen Pfeilers (Fig. 13, A). 
Zuerst eine doppelte Reihe von auf die 
Kante gestellten, ziemlich grofsen Quadern 
(rechts 0,86 hoch, links nur 0,65), mit Erde 
und Bruchsteinen verbunden; dann eine 
Reihe von kleineren Lagerquadern, die als 
' Kämpfer dienten; hier wurde Kalk als 
Verbindungsmittel benutzt. Viele von 
diesen letztern Quadern sind herausge- 
brochen. Dann folgt die Wölbung, die 
regelmäfsig aus einem durchgehenden und 
aus zwei auf einander gestellten Keilqua- 
dern besteht. Oben sind diese Keile von 
zerstörender Hand abgebrochen worden. 
Sie sind 0,56 hoch, innen 0,13, aufsen 
0,17 breit, und mit Mörtel verbunden. Die 
Ausfüllung der Fassaden zwischen den Bögen erfolgte zuerst aus grofsen Roll- 
steinen, dann aus gewöhnlichen Kieselsteinen, Alles in Kalk gebettet. Die Pfeiler 




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Fig. 13A. 



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Fig. 13B. 



*) Researches in Asia minor I, S. 513. 



Weber, Die Hochdruck -Wasserleitung von Laodicea ad Lycum. 



sind aus Kalkstein erbaut, die Gewölbe aber aus einem weicheren Tufstein, der 
durch die Witterung an der Oberfläche gelitten hat. Von architektonischer Ver- 
zierung keine Spur. 

Die Abbildung Fig. 13, B stellt die Nordfront eines Pfeilers dar, mehr gegen 
Osten zu (B auf Fig. 11), dessen Gewölbe eingefallen sind. Da er nicht mehr so 
hoch ist, wie die in der Mitte der Mulde, so fielen die aufrechtstehenden Quadern 
weg, der Bau wurde sofort aus Lagerquadern ausgeführt, deren Höhe zwischen 0,14 
und 0,17 variirt. 

Hier, wie am Wasserthurm B, sind die Ablagerungen von Kalksinter sehr auf- 
fallend; trotz der Mörtelverbindung hat das Wasser doch seinen Weg gefunden um 
alle Gewölbe mit einer dicken Schicht zu bedecken. 

Bis hieher war die Wasserleitung von Laodicea im allgemeinen bekannt; 
allein ihr Ursprung ist noch von Niemand festgestellt worden. Ramsay, der letzte 
der über Laodicea geschrieben hat, spricht sich folgend ermafsen aus: ^We, when 
Standing at the waier-tawer, cauld trace the line of water -pipes appearing an ihe 
slopes of several hüls in a line stretching away to the sauth and rising far above 
the level of the tower^.t — Auf Seite 48 meint er auch: -^The water was broiight 
front the Upper Springs of a branch of the Cadmos which rises in Mount Salbacos 
fiear Denizli.^ — Diese Ansicht ist so weit richtig, dafs sie die allgemeine Rich- 
tung der Leitung angiebt; allein in zwei Punkten trifft sie nicht zu. Erstens 
haben jene Steinschichten, die man vom Wasserthurm aus hoch oben an den Hügeln 
sieht, nichts mit einer Wasserleitung gemein; es sind gewachsene Kalksteinschichten, 
wie man sie an vielen Punkten der langen Alluvial-Hügelreihe bemerken kann; bei 
Kalehköi sind sie besonders sehr häufig. Zweitens kann das Wasser für die Lei- 
tung weder vom Kadmos noch von einem seiner Nebenbäche kommen; ein Blick 
auf das Kärtchen genügt, um es zu erweisen. 

Es giebt, der ganzen Sachlage gemäfs, nur zwei Quellgebiete, die in Be- 
tracht kommen können , das des Bashly Tscha'i, in welchem iph mit Plinius und 
Radet den Kapros erkenne, und dasjenige des Gümüsch Tscha'i oder Asopos. Die 
allernächsten Hügel mit ihrer eigenthümlichen geologischen Formation bleiben ganz 
aufser Frage. 

Das Vorhandensein des kleinen Aquädukts bei dem Reinigungsbassin liefs 
mich auf einen Kanalbau schliefsen; es handelte sich also auf der gegebenen Kurve 
weiter zu forschen. Der nächste Abhang, auf seiner Nordseite, zeigt kein Trac^ 
mehr, entweder ist es ganz zerstört oder von der herabgeschwemmten Erde völlig 
verdeckt. Auf der Südseite jedoch fand ich den Kanal an vielen Stellen sehr deut- 
lich erhalten, bald ausgemauert, bald in den Felsen geschnitten. Ein kurzes, aber 
ziemlich tiefes Seitenthal trennt diesen Abhang von dem nächsten; mitten in diesem 
Thälchen, ein wenig östlich, immer auf der Höhenlinie der Leitung, liegt eine Menge 



^) Cities and Bishoprics of Phrygia I, S. 49. 



lO 



Weber, Die Hochdruck -Wasserleitung von Laodicea ad Lycum. 



von grofsen Blöcken, wie Felsen aussehend. Bei näherer Ansicht erkennt man in 
ihnen aber die Ruinen eines wahrscheinlich fünfbögigen Aquädukts, der die Lei- 
tung in einer Höhe von etwa lom über das Thälchen führte. Vier starke Pfeiler 
von nahezu 2 m in Front trugen die Bögen, deren letzter auf jeder Seite an eine 

Mauer stiefs. An der Ostseite ist noch 
ein Stück dieser Mauer erhalten (Fig. 14), 
aus grofsen Quadern ohne Mörtel erbaut. 
Dann liegen vier Pfeilerköpfe mit dem 
Ansätze der beiderseitigen Gewölbe als 
grofse Massen umher. Von den Pfeilern 
selbst ist keine genaue Spur zu sehen, 
nur grofse, zahlreiche, glatt bearbeitete 
Quadern, i — 2 m lang und entsprechend 
hoch, liegen zerstreut. 

Ist man der Konstruktion des vori- 
gen Aquädukts eingedenk, so ist man 




Fig. 14. 



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geneigt die Anlage hier folgcndermafsen sich zu denken. Die Pfeiler waren aus 
grofsen Quadern ohne jedes Verbindungsmittel erbaut; erst bei dem Ansatz der 

Gewölbe wurde Mörtel verwandt, wie das an den 
vier Köpfen zu sehen ist (Fig. 15 und 17). Die 
Bogenspannung mag wohl über 4 m gewesen sein. 
Die Bögen waren aus grofsen, glatt behauenen Kalk- 
steinen hergestellt (Fig. 15 und 17). Diese Quader- 
schichten gingen 3,20 m durch das ganze Gewölbe, 
wie das an einem der Köpfe noch klar zu sehen ist 
(Fig. 16). Die Zwickel zwischen den Bögen wurden 
dann durch kleinere Lagerquadem ausgefüllt (Fig. 1 5 
und 17). Weiter oben folgen Kieselsteine, mit einem guten Cement verbunden. 
Dieser Cement ist so fest, dafs die Gewölbe, am Schlufsstein durchbrochen, nun als 
kompakte Massen in der malerischsten Unordnung herumliegen. Behauene Steine 

sind auch hier von den Umwohnern besonders ge- 
sucht und herausgenommen worden, aber anscheinend 
erst als das Ganze vielleicht durch Erdbeben zu- 
sammengefallen war. Die Pfeiler, bei ihrer gröfseren 
Höhe und ohne Mörtelverbindung, fielen auseinander 
wie von einem Kartenhause; die Gewölbe hingegen, 
gut mit Cement verbunden, brachen in der Höhe 
entzwei und fielen ^bodilyt herunter. Sinterablagerung 
ist auch hier überall nachzuweisen. Von Reparaturen 
ist Nichts zu bemerken. 

An dem Abhänge gegen Osten steht auch 
noch ein Stück der Mauer, die als Unterlage den 




Weber, Die Hochdruck -Wasserleitung von Laodicea ad Lycum. 



II 




i.AS 



Fig. 17. 



Kanal auf den Aquädukt hinleitete; sie ist 3,36 m breit. Der Kanal, an dieser 
Stelle noch erhalten, ist 0,60 m breit, die Wandungen je 0,57 und 0,50 m stark. 

Der Gang um den folgenden Abhang ergab noch 
besser erhaltene Spuren des Wasserleitungskanals. An vielen 
Stellen fand sich seine 0,60 m starke, aus Kieselsteinen mit 
Mörtel aufgeführte, äufsere Wand, deren Innenseite mit Cement 
verputzt und stellenweise mit Sinter bedeckt ist. Auf der Süd- 
seite desselben Abhanges fand ich ein Stück des Kanals noch 
mit drei Platten in ihrer ursprünglichen Lage bedeckt; sie sind 
von verschiedener Länge (1,70, 1,10, 0,80 m), i m breit und 
0,40 m dick (siehe Fig. 18). Es ist die einzige Stelle, an der 
sich solche Reste der Bedeckung des Kanals noch vorfinden, was leicht erklärlich 
ist, da diese schönen Platten ein zu bequemes Baumaterial boten. 

Weiterhin ist der Kanal leicht zu verfolgen bis zum Beginn des Thaies von 
Denisli, zu welchem das Terrain sehr stark fallt. Der Kanal zieht zunächst quer 
über den Pfad hinweg, wo er, wohl in 
Folge einer Reparatur, doppelt ist; im 
felsigen Boden verfolgt man leicht sein 
eingeschnittenes Trac6; er wendet sich 
dann ein wenig westlich, um in der 
nöthigen Höhenlage zu bleiben. Bald 
ändert sich die Gegend, das kahle Ter- 
rain hört auf und es folgt die gut be- 
baute Ebene von Denisli. Eine kleine 
Strecke weit ist jede Spur des Kanals 
verschwunden; allein der Weg, den die 
Leitung nehmen mufste, ist durch das 
Terrain vorgeschrieben. Sie machte 
hier eine grofse Kurve. Bald erreicht 
man einen modernen, mit grofsen Bäumen bestandenen Bewässerungsgraben, der 
sich in gerader Linie gen Denisli hinzieht. Es lag nun die Vermuthung nahe, dafs 
dieser Graben die alte Leitung ersetzt habe, und richtig, bald fanden sich Stücke 
der Cement -Wandungen mit Sinter bedeckt, an einigen Stellen aufrecht stehend, an 
andern am Graben entlang herumliegend. 

Als die Einwohner der alten Stadt Laodicea, wahrscheinlich im frühen 
Mittelalter, nach Denisli übersiedelten, benutzten sie also diesen Theil der Wasser- 
leitung, um ihre Felder zu bewässern, ein Betrieb der heute noch den ganzen Som- 
mer durch sehr ausgedehnt im Gange ist. Der Wassergraben geht unter der Eisen- 
bahn durch, hinter der Station vorbei und erreicht den Mühlenbach, der aus der 
Stadt selbst herunterfliefst und aus mehreren Quellen stammt, von denen die gröfste, 
Basch-Bunar genannt, am südwestlichen Ende der Stadt bei dem alten Konak 
liegt, wohl 50 m höher als die Station. Diese Quelle ist in ein grofses, acht- 




Fig. 18. 



12 Weber, Die Hochdruck -Wasserleitung von Laodicea ad Lycum. 



eckiges Bassin (etwa 30 X 20 m) aus antiken Quadern gefafst und liefert der 
ganzen Stadt das nöthige Trink- und Gartenwasser. Es ist wohl dieselbe, von der 
Hadji-Khalfa im Djihan-Numa, bei Vivien de Saint-Martin {Aste Mineure II, S. 690) 
erzählt: >// sort cTun bassin appele Hasur-Soloz une source qui se repand de tous 
cotes de la ville et qui forme une rivüre. Cet endroit est un Heu charmant pour la 
Promenade.^ 

Dafs die Wasserleitung von Laodicea hier ihren Ursprung hatte, kann keinem 
Zweifel unterliegen; dieses Quellgebiet war das nächste und bequemste, das zur 
Verfügung stand; diejenigen des Kadmos und des Asopos hätten viel gröfsere An- 
lagen verlangt. 

Es wäre noch interessant gewesen zu ermitteln, wie die Leitung vom Basch- 
Bunar bis zur Station hergestellt war; bei der grofsen Höhendifferenz darf kaum an 
einen Kanal gedacht werden; wahrscheinlich bestand sie aus einer Rohrleitung aus 
Thon oder aus durchbohrten Quadersteinen. Die Gründung der Stadt Denisli hat 
hier aber jede Spur, so weit wenigstens über dem Boden sichtbar ist, verschwin- 
den lassen. 

Wir haben gesehen, dafs die Ingenieure, die der Wasserversorgung von Lao- 
dicea vorstanden, ihre Aufgabe geschickt und kunstgerecht ausgeführt haben; hori- 
zontaler Kanalbau in gut gewählten Kurven, zuerst in der Ebene, dann an den 
Abhängen der Hügel, Ueberbrückung der Thäler durch Aquädukte, schliefslich eine 
gut durchdachte Hochdruck-Leitung, Alles vereinigt sich, um diese Wasserleitung als 
eine nicht unwichtige Leistung erscheinen zu lassen. Sie erreicht nicht die Grofs- 
artigkeit der Königsleitung von Pergamon, allein die Prinzipien, die beiden zu Grunde 
liegen, sind dieselben. 

Es bleibt noch die Zeitbestimmung der hier geschilderten Leitung. Ramsay 
(a. O.) sagt: ^a castellum and an aqueduct which are probably not later, tkough they 
might be earlier than the time of Hiero»^ [Strab. XII p. 578.] Römische Zeit dürfte 
wohl ausgeschlossen bleiben, da, wie Gräber mit Recht bemerkt (Vorl. Ber. S. 18), 
die Römer sich nicht vor zwei- oder dreistöckigen Anlagen beim Übergange über 
das Thal nächst der Stadt gescheut haben würden, haben sie doch gewifs die hohe 
Brücke über den Asopos bei dem Ephesischen Thore von Laodicea erbaut. Ändert 
seits, als Antiochus II. Theos oder vielleicht sein Vater die Stadt auf dem kahlen 
Plateau gründete, war die Wasserversorgung ganz besonders eine Lebensfrage. Es 
ist schwer zu glauben, dafs schon die ältere Ansiedlung', Diospolis oder Rhoas, sich 
an derselben Stelle befunden habe; sie wird vielmehr an der wasserreichen und 
fruchtbaren Stelle des heutigen Denisli gelegen haben und Antiochus übersiedelte 
die Einwohner in die neue Stadt, mufste sie dann aber gleichzeitig mit dem lang- 
gewohnten reichlichen Wasser versorgen. Alle Erwägungen führen darauf, dafs die 
Wasserleitung aus hellenistischer Zeit stammt, ja man wird ihre Entstehung nahe 
bei der Gründungszeit der Stadt zu suchen haben. 

Zum Schlufs sei es mir gestattet, auch an dieser Stelle meinen besten Dank 



JAHRBUCH DES INSTITUTS 1898 




RUCHSTUCK 

AUS I 





EINER VASE 




Wolters, Vasen aus Menidi. . j? 



Herrn Ed. Purser, dem Generaldirektor der Smyrna-Aidin-Eisenbahn, auszudrücken, 
nicht nur fiir die Erleichterungen, die er mir auf meinen Ausflügen stets gewährte, 
sondern ganz besonders auch für die mir gestattete Einsicht in die einschlagenden 
Eisenbahnpläne, deren Wichtigkeit bei der gegenwärtigen Arbeit niemand ent- 
gehen wird. 

Smyrna. , G. Weber. 



VASEN AUS MENIDI. 

(Tafel I.) 

Bei der im Jahre 1879 erfolgten Freilegung des Kuppelgrabes in Menidi 
fanden sich aufser mykenischen auch eine ganze Anzahl späterer Vasenscherben 
und anderer Fragmente von Thon. Sie kamen natürlich nicht im eigentlichen 
Grabgewölbe zum Vorschein, wohl aber in dem offenen, hinein führenden Gange, 
und ihr Fund ist kein ganz zufälliger, sondern durch ihre ehemalige Verwendung 
an diesem Orte bedingt. In der Veröffentlichung unseres Instituts über die Aus- 
grabung* haben diese Reste sowohl im Bericht Lolling*s (S. 4ff.) ihre Erwähnung 
gefunden, als auch eine systematische Durchmusterung von Furtwängler erfahren 
(S. 48 ff.), allerdings vor ihrer vollständigen Reinigung und Zusammensetzung. Aber 
auch von diesem Umstände abgesehen überwog begreiflicher Weise damals das 
Interesse an den noch fremdartigen mykenischen Funden weitaus und stellte diese 
obendrein sehr zertrümmerten jüngeren Überbleibsel ganz in den Schatten. Man 
durfte sich zunächst begnügen, aus ihnen die nötigsten Schlüsse über die Art und 
Zeit der Schliefsung des Grabes und die längere Dauer des hier geübten Toten- 
kultes zu ziehn'. Inzwischen war ein Teil der Bruchstücke besser gereinigt und 
auch Einiges zusammengesetzt worden, ohne jedoch besondere Aufmerksamkeit zu 
erwecken '. 

Ich verdanke es einem zufalligen Anlafs, dafs ich mich mit ihnen etwas ein- 
gehender beschäftigen mufste, und bemerkte dabei, dafs sich ihre Ordnung und 
Zusammenfiigung noch weiter führen und daraus eine schärfere Fassung der schon 
gezogenen Schlüsse gewinnen liefse. Der Umstand, dafs die eine der Vasen auch 



*) Das Kuppelgrab bei Menidi. Vgl. dazu den ^j Kuppelgrab S. 5 ff. 54. FurtwMngler u. Loeschcke, 

Nachtrag LoUing's in den Athen. Mittheilungen Mykenische Vasen S. 39. 

1887, S. 139; über die dort gefundenen Vasen my- ^ Gelegentliche Besprechung und Abbildung hat 

kenischen Stiles vgl. Furtwängler und Loeschcke, ein Fragment durch Furtwängler (Arch. Zeitung 

Mykenische Vasen S. 39. Weitere Litteratur ver- 1882 S. 206 f.) und Pallat (Athen. Mittheilungen 

zeichnet Frazer in seinem Pausanias III S. 138. 1897 S. 332) erfahren. 



I^ Wolters, Vasen aus Menidi. 



abgesehn von ihrem Fundort allgemeineres Interesse verdient, ist dann der unmittel- 
bare Anstofs zu diesen Mitteilungen geworden, deren erster Abschnitt der Erläu- 
terung des genannten Gefafses gewidmet ist, während eine genauere Besprechung 
der übrigen Funde einem zweiten Teile vorbehalten bleibt. 

L 

Ungefähr i8 m vom Eingang in das Grabgewölbe entfernt, dicht unter der 
rechten, nördlichen, Seitenmauer des Ganges fanden sich zusammen liegend eine 
ganze Anzahl von Fragmenten einer Vase mit Kentauromachie und Tierfries; an 
derselben Stelle lagen drei Scherben mit Inschriftresten (vgl. Kuppelgrab S. 6. 50), 
deren eine mit den Buchstaben KET/ auf den Kampf des Theseus mit Minotauros 
gedeutet ward. 

Diese Scherben stammen von einer und derselben bauchigen Vase. Ihre 
Zusammengehörigkeit, so wie die einiger weiterhin zu nennender, ist durch Dicke, 
Wölbung, Thon, Firnifs der Malerei und der Innenseite gesichert. Auf Taf. i sind 
die für die Darstellung wichtigen abgebildet, wie sie sich wieder haben zusammen- 
fügen lassen. Die Abbildung, etwa in Vc ^^r natürlichen Gröfse, versucht nicht 
die verschiedenen von Rotbraun zu Dunkelgrünlich und Schwarz wechselnden Fär- 
bungen des Firnisses zum Ausdruck zu bringen, auch nicht die Abtönungen, welche 
stellenweise durch die geringere Dicke der aufgetragenen Farbe hervorgerufen sind ; 
der Firnifs ist überall durch gleichmäfsiges Schwarz wiedergegeben, und kleine, 
sicher zu ergänzende Beschädigungen sind nicht berücksichtigt. Ebenso ist die 
vielfach sehr verblafste Deckfarbe überall gleichmäfsig hergestellt, wo dies mit 
Sicherheit geschehen konnte. Wenn dadurch die Abbildung ein glatteres Aussehen 
bekommen hat, als das Original zeigt, so ist doch die zu Grunde liegende Zeich- 
nung E. Gilli^rons als solche durchaus treu und zuverlässig und ausreichend für 
stilistische Beurteilung. Die Farbe des Thones hätte etwas weniger lebhaft, mehr 
bräunlich sein müssen. Am Original ist sie an der Oberfläche bräunlich gelb, 
ziemlich matt, im Bruch mehr rötlich. An einigen Stellen scheint es, als ob der 
Firnifs in zwei Lagen aufgestrichen sei, so besonders oben an der Scherbe 2. Da 
die obere Lage rotbraun geworden ist, hat man zuerst den Eindruck, es sei rote 
Deckfarbe angewendet, deren Umrifs man sogar glaubt, sich von der unteren 
Firnifslage (am unteren Rand des schwarzen Streifens) abheben zu sehen. Da sich 
aber diese obere Lage teilweise auch über die untere hinaus auf den Thongrund 
erstreckt, und sich hier deutlich als Firnifs erkennen läfst, andrerseits sich eine ähn- 
liche braunrote Färbung z. B. am Kentauren rechts auf Scherbe i feststellen , aber 
mit absoluter Sicherheit von dem aufgesetzten Rot unterscheiden läfst, so haben 
wir diese rotbraune Färbung als eine nachträglich entstandene Änderung des mangel- 
haften Firnisses nicht weiter berücksichtigt*. 

*) Vgl. die Darlegungen von E. Durand-Greville denen ich mich nach meinen Beobachtungen in 

in der /^fvue arc/i, 1891, II S. 99, 1892, I S. 363, der Hauptsache durchaus jxnschliefsen kann. 



Wolters, Vasen aus Menidi. je 



Die gröfste, aus mehreren kleineren Bruchstücken zusammengesetzte Scherbe 
mifst in der Höhe 28, in der Breite 36 cm; unter dem Taf. i, i abgebildeten Teil 
ihres bildlichen Schmuckes zeigt sie noch einen etwa 4 cm breiten schwarzen Hori- 
zontalstreifen (vgl. Scherbe 4), der oben, unten und in der Mitte einen schmaleren, 
rot aufgesetzten Streifen zeigt; der obere dieser roten Streifen erscheint noch in 
der Abbildung als Fufslinie der Tiere. Darunter befinden sich aufgerichtete Strahlen, 
jetzt noch etwa sVa» ehemals wohl 7 cm hoch. Die Höhe des abgebildeten Teiles 
der Scherbe beträgt 1 8 cm. 

Die Scherbe ist in vertikaler Richtung so stark gekrümmt, dafs es von vorn 
herein äufserst unwahrscheinlich ist, über dem erhaltenen sei noch ein weiterer 
Streifen mit Darstellungen gefolgt; ihre Dicke nimmt von oben nach unten zu 
(6 — 10 mm). 

Der obere Streifen zeigt einen Kentaurenkampf. Herakles, allerdings durch 
die Tracht nicht genauer charakterisirt, aber doch ohne Bedenken vorauszusetzen*, 
schreitet nach rechts hin und fafst einen Kentauren, dessen Vorderbeine zusammen- 
brechen, mit der Linken im Haar. Der Kentaur ist verwundet, wie die mit Rot 
aufgemalten Blutstreifen unterhalb des rechten Vorderbeins beweisen; man wird 
deshalb den Vorsprung in seinem Rücken für die Feder eines Pfeiles ansehen, der 
seinen Oberkörper von hinten her durchbohrt hat. Auch am Hinterschenkel fliefst 
Blut, ebenfalls mit stumpfer roter Farbe unmittelbar auf den Thongrund gesetzt. 

Herakles trägt einen kurzen, unten mit eingeritzter Borte versehenen Chiton; 
von dem durch Ritzlinien angedeuteten Gürtel ist nur ein kleiner Rest erhalten. 
An seiner linken Seite hängt in schrägem Tragbande der breite Köcher, noch voller 
Pfeile. Die Waffe aber, mit welcher Herakles bisher gekämpft, der grofse Bogen, 
liegt am Boden und statt seiner hat er eine für den Nahkampf geeignetere Waffe, 
das Schwert, ergriffen. Zwar ist es in Folge der Zerstörung am Original nicht 
ohne Weiteres zu erkennen, wenn man aber die ganz verblafste, und nur noch als 
heller Schimmer erhaltene weifse Farbe des Schwertgriffes ergänzt, so erkennt man 
mit Sicherheit in den schwarzen Resten über dem Hinterteil des Kentauren links 
von Herakles dessen Faust und Schwertklinge. Die weifse Farbe des Schwert- 
knaufes und der Verbindung von Griff und Klinge war unmittelbar auf den Thon- 
grund gemalt ^ 

Offenbar hat die Spitze des Schwertes das Opfer schon getroffen; das aus 
der Wunde strömende Blut wurde schon erwähnt. Auffällig ist, dafs nur ein Bein 
des Herakles, das rechte, gezeichnet ist. Man könnte dies der Nachlässigkeit des 



*) Vgl. Roscher's Lexikon I S. 2193 (Furtwänglcr). (Vase des Amasis). Heydemann, Vasenbilder 

*) Dargestellt ist das Schwert mit breitem Knauf Taf. 1,4. Nahe verwandt ist die schon aus der 

und halbmondförmigem, nach unten geöffnetem Dipylonzeit bekannte Form Athen. Mittheilungen 

Griffansatz, ohne Parierstange, wie es sich in 1888 S. 297 (Dümmler). Zeitschrift ftir Ethno- 

archaischer Zeit recht häufig findet; vgl. z. B. logie 1890 S. 2 (Undset), entbehrt jedoch des 

Denkmäler I Taf. 57 (Netosamphora). Wiener Knaufes; ein Schwert wie das von Undset S. 18 

Vorlegeblätter 1 888 Taf. 3 (Frangoisvase, Hoplon). Fig. 34 abgebildete stimmt genau. 
4>3 (Vase des Nearchos). 1S89 Taf. 3,1. 4,3 



l5 Wolters, Vasen aus Menidi. 



Malers zuschreiben und allerdings damit entschuldigen, dafs der daiiir verfügbare 
Raum von den Hinterbeinen des Kentauren, dem Bogen, und dem mit gravirten 
Linien belebten Schweif des zweiten Kentauren derartig gefüllt erscheint, dafs man 
bei flüchtiger Betrachtung nichts vermifst Vermutlich ist die Sache aber anders 
zu erklären. Auf der Netosamphora (Denkmäler I Taf. 57) bedroht Herakles seinen 
Gegner in sehr ähnlicher Haltung und setzt ihm den linken Fufs in den Rücken; 
dieser Typus schwebte dem Maler unseres Bildes vor. Wir müssen also wohl an- 
nehmen, dafs der erhobene linke Fufs samt dem Bein hinter dem Pferdeleib des 
Kentauren verschwindet, dürfen allerdings auch den Tadel nicht unterdrücken, dafs 
der Maler diese sehr ausdrucksvolle Gruppe mit wenig Verständnifs und wenig 
Klarheit wiedergegeben hat. Bilder wie Roulez, Vases peints de Leide Taf. 8, 2. 
Rofs, Arch. Aufsätze II Taf. 2. Jahn, Vasensammlung zu München Nr. 156 {Monu- 
menti deW InsL I Taf. 26, la Annali 1836 Taf. C, i) lassen das weit vorgesetzte 
Bein des Herakles schon in ähnlicher Weise verschwinden. Dafs der Kampf mit 
Nessos den Typus unseres Bildes beeinflufst hat, wird durch die Verwendung des 
Schwertes neben dem Bogen sehr wahrscheinlich (vgl. Roscher's Lexikon I S. 2194. 
Jahrbuch des Instituts 1890 S. 253). 

Vor Herakles Kopf steht mit groben Buchstaben KETX, offenbar der Rest 
von Ketaüpoc für Keviaopo;; über den Schwund des Ny vgl. Kretschmer, >Die griech. 
Vaseninschriflen S. 161. 

Zwei weitere Gegner des Herakles sind noch erhalten, beide nach links ge- 
wendet. Der eine liegt bereits am Boden; die menschliche Hand, welche hier er- 
scheint, wird ihm angehören, und der kleine Rest darüber für seinen linken Ellen- 
bogen zu halten sein, so dafs wir ihn uns mit erhobenen Händen nach rechts 
blickend denken müssen. Der zweite hält sich noch aufrecht, obwohl auch er von 
einem Pfeil durchbohrt ist; mit der rechten Hand greift er nach der stark blutenden 
Wunde. Die Beharung seines Körpers ist durch eingeritzte kurze Striche ausgedrückt 
(vgl. Arch. Zeitung- 1883 Taf. 10 S. 156. Journal of Hell Studies I Taf. i S. 131). 

Nur noch ein minimaler weiterer Rest des Kentaurenkampfes ist uns in der 
Taf. I, 2 abgebildeten, aus zwei Stücken zusammengesetzten Scherbe erhalten. 
Denn offenbar sind die Einritzungen in dem schwarz gefirnifsten Grunde als die 
Hufe der Vorderbeine eines Kentauren zu erklären'; ob die tiefer stehende Ein- 
ritzung ebenfalls Hufe, oder was sonst, darstellt, kann ich nicht entscheiden. Die 
ganze Scherbe ist 13 cm hoch und 10 breit. 

Nur eine Scherbe, die auf Taf. i, 3 abgebildete, bietet uns ein weiteres Stück 
des eigentlichen Bildstreifens, offenbar aber von einer ganz anderen Darstellung. 
Die Scherbe, aus drei Fragmenten zusammengesetzt, ist etwa 9 cm hoch und 11 
breit; leider ist gerade bei ihr die Oberfläche ungewöhnlich stark verscheuert. Links 
sieht man die Köpfe zweier Pferde, eines weifsen und eines schwarzen; die Art, 
wie sie neben einander dargestellt sind, beweist, dafs sie angeschirrt zu denken sind, 



^) Die helle Stelle dort ist nur durch eine ZuHllligkeit des Druckes entstanden. 



Wolters, Vasen aus Menidi. 17 



und ihre starke Neigung nach vorne macht wahrscheinlich, dafs sie zu einem Ge- 
spann von vier Pferden gehören, deren zwei mit höher erhobenen Köpfen hinter 
diesen erschienen. Die weifse Farbe ist unmittelbar auf den Thongrund gesetzt, 
Umrifs, Zügel und Auge sind darauf mit stumpfem Rot gemalt. Die Begrenzung 
der Schnauze ist nur noch im Allgemeinen zu erkennen. Vor den Pferden erhebt 
sich nach rechts gewandt eine grofse Schlange mit weit geöffnetem Rachen. Einen 
geringfiigigen Rest über dem Kopf der Schlange werden wir erst später zu er- 
klären haben. 

Man würde der Schlange gegenüber irgend ein anderes Wesen erwarten, 
findet aber statt dessen einen verhältnifsmäfsig grofsen Raum, der mit mehreren 
Reihen Schriftzeichen gefüllt ist, und erst darnach wieder einen Rest von Darstellung, 
den Fufs einer langbekleideten Gestalt. Fufs sowohl wie Gewand waren mit Weifs 
auf den Thongrund gesetzt, der Saum des Gewandes und die Riemen der Schuhe 
mit stumpfem Rot gemalt. 

Die Inschrift, welche Reste von drei Zeilen zeigt, ist leider durch die Ver- 
scheuerung der Oberfläche ganz besonders mitgenommen. Da es bei dem Zu- 
stande des Fragmentes nicht unwahrscheinlich ist, dafs noch nach der Auffindung 
durch Abblätterung der Oberfläche Spuren verloren gegangen sind, so teile ich hier 
auch die Abschrift mit, welche LoUing, vermutlich bald 
nach der Auffindung, genommen hatte. Was sich jetzt ^ ,J^ X^ 



noch sehen läfst, ist auf unserer Tafel möglichst genau ^ ^1^ 

verzeichnet ^ 



Die Inschrift zeigt Reste von drei Zeilen. Die 

erste von rechts her gezählt, mufs offenbar linksläufig -^ S " 

von oben nach unten gelesen werden. Deutlich ist "Q ^ 

zunächst ^^3] die obere Hälfte des runden Buch- * 

stabens fehlt, und da hier der Grund ganz verschabt •^ .^ 

ist, läfst sich äufserlich nicht entscheiden, ob es O, ^^ ^ 

oder war. In LoUing's Abschrift folgen dann drei ^^^ 



senkrecht übereinander stehende Punkte, die jetzt an ^^ t^rt 
dieser ganz verschabten Stelle nicht mehr erhalten sind. ^ • • jä^ 
Nach ihrer unregelmäfsigen Form möchte man sie eher pjg^ , 

für Reste einer senkrechten Linie als für eine Inter- 
punktion : halten. Wäre diese letztere Annahme richtig, so würde wohl £]spoü zu 
lesen sein. Der geringe dann folgende, auch von Lolling verzeichnete Rest, gehört 
dem linken Ende einer horizontalen Linie an, stammt also entweder von einem 3 
oder einem T, von dessen senkrechter Linie dann wohl die von Lolling verzeich- 
neten Punkte herrühren werden. Ein folgendes, tiefer stehendes Pünktchen läfst 
keine Beurteilung zu. Dann folgt der Rest einer schrägen Linie /, und in ihrer 
Verlängerung weiter unten ein zweiter, der von dem unteren Ende eines Buch- 
stabens herrührt. Man würde beide fiir Reste einer und derselben schrägen Linie 
ansehen können, wenn Lolling nicht den zweiten deutlich als Rest einer senkrechten 

Jahrbuch des archäologischen loBtituts XIII. 2 



l8 Wolters, Vasen aus Menidi. 



Linie verzeichnete. Zu einem A darf man die schräge Linie nicht ergänzen, weil 
der auf ihrer rechten Seite erhaltene Grund keine Spur der Querlinie zeigt, wäh- 
rend links der Grund ganz abgeschabt ist. Ergänzungen wie l oder A oder M 
scheinen darnach möglich. 

Die zweite Zeile, ebenfalls linksläufig von oben nach unten geschrieben, ist 
etwas besser erhalten. Man erkennt I35i1 3'1!$O^I. Vom untersten, etwas schief 
stehenden, weil zur nächsten Zeile überleitenden Buchstaben ist jetzt nur noch ein 
senkrechter Strich vorhanden; die Abschabung des Grundes links gestattet, ihn für 
unvollständig, also wohl ^ zu halten, und in der That verzeichnet Lolling hier noch 
Reste, die so gedeutet werden können. Die bei ihm rechts schräg ansetzende 
kurze Linie ist kein Teil des Buchstabens, sondern eine Abschabung. Auch der 
vierte Querstrich des 3 davor, den Lolling verzeichnet, beruht nur auf einem 
täuschenden Schein. Der Rest vor diesem mufs ^ sein. Man könnte ihn zwar nach 
dem Grade der Zerstörung auch zu S{ ergänzen und mit dem kleinen Rest weiter 
rechts unten, als dem unteren Ende seiner senkrechten Linie in Verbindung bringen 
wollen, doch ist diese Vermutung schon wegen der klaren Form ^ in der nächsten 
Zeile äufserst unwahrscheinlich. Weiter rechts sind dann die Reste eines Buch- 
stabens wie A zu erkennen, dann ist eine Lücke, die Platz für einen oder auch zwei 
Buchstaben bietet; Lolling verzeichnet in ihr die geringe Spur einer schrägen Linie 
/, die jetzt verschwunden ist. Die weiteren Zeichen 3'ii^O^I sind mühelos zu 
erkennen. 

Die dritte Zeile ist, worauf schon die Stellung des letzten Buchstabens der 
vorhergehenden hinwies, von unten nach oben zu lesen, und zwar ebenfalls links- 
läufig. Denn andernfalls müfsten wir mit dem © und der darauf folgenden Inter- 
punktion I ein Wort schliefsen lassen. Wir werden diese letztere also vielmehr auf 
das . . . (J8V der zweiten Zeile folgen und diese dritte mit © beginnen lassen. Der 
darauf folgende Rest scheint von einem 3 herzurühren. Nach einem völlig ver- 
schabten Zwischenraum, der ein bis zwei Buchstaben enthalten haben wird, und in 
dem Lolling noch eine minimale Spur verzeichnete, die von einer schrägen Linie 
herrühren kann, folgen zwei senkrechte Hasten. Ihr oberes Ende ist zerstört, ihr 
unteres dagegen erhalten. Weiterhin wird in Folge des Bruches wieder etwa ein 
Buchstabe fehlen, dann folgt ein kleines, nach links geöffnetes Halbrund. Lolling 
hat es mit punktirten Linien zu einem 9 ergänzt. Das ist offenbar nur eine Ver- 
mutung, denn die Oberfläche ist hier glatt erhalten und zeigt keinerlei Spuren 
solcher Art. Es wird vielmehr die obere Hälfte eines 3 sein, das durch die Un- 
gleichmäfsigkeit der Striche zufallig diese mehr halbrunde Form erhalten hat. Dar- 
auf folgt ein P sowie zwei senkrechte Linien. Bei der ersten verzeichnet Lolling 
in schwachen Strichen zwei in der Mitte ansetzende kurze horizontale Linien; ich 
halte diese Spuren für zufallige Verletzungen. Die zweite Linie möchte man nach 
der kleinen Spur weiter links zu ^ ergänzen. An der nächsten Stelle hat Lolling 
schwache Spuren eines runden Buchstabens zu sehen geglaubt; der geringe Rest, 
den man hier noch sieht, scheint eher von einem graden Strich herzurühren. Es 



Wolters, Vasen aus Menidi. jp 



folgt eine senkrechte Linie, an welche im spitzen Winkel eine zweite ansetzt, 
also wohl ^. 

Ich habe es für nötig gehalten, diese dürftigen Reste so genau zu ver- 
zeichnen, um etwaigen Versuchen, sie zu ergänzen, eine sichere Grundlage zu 
schaffen. Denn ich mufs leider bekennen, dafs es mir nicht hat glücken wollen, 
eme zusammenhängende Lesung zu finden. Einzelne Buchstabengruppen erlauben 
wohl eine Vermutung. Dafs in Z. i fJepoS stecken könnte, wurde schon bemerkt, 
aber auch {)pa>t.., -Jjpoie oder ähnlich könnte man lesen, und Fundort wie Form der 
Vase, wie später noch darzulegen sein wird, könnten eine solche Lesung empfehlen. 
In Z. 3 möchte man in den Buchstaben epix.X das Beiwort ir]epix[a]X[XT^c] suchen, im 
Anfang der Zeile entweder eine Form von Oe[rvat] oder von 8e[6;], letzteres aller- 
dings im Widerstreit zu einer etwaigen Erwähnung der Heroen in Z. i. Alles das 
' ist und bleibt mir zusammenhangslos und unsicher; nur die zweite Zeile scheint eine 
Handhabe zur Beurteilung des Gefafses zu bieten. 

Klar ist ihr Anfang . . . iXo; \i i. . ., also redet hier die Vase selbst. Der 
Mann, mit dessen Namensrest die erhaltene Zeile anhebt, mufs also das Gefafs ge- 
macht, gemalt oder geweiht haben; etwas anderes können wir als Inhalt dieser In- 
schrift kaum erwarten, deren Länge schon eine direkte Beziehung zur Darstellung 
unwahrscheinlich macht: wenigstens sind erläuternde Epigramme wie die von der 
Kypseloslade überlieferten auf Vasen bisher nicht vorgekommen. Da die Inschrift 
von dem Vasenmaler selbst herrührt, würde die Annahme, es sei in ihr nur die 
Weihung ausgesprochen gewesen, die Vermutung aufdrängen, dafs die Vase auch 
das Werk des Weihenden selbst sei. Einfacher bleibt allerdings die Annahme, 
dafs die Inschrift nur von der Herstellung des Gefafses berichtete. Nun ist das 
Zeitwort leider nicht sicher zu erschliefsen. "E^pacpaev stand anscheinend nicht da, 
man wüfste sonst das ♦ nicht unterzubringen, iiroeaev ist nur möglich, wenn wir den 
kleinen Rest vor 5 als zufällig betrachten (was er sehr gut sein kann), in dem er- 
haltenen Winkel das Überbleibsel eines 9 erkennen, während sonst die Form 3 
verwendet ist, und das O klein, etwa unter dem T geschrieben denken. Die An- 
nahme ist also nicht ohne Schwierigkeit. Für andere Worte, wie dxepafisüaev, fehlt 
der Platz. "'EirXotaev, woran man etwa noch denken könnte, wird durch den Umstand 
nicht empfohlen, dafs der Buchstabe vor dem S eine senkrechte Linie hat, also kein 
A sein kann, wie man erwarten würde, sondern höchstens 1^; auch scheint der 
Raum für >n sehr enge. Ich kehre deshalb immer wieder zu der Vermutung zu- 
rück, dafs e-ypttcp^Ev, allerdings mit irgend einem Schreibfehler, da gestanden habe. 
Aber obwohl es uns nicht gelingt, dies Rätsel zu lösen, dürfen wir behaupten, dafs 
die Vase, von welcher diese Scherbe stammt, das Werk eines Mannes war, dessen 
Namen auf -iXoc endete. Dafs es derselbe Sophilos war, der uns schon durch ein Ge- 
fafs von der Akropolis* bekannt ist, lehrt eine Vergleichung der Malereien, die sich 



O Zur Vase von der Akropolis vgl. 'E^Tjfiepl; dp^. Taf. i S. i (Winter). Wiener Vorlegeblättcr 

1883 S. 37. Klein, Die griech. Vasen mit Meister- 1889 Taf. 2,3. Eranos Vindoboncnsis S. 233 

Signaturen- S. 217. Athen. Mittheilungen 1889 (Studniczka). Wir besitzen von ihr jetzt neun 

2* 



20 



Wolters, Vasen aus Menidi. 



allerdings auf Einzelheiten beschränken mufs, da die Trümmerhaftigkeit beider Ge- 
fafse uns die Möglichkeit, gleichartige Darstellungen zu vergleichen, nimmt. Be- 
ginnen wir mit dem Bruchstück 3. Der weifsgemalte Fufs mit dem gitterartigen 
rot gemalten Riemenwerk der Sandale findet seine schlagende Analogie in dem 
Schuhwerk der Demeter und Chariklo auf der schon bekannten Vase, eine Analogie 
die um so beweiskräftiger ist, je seltener überhaupt auf den schwarzfigurigen atti- 
schen Vasen Schuhwerk dargestellt wird '. Offenbar sind in diesem Falle Sandalen 
mit reichem Riemenwerk gemeint (vgl. Daremberg und Saglio, Dictionnaire 1, 2 
S. 1559). Die Schlange mit der doppelten Färbung ihres Leibes und der durch 
Doppelstriche bezeichneten Schuppepteilung des Bauches findet ihre Analogie in 
dem Ketos der Vase von der Akropolis (Studniczka S. 236), bei dem allerdings 
noch eine abwechselnde rote und schwarze Färbung der Felder hinzu kommt. Der 
Kopf des Herakles mit dem grofsen eigentümlich gradlinig eingeritzten Mund (die 
Abbildung giebt ihn nicht ganz wieder), stimmt durchaus mit den schon bekannten 
Köpfen des Sophilos. Das Muster seines Chiton kehrt bei den Mänteln der Chariklo 
und Demeter wieder. 

Das sind allerdings z. T. Ähnlichkeiten des Stils, die vielen gleichzeitigen 
Malern gemeinsam sein konnten *° und darum vereinzelt nichts, zusammen streng ge- 
nommen nur Verwandtschaft beweisen, aber es sind doch auch so singulare Über- 
einstimmungen vorhanden — ich meine besonders die Reste der menschlichen Ge- 
stalt auf I — dafs man selbst ohne die Inschrift auf denselben Verfertiger für beide 
Vasen raten würde. 

Unterschiede sind natürlich auch zu bemerken. Im Ganzen ist die Vase 



Bruchstucke, aufser den fünf schon veröffentlich- 
ten: 6. Bruchstück mit dem untersten Ende der 
linken Ante des Thetishauses und dem Rest eines 
davor nach links stehenden Mannes mit rotem 
Schuh und weifsem langem Gewand. Vom unteren 
Tierstreifen ist die RUckenborste eines Ebers 
erhalten. 7. Oberkörper von Zeus und Hera 
(BEI.) ^'^'^ rechts; er hält Zügel und Stab. 
Ihre Gröfse stimmt völlig zu der des Poseidon 
und der Amphitrite, die also auch zu Wagen 
sind. 8. Reste eines nach rechts gewandten 
Wagens und einer lang bekleideten, darauf 
stehenden Person, sowie die VorderfUfse des 
folgenden Gespannes. Unten (wie bei 6) eine 
Rückenborste. 9. Fragment des Palmetten-Lotos- 
Bandes. 
^ Darauf weist mich R. Zahn hin. Sandalen, aber 
nie mit dem reichen Riemenwerk wie hier, finden 
sich Adamek, Amasis Taf. i. Salzmann, Camiros 
Taf. 57 (panathenäisch). Journal of Hell. Stud. 
XIII Taf. 11,1. Gerhard, Etruskische Vasen- 
bilder Taf. 3 (Berlin 1686). Heydemann, Vasen- 
bilder Taf. X|4. Auch auf nicht-attischen Vasen 



sind Sandalen selten, am häufigsten bei der doch 
wohl ionischen manirirten Gattung (verzeichnet 
von Gsell, Nicropole de Vulci S. 502, 3) wie Ger- 
hard, A. V. II Taf. 117. Micali MonumenH (1833) 
Taf. 77. (1844) Taf. 44, i. 2. British Museum B, 
149* 153* Monu$nenti dei Lincei VII S. 334. 
Auch auf der Vase von der Art der Phineus- 
Schale, Arch. Anzeiger 1895 S. 35, 23, auf 
der Schale Journal of Hell, Studies 1884, Taf. 41 
und auf korinthischen Pinakes (Denkmäler II 
Taf. 23,16 a. 24,28) kommen sie vor. Dais 
die später offenbar sehr beliebten Sandalen mit 
dichtem Riemenwerk auch schon im vorpersi- 
schen Athen getragen wurden, zeigt aufser 
Sophilos die Reiterstatue, Jahrbuch des Instituts 
1893 S. 143. 
^^) So kann man für die Schlange z. B. auch ver- 
weisen . auf Jahrbuch des Instituts 1893 Taf. i 
und Gerhard A. V. II Taf. 95. Zum attischen 
Ursprung dieser letzteren Vase vgl. Hauser, 
Jahrbuch 1893 S. 99; als weitere Analogie kommt 
jetzt E. Gardner, Greek vases in ihe Fitzivilliam 
Museum Cambridge Nr. 44 hinzu. 



Wolters, Vasen aus Menidi. 2I 



von Menidi schlechter und nachlässiger, Thon und Firnifs sind von matterer Farbe 
und geringerer Qualität, die Zeichnung scheint, soweit man überhaupt vergleichen 
kann, etwas flüchtiger. Dürfte man ohne Weiteres stets eine Entwickelung zum 
Besseren voraussetzen, so würde die Vase aus Menidi als die ältere anzusehen sein. 
In der gesamten Technik stimmen sie völlig überein. Die rote Farbe (abgesehen 
von den S. 15 erwähnten Kleinigkeiten) ist auf den Firnifs, die weifse, unmittelbar 
auf den Thon gesetzt und bei letzterer sind lineare Einzelheiten und Umrisse mit 
stumpfer roter Farbe aufgetragen. Die Verwendung von Deckrot für die Fleisch- 
farbe der Männer ist auch als seltenere beiden Vasen gemeinsame Eigenheit her- 
vorzuheben. 

Wenn wir demnach die Berechtigung haben, die beiden Vasen demselben 
Meister Sophilos zuzuschreiben, werden wir uns das Bild von seiner Thätigkeit 
durch die Vase von Menidi zu ergänzen suchen. Nicht das Unwichtigste ist in 
dieser Hinsicht ein Teil der Decoration, von dem ich bisher noch nicht gesprochen 
habe, der untere Streifen mit den Tierdarstellungen. Auch auf der Sophilosvase 
von der Burg war ein solcher vorhanden, ist aber nur in Spuren erhalten und war . 
aus den zuerst bekannt gewordenen Bruchstücken nur mit Mühe zu erschliefsen 
(Studniczka S. 239). Seitdem sind einige hinzugefunden worden, welche es zweifellos 
darthun (oben Anm. 8), und diese Reste des Tierstreifens beweisen wieder die 
nahe Verwandtschaft beider Vasen (vgl. z. B. den Flügel auf i, die Rückenborste 
auf 3 mit den entsprechenden Stücken von der Akropolis). Erhalten sind von dem 
Tierstreifen unserer Vase auf i zwei Löwen und der Rest eines Vogels, vermutlich 
eines menschenköpfigen, auf 2 ein Löwe und geringe Reste eines Hahnes ^^ auf 3 
die Spur eines Ebers, auf 4 die unteren Teile zweier Vögel; endlich ist noch ein 
fünftes, nicht abgebildetes Bruchstück mit dem Vorderteil eines nach rechts ge- 
wendeten Löwen vorhanden. Einen solchen groben, leeren, langweiligen Streifen 
ausgeleierter Typen müssen wir auch bei der Vase von der Akropolis voraussetzen. 
Es ist der übliche Bestand, wie ihn uns die Vasen aus Vurvä und ihresgleichen" 
und die attischen Amphoren, die man mangels eines ganz zutreffenden Namens 
noch immer tyrrenische'* ^flennt, bieten. Dafs diese Tierdecoration bei Sophilos 
einen so unverhältnifsmäfsig grofsen Raum einnahm, sehen wir mit Klarheit erst 
jetzt; erschlossen war es allerdings schon vorher. Darin wie auch sonst, ist Sophilos 
den Verfertigern jener Amphoren nahe verwandt; man vergleiche nur die Nessos- 
vase im Haag (Jahrbuch 1890 S. 244). Aber er ist ihnen nicht ganz gleich. Trotz 
seiner geringen Sorgfalt ist er etwas frischer, etwas sorgfältiger; in der Technik ist 
er altertümlicher, setzt Weifs noch auf den Thongrund, malt darauf mit roten 
Strichen, während bei jenen Amphoren weifse Farbe auf Firnifsgrund gesetzt und 



1') Die Reste lassen kaum einen Zweifel daran; vgl. theilungen 1897, S. 263. Jahrbuch des Instituts 

etwa MonumenH delV Inst, IX, Taf. 55. 1887, S. 275 (Loeschcke). 1889, S. 222 (Schu- 

J^ Athen. Mittheilungen 1890 Taf. II. 12, 1. S. 325f. macher). 1890, S. 237 (Holwerda). 1893, S. 93 

1893 Taf. 2. 3. (Hauser). 

") Vgl. Arch. Zeitung 1876 S. iio. Athen. Mit- 



22 Wolters, Vasen aus Menidi. 



mit Einritzungen belebt wird. Auch die Vorliebe für rote Färbung des Gesichts 
und der Brust männlicher Körper zeugt in diesem Sinne, obwol diese Färbung auch 
bei jenen Amphoren noch vorkommt (Jahrbuch des Instituts 1893 S. 94). Charakte- 
ristisch ist das Gröfsenverhältnis des eigentlichen Bildes zum Tierstreifen; auf den 
Amphoren sind die Thierstreifen noch mehr zum Ornament herabgesunken, werden 
vervielfacht, deshalb schmaler und für die Gesamtwirkung zierlicher. Zu bemerken 
ist auch die Schrift. Sophilos schreibt recht altertümlich mit groben, klobigen 
Buchstaben, aber er kann sich schriftlich äufsern, während die zierlicheren Bei- 
schriften jener Amphoren in den meisten Fällen sinnlos sind. Auf die Form des 
©, welche nach Loeschcke (Jahrbuch des Instituts 1887 S. 278) auf den Amphoren 
schon nicht mehr vorkommt, sei wenigstens hingewiesen, obwohl der einzelne 
Buchstabe natürlich keinen sicheren Schlufs erlaubt". 

Um die historische Stellung des Sophilos einigermafsen zu umgrenzen, 
müssen wir wenigstens noch sein Verhältnis zu Klitias erwägen. Dafs sie ungefähr 
Zeitgenossen waren ist klar: Der Vergleich des Götterzuges auf der Vase von der 
Akropolis und des Kentaurenkampfes auf der aus Menidi mit den entsprechenden 
Teilen der Frangoisvase lehrt das zur Genüge; vgl. z. B. die Art, wie der Kentaur 
Oroibios zusammenknickt, wie der hinter Hoplon Hegende das eine Hinterbein aus- 
streckt. Winter glaubte in Sophilos einen Nachahmer des Klitias erkennen zu 
müssen; nach Studniczkas Darlegungen ist das nicht mehr nötig; trotzdem ist er 
geneigt (S. 239) Sophilos iiir jünger zu halten wegen der schematischen Bildung 
des Männerauges, welche Klitias sorgfaltig zu meiden pflegt. Aber das erklärt sich 
ohne Weiteres aus dem verschiedenen Grade von Sorgfalt, der beiden Künstlern 
eigen ist. Aufserdem hat Klitias die schematische Zeichnung nicht völlig ver- 
schmäht** und bei sorgfaltigen Malern sehr viel jüngeren Stiles ist sie auch noch 
vermieden, während sie andrerseits bei älteren schon vorkommt (z. B. bei den 
Vasen aus Vurvä). Die Technik beider Maler ist in Bezug auf die Verwendung von 
Firnifs und Weifs dieselbe; das Weifs ist auf den Thongrund gesetzt**, aber an 
vereinzelten Stellen ist Klitias anscheinend schon davon abgewichen. Ein Unterschied 
ist, dafs Klitias nach Reichel's Zeugnis gar kein aufgesetztes Rot verwendet. Sicherlich 
war er also kein Anhänger der von Sophilos noch befolgten Manier, die Männer- 
körper rot zu malen. Hierin ist Klitias also offenbar der modernere. Er ist es 
auch in der Schrift. © verwendet er nur noch ein Mal, in der eingeritzten In- 
schrift am Sitz des Priamos. Das ist nicht ohne Belang. In eingeritzten Inschriften 
hat sich diese altertümliche Form als die bequemere lange gehalten; noch auf einer 
ganz entwickelten, rotfigurigen Vasenscherbe kommt sie vor (Athen. Mittheilungen 
1891 S. 154). Die Verwendung des 9 ist schon auf einen einzigen Fall beschränkt 



i<) Vgl. Kretschmer, Vascninschriften S. 113. alles soweit es die Abbildung in den Vorlege- 

»*) Vgl. Pelcus, Akastos, Antimachos, Pausileon in blättern 1888 Taf. 2—4 erkennen läfst. 

der kalydonischen Jagd, Damasippos, Diomedes '*^) Studniczka, Jahrbuch des Instituts 1887 S. 281. 

im Wagenrennen, Politcs beim Troilosabenteuer, Reichel, Arch.-epigr. Mittheilungen XII S. 41. 

die athenischen Jünglinge und die Pygmäen, 



Wollers, Vasen aus Menidi. 23 



(Kretschmer, Vaseninschriften S. 112). Vor allem ist aber auch hier die ganze 
Schriftart verschieden; an Stelle der ungeschlachten, plumpen Buchstaben des 
Sophilos sind kleine, feine, zierliche Zeichen getreten. 

Wie mit der Schrift verhält es sich auch mit der Zeichnung. Klitias viel 
gepriesene Subtilität scheint mir offenbar jünger als die laxe Derbheit des Sophilos; 
sein Streben ist auf das Ideal gerichtet, welches später Exekias, Amasis erreichen. 
Aus der Feinheit des Klitias ist der Stil des Sophilos sicher nicht entwickelt, er 
hätte selbst beim Versinken in die äufserlichste Flüchtigkeit mehr von dessen Zierlich- 
keit bewahrt. Der ungeschlachte Tierstreifen läfst sich unmittelbar aus den Vzisen 
von Vurvä herleiten. Klitias hat dagegen seine Tiere nicht mehr langweilig und 
leblos neben einander gereiht, sondern zu kämpfenden Paaren vereinigt, während 
andrerseits die Verfertiger der tyrrenischen Amphoren in handwerkmäfsigem Betrieb 
die altvaterischen Tierstreifen beibehalten; ihre unmittelbaren Vorgänger sind Leute 
wie Sophilos, nicht wie Klitias. Sophilos läfst sich also völlig in die Entwickelung 
der etwas handwerksmäfsig betriebenen Keramik einreihen; Klitias ist eine eigen- 
artige, manchmal pedantisch eigensinnige, immer sorgfaltig schaffende Persönlichkeit, 
deren Leistungen sich besser mit denen anderer, ihm congenialer Meister vergleichen 
lassen, weil sie stilistisch vielleicht jünger erscheinen als die gleichzeitigen Produkte 
der zurückgebliebenen Zunftgenossen. Aber mit diesem notwendigen Vorbehalt 
scheint mir Sophilos durchaus der ältere zu sein. 

Noch eine technische Eigentümlichkeit der Vase von Menidi mufs ich her- 
vorheben. Die Ritzlinien bei den Tatzen der Löwen greifen in den roten Boden- 
streifen ein und hier (besonders gut bei i) läfst sich mit absoluter Sicherheit be- 
obachten, dafs die rote Farbe über die eingeritzten Linien hinweg gestrichen ist, 
so dafs sie die Einritzungen zum Teil verdeckt und füllt. Ähnliches läfst sich auch 
sonst feststellen; und es ist auch leicht zu begreifen, dafs die lUuminirung mit dem 
angesetzten Rot erst erfolgen konnte, nachdem die Einzelheiten der Zeichnung fertig 
gestellt waren. Natürlich fallt mir nicht ein zu behaupten, dafs man nicht Einzelnes 
auch noth nach dem Auftrag der roten Färbe habe einritzen können. Das ist na- 
türlich vorgekommen, aber in der Regel, bei unserer Vase sicher, nimmt der Maler 
beim Aufsetzen des Rot auf die schon vorhandenen Einritzungen Rücksicht und 
das bemerkte Eindringen der roten Deckfarbe in die Einritzungen läfst sich auch 
bei anderen Teilen der Malerei, besonders den Löwen, mehrfach gut beobachten. 
Nun zeigen aber die aufsteigenden schwarzen Strahlen am unteren Teil der Vase 
noch eine andere Eigentümlichkeit. Sie greifen mit ihren Spitzen über den untersten 
der drei roten Parallelstreifen so weit über, dafs sie sich als zweifellos erst nach die- 
sem roten Streifen gemalt erkennen lassen. Es ergiebt sich daraus, dafs zuerst die 
Malerei in schwarzem Firnifs, dann die Einritzung, dann die Illuminirung mit roter 
Deckfarbe und schliefslich die ebenfalls in schwarzem Firnifs hergestellten Strahlen 
ausgeführt wurden. Da man nun die Malerei und die Strahlen, die mit gleich- 
artigem, gleich gefärbtem, völlig übereinstimmendem Firnifs gemalt sind, auch in 
einem und demselben Feuer gebrannt denken mufs, so folgt, dafs die Einritzungen 



24 



Wolter«, V»sen a 



und die rote lUuminirung vor dem eigentlichen Brennen hergestellt wurden. Für 
die Einritzungen sollte dies eigentlich selbstverständlich sein. Man braucht nur 
einmal den Versuch zu machen, in den Firnifs einer fertig gebrannten Scherbe ein- 
zuritzen, um sich zu überzeugen, dafs so feine Einritzungen, wie wir sie bei den 
sorgfaltigen schwarzfigurigen Vasen bewundem, nur in ungebranntem Firnifs möglich 
waren. Für die Deckfarbe scheint es mir schon daraus zu folgen, dafs unter ihr 
der Firnifs immer stumpf geworden ist; das würde beim Aufragen der Deckfarbe 
auf ein fertig gebranntes Geföfs kaum eintreten können. Ich halte es fiir nötig, 
dies einmal auszusprechen, weil die Vorstellung verbreitet ist, dafs die antiken Vasen 
nach jeder einzelnen Procedur der Bemalung und Zeichnung aufs neue gebrannt 
worden seien. Ich glaube nach meinen Beobachtungen vielmehr, dafs der ganze 
bildliche und dekorative Schmuck der Vasen im Wesentlichen in einem einzigen 
Brennen hergestellt wurde. Ob die Vasen vor der Bemalung schon einmal leicht 
gebrannt wurden, mufs ich zunächst unentschieden lassen; man möchte es annehmen, 
da sie sonst kaum die nötige Haltbarkeit gehabt hätten. Aber es ist eine That- 
sache, dafs sich mitunter schwarzer Firnifs unter nachträglich angesetzten Thontcilen 
zeigt. Die Gefafse waren beim Audragen des Firnisses also noch in einem Zu- 
stande, welcher das Ankneten und Ansetzen von Thon und dessen Vereinigung mit 
dem übrigen Gefafse durch Brennen erlaubte. 

Es erübrigt noch die Form des Gefafses zu bestimmen. Dafs es weit oßen 
und bauchig war, ist sofort klar; zur genaueren Bestimmung helfen uns einige 
Fragmente, die gleichzeitig gefunden 
sich durch Übereinstimmung in allen 
Aufserlichkeiten als sicher zugehörig 
erkennen lassen. Ich nenne an erster 
Stelle das Fig. 2 abgebildete Fragment 
. _^^ ^^^^^^^^^^^ .-.1 8 cm Breite, das nicht vom Bauche 

\. -^ST ■^^B^^^fl^^^^^^^^^HT ^^^ Gefafses herstammt, sondern von 
seinem konischen Fufsc. Es ist auf der 
Rückseite ungefirnifst und verrät diesen 
Ursprung durch die Art seiner Wöl- 
bung zweifellos. Erhalten ist nur der 
abwärts gestreckte Kopf eines nach 
rechts sitzenden Wasservogels und das 
Hinterteil eines nach rechts gewendeten 
Löwen; am Hals des Vogels ist ein 
runder Tupfen in Rot aufgesetzt, am 
Bein des Löwen ein gleicher Streifen. Darnach müssen wir der Vase also einen 
nicht zu niedrigen, weil mit Malerei verzierten Fufs geben; für seine Form im Ein- 
zelnen und seine Gröfse bleiben wir mangels anderer Bruchstücke auf Schlüsse aus 
Analogien angewiesen. 

Das zweite hier zu nennende Bruchstück ist der derbe, am oberen Rande 




25 




riK-3- 



angebrachte Ausgufs (Fig. 3). Seino Länge beträgt 9'/,, seine Höhe 8 cm. Er ist 
ganz getirnifst, nur der obere Rand ist hell geblieben und mit grolsen Rosetten 
verziert, deren Mitte rot gefärbt ist 
und die auch auf einzelnen Blättern 
rote Tupfen zeigen. Der Rand ist 
3 V, cm breit und war fast i '/, cm 
dick, wie sich am Bruch noch sehen 
läfst, der überhaupt das Profil des | 
oberen Teiles der Vase gut erkennen 
läfst. Dafs die senkrechte Aufsen- 
fläche des Randes rot gefärbt war, 
zeigt eine am Ausgufs erhaltene Spur; 
eine Linie in derselben Farbe be- 
gleitet die äufsere Kante der oberen 
Fläche. 

Drittens ist ein Stück des Hen- 
kels mit anhängendem Teil des Randes 
2U nennen. Der Rand in Gröfse, Wölbung und Färbung (oben hell, die Spur einer 
Rosette erhalten, aufsen rot) absolut zu den am Ausgufs erhaltenen Resten stimmend 
bCTveist die Zusammengehörigkeit beider Stücke. Vom senkrechten Henkel ist nur 
das Stück übrig, welches an dem Rand anlag, während die weiter nach aufsen be- 
findliche Hälfte fehlt. Erhalten , ist z. T. die Fläche, mit welcher der Henke! auf 
der Wölbung des Gefafses aufsafs; dafs diese Wölbung völlig zu den erhaltenen 
Teilen des Gefafses ebenso wohl als zu dem Ausgufs pafst, bestätigt endgültig die 
Zusammengehörigkeit aller dieser Teile. Der Henkel erscheint an seiner Aufsen- 
seite wie aus sechs parallelen Stäben zusammengesetzt, von denen vier neben- 
einander gelegt seinen bandartigen Körper bilden, während je ein weiterer auf die 
äufseren Stäbe aufgelegt einen erhöhten Rand darstellen. An seiner Innenseite ist 
der Henkel glatt gestrichen. Er ist ganz gelimifst, nur in die enge Lücke zwischen 
dem vorspringenden Rand des Gefafses und dem Henkel konnte der Pinsel otiTenbar 
nicht eindringen; der erhöhte Rand ist mit Rot hervorgehoben gewesen. Schwerlich 
hat das Gefafs nur diesen einen Henkel gehabt; wir werden deren zwei vor- 
aussetzen. 

Suchen wir nun die Ansatzstellen dieser Henkel und des Ausgusses zu be- 
stimmen, so finden wir glücklicher Weise bei den Scherben des Gefafses noch 
Spuren, die diese Frage entscheiden. Zunächst wird man die schwarze Färbung 
des oberen Teiles der Taf. I, 2 abgebildeten Scherbe mit einem solchen Ansatz in 
Verbindung bringen. Ohne diese Annahme bliebe es völlig rätselhaft, weshalb der 
Grund des Bildstreifens hier plötzlich dunkel gefärbt wäre. Auch zeigt sich bei 
genauerem Zusehen hier (dicht bei den eingeritzten Hufen) eine leise Schwellung 
und die deutliche Spur des mit dem Finger zurecht gestrichenen Thones, also die 
Spur eines plastischen Ansatzes. Ebenso zeigt die Scherbe Taf. I, 3 trotz der Zer- 



26 



Wolters, Vasen aus Menidi. 



Störung über dem Schlangenkopf und weiter nach rechts bis zur Inschrift hin eine 
Anschwellung und wieder die Fingerspuren im Thon. 

Wie diese verschiedenen Ansatzstellen mit den verschiedenen plastischen 
Vorsprüngen in Beziehung gesetzt werden müssen, ist auch noch zu erschliefsen. 

Die gröfste erhaltene Höhe des oberen Bildstreifens (bei der Inschrift Ke- 
xaopo;) ist 87, cm. Die Wölbung des Ausgusses beweist, dafs von dieser Stelle bis 
zum senkrechten, zu dem oberen Rande überführenden Teil der Mündung (vgl. das 
im Bruch erhaltene Profil Fig. 3) noch etwa 3 cm hinzu kommen, die wohl von einem 
Ornamentstreifen eingenommen waren, die wir aber für unsere Berechnung mit zu 
dem oberen Bildstreifen ziehen müssen, der demnach mit 1 1 7, cm Höhe anzusetzen 
ist. Nun läfst sich an dem erhaltenen Teil des Henkels messen, dafs die obere 
seiner beiden vorauszusetzenden Ansatzstellen davon oben nur i cm frei liefs und 
sich 2 cm abwärts erstreckte, während die untere mindestens 3 cm weiter abwärts 
begonnen und sich ebenfalls über 2 cm erstreckt haben mufs. Die unterste Ansatz- 
spur des Henkels würde sich also 8 cm vom oberen, 3 Ya cm vom unteren Rande 
des Bildstreifens finden müssen. Auf Scherbe 3 liegt die Ansatzspur 6 cm vom 
unteren Rande entfernt, läfst sich also sicher nicht mit der unteren Ansatzspur des 
Henkels in Beziehung setzen, aber auch nicht mit der oberen, da ja dann die 
untere auf dem erhaltenen Teil vorhanden sein müfste. Dagegen stimmt das er- 
mittelte Mafs durchaus zu der Spur oben auf Scherbe 2. An dieser setzte also der 

Henkel an, und dessen schwarze Färbung er- 
streckte sich hier noch bis auf den Bauch des 
Gefäfses. Wie diese Färbung seitlich begrenzt 
war, ist nicht zu sagen: das unvermittelte Hin- 
eingreifen der Darstellung ist möglich, auch 
wenn ein umrahmendes Ornament vorhanden 
war, vgl. die Netosamphora. 

Die Ansatzspur auf Scherbe 3 mufs 
dann also mit dem Ausgufs in Verbindung ge- 
bracht werden, und dazu stimmen nicht nur die 
Mafse, sondern auch die kleine dunkle Spur 
oberhalb des Schlangenkopfes: sie stammt vom 
unteren Rande des schwarz gefärbten Ausgusses. 
Darnach läfst sich die Form des Gefäfses 
in der Hauptsache mit Sicherheit so ergänzen, 
wie die Skizze in Fig. 4 zeigt. Die Inschrift auf 
Scherbe 3 füllte also grade den Raum unter 
dem Ausgufs, links davon war das Gespann mit 
der Schlange, rechts mindestens eine, wahr- 
scheinlich mehrere diesem entgegengehende 
Personen angebracht. Die Scherbe 2 bezeichnet das rechte Ende der Kentauromachie 
und zugleich die Ansatzstelle des einen Henkels. Da der Raum rechts vom Ausgufs 




Fig. 4. 



Wolters, Vasen aus Menidi. 



27 



schon von. einer anderen Darstellung eingenommen ist, auch seine Länge schwerlich 
genügt, so mufs die Kentauromachie den Raum auf der Rückseite des Gefafses, 
zwischen den beiden Henkeln eingenommen haben. Die genauere Stelle der anderen 
Scherben zu bestimmen, ist weder möglich noch besonders nötig; die Form und 
Gröfse des Fufses ist nur ungefähr zu erschliefsen, und von seiner Verzierung wissen 
wir nur, dafs sie aus einem Tierstreifen bestand. Darunter könnte man sich abwärts 
gekehrte Strahlen, oder auch schwarze Färbung denken. 

Diese Verteilung der Bilder auf dem (jreföfse erklärt dann auch die auf- 
fällige Unterbrechung der Darstellung durch die Inschrift: man hatte für sie die für 
bildliche Verzierung nicht geeignete Stelle unter dem Ausgufs gewählt. Sie kann 
demnach als Trennung zweier verschiedener Darstellungen aufgefafst werden, braucht 
es aber nicht; auf der Frangoisvase sind die Henkel mitten in die Darstellung hinein, 
eigentlich sogar darauf gesetzt, ohne sie zu zerlegen (Heberdey, Arch.-epigr. Mit- 
theilungen XIII S. 73), und bei der Berliner Prometheusvase (Nr. 1722, Benndorf, 
Vasenbilder S. 106. Vorlegeblätter, Serie D, Taf. 9, 8) sitzt der Ausgufs ebenso in 
der einheitlichen Darstellung. Die Richtung der schreitenden Gestalt rechts vom 
Ausgufs würde für ein Zusammenfassen der Darstellungen sprechen. Ein langer 
Zug von Göttern, die sich zu Fufs und zu Wagen zu Thetis begeben, ist wie auf 
der Frangoisvase, so auf der schon bekannten Vase des Sophilos zu sehen; weniger 
ausgedehnt könnte sich hier ähnliches wiederholen, allerdings kaum in derselben 
mythischen Bedeutung. Denn dem erhaltenen Gespann tritt eine Frau entgegen. 
Ungewöhnlich mutet uns zunächst die Schlange an, welche das Gespann begleitet; 
sie könnte dessen Führerin sein. Eine Schlange, welche als Verkörperung oder 
Botin der Gottheit den Weg weist, wäre nicht ohne Analogie (Athen. Mittheilungen 
1896, S. 85. 88, vgl. S. 316. Roscher*s Lexikon I, S. 2468). Wahrscheinlicher ist 
aber, dafs die Schlange als heiliges Tier die Gottheit begleitet, welche auf dem 
Gespann dargestellt ist. So begleitet der Bock, der Panter Dionysos (Gerhard, 
Etruskische und kampanische Vasenbilder, Taf. 4. Museo Gregoriano^ Ausgabe A 
II, Taf. 46, 2), so ist auf der Frangoisvase Okeanos von einem Meerwesen begleitet*', 
und auch im Zuge der schon bekannten Vase des Sophilos sehen wir ein solches 
Untier (Studniczka S. 236). Auf einer ganzen Reihe von Reliefschalen der calener 
Art sind die Wagen der Götter von ihren Tieren begleitet^®; die Schlange ist in 
diesem Falle die Begleiterin der Athena und des Ares^^ an erstere könnte man 
in unserem Falle am ehesten denken. Aber noch ein anderes ist möglich. Die 



'^ Dafs dies Wesen Okeanos selbst darstelle (Rayet, 
Ceramique S. 92) ist unmöglichi denn es ist tier- 
köpflg; dafs Okeanos darauf reite, ist wegen der 
Anordnung des Namens unmöglich (Weizsäcker, 
Rhein. Museum 1877 S* 47)i ^u^h ist die Stelle 
des angeblichen Reiters ja grade vom Henkel 
eingenommen, und ihn uns in Gedanken zu er- 
gänzen fordert nicht, wie bei Ares und Aphrodite, 
Poseidon und Amphitrite, die Analogie vieler 



gleichartiger Gespanne auf. (Arch.-epigr. Mit- 
theilungen XIII S. 74). 

IS) Si^^hviUh Compie-rendu 1872 S.53,2. 18748.92,1. 
Annali 1S83 S. 67, i. Catalogue 0/ the vases in 
the British Museum IV S. 256, (? 1 18. 1 19. Furt- 
wängler, Vasensammlung zu Berlin Nr. 3881. 

^^ Reisch bei Heibig, Führer II S. 279; vgl. Pauly- 
Wissowa, Real-Encyclopädie II S, 659. 



28 ▼• Bissingi Eine Bronzcschalc mykenischcr Zeit. 



Form des Gefafses ist, wie ich später zu zeigen habe, bei dem am Grabe von 
Menidi geübten Heroenkult typisch; die Möglichkeit, dafs bei der Bemalung schon 
auf die spätere Verwendung Rücksicht genommen sei, ist also vorhanden. Unter 
den zugleich gefundenen Weihgeschenken finden wir nun zahlreiche primitive Terra- 
kotten, die uns beweisen, dafs man sich hier die Heroen zu Wagen fahrend dachte 
(vgl. Roschers Lexikon I S. 2470. Milchhöfer, Anfänge der Kunst S. 232). Die 
Schlange als Tier der Heroen ist allbekannt. Es scheint mir deshalb nicht unmöglich, 
dafs an der Vorderseite dieses, dem Heroenkult bestimmten Gefafses sich eine Dar- 
stellung des oder der hier verehrten Heroen fand. Sie wären zu Wagen dargestellt 
gewesen, begleitet von der Schlange; die ihnen entgegenschreitenden Personen 
müfsten wohl Anbetende sein. 

(Schlufs folgt.) 

Athen, Februar 1898. Paul Wolters. 



EINE BRONZESCHALE MYKENISCHER ZEIT. 

(Tafel 2.) 

Die auf Tafel 2 nach einer Photographie E. Brugsch - Beys abgebildete 
Bronzeschale mifst im Durchmesser 0,185 m und ist 0,04 m hoch. Sie hat eine 
prächtige tief-grüne Patina und ist vorzüglich erhalten. 

Im März 1896 fand man unterhalb des Grabes 65 zu Scheich Abd el Gurnah 
auf der Westseite von Theben ein unregelmäfsig behauenes Felsengrab. In ihm 
standen neben einander 3 Särge und ein vierter auf ihnen. Titel und Namen der 
Särge weisen mit Bestimmtheit, wie Daressy erkannt hat, auf die letzte Zeit 
Amenophis III oder die ersten Jahre Amenophis IV ^. Die Schale lag unter dem 
Kopf der Herrin des Hauses Sat-Amon im dritten Sarg. 

In der Mitte der tiefen, runden Schale ist ein Omphalos, den ein mäfsig 
hoher Rand umgiebt. Um den ehemals wohl vergoldeten Omphalos laufen auf der 
etwas ansteigenden Fläche 2 Streifen jnit eingeritzten Darstellungen, der eine breit, 
der andere schmal. Je 2 gravierte Kreislinien trennen die Streifen von einander und 
von dem äufsersten Rosettenkranz, der gleichfalls von Kreislinien eingefafst ist. 
Der eigentliche, stark ansteigende Rand und die Aufsenseite blieben unverziert 



') J^SiTessy, dem ConservaUur-aä/oin/ des Museums herzlichsten Dank zu sagen, sei mir bei dieser 

von Gizeh, dem ich diese Fundnotizen verdanke, Gelegenheit gestattet. Die Schale trägt im 

hierfür wie für mancherlei liebenswürdige Unter- Museum die N. 3x383. 
stutzung bei meinen Arbeiten in Gizeh meinen 



u' 




'-• .1 



V. Bissing, Eine Bronzeschale mykenischer Zeit. 



29 



Im schmaleren Streifen zeigt uns der Künstler, der sich das Thierleben am 
Ufer des Nil zum Thema genommen zu haben scheint, Wasser mit Papyrusbooten, 
in denen Menschen fahren. Fische schwimmen im Strom, Vögel erhaschen sie 
oder flattern aus dem Schilf auf. Ein Ochse kommt zur Tränke, ein anderer liegt 
ruhig am Ufer. 

Ohne deutliche Einschnitte, friesartig, ist die Composition. Ganz anders 
im breiten Hauptstreifen: da nehmen vier Thierbilder unser Interesse in Anspruch. 

Rings um den Omphalos wachsen aus der Erde üppige Gräser empor, 
vom Lufthauch bewegte Papyrusstauden bilden den Hintergrund. Da schreitet stolz 
der stark gehörnte Ochse einher; weiter hinter ihm die Kuh mit dem Kälbchen 
neben sich. Ihre Hörner sind gebogen wie die der Göttin Hathor. Vor dem Stier 
aber steht im Dickicht eine andere Kuh und wendet den Kopf zu dem Kälbchen, 
das an ihrem Euter saugt. 

Aber an den Ufern des Nils drohen dem Rind auch Gefahren: ein Löwe 
ist einem Stier in den Nacken gesprungen; das im Lauf auf die Vorderbeine 
gestürzte Thier wendet brüllend den Kopf seinem Verfolger zu. 




Der äufsere Streifen der Schale in Gizeh. Zeichnung von M. LUbke 

nach Photographie. 



30 



r. Bissing, Eine Btonicschale mykenischec Zeil. 



So stehen, künstlerisch durchdacht, die vier Hauptbilder einander gegen- 
über: die friedlichen Mutterbilder hier, der niedergeworfene und der stolz auf- 
gerichtete Stier dort. 

Was sonst an Gethier im Gebüsch lebt, fiiUt nur den Raum: mit langen 
Schwänzen und spitzen Mäulern schleichen Ichneumons herum um die Vogel- 
Nester auszunehmen, Enten hocken auf der Erde, eine Gans breitet die Fittiche 
zum Fluge aus*. 

Es ist ein erfreuliches Stück orientalischer Kunst, das uns hier entgegentritt: 
man glaubt einmal eine Künstlerindividualität zu spüren, Ausftihrung und Com- 
position stehen auf gleicher Höhe: gefallig ordnet sich die Darstellung in Zonen 
dem Rund der Schale unter. 

Durch die Fundumstände werden wir in das XV. Jahrhundert und nach 
Ägypten gewiesen. Dürfen wir darum auch einen ägyptischen Meister für die 
Schale annehmen? 

Jagd und Thiericben am Nil ist eins der ältesten Themata ägyptischer 
Kunst. In fast absoluter Übereinstimmung stellen die Gräber den vornehmen 




Nach Uaedeker, Agypien 



■) Dkst'ii scbmakn StrciTen vctcicutüclil dk um Muli ende Abbildung i 



V. Bbsing, Eine Bronzescbale mykeniscber Zeil. 9| 

Ägypter im Papyrusboote dar, wie er mit dem Bumerang Vögel föngt (Grab des 
Merj: De Morgan Reckerches sur les origines de V^ypte 170 u. 175 VI Dyii. 
El Bersheh ed. Newberry I Taf. VIII Tombeau de Harmhabi ed. Mission du 
Caire V, Taf. 6 (XVIII. Dyn.)) oder Fische sticht [Catal. des Monuments de l'Egypte I i 
S. 146 VI. Dyn. El Bersheh I Taf. IX (XII. Dyn.). Tombeau d'Anna ed. Mission du 
Caire, Portigue mur du fond coli nord (XVIII. Dyn.)): Ein schmaler Streifen, in dem 
allerhand Wasserthiere wimmeln, bezeichnet den Flufs oder See, gerade aufge- 
richtete Papyrusstauden, in stetem Wechsel von Blüthe und Knospe oder niedrige 
I..oto5pflanzen, Gräser, die sich vor dem Boot beugen, bilden die Landschaft. Doch 
fehlen auch nicht einzelne Beispiele einer reicheren Phantasie, wie in einem Bild 
aus dem Grab des Ty (V. Dyn.) bei Baedeker, Ägypten 1897, 140, das im freilich 
schematisch bewegten Dickicht Vögel aller Art und 2 kletternde Ichneumons zeigt. 
Bis in Einzelheiten hinein hat sich das Motiv in der Bumerang- Jagd eines Thebani- 
schen Grabes der XIX. Dyn. erhalten, das Woenig (Die Pflanzen im alten Ägypten 
47) mitteilt. Ähnlich ist auch das Bild Lcdrain Mon. igypt. de la Bibliothique nationale 




Nach Woenig, Die Pflan 



1 alten Ägypten. 



Taf. III aus dem neuen Reich. Auch das Leben der Rinder wird immer wieder 
und wieder vorgeführt: so stolz wie der Ochse der Schale aus Gizeh, ziehen auch 
die im Grab des Merj (De Morgan Reckerches S. 175) oder in El Bersheh (I Taf. XVII) 
daher, dieselben grofsen Thiere mit den weit gebogenen Hörnern, die stets beide 
dargestellt werden. Ihr Schwanz ist lang und buschig. Die säugende Kuh fehlt 
auch in den Gräbern des mittleren Reichs nicht: Benihassan ed. Newberry I 
Taf. 13 finden wir den einen Typus, den anderen, wo die Kuh den Kopf wendet, 
Benihassan II Taf. 7, Ja selbst den Kampf des Löwen mit dem Rind und andern 
Thieren können wir in älteren, ägyptischen Darstellungen nachweisen, wie Beni- 



32 



V. Bissing, Eine Bronzeschale mykenischer Zeit. 



hassan II 31b, wo Rind und Löwe einander gegenüber stehen, und a. a. 0. 1 13, wo 
ein Löwe mit der Tatze eine Gazelle niederschlägt. (Beide XIL Dyn.) Sehr lebhaft 

bewegt sind auch die Thierbilder aus dem Grab 
des Ptahhetep bei Dümichen, Resultate I Taf. 
VIII (VI. Dyn.). 

Inhaltlich also, auch abgesehen von den 
Äufserlichkeiten des Lotos und Papyrus, ist die 
Schale gut ägyptisch. Formell freilich überragt 
sie Alles, was wir bisher an Darstellungen heran- 
gezogen haben. Und doch giebt es ganz ähnlich 
bewegte Pflanzen, giebt es die gleichen Fischarten und flatternden Vögel, vor allem 
ein gleich lebendiges Naturgefiihl innerhalb der ägyptischen Kunst: die Stuck- 
malereien der Fufsböden zu Teil el Amarna (Taf. II ff", der Ausgabe von Petrie) 
fordern überall zur Vergleichung mit der Bronzeschale auf Die Zusammengehörig- 




Nach Benihassan I, 13. 




5a 
Nach Dümichen, Resultate I, 8^ 

keit beider, die aufs schönste die aus äufsern Kriterien gewonnene Datierung be- 
stätigt, ist so unleugbar, dafs ich nur auf Einzelheiten noch aufmerksam mache. 
Beiden gemeinsam ist z. B. die Zeichnung des Wassers mit gebrochenen, abge- 
setzten Linien, während sonst regelmäfsige Zickzacklinien (Dümichen Hist. 

Inschr. II 8 ff". Deir el Bahri) oder eine 
glatte, blaue Fläche dazu verwendet wird 
(z. B. Benihassan II 28). Ganz wie auf der 
Schale schwimmen die Fische auf dem 
Fufsböden herum: die bekannten Fischdar- 
stellungen Benihassan II 4, Maspero 
ArcheoL igypt, Fig. 228, Petrie Koptos 
21,8 unterscheiden sich wesentlich davon. 
Für die flatternden Vögel, bei denen die 
einzelnen Federn an den Flügeln und am Schwanz angegeben sind, giebt es zwar 
ältere Beispiele (vgl. Abbildung 6), aber das Gewöhnliche ist diese Darstellungs- 
weise auch erst in der Zeit der Amama-Kultur, d. h. der Zeit Amenophis III und IV. 
Endlich finden so kühn lebendige Gruppierungen, wie der Stier mit dem 




5b 

Nach Dümichen, Resultate I, 8. 



V. Bissing, eine Bronzeschale mykenischer Zeit. 



33 




6 
Nach El Bersheh I, 21 XII. Dynastie. 



Löwen, oder die hübsche Scene des schmaleren Streifens, wo, von dem nahenden 
Kahn aufgeschreckt, eine junge Gans zur Mutter fliegt, die sie ängstlich flatternd 
beschützt, indes der Gänserich dem heran- 
fahrenden Menschen ruhig zuschaut, ihr 
Analogon am besten in den Thierdar- 
stellungen des Fufsbodens. Dafs dieser 
aber in Ägypten gemalt ist und von 
Ägyptern, geht daraus hervor, dafs aufser 
in Teil Amarna die gleichen Darstellungen 
sich auch im Palast Amenophis III ge- 
funden haben, wo die Technik, unvoU- 
kommner als die von Teil Amarna, die 
gleiche, wie in den gleichzeitigen Gräbern 
ist; ferner daraus, dafs der Fufsboden 
Amenophis IV an Ort und Stelle restau- 
riert worden ist, und dafs sich endlich 
nirgends fremde Motive, nur eine frischere 
Formensprache, finden'. 

Wir lernen durch die Bronzeschale 
nun auch den Fufsboden besser ver- 
stehen. Seit der Auffindung des Palastes Amenophis III bei Theben wissen wir, 
dafs die sog. Teil Amarna Kultur nicht eine Amenophis IV, dem Ketzerkönig, 
eigentümliche, ist, dafs sie vielmehr mindestens schon unter seinem Vater bestand. 
Wieweit zu der Befreiung der ägyptischen Kunst bestimmte äufsere Einflüsse, wie 
etwa die mykenische Kunst, beitrugen, oder ob nur die allgemeinen, friedlichen 
Verhältnisse, der innere politische Aufschwung nach den Befreiungskämpfen in der 
Residenzstadt Theben, die äg5rp tische Kunstentwicklung beförderten, wage ich zur 
Zeit noch nicht zu entscheiden. Jedenfalls verdient die Existenz einer an die 
besten Erzeugnisse des mittleren Reichs anschliefsenden, sich frei entfaltenden 
ägyptischen Kunst mehr Beachtung, als ihr bisher geworden. 

Mit Teil Amarna und der zeitgenössischen Kunst teilt die Schale aus Gizeh 
auch das Auftreten der vielblättrigen, geschlossenen Rosette (z. B. Petrie T. Amarna 
18, 435). Dafs die Rosette in der ägyptischen Kunst alter Zeit nicht häufig ist, 
läfst sich nicht läugnen; aber das Auftreten der Rosette in der angedeuteten 
Form auf einem Denkmal der ältesten Zeit (Maspero, ArcheoL egypt, fig, 190) und 
einem andern der XI. Dyn. (»Hausapotheke« der Königin Menthetep zu Bei:lin 1177) 
sowie auf dem Goldschmuck und den Rudern aus Dashur (De Morgan Dashur Taf. 31) 
[XII. Dyn.] und den Boten des Berliner Mentuhetepsarges sollte genügen, um 
Goodyears und Riegls (Stilfragen 53) Widerspruch gegen die herrschende Theorie 



') Ganz neuerdings hat sich nicht weit von Teil el Amarna noch ein weiterer Palast mit Stuckböden 

gefunden. 
Jahrbueh des archKologlscheii Institats XITI. 3 



34 



V. Bissing, Eine Bronzeschale mykenischer Zeit 



als richtig zu erweisen. Und warum sollten die Ägypter ein Ornament, das die 
verschiedensten Völker besitzen (Ratzel, Völkerkunde I, Taf. zu S. 6io, S. 430 etc.), 
sich erst aus Babylonien verschrieben haben? In den Gräbern aus dem Anfang 
der XVIII. Dyn. (dem des Sobkhetep, Jnnj u. s. w.) fehlt die Rosette fast nie. 

Überdies steht die Schale des Gizeh - Museums gar nicht vereinzelt unter 
den ägyptischen Denkmälern da. Nach Daressys freundlicher Mitteilung fand er 
eine jetzt im Gizeh - Museum aufbewahrte Omphalosschale aus Silber mit anderem 
silbernem Geräth in dem Säulenhof Amenophis III. im Luxortempel verbaut. Ge- 
wifs handelt es sich hier um einen beim Bau niedergelegten Schatz. Leider ist 
die Schale so schlecht erhalten, dafs man nicht sicher feststellen kann, ob sie 
Darstellungen trug: wahrscheinlich ist es mir nicht*. 

Ein weiteres hierher gehöriges Stück ist eine Silberschale des Berliner 
Museums, die Cesnola-Stern Kypros Tsif, XIX abgebildet ist, stilgerechter bei 
Pietschmann Gesch. d. Phöniker S. 246 — 7*. Pietschmann hat das Verdienst 
erkannt zu haben, dafs der Stil »durchaus ägyptisfch« sei. Wenn er mit seiner 
Datierung in die Ptolemäerzeit fehl griff, so war das ein damals leicht verzeihlicher 
Irrtum. Die Darstellungen der Innenseite der aufsen unverzierten Schale sind 
getrieben, Umrisse und Details graviert. Der Durchmesser mifst 16,5 cm, die 
Höhe 3,7 cm *. 

Cesnolas Angabe, die Schale sei in einem Grab in der Nähe von Athenio 
auf Kypros gefunden, kann als verbürgt nicht gelten, da Cesnola zur Zeit der »Auf- 
findung« in Amerika war (a. a. O. S. 98). Wir sind also filr den Entstehungsort 
nicht nur, sondern auch für die Zeit auf die stilistische Analyse angewiesen. 

Das Centrum der Schale nimmt eine erhabene Rosette ein, um die im 
Kreis Papyrusstauden wachsen, in regelmäfsiger Abwechslung von Knospe und 
Blütlie; Fische schwimmen auf dem Grund, den wir uns also als Wasser zu denken 
haben, zwischen ihnen ein nackter Mensch. Mitten drinnen, man weifs nicht recht 
wo, springt ein Pferd. 

Durch einen umlaufenden Wasserstreifen (als regelmäfsig geknickte Linien 
dargestellt) ist das Innenbild von dem gleichfalls im Rund componierten Aufsen- 
bild geschieden. Auch hier bilden Papyrusstauden mit Blüthen, diesmal mit hohen 
Gräsern alternierend, den Hintergrund. Auf dem Wasser ziehen vier Boote einher; 
in der Luft flattern Vögel. 



•») Ferner reihen sich hier an eine unpublicierte 
Steinschale des Museums in Gizeh, auf die mich 
Prof. Erman hinwies, und eine Burlington Club 
o/ßne arts Nr. 182 abgebildete Schale aus Fa- 
yence, die dort ohne zwingenden Grund der 
XXII. Dyn. zugewiesen wird. Sic zeigt um eine 
Rosette, die Fische umschwimmen, in zwei 
Streifen angeordnete Thierbilder ziemlich laxen 
Stils. Interessant für die Vergleichung mit den 
phönikischen Schalen ist das Auftreten da- 



zwischen gesetzter sinnloser Hieroglyphen (des 
Zeichens ^) in dem ftufseren Bildstreifen. Ein 
wohl ähnliches Fragment einer Fayenceschale, 
das Ochsen u. s. w. in Zonen angeordnet zeigt, 
in Berlin 8867. 

*) Vergl. die Abbildungen 7 und 7 a. 

6) Vergl. auch ägypt, Zeitschr. 1893 6 f.; dafs die 
Schale nur ein Einsatz sei, scheint mir nicht 
richtig. 



^Bissing, Ein 



:hale mykenischer Zeil 



35 



Zwischen je zwei Booten hat der Künstler Thicre angebracht: einmal, höchst 
passend, einen Zug Enten, ein andermal ein Gespann mit zwei Männern darauf, end- 
lich ein Paar Ochsen und ein Paar Pferde, jedesmal so angeordnet, dafs das vordere 
Thier das hintere zum Teil deckt und das Hinterteil des letzteren hinter dem Boot 




Die obere Hälfte der Schale in Berlin nach Zeichnung von Lubke. 



36 



V. Bissing» Eine Bronzeschale mykenischer Zeit. 



verschwindet. Man versteht nicht recht, wieso der Wagen und die Thiere hier auf 
dem gleichen Plan stehen, wie die schwimmenden Enten und die Boote: man wird 
annehmen müssen, dafs der Künstler den Raum füllen wollte, dazu abwechselnde, 
bekannte Motive wählte, aber nicht die Fähigkeit befafs zum Ausdruck zu bringen, 
dafs diese Gruppen nicht im Wasser, wie die übrigen, sondern etwa am Ufer zu 
denken seien: es ist eben rein omamentale Kunst. 

Drei der Boote haben die gewohnte Form der Papyrusnachen ^ das vierte 
zeigt am Bug einen Vogelkopf; die Flügel des Thieres sind an jeder Seite des 
Bugs senkrecht in die Höhe stehend angebracht ^ Dies Boot zeichnet sich vor 
den andern auch durch einen Baldachin aus, unter dem eine Figur sitzt, während 
eine andere weibliche ihr gegenüber steht. Am Stern kauert ein mit dem Schurz 
bekleideter Mann vor einer hohen Vase. 

Die 3 weiblichen, nackten Insassen eines der andern Schiffe, die ein Mann 
im Schurz rudert, machen Musik. Zwischen ihnen stehen Vasen auf hohen Stän- 
dern. Vasen auf Untersätzen aus Rohr stehen auch im dritten Nachen; hier scheint 
ein Mann mit dem Messer eine Gans zu schlachten (oder zum Opfer auszunehmen?), 
während ein anderer in der erhobenen L. eine Räuchervase hält. Im letzten Kahn 
endlich sehen wir am Bug eine Vase stehen, während zwei Leute im Stehen rudern. 

Offenbar ist hier also ein Festzug dargestellt: die sitzende, schlecht erhaltene 
Figur unter dem Baldachin wird ein Götterbild oder nach anderen Analogien der 
Tote sein, zu dessen Leichenzug nach dem Westufer des Nil sich die Boote ver- 
einigt haben: wer etwa die bekannten Bilder aus dem Grab des Harmheb* Neferhtep 
(Abb. Sab), oder dem Unnbeau des graveurs^^ betrachtet, wird ohne Mühe die starken 








8a 
Grab des Neferhtep. 



Vergl. für diese die von Wiedemann Herodot 
II. Buch S. 378 angegebene Litteratur. 

*) Ein äg>'ptisches Schiff mit Thicrvorderteil z. B. 
C Torr, Ancient ships Taf. I, i; auf dem be- 
kannten Relief von Medinet Habu (C h a b a s ähidfs 
sur VanL hist zu S. 310) haben Freund und 
Feind Thierprotomen an dem Schiffsbug (Zeit 
Ramesscs III.). Ein auf der oben erwähnten 
Steinschale des Gizehmuseums dargestelltes Boot 



ist sogar ganz als Vogel gedacht. 
») ATmion du Caire V, Taf. 5; bunt Wilkinson- 

Birch Manners and Customs Taf. 66, wozu man 

Erman Ägypten zu S. 432 und Wilkinson- 

Birch Taf. 67 vergleiche. 
JO) Mission du Caire V, Taf. 6—8. Für Einzelheiten 

siehe auch Wilkinson-Birch 1,443. Erman 

Ägypten 340. Petrie Teil el Amarna Taf. 5 

und II. 



V. Bissing, Eine Bronzcschalc mykeniscbcr Zeit. 



37 



Anklänge der Schalenreliefs an die Grabgemälde erkennen und damit zugleich den 
Beweis erhalten, dafs die ihrem Stoff nach rein ägyptische Schale ein echt ägypti- 
sches Werk des neuen Reichs ist. 

Vielleicht dürfen wir durch die stilistische Analyse uns noch weiter führen 
lassen: die Lebendigkeit der Bewegung der Figuren erinnert durchaus an die 
besten Werke der XVIIL Dyn., denen wir die oben citierten Darstellungen bereits 




8b 
Grab des Neferbtep. 

entnahmen. Die Art der Thierzeichnung ist der der Schale aus Amenophis IV. 
Zeit durchaus verwandt (vergl. Ochsen und Vögel 1) und die Wiedergabe der weichen 
Formen des weiblichen Körpers kehrt genau so in Teil el Amarna (Petrie, 
Taf. XII, 3; L. D. III 98) und z. B. im Grab des Neferhetp {Mission du CaireY^ taf. 2) 
aus der Zeit unmittelbar nach Amenophis IV. wieder. Wenn wir für die Berliner 
Schale das Ende der XVIIL Dyn. als Entstehungszeit annehmen, werden wir schwer- 
lich fehlgehen. 

Eine Äufserlichkeit bestätigt das: Im Louvre befindet sich seit lange eine 
goldene, runde Schüssel, die Birch-Chabas [Memoire sur une patere du Louvre, 
BulL des Antiq, de France XXIV) veröffentlicht haben * '. Sie trägt am äufseren Rande 
eine Inschrift, die sie unter Tuthmosis III. datiert. Ihre Mitte nimmt eine erhabene 
Rosette genau der gleichen Form, wie die der Berliner Schale ein. Ringsum 
schwimmen 5 Fische, derselben Karpfenart wie auf den anderen Schalen; um diese 
wieder schlingt sich eine Guirlande von kettenartig miteinander verbundenem 
Papyrus; dies Auftreten der Ranke, freilich in sehr bescheidener Form, auf einem 
ägyptischen Denkmal mykenischer Zeit, hat bei Riegls interessanter Beobachtung, 



") VitXTtX Salle histarique ^$^\ Durchmesser 18 cm, 
Höhe 2,4 cm für das Gegenstück in Silber, 
Deveria Memoires et fragments S. 44, wo die 
Innenzeichnung besser als bei der Birch'schen 



Zeichnung des goldenen Exemplars zu sehen 
ist Eine Bronzeschale gleicher Form mit de- 
motischer Inschrift bewahrt das Louvre. 



2 3 ^* Bissing, Eine Bronzeschale mykenischer Zeit. 

■ 

dafs die Ranke zuerst in der mykenischen Kunst aufzutreten scheine» eine gewisse 
Bedeutung. 

Die Herausgeber wurden durch die Technik, getriebene und ciselierte Reliefs, 
unmittelbar an die assyrisch-phönikischen Schalen erinnert, deren sich eine Anzahl 
in London befand, wohin sie aus Layards Grabungen gekommen waren. In der 
That wird wohl jeder Leser die besprochenen Schalen unwillkürlich neben die 
sogenannten phönikischen gestellt haben, sie als das älteste Beispiel der Gattung 
erkannt haben. 

Es ist Helbigs Verdienst in seiner Abhandlung über die Questum myc^nienne 
[Memoires de racad. des inscr, 35, S. 332) es zuerst öffentlich ausgesprochen zu 
haben, dafs das Innenbild einer Museum Gregorianum 1 65 abgebildeten Schale aus 
Cervetri" nahe Beziehungen zu den Bildern auf dem Fufsboden zu Teil Amama 
und den entsprechenden an Wänden des Palastes Amenophis III. zeigt. Auf der 
Schale ist im Papyrusdickicht dargestellt, wie ein Kälbchen der Mutter entgegen 
springt, während das andere zum Euter der Mutter aufspringt Es sind hier gleich- 
sam die beiden friedlichen Gruppen der Schale aus Gizeh vereinigt, nur dafs die 
Kuh den Kopf nicht mehr wenden kann, da sie dem Ankömmling entgegen schaut. 
Seit die Schale aus Gizeh bekannt ist, die ja der Zeit angehört, aus der das Vor- 
bild der Cäretaner Schale stammt, werden wir uns über den Zusammenhang nicht 
mehr wundem: mit der Form sind auch die Motive gewandert". 

Die ältesten bis dahin bekannten Schalen des »phönikischen« Typus haben 
sich zu Nimrud gefunden in einem Palast, den Assurnazirpal (885 — 60) gegründet, 
Sargon (722 — 05) ausgebaut hat. Der einen oder der anderen Regierung müssen 
sie angehören, wie Layard Discoveries 197 erkannt hat, der sich für Sargon ent- 
scheidet. 

Überblicken wir die Masse dieser Schalen, so ist ihnen zunächst allen ge- 
meinsam das Princip der Anordnung der Ornamente in concentrischen Streifen. 
Fast regelmäfsig findet sich ferner ein bestimmter, bald als Omphalos, bald als 
Rosette verschiedener Form gebildeter Mittelpunkt. Aufsen bleiben die Schalen 
undecoriert. In allen äufseren Kennzeichen stimmen sie also, so gut wie in der 
Technik, mit den Schalen aus Ägypten, nicht mit den zeitlich späteren kyprischen, 
griechischen und italischen Funden, überein. Stilistisch aber stehen sie zu ihnen 
im schärfsten Gegensatz. 

Ägyptische Motive fehlen zwar fast nie. Aber es gehört wenig Übung 
dazu, um die mifsverstandenen, ungeschickten Nachahmungen ägyptischer Motive 
(z. B. die Cartouche und Hieroglyphen Perrot- Chipiez II S. 741, ägyptische Götter 
und Priester, Hieroglyphen das. S. 742) von den echten Vorbildern, die wir oben 
kennen lernten, zu unterscheiden. Hingegen treten häufig assyrische Motive auf; 



1^ Hclbig-Rcisch Führern, S.352. (jt\V\ Monu- sehen Schalen beweist deren Alter und OriginalitÄt. 

tnenti dt Cere antica X, i. Namentlich eine Vcr- '•'') Das Motiv der säugenden Kuh findet sich x. B. 

gleichung der menschlichen Figuren dieser Schale auch auf einem wohl phönikischen Holzkamra 

mit denen der oben zusammengestellten ägypti- des Louvre. 



V. Bissing, Eine Broniescbalc mykcnischcr Zeil. 3q 

während der Ägypter den Stier stets so zeichnet, dafs er zwei HÖrner hat, ist es gut 
assyrisch, ihm 6'm kräßiges Hörn zu geben {vgl. dafür Pcrrot-Chipiez II S. 557. Taf, (4, 
IS u. s. w,). So erscheint der Stier immer wieder auf der Schale das. S. 743; auch 
die Stierrasse scheint eine andere zu sein als in Ägypten. Die plumpen PBanzen- 




N»ch Layard Taf. 60. 

formen dieser Schale wie die der interessanten Schale Perrot-Chipiez II S. 751'* 
haben mit ägyptischer Kunst nichts gemein, wohl aber mit assyrischen Reliefs und 
Malereien: Perrot-Chipiez II Taf. 15. S. 344. 467. 490. Auch würde zu einer Dar- 
stellung derartiger H och gebirgsl and sc haften in Ägypten jede Veranlassung fehlen. 

Diese Beobachtung scheint mir nun auch gegen Brunns Ansicht zu sprechen, 
dafs wir hier durchweg Produkte der kyprischen Kunst vor uns hätten". So ein- 

") VoUitändiger uK. Hcll.ig horoer. Kpc..' Taf. 11; Layard M>h. <^ Nin^vth II 66. 
'') Kunitgeschichic I, 93 if. 



j^O ^* Bisstng, Eioc Bronzcschalc mjkcnisclier Zeit. 



leuchtend seine These von dem griechischen Einfluis auf die assyrische Kunst ist'* 
und so schön Brunn den Charakter der Schalen gekennzeichnet hat, so kann ich 
nicht glauben, dals Gebirgsbilder mit Bären, Steinböcken und Hirschen auf K3rpros 
entstanden seien. Auch finde ich nirgends einen sicheren Anhalt, die Schalen als 
Gattung nach K}rpros zu versetzen; dafs einzelne Exemplare der späteren Schalen 
auf der Insel, wo sie gefunden sind, auch gearbeitet sein mögen, soll damit nicht 
in Abrede gestellt werden. 

Brunn hat überhaupt nicht scharf genug geschieden zwischen den älteren 
und jüngeren Exemplaren. Dies hat wohl zuerst Dumont in Dumont-Chaplain 
Ceramiques de la GrHe propre I 11201 gethan, wo sich auch ein genauer Catalog 
der damals bekannten Stücke findet". 

Es will mir scheinen, als nähme die Mischung zwischen ägyptischem und 
assyrischem Stil, die anfangs neben einander hergehen, immer mehr zu. Während in 
den älteren Exemplaren (z. B. Perrot-Chipiez 11 Fig. 398. 407**. 408. 409) der 
assyrische Stil ziemlich rein bewahrt ist, finden wir unter den jüngeren Exemplaren 
eigentlich nur noch Perrot-Chipiez III Fig. 554 ziemlich im assyrischen, Cesnola- 
Stern Cypem Taf. 69, 4 einigermafsen im ägyptischen Stil. Andererseits kündet 
sich der für die Schalen von Präneste so charakteristische Mischstil nur in wenigen 
der alten Exemplare, und auch hier gebunden, an, z. B. Perrot-Chipiez n 
Fig. 399*'. 405, am meisten wohl' die Schale Fig. 406. 

Die letz^enannte Schale bildet auch in anderer Hinsicht den Übei^ang zur 
jüngeren Gruppe: sie zeigt als Centrum der Composition kein reines Ornament 
mehr: vier weibliche Köpfe mit ägyptischem Kopftuch am Sternenhimmel — so 
wird man den mit Rosetten und Punkten besäten Grund wohl deuten dürfen. Für 
die späteren Schalen aber ist es die Regel, dafs ein Bild die Mitte der Com- 
position einnimmt; wo aber die alte Rosette oder der Omphalos beibehalten wird, 
da bildet man sie reicher aus oder legt einen eignen, von den übrigen Streifen 
stärker als vom Centrum abgetrennten Bildstreifen darum, ähnlich wie dies bei 
der ägyptischen Schale des Burlingtonclub der Fall war, die auch schon zwischen 
die Bilder gesetzte Hieroglyphen aufweist, so Cesnola-Stern, Cypem Taf. 56, 4 



u. s. w. "*. 



Alter und Herkunft der Schalen der jüngeren Gruppe stehen ziemlich fest: 
Das Grab Regulin! - Galassi in Caere, wo Hauptstücke dieser Art gefunden sind, 
läfst sich nach Heibig** kaum über das VI. Jahrhundert hinaufrücken. Die kypri- 
sehen Funde (vgl. S. 42 Abb. Ii) führen uns in etwas ältere Zeit, soweit die unzu- 



»«) Ein neues Beispiel dafür wohl Proc, of BibL Herrn E. W. Budge liefsen sich keine Original- 
er. 1897, 250fr. — nach ionischem Vorbild? aufnahmen herstellen, doch wurden rwci bei 

«^ Völlig scharf hat freilich auch er den stilisti- Layard getreu abgebildete Beispiele ausgewählt, 

sehen Unterschied nicht ausgesprochen. Ich **) Abb. 10 S. 41 nach Layard II Taf. 63. 

mufs mich hier durchaus auf die Hauptsachen 2oj Unter den aus Nimrud summenden Schalen hat 

beschränken. nur eine, Layard Mon, 0/ Nin. II Taf. 65, ein 

»*) S. 39 ak Abb. 9 wiederholt nach Layard Mon, Inncnbild. 

II Taf. 60. Trotz dem Entgegenkommen des 21) Das homerische Epos« 291 f. 



V. Bissing, Eine Broniescbale mykenischcr Zeil, 41 

verlässigen Aufzeichnungen Cesnolas ein Urteil erlauben, etwa in das VII. Jahr- 
hundert. Damit würde sich eine Bemerkung Masperos vereinigen, dafs unter den 




Nacli Layard Taf. 63. 

vor allem auf der Schale Perrot-Chipiez III Fig. 36 auftretenden Nachahmungen 
von Hieroglyphen keine »ptolemäischen« Zeichen vorkommen, man vielmehr den 
Eindruck gewinnt, dafs die Vorbilder der ägyptisierenden Motive nicht jünger als 
die 26. Dynastie seien **. Da nun andererseits die italischen Funde zulassen , dafs 
die Schalen älter datiert werden als die Gräber, aus denen sie stammen, indem sie 
ja erst auf dem Handclswege z, Th. durch Karthager nach Etrurien gebracht worden 
sind, so darf man die Masse der Schalen dem VII, Jahrhundert zuweisen; einzelne 
Stücke mögen älter, andere jünger sein. 

Heute ist man sich wohl einig , dafs die Schalen in den phönikischen 
Kunstkreis gehören. Für uns hier kann es dabei gleichgültig sein, ob vereinzelte 
Exemplare in Karthago (wofür absolut zwingende Beweise nicht erbracht sind) oder 
in Kypros selbst gearbeitet sind. Letzteres ist sehr wahrscheinlich bei einer 
Cesnola-Stem Taf. IX abgebildeten Bronzeschale, die nach den damit zusammen 
gefundenen Vasen in die Zeit des geometrischen Stiles, also in das VIII. Jahrh. 
etwa gehören mufs. Das als Rosette gebildete Centrum stellt sie zu der älteren 
Gruppe, der Stil und die darauf dargestellten Vasen lassen in ihr ein Produkt der 

**) Gaullt archtol. 1876, 15. Auch die Resullale, (Bonn 1896) kommt, sprechen für ein nicht lu 

lu denen Karo De arte vascularia aittiquiisma niedriges Altet der Schalen. 



42 



V. Bissing, Eine Bronzeächale mykenischcr Zeit. 



kyprischen Localkunst erkennen; eben hierdurch aber wird es unwahrscheinlich, 
dafs die ganze Klasse kyprisch sei. 

So fehlen uns auch nicht mehr die Übergänge von den Schalen (und dazu 
gehörigen Bechern u. s. w.) im Stil der cäretaner zu den in Nimrud gefundenen 




II 



Schale aus Dali im Louvrc, nach Perrot-Chipie* III Fig. 546. 

Gefafsen. Dafs diese nicht ägyptisch, nicht kyprisch sein können, sahen wir auch. 
Ist es nun wahrscheinlich, dafs sie in Assyrien gearbeitet sind, dafs von dort der 
Mischstil ausgegangen sei? 

Irgend ein Grund dafür ist nicht ersichtlich. Die ägyptische Kunst im 
IX.— VIII. Jahrhundert ist nicht so sehr der babylonisch -assyrischen überlegen, dafs 
es wahrscheinlich wäre, dafs diese so unorganisch einzelne Elemente in sich auf- 
genommen hätte; wir dürften, wenn etwa mit der Schalenform die ägyptischen 
Muster gewandert wären, echt ägyptische Vorbilder in Nimrud erwarten und ande- 
rerseits frischer empfundene assyrische Schöpfungen. 



V. Bissing, Eine Bronzeschale mykenischcr Zeit. a^ 

Hingegen sind alle Bedingungen für das allmälige Entstehen des Mischstils 
in Syrien gegeben: auf langen babylonischen Einflufs folgt eine mächtige ägyptische 
Einwirkung, die wiederum von assyrischem Einflufs abgelöst wird. Kunstbegabt 
scheinen die Syrer niemals in besonderem Grade gewesen zu sein: einen ausge- 
prägten, unabhängigen syrischen oder phoinikischen Stil hat bisher noch niemand 
erwiesen. 

Zu diesem Beweis e silentio kommt etwas anderes hinzu. In demselben 
Palaste Assurnasirpals, aus. dem die Bronzeschalen stammen, haben sich jedesmal 
in mehreren Exemplaren Elfenbeinschnitzereien gefunden, von denen die eine 
(Layard Ninive andits remains II zu S. i66; Perrot-Chipiez II Fig. 247) sogar für 
ein ägyptisches Werk gegolten hat. Das wird heute niemand mehr glauben und 
ebensowenig wird man in den Zeichen im Königsring » Jubnure* « einen ägyptischen 
König finden wollen; die Tracht der sitzenden Frauen, die Federn über der Car- 
touche, das Profil der Personen lassen über den unägyptischen Ursprung keinen 
Zweifel. Birch (bei Layard a. a. O. 163 ff.) hat gut gezeigt, dafs die ägyptischen 
Vorbilder nicht älter sein können als die XVIII. Dynastie; wenn er an die XXII. 
denkt, so läfst sich entscheidendes weder für noch gegen ihn sagen. Auf alle 
Fälle haben wir hier in anderem Material und anderer Technik denselben Stil wie 
in den am gleichen Ort gefundenen Schalen. 

Das werden die dazu gehörigen Elfenbeinreliefs, Perrot-Chipiez II Fig. 248. 
249. 80. 129. 130 noch deutlicher machen". Die Flügelsphinx fehlt in Ägypten 
ganz; wo sie, wie Petrie ///«Aa« XX 4, einmal auf einer blauglasierten Schüssel 
auftritt, trägt sie das wunderliche Kopfluch mit dem Zipfel vorn, das sich ganz 
ähnlich auch auf Sphinx - Darstellungen syrischer Gefafse findet'*, giebt also einen 
fremden, syrischen Typus wieder. Der Typus des Kopfes Perrot-Chipiez II Fig. 129 
ist durchaus der einer Grabstatue des Neuen Reiches. Aber für die Anordnung des 
blofsen Kopfes in einer Nische, für die Säulchen, die den Balken tragen, auf dem 
der Kopf liegt, fehlt in Ägypten jedes Analogon. Auch im Bereich der asiatischen 
Kunst kenne ich freilich für ersteres keinen Beleg'*. Hingegen ist die Form der 
Kapitale für die kyprisch-phoinikische Kunst bezeichnend: es genügt dafiir auf Perrot- 
Chipiez III Fig. 76. 152 zu verweisen. Und Perrot-Chipiez II Fig. 249 ist in der 
prächtigen Elfenbeinschnitzerei der Mischstil vollends zum Durchbruch gekommen. 
Wir sehen, alle Stilunterschiede, denen wir auf den Bronzeschalen begegneten, 
treffen wir auf den am gleichen Ort gefundenen Elfenbeinreliefs wieder. Und um 
den Beweis voll zu machen, dafs beide Gattungen eng zusammen gehören, so hat 
sich in Präneste, neben phoinikischen Silberschalen, ein Elfenbeintäfelchen gefunden, 
das in ägyptisierendem Stil Männer in einer Papyrusbarke zeigt: wer dies Relief 



^^ Vergl. die Abbildungen Layard Mon. of Nineveh freien Zeichnung mancherlei Analoges zu der 

I, Taf. 88 ff. Schale aus Gizeh und der aus Berlin, denen sie 

'^*) M. Müller Asien und Europa S. 308. Die auch zeitlich nahestehen. 

blauglasicrten Schalen, sowie die bei Petrie ") Man mtifste denh Perrot-Chipiez III i6 und 

a. a. O. abgebildeten, zeigen übrigens in der 361 dafür gelten lassen wollen. 



AA V. Bissing, Eine Bronzeschale mykenischer Zeit. 

mit den inhaltlich verwandten Reliefs der Berliner Schale vergleicht, wird den 
gewaltigen Unterschied zwischen Vorlage und Nachahmung klar empfinden'*. 

Dafs die Schalen also der syrisch - phoinikischen Kunst angehören, die sie 
ägyptischen Vorbildern nachgebildet hat, wird man nach alledem mindestens sehr 
wahrscheinlich finden. Eine Beobachtung, auf die man bei der Lückenhaftigkeit 
des vorliegenden Materials nicht allzuviel bauen darf, tritt hinzu. So viel ich sehe, 
erscheint gerade auf den Reliefs Assumazirpals zum ersten Mal eine Schale, die 
genau die Form der Bronzegefäfse von Nimrud hat". Späterhin ändert sich die 
Schalenform ein wenig, das Gefafs erhält einen abgesetzten Rand, vgl. Abb. 12 und 
13 nach Perrot-Chip iez 11 Fig. 24 (Relief Sargons). 317 (Relief Assumazirpals). 






12 '3 , 

Schale von einem Schale von einem 

Relief Sargons. Relief Assurnaiirpals. 

Dadurch wird es wahrscheinlich, dafs wir, anders als bisher geschehen, die Bronze- 
schalen der Regierung Assumazirpals zuweisen müssen. Dann darf man sich er- 
innern, dafs dieser König einen beutereichen Zug gegen die Aramäer, Syrer und 
Phoiniker unternommen hat"; zu Ehren des Sieges liefs er die Reliefs in seinem 
Palast zu Nimmd anbringen, deren etliche ihn mit solchen Schalen in der Hand 
beim Opfer zeigen. Ist es da zu kühn, zu vermuten, dafs der König ein Stück der 
Siegesbeute in der Hand hält? Dafs all jene Bronze- und Elfenbeingeräthe Tribut 
resp. freiwillige Abgaben der Fürsten von Aradus, Tyms u. s.w. sind? 

Wir gewinnen so für die Zeit des IX. Jahrhunderts eine gute Vorstellung 
von phoinikischer Kunst. Wir erkennen ihre Abhängigkeit von fremden Ein- 
flüssen, vor allem von Ägypten und ihre Fortentwicklung in einer jüngeren Zeit". 

Für die ältere Zeit besitzen wir, nicht zwar für die phoinikische Kunst, 
aber doch fiir die syrische und nordmesopotamische, ein reiches Material in den 
Tributdarstellungen auf ägyptischen Wandgemälden. 

Unter den dort dargestellten Vasen gilt meist die Schale mit den Innen- 
gravierungen und häufig ausgezacktem Rand als charakteristisch fiir syrische Kunst'**. 
Man überblickt die Gattung, deren Verständnis Birch [Memoire sur une patere 24) ge- 
funden, am bequemsten in dem grundlegenden Aufsatz von Borchardt, Ägypt. Zeitschr. 
1893, iff. Der völlig ausgebildeten Form begegnen wir zuerst in der XII. Dynastie 

2«) Mon, delV IsL 1876 31,3, danach Perrot-Chi- diesem Feldzug: Rec. de Trav, 17,76 (Maspero). 

picz III 853. Vergl. Helbig-Rcisch Führer *') Alle sich hier anschliefsenden Denkmäler her- 

397 ff. anzuziehen, würde aus dem Rahmen dieser Arbeit 

") Perrot-Chipiez 11 Fig. 303. 205 (hier ist die fallen. Es läfst sich ein ansehnliches Material 

Schale auch aufsen decoriert). Taf. XIV. zusammentragen. 

'*) Winkler, Geschichte Babyloniens und As- '<>) M. Müller, Asien und Europa 298,348, doch 

Syriens 188 ff. Bronzegefäfse als Tribut aus vergleiche die richtigen Bemerkungen 306 f. 



V. Bissing, Eine Bronzeschale mykenischer Zeit. ac 

im Grab des Hapzfa zu Siut und einer Stele des Museums in Gizeh, wo gar kein 
Anlafs ist, an fremden Import zu denken. Und im Princip findet sich die gleiche 
Decoration mit eingelegten oder ciselierten Pflanzen schon auf einer in die VI. Dyn. 
gehörigen Stele'*. Es ist hier also ganz das Gleiche geschehen, wie bei den 
Bronze -Schalen: ägyptische Vorbilder haben in Syrien eifrige Nachahmung und 
Fortbildung gefunden. Überdies können wir durch die Bilder im tombeau des 
graveurs [Mission du Caire V 2) beweisen, dafs in der XVIII. Dynastie solche Vasen 
noch in Ägypten selbst gemacht wurden. 

Diese Schalen, mit oder ohne hohen Fufs, finden sich besonders auf den 
Retenubildern der XVIII. Dynastie: wir kennen deren allmählich eine ziemliche An- 
zahl und man möchte nach den häufig wiederkehrenden gleichen Motiven, die aber 
verschieden combiniert werden, eine oder auch zwei gemeinsame Grundlagen der 
Darstellung annehmen: etwa in Theben vorhandene, berühmte Gemälde oder Reliefs, 
die die Unterwerfung der Asiaten unter einen König der XVIII. Dynastie, bei- 
spielsweise Tuthmosis III., schilderten. Dafs Tuthmosis III. aus seinen syrischen 
Feldzügen nach Theben reiche Beute brachte, lehren ja, abgesehen von den In- 
schriften, die Champollion Monum. IV 3i6f. abgebildeten Weihgeschenke an 
Amon''. Natürlich fehlen hier auch die besprochenen Schalen nicht, besonders 
der Typus mit stark abgesetzter Lippe und spitz zulaufendem, abgerundetem Boden, 
der auch auf den genannten Tributbildern immer wiederkehrt. Auch er hat sein 
Vorbild in Ägypten: schon im Grab des Rahetep zu Medum, im alten Reich, be- 
gegnet man ihm, wenn auch ohne eingelegte Ornamente. Freilich ein Unterschied 
besteht: die syrischen Schalen haben zum guten Teil einen festen Fufs, der den 
ägyptischen wohl immer fehlt: es ist wunderlich, dafs der Ägypter sich alle Zeit 
nicht recht mit der Anbringung eines festen Fufses hat aussöhnen können; er stellt 
die Gefäfse in mannigfache Untersätze oder in den Boden, der Fufs ist ihm etwas 
von aufserhalb überkommenes, fremdes. 

Derartige Schalen finden sich nun auf einem Wandgemälde der XVIII. Dyn. 
in einem thebanischen Grab, das durch Helbigs schon citierte Besprechung auch 
Archäologen bekannt geworden ist. Nach ihm hätten wir hier nichts geringeres vor 
uns als den Einzug der mykenischen Kultur in Ägypten auf phoinikischen Schiffen. 
Die Frage, welches Volk hier dargestellt sei, soll in einem besonderen Excurs be- 
handelt werden; hier will ich lieber die einzelnen Gefafse besprechen und ihr Ver- 
hältnis zu den ähnlichen Darstellungen, die wir erwähnten, beleuchten. Denn wenn 
Heibig recht interpretiert hätte, dann würde hier eine schwer wiegende Gegen- 
instanz vorhanden sein gegen die oben begründete Abhängigkeit der syrischen 

") Notke du Musee de Gizeh (Virey) 29. Vgl. *Kniiü* td, Mission, Poriiqut du Afur du foml. Grab 

Prisse d'Avennes Htst de Vart IL Vases conUmpo^ Amnmheb Mission V 2 Tafeln. Grab des Hui 

rains des pyramides. Z. D. III 116 ff. abweichend Rev* Arch, 1895, 

") Ich gebe hier eine Übersicht der publicierten Taf. 24, 15. Vergl. Heibig, Sitzungsber. der 

Darstellungen von Retenutributen: Grab des bayr. Akad. 1896, 539 ff. und Maspero Hist. de 

Hormhcb Mission du Caire V 3 Taf. IV. Grab l'orUnt II 283. 
des Rechmere Mission V Taf. 7, 8. Grab des 



Aß V. Bissing, Eine Bronzeschale mykenischer Zeit. 



Kunst von der ägyptischen. Kann ja doch bei der mykenischen Kunst von solcher 
Abhängigkeit nicht die Rede sein. 

Auf Tafel XV r. unten erscheint eine Reihe grofser Spitzamphoren mit 
mindestens zwei seitlichen Henkeln und einem zuckerhutförmigen Verschlufs aus 
Gyps oder ähnlichem Material. Die F*orm ist am bekanntesten wohl aus dem Grab 
Ramesses III. (um 1200), wo das Geföfs rot oder gelb, der Verschlufs weifs oder 
blau gemalt ist*'. In Teil Amarna finden wir auf dem Tempelspeicherbild des 
Meryre (L. D. III 95) zwei ähnliche Formen; im Grab des Rechmere trägt ein 
solches Gefafs unter den Retenutributen die Aufschrift »Räucherharz*«'*; aus älterer 
Zeit vermag ich die Form nicht nachzuweisen, sie wird wohl den Retenu eigen- 
tümlich sein. 

Die flachen Schalen darüber, neben den schon besprochenen, kehren nicht 

selten auf den Grabbildem wieder'*; sie dienen immer als Behälter fiir Kostbarkeiten 

« 

aller Art, sind gelegentlich aufsen mit linearen Gravierungen geschmückt, weisen 
aber, so viel ich sehe, nirgends Innenzeichnung auf. Trotz einer allgemeinen Ähn- 
lichkeit der Form mit den Schalen von Gizeh, Berlin und Paris, wird man diese 
nicht mit ihnen zusammenstellen dürfen. Nach der Weihgeschenkliste Tuthmosis III. 
hiefsen sie wohl >ddt«. 

Wichtiger für uns ist das Gefafs, das der erste der drei Männer im Schurz in 
der gesenkten Hand hält. Heibig scheint es a. a. O. 64 für eine Bügelkanne zu 
halten (denn in der erhobenen R. hält der Mann eine Amphora — also ähnlich, 
blofs mit der Vertauschung der Arme wie im Rechmere-Grab die Männer mit den 
Kannen). Aber thatsächlich ist es eine »Pilgerflasche«, kugelrund mit abgesetztem 
Hals und Lippe, zwei kleinen Henkeln am Hals, Diese späterhin sehr häufige 
Form fehlt bis jetzt im ältesten Ägypten". Aber wir kennen sie aus Teil el Hesy 
(ed. Petrie VIII 159, 160), wo sie aber gleichfalls importiert zu sein scheint". Zur 
mykenischen, entsprechenden Form, die immer einen Fufs hat und ganz verschiedene 
Henkel, steht sie im Gegensatz '^ Auf Kypros ist sie wiederholt nachweisbar", 
und man würde sich ohne weiteres für den ky prischen Ursprung der Form auch 
in Ägypten entscheiden, wenn nicht der Umstand zur Vorsicht mahnte, dafs sich 
kyprischer Import nach Ägypten erst in jüngerer, wohl nachmykenischer Zeit durch 
Vasen sicher belegen läfst*°. Es mufs also zweifelhaft bleiben, ob wir hier eine 
kyprische oder nordsyrische Form vor uns haben. 

Auf dem SchifT in der untern Reihe steht ein grofses Vorratsgefafs mit 

") Oft abgebildet, i. B. Rosellini iWl C 59,6; »*) Z.B. Rechmere' VII. 

Champollion ^«'/»»m. 259. ^6^ Ein vonPottier für kyprische oder ägyptische 

3^) »Rauchopfer« gab es also schon seit ältester Nachahmung nach kyprischem Muster erklärtes 

Zeit in Ägypten, und da das Material dazu um Exemplar: Vas^s du Loyvre 3, 2. Ein k}'pri- 

1500 bereits aus Syrien, nicht aus Arabien, sches a. a. O. A 167. 

kommt, fallen alle Schlüsse, die diese That- »?) Petrie Teil el Hesy, S, /^6, 

Sache aufser acht lassen, für die Kritik des '^ Furtwängler-Loeschckc Myk. Vasen 44, 72. 

griechischen Kultes fort '*) Cesnola-Stern Taf. 38,1; 69,3. 

") Vgl. Excurs 2. 



V. Bissingi Eine Bronzeschale mykenischer Zeit. An 

(vermutlich vier) seitlichen Henkeln, abgesetztem Hals und Lippe., spitz zulaufendem 
Bauch. Heibig vergleicht dazu Furtwängler-Loeschcke 44, 38. Aber weder darf 
man den geraden Hals des Gefafses Rev, Arch, Taf. XV mit dem ausgeschweiften 
der mykenischen Vase, noch den ganz verschiedenen Ansatz der Lippe zusammen- 
stellen. Auch der Umrifs der beiden Gefäfse scheint mir ganz verschieden, der 
Niveauunterschied der Henkel bei der griechischen Vase bedeutend, bei der andern 
so gering, dafs man zweifeln kann, ob er beabsichtigt ist. Hätte Heibig die Rev. 
Arch. 1895 Taf. 14 abgebildeten gleichartigen Gefafse (die z. T. der Henkel zu ent- 
behren scheinen) hinzugenommen oder die erhaltenen Gefäfse wie Petrie Illahun 
Taf. 21 f. 5 (XVIII. Dyn.; danach hier Abb. 14). Teil el Hesy VII 124" verglichen, so 
hätte er hier gewifs keine mykenische Vase so wenig wie eine ägyptische erkannt. 
Denn aufser allenfalls Champollion Mon. IV 422 wüfste 
ich nichts Ägyptisches hierher zu ziehen. Auf Kypros 
aber hat sich eine Vase ähnlichster Form, aber mit 
nur zwei Henkeln »in sehr alten Gräbern« gefunden*'. 
Auf anderen Retenubildern erscheint die Form gleich- 
falls nicht, doch mufs man damit vorsichtig sein, denn 
das von Daressy publicierte Bild schildert die Ankunft 
asiatischer Männer, die Thongeschirr bringen; die 
meisten uns sonst erhaltenen »Tributbilder« erzählen 
in erster Linie die wichtige Übergabe der Gefafse aus 
Edelmetall. 

Der zweite der drei Männer im Schurz hält in 
der gesenkten 1. eine Kanne mit langem Hals, abge- 
setzter Lippe, von der ein grofser Henkel auf die ^ 
Schulter herabgeht. Derartige Kannen gehören zu den V^ux^ Illahun 21, 5. 
regelmäfsig wiederkehrenden Retenutributen , allerdings wechselt die Form etwas 
und man kann zwei Hauptklassen unterscheiden: die häufigere finden wir Rev. 
Arch, 1895 XIV, klar kenntlich Rechmere* Taf. 7, Amnmhb. Taf. 2. Sie hat einen 
ausgesprochenen, nach unt^n sich verbreiternden Fufs, einen stark abgesetzten 
Hals, der nicht übermäfsig lang ist, eine Lippe mit bis zur Schulter reichendem 
Henkel. Die Umrisse sind bald plumper, bald schlanker, wie das ja gerade das 
Bild Rev. Arch, 1895 XIV veranschaulicht. 

Während im Rechmeregrab (nach den farbigen Wiedergaben) die Schalen 
aus Gold sind, die grofsen Vorratsgefafse, entsprechend den z. B. in Teil el Amarna 
zu Tage gekommenen Scherben, aus hellem, rötlichem Thon, so sind diese Flaschen 
hier und im Amnmhbgrab dunkelrot gemalt. Und in dem letztgenannten Grabe 
tritt daneben eine Amphora mit stark gebogenen Henkeln und eiförmigem Körper 

*») Text S. 32, wonach das Gefäfs zwischen iioo «) Cesnola-Stern Taf. 38,2, Text S. 149, zu- 
bis 1000 gehören wUrde. Doch ist die ab- sammen mit der oben erwähnten Pilgerflasche, 

solute Chronologie hier schwerlich zum Ab- Vgl. Vases du Louvre A 120 und Abbildung, 

schlufs gebracht. 




^8 V. Bissingi Eine Bronzeschale mykenischer Zeit. 



und eine Flasche mit vorspringender Lippe und ganz ähnlichem Umrifs auf, wie 
ihn die Kanne zeigt. Man wird nicht zweifeln, in dieser charakteristischen, rot ge- 
färbten Keramik Thon- Vasen zu sehen. 

Nun giebt es unter den erhaltenen Flaschen in Ägypten eine dem neuen 
Reich angehörige, rot polierte Gattung, die in Ägypten unvermittelt auftritt, in der 
Form mit der Flasche des Amnmhb- Grabes übereinstimmt. Es erscheint zunächst 
am natürlichsten, die erhaltenen Exemplare mit den von den Retenu gebrachten 
zusammenzustellen. 

Von ganz gleicher Technik und mit den Flaschen häufig zusammengefunden, 
sind Kannen, die in allem übrigen den von den Retenu getragenen entsprechen, 
auch die gleiche bezeichnende Fufsform haben, aber mit der gleichen Regelmäfsig- 
keit, mit der die Abbildungen den Henkel an der Lippe ansetzen lassen, zeigen 
alle mir bekannten erhaltenen Exemplare den oberen Henkelansatz am Hals, häufig 
dergestalt, dafs der Henkel wie eine Schnur um den Hals gelegt ist. Eine sichere 
Erklärung hierfür habe ich nicht; aber das Zusammentreffen so vieler Eigentüm- 
lichkeiten bei den Retenu -Vasen einerseits, den in Ägypten gefundenen rot polierten 
andererseits, kann kein Zufall sein. 

In Ägypten haben sich solche rot polierten Kannen unter den Gefafsen des 
Maket-Grabs z. B. gefunden**. Sie treten da zugleich mit schwarz - grauen , auch 
bräunlichen, kleineren Kannen auf, die zuweilen Mattmalerei aufweisen; der aus- 
laden(]e Fufs ist auch hier bezeichnend. Dieselben beiden Sorten finden sich auf 
Kypros und in Lashisch (Taf. VII I2i, VIII 141 ed. Petrie). Petrie meint sie seien 
in ganz Phoinikien nicht selten. 

In Ägypten finden sich aufser den behandelten Vasenformen in der gleichen 
fremden Technik vorzugsweise Untersätze der Form wie auf Abb. 15. Wenn man 
nun auch sehr vorsichtig sein mufs bei Dingen, die von Natur gewisse Formen 
empfangen, ohne darum von fremden Mustern abzuhängen, so kann es uns doch 
willkommen sein, dafs im Grab des Harmheb**, im dritten Register ein Mann dar- 
> ,,,, . ^_^^ gestellt ist, der gelbe und blaue Untersätze der hier in 

^ ' • -^ — " '^^^^ Rede stehenden Form darbringt (Abb. 15). Sie fehlen auch 

nicht unter den syrischen Weihgeschenken Tuthmosis III. 
und die Untersätze, die mehrere der Schalen z. B. im Rech- 
meregrab zeigen, stimmen damit überein. Es ist also sehr 
möglich, dafs die uns erhaltenen rot polierten Untersätze 
,- teils Import, teils Nachahmung von aus Syrien eingeführter 

Nach Grab des Harmheb Keramik sind**. 

Für die Zusammengehörigkeit der ganzen Gruppe 

**) Petrie Illahun Taf. 27, und für die Datierung zu Taf. IV, sucht man vergebens einen Hinweis 

Ägypt. Zeitschr. 1897 S. 94 ff. auf ChampoUion, der offenbar mehr sah und 

^^ Ch.2iV[ii^ o\\\Qn Mon.\l \tfi Q,{, Notkes descriptives auch nicht, wie die Neueren, unterliefs die 

I 832. In der Ausgabe Mission du Caire V, Farben der Gegenstände anzugeben. 

**) Vgl. Excurs 2. 




e Bronzescbale inykenischer Zeit. 



49 




darf man auch auf Folgendes hinweisen: wie schon bemerkt tritt neben die Kanne 
mit Fufs eine unten abgerundete, wie sie der Mann auf dem thebanischen Gemälde 
in der Hand hält: wir kennen aus Petrie Illakun 27, 19 eine ganz ähnliche Vase in 
unägyptischer Technik. Wie es zwei Kannen giebt, so giebt es, und zwar in rot 
polierter Technik, zwei Flaschenformen: die eine mit wulstiger Lippe, ausladendem 
Fufs, die andere mit stärker abgesetztem Hals und eiförmigem, fufslosem Körper. 

Endlich gehört offenbar dazu die Amphora mit den 
geschwungenen Henkeln, die ein Retenu im Grab des Amnmhb 
trägt (Abb. 17), die reicher verziert in dem Grab des Hui aus 
Silber und Gold wiederkehrt: die Henkel sitzen bei beiden 
Exemplaren des Amnmhb -Grabes, wie auch sonst, an der 
Lippe an und endigen gelegentlich in Voluten (Abb. i6), 

Ich kann nicht finden, dafs hier irgend eine mykenische 
Form vorliegt, kann auch unter den ferneren, auf dem the- 
banischen Grabgemälde dargestellten Vasen eine solche nicht 
wiederfinden: es sind Schalen und Kannen der schon be- 
sprochenen Formen, die eine, am zweiten Schiff in der oberen 
Reihe, scheint einen Typus des Neuen Reiches wiederzugeben ähnlich L. D. II 1 53, 30, 
doch erlaubt die starke Verkleinerung der Fubücation kein zuverlässiges Urteil. 

Mykenische Vasenformen haben sich viel- 
mehr auf Tributbildem bisher nur nachweisen lassen, 
wo die Keftiu gemeinschaftlich mit den Grofsen 
der Inseln des Meeres oder nordsyrischen Fürsten 
auftreten**. Man würde danach für dies Volk an 
Nordsyrien oder etwa Kreta denken und, wenn man 
auf dem Festland bleibt, zu den Retenu, nicht aber 
zu den Fhoinikern um Tyrus und Sidon gelangen. 
Nun sind gewife wenig geographische Begriffe der 
Ägypter für uns so wenig fafsbar wie die Keftiu. 
Die Gründe daßlr glaube ich statistische Tafel 
Tuthmosis III, S. i3f. und S. 47. auseinandergesetzt 
zu haben: das nur in der Mitte der XVIII. Dyn. 
häufiger anzutreffende, aus dem Mittleren Reich 
stammende Wort bezeichnet überhaupt keinen be- 
stimmten Volksstamm; ein Freund verglich es im 
Scherz mit den »Hyperboreern«. Wir müssen also 
allen Nachdruck auf die mit ihnen vereinten »Grofsen 

der Inseln des Meeres« legen. Mögen das nun Fürsten von Rhodos, Kreta oder Kypros 
sein: dafs die Inseln des Mittelmeers damals an der mykenischen Kultur Anteil hatten, 
ist eine Thatsache — warum sollen nicht auch von ihnen »Tribute« eingegangen sein"? 




*«) VgL dafür Excuis 1. 
") Au( alle Beziehungen 

Jihrbneh d*> irt1iilaIo|lKb<ii Ii 



lil Kre 



ni. 1897, S. 74 erwähnten kretischen 
1 Oiford hin. 

4 



CO V. Bissing, Eine Bronzeschale mykenischer Zeit 

Es ist ja unbestreitbar, dafs die mykenische Kultur eine nicht sehr lange 
Zeit Ägypten in ihren Bereich gezogen hat: aber wie grofs man ihren Einflufs auch 
schätzen mag, es ist immer nur ein bestimmter Ausschnitt aus dem Formenschatz, 
der uns in Griechenland lückenlos vorliegt, den wir treffen. Abgesehn von ver- 
einzelten älteren naturalistischen Stücken, die dem Anfang des dritten Stils ange- 
hören, finden wir fast ausschliefslich das Linear-Mykenische, einen Teil des dritten 
Stils, Von mykenischen Bronzen, Elfenbeinschnitzereien, von Gold- und Silbersachen 
ist keine Spur; nicht eine mykenische Terracotte hat sicii meines Wissens gefunden, 
Inselsteine fehlen auch. Bügelkannen, Büchsen, »Pilgerflaschenc überwiegen bei 
weitem, nach den mehr als hundert Vasenformen des Mutterlandes sieht man sich ver- 
gebens um. Wohl haben Beziehungen zu Ägypten bestanden, aber nichts spricht 
dafür, dafs diese so eng waren, wie sie zwischen Ägypten und seiner Provinz Syrien 
gewesen sind. Wäre Syrien und Phoinikien die Heimat der mykenischen Kultur, 
hätten phoinikische Kaufleute den Absatz der Waare im Grofsen betrieben, dann 
müfste das reiche Ägypten, das Goldland der damaligen Zeit (Teil el Amamabriefe 
passtm)^ nicht an der Peripherie der mykenischen Kultur, sondern im Centrum 
liegen; oder sollen die schlauen Phoiniker, denen man so viel zutraut, wirklich der 
bequemen Fahrt nach Ägypten den ungewissen Weg durchs Meer nach der Argolis 
vorgezogen haben?** 

Ziehen wir aber von den Keftiu -Tributen die 3 — 4 mykenischen Formen und 
etwa noch das Auftreten der Spiral- und Schuppen - Ornamente ab, die aber auf 
Retenu-Bildem auch nicht ganz fehlen, so bleibt uns ein Formenschatz, der ganz in 
den der Retenu-Vasen aufgeht, dabei teilweise stärker ägyptisiert. 

Ich mufs mir ein näheres Eingehen darauf hier versagen; uns mufs genügen, 
dafs wir erkannt haben, dafs es im zweiten Jahrtausend in Syrien und Nordmeso- 
potamien eine Keramik und Toreutik gegeben hat, die neben vielem Selbstständigen 
mancherlei ägyptische Elemente in sich aufgenommen hat; sie steht in naher Be- 
ziehung zu Kypros, aber es fehlen ihr alle charakteristischen mykenischen Formen; 
wo solche auftreten, treten sie ganz vereinzelt auf, wohl als Import von den Inseln. 

Diese Kunst hat sich weiter entwickelt, aber in immer stärkerer Abhängig- 
keit erst von der ägyptischen, dann der assyrischen. Sie wurde so zu der Misch- 
kunst, die wohl in einem guten Teil Syriens heimisch gewesen sein mag, die wir 
aber mit Recht als phoinikisch bezeichnen, weil die politischen und religiösen Ver- 
hältnisse die Phoiniker zu Hauptträgem dieser Kunst gemacht haben. Eine ihrer 
charakteristischsten Hervorbringungen aber, die Metallschale mit der Zonendecoration 
haben wir durch die datierten ägyptischen Exemplare nur als eine Weiterentwicke- 
lung ägyptischer Muster kennen gelernt: dadurch ist uns die Compositionsweise, 
die der homerische Schild zeigt, nun auch fiir die mykenische Zeit bezeugt und 



^^ Nur beiläufig bemerke ich, dafs die WafTen der The Mycenaean Age S. 389 AT.) mannigfache Be- 
Aahhotep technisch mit den mykenischen Dolch. Ziehungen zum Orient auf: die a. a. O. 389 ab- 
klingen keinen Zusammenhang haben; hingegen gebildete Schale ist mit den Thutischalen im 
weist der Schatz aus Aegina (Tsountas-Manatt Louvre nahe verwandt. 



V. Bissing, Eine Bronzeschale roykenischer Zeit. ej 



wir werden uns nicht wundern, wenn der griechische Boden zu dem Fragment des 
unter asiatischem Einflufs stehenden Siibergefäfses^^ uns ein anderes schenkte, das 
den Einflufs der ägyptischen Schalen zeigte. Aber in jedem Fall dürfen wir dann 
erwarten, dafs der mykenische Künstler seinem ägyptischen Vorbild frei gegenüber 
stehen wird, und seine freie Kühnheit wird zwar technisch dem Meister der Schale 
von Gizeh nicht gleichkommen, aber an lebendigem Gefühl und Ausdrucksvermögen 
mit den geringsten Mitteln selbst ihn noch übertreffen. 

• 

EXCURS I. 
Die Bemannung der Schiffe auf dem thebanischen Wandgemälde. 

Wir haben oben die Bemannung der »phoinikischen Schiffe« und ihre Waaren 
kurzweg unter die Retenu gerechnet: Heibig ist von der Voraussetzung ausgegangen, 
es seien Phoiniker; Phoiniker aber hiefsen nach dem Decret von Kanopus Keftiu 
und die Keftiu seien die Träger der mykenischen Kultur. Da nun Inschriften für 
die Bestimmung der Nationalität bei dem thebanischen Gemälde uns nicht zu Hülfe 
kommen, müssen wir von der Tracht ausgehn. 

Wir finden zwei Trachten nebeneinander auf dem Wandgemälde: Leute im 
langen, faltigen Mantel mit einer Art Halskragen daran, darunter ein Hemd mit 
Ärmeln, mit spitzem Bart und kurzem Haar; andere, die statt des langen Mantels 
und des Hemdes einen bis an die Kniee reichenden Schurz tragen; sonst sind sie 
den andern gleich, insbesondere unbeschuht wie jene. Auffällig sind an dem Schurz 
oben und unten je 2 Bänder vorn und hinten. 

Beide Trachten kehren nebeneinander wieder in dem schon citierten Grab 
des Hui aus Theben. Die farbige Wiedergabe bei L. DIU Ii6fr.*® läfst hier die 
Einzelheiten noch klarer hervortreten. Der vorn dreieckig zugeschnittene, kurze 
Schurz wurde über den Lenden zugezogen, vorn und an den Seiten hängen unten 
Bänder herab, die in eine Art Lotosblüte enden. Diese selben durch Troddeln 
beschwerten Bändchen finden sich nun auch an den langen Hemden, die die Retenu 
auf dem Bild Virey Tombeau de Rechmere Taf. VII tragen, unten und am Hals, 
wo das Hemd mit einem Bändchen zusammengeschnürt ist. Ich möchte glauben, 
es seien das Gewichte, um die Kleidung in gehörigem Sitz zu halten. 

Im Grab des Hui heifsen die Tribut bringenden Fremden Retenu, ein Aus- 
druck, der Syrien, im Neuen Reich vor allem Nordsyrien bis zur Parapotamia hin, 
umfafst. Ganz einheitlich sind sie scheinbar nicht in ihrer Tracht: manche scheeren 
sich den Kopf, andere tragen dicke, nicht sehr lange, auf die Schulter fallende 
Locken, die meisten dickes schwarzes Haar, alle einen spitzen Bart*\ Im Rech- 
mere -Grab haben die Retenu den Mantel nicht umgelegt, auf den Bildern Mission 

^^ Tsountas Mykene Taf. 7, i. des Hui bald hell, bald dunkel angegeben wird, 

^) Auch als Tafel zu S. 242 bei E. Meyer Ge- darf man keine Schlüsse ziehen — derartiger 

schichte des alten Ägyptens. Wechsel dient nur künstlerischen Zwecken, wie 

^') Aus dem Umstand, dafs die Hautfarbe im Grab z. B. Benihassan ed. Newberry Taf. VIII lehrt. 



C2 v* Bissing, Eine Bronzeschale mykenischer Zeit. 



du Caire V, tombeau d'Amenemhib scheint der Künstler Hemd und Mantel nicht 
recht auseinander zu halten. 

Schurz und langes Gewand nebeneinander, finden wir auch auf den Dar- 
stellungen Tombeau d'Harmhabi Taf. IV {Mission du Caire V). 

Recht im Gegensatz zu dieser Retenu -Tracht, die z. Th. sich durch die Be- 
ziehungen zur Assyrisch -Babylonischen als echt asiatisch erweist, tragen die Keftiu 
z. B. im Grab des Rechmere stets einen kurzen Schurz; er läuft vom spitzer zu 
als der der Retenu, und zwar läuft da ein zuweilen in eine Quaste endigender 
Streifen von oben nach unten. Der Schurz ist mit allerhand Mustern bunt verziert 
und pflegt oben, hinten (oder an der Seite?) mit einer Schnur zugebunden zu sein, 
deren Enden herabhängen. 

Im Rechmere-Grab tragen alle Keftiu und Grofsen der Inseln des Meeres 
(denn beide lassen sich nicht sondern) mehr oder minder hohe, bunte Schuhe, deren 
Oberleder den Knöchel oft bis zur Wade einschliefst. Im Grab des Menchepere- ' 
seneb [Mission du Caire V) sind diese Schuhe nicht angegeben. Weitere Dar- 
stellungen fehlen, da die Bilder des Senmut-Grabes zu sehr zerstört sind. — Alle 
Keftiu sind bartlos; ihr glattes Haar fallt in langen, dünnen Strähnen bis auf die 
Brust herab; zuweilen stehen vorn einzelne Locken in die Höhe, für die man am 
liebsten an Homers xepa? erinnern möchte". Hie und da liegt ein Band im Haar. 

Der einzige Kefti, der hiervon eine Ausnahme macht, ist der »Fürst des 
Landes der Keftiu« auf dem Wandgemälde im Grab des Menchepereseneb. Nach 
dem Bilde Mission V trägt er einen kurzen Schurz, keine Schuhe, spitzen Bart und 
kurzes Haar, mit weifser Kappe, nicht viel anders als der Fürst der Hetiter, der 
eine Binde im Haar trägt, und der von Kadesch, der nur das asiatische Hemd trägt. 
Combinationen mag ich daran nicht knüpfen: dazu ist weder auf den altägyptischen 
noch auf den modernen Künstler, der die wichtigen Darstellungen nur nach Skizzen 
veröffentlicht hat, genügend Verlafs **. Sicher bleibt aber, dafs diese eine Ausnahme 
den unsemitischen Charakter der Keftiu nicht umstofsen kann. 

Auf diesen hat mit vollem Nachdruck M. Müller, Asien und Europa 340 f., 
hingewiesen. Mit den Mykenäern hatte bereits Steindorff Arch. Anz. 1892, S. 12 ff. 
im Einverständnis mit Puchstein die Keftiu in Verbindung gebracht. Und dafs sie, 
die mit den Inselbewohnern des Mittelmeers zusammen auftreten, in den Bereich 
der mykenischen Kultur gehören, ist nicht weiter zu bestreiten. Aber man ist doch 
zu weit gegangen, wenn man sie zu den Trägern dieser Kultur, zu Mykenäern 
schlechthin machen wollte. So sehr Haartracht, Beschuhung und die allgemeine 
Tracht übereinstimmen, so mufs man nicht vergessen, dafs dem Schurz die charak- 
teristischen Lappen vorn und hinten fehlen, der Schnitt ein anderer ist. 

Und bemerken darf man auch, dafs die Tracht der Keftiu zusammen geht 
mit den friedlichen Bildern auf dem Becher von Vafio und der Wand von Tiryns, 



*2) Vergl. für das x^pac Heibig, Homer. Epos- ergänzt; auch hier wechselt die Fleischfarbe um- 

24X f. schichtig. Leider habe ich mir über den Ge- 

*') Vireys Zeichnung habe ich aus eignen Notizen sichtstypus der Fürsten nichts notiert. 



▼. Bissing, Eine Bronzeschale mykenischer Zeit. c^ 

allenfalls auch mit einigen der Männer auf der Silberschale (Perrot Hist de VarL VI 
774) aus Mykene, dafs sie sich aber durchaus unterscheiden von den Kriegern der 
Kriegervase und der ihr eng verwandten Stele Ephent. arch, 1896 Taf i oder den 
bärtigen, stilistisch verwandten Köpfen auf dem Silbergeföfs (Perrot VI 381), natür- 
lich auch von den fremdartigen Gestalten auf der bekannten Dolchklinge, bei der 
Technik und Stil, aber nicht der Inhalt mykenisch ist. Echt mykenische Geföfse 
erscheinen auf den Bildern, die uns die Keftiu vorführen, doch immer nur vereinzelt 
neben rein asiatischen Formen: so bringen die Keftiu im Grab des Senmut — also 
noch vor den grofsen asiatischen Feldzügen Tuthmosis III. — den von Prisse 
d*Avennes Vases des tributaires de Kafa veröffentlichten Becher mit den Ochsen- 
köpfen"! Ein ähnlicher Becher findet sich auch im Grab Ramesses III. (Prisse 
d^Avennes Vases du tombeau de Ramses IIL) dargestellt, wo auch Bügelkannen auf- 
treten. Im Grab des Rechmere bringen die Fremden einen Trichter mykenischer 
Form ungefähr wie Furtwängler-Loeschcke 44, 70. Mit den Vasen Prisse d'Avennes 
Vases des tributaires de Kafa N. i und Vases du pays de Kafa obere Reihe N. 3 und 
untere Reihe N. 4 mag man die im vierten Grab gefundene Alabastervase bei Tsountas- 
Manatt The Mycenaean Age f. 25 vergleichen. Die weifse Farbe der zuerst genannten 
Vase bei Prisse liefse sich sogar auf den grau-weifsen mykenischen Alabaster, der 
mit dem ägyptischen nichts zu thun hat, deuten. Will man weit gehen, so mag man 
auch das Gold- und Silbergefafs Prisse d'Avennes Vases des tributaires de Kafa N. 4 
mit der Goldvase Perrot-Chipiez VI fig. 524 und Prisse d'Avennes Vases du reigne de 
Thoutmes III N. 23 mit Tsountas-Manatt The Mycenaean Age f. 17, einem Kupfergefafs, 
zusammenhalten. Und endlich mag man zugeben, dafs das häufige Auftreten der Spi- 
rale und die geschwungenen Henkel — die wir aber auch bei sicher nichtmykenischen 
Vasen finden (vgl. oben S. 49) — bei den Vasen, die die Keftiu und ihre Verbündeten 
bringen, auf mykenischen Einflufs zurück zu führen sei. Das Alles kann nicht ge- 
nügen, um das Fehlen so vieler und häufiger mykenischer Formen aufzuwiegen: Bügel- 
kannen, hoher Becher, Baumflasche u. s. w. Die Träger der mykenischen Kultur, auch 
nur für den Orient, können die Kefliu aber noch aus einem andern Grund nicht ge- 
wesen sein: abgesehn von wertlosen Erwähnungen in Völkerlisten, begegnen uns die 
Keftiu nur zur Zeit Tuthmosis IIL, während wir der mykenischen Waare vor allem 
unter Amenophis IV. und Ramesses III. begegnen. Vielmehr sitzen sie an der äufsersten 
Grenze der mykenischen Kultur, im Verkehr mit den griechischen Inseln, aber auch 
mit den nordsyrischen Fürsten ; sie haben teil an zwei Kulturen, stärker freilich an der 
unsemitischen, wie die Tracht zu beweisen scheint. Vielleicht bezeichnete das immer 
unbestimmt gehaltene Wort die Bewohner Kretas und der gegenüberliegenden Küste 
— entscheiden läfst es sich bis jetzt nicht. Max Müllers Kilikien war ein Notbehelf, 
der historisch wenig glaubwürdig ist; dafs die Übertragung des Wortes auf Phoini- 
kien in der Ptolemäerzeit willkürlich ist, lehrt eben das thebanische Wandgemälde: 
die Schiffe werden gewifs mit der syrischen Küstenbevölkerung bemannt sein, es 

*^) Es ist Steindorffs Verdienst, die herrlichen Darstellungen, die er hoffentlich bald vorlegen wird, 

wiedergefunden zu haben. 



54 



V. Bissingy Eine Bronzeschalc mykenischer Zeit 



könnten beispielshalber »Byblosfahrer« sein, wie wir sie aus den Annalen Tuth- 
mosis III. kennen. An Tyros und Sidon, an das eigentliche, südliche Phoinikien 
wird niemand, der die zeitgenössischen ägyptischen und keilschriftlichen Quellen 
kennt, denken"! Damals sind Aradus, Byblos, Simyra die Vororte, von ihnen aus 
mögen die Kauffahrer nach Ägypten gefahren sein. Dafs die mykenische Kultur 
denselben Weg nach Ägypten genommen, ist an sich und philologisch wahrschein- 
lich, aber weder die Keftiu- Darstellungen noch das thebanische Grabbild sind ein 
sicherer Beweis dafür. 

EXCURS II. 
Die Herkunft der rotpolierten Gefäfse. 

Thongefafse mit rotem Farbüberzug, zum Teil auch nur rotgebrannte Ge- 
fäfse, sind seif den ältesten Zeiten in Ägypten in Gebrauch gewesen. So zeigen die 
mit der Hand gedrehten Vasen, deren Masse der Zeit vor der vierten Dynastie an- 
gehört, eine glänzende, braunrote Oberfläche, die zum Teil wunderbar fein geglättet 
ist". In den helleren geschichtlichen Zeiten bis zur sechsten Dynastie geht diese 
schöne Technik an den meisten Orten verloren: die wenigen, sicher in diese Zeit 
datierbaren rot gefärbten Gefafse zeigen einen hellen, stumpfen Farbüberzug, meist 
kirschfarben. Im mittleren Reich setzt sich diese Art der Decoration fort, vervoll- 
kommnet sich aber und es flnden sich z. T. sehr schön an der Oberfläche geglättete 
Gefafse. Ein aufmerksamer Beobachter vermag bei den Funden aus Dashur zweierlei 
rote Gefäfsgattungen zu trennen, eine feine und eine grobe Sorte". 

Zu diesen rot gefärbten Gefafsen, vielfach an ihre Stelle, tritt nun am An- 
fang des Neuen Reichs eine Vasenklasse, die rein äufserlich in den Formen, wie in 



^^) Um ganz klar zu sein, stelle ich kurz zusammen, 
warum die Keftiu die Phoiniker nicht sein 
können : 

i) Die Keftiu kommen aufser in den stereo- 
typen Völkerlisten nur während der Rcgfierung 
Tuthraosis III. vor — mit den Phoinikern hat 
Ägypten, wie genügend bekannt, auch späterhin 
in Beziehung gestanden. 

2) Die Keftiu kommen in keiner der Sieges- 
inschriften oder der Erzählungen vor, die über 
Phoinikien und Syrien berichten. 

3) Die Keftiu fehlen in den über syrisch- 
phoinikische Verhältnisse vorzüglich unterrichte- 
ten Teil el Amarna-Briefen. 

4) Nichts in Typus und Tracht der Keftiu 
weist auf semitischen Ursprung. 

Wie die Ptolemäerzeit dazu kam, das 
Wort dem hellenistischen Phoinikien gleich- 
zusetzen, erklärt sich nach dem Stat. Tafel von 
Karnak S. I4f. (vergl. S. 35) von mir Ausgeführten 
leicht: es lag eben in der älteren Noraenclatur 
für den griechischen Begriff <Po(vixec kein gleich- 



wertiges Wort vor; wie man "EXXTjve^ mit Haunbu 
(Lesung zweifelhaft), einem halbmythologischen 
uralten im Norden lokalisierten Völkernamen, 
übersetzte mangels eines andern Aus'drucks für 
den Gesamtnamen der Hellenen, nahm man 
das nach Osten wohnende Volk der Keftiu, 
dessen Wohnsitz man längst vergessen hatte, 
wenn man je darüber klare Vorstellungen ge- 
habt hatte, als gute Übertragung für die öst- 
lichen Nachbarn, die Phoiniker. Gerade das 
Unbestimmte, das dem Namen anhaftete, er- 
leichterte die Identification. 

*fi) Vergl. die Abbildungen bei Petrie Ballas und 
die farbigen, aber nicht sehr getreuen bei De 
Morgan, Recherches sur Ui origines de VEgypte I 
Taf. I— III. 

*^) Vergl. das von De Morgan Dashur I ver- 
öffentlichte Material. Im Vorstehenden liabe 
ich mehrfach die Resultate benutzt, die H. Dragen- 
dorff gemeinsam mit mir bei den im vorigen 
Winter unternommenen Vorarbeiten zu einer Ge- 
schichte der ägyptischen Keramik gewonnen hat. 



V. Bissing, Eine Bronzeschale mykenischer Zeit. et 

der Technik, als etwas Neues in Ägypten auftritt: charakteristisch für sie ist die 
mehr oder minder glänzende, regelmäfsig von oben nach unten mit schmalen Höl- 
zern polierte, Oberfläche. Sie zeigt in den besten Exemplaren eine blutrote Farbe, 
andere erscheinen heller bis zum gelblichen. 

Es hat nun schon Petrie aus diesem Thatbestand und der oben erwähnten 
Thatsache, dafs die gleichen Vasen auf Kypros und in Lashish sich finden, den 
zweifellos richtigen Schlufs gezogen, dafs sie in Ägypten fremder Import seien. Dazu 
stimmt ihr oben besprochenes Vorkommen unter den Ret enu -Tributen und ihr 
Auftreten in Ägypten gemeinsam mit den sicher unägyptischen grauen oder 
braunen Fläschchen mit den um den Hals gelegten Schnurhenkeln. Solche Schnur- 
henkel betrachtet man als besonders der Icyprischen Keramik eigen: um den Hals 
der Kürbisflasche,, des Vorbildes der ältesten kyprischen Vasen, hat man als 
Henkel die Schnur gewunden. So wird Petrie dazu gekommen sein, ohne wei- 
teres die rotpolierten Kannen und die grauen Fläschchen als kyprischen Import 
zu bezeichnen. Nun ist dabei mifslich, dafs wir in Ägypten die eigentliche Form 
der ältesten Keramik auf Kypros, die Schnabelkanne, nirgends gefunden haben, 
kyprischer Import, der z. T. auch nachgeahmt wird, vielmehr erst gegen Ende der 
mykenischen Epoche sich constatieren läfst; jene roten Kannen finden sich aber 
nach einem von Ohnefalsch-Richter für das Berliner Museum erworbenen Grabfund 
aus Ledrai" zusammen mit mykenischer Waare dritten Stils und altkyprischer Rot- 
waare mit eingeritzten Ornamenten. Und Ohnefalsch-Richter selbst teilt die Kannen 
der Kupfer-Bronzezeit zu*^ womit die ägyptischen Funde stimmen. Von weiteren, 
auf Kypros gefundenen Flaschen dieser Technik kenne ich noch eine in Florenz 
befindliche aus Paphos (Samml. Colneri) und mehrere bei Cesnola, Co//ection II 124, 
939» 940 abgebildete. Einige der letzteren tragen eingeritzte kyprische Inschriften, 
die aber für den Fabrikationsort nichts beweisen. Denn abgesehen davon, dafs auf 
Kypros solche Kannen auch nachgeahmt werden konnten, ist durch nichts erwiesen, 
dafs die Inschriften nicht auf das fertige Gefäfs gesetzt worden sind. 

Gegen den kyprischen Ursprung der Gattung spricht nun aber erstens, dafs 
wir sie auf Kypros auf diese eine Form beschränkt finden, von der sich nach ver- 
schlossen gefundenen Exemplaren nachweisen läfst, dafs sie dem Transport von 
Ölen oder Harzen in ähnlicher Weise diente, wie die mykenische Bügelkanne. Femer 
hat diese Form und ihre Poliertechnik meines Wissens keine Analogie unter den übri- 
gen kyprischen Gefafsen. Im ganzen Bereich der griechischen Keramik kenne ich 
ähnlich aussehende Thonwaare nur in Troja, aber ihr fehlt die schöne Farbe, die vor 
allem mehrere der in Ägypten und Lashish gefundenen Exemplare auszeichnet *^ 

Hingegen findet sich nach den schon besprochenen Darstellungen und nach 
Petries Angaben in ganz Phönikien und Syrien diese Waare nicht selten. Bedenkt 
man nun den regen Verkehr, in dem nach dem Zeugnis der Teil el Amama-Briefe 

*•) Auf dem BurghUgel gefunden: Mus.-Inv. 8103. II f. 3 b, 5 f. 

") Kypros, die Bibel und Homer Taf. 137 mit Text ^) Ich urteile nach Fragmenten aus Lashish im 
Vergl. yournal rf Cyfrian siudUs Taf. i f. 27,29 Berliner Museum. 



56 



V. Bissing, Eine Bronzeschale mykenischer Zeit. 



Kypros-AIasia mit der gegenüber liegenden asiatischen Küste stand, so kann es uns 
nicht überraschen hüben und drüben die gleichen Geföfse zu finden. Von Syrien, ihrer 
Heimat, aus, wären die rotpoHerten Flaschen u. s. w. nach Ägypten gebracht worden, 
auch kyprische Waare wie kyprische Weine** zogen mit. Weihrauch, Fleisch, Wein, 
Ol wurden, wie die Ostraka aus Teil el Amarna lehren, die Tributlisten bestätigen, 
massenhaft eingeführt und gewifs in »Originalpackung« gelassen. So fand auch die 
Bügelkanne ihren Weg nach dem Nillande und mit ihr das schöne mykenische Geschirr. 

In Ägypten wurde natürlich die Gattung bald nachgeahmt und verdrängte 
die alte rotgefarbte Waare: wir haben z. B. Fläschchen, deren Hals die Gestalt 
eines ägyptischen Frauenkopfes angenommen hat, mehrfach in der rotpolierten 
Technik. Ich wüfste nicht, wie man an dem ägyptischen Ursprung der Gefafse zwei- 
feln könnte. In andern Fällen, wie Berlin 13155 scheint sich eine Erinnerung an den 
fremden Ursprung im Schmuck anzudeuten : die Henkel bilden hier die Leiber eines 
asiatischen und nubischen Gefangenen, die mit dem Kopf nach unten gestellt sind. 
Ägyptische Formen aller Art werden vereinzelt rot poliert ausgeführt, aber die 
überwiegende Mehrzahl zeigt die oben besprochenen, durch die Wandgemälde wie 
durch das Fehlen älterer Vorbilder als unägyptisch erkennbaren Formen. 

Die Erscheinung steht nicht vereinzelt da : einst hatte Syrien, wie wir sahen, 
aus Ägypten die Schalenform und die Decoration durch Gravierung der Innenfläche 
entlehnt: nun entstand in Ägypten unter dem Einflufs der fremden Tribute, wie es 
scheint, am Hof Ämenophis III. selbst, eine blau-rot bemalte Keramik mit reichen 
Pflanzenomamenten und plastischen Verzierungen: am Hals und der Schulter finden 
wir Thierköpfe, Hathormasken, Sechmetköpfe mit dem Halskragen u. s. w., die Henkel 
bilden aufrecht stehende Böcke und Gazellen, oder auch nur Thierprotomen. Es 
sind das ins Ägyptische übersetzte Nachahmungen kostbar eingelegter Metallgefafse, 
wie sie unter den syrischen Tributen erscheinen, Nachahmungen, die nicht etwa für 
den Toten, sondern, wie der Fundort beweist, für die Lebenden bestimmt waren**. 

Ähnlich, denke ich, wird es um die rot polierten Gefafse stehen. Einstweilen 
wenigstens fehlt uns die Möglichkeit, sie in die national-ägyptische Keramik einzu- 
reihen oder sie einer der bekannten Gefafsgruppen anzureihen®'. Dafs die Retenu, 
die Nord-Syrer, solche Gefafse hatten, beweisen, so viel ich sehe, die ägyptischen 
Wandgemälde: bis einmal das Gegenteil bewiesen ist, dürfen wir ihnen auch diese 
weitverbreitete, streng geschlossene Vasengattung zuweisen. 

F. von Bissing. 



6') Cf. Petrie T. Amarna Taf. 24, 77. Ein aus T. 
Amarna ins Berliner Museum gekommenes Ostra- 
kon trägt die Inschrift »guter syrischer Wein«. 

^^ Alle mir bekannten besseren Beispiele, deren 
Provenienz ich verfolgen kann, stammen aus 
Teil el Amarna und dem Palast Ämenophis III. 
Herrn de Morgan verdanke ich die Kenntnis 
einiger grofser Krüge mit Zeichnungen im Stil 
des Fufsbodens von Teil el Amarna, die im 



neuen Inventar die Nummern 2672, 2673 tragen. 
••') Inzwischen habe ich die meisten älteren Vasen 
im Gizehmuseum für das neue Inventar beschrie- 
ben. Dabei ist es mir möglich gewesen bei den 
rotpolierten Geföfsen (Retenu -Vasen) zwischen 
solchen, die gar keinen oder einen sehr dünnen 
Farbanstrich haben (importierten Gcfttfscn?) und 
solchen, die einen dunkeln, unschönen Farbüber- 
zug haben (ägyptische Imitation?) zu scheiden. 



HERMES DISKOBOLOS. 

So sehr die Meinungen über den Meister der vielbewunderten, unter dem 
Namen des stellungnehmenden oder zum Wurfe antretenden Diskoboien bekannten 
Statue des Vatikan geteilt sind, so einmüthig ist man in ihrer Deutung auf einen 
zum Diskoswurf sich vorbereitenden Palästriten. Allein es scheint als ob über dem 
liebevollen Eingehen auf Einzel- 
heiten der Figur, z. B. die viel- 
besprochene rechte Hand und die 
nie mit Stillschweigen übergan- 
genen Zehen des rechten Fufses, 
die auffallende Erscheinung, dafs 
der Diskobol nicht, wie es einzig 
natürlich und allein zweckmäfsig 
wäre, mit dem linken, sondern 
mit dem rechten Fufe antritt, ent- 
weder übersehen oder doch we- 
nigstens nicht genügend beachtet 
worden sei. »// ckerche du pied 
droit une Position süre gu'il ne 
quittera que vers la fin du tnouve- 
ment.t iß\x, Gas. arck.ii%% S.zgi.) 
Aber wenn nicht sein natürliches 
Empfinden, so hätte ein Blick auf 
die von ihm selbst in dankens- 
werther Weise aufgestellte Reihe 
von Diskoboldarstellungen (a. a, O. 
PI. 29 Fig. 10) Six von obigem Aus- 
spruch abhalten müssen. Denn so 
verschiedene Motive der zum Wurf 
antretende Jüngling dem bildenden 
Künstler, vor allem den Vasen- 
malern bot, so zeigen doch ge- , 
rade die der Statue entsprechenden 

Darstellungen das linke Bein vorgesetzt: a. a. O. Fig. 10 B — E. Wenn sich auch 
bei der bekannten Willkür und Nachlässigkeit der Vasenmaler gewifs Diskobolbilder 
finden lassen, deren Motive einer genaueren Prüfung nicht Stand halten, bei denen 
es nicht klar wird, welcher Moment bezeichnet ist, und es zweifelhaft bleibt, ob nur 

Jübilncti dei antiüalottHlHn InMiuu XUI. 5 




j8 Habich, Hermes Diskobolos. 

eine fahrlässige Vertauschung des Diskoa vorliegt oder ob ein Austausch beider 
Seiten überhaupt, eine Umbildung der ganzen Komposition >im Gegensinne« statt- 
gefunden hat, so ist doch auffailender Weise kein Vasenbild bekannt, welches das 
schöne und, wie drei uns erhaltene Repliken beweisen, hochberühmte Motiv des 
vatikanischen Diskophoren in einer nur annähernden Ähnlichkeit zeigte. »Eine im 
Motiv ganz gleiche Figur kann ich aus der Vasenmalerei oder aus anderen Monu* 
menten nicht beibringen^ , schreibt Kietz, »Diskoswurf der Griechen« 8.55. Der 
antretende Diskobol von der sorgfältigen Schale des Duris (Arch. Zeitg. 1883 Tafel 2) 
sowie der auf der Berliner Gemme (Furtwängler, Gemmen-Katalog No. 6911: »gute 
hellenistische Arbeit. Statuarisches Motiv«), die man beide wohl mit der vatika- 
nischen Statue in Beziehung gesetzt hat', zeigen beide die natürliche Stellung mit 
vorgesetztem linken Fufs*. Auch aus hterarischen Quellen ist diese Stellung als 
die für den regelrechten Diskoswurf vorgeschriebene erweisbar: nach Philostrat*, 
»welcher bekanntlich fiir palästrische Übung einen scharfen Blick hatte, mufs der 
Diskobol beim Antreten zum Wurf das linke Bein vorgestellt haben«, 
(Kietz a. a. O. S. 23.) 

Wie die, wir dürfen nun wohl sagen, ungenaue Auffassung der Statue ent- 
stehen konnte, erklärt sich aus der Betrachtung der ergänzten aber für »im Wesent- 
lichen richtig« gehaltenen Finger der erhobenen Rechten zu Genüge. Ohne diese 
Ei^änzung würde man wohl kaum auf den Gedanken gekommen sein, es handele 
sich hier um die Vorbereitung zu einer heftigen Aktion. Ruhig, allerdings nicht 
rein repräsentativ, vielmehr in der Position lebendiger Beobachtung, in der Stellung 
eines aufmerksam vorwärts Spähenden steht der Jüngling da. Dieser Ausdruck 
liegt vor allem in der Haltung des Kopfes und wird verstärkt durch die leichte 
Beugung des Oberkörpers nach vom. Was aber will die erhobene 
Rechte besagen f Antwort gibt uns eine Münze von Amastris aus 
der Zeit der Antonine (s. Abb. 2). Sie zeigt eine getreue Wieder- 
holung der Statue; die einzige, die wir aus der Kleinkunst über- 
haupt kennen. Schon geraume Zeit bekannt, wird diese Bronze- 
milnze von Schlosser wie folgt beschrieben*: »Hermes stehend, 
nach links gewendet, nackt, in der Rechten den Caduceus, in der 
Linken das zusammengelegte Gewand.« Trotz letzteren Versehens schien uns 
die Beziehung des Münzbildes zu der Statue aufser Zweifel zu stehen. Nunmehr wird 
diese Annahme durch die Veröffentlichung eines deutlicheren Exemplars bestätigt*. 

■) FurtwlngIeT,Beil.Vueiis.Ni>.3383A. aJUngliog 8.31 aus der von tüeti und Six auTgestellten 

im Motiv des Vatikan iichcD DisicoEtiügen . . . Reihe gestrichen. 

Et fafst sich einen Stand.« Vgl. Kietz a. a. O. >) Imu^. I. 34. 

S. 55 u. 64. *) NutDiEiDBt. Zeitschr. (Wien) 1891 Bd. 33 S. 19 
*) Andererseils wird der Typus eine« mit dem abgeb. Taf. t No. 35. 

linken Fdü «ntretenden Diskobolen, der aber ') Numismat. Zeitschi. (Sallel) 1897 Bd. 30 Tal 10 

den Diskos angeblich mit der Linken schien- No. 2; hiernach oben wiederholt. 

dern soll, mit Kechl von JUihner in seiner »Stehender nackter Hermes linkshin, deit 

gründlichen Studie über »Antike TurngeiHthe« Stab in der Rechten, in der gesenkten Linken 




Habichy Hermes Diskobolos. 



59 



Die Münze gibt die Statue von der als Hauptansicht geltenden Seite, wie sie Kekul6, 
Arch. Zeitg. 1866 Taf. 209 publizirt hat (vgl. Abb. i, nach P,hotographie vom Original). 

Obwohl die von Imhoof publizirte Münze den Diskos am deutlichsten zeigt, 
geben andere Exemplare den Körper noch exakter wieder, ja auf dem Wiener Stück 
ist sogar die Linie des Kopfes in originaler Deutlichkeit zu erkennen, und zum 
Überflufs weist dieses Exemplar auch noch die statuarische Basis auf. Wie bei 
anderen Münzbildern des paphlagonischen Amastris hat schon Schlosser auch bei 
dem Hermes der Bronzemünze die Anlehnung an »ein bedeutendes Kunstwerk« flir 
»sehr wahrscheinlich« erklärt. 

Es kann nun kein Zweifel mehr sein, dafs man sich in die ergänzte Rechte 
des Diskobols den Caduceus zu denken hat und die Statue in die Reihe der Götter- 
bilder zu setzen ist: als Hermes Diskobolos. Da sämmtliche Finger der rechten 
Hand modern sind, macht die vorgeschlagene Ergänzung keine Schwierigkeit. Die 
Untersuchung des Gipsabgusses lehrt, dafs ein Moment, welches dagegen sprechen 
könnte, nicht existirt*. Aus Bronze und vergoldet wird man sich den Stab des 
»Xpuao^paiTi;« zu denken haben; und dafs die richtige Ergänzung der Hand von der 
jetzigen Bewegung der Finger nicht allzu weit abzuweichen haben wird, beweist 
uns die Darstellung des Hermes auf der columna caelaia von Ephesos (Arch. Zeitg. 
1872 Taf. 5 u. 6). 

Immerhin bleibt das Kerykeion neben dem Diskos auf den ersten Eindruck 
befremdlich, und es ist auch die Frage, ob vom künstlerischen Standpunkt diese 
Ergänzung nicht eine Beeinträchtigung des plastisch geschlossenen Eindrucks der 
Statue bedeutet. Haben wir es bei dem Münzbild nicht vielleicht mit einer von 
jenen Interpolationen zu thun, wie römische Barbarei sie sich mit griechischen 
Athletenstatuen nicht selten erlaubt hat? Umbildungen von solchen zu Merkur 
durch römische Kopistenhand führt Furtwängler (M.-W. S. 362 u. 497) auf. 

Aber abgesehen davon, dafs die auf den Münzen von Amastris in auffallend 



4en Diskos« (Imhoof). Ein drittes Exemplar 
s. Cot, of Greek Coins in the Br, Mus, Ponius 
PL XX, 7, wo die Bezeichnung des Attributes 
zweifelhaft gelassen wird. — Dr. von Fritze, 
der z. Z. mit der Aufnahme der paphlagonischen 
Münzen im Dienste des Ofrp, num, beschäftigt 
ist, theilt mir auf eine Anfrage mit, dafs er an- 
gesichts der MUnze in der Imhoofschen Samm- 
lung unabhängig von mir auf die Beziehung 
des Münzbildes zur vatikanischen Statue bereits 
gekommen ist. 
^ Die Repliken im Louvre und in London sind 
für diese Frage belanglos; bei der einen ist der 
ganze rechte Arm bis zum Biceps modern, bei 
der anderen ist (nach einem Bericht von Sauer, 
den mir Arndt freundlich zur Verfügung stellt) 
nur der Rumpf antik. Auch das besser erhal- 



tene Exemplar in Duncombe Park (Clarac V. 
863, 2196b, Michaelis, Anc. marbh S. 295) ist 
leider gerade an dem in Betracht kommenden 
Theil ebenfalls ergänzt. — Bei der vatikani- 
schen Statue gelten gewöhnlich nur die Fin- 
ger der rechten Hand für moderne Ergänzung 
(s. Heibig, Fuhrer I No. 330), jedoch sind nach 
einer brieflichen Mitteilung von Amelung auch 
der Ellenbogen mit einem grofsen Theil des 
Oberarms, der untere Theil des Handgelenks, 
die ganze untere Stütze, die Mitte der oberen 
Stütze neu. Auf guten Photographien erkennt 
man ferner, dafs auch der Hinterkopf zu einem 
grofsen Theil modern angestückt ist. Bezüglich 
der Ergänzung mit dem Caduceus gibt das Ori- 
ginal nach Mitteilung Amelungs keinen neuen 
Anhalt. 

5* 



6o 



Habich, Hermes Diskobolos. 



grofser Zahl auftretenden statuarischen T3T)en offenbar gute griechische Originale 
getreulich wiedergeben ^ entbehrt der Hermes auf der Münze aller jener Kenn- 
zeichen, welche für die von Furtwängler bezeichneten römischen Umbildungen 
charakteristisch sind. Nicht der römische Merkur, sondern eine echt griechische 
Bildung des Gottes, Hermes Diskobolos, steht vor uns. Hätte man der Statue den 
Diskos belassen, da es doch so leicht war, ihn in den typischen Beutel zu ver- 
wandeln? Wie leicht wäre Chlamys, Flügelhut oder Flügelschuhe anzubringen ge- 
wesen, aber nichts von alledem deutet auf Umbildung oder fremde Hinzufiigung. 
Und selbst angenommen, man habe noch in der Kaiserzeit mit Vorsatz einen 
palästrischen Hermes schaffen wollen — eine Annahme, die an sich wenig 
Wahrscheinlichkeit hat — so würde doch wenigstens die römische Zugabe, der 
Caduceus, die in dieser Zeit gebräuchliche Form haben. Aber das gewaltige, 
echt griechische Kerykeion der Münze entbehrt sowohl der Flügel, wie der Schlan- 
gen, es zeigt vielmehr die in der besten griechischen Zeit gewöhnliche Form mit 
den mächtigen, homartig ausladenden Spitzen, deren Enden einwärts gekrümmt sind ^ 

Dagegen erweist sich das Kerykeion bei näherer Betrachtung als vortreff*lich 
am Platze. Ist doch erwiesenermafsen der Stab des Gottes ein stilisirtes Abbild 
jener im Gymnasium oder in der Palästra und nicht zuletzt beim Diskoswurf so 
überaus gebräuchlichen Ruthe, des sog. Zwiesel der Aufseher*. Nicht nur weil der 
Stab ihm attributiv zugehört, sondern vor allem, um seine alte Eigenschaft als gött- 
licher Gymnasiarch zu dokumentiren, hält er »t7]v pavTixtv pdßSov^c in Händen. 

Hermes in seiner palästrischen Bedeutung ist vielfach Gegenstand gelehrter 
Untersuchungen gewesen, und es braucht nach der erschöpfenden Behandlung die- 



^ Vergl. Schlosser a. a. O. S. 22 ff. Taf. II 29 Zeus 
im Typus Overb. Kunstmyth. I S. 134 ff. No. 31 
Serapis vgl. Clarac 4 pl. 757, 758. No. 32 Po- 
seidon mit aufgestutzten Fufs, vgl. Phot. des 
athen. Instit. Eleusis No. 54. No. 34 Athen a 
im Motiv der Velletrischen Statue im Louvre. 
No. 36 Asklepios im Typus der Statue im Pal. 
Pitti (vgl. DUUchke II No. 19), Arndt Einzelver- 
kauf No. 219—221; ferner der sitzende Herakles 
auf einer Bronzemünze Mionnet 2, S. 394 No. 38, 
Apollo mit Schale und Bogen a. a. O. No. 40; 
vgl. über beide letzteren Schlosser a. a. O. S. 23. 
Auch der Perseus, welchen die BronzemUnzen 
darstellen gleich dem des Myron: »to U M^Souaav 
IpYOv cipYaafjivov« geht wohl ohne Zweifel auf 
eine Statuengruppe und zwar, wie die archaisch 
stilisirten Flügel der Medusa beweisen, auf ein 
alterthUmliches Kunstwerk zurück. Ein neuer- 
dings aufgetauchtes Exemplar dieser Münze 
scheint den Perseus mit rUckwärts auf den 
Körper der todten Medusa aufgesetzten 1. Fufs 
wiederzugeben. 



^ Vgl. Münzen des schönsten Stils: von Pheneos 
(Röscher Sp. 2413); Korinth (Cat of gr, coins in 
the br, Afus. PL XXXV. 17); Sestos (ebenda 
Thrace S. 198); ferner die Münzreihe von Anus. 
Schon nach 250 v. Chr. beginnt die Bildung 
des Caduceus mit Flügeln (s. Münzen von Sikyon 
Cat, 0/ Gr, Coins Pehponnesus PL IX. 13) und 
wird in römischer Zeit die Regel, es sei denn, 
dafs die römische Münze ein älteres griechisches 
Kunstwerk kopirt. 

') Über Zwiesel und Kerykeion s. Preller -Robert 
S. 412 Anm. 2; Hygin, astr, II 7: eius {Mer- 
curii) exemph et athletae et in reliquis Auius- 
modicertationibusvirgula utuntur; vgl. Demosth. 
p. 152 § 18 ed. Bekk. Arch.-ep. Mitthl. XV 141 ff. 
(Münsterberg). Den Übergang von Gerte in 
das stilisirte Kerykeion veranschaulicht die ma- 
kedonische Münze: GUaL of Gr. Coins in the 
BriL Mus,, Macedonia S. 158. Da das Münz- 
bild ein Widder, ist es hier zweifellos, dafs mit 
dem Beizeichen das Attribut des Hermes ge- 
meint ist. 



Habich, Hermes Diskobolos. 



6i 



ses Themas durch Krause ^^ Preller *\ Urlichs ^', Nissen^' u. A. keines Beweises für 
den agonistischen Charakter des Gottes, die sich aller Orten, besonders in der Er- 
richtung von Statuen, Hermen oder auch Altären in Gymnasien und Palästren ge- 
äufsert hat. 

Aber nicht als »Epjir^c iva^Avioc« schlechthin, sondern als oberster Aufseher 
im Wettkampf speziell der Diskobolen war er hier von dem Künstler darzustellen. 
Wie aber hätte dies einfacher und anschaulicher geschehen können, als indem man 
ihm den Diskos in die Linke gab? Nicht die zum Wurf antretenden Diskobolen 
tragen ihn so '*, wohl aber wird der im Wettkampf mit der Palme bedachte Sieger 
auf dieselbe Weise als Wettkämpfer im Diskoswurf bezeichnet. Genau so hält den 
Diskos der Diskophor mit der Palme, den Krause Taf. XIV, Fig. 5 1 (darnach Kietz 
a. a. O. Taf. No. 20) abbildet. Im Gesammtbilde tritt hier wie dort der Diskos 
zurück hinter dem Attribut der rechten Hand. 

Einen Hermes Diskobolos, wahrscheinlich ebenfalls die Nachbildung einer 
Statue, mitKerykeion in der einen und dem Diskos in der anderen Hand, liefert 
die Gemme Abb. 3 **. Als rüstig zum Kampfplatz schreitender Jüngling, 
der nur durch den Stab als Gott bezeichnet ist, erscheint er hier, äufser- 
lich unserer Münzdarstellung vollkommen entsprechend. 

Unbekannt ist mir die bei Preller-Robert S. 417 Anm. 2 erwähnte 
Darstellung eines den Diskos schleudernden Hermes. Dagegen sei 
auf eine Münze von Demetrius III'* verwiesen, da sie den Gott mit der 
Siegespalme im Motiv des eben erwähnten Diskobolen zeigt, nur dafs 
hier an Stelle des Diskos in der Linken zur näheren Bezeichnung des Gottes 
wiederum das Kerykeion getreten ist. 

Damit ist erwiesen, dafs auch da, wo der Gott in der Gestalt und in der 
Beschäftigung des jugendlichen Athleten auftritt, das alte Attribut, die paßSoc, nicht 
fehlen darf. Und dafs der Stab ganz eigentlich zum »ax^p-a« des palästrischen 
Hermes gehörte, beweist Dio Cassius", wo er von den Gladiatorenstücken des 
Commodus handelt: ^»xYjpuxsiov ts toioGtov (psp(ov oiroTov 6 ^Ep[i7fi .... abxhq hk iv icp 
TOü ^Ep{iou ayr^ikaxi ioTQei xe 4c xi Osatpovc Weiter unten wird dieses flfx^l*« noch an- 
schaulicher gemacht in den Worten: »t6 ts toü 'EpjiOü axT^jia ttSv jiät' JirixpüaQü paß- 




^^ Krause, Gymnastik u. Agonistik S. 169 ff. 

") S. Preller-Robert, Griech. Myth. S. 41 5 f. 

») Urlichs, Skopas S. 42. 

") Nissen, Pomp. Studien S. 168; vgl. Röscher 
Lex. I Sp. 2369. 

»<) Vgl. Kieti a. a. O. Tafel Fig. i— 16, wo die 
zum Wurf Antretenden den Diskos immer leicht 
nach vom oder rückwärts, häufig auch in Kopf- 
höhe erhoben zeigen. Einen Diskophoren 
im Motiv einer Polyklet'schen Statue gibt 
sehr charakteristisch die Grofsbronze des Cara- 
calla von Philippolis (Thraciae) : Mionnet, Su/pi, 



Bd. II PI. VII. 2 wieder. Auch diese Figur 
trägt in der Linken den Diskos ebenso wie die 
vatikanische Statue, während sie in der halb 
erhobenen Rechten drei Kugeln hält. 

1^) Impr, delL inst II. 12, danach Müller -Wieseler II. 
No. 310. Hier nach neuer, besserer Zeichnung. 

'«) Babelon , Rots de SyrU PL XXVIIL No. 6. vgl. 
S. CLXXI. Derselbe Hermes -Typus erscheint 
auf BronzemUnzen von Prusias II, und Babelon 
bemerkt dazu, dafs er auf ein statuarisches Werk 
hinweise. 

»0 LXXII. c. 17. 



6z Habich, Herme« Diskobolos 

600 Xaßüv xal i-al ft^jia Sjioiov dvaßa';".« Commodus nimmt auf diese Weise die 
Würde eines Gymnasiarchen an. 

Als Zeichen nicht nur seiner Göttlichkeit, sondern vor allem als oberster 
Gymnasiarch fUhrt der alte SvixYtüvtoc, den wir uns in der älteren Kunst lang- 
gewandct und als bärtigen Mann zu denken haben", das Kerykeion. Aber auch 
nachdem Hermes sich in den Typus des athletisch geschulten Jünglings gewandelt 
hat, kann er sein vornehmstes Attribut, das ihn als iva-(ätvioi bezeichnet, nicht ab- 
legen. Er behält auch als Palästrit ein Stück seiner alten GymnasiarchenwUrde 
bei, denn er ist nicht nur Ideal der Zöglinge, sondern vor allem auch das höchste 
Vorbild ftlr die Lehrer der Schule: 'Epft^s äi;aBä; toi; . . . ä6Xi]Tat; xal itaiSo- 
Tpfßaic". Lukian*' nennt ihn schlechtweg TcctifioTpipi]; äptSTOf, es bleibt jedoch 
eine offene Frage, ob man ihn gerade als solchen in der Statue erkennen darf. 
Gewichtige Gründe sprechen dagegen. Bekanntlich erscheint der eigentliche Paido- 
tribe in mannichfaltigen Darstellungen aus Gymnasium und Palästra niemals un- 
bekleidet. So trug er sich wenigstens — wahrscheinlich aus Gründen der guten 
Sitte — auf den privaten Übungsplätzen. Indefs wissen wir, dafs beim öfient- 
liehen Agon auch der »vuitvaai^;«, dessen Thätigkeit von der des Paidotriben nicht 
zu trennen ist", unbekleidet erschien und bei den olympischen Spielen durch ein 
Gesetz dazu verpflichtet war", nicht anders zu erscheinen. Darstellungen von 
solchen Aufsehern ohne Bekleidung finden sich nur vereinzelt, da die Mehrzahl der 
Vasenbilder sich auf das Privatleben bezieht. Krause a. a. O. Taf. XIII, Fig. 42 
stellt einen völlig unbekleideten Aufseher dar, der durch den Zweig in der Hand 
als palästrischer Lehrer gesichert ist. 

Dagegen bietet in Bezug auf das künstlerische Motiv die Vasenmalerei ge- 
rade in Figuren von Paidotriben schöne Analogien zu unserer Statue. Betrachtet man 
diese ausdrucksvoll bewegten Gestalten, wie sie mit halb erhobener Gerte scharf 
vorlugend jede Bewegung ihrer Zuchtbefohlenen zu Überwachen bestrebt sind, so 
z. B. die lebendige Figur auf der Euphroniosschale Hartwig, Taf. 15, 2, so erklärt 
sich das Motiv unserer Statue von selbst: gespannte Beobachtung eines nah vor 
den Augen des Gottes sich abspielenden Vorgangs und die volle Bereitschaft, jeden 
Moment selbst handelnd einzugreifen. Verhaltene, durch strenge Zucht gebändigte 
Kraft durchströmt den schlanken Körper ganz eigentlich bis in die Zehen, aber der 
Zustand konzentrirten Gespanntseins, der hierdurch so energisch zum Ausdruck 
kommt, löst sich aufs Anmuthigste in dem feinen JUnglingshaupt, das in Haltung 
und Miene die liebenswürdigste menschliche Theilnahme verräth. 

Wo die Statue, die dem MUnzbild als Vorlage gedient hat, aufgestellt war, 
ob in Amastris oder nicht, kommt auch ftlr die kunstgeschichtliche Frage kaum in 
Betracht, da ihr Original immerhin wo anders entstanden sein kann. Thatsächlich 

") ■. a. O. c. 19. *^ Artemidor, 0n4ir<KrU. II. 37. p. 317 td. JB^. 

**) Über die Tracht des Gymnasiarchen vgl. Kraus« ") Lukiaa, Otiiiv tidXoYot 36 td, FrUacJUiu p. 83. 
a. a. O. S. 196. ") vgl. Krause ft. «. O. S, 329. 

") Pausao. V. 6. 5. 



Habich, Hermes Diskobolos. 



63 



dürfte jedoch das Bild der Münze einer in Amastris befindlichen Replik nach- 
gebildet sein, die mit Herakles und Apollon zusammen in einer Palästra aufgestellt 
gewesen zu sein scheint'*. Wenigstens erwähnt der anonyme Verfasser der irotpot- 
aTocaeic auf einem »Totcoc tou 'Afiaarpiavou« genannten Platz der Stadt Byzanz, der 
nach Schlossers (a. a. O. S. 22} sehr ansprechender Vermuthung diesen Namen deshalb 
führte, weil man auf ihm eine Anzahl aus Amastris entführter Kunstwerke vereinigt 
hatte'*, neben einem Herakles dvaxsffAevoc einen »Apollon« Tca^xpaTiaönQ?'*. Als 
Dritten im Bunde dürfen wir auf Grund der Münze nun den Hermes Diskobolos im 
Typus der vatikanischen Statue hinzufügen. 

Mehr als der Aufstellungsort interessirt es, über Entstehung und Herkunft 
des sympathischen Kunstwerks etwas Sicheres zu eruiren. Denn die bisherigen Ver- 
muthungen darüber entbehren der sicheren Grundlage, welche die literarische Über- 
lieferung gibt. 

»Dafs der Diskobol der Sala della biga eine Kopie nach Naukydes'^ sei, 
ist eine Vermuthung, deren Wahrheit sich durch nichts erweisen läfst.« — Diese Be- 
merkung Brunns (K. G. S. 280) gilt ebensowohl von jener anderen Hypothese, die 
Alkamenes für den Urheber des Werkes erklärt", denn die Identifikation mit der 
»Pentathlon« genannten Statue jenes Meisters ist nach der jetzt erwiesenen Er- 
gänzung nicht mehr möglich. Alkamenes hat sich, wie es scheint, nur in diesem 
einen Falle in der Athletenbildung versucht, und da er nach dem Zeugnis des 
Plinius (XXXrV 72) sonst überhaupt nur in Marmor gearbeitet hat, kann eine Statue, 
die ihrer ganzen Komposition nach so deutlich auf ein Original in Bronze weist 
(das Münzbild macht übrigens diese längst ausgesprochene Annahme noch wahr- 
scheinlicher"), diesem Künstler mit Bestimmtheit abgesprochen werden. 

Anders verhält sich dies mit Naukydes. Zwar wissen wir, um es ehrlich 
zu bekennen, über seine Art und Kunst nichts Positives. Auffallend bleibt jedoch, 
wie schon Brunn (K. G. S. 196) bemerkt, dafs, obwohl er geborener Argiver und 
in Argos als beträchtlich jüngerer Zeitgenosse" des Polyklet thätig war, dieser 
Meister doch nirgends als sein Lehrer genannt wird. Da Naukydes selbst als 
Lehrer von mehreren vielbeschäftigten Künstlern erscheint, dürfte er als selbst- 
ständigerer, wenigstens in der Schultradition des Polyklet nicht befangener Meister 
aufzufassen sein' ^ Worin er sich von dem Haupt der Schule so sehr unterschieden. 



'*) Über diese palästrische Trias vgl. Preller-Robert 

S. 417. Röscher a. a. O. Dazu Bull, de corr. 

hell, XV. (1891) S. 284; besonders Krause a. a. 

O. S. 171 ff. 
'^) vgl. Unger, Quellenschrft. zur byz. Kunstgesch. 

(Eitelbergers Quellenschriften). 
^ Auch diese beiden Statuen glaubt Schlosser auf 

Münzen wiedererkennen zu dürfen , s. oben 

Anm. 7. 
") Braun, Ruinen Roms S. 463. 
'^ Kekttle, Arch. Zeitg. 1866 S. 169 ff., vgl. jedoch 



»Kopf des Prax. Hermes« S. 19, wo diese Ver- 
muthung als »unsicher« bezeichnet und zuge- 
geben wird, dafs die Figur jünger sei, als man 
sich Alkamenes vorstellen dürfe. Dagegen bleibt 
Furtw. (M.-W. S. 122) bei Alkamenes. 

2^ Zuletzt von Sybel, Weltgesch. d. Kunst S. 217 
und Collig^on, Handbuch S. 161. 

'ö) Über die untere Grenze seiner Thätigkeit, die 
bestimmt bis in das erste Jahrzehnt des 4. Jahr- 
hunderts reicht, vgl. Löwj, Künstlerinschriften 
No. 87. 



•') vgl. Furtwängler, Meisterwerke S. 501. 



5^ Habich, Hermes Diskobolos. 



dafs der jüngere Polyklet sich in seine Lehre begab, obwohl er auch mit Folyklet 
dem Älteren nah verwandt war, bleibt leider dunkel, und auch die Thatsache, dafs 
er nach Pausanias (I, 24. 2) und einem Inschriftenfund auf der Akropolis (Brunn, 
BulL deW inst. 1860 S. 50. Loewy, B.-I. No. 87) in oder wenigstens für Athen ge- 
arbeitet hat, gibt keine sichere Auskunft über ein etwa zur attischen Kunst be- 
stehendes Verhältnis. Nur der Umstand, dafs sein Hauptschüler, eben der jüngere 
Polyklet, ein geborener Argiver, von der argivischen Kunst- und Handwerkstradition 
so frei erscheint, dafs er mit Vorliebe als Material den Marmor wählte, möchte 
für die Beurtheilung von Naukydes' eigener Auffassung der plastischen Form von 
Belang sein. Es bedarf kaum des Hinweises, wie vortrefflich die Statue, die in 
ihrer vielbewunderten Ponderation an sich recht wohl eine Fortbildung der Kunst 
des Polyklet darstellen könnte", in der Formensprache jedoch eine entschieden 
zartere und lebendigere Anschauung verräth, als der grofse Meister des Bronzestils 
sie aufzuweisen hat, und sich hierin der attischen Auffassung nähert ", wie gut diese 
Statue zu dem Bilde eines um die Wende des 5. Jahrhunderts arbeitenden Meisters 
passen würde. Dazu kommt, dafs Naukydes, wie auch seine Schule, sich mit ganz 
besonderer Neigung der Bildung des athletischen Jünglingsideals hingegeben und 
gerade hierin hauptsächlich ausgezeichnet hat (vgl. Pausanias VI 9. 3). 

Allein es bedarf solcher allgemeiner Erwägungen, die, so beliebt sie sind, 
doch oft in die Irre führen, glücklicherweise nicht. Unsere Vermuthung be- 
stätigt Plinius: ifNaucydes Mercurio et discobolo et intnolante arietem censeturt 
(XXXIV. 80). Nachdem der nicht zum ersten Mal dem Naukydes zugeschriebene 
Diskobol nunmehr als Hermes erwiesen ist, würde die Änderung des Textes 
— wenn das Streichen eines ^/-Zeichens überhaupt eine Textänderung bedeutet — 
in: N. Mercurio, discobolo censetur kaum auf Widerstand stofsen; der Ab- 
schreiber, dem die Eigenschaft des Mercurius als Gott der Palästra nicht geläufig 
war, mufste aus dem so spezifisch griechischen Werke nothwendig zwei machen, sei 
es dafs er die bei Plinius häufige Verbindung mit et- et entweder herstellte oder 
die ursprüngliche, echt plinianische Lesart": N. et Mercurio discobolo et arietem 
immolante censetur u. s. w. durch falsche Umstellung des ersten et verdarb. 

Noch wahrscheinlicher ist es aber, dafs Plinius selbst es war, der das grie- 
chische * Epjnj) StaxoßoXcp irrthümlich als asyndetische Aufzählung ansah und sie seinem 
Sprachgebrauch nach mit et- et deutlicher wiederzugeben glaubte. 

Wir verdanken Loewys gründlicher Forschung" den Nachweis, dafs die an- 
gezogene Pliniusstelle von einer griechischen Akropolis-Periegese abhängt. Dafs 
der neben dem Hermes erwähnte Widderopferer auf der athenischen Burg gestanden, 
ist seit Jahns" Beweisführung nicht mehr bezweifelt worden. Sicherlich ist jedoch 
die von ihm herangezogene Darstellung eines Opferers auf einer Gemme kein 

'^ vgl. Meyer, Gesch. der büd. Künste I S. 293. S. 217. 

»») Über die Möglichkeit, dafs die Zartheit und '♦) vgl. Müller, Stil des älteren Plinius S. 67 f. 

Eleganz der Formgebung auf Kopistenhand zu- '*) Stud. zur griech. KUnstlergesch. S. 34. 

rückzuführen sei, vgl. Brunn, BulL delV inst, 1879 '<^ Arch'äol. Zeitg. 1862 S. 307. 



Graef, Die Zeit der Kodrosschale. ßt 



statuarisches Motiv. Ob uns dieses andere Werk des Naukydes nicht vielmehr in 
dem widderführenden Hermes" des schönen Reliefs von einem der barberinischen 
Kandelaber (Braun, Vorschule der Kunstmythologie Taf. 93) erhalten ist, bedarf 
weiterer Untersuchung. Sollte sich diese Vermuthung beweisen lassen, dann bliebe 
der Plinianische Text ohne Änderung bestehen und wäre ohne weiteres verständlich: 
»Naukydes wird geschätzt wegen einer Mercurstatue als Diskobol und 
einer als Widderopferer.« 

München. Georg Habich. 



DIE ZEIT DER KODROSSCHALE. 

(Tafel 4) 

Ob das Zusammensein von Medeia mit Theseus und Aigeus auf der Kodros- 
schale ein von Euripides unabhängiges Zeugnis der Verbindung Medeias mit Athen 
sei, oder vielmehr direct den Einflufs des Euripides auf das Kunsthandwerk bezeuge, 
ist eine Frage, deren Erörterung bisher wesentlich von der Erklärung der Bilder 
und der Anschauung ausging, welche man von des Euripides Stellung zur Sage 
hegte. Die Ansicht, dafs das Vasenbild von Euripides abhängig sei, wurde am 
weitgehendsten vertreten durch Michaelis, welcher die Darstellung der Kodros- 
schale in directe Beziehung zum Aigeus des Euripides setzte (Arch. Ztg. 35 S. 77 
43 S. 231 ff.): Aigeus auf Medeias Betreiben den Theseus gegen den Marathonischen 
Stier sendend. In der Datirung des Aigeus schlofs er sich der von Wilamowitz Ana- 
lecta Euripidea 175 geäufserten Vermutung an, wonach er im Jahre 428 mit dem 
Hippolytos zusammen aufgeführt worden wäre. Niemand wird es heute mehr für 
möglich halten, dafs die Kodrosschale nach dem Jahre 428 gemalt sei. Aber mir 
scheinen die Erörterungen von Wilamowitz's in den Excursen zu Euripides' Medeia 
(Hermes XV 482) unausweichlich zu sein: Die Aigeusscene in der Medeia setzt die 
Beziehungen der Medeia zum attischen Königshause voraus. Mufs man danach den 
Aigeus des Euripides vor 432 datiren, so würde nach der jetzt üblichen Ansetzung 
der jüngeren Vasen immer noch eine Abhängigkeit der Kodrosschale von dem 
Aigeus möglich sein. Andere neigen zu der Auffassung, dafs Medeias' Beziehung 
zu Athen viel älter sei. Auch wäre eine Wirkung des Euripides auf das Kunst- 
handwerk in seiner Frühzeit nicht sehr wahrscheinlich, und wenn, so ist die Art der 

") Hermes als Opferer: Hymu, Hom, III. 108; als Widder- Opferer: Fröhner, Medaillons de Vempire 

r omain S. 71. Vgl. Furtw. M.-W. S. 424. 



66 Graef, Die Zeit der Kodrosschale. 



einfachen Nebeneinanderstellung der Medeia und der attischen Könige auf der 
Kodrosschale durchaus nicht die Form, in welcher man die Wirkung eines neuen, 
kühn erfundenen Motivs zu sehen erwartet. Ich glaube daher wohl, dafs methodi- 
sches Erwägen der Beziehungen des Dichters und der Vasenmaler zum Mythos all- 
mählich dem Schlüsse Geltung verschaiTt hätte, dafs die Darstellung der Kodros- 
schale ein von Euripides unabhängiges Zeugnis fiir Medeia in Athen sei. Aber 
es scheint mir möglich zu beweisen, dafs diese Vase überhaupt ganz und gar vor 
die Zeit des Euripides falle. 

Nachdem die Funde des Perserschuttes die Chronologie der Vasenmalerei 
festgelegt haben, hat man es von verschiedenen Seiten unternommen, die Folgen 
zu formuliren, welche sich daraus fiir die Zeitbestimmung der jüngeren Vasen er- 
geben. Für die Kodrosschale ist dabei Milchhöfer Qahrbuch IX 72) zu dem Ansatz: 
nicht unter 445 gekommen, während Robert (Marathonschlacht XVIII. Hall. Winckel- 
mannsprogramm y6) sie doch wieder unter die Parthenonsculpturen herabrücken will. 

Ich glaube, dafs man diesen letzten Ansatz widerlegen kann, und will nun 
auch über die Zeitbestimmung Milchhöfers noch hinausgehend, versuchen dar- 
zuthun, dafs diese wichtige und merkwürdige Schale mit ihrer ganzen Sippe so 
weit wie möglich an die Zeit des strengen Stils hinanzurücken ist, also um eine 
Zahl zu nennen etwa zwischen die Jahre 470 und 460. Sie ist älter als alles was 
man sich geeinigt hat, mit dem Parthenon in Verbindung zu bringen, und spä- 
testens gleichzeitig den Vasen, welche den beginnenden Einflufs der monumentalen 
Malerei zeigen. Dafs sie von diesen im Stil verschieden ist, liegt daran, dafs 
naturgemäfs dieser Einflufs auf Schalen gering war und später zu wirken begann 
(vgl. Robert, Nekyia 42). 

Es ist zunächst nötig festzustellen, welche Vasen mit der Kodrosschale eng 
verknüpft sind. Ich kann dabei nur diejenigen in Betracht ziehen, welche ich 
im Hinblick auf diese genau untersuchen konnte, und will nicht etwa eine Liste 
der zusammengehörigen Vasen aufstellen. 

Von derselben Hand wie die Kodrosschale ist wohl die Berliner Schale 
mit der Geburt des Erichthonios Nr. 2537, die Übereinstimmung erstreckt sich hier 
sogar bis auf eine solche Einzelheit, dafs die mit dickem schwarzen Firnis gezogene 
Mittellinie, welche die Henkelpalmette teilt, sich wiederfindet, ebenso nahe steht der 
Kodrosschale wohl noch die Schale mit der Götterversammlung Monumenti Y 4g. 

Ganz eng schliefst sich die Schale mit Aigeus vor Themis an, Berlin 2538, 
wenn auch die Palmette etwas verschieden ist. 

Auch die Niobidenschale aus Vulci im Britischen Museum E 81 (Heyde- 
mann, Berichte der sächsischen Gesellschaft 1875, Taf. III a, b, c) gehört hierher. 

Der Kodrosschale zeitlich nahestehend, wenn auch im Stil verschieden, sind 
die beiden Berliner Schalen 2534 und 2530. Sie zeigen beide noch Beziehungen zur 
älteren Stufe und mögen vielleicht auch um weniges älter sein. 

Eine ganze Reihe von Schalen des Museo Gregoriano stehen etwa auf der 
gleichen Stufe, so z. B. 



Gnef, Die Zeit der Kodrosschale. ßy 



Mus. Greg. II, Taf. 71. 3 

75.1 
77. I. 

Etwas jünger ist schon die Linosschale Montimenti 1856, Taf. XX. 

Von dieser Gruppe von Schalen können für die folgende Untersuchung 
aufser der Kodrosschale selbst, im wesentlichen nur die in Berlin befindlichen in 
Betracht kommen. 

Ich suche für die Zeitbestimmung zunächst den Anschlufs nach oben zu 
gewinnen: Der feste Punkt ist das Jahr 480. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich 
der sogenannte »strenge Stil« bis zu seiner höchsten Höhe entwickelt. Ich habe 
schon früher mitgeteilt (Arch. Anz. 1893. 19), dafs sich Scherben vom ausgebildeten 
Stile des Duris Hieron Brygos nicht als Ausnahmen, sondern in grofser Zahl im 
Perserschutt gefunden haben '. 

Es finden sich aber auch vereinzelte Stücke, welche man als Übergang zum 
sogenannten »schönen Stil« oder als »älterer schöner Stil« bezeichnen mufs. So sind 
z. B. Teile einer — vielleicht der schönsten — attischen Schale gefunden, bei der 
da^ Innenbild von einem Lorbeerzweig umgeben das ganze Schalenrund flillt; dar- 
gestellt war Athena stehend und ein Mädchen aus einer fufslosen Schale trinkend. 
Das Stück ist weit entwickelter als alles was wir von den grofsen Schalen- 
malern kennen. 

Es ist also wirklich der strenge Stil mit dem Jahre 480 beschlossen und 
wir dürfen die nächste Entwicklungsstufe mindestens unmittelbar mit diesem Jahre 
beginnen lassen. Ich glaube daher auch, dafs P. Hartwig noch immer nicht weit 
genug hinaufgegangen ist, wenn er neuerdings bei Heibig, Eine Heerschau des 
Pisistratos (Sitzungsber. d. bayer. Akademie 1897, S. 261), den Beginn des Euphronios 
etwa in das Jahr 510 setzt. Doch möchte ich meinem Arbeitsgenossen so wenig 
wie möglich vorgegriffen haben, und betone nur nochmals als fiir die vorliegende 
Untersuchung wichtig, dafs alles was sich unmittelbar als Fortsetzung der ent- 
wickeltsten Weise der grofsen Schalenmaler erweist, bald hinter das Jahr 480 gehört. 

Bei der Gruppe der Kodrosschale weichen Sorgfalt und Sauberkeit der 
technischen Herstellung, der Zeichnung von Figur und Ornament, so wie die ver- 
wendete Farbe noch in nichts von der früheren strengen Periode ab. Und nun genügt 
ein Blick auf die von Winter im Jahrbuch VII S. 105 fr. zusammengestellten Henkel- 
palmetten, um zu erkennen, wie unmittelbar die bei diesen Vasen auftretende Pal- 
mette sich an die des Duris anschliefst. Es sind nur zwei Punkte, die eine wesent- 
liche Weitcrentwickelung bedeuten, erstens das Auftreten der vielen kleinen frei- 
stehenden Zwickelblättchen und zweitens das Überschneiden des spitzgestalteten 
Mittelblattes der Hauptpalmette über die umschliefsende Ranke. Kommt beides 
aber auch so vereinigt gerade an den Henkelpalmetten früherer Zeit meines Wissens 

Vß^- *^^^ Jahrbuch VI 43. Die Einwände Hartwigs, Meisterschalen Text S. 441 haben mich nicht 

überzeugt. 



68 



Graef» Die Zeit der Kodrosschale. 



nicht vor, so finden sich doch beide Elemente gesondert schon häufig viel früher. 
Die Zwickelblättchen sind in voller Ausbildung an der Palmette Fig. 17 bei Winter 
aus dem Kreis des Hieron, auf der Schale des Hieron bei Hartwig, Meisterschalen 
Taf. XXIX und der unsignirten Hieronschale in Baltimore Hartwig Taf. XXXI, ebenso 
auf der schönen äufsen weifsgrundigen Schale strengen Stils Monumenti X 37, wäh- 
rend sie in ihren Anfangen viel weiter hinaufreicht. Sie findet sich bei Kachrylion 
Vorlegeblätter D VE, bei Pamphaios D VI und im Palmettenfries unter dem Aufsen- 
bilde bei Euxitheos und Oltos Berlin 2264, Vorlegeblätter D II, um nur ein paar 
ganz deutliche Beispiele anzuführen. 

Die Mittelblätter läfst Brygos schon über die umschliefsende Ranke schneiden 
auf der Komosschale und der Iliou Persis. Dasselbe geschieht auf der Schale in 
Berlin 2547, die dem strengen Stil noch ganz nahe steht und in rein attischem 
Alphabet schreibt Spitz ist das Mittelblatt der Palmette gestaltet auf der Berliner 
polychromen Schale des Euphronios. 

Die Henkelpalmette der Kodrosschale schliefst sich also wirklich noch auf 
das allerengeste an den strengen Stil an, sie ist nur um einen ganz geringen Schritt 
weitergeführt. Dasselbe läfst sich fiir alle Elemente der Composition und der Zeich- 
nung darthun. 

Das Innenbild besteht aus zwei Figuren, wie die grofse Anzahl der Innen- 
bilder des entwickelten strengen Stiles. Auf keiner der Schalen, die der Kodros- 
schale nahe stehen, geht die Composition über das einfache Nebeinanderstellen oder 
das Zusammenschliefsen zweier Figuren zu einer Handlung hinaus'. Dagegen er- 
scheint sofort auf etwas jüngeren Schalen eine gewagtere Composition, so Athena 
Theseus Minotauros und das Labyrinth auf der Schale des Aison Antike Denk- 
mäler n Taf. I oder Ge neben dem kämpfenden Paare im Innenbild der Giganto- 
machie des Aristophanes und Erginos. Was die Gruppe der Kodrosschale mit 
diesen allerjüngsten Schalen verbindet, ist die Gewohnheit, die Figuren des Innen- 
bildes auf ein Segment zu stellen, die bei den jüngeren Schalen die Regel ist. 
Während gerade die älteren Schalenmaler offenbar eine besondere Kunst darin 
suchen, die Figuren angemessen in das ganze Rund zu componiren. Doch ist es 
wiederum Duris, der in seinen jüngeren Schalen das Segment regelmäfsig ver- 
wendet, und bei anderen tritt es sporadisch auf, sogar schon Epiktet setzt einen 
Silen mit Schlauch auf ein Segment auf einer Schale des Brit. Museum. E 24 
Katalog Bd. III, Taf. VI '. 



') Bei derartigen statistischen Beweisen fällt natur- 
gemäfs nur das ins Gewicht, was sich als regel- 
mäfsige herrschende Gewohnheit ergiebt. Ein- 
zelne Werke nehmen oft lange vorher vorweg, 
was später Regel wird. Im Innenbilde einer 
Schale strengen Stils des »Meisters mit der 
Ranke« bei Hartwig, Meisterschalen Taf. LXXIV 
befinden sich vier Figuren auf einem als un- 
regelmäfsiger Boden gestalteten Segment. 



*) Andere leicht zugängliche Beispiele: Hartwig, 
Meisterschalen Taf. LXXII (»Meister mit der 
Ranke«) Taf. LIII und LVI. i (»Onesimos«) 
Taf. X, XV. 2, XLVI (»Euphronios«) und die im 
Text S. 87 angeführten Beispiele des Kachrylion. 
— Die merkwürdige Schale aus Nola Berlin 
2536 mit Eierstab über dem Segment und zwei 
Kampf hähnen darin halte ich für cam panisch. 



Graef, Die Zeit der Kod rosschale. 



69 



Die Composition der Aufsenbilder schliefst sich ebenso streng an die alte 
Weise an. Ja, sie ist eigentlich noch strenger, denn es herrschen Darstellungen 
vor, bei denen die Figuren ohne starke Beziehung zu einander aufgereiht dastehen. 
Es geschieht nicht immer unter so pedantischer Wahrung der Symmetrie wie bei 
der Kodrosschale, aber auch die Erichthoniosgeburt kann zeigen, wieviel mehr das 
Bedürfnis mafsgebend ist, den Schalenrand friesartig mit ruhigen Figuren zu 
schmücken, als lebhafte mythische Scenen eindringlich und in bewegten Gruppen 
zu schildern, wie das in den kühnen und fantastischen Compositionen der älteren 
Zeit geschah. Solche Darstellungen sind im Kreise der Kodrosschale seltener, die 
Berliner Schale 2538 steht ziemlich vereinzelt da. Sehr bezeichnend ist vielmehr 
die Niobidenschale mit ihren auf jeder Seite in gleich grofsen Abständen an- 
geordneten vier Figuren. Umgekehrt sind in älterer Zeit Schalen wie die des Peithinos 
mit den ruhigen Liebespaaren oder die des sogenannten »Onesimos« (Hartwig 
Taf. LIV) und einige des Duris nicht häufig. Man kann deutlich erkennen, wie die 
Kodrosschale die directe Fortsetzung einer tektonischen Tendenz darstellt, die sich 
früher nur gelegentlich geltend macht. Aber einen grofsen Fortschritt in der Com- 
position bezeichnet erst die auf die Kodrosschale folgende letzte Entwicklungsstufe \ 

Ich wende mich nun der Betrachtung der einzelnen Figuren zu. Die Frauen 
tragen teils noch das ionische Gewand mit tiefem Bausch, teils schon den dorischen 
Peplos. Auf der Kodrosschale selbst trägt nur die Aithra noch ionisches Gewand, 
der Mantel verhüllt die Einzelheiten, aber auf der Erichthoniosschale findet sich der 
Chiton mit tiefem Kolpos, dessen jüngstes Beispiel in Attika wohl das Athen. 
Mitth. XX, Taf. 5 abgebildete Relief aus Eleusis sein dürfte *, ein Relief, dessen 
Strenge weiter keiner Erörterung bedarf (vgl. Philios ebenda S. 247). 

Die Athena und die Medeia der Kodrosschale tragen unter dem langen 
Überschlag ihres Peplos auch einen tief reichenden Kolpos. 

Es tragen aber schon die Mädchen auf dem Parthenonfriese beides nicht 
viel tiefer als den Gürtel und so bleibt es dann fiir die Koren vom Erechtheion 
und später. Man kann daher die singulare Tracht der Athena und Medeia auf 
der Kodrosschale nur als eine Vorstufe zur später allgemein üblichen Peplostracht 
auffassen, die sich eng an die archaische Form des ionischen Chitons anlehnt ^ 
Die zeichnerische Darstellung der Gewandung geht nur sehr wenig über das hinaus, 
was bereits Hieron mit seinen grofsen schwungvollen Falten und andere der grofsen 



*) Dafs die Figuren der Kodrosschale bereits auf 
Terrainlinien stehen, wie Robert, Nekyia 42 an- 
giebt, ist ein Irrtum der Publication in den 
Wiener VorlegeblUttern I Taf. IV. 

^) Noch etwas jünger ist ein Relief in Bologna, 
etwa 80 cm hoch, eine stehende Frau nach 
rechts, mit Chiton und Mantel darüber. Der 
zerstörte Kopf ist verhüllt, sie fafst mit der 
rechten herabhängenden Hand den Mantel, wäh- 
rend die linke den Schleier lüftet. Der Bausch 



des Chitons hängt etwas tiefer als die Knie. 
Das Relief ist ein griechisches Original, über 
seine Herkunft ist mir nichts bekannt 
^ Eine sehr eigenartige und schöne Marmorstatue 
ohne Kopf im Museum zu Epidauros — Photo- 
gramme des Instituts, Epidauros Nr. 37 — die 
man noch gern in das letzte Drittel des fünften 
Jahrhunderts setzen wird, zeigt den Bausch des 
dorischen Peplos wenigstens noch bis auf die 
Mitte des Oberschenkels hängend. 



;o 



Graef, Die Zeil der Kodrossehale. 



Schalenmaler in ihren späteren Werken leisten. In diesem Punkte täuscht die Ab- 
bildung etwas, die Gewänder sind durchweg ein wenig strenger. Als Betspiel sei 
auf unseren Lichtdruck des Innenbtldes hingewiesen (Taf. 4); dort ist es kenntlich, 
dafs alle Falten einfacher und gerader verlaufen, wie man am deutlichsten an den 

Zickzackfalten sieht, die im Gegen- 
1 satz zur Abbildung bei E. Braun, 
Schale des Kodros (Gotha, 1843), 
kaum geschwungen sind. Das 
gleiche kann man an den unteren 
geraden Falten des Gewandes der 
Medeia auf der beistehenden Ab- 
bildung beobachten '. Für die 
Kopfbedeckung der Melite und 
Medeia gentlgt es auf den olym- 
pischen Westgiebel und das eben 
erwähnte Relief aus Eleusts zu 
verweisen. Dem Versuche aber, 
die Haartracht des Theseus auf 
der Kodrossehale und anderen 
Vasen unter Heranziehung der 
xi[ir,T«t des Aristophanes zur Da- 
tirung zu verwenden (Robert, 
Marathonschlacht 76}, scheint 
mir die Existenz des Dornaus- 
ziehers und seiner Verwandten 
zu widerstreben. Auch sind die 
Haartrachten auf unbestritten äl- 
teren Vasen, wie den Jahrbuch I 
Taf. X von mir publicirten Frag- 
menten und dem Orvietaner Krater Momimenti XI, Taf. 38 — 40 nicht davon zu 
trennen. Es ist die natürliche Übergangsstufe von der älteren Sitte, langes Haar 
zu tragen, welches meist in irgend einer künstlichen Form aufgebunden werden 
mufste, zu der später selbst fiir jüngere Knaben herrschenden kurzen Haartracht. 
Der älteste attische Jünglingskopf mit kurzem Haar wird wohl der Harmodios des 
Kritios und Nesiotes sein. 

Unter den sehr einfachen und strengen Stellungs- und Bewegungsmotiven 
der Kodrossehale begegnet dreimal das Aufstützen der Hand auf die Hüfte in jener 




^ Wie hier der senkrechte Saum des Gewandes 
durch dUnne Farbe angedeutet isl, welche bei 
Braun Toitgelassen Ut, »o fehlen dort auch sonst 
einige Einielheilen in dünner Farbe, deren we- 
sentlichste die folgenden sind; Muskeln an den 



Armen von Lykos Aiaa Atbena und Armband 
an deren rechtem Arm. Muskeln an Arm und 
Schulter des Aigeas, nn rechtem Arm, linker 
Lende, Schultern und Bauch des Theseus. 



Graef, Die Zeit dei Kodio«EchBle. 



7" 



eigentümlichen, dem Kreise der olympischen Sculpturen eigenen Weise, die ich in 
den Athenischen Mittheilungen XV 26 erwähnt habe. Dieselbe Stellung begegnet 
auch häuüg auf allen anderen Vasen dieser Gruppe. Ganz übereinstimmend mit 
dem Pelops und Oinomaos des olympischen Ostgiebels sind der Aias und Theseus 
der Schale. Des letzteren Stellung auf Vasen dieser Zeit ist von Dümmler beachtet 
worden (Arch. Jahrb. 11 170). 

Die Feinheit und reizvolle Ausführung dieser Vasen hat so oft dazu ver- 
führt, sie mit dem Parthenonfriese zu vergleichen, aber es ist ein trügerischer Ein- 
druck: die Zierlichkeit einer Figur wie der Aglauros auf der Berliner Erichthonios- 
schale darf nicht über die Gebundenheit, ja fast Steifheit ihrer Bewegung täuschen. 
Ahnlich steht es mit dem Hermes der Berliner Hochzeitsvase. Man vergleiche 
femer irgend eine der ruhig stehenden oder gehenden Figuren dieser sämtlichen 
Schalen mit den geschmeidigen, biegsamen Gestalten des Parthenonfrieses. Auch 
ist auf dem Fries kaum eine Figur, bei welcher das Gewand nicht in den mannig- 
fachsten Motiven sein selbständiges Leben zu führen beginnt. Das findet sich aut 
jüngeren Vasen durchaus wieder. Keine Spur davon auf unserer Schalengruppe. 

Aufserdem ist auch die Zeich- 
nung des Körpers durchweg strenger 
und einfacher als auf der Abbildung 
bei Braun. Man vergleiche auf der bei- 
stehenden Abbildung des Aigeus den 
einfachen Verlauf des oberen Umrisses 
von Unterarm und Handrücken mit der 
geschwungenen Linie auf der Tafel 
bei Braun. Derselbe Unterschied trifft 
Schulter und Arm des Ainetos und des 
Lykos, Arm und Beine des Aias, Arme 
und Hände der Melite, um nur das 
Wesentlichste zu nennen. Überall ist 
hier das Original frei von den bewegten 
Linien der Abbildung, die den Schein 
einer jüngeren Stilstufe erwecken. 

Die Kopftypen der Kodrosschale 
endlich sind im Original viel strenger 
und gröfser in den Formen als die Ab- 
bildungen sie erscheinen lassen. Die beigegebenen Abbildungsproben nach Photo- 
graphien werden dies verdeutlichen (S. yif.). Andere Vasen dieser Gruppe, wie 
Berlin 2530 und 2538, zeigen deutliche Anklänge an Olympia. Der Hauptfortschritt 
gegen den strengen Stil ist die richtige Zeichnung des Auges in der Seitenansicht. 
Doch ist bekannt, wie das schon im späteren strengen Stil mehr und mehr durch- 
dringt. Und hier ist die einfachste Form der Zeichnung des Auges gewählt. Ich 
mufs also meine Ansicht dahin zusammenfassen, dafs die Kodrosschale und ihre 




72 



Graef, Die Zeil der Kodiotschile. 



Verwandten nur um ein ganz geringes gegen den ausgebildeten Stil der grofsen 
Schalen maier weiter entwickelt ist 

Es erübrigt, die Inschriften auf den vorgeschlagenen Zeitansatz zu prüfen. 
Ich habe die Inschriften der Kodrosschale im Herbst des Jahres 1897 genau 
untersucht und mich dabei überzeugt, dafs ihre Wiedei^abe in der Abbildung bei 
Braun und danach in den Wiener Vorlege- 
blättern aufserordentlich genau ist, es sind nur 
ganz unwesentliche Kleinigkeiten verschieden: 
Lykos hat ein ganz correctcs K, 
Aias ist jetzt fast ganz verloschen (vgl. 
Conze, Arch. Ztg. XXV 90»). 

Das erste A von Athenaia hat den Quer- 
strich am rechten Schenkel sitzen, parallel zum 
linken, also symmetrisch dem A von Aithra auf 
der Abbildung. 

Bei Mencstheus ist ein deutlicher 
Punkt im o. 

Melite, Aigeus, Theseus sind ganz treu 
wiedergegeben. 

Das A von Medeia ist dem oben er- 
wähnten ersten in Athenaia ähnlich. 

Phorbas und Aithra geben nichts zu 
bemerken. 

Im Innenbild ist jetzt vom Namen Ai- 
netos das A und I verlöscht und verschmiert', das E hat eine regelmäfsige Form 
mit drei horizontalen Querstrichen, deren mittelster etwas hoch sitzt und etwas 
länger ist als die anderen. Das 4> ist dreistrichig und ziemlich regebnäfsig. 
Kodros ist richtig. 

Die ionische Schrift ist also noch nicht durchgeführt, vielmehr sind aulser 
bei Theseus die langen e-Laute noch mit E bezeichnet, auch die Form des Z 
schwankt zwischen zwei und drei Strichen. Genau dasselbe Schwanken zeigen 
aber auch die übrigen Schalen derselben Gruppe, sie sind also insgesamt älter als 
die Monumente, auf denen bereits consequent und correct ionisch geschrieben wurde. 
Es wird aber bereits zur Zeit des Parthenon und früher im Privatgebrauch 
consequent und correct ionisch geschrieben. Das beweisen die Grabreliefs Nr. 887, 
617, 618 bei Conze und das Orpheusrelicf, auf welchem nur noch die Schreibung 
HPMHt als jüngstes Beispiel einer auch sonst häufigen letzten Spur der alten Schrift 
auftritt. Die Beispiele auf Vasen hat Kretschmer zusammengestellt: Die griechischen 
Vasen Inschriften S. 98. 

Die Kanne des Misec Gregoriano (Bd. 11, Taf, V 2 a), welche in der Schrei- 




•) Dort gebt Bruch durch, vgl, Conze, Arch, Zeilg, XXV 90". 



Graef, Die Zeit der Kodrosschale. ^9 

bung HAENH bei sonst ebenso consequenter ionischer Schrift dieselbe Unregel- 
mäfsigkeit aufweist, mufs man nach Studniczkas Darlegung bei Dümmler, Jahr- 
buch II 177 bereits für älter als den Parthenon halten. Und dafs sie jünger ist als 
die Kodrosschale konnte ich feststellen, als ich sie kurz nach deren Untersuchung 
betrachtete. 

Correcte ionische Schrift herrscht femer auf der Meidiasvase und den mit 
ihr verwandten. Mit Recht ist man geneigt, sie ebenfalls noch vor den Parthenon 
und in die Zeit der Abhängigkeit von der grofsen Malerei zu setzen ^ Auch ein 
so altes Grabrelief wie das der Aristylla (Att. Grabreliefs, Taf. XXIV) schreibt be- 
reits consequent ionisch. Niemand wird bezweifeln, dafs es ein gutes Stück älter sei 
als der Parthenonfries ^°. Überdies tritt die Doppelung des t vor Consonanten, wie 
es scheint, namentlich in dieser Zeit in Attika auf (vgl. Kretschmer, Die griechischen 
Vasen Inschriften 175, die Grabsteine geben kein zeitlich sicheres Material). 

Vielleicht noch etwas strenger als die Meidiasvase und ihre Verwandten ist 
die Gigantenschale des Aristophanes und Erginos. Sie ist auch noch nicht con- 
sequent in der Orthographie. Und diese Gigantenschale ist ganz wesentlich ent- 
wickelter und jünger als die Kodrosschale. Sie verwendet nicht nur die jüngere 
Form der Henkelpalmette, deren Schema Winter Fig. 15 giebt, es treten an der- 
selben sogar zum ersten Male Akanthosblättchen auf. Das Innenbild zeigt eine 
reichere Composition mit drei Figuren und endlich, die Hauptsache: überall ist 
durch weifse Linien im Innen- und Aufsenbild das Terrain angedeutet, was sonst 
auf Schalen unerhört war. 

Wir sind also durch verschiedene Erwägungen dazu gekommen, dafs die 
Kodrosschale mit den sich ihr anschliefsenden Vasen durch einen weiteren Zeitraum 
von der Zeit des Parthenon getrennt ist als von dem ausgehenden strengen Stil 
des Jahres 480. Somit ist die Abhängigkeit von Euripides unmöglich und wir ge- 
winnen ein ganz selbständiges älteres Zeugnis ftlr die Verbindung der Medeia mit 
dem attischen Königshause. 

Ebenso gewinnen wir an der Erichthoniosschale in Berlin ein Zeugnis fiir 
die Verbindung des Hephaistos mit der Sage von der Geburt des Erichthonios, 
welche älter ist als die Stiftung der attischen Hephaisteia, — wie ich im Gegensatz 
zu Robert (Marathonschlacht 75) aus dem vorigen folgern mufs. 

Die Schalenmalerei hört etwa in der Mitte des Jahrhunderts auf. Für die 
Anregungen, welche die Vasenmalerei aus der monumentalen Kunst empfing, war 
der Raum der Schale zu beengt, sie konnten sich erst auf anderen Gefafs- 
formen ausleben. Botho Graef. 



^) Das gilt nur von den der Meidiasvase ebenbür- Inschriften und der abweichenden und schlech- 

tigen attischen Gefkfsen. Andere Vasen dieser teren Zeichnung der Berliner Hydrien 2633 und 

Gruppe mufs ich nach Mafsgabe der dorischen 2634 fUr italisch halten. 

'0) Vgl. den Text: Nr. 115. 



Jahrbuch de» areb&oloKUchen InitUnts XIII. 



RÖMISCHE WAGE AUS CHIUSI. 





■^jg^ggllliiill^^^ji^iiUäSaättsmmaa 



PiK-i 



Die hierüber in etwa halber Gröfse abgebildete Wage {Fig. i) verdient wegen 
ihrer vortrefflichen Erhaltung, wegen ihres reichen dekorativen Schmucks, wegen 
ihrer eigenartigen Einrichtung ein über die Grenzen der Metrologie hinausgehendes 
allgemeines Interesse. Sie wurde im Jahre 1888 vom Antiquarium der Königlichen 
Museen erworben und stammt angeblich aus Chiusi. 

Der sinnreiche Apparat wird gestützt und getragen von der runden, an der 
einen Seite breiter, an der andern schmaler treppenförmig abschliefsenden Säule. 
Aus der Basis der Säule springt das Vorderteil eines vortrefflich gearbeiteten 
Panthers hervor, der wie eine decorative Zuthat wirkt und zu welchem in dieser 
Wirkung Bronze- und Silberarbeiten römischer Zeit die nächsten Vergleichungs- 
punkte darbieten; hier erfüllt er zugleich einen constructiven Zweck. An dem 
Kopfende der Säule bemerkt man eine ringartige Öhse, an welcher drei in Schwanen- 
köpfen endende Haken hängen. Diese drei Haken waren dazu bestimmt, die Ketten 
zu tr^en, weiche an ihrem Ende eine Wagschale hielten. Über der Säule, entlang 



Pernice, Römische Wage aus Chiusi. 7 c 

ihrem Schaft, ist ein gerader breiter Bügel mit einer Zahlenskaia angebracht und 
jeder Zahl entspricht ein Einschnitt am inneren Rande des Bügels. In diese Ein- 
schnitte konnte man den beweglichen Griff einstellen; er läuft elegant in einen 
Schwanenkopf aus. 

Hatte man also einen beliebig schweren Gegenstand auf die zu ergänzende 
Wagschale gelegt, so brachte man den Wagebalken ins Gleichgewicht, indem man 
den Griff in den betreffenden Einschnitt einstellte; dann konnte man den Betrag 
von der Skala ablesen. Je weiter der Griff von dem schweren bleigefüllten Panther- 
kopf entfernt eingestellt werden mufste, desto schwerer war natürlich der zu wä- 
gende Gegenstand, je näher, desto leichter war er. 

Im Original erhalten ist uns meines Wissens nur noch eine einzige antike 
römische Wage, welche dieselbe Einrichtung zeigt. Sie ist Annali 1869 Tafel L 
abgebildet und stammt aus Oberitalien ^ jedoch ist sie im Gegensatz zu der Wage 
aus Chiusi wesentlich plumper und gröber; als Gewicht dient eine mit Blei gefüllte 
Kugel und es fehlt jede decorative Zuthat. 

Ein drittes Beispiel dieser Wagengattung, das in Carthago nova gefunden 
sein soll, ist in einer Zeichnung in einer Pariser Handschrift überliefert, aus welcher 
es von Hübner in der Ephemeris epigraphica latina VIII S. 481 fg. herausgegeben 
ist'. Die höchst scharfsinnige komplizirte Reconstruction, welche dort Hultsch vor- 
genommen hat, trifft aber nicht das Richtige. Das feststehende cylinderförmige 
Gewicht ist nämlich zum Träger der Ketten mit Wagschale gemacht, der gerade 
Bügel mit der Skala und den Einschnitten ist nach unten gestellt, so dafs die Zahlen 
alle auf dem Kopf stehen, in die Einschnitte soll ein schiebbares Hängegewicht ein- 
gestellt werden und die Wage wird gehalten an einem neben dem festen cylinder- 
fbrmigen Gewicht ergänzten Griff. Diese Wage entsprach vielmehr in der Ein- 
richtung genau der Berliner Wage und sie weist auch sonst die nächsten Be- 
ziehungen zu ihr auf. 

Wie die Seltenheit der Beispiele zeigt, waren diese Wagen nicht sehr ge- 
bräuchlich. Vielmehr pflegte man sich für gewöhnlich der auch heute noch üblichen 
Schnellwagen zu bedienen, die auf den gleichen mechanischen Grundsätzen beruhen, 
aber anders gegliedert sind als jene. Wie die umstehende Abbildung (Fig. 2) 
einer Schnellwage aus Pompeji deutlich macht, ist der Wagebalken durch den fest- 
stehenden Griff in zwei Teile geteilt, einen längeren und einen kürzeren; am Ende 
des kürzeren Teils ist die Wageschale an Ketten befestigt, der längere Teil des 
Wagebalkens ist mit einer Skala und entsprechenden Einschnitten versehen, in 
welche man ein schiebbares Hängegewicht einstellen kann*. Wie das Gewicht an 



') Diese Wage habe ich in einem italischen Mu- *} Der frei herunter hängende Haken tritt dann in 

seum, wenn ich nicht irre, in Palermo, wieder- Anwendung, wenn der zu wägende Gegenstand 

gesehen. Das Stück stimmte ganz genau mit zu schwer ist, d. h. mehr wiegt als das Höchst- 

der Abbildung überein. gewicht, das die Skala angiebt. Wählt man 

*) Dort finden sich auch die näheren Angaben ihn zum ünterstützungspunkt, indem man die 

über die Handschrift. Wage herumdreht, so wird der Hebelarm viel 



6 



* 



76 



Pemicc, Römische Wage a 



der Berliner Wage, so sind auch die Gewichte der Schnellwagen decorativ aus- 
gestaltet. Hängegewichte ohne irgend eine Kunstform giebt es eigentlich über- 
haupt nicht. Am beliebtesten sind Köpfe und 
Früchte, namentlich die Eichel. Die beiden Sorten 
von Wagen unterscheiden sich also nur dadurch 
von einander, dafs an der einen der Griff, an der 
andern das Gewicht hin- und hergeschoben werden 
kann. Für metrologische Untersuchungen kann natür- 
lich nur die erste Art in Betracht kommen, bei der 
zweiten bleibt es in den meisten Fällen zweifelhaft, 
ob das bewegliche, abnehmbare Hängegewicht auch 
zugehörig ist. 

Ebenso häufig wie die Schnellwagen sind in 
römischer Zeit die zwcischaligen Wagen. Zu ihnen 
gehören besondere, meist aus Stein, aber auch aus 
Metall hergestellte Gewichte, wie sie uns in allen 
Gröfsen zu Tausenden erhalten sind. In Griechen- 
land hat man in älterer Zeit ausschliefslich diese 
Wagen in Gebrauch gehabt. Wir kennen die Nach- 
bildungen symbolischer Bedeutung aus Blattgold, die 
in den Schachtgräbem von Mykcne gefunden sind, zweischalig ist die homerische 
.W^e, die Vasenbilder zeigen von der Arkesilasschale an diese Gattung, sie spielt 
namenthch bei den Psychostasien eine wichtige Rolle*. Die grofse Menge der für 
die metrologische Forschung ebenso unschätzbaren als verhängnisvoll gewordenen 
Bleigewichte danken wir dem Gebrauch der zwcischaligen Wage. 

Einarmige Wagen, welche mit Sicherheit als griechisch zu bezeichnen wären, 
sind bisher nicht aufgefunden worden. Aber man wird dennoch annehmen müssen, 
dafs auch die Schnellwage schon in Griechenland verwendet worden, ist und zwar 
dafs ihre Erfindung dem technisch hochentwickelten Hellenismus zufallt Dafiir 
würde auch der künstlerische Schmuck der römischen Schnellwi^en sprechen, fUr 
den wir nach älteren Vorbildern suchen müssen. 

Besonderes Interesse bietet nun an der Berliner Wage die höchst genaue 
Skala auf dem Bügel. Ganz links erkennt man eine punktirte Verzierung, daneben 
ist der scharfe Rand des Bügels ausgebrochen. In dieser Verzierung eine Gewichts- 
bezeichnung zu erkennen verbietet der Umstand, dafs gerade unter ihr ein Einschnitt 




länger und miu kann nun scbwerere Gegen- 
stände wieget). Auch auf dieser Seite des Wagc- 
balkens sind Einsebnitte angebr.ichl und eine 
Skala, die die Beträge der Skala auf der ent- 
gegengesetzten Seite fortfuhrt. Übrigens giebt 
es auch antike Wagen mit drei UnlerstUtiungs- 
punkten und Skalen. Diese Schnellwage ist 



beschteibt; cum tnii 
lantula pindct, ibi ; 
aeqtiipondium in alttr 
vagando longivs out et 



ania propms t^t, tmdt 
icntrum ctt (ffftlticata ll 
•t partim seapi ptr ptinela 
n ad txtrtnmnt ptrducitHr, 



welche 



s X, S, 4 mit folgenden Wor 



paulo <l inpari pondtrt amplissimam ptm, 
parem ptrficit per ttt^i likratieium. (So der Text 
nach Hullsch Ephimerii epigr. lat. VllI S. 481.) 
') Einiges bei Baumcislei S. 207S (BlUmner). 



Pernice, Römische Wage aus Chiusi. nn 



zum Einstellen des Henkels nicht deutlich angegeben ist, sowie dafs die Gewichtskala, 
wie sich beweisen läfst, erst bei dem Zeichen A ihren Anfang nimmt. Es ist vielmehr 
ein mit Binden geschmücktes Kerykeion, ein für eine Wage besonders passend ge- 
wähltes Emblem. Denselben Schmuck zeigt, wenn auch in der Zeichnung etwas 
mifsverstanden, aber doch deutlich erkennbar, die Wage der Pariser Handschrift, den 
bereits Hultsch richtig als Ornament deutete. Auch auf Gewichten kommen Kery- 
keia vor, als Schmuck und als Hinweis auf den Hermes, dem die Geschäfte des 
Markts obliegen. Als Hängegewichte sind Hermesköpfe geradezu typisch zu nennen. 
Für die Form des bindenumwickelten Kerykeions, das leider in 
seinem oberen Theil zerstört ist, wüfste ich keine bessere Parallele 
anzuführen als das beistehend abgebildete von einem kleinen Re- 
lief aus Pergamon (Fig. 3). 

Als Ausgangspunkt der Skala fassen wir das punktirte 
Zeichen A auf. Genau so ist an der Wage aus Norditalien bei 
Beginn der Skala ein A angebracht und die Pariser Zeichnung 
zeigt über dem ersten Einschnitt einen punktirten Winkel A, der 
von Hultsch als freierer Ausdruck des Halbunzenzeichens erklärt ^^^' 3 

wird, aber zweifellos dasselbe bedeutet wie das A. Stellen wir nun den Griff hier ein, 
so ist jetzt, wo die Wagschale mit den Ketten fehlt, das Panthergewicht natürlich zu 
schwer, der Balken steht nicht wagerecht. Wir müssen, um das Gleichgewicht zu 
erreichen, an die Haken ein Gewicht von rund 400 g anhängen. So schwer war 
also die Schale nebst den Ketten, und wenn wir nun die Skala durch Nachwägen 
mit der ergänzten Wagschale prüfen, sehen wir, dafs sie genau nach römischer 
Norm eingeteilt ist. An der Stelle, wo der erste Punkt steht, haben wir beim Ein- 
stellen eine römische Unze in die Schale zu werfen, wo S, ein halbes römisches 
Pfund und so weiter. Von der Unze bis zum Pfund sind die Einschnitte unzen- 
weise angebracht, nur fehlt der Elfunzenbetrag; vom Pfund ab werden die Abstände 
zwischen den Gewichtsbeträgen gröfser. Von zwei Pfund ab kann man nur noch 
halbe Pfunde einstellen, von fünf Pfund an nur noch ganze. Auf zehn folgen gleich 
12 Pfund, sodann 15, 20, 25, 30, 40 Pfund. Die ganze Reihe bietet also fol- 
gendes Bild: 

Unzen 




23456789 10 12 
Pfunde 



I iVs i'/a 17, iV, 2 27, 27, 3 4 47, 5 6 7 8 9 10 12 15 20 25 30 40 

Die steigende Vergröfserung der Zwischenräume zwischen den einzelnen 
Gewichtsbeträgen und die gleichmäfsige Verkleinerung zwischen den Einschnitten 
entspricht den Gesetzen der Mechanik. 

Die Einschnitte sind sehr eng aneinandergerückt und wir müssen die Fein- 
heit der Präzisirung so kleiner Gewichtsbeträge namentlich bei Beginn der Skala 
bewundern. Aber in dieser Beziehung stehen die beiden andern Wagen über der 



78 



Pernice, Römische Wage aus Chiusi. 



von Chiusi. Die Pariser Wage, die wie die Chiusiner für Wägungen bis 40 Pfd. 
eingerichtet ist, teilt die ganze Skala in 39, statt in 34 Teile ein, zwischen dem 
Einschnitt für ein Pfund und dem für zwei Pfund sind acht Unterabteilungen ge- 
macht, wogegen die Chiusiner Wage nur vier zeigt. Weit feiner noch ist die ober- 
italische Wage; sie geht nur bis 15 Pfund, der Bügel ist aber in 38 Teile zerlegt. 
Von einer Unze bis zu zwei Pfund kann man hier Unze für Unze abwägen, die 
Skala von einem bis zu zwei Pfunden lautet also 

I iv„ iV. i'A IV. xV., iV. iV.. 17. i'A i'A i"A= 2 

Die Art, wie die Zahlen auf den Skalen geschrieben sind, ist ungewöhnlich 
und durch den Raumzwang hervorgerufen; anstatt dafs die kleinere Zahl, welche 
zu der gröfseren addirt werden soll, rechts von dieser gröfseren steht, mufste sie 
hier darüber gesetzt werden. Nur bei der letzten Gewichtsangabe der Berliner 
Wage steht die kleinere Zahl unter der gröfseren, sie ist also zu subtrahieren; das 
obenstehende, fiir die Zahl 50 ganz geläufige Zeichen 4., das aus dem chalkidischen 
Alphabet abgeleitet ist, soll um X verringert werden: bleiben 40. Eine Nachprüfung 
der Wage, welche einspielt, sobald man 40 römische Pfund auf die Wagschale legt, 
bestätigt diese Erklärung*. 

Die Wage ist nach dieser Prüfung als eine römische Wage zu bezeichnen 
und auch ihr decorativer Schmuck zeigt durchaus römischen Character. Besonders 
bezeichnend dafür ist die Behandlung des Pantherfells, an welchem die Flecken 
durch eingedrehte Kreise wiedergegeben werden. Bei andern Beispielen sehen wir 
diese Flecken durch eingelegtes Silber noch deutlicher hervorgehoben. 

Gleich nachdem die Wage vom Antiquarium der Königlichen Museen er- 
worben war, ist sie zum Gegenstand eingehender Studien gemacht worden. Robert 
legte sie im Juli 1888 der archäologischen Gesellschaft vor mit dem Hinweis, dafs 
sie für Wägungen von i — 60 Pfund eingerichtet sei®. Daran schlössen sich die 
verdienstvollen Untersuchungen C. F. Lehmanns ^ Am ausfuhrlichsten wurde von 
ihm über die Wage in den i^ Actes du 8e Congres International des Orientalistes, tenu 
en i88p ä Stockholm et h Christiania, Leiden 1893^ S. 209 fg. berichtet: »An der 
mit feststehendem Gewicht und einer Skala zur Einsetzung des verschiebbaren 
Unterstützungspunktes versehenen Wage aus Chiusi ist eine Stelle durch ein orna- 
mentirtes T, d. h. »Talent«, bezeichnet. Unterstützt man dieselbe, so ist, um die 
Gleichgewichtslage hervorzubringen, gerade der Betrag der halben babylonischen 



*) Auch wenn die Nachprüfung unmöglich wäre, 
würde man doch die Zahl stets als 40, nicht 
als 60 erklären, deswegen weil der Einschnitt 
für den vorangehenden Betrag von 30 Pfund zu 
nahe stände, um eine Differenz von gleich 
30 Pfund auszumachen. Die Pariser Wage zeigt 
für die Zahl 40 viermal x übereinander. Eigen- 
tümlich ist übrigens, wie die Zeichen für 3V2 
und 4V2 Pfund ausgedrückt werden; über der 
3 und der 4 stehen nämlich jedesmal 6 schräg 



gestellte Punkte. 

*) Arch. Anzeiger 1889 S. 117. 

') Arch. Anzeiger 1889 S. 117; 1891 S. 138, Her- 
mes 1892 S. 547 Anm. Herr Lehmann bittet mich 
zu erklären, dafs er vorläufig darauf verzichtet, 
auf die Bedeutung der Wage einzugehen, »weil 
das was klar und fragelos an der Wage ist, 
mehr archäologisches denn metrologisches In- 
teresse beansprucht«. 



Pernice, Römische Wage aus Chiusi. yg 



Silbermine gemeiner Norm, d. h. des sog. älteren römischen Pfundes (ca. 273 Gramm), 
erforderlich. Die Verwendung dieser Gröfse als Talent ist also monumental bezeugt 
und damit auch die babylonische Herkunft dieser altitalischen Gewichtsgröfse be- 
wiesen und erklärt.« Die Deutung des T als Kerykeion ist oben bereits gegeben 
worden. Es mufs nur noch darauf hingewiesen werden, dafs, wenn man die Wä- 
gung nach Lehmanns Angaben vornimmt, die Schale nicht ergänzt werden darf. 
Hatte aber das Gewicht von 273 g eine besondere Bedeutung, so hätte der Ver- 
fertiger der Wage gewifs besser gethan, die Schale daran zu lassen und an dem 
Punkte der Skala, der 273 g d. h. 10 römische Unzen zeigte, einen besonderen Ver- 
merk zu machen. Im Weiteren vermutet Lehmann, dafs die Euböer zu einer Zeit 
das Kupfer um Ys höher im Werte ansetzten als sonst üblich, d. h. statt 120: i das 
Verhältnifs 96 : i zwischen Silber und Kupfer in Geltung brachten, und im Anschlufs 
daran heifst es: »Die Wahrscheinlichkeit dieser für das euböische Gewicht aus- 
gesprochenen Vermutung wird nun dadurch wesentlich erhöht, dafs sich für das 
römische Pfund die entsprechenden Verhältnisse monumental belegen und beweisen 
lassen. Das römische Pfund wiegt 327,45 g, ist also = '/ö ^^^ leichten Silbermine 
gemeiner babylonischer Norm; die euböische Mine ist Vs ^^^ letzteren, und wie 
wir danach auf ein Verhältnifs von Silber und Kupfer wie 75X120:1=96:1 
schlössen, so würde analog die Erwägung nahe liegen, ob nicht das römische 
Pfund einem Verhältnifs 7sXi20: i =72 : i seine Entstehung verdanke. Die Wage 
aus Chiusi beweist das Bestehen dieses Verhältnisses; sie ist eingerichtet für Wä- 
gungen von I Unze bis zu 60 römischen Pfunden, d. h. dem Talent des römischen 
Pfundes von 327,45 g = 7* ^^^ leichten Silbermine gemeiner Norm. Als Talent 
wird aber auf dieser Wage aufserdem, wie wir bereits hervorhoben, die halbe 
leichte babylonische Mine gemeiner Norm bezeichnet. Wir erhalten also die Glei- 
chung: 7a leichte babylonische Silbermine gemeiner Norm in Silber = 6oX75> 
d. h. 36 leichte babylonische Silberminen gemeiner Norm in Kupfer. Das ergiebt 
dann das erwartete Verhältnifs, denn 36: 7^ = 72: i.« Wenn sich diese Hypothese 
aufrecht erhalten liefse, hätten wir sie als hochwichtige Entdeckung zu betrachten. 
Durchaus richtig erkannt worden ist, dafs die Wage im Ganzen nach römischer 
Norm konstruirt ist. Aber sie geht eben nur bis 40 Pfund, nicht, wie Robert zuerst 
annahm, bis zu 60 ^ 

Die Wage kann überhaupt nicht für feinere Wägungen gebraucht worden 
sein. Edelmetall wird man stets auf der zweischaligen Wage gewogen haben, wie 
man es auch jetzt noch thut, nicht mit der Schnellwage oder der Decimalwage. 
Aber als hervorragendes Beispiel für die Vorliebe der Alten an der künstlerischen 
Ausstattung einfachsten Hausgeräts wird die Wage aus Chiusi auch fernerhin zu 
gelten haben. 

Berlin. Erich Pernice. 

^ In der Entgegnung auf einen Vortrag über die 1897 S. 168 erklärt sich L. mit den hier vor- 

Wage in der archäolog. Gesellschaft Jahrbuch getragenen Ausfuhrungen einverstanden. 



ILIUPERSIS AUF EINEM THONBECHER 
IM ANTIQUARIUM ZU BERLIN- 

(Tafel 5) 

Zu der von Robert im Fünfzigsten Winckelmannsprogramm der Berliner 
Archäologischen Gesellschaft zusammengestellten Reihe sogenannter Homerischer 
Becher giebt das auf Tafel 5 nach einer Zeichnung von Herrn M. Lübke abgebildete 
Gefafs, eine Neuerwerbung des Berliner Antiquariums \ eine wichtige Ergänzung. 
Es ist aus derselben Form * hergestellt wie der in Athen befindliche Becher mit 
dem Bilde der Iliupersis, den Robert S. 41 unter n. J beschrieben und nach der 
früheren Veröffentlichung in der 'F]9>jafipic dpxaioXoYixTj 1884 Taf. 5 Fy abgebildet hat, 
aber viel besser erhalten, als dieser, so gut, wie kaum irgend eins der vorhandenen 
Gefafse dieser Gattung. Alle Schwierigkeiten, die das verriebene athenische Exem- 
plar der Deutung bot, finden durch dieses neue Stück ihre Lösung. 

Besonders erfreulich ist es, dafs die den Inhalt des Bildes angebende In- 
schrift, von der auf dem Becher von Athen nur ganz wenige Buchstaben zurückge- 
blieben sind, ohne jede Lücke erhalten ist. Sie giebt mit klaren Worten die Be- 
stätigung für das, was Robert aus der Darstellung in Verbindung mit Pausanias 
X 27» 2 (npta{xov hk oux aTToftaveiv s^tj Aicr/ztoi iiA rq i^x^'P? "^^^ epxstou, dXki, ocTroaira- 
abiyxoL diti xou ß(i)|iou rdpepYov xtj) NeoirToXijitt) itpi; xaic XTfi oJxiac y^^^^^^^ ftupai;) bereits 
erschlossen hatte, dafs die kleine Ilias des Lesches dem Bilde zu Grunde liegt. Die 

Inschrift lautet: 

KATAnOIHTHNAEiXHN 

EKTH^MIKPA^IAIAAOi 

KATA+YrONTO^TOY 

nPIAMOYEniTONBßMO 

NTOYEPKEIOYAIO^A 

no^nA^A^ONEonTO 

AEMO^AnOTOYBß 
MOYIIPO^THOIK I 
AIKATEC+AEEN 



^) V.-I. 3371. Der Becher ist im Kunsthandel er- 
worben und stammt angeblich aus Theben. Er 
hat die halbrunde henkellose Form, die in 
dieser Gattung von Gefäfsen die übliche ist. 
Die Höhe beträgt 0,075 ™t ^^^ Durchmesser 
0,145 ^' 

'"') Bei der Herstellung des Gefäfses hat sich die 
Form an einer Stelle., rechts von der grofsen 
Inschrift, verschoben, so dafs die linke Hälfte 
von dem Oberkörper der Figur des Kriegers in 



Verdoppelung erscheint. — Man nimmt zweifel- 
los mit Recht an, dafs die für die ThongefÜfse 
dieser Art benutzten Formen von Metallgefdfsen 
genommen sind. Die in Relief ausgedrückten 
Inschriften waren auch schon in den Vorlagen 
enthalten (vgl. Robert S. 5). Die MetallgefÜfsc 
sind also nicht als getriebene, sondern als ge- 
gossene Arbeiten zu denken, denn durch Treiben 
lassen sich Inschriften dieser Art schwerlich her- 
stellen. 



JAHRBUCH DES INSTITUTS 



1898 



TAFEL 8 




Q- S S 



l 



Winter, Iliupersis auf einem Thonbecher im Antiquarium zu Berlin. 8l 

Die Illustration dieses Vorganges enthält zwei Bilder, wie Priamos beim 
Einbrechen des Neoptolemos in das Königshaus an den Altar geflüchtet ist und 
weiter wie er von Neoptolemos von dem Altar weggerissen und getötet wird. Die 
Darstellung beginnt mit einem Gebäude, das durch die Inschrift DIKIA TTPIAMO(Y) 
bezeichnet ist. Es ist oben mit einem Triglyphenfries geschmückt, der über sich 
einen Guirlandenfries hat — eine Vermischung des Verschiedenartigen, wie sie für 
die hellenistische Zeit nichts Aufialliges hat — darüber eine Bekränzung von zwei 
Reihen Zinnen, das Ganze wird also als Eingangsthor in den Palastraum gemeint 
sein. Neoptolemos NEOTTTOAEMOC in voller Rüstung ist hier eingedrungen und 
stürmt mit erhobener Lanze und vorgestrecktem Schild vorwärts in den Hofraum 
des Palastes hinein (vgl. Robert S. 44), in dessen Mitte der Altar BHMO^ AlOi 
EPKEIOY steht, hier deutlich mit einer Guirlande bekränzt. Priamos TTPIAMOi hat 
sich vor den Altar niedergeworfen und umfafst ihn mit beiden Händen. Der König 
trägt die phrygische Mütze mit weit über den Nacken herüberfallenden Laschen 
und den langärmeligen gegürteten Chiton, der bis zu den Füfsen reicht, und nur 
diesen, nicht — wie Robert nach der undeutlichen Zeichnung des athenischen 
Exemplars anzunehmen geneigt war — auch einen Panzer darüber. Das Bild be- 
stätigt also nicht die Vermutung, dafs )>Priamos in der kleinen Ilias sich, als alle 
seine Söhne getötet sind, selbst zum Widerstand gegen die Achäer waflfnete oder 
waffhen wollte«, und was an weiteren Folgerungen für Polygnots Darstellung des 
Priamos in der Iliupersis und für die Quelle von Vergils sumptis P^tamum juvenalibus 
arniis [Aen. II 518) daran geknüpft war, sondern er\veist sie als irrig. 

Die zweite Szene, durch die grofse Inschrift von der ersten getrennt, folgt 
rechts von dem Altar. Neoptolemos (NEOT)rTO(AEM)Oi hat mit der Linken Priamos 
TTP(IA)M0C am Haupt gefafst und von dem Altar fortgeschleift. Wie er ihm die 
Lanze in die Brust stöfst, bricht Hekabe E(KA)BH, von diesem Anblick entsetzt, 
schreiend und die Hände erhebend zusammen. Priamos und Neoptolemos sind in 
derselben Tracht, wie in der ersten Szene, Hekabe trägt ein langärmeliges Unter- 
gewand und darüber einen Chiton mit gegürtetem Überschlag, 

Die erhaltenen Buchstabenreste neben den Figuren setzen die Bedeutung 
dieser zweiten Szene aufser allem Zweifel. Sie ist, solange allein das athenische 
Exemplar vorlag, nicht richtig erklärt worden. Kumanudis hatte Aias und Kassandra 
und die Priesterin der Athena vermutet. Robert wies das zurück, er erkannte in 
der weiblichen Figur rechts richtig Hekabe und deutete ebenso den Krieger wegen 
seines gleichartigen Aussehens mit dem Krieger der ersten Szene, der auch auf 
dem athenischen Becher durch die Beischrift gesichert ist, richtig als Neoptolemos. 
Aber es entging ihm die Übereinstimmung der dritten Figur mit dem Priamos. Er 
suchte nach einem zweiten Troer, der aufser Priamos dem Neoptolemos zum Opfer 
fiel : »Bei Lesches stand in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Tod des Priamos 
der des Agenor. Auf dem Gemälde Polygnots lag seine Leiche nicht weit von der 
des Priamos; nach Lesches war er gleichfalls von Neoptolemos getötet worden 
und auf dem zweiten pariser Fragment einer ilischen Tafel D waren nach der Bei- 



32 Winter, Iliupersis auf einem Thonbccher im Antiquarium zu Berlin. 

Schrift (NeoTcioXsfxo; d)75(ox)Tstv(e)t npwtjAov xal 'AYr]vopa beide Taten des Neoptoiemos 
vereinigt. Um so weniger werden wir Bedenken tragen, auch in der Gruppe auf 
dem Becher Neoptoiemos und Agenor zu erkennen.« Diese Deutung führte Robert 
dann weiter zu einer, wie wir jetzt sehen, irrigen Annahme der Szenenfolge. »Auf 
das Hofthor des Priamos zueilend wird Agenor von Neoptoiemos ereilt und durch- 
bohrt; die bei dem Lärm aus dem Thor herauseilende Hekabe stürzt bei diesem 
Anblick entsetzt auf die Kniee nieder . . . Dies ist die erste Szene. In der zweiten 
hat Neoptoiemos das Hofthor durchschritten und stürmt auf den . . . Altar des Zeus 
Herkeios los, vor dem Priamos auf die Kniee gesunken ist.« 

Die Erfahrung, die wir durch den Berliner Becher machen, ist sehr lehrreich. 
Es ergiebt sich wieder einmal, dafs das Nächstliegende und Einfachste das Richtige 
ist. In der Version des Lesches war das Fortreifsen des Priamos vom Altar der 
eigentlich charakteristische Zug. Eine bildliche Illustration wäre keine gewesen, 
wenn sie gerade dieses Motiv fortgelassen und »nur einen etwas früheren Moment 
zur Anschauung gebracht hätte, den Moment, wo Neoptoiemos zum Hofthor herein- 
stürmt«. Der Illustrator hat sich genau an den Buchstaben gehalten (xaxa^D^ovtoc 
Tou nptafxou IttI t^v ßüi^iiv — dTToairaaac 6 Neoirr6Xe{xo?) und danach das eine Geschehnifs 
in zwei Szenen zerlegt; sehr künstlerisch ist das nicht, wie mit Rücksicht darauf 
bemerkt werden mag, dafs die den erhaltenen Thonbechern zu Grunde liegenden 
Metallgefafse als »berühmte toreutische Werke c , als » gute Originale tüchtiger 
Toreuten« einer reichlich hohen Schätzung gewürdigt worden sind. 

Der neue Becher ist gerade für das Berliner Antiquarium besonders wertvoll. 
In dessen grofser Sammlung Homerischer Becher befindet sich nämlich ein Exemplar, 
das mit ihm im engsten Zusammenhang steht, das von Robert S. 30 abgebildete 
und unter n. E i beschriebene Gefafs V.-I. 3161 1'. Beide stimmen in Form, Gröfse*, 
Ornamentik ^ in den Buchstabenformen der Inschriften, im Stil und bis in alle Ein- 
zelheiten in der Zeichnung der Figuren so vollständig miteinander überein, dafs der 
gleiche Ursprung fiir Beide aufser Zweifel ist. Die Darstellung hier wie dort knüpft 
an die kleine Ilias des Lesches an und eine Inschrift bezeugt das beide Male mit 
demselben Wortlaut und in derselben Zeilenanordnung 

KATAHOIHTHNAECXHN 
EKTH^MIKPAilAIAAO«. 

Was dieser Quellenangabe auf dem Becher 3161 1 folgt, ist zwar zum gröfseren 



3) Aus Anthedon. Ein zweites, weniger gut erhal- 
tenes Exemplar dieses Bechers, ebenfalls aus 
Anthedon, beschreibt Robert unter n. E 2. 

^) Der Becher 3 161 1 ist 5 Millimeter höher als 
der andere und sein MUndungsrand ist etwas 
anders gebogen. Der Grund dieser Ungleich- 
mäfsigkeit ist die mangelhafte Sorgfalt, mit der 
die Exemplare in Thon hergestellt sind. Die 
Metallgefafse, die als Modelle dienten, waren 
gewifs in allem genau gleichartig. 



^) Doppeltes Flechtband zwischen Punktreihen über 
und unter der Darstellung. Auf dem Boden des 
Bechers 3161 1 steht eine Rosette aus abwech- 
selnd glatten und gezackten Blättern (zu dem 
Muster vgl. Archäol. Anzeiger 1897 S. 129), an 
derselben Stelle des Bechers 3371 ein ähnliches, 
in den Einzelheiten nicht verständliches Orna- 
ment, dessen Form auf Taf. 5 in der Mitte, so 
gut es gehen wollte, wiedergegeben ist. 



Winter, Iliupersis auf einem Thonbecher im Antiquarium zu Berlin. 



83 



Teile deutlich erhalten, aber bisher nicht sicher erklärt worden und ebenso ist es 
bisher nicht gelungen, (Ur die aus mehreren Kampfszenen bestehende Darstellung 
eine überzeugende Deutung zu finden. 

Robert hat in seiner eingehenden und gelehrten Besprechung dieses Bechers, 
»des weitaus wichtigsten der ganzen Reihe«, die Interpretation sowol der Inschrift 
wie des Bildes von den verschiedensten Puncten aus angegriffen, um mit einer 
Aporie zu schliefsen. Das Richtige stellt sich nun auch hier als sehr einfach 
heraus. Es zu finden, wird durch den neuen Becher mit der Darstellung der 
Iliupersis erleichtert 

Sehen wir zunächst das Bild des Gefafses 3 161 1 an, das hierneben nach 
Roberts Abbildung wiederholt ist. Da fallt es im Vergleich zu dem Bild des an- 




deren Bechers gleich auf, dafs den Figuren keine Namen beigeschrieben sind. Das 
mufs seinen Grund haben und kann wol nur darin seinen Grund haben, dafs dem 
Verfertiger aus seiner Quelle, als welche wir ja aller Wahrscheinlichkeit nach nicht 
die Dichtung des Lesches selbst, sondern nur einen Auszug zu denken haben, für 
die einzelnen Figuren der Szene keine Namen vorlagen.» 



84 



Winter, Iliupersis auf einem Thonbecher im Antiquarium zu Berlin. 



Die inschriftliche Erläuterung des Iliupersis -Bechers enthält die Namen des 
Neoptolcmos und Priamos, sie nennt das Haus des Priamos und den Altar des 
Zeus Herkeios; alle diese Bezeichnungen hat der Künstler an die betreffenden 
Stellen des Bildes eingetragen, und auch die Hekabe wird er in dem Auszug, den 
er in der Erläuterung vermutlich nicht ganz vollständig wiedergegeben hat, gefunden 
haben. Der Text zu dem Bilde des Bechers 3161 1 dagegen giebt tatsächlich keine 
Namen einzelner Personen. Er enthält aufser der zweireihigen Überschrift vier 
Zeilen. Von diesen sind die drei letzten Zeilen vollständig. Sie lauten: 

MEIHANTE^ HPOC 
TO YiAXA \OYt 

M AXH N. 

Hier sind allgemein die Achäer genannt, ohne genauere Bezeichnung der einzelnen 
Helden. In der vorangehenden Zeile mufs das Subject zu jisuavTs? fJ^^X^i^ gestanden 
haben. Es ist das Wahrscheinlichste, dafs es entsprechend in allgemeiner Bezeich- 
nung ausgedrückt war. Die finden wir am Schlufs der vorhergehenden — wie der 
letzte Buchstabe zeigt, unvollständigen — Zeile 

ENTniNnOliYM/> ® 

in der einleuchtenden von Robert und Dressel vorgeschlagenen Ergänzung ot auji.- 
|JLayol^ Aber dieser Ausdruck ist gegenüber dem rpo; toü; 'Ayaioüc nun wieder zu 
allgemein. Man erwartet notwendig einen Zusatz, der die Bundesgenossen als die 
troischen (denn andere können doch nicht gemeint sein) bezeichnet. Und dieser 
Zusatz ist in den Anfangsworten der Zeile gegeben, die gar keine andere Lesung 
zulassen als die von Robert als »zu trivial« abgewiesene 'Ev xm 'IXicu'. 

Dem so hergestellten Texte der Inschrift entspricht die Darstellung voll- 
ständig. Wir sehen zwei Paare von Kriegern im Kampf gegen einander. Die 
Gegner sind dadurch unterschieden, dafs die einen hohe Schuhe tragen, bei den 
anderen die Füfse unbekleidet gelassen sind. Das eine Paar, beide Krieger un- 
bärtig', kämpfen um eine am Boden liegende Rüstung, der Kampf des anderen 
Paares mag, wie Robert annimmt, dem Gefallenen gelten, der links von einem Ge- 
nossen gehalten wird. Diese dritte Szene erinnert in der Composition an die Gruppe 



^) Ein Facsimile der Inschrift giebt Robert S. 33. 

^) Von der vierten Hasta des zweiten p/\ glaube 
ich den unteren Teil deutlich, von dem fol- 
genden y\ wenigstens eine Spur auf dem Becher 
zu sehen. 

*) Die Undeutlichkeit in der Mitte der Zeile ist 
dadurch entstanden, dafs beim Abdrücken aus 
der Form, ähnlich wie auf dem lliupersis-Bccher 
an der Stelle rechts neben der grofsen Inschrift, 
der Thon sich etwas verschoben hat und dadurch 
die Buchstaben |/\| in doppeltem und etwas 
ineinandergezogenem Relief herausgekommen 
sind. Es steht hier und ebenso auf dem zwei- 



ten Exemplar Robert E^ tatsächlich nichts an- 
deres als ENTHIAIA ^^* ^^s Fragment des 
athenischen Aias-Bechers mit dem Zeilenschlufs 
IXniAIHN kommt für die Erklärung unserer 
Inschrift nicht in Betracht. Das Zusammen- 
treffen der zwei £2 ^^^ 'wei | in derselben 
Reihenfolge ist rein zufällig. Dafs nicht £v tuj 
o'a> = iv Tui TEtapTO) zu lesen ist, beweist ab- 
gesehen davon, dafs der mittlere Buchstabe eben 
ein /\ und nicht ein ^ ist, auch die Inschrift 
des Iliupersis-Becbers, die ebenfalls keine Buch- 
angabe enthält. 
^ Robert bezeichnet irrig den einen als bärtig. 



Winter, Uiupersis auf einem Thonbecher im Antiquarium zu Berlin. gc 

des Pasquino. Aber es würde verkehrt sein, daraufhin eine bestimmte Deutung 
dieser und dann weiter auch der übrigen Figuren vorzunehmen, wie denn auch 
Robert bereits geltend gemacht hat, dafs die Charakterisirung der einzelnen Ge- 
stalten den Helden, die für diese Deutung in Frage kämen, nicht entspricht. Die 
Inschrift beweist vielmehr, dafs in dem Bilde eben nicht die Taten der bekannten 
Helden vor Troja dargestellt sind. Der Verfertiger des Bildes hatte die Kämpfe 
der trojanischen Hilfsvölker und der Achäer zu schildern und für dieses allgemeine 
Thema hat er die ihm geläufigen Typen benutzt, die für ganz bestimmte, mit den 
Namen einzelner Helden verknüpfte Ereignisse aus den Kämpfen um Uion erfunden 
waren. Dieses Verfahren läfst, ähnlich wie die Darstellung auf dem Iliupersis-Becher, 
die künstlerische Leistung ziemlich gering erscheinen. 

Robert hat unter den sog. Homerischen Bechern mehrfach Pendants oder 
Stücke, die zu einer gröfseren Garnitur gehörten, nachgewiesen. Ganz evident 
stehen die beiden hier behandelten Berliner Geföfse in einem Zusammenhang dieser 
Art, Sie sind Teile eines Ganzen, in dem die kleine Ilias des Lesches oder ein 
gröfserer Abschnitt aus ihr illustrirt war. 

Franz Winter. 



JAHRBUCH DES INSTITUTS 1898 







CASTORTEMPEL. PLAN DER AUSGRABUb 







N DER FRONTSEITE DES TEMPELS Ü^LI 1896) 



JAHRBUCH DES INSTITUTS 1898 




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JAHRBUCH DES INSTITUTS 1898 






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JAHRBUCH DES INSTITUTS 1898 






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JURCHSCHNITT 




DER CASTORTEMPEL AM FORUM ROMANUM. 

(Tafel 6—9.) 

Seit den Ausgrabungen der siebziger Jahre durfte man annehmen, dafs der 
Castortempel, soweit überhaupt angängig, frei gelegt war, und dafs die Ruine in 
allen wesentlichen Punkten den Zustand des Tempels im Altertum erkennen lasse. 
Die drei noch erhaltenen Säulen teilte man dem Neubau des Tiberius aus dem Jahre 
6 n. Chr. zu; der Unterbau, an dem man wahrnahm, dafs ein jüngerer und höherer 
Bau über einen älteren und niedrigeren gelegt war, wies deutlich auf die beiden 
aus der Überlieferung bekannten Bauten hin, den älteren des L. Caecilius Metellus 
aus dem Jahre 117 v. Chr.' und den jüngeren und, soweit unsere Kenntnis reicht, 
letzten fundamentalen Umbau des Tiberius. Meinungsverschiedenheit herrschte 
über die Länge des Tempels, da der hintere Teil unter der modernen Strafse liegt 
und eine vollständige Freilegung dieser Seite zunächst nicht zu erwarten ist; doch 
konnte schon seit der Ausgrabung Fea's, der die Südwestecke des Tempels auf- 
deckte, als feststehend betrachtet werden, dafe der Tempel elf Säulen an den 
Seiten, acht in der Front gehabt habe. Daneben machte sich die Meinung geltend, 
der auch noch Lanciani in seiner Forma urbis Taf 29 folgt, der Tempel habe an 
den Seiten 13 Säulen gehabt. Die Rekonstruktion von Caristie' beruht auf dieser 
Annahme. 



■) Vgl. O. Richter, Topographie der Stadt Rom, 
a. Aufl. S. 85. 
Jütubiieli dw ucUiiilo|iKbaa loHttuu Xlll. 



') Cariiiic, 



Richter, Der Castortempel am Forum Romanum. 89 

Form des Aufganges für die ursprüngliche; er nimmt »bei der absoluten Zuverlässig- 
keit des Plans in solchen Details« an, »dafs die an der Ruine wahrnehmbaren Ab- 
weichungen: eine Treppe mit zwei seitlichen Aufgängen, auf der nie ein Altar ge- 
standen hat, späteren Ursprungs sind«, d. h. also später als der Severianische 
Stadtplan. Er meint, man werde, als dieser Umbau geschehen war, die Front der 
Treppe gegen das Forum durch ein Gitter abgeschlossen haben, dessen Spuren 
noch auf der vordersten Stufe zu sehen seien. Jordan nimmt also an, dafs die 
drei Treppen nicht gleichzeitig in Gebrauch gewesen sind; seine Vermutung aber, 
dafs man die ehemalige Haupttreppe nicht fortgenommen, sondern durch ein 
Gitter kassiert habe, wird schwerlich befriedigen. Blieb die Treppe, so ist kein 
Grund abzusehen, weshalb man sie nicht benutzte, noch weniger, warum man die 
Seitentreppen anlegte. Eine Beantwortung der Frage, wie man sich die Einmündung 
der seitlichen Aufgänge in die Haupttreppe zu denken habe, giebt Jordan nicht*. 

Die ersten Bedenken gegen diese Ansicht, die sich in den wesentlichen 
Punkten mit denen der übrigen Forscher deckt, kamen mir im Jahre 1888 bei der 
Aufdeckung der Fundamente des Augustusbogens ^ Der Augustusbogen wurde im 
Jahre 19 v. Chr. errichtet, der Neubau des Castortempels durch Tiberius fallt in 
das Jahr 6 n. Chr. Die Enge, in der hier die Gebäude aneinandergerückt werden 
mufsten, liefs es unabweislich erscheinen, dafs der Castortempel den Augustus- 
bogen zum Teil verdeckte (vgl. Taf. 6'; A — A sind die Fundamente des Augustus- 
bogens, B — E die Schwelle der Ostseite des Tempels); aber es mufs doch wohl 
andrerseits als selbstverständlich angenommen werden, dafs beim Bau des Tempels 
auf den Bogen soweit als irgend möglich Rücksicht genommen wurde. Wenn man 
mit Jordan annimmt, dafs damals eine der Darstellung der Forma urbis entsprechend 
breite Treppe dem Tempel vorgelegt wurde, die doch wohl der Treppenwangen nicht 
entbehrte, so war der südliche Durchgang des Bogens, der an dieser Stelle nicht 
mehr als zwei Meter von der Seitenfront des Tempels entfernt ist, so gut wie ge- 
sperrt, und selbst der mittlere Durchgang des Bogens war durch die Treppe noch 
etwa zu einem Drittel verdeckt, abgesehen davon, dafs die schräge Linie der Treppe 
den Bogen für die vom Forum Herkommenden in unschöner Weise durchschnitt. 
Aus derselben Erwägung wird man annehmen müssen, dafs auch der vortiberiani- 
sche Tempel nicht diese breite, in die Area des Forums hineinreichende Treppe 
gehabt hat, da man doch den Augustusbogen gewifs nicht so errichtet haben wird, 
dafs er fast zur Hälfte hinter dem Castortempel verschwand, und sein südlicher 
Durchgang von vorn herein ungangbar war. Vielmehr ist die Stellung des Au- 
gustusbogens nur erklärlich, wenn man annimmt, dafs schon an dem vortiberianischen 

*) Sie ist auch auf keinem der zahlreichen Rekon- ^ Für das Verständnis der dieser Arbeit beigege- 

struktionsversuche gegeben. Niemand hat ver- benen Pläne ist zu bemerken, dafs weifs Mar- 

standen, mit diesen drei Treppen etwas anzu- mor bedeutet, punktierte Flächen Travertin 

fangen. sind; hell schraffierte Flüchen sind Gufs- 

*) Vgl. Antike Denkmäler I S. 14. 15 Taf. 27. 28 werk, dunkel schraffierte Flächen Tuff- 

und Jahrbuch des Archäol. Inst. 18S9 S. 138 fr. quadern. 

7* 



JAHRBUCH DES INSTITUTS 1898 









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Richter, Der Castortempel am Forum Romanum. q7 

von den Bauarbeitern als Richtschnur eingemeifselte Linie (AA auf Taf. 7B); ihre Ver- 
längerung nach beiden Seiten trifft genau das Niveau des an den Seiten des Tempels 
noch erhaltenen Sockels. Dieser Sockel setzte sich demnach längs der in Frage 
stehenden Mauer fort. Damit stimmt überein, dafs 2) 30 cm über dieser Niveaulinie, 
d. h. genau so hoch darüber, wie die Basis des Sockels beträgt, die ganze Stein- 
schicht der Länge nach 2 cm abgemeifselt ist (bei A auf Taf. 9B). Diese Abmeifselung 
kann nur zur Einbettung und zu engerer Anfügung des daran stofsenden Sockels 
gedient haben. Löcher zur Befestigung des Sockels finden sich über die ganze 
Schicht verstreut. Dies sowie die Einbindung der zweifüfsigen Binder in das Gufs- 
werk des Tempels lassen keinen Zweifel über die Zugehörigkeit der Mauer 
zum Tempel und die Gleichzeitigkeit ihrer Errichtung mit dem Gufswerk des 
Fundamentes. 

Es dürfte demnach als erwiesen angenommen werden, dafs der Tempel vorn 
mit einer Mauer abschlofs, über deren Bekleidung zunächst feststeht, dafs sie den- 
selben Sockel hatte, wie der übrige Tempel, und von der nachweisbar ist, dafs sie 
aus mindestens fünf Lagen Quadern zu 0,62 m Höhe bestand, von denen zwei 
unter Terrain lagen. Die ursprüngliche Höhe dieser Mauer liefs sich nun aus den 
vorhandenen Resten nachweisen. Das Fundament des Tempels besteht (Taf. 6 und 
8A) in seinem vorderen Teile aus zwei Streifen von Gufswerk, von denen der 
vordere, der nach aufsen mit der oben beschriebenen Mauer bekleidete, sich wie 
diese über die ganze Breite des Tempels erstreckt. Er ist 29,6m =100 Fufs lang 
und hat eine Tiefe von 3,475 m= 1274 Fufs. An diesen Streifen schliefst sich ein 
zweiter, der 23,5 m = 80 Fufs lang und 4, 18 m = 14 7* Fufs breit ist. Diese beiden 
Gufswerkstreifen bilden das Fundament des Tempelaufganges, denn hinter denselben 
ist die Gufsmasse in einer Breite von 2,60 m unterbrochen. Dort lag die jetzt bis 
auf geringe Reste verschwundene, aus Tuffquadern bestehende Fundamentmauer 
für die vordere Säulenreihe. Die Bedeutung der beiden, eng zusammenhängenden 
Gufswerkstreifen ist jetzt, nach Konstatirung der Frontmauer, völlig klar. Auf den 
vorderen führten links und rechts seitliche Treppen zu einer 1274 Fufs tiefen Platt- 
form von erheblicher Breite, und von dieser führte aufliegend auf dem zweiten 
Gufswerkstreifen eine breite Treppe zur Höhe des Tempels. 

Es fragte sich nun, wie die Höhe der Plattform zu bestimmen sei. Einen 
ungefähren Anhalt dazu konnte das wohl erhaltene Gufswerkfundament der östlichen 
Treppe geben, das in der Linie CC auf Taf. 7 B (vgl. G auf Taf. 9B) seinen Abschlufs 
hat; \vichtiger aber war die Erhaltung einer Anzahl von Stufen. Unter den an der Ost- 
seite des Tempels aufgeschichteten Marmortrümmern haben sich Reste von Marmor- 
stufen, die zu dem östlichen Aufgang gehörten, gefunden '^ darunter zwei vollständig 



^*) Ein Teil dieser Stufen lag bei Aufdeckung des des Arcli. Inst. 1889 S. 162, auf dem sie ver- 

Castortempels im Anfang der siebziger Jahre zeichnet sind. Sic sind dann später fortgeräumt 

noch an der richtigen Stelle auf dem Gufswerke und bei Seite geworfen worden. Erst jetzt sind 

des östlichen Seitenaufganges; noch 1888 lagen sämtliche Reste von Stufen an den ursprüng- 

sie da; vergl. den Ausgrabungsplan im Jahrbuch liehen Platz gelegt. 



QA Richter, Der Castnrtempel am Forum Ramaaum. 



erhaltene, nur in der Mitte gebrochene Stufen (Abb. 3). Diese zeigen sämtliche Dimen- 
sionen, die Höhe, die Breite und die Länge. Denn man sieht an beiden Enden die 
Kindrüctce der Seitenwände, in die sie eingefügt waren. Danach waren die Treppen 
2, 90 m != 10 Fufs breit. Mit Anwendung ihrer Mafse liefs sich nun folgendes fest- 
stellen: Die Höhe der Stufen beträgt 0,261m, ihre Breite 0,38 m, die Höhe des 
Tempetfundamentes von der Niveaulinie an, auf der die Sockelbasis und auch die 




Abb. 3. Castortempi:l. Reste des üstlkhen Treppenaufganges. 

erste Stufe ruht, bis zum Fufsboden des Tempels, der durch die erhaltenen Säulen 
bestimmt ist, beträgt 6,79 m. Diese Höhe wird erreicht durch 26 Stufen' {26X 
0,261 ^6,786), von denen die sechsundzwanzigste der Fufsboden des Tempels ist, 
also nicht mehr auf dem Gufswerk ruht. Die Breite des Gufswerkfundamentes für 
die obere Treppe beträgt 4,18m, es fanden hier also elf (11 Xo,38^4,l8) Stufen 
Platz, Diese elf Stufen waren zusammen 11x0,261 ^ 2,87 m hoch; der Fufeboden 
des Tempels lag also 2,87 + 0,261 ^ 3,13 m über der Plattform. Diese selbst lag 
demnach 6,79 — 3, 13 ^3, 66m über dem Niveau des Unterbaus. Auf gleiche Weise 
liefs sich die Gröfse der Plattform berechnen. Vierzehn Stufen führten von beiden 
Seiten hinauf, die horizontale Ausdehnung jeder Treppe betrug also 14X0,38 m = 
5,32m; es blieben demnach für die Plattform 29,6 — io,62=i9m=65 Fufs. 

Bemerkenswert ist, dafs die Plattform fast genau so hoch liegt, wie die 
grofse Rednerbühne am Severusbogcn und die Rostra Julia vor dem Tempel des 
Divus Julius, die beide 3,60 m über dem Niveau des Forums liegen. 

Es ist als ein ganz besonders glücklicher Zufall zu betrachten, dafs von dem 
Gesims, welches diese Plattform abschlofs, sich ein Stück gefunden hat, das die 



Richter, Der Castortempel am Forum Romanum. 



95 



Rekonstruktion völlig sicherte und die gefundenen Resultate bestätigte. Das Stück 
ist, in zwei Teile gebrochen, zu Füfsen der Frontmauer fast an der Stelle gefunden, 
an die es gehört (vgl. Abb. 4a — f). Es ist 3,76 m lang, 0,59 m hoch, ist unten i m 
und oben 1,30 m breit. Zunächst sieht man ander glatten Innenseite dieses Stückes 



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Abb. 4a — d. Castortempel. Reste des Gesimses der Plattform (1:30). 



(4e) die Einsatzflächen von zwei Stufen, der zweiten und dritten Stufe (von oben) 
des westlichen Aufganges. Dem Stück kann danach, wie auf Tafel 7A und 8B 
(AA) geschehen, sein Platz bis auf den Centimeter genau angewiesen werden. Dann 
hob dieses Stück Gesims jeden Zweifel darüber, ob die Frontmauer in der Weise 
wie auf Taf. 7A und 8B geschehen, mit horizontalem Abschlufs durchzuführen sei 
oder die Seitenaufgänge auch nach aufsen durch schräg herabführende Treppenwangen 
zu charakterisieren seien. Es zeigte ferner, dafs die in der Front liegenden Treppen- 
wangen so stark waren wie der Sims breit, also i m (4bcf). Endlich zeigte die 
Oberfläche des Simsstückes (4d) vier quadratische Einsatzlöcher (ein fünftes ist durch 



96 



Richter, Der Castortempel am Forum Romanum. 



den Bruch verschwunden) und den flachen Eindruck eines auf dem Sims ruhenden 
Baugliedes, das, wie aus den Einsatzlöchern zu schliefsen ist, ziemlich stark war. 
Auf dem Sims hat also offenbar eine Balustrade mit breitem Sockel und starken 
Pfeilern, vielleicht Postamenten von Statuen, gestanden. 





Abb. 4 c. f. Castortempel. Reste des Gesimses der Plattform (1:30). 



Es konnte nun, nachdem die Rekonstruktion der Plattform gesichert war, 
auch konstatiert werden, wie viele Lagen die Quadermauer, von der die Erörterung 
ausging, gehabt hat. Die Höhe der Plattform betrug über der Niveaulinie A — A 
(Taf. 7 B) 3,66 m, das Gesims mifst 0,59 m, es bleiben also für die Tuffquadern 
3,07 m. Da die Quadern zwischen 60 und 63 cm Höhe schwanken, so ergaben sich 
fünf Lagen als die Höhe der Mauer, wozu die zwei unter Terrain liegenden Lagen 
kommen; die Mauer war also alles in allem sieben Lagen hoch. 

Von der Plattform gelangte man auf einer elf Stufen hohen und 80 Fufs 
breiten Treppe zur Höhe des Tempels. Als Treppenwangen dienten dieser oberen 
Treppe zwei 3,20 m breite und 3,50 m tiefe Postamente, die offenbar dazu dienten, 
Kolossalstatuen zu tragen. Der aus Tuffquadern bestehende Kern ist bis auf einen 
winzigen Rest des östlichen Postamentes verschwunden, dagegen hat sich von der 
Bekleidung des westlichen der Postamente ein wichtiger Rest gefunden. Es ist ein 
Stück des Sockels, der das Postament in der Höhe der Plattform umlief, und zwar 
gerade das Stück an der Ecke, an der die nach oben führende Treppe an das 
Postament anstiefs (B auf Taf. 7A und Taf. 8B). Der sonst stark profilierte 



Richter, Der Castortempcl am Forum Romanuro. 



97 



(Abb. 5 c) Sockel ist, wie die Abb. 5d lehrt, an der Treppenseite glatt abgearbeitet, 
die Einbettung einer Stufe, der zweiten von unten, ist deutlich zu erkennen. 











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Abb. 5 a — d. Castortempcl. Reste des oberen Sockels (1:30). 



Nachdem die Rekonstruktion der Vorderseite allseitig als gesichert gelten 
konnte, galt es, sich über die vor der Frontmauer des Tempels zum Vorschein ge- 
kommenen Bauten klar zu werden. Nachdem nicht nur der Schutt vollständig ab- 
geräumt war, sondern auch die Marmorstufen entfernt waren, zeigte sich, dafs auf 
demselben Puzzolanfundament, auf dem die Tuffmauer aufsetzte, die Reste einer 
Fundamentirung von Travertin lagen, hergestellt aus etwa 35 cm dicken Platten von 
ungleicher Länge (1,90 — 2,60m) und Breite (0,80 — 1,05 m), die in drei Reihen gut 
gefügt neben einander lagen (vgl. Taf. 6). Dies Fundament stöfst nördlich genau 
an das hier sehr gut erhaltene Travertinpflaster der Sacra via, das wenige Centi- 
meter höher liegt, geht aber südlich nicht ganz bis an die Tuffmauer heran, bildet 
hier auch keine regelmäfsige Linie; der Zwischenraum zwischen der Tuffmauer und 
dem Travertinfundament ist mit Gufswerk ausgefüllt. Die Oberfläche der Travertine 
ist rauh; sie haben also nie frei gelegen, sondern sind überbaut gewesen, und so 
liegt denn auch auf der dem Tempel zunächstliegenden Travertinschicht eine zweite 
Lage von Travertinsteinen auf, mit der ersten durch Zapfen, die mit Blei vergossen 
sind, verbunden (G auf Taf. 6). Diese Steinlage ist 0,40 m hoch und etwa 0,55 m breit 
und hat ein einfaches, jetzt vielfach zertrümmertes Profil, wie eine Stufe (B, am besten 
zu sehen auf Taf. 9 B). An der Vorderseite bilden die Steine eine gerade Linie, 
nach dem Tempel zu ist die Linie unregelmäfsig, der eine Stein tritt näher an die 
Tuffmauer heran als die anderen. Der Zwischenraum zwischen dieser Stufe und 
der Tuffmauer ist ebenfalls wie bei der unteren Lage mit Gufswerk ausgefüllt. 
Auch an dieser Travertinstufe ist die Oberfläche rauh; sie hat also ebenfalls nicht 
frei gelegen. Um so bemerkenswerter ist, dafs diese I-age ein Profil hat. Dies 
und die Ungleichheit der Mafse legt die Vermutung nahe, das hier Steine eines 
älteren Baues verwendet sind. Auffallend ist auch, dafs auf der Oberfläche einer 
Travertinquader bei H ein nicht abgemeifseltes Stück Stein stehen geblieben ist. 

Diese Fundamentierung nun diente offenbar zur Ausgleichung der Niveau- 
verhältnisse: der Castortempcl liegt mit seiner Ostseite auf gleichem Niveau mit 
dem Tempel des Divus Julius und dem daran sich lehnenden Augustusbogen. Das 
Pflaster ist hier gut erhalten, namentlich vor dem Bogen selbst nach Westen zu in 



q3 Richter, Der Castortcmpcl am Forum Romanum. 

Resten von gut erhaltenen Travertinplatten, die nach dem Bogen und dem Tempel 
des Divus Julius orientiert sind. Dagegen liegt das Pflaster vor der Front des 
Castortempels, das ebenfalls aus bester Zeit stammt und gut erhalten ist, etwa 
0,70 m tiefer und ist nach dem Castortempel orientiert. Der Übergang von dem 
höheren Niveau zum niederen und von einer Orientierung zur anderen ist durch 
Stufen vermittelt. Von Osten her, vom Bogen des Augustus, führen drei (I auf Taf. 6, 
D auf Taf. 9, vgl. Taf. 7 A und 8B), von Norden her, von der Seite des Divus 
Julius, vier Stufen (K auf Taf. 6, E auf Taf. 9 B, vgl. Taf. 8 B) zu der niedriger ge- 
legenen Strafse hinab. Der Sockel des Tempels nun liegt über dieser Strafse etwa 
I m. Es müssen also auf dem dazwischen liegenden Travertinfundament weitere 
Lagen von Steinen gelegen haben, die einen Vorbau bildeten, auf denen einerseits 
der Sockel des Tempels ruhte, und durch den andererseits die Niveaudiflerenz zwi- 
schen dem Sockel und der Strafse ausgeglichen wurde. Zunächst kann es nicht 
zweifelhaft sein, dafs auf der 0,40 m hohen Travertinstufe G auf Taf. 6 (B auf 
Taf. 9 B) eine zweite gleich hohe Stufe auflag. Auf dieser ruhte die den ganzen 
Tempel umlaufende, an der Ostseite wohl erhaltene o, 20 m hohe Travertinschwelle, 
die die unmittelbare Unterlage des Sockels bildete. 

Es gab nun drei Möglichkeiten, von hier aus das Niveau der Strafse zu ge- 
winnen. Entweder machte man die Schwelle nur so breit wie an der Ost- und 
Westseite des Tempels, nämlich 0,50 m, und führte drei Stufen bis zum Niveau 
der Strafse hinab; dann wäre aber nicht zu erklären, warum man, anstatt das breite 
Fundament zu errichten, die Strafse nicht bis an die Stufen herangefiihrt und 4,60 m 
statt 3,60 m breit gemacht hätte; oder man führte die Travertinschwelle bis an den 
Rand der Strafse fort, so dafs sich der Vorbau des Tempels i m über dieser erhob, 
oder aber, und das ist das Wahrscheinlichste, man machte die Schwelle oder die 
obere Stufe (Taf. 9 A) so breit, dafs gerade Raum für die zur Strafse hinabführenden 
Stufen blieb. Man gewann dadurch einen Abschlufs, der den anderen beiden Seiten 
der Strafse entsprach. 

Zur Zeit des allgemeinen Verfalls ist zugleich mit der Plattform dieser 
Vorbau bis zur untersten Travertinschicht zerstört worden (Taf. 9 B). Von dem die 
Bekleidung der Frontmauer tragenden Unterbau blieb die unterste Stufe liegen; die 
Reste wurden von neuem überbaut. Es scheint, dafs man nach gewaltsamer Zer- 
störung der Plattform (vielleicht auch schon des Tempels selbst) hier eine Treppe 
angelegt hat; dafür sprechen zwei Anzeichen. Erstens ist das Gufswerk, auf dem 
die Plattform ruhte, nicht etwa bis zu der geneigten Fläche, die es jetzt zeigt, ab- 
gewittert; denn abgesehen davon, dafs römisches Gufswerk in diesem Mafse nicht 
verwittert, müfste die Abwitterung sich in gleicher Weise auch auf den Unterbau 
der östlichen Treppe (die westliche ist ganz zerstört) wie überhaupt auf das Gufs- 
werk des Tempels erstreckt haben, das aber wohlerhalten ist. Vielmehr ist nach 
Abtragung der Bekleidung und des oberen Teiles der Frontmauer das Gufswerk 
bearbeitet und in die Unterlage einer Treppe verwandelt worden. Das sieht man 
am besten auf Taf. 9B, wo das Gufswerkfundament der östlichen Seitentreppe G 



Richter, Der Castortempel am Forum Romanum. gn 

völlig intakt vorscheint; bei F sieht man einen von den Bindern der fünften Quader- 
schicht, schräg abgehackt. Zweitens waren die am Rande der Strafse befindlichen 
Marmorstufen, die, wie wir oben sahen, in der Zeit des Verfalls hier hergelegt sein 
müssen, nicht etwa eine Erneuerung der ursprünglich hier von dem Vorbau zur 
Strafse hinabführenden Stufen. Denn sie lagen nicht einfach auf dem Travertin- 
fundament auf, sondern zum Zweck der Einbettung der untersten Stufe war dieses 
in ganz roher Weise ausgemeifselt, so dafs die unterste Stufe mehrere Centimeter 
tiefer zu liegen kam (L auf Taf. 6, C auf Taf. 9 B). Ob dies mit den Niveauver- 
hältnissen der neu aufgeführten Treppe zusammenhing oder mit der vielleicht nicht 
ganz passenden Höhe der als Treppenstufen verwendeten Steine, ist nicht zu ent- 
scheiden. Jedenfalls gehört diese Stufenanlage keinem Restaurationsbau des Tem- 
pels mehr an, vielmehr setzt sie die Zerstörung des Tempels voraus. 

2. Rekonstruktion des Tempels. Die Fundamente des Castortempels 
waren in derselben Weise, wie es beim Tempel des Divus Julius nachgewiesen ist, 
teils aus Gufswerk, teils aus TufTquadern hergestellt (Taf. 8A)". Alle die Teile des 
Fundamentes, die keinen Oberbau zu tragen hatten, nämlich die unter dem inneren 
Raum der Cella, dem Pronaos, der Plattform und den Treppen, wurden aus Gufs- 
werk hergestellt, die Säulen und die Cellamauer ruhten auf Fundamenten von Tuff- 
quadern. Während letztere als willkommenes Baumaterial in den Zeiten des Ver- 
falls bis auf geringe Reste entfernt worden sind, ist das Gufswerk im ganzen gut 
erhalten. An der Ostseite ist noch ein Teil der Quadern, auf denen die inneren 
Säulen des Pronaos ruhten, erhalten, auf der Westseite, wo die Quadern vollständig 
verschwunden sind, sieht man im Gufswerk noch die Eindrücke der Steine 
(vgl. Abb. 6). 

Der Fundamentstreifen für die vordere Säulenreihe (jetzt mit Schutt etc. aus- 
gefüllt; vgl. H auf Taf. 9 B) war 2,60 m breit. Ein ebenfalls 2,60 m breiter Streifen 
diente für das Quaderfundament, auf dem die Cellamauer ruhte. Dieser Streifen 
ist in der Mitte (N auf Taf. 8A, I auf Taf. 9B) durch einen 4,50 m breiten Gufs- 
werkblock unterbrochen. Da an dieser Stelle die Thür sich befand, das Fundament 
also keinen Oberbau zu tragen hatte, so sparte man die Fundamentierung durch 
Quadern". Der Raum des Pronaos mafs 9,90 X iSi8o m, der der Cella 16 X ^9JO m. 
Die Säulenstellung an den Seiten ist durch die noch erhaltenen Säulen gesichert. 
Die im Pronaos in der Verlängerung der Cellawand angenommenen Säulen (Taf. 8 B) 
ergaben sich aus der hier einst vorhandenen Fundamentierung von Tuffblöcken und 
aus der Notwendigkeit, das in gleichmäfsiger Weise über die Cella und den 
Pronaos laufende Dach seiner ganzen Länge nach in gleicher Weise zu stützen. 

An der linken (östlichen) Seite des Gufskernfundamentes für den inneren 
Cellaraum erhebt sich ein niedriger Mauerrest von 0,80 m Dicke und etwa 13 m 



*') Vergl. Antike Denkmäler 1 Taf. 27. 
^*) Auch beim Tempel des Divus Julius ist der für die ThUr ausgesparte Raum 4,50 m breit. 



lOO Richter, Der Csstorlempcl am Forum Romflnum. 

Länge aus Gufswerk von gleicher Art wie die übrigen Fundamente (P auf Taf. 8A, 
vgl. Taf. 9B). Man hat diesen Rest für einen Teil der Cellamauer gehalten. Dies 
wäre aber nur zulässig, wenn man annehmen wollte, dafs die Cellamauer zum Teil 
auf dem Gufswerkfundament, zum Teil auf dem Quaderfundament läge, und ferner. 




Abb. 6. C^isiurtempeL WeKiieite Hes GurswcrkfundAnicnti.-s, 



dals die Mauer zum Teil aus Quadern, zum Teil aus Gufswerk bestanden habe. 
Beides ist nicht möglich. Vielmehr gehört diese Mauer, die mehr als ein Meter 
unter dem durch die Säulenbasen bestimmten Fufsboden des Tempels auf dem 
Gufswerk aufliegt, überhaupt nicht zum Oberbau der letzten Tempelform, Dies 
wird dadurch bestätigt, dafs auf demselben Niveau, auf dem diese Mauer ruht, sich 
zwei Reste von Mosaikfufsboden befinden {O auf Taf. 8A, K auf Taf. 9B), ein untrüg- 
licher Beweis, dafs hier einst der Fufsboden des Tempels lag. Denn dafs diese 
Mosaikreste zu der letzten Rekonstruktion des Tempels, mit der wir uns beschäfti- 
gen, gehöre, ist schon der Niveauverhältnisse halber ausgeschlossen. Das Mosaik 
ist zweifarbig, schwarz und weifs, und zeigt ein einfaches Muster von Rhomben. 
Sicher gehörten die beiden Stücke zu demselben Paviment, aber es ist bemerkens- 
wert, dafs das linke i,oö, das rechte 1,22 m unter der Plinthe der Säulenbasis liegt. 



Richter, Der Castortempel am Forum Romanum. joi 

Offenbar hat man bei dem letzten Neubau des Tempels sich nicht die Mühe ge- 
geben, dies Mosaikpaviment vollständig zu zerstören, und hat, falls die Gufs- 
mauer P wirklich die Cellamauer eines früheren Tempels gewesen sein sollte, 
auch diese nur so weit zerstört, wie nötig war. Nun ist aber auffallend, dafs an 
keinem Punkte das Gufswerkfundament der Cella das Niveau der Mosaikrestc über- 
schreitet. Es ist also anzunehmen, dafs man bei der mit dem Neubau des Tem- 
pels verbundenen Erhöhung des Niveaus das Gufswerkfundament nicht höher auf- 
mauerte — denn davon müfsten irgend welche Spuren geblieben sein — , sondern 
nach Erhöhung der Quaderfundamente über den Gufswerkteilen des Stylobaten 
Materialien aufschüttete, ohne sie durch Mörtel zu verbinden. Da sie nur zur 
Unterlage eines Marmorfufsbodens zu dienen hatten, so genügte es, die oberste 
Schicht mit Puzzolanmörtel zu binden und zu glätten. Bei Fortnahme der Qua- 
dern ging natürlich diese Aufschüttung ohne weiteres zu Grunde. Es ist auch 
möglich, dafs der Mauerrest P hier und vielleicht auch an den anderen Kanten 
des Gufswerkfundamentes aufgeführt wurde, um diese Aufschüttung zu befestigen. 
Von dem Oberbau »des älteren Tempels finden sich auf den Gufswerkfundamenten 
auch sonst noch Spuren: innerhalb des Pronaos bei M eine Reihe von kleineren 
Mauern, die teils aus Tuff, teils aus Travertin bestehen (ihre Erklärung ist schwierig), 
und im südlichen Teil der Cella die Spuren eines breiten Fundamentes, das mög- 
licherweise einst die Götterbilder getragen hat. 

Der Neubau des Tempels unterschied sich also von dem früheren Tempel, 
an dessen Stelle er trat, lediglich dadurch, dafs er höher war. Andere Spuren einer 
Änderung, namentlich des Grundschemas, haben sich nicht gefunden. Vielmehr 
spricht gegen eine Änderung desselben die Beschaffenheit des Gufswerkes, das in 
allen Teilen völlig gleichartig ist. Es besteht aus Brocken von Tuff und (weniger) 
Travertin mit Puzzolanmörtel verbunden. Nirgends hat sich eine Spur von Ziegel- 
brocken oder Marmor gefunden. Es war ferner oben schon nachgewiesen worden, 
dafs die aus Tuffquadern hergestellten Teile der Fundamente gleichzeitig mit dem 
Gufswerkfundament gemacht sind: die Quadern der Frontmauer banden in das 
Gufswerk ein (S. 92), und an der Westseite sieht man deutlich die Eindrücke von 
ganz gleichartigen Quadern im Gufswerk (Abb. 6). Es ist wohl möglich, dafs fiir 
diesen Tempel dasselbe Gesetz galt, wie für das Capitolium, dessen Fundamente 
nach Aussage der Priester auch nicht verändert werden durften, so dafs man sich 
bei dem Neubau unter Vespasian mit einer Erhöhung des Oberbaus begnügen 
mufste'*. 

Die Rekonstruktion der Seiten des Tempels brachte eine Reihe neuer Mo- 
mente zum Vorschein. Die von Centrum zu Centrum 3,80 m von einander ent- 
fernten Säulen stehen nicht, wie zu erwarten, auf einem einzigen Fundamentstreifen 
von Tuffquadem, sondern jede Säule ruht fiir sich auf einem besonderen Funda- 
mentblock von 1,80 m Breite und 4,28 m Tiefe, so dafs zwischen je zwei Säulen- 



'^) Vgl. O. Richter, Topographie der Stadt Rom. 2. Aufl. S. 122. 



]Q2 Richter, Der Caslorlempel am Forum Romanum. 

Postamenten Räume von 2,00 m Breite und 4, 28 m Tiefe entstehen. Dementsprechend 
haben die Seiten keinen ununterbrochen fortlaufenden Sockel, sondern Sockelbasa- 
meote, die sich an diese Säulenpostamente anlehnen. Das Basament an der Ost- 
seite und natürlich auch das Fundament, dem es zur Verkleidung diente (B auf 




—t-t-t 1 1 \ 1 i 1- 

Abi). 7 a. Castorlempel. Aufrifs eines Säulen fundamcntes, Innenseite (1 : 7,S). 



Taf. 6 und Taf. 8A), welches der vorderen Säulenreihe des Pronaos entspricht, ist 
gröfser als die anderen (S. T. R. U auf Taf. 8A). Ersteres mifst 2,35 m {der Funda- 
mentstreifen filr die vordere Säulenreihe war 2,6om breit, vgl. oben S. 99), letztere 
messen 1,80 m in die Breite. In Folge davon ist bei der Rekonstruktion (vgl. die 
Vignette über diesem Aufsatz und Taf, SB) auch das Basament am entgegen- 
gesetzten Ende der Seite zu 2,35 m angenommen. Die an diese anstofsenden 



Richter, Der Castorternpel am Forum Romanum. 



103 



Räume mufsten, da die Interkolumnien alle gleich sind, entsprechend kleiner 
werden. Dafs auch die als Treppenwangen der Haupttreppe dienenden Postamente 
nicht einen festen TuflTkern hatten, sondern ebenfalls Kammern enthielten, ergiebt 




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Abb. 7 b. Castorternpel. Auf- und Grundrifs eines Teiles der 

Seitenfront (1 : 7,5). 



sich aus dem bei C an der Westseite des Tempels erhaltenen Sockelbasament. 
Zwischen je zwei Basamenten nun liegt eine Marmorschwelle, 0,30 m breit und 
o, II m hoch (vgl. Abb. 7 b). Diese Schwellen sind stark abgenutzt; die Abnutzung 

Jahrbach des archiologiscben Instituts XIII. 3 



I04 



Richter, Der Castortempel am Forum Romanum. 





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beträgt in der Mitte nach aufsen wie nach innen bis zu 0,04 m, es mufs über diese 
Schwellen ein lebhafter Verkehr hin und her in die zwischen je zwei Säulenposta- 
menten befindlichen Räume stattgeftmden haben. Der Fufsboden dieser Räume hat 
dasselbe Niveau wie das Pflaster aufserhalb des Tempels. Diese Räume nun waren 

nicht nur, wie die Schwellen zeigen, zugänglich, 
sondern auch verschliefsbar. Innerhalb der 
marmornen Schwellen liegen (vgl. Abb. 7 b) an 
sie anschliefsend o, 20 m breite Schwellen von 
Travertin; wo diese an die Marmorschwellen 
anstofsen, ist in sie eine 0,04 m im Quadrat 
messende Rille eingeschnitten, die sich in der 
Mitte um einen 0,40 m langen, 0,05 m breiten 
und 0,07 m tiefen Einschnitt erweitert. Diese 
Rillen setzen sich in denselben Dimensionen 
(0,04 m im Quadrat) auf den vertikalen Wänden 
der Säulenpostamente so weit die Mauern reichen 
fort (Abb. 7 a). Offenbar dienten diese Rillen zur 
Befestigung von Metallrahmen für einen beweg- 
lichen Verschlufs. Die Räume waren also durch 
Thüren, vermutlich bronzene, verschliefsbar. 
Aufserdem nimmt man sowohl auf den Marmor- 
schwellen selbst, als auch an den Seitenflächen 
der marmornen Bekleidung der Säulenpostamente 
Zapfenlöcher wahr, die vermutlich zur Einfügung 
eines Gitters gedient haben, das am Tage, wenn 
die Bronzethüren geöffnet waren, den Eingang 
verschlofs. Die Räume selbst scheinen ziemlich 
so hoch gewesen zu sein, wie der Stylobat 
des Tempels; dies ergiebt sich aus dem zwi- 
schen den Postamenten der Säulen T und S 
(Taf. 8A) noch erhaltenen Rest einer Gufs- 
kernwölbung nicht weit unter der Säulenbasis 
(Taf. 9B). Indessen waren die diese Räume 
verschliefsenden Thüren nur halb so hoch. 3,10 m über dem Niveau des Tem- 
pels, d. h. genau in der Höhe, in der das Gesims auf der Plattform aufliegt, sind 
an der Vorderseite der Säulenpostamente noch die keilförmig geschnittenen Steine 
zum Einsetzen der über den Thüröffnungen befindlichen als Architrave der Thüren 
dienenden Simse erhalten (Abb. 7b). Die Thüren waren also so hoch wie die 
Wand der Plattform, und das diese krönende Gesims setzte sich auch auf den übri- 
gen Seiten des Tempels in gleicher Höhe fort. Auf diesem Gesims ruhte dann ein 
zweiter Sockel, dessen Placierung in dieser Höhe schon oben bei der Rekon- 
struierung der Treppenwange des oberen Aufganges nachgewiesen war (vgl. S. 96 f.) 




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Abb. 8 a — c. Castortempel. Reste des 
oberen Gesimses (i : 30). 



Richter, Der Cas 



™pcl . 



'05 



und von dem noch ein zweites Stück gefunden ist (Abb, $ a und b). Über diesen 
Sockel erhob sich dann eine vermutlich glatte Wand von 1,90m Höhe, die von 
dem Hauptgesims abgeschlossen wurde, von dem ebenfalls Reste vorhanden sind 
(Abb. 8a — c). Eine Rekonstruktion sämtlicher zum Tempel gehörigen Sockel- und 
Simsstücke ist Abb. 9a — b gegeben. 



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Al.b. 9 a. 



torlempcl. Sockel und Gesimse. Rekooslruktion (1:15). 



Ich möchte schliefslich einer Beobachtung Erwähnung thun, die wir vom 
ersten Tage der Ausgrabungsarbeiten an machten, nämlich dafs die Linien der 
Tuffblöcke in der Front des Tempels nicht horizontal sind. Eine allgemeine 



io6 



Richter» Der Castortempel am Forum Romanum. 



NivelHerung des Tempels wurde vorgenommen und zu unserer Freude dadurch unter- 
stützt und kontrolliert, dafs am lO. November 1896 der Tiber so hoch stieg, dafs er 
das Forum zum Teil überschwemmte und auch die Fundamente des Castortempels 
unter Wasser setzte. Die Linie, bis zu der das Wasser stieg, ist auf Taf. 7 B ein- 
getragen und mit B — B bezeichnet. Es ergab sich, dafs die Quaderlagen der Front- 
seite von der östlichen Schwelle, die völlig horizontal Hegt, bis zur westlichen um 



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Abb. 9b. Castortempel. Sockel und Gesimse. Rekonstruktion (i : 15), 



0,40 m hängen. Die Senkung des Tempels nach Westen zu ist aber nicht gleich- 
mäfsig, sondern sie vermindert sich nach der Südseite des Tempels zu in der Weise, 
dafs, wenn man eine Parallele zur Front des Tempels durch die Mitle der siebenten 
Säule zieht, die Senkung von der östlichen zur westlichen Schwelle nur 0,30 m be- 
trägt. Der tiefste Punkt der Senkung liegt also an der Nordwestecke des Tempels. 



Kichter, Der Castortcmpel am Forum Romanum. 



107 



Bei der Erklärung dieser Senkung wird man wohl in erster Linie an die Beschaffen- 
heit des Bodens denken müssen. Das Terrain, auf dem die Gebäude des Forums 
errichtet sind, senkt sich von Osten und Westen bis zum Vicus Tuscus, der den 
Castortempel von der Basilica Julia trennenden Strafse. Die niedrigste Stelle des 
Forums wird durch die noch unter der Ostseite der Basilica Julia herlaufende 
Cloaca maxima bezeichnet, die ursprünglich ein natürlicher Wasserlauf war. Lanciani'* 
hat eine ganz gleichartige Senkung, wie wir sie am Castortempel festgestellt haben, 
an den Fundamenten der Basilica Julia konstatiert. Die Basilica senkt sich diagonal 
von der Südwest- zur Nordostecke, so dafs erstere 0,47 m höher liegt, als diese. 
Die Senkung entspricht also auch in der Richtung der des Castortempels*^ 



Die Resultate der Ausgrabungen und die aus ihnen sich ergebende Rekon- 
struktion des Tempels geben uns nun über mehrere bisher nicht genügend gelöste 
Fragen Aufklärung. 

I. Zunächst kann es nicht zweifelhaft sein, dafs die dem Tempel vorgelegte 
Plattform eine Rednerbühne war. Dafs vom Castortempel herunter {pro aede 
Castoris entsprechend dem Ausdruck /r£? rostris) wie von einer Rednerbühne gesprochen 
wurde, war längst bekannt. In meiner Schrift: Rekonstruktion und Geschichte der 
römischen Rednerbühne 1884, S. 46 habe ich darüber gesagt: »Nur in einzelnen 
Symptomen können wir jenen eigentümlichen Prozefs verfolgen, der dazu fiihrte, 
dafs die Rostra und mit ihnen das Comitium und die anliegenden Teile des Forums 
einen aristokratischen Charakter, annahmen, dagegen der östliche Teil des Forums 
der eigentliche Tummelplatz der demokratischen Partei wurde, der in der Treppe 
des Castortempels zuerst eine improvisierte, dann eine gesetzlich aner- 
kannte Rednerbühne entstand. Von hier redete schon der jüngere Africanus, 
von hier sehen wir Caesar zum Volke reden, hier wurden noch Verhandlungen zwi- 
schen Antonius und Octavianus gepflogen.« Es folgt dann S. 46 — ^48 eine Schilderung 
der Rolle, die der Castortempel während der Jahre 63—57 >^ ^^^ Strafsenkämpfen 
spielt: Im Jahre 62 versammeln Caesar und Metellus das Volk vor dem Castortempel, 
um das Gesetz durchzubringen, das Pompeius zum Herrn von Rom macheu sollte, 
im Jahre 59 hielt Caesar vor dem Castortempel eine Volksversammlung ab, die sein 
Kollege Bibulus zu stören versuchte. »Die blutigsten Scenen aber sahen die Redner- 



•«) Lanciani, The ruins and excavations ofancUnt 
Romt p. 277. 

'') Bekannt ist, dafs an dem Tempel des Metellus 
Vcrres die bei Cicero in Verr, I, 145 bespro- 
chene Restauration vornahm; sie bestand darin, 
dafs die Säulen gerade gestellt wurden {ad per- 
pendiculum exaeiae). Cic. a. a. O. 145: omnes 
illae columnae, quas dealbatas (neu abgeputzt) 
videÜSf machina apposita nulla impensa deiectae 
eisdemque lapidibus repositae sunt Nach § 154 



waren es vier Säulen. Obgleich Cicero glauben 
machen will, dafs die Säulen ganz gerade ge- 
st.inden hätten, so ist doch als höchst wahr- 
scheinlich anzunehmen, dafs es sich hier nicht 
um einen reinen Vorwand gehandelt hat, viel- 
mehr die Senkung der Fundamente ein Aus- 
weichen der Säulen aus der Senkrechten zur 
Folge gehabt hat. Vgl. O. Richter, Topogr. 
2, Aufl. S. 85. 



i 



Io8 Richter, Der Castortetnpel am Forum Romanuro. 

bühne und der Castortempel in den Tagen, wo über Ciceros Zurückberufung ver- 
handelt wurde. Am 25. Januar des Jahres 57 wollte der der Senatspartei ergebene 
Tribun Q. Fabricius eine Rogation in diesem Sinne an das Volk bringen. Um sich 
das Terrain zu sichern, besetzte er schon in der Nacht vorher mit seinen Anhängern 
die Rednerbühne ^^ Aber dies war nur das Signal zum Kampfe. Die Bande des 
Clodius umgab das > Templutm von allen Seiten und ruhte nicht eher, als bis sie 
den Tribun mit den Seinigen vertrieben hatte. Wenn wir Ciceros Schilderung 
folgen, so mufs der Kampf ein entsetzlicher gewesen sein. ^Afeministis*, sagt er [pro 
Sestio jy) tum, iudices, corporibus civium Tiberim compleri, cloacas refarciri, e foro 
spongiis efßngi sanguinem, Clodius setzte darauf das Forum in vollständigen Be- 
lagerungszustand. Schon im Jahre vorher, bei Gelegenheit der Vertreibung Ciceros 
hatte er den Castortempel in eine Burg umgeschaffen, indem er ihn mit Bewaffneten 
anfüllte und die Stufen fortnehmen liefs, hatte alle Zugänge des Marktes mit Be- 
waffneten besetzt und die Verhandlungen terrorisirt. Auch jetzt besetzte er den 
Castortempel wieder, und es entspann sich hier ein zweiter Kampf, in welchem der 
Tribun Sestius fast erschlagen worden wäre*'.« 

Alle diese Stellen, namentlich auch die, in denen von einer Umwandlung des 
Castortempels in eine Festung die Rede ist, gewinnen ein ganz anderes Aussehen, 
wenn man nicht mehr anzunehmen braucht, dafs von der Treppe aus gesprochen 
worden ist, sondern von einer eben zu diesem Zwecke geschaffenen Plattform, und 
dafs die Stufen, die zur Sicherung der Redner aufgenommen wurden, nicht die 
100 Fufs breiten Stufen einer riesigen Fronttreppe sind, sondern die Stufen der seit- 
lich zur Rednerbühne empor führenden Treppen. 

Ich halte es daher für sicher, dafs, wenn nicht von vornherein, so doch 
spätestens seit dem Neubau des Metellus der Castortempel mit einer Rednerbühne 
verbunden war. 

Nun wird aber durch den Nachweis, dafs der Castortempel mit einer Redner- 
bühne verbunden gewesen ist, eine der schwierigsten topographischen Fragen ge- 
löst. Die Konstantinische Regionsbeschreibung beginnt die Aufzählung der Bauten 
der VIII. Region: Forum Romanum vel magnum mit den Worten: continet rostra 
tria. Zwei Rednerbühnen waren bekannt, die Rostra an der Westseite des Forums 
neben dem Severusbogen und die Rostra Julia an der Ostseite des Forums, vorgelegt 
dem Tempel des Divus Julius, aber wo man die dritte unterbringen sollte, war bisher 
ein völliges Räthsel. Die Existenz einer dritten Rednerbühne auf dem Forum 
schien ausgeschlossen, man glaubte sie also, da die Regionsbeschreibung ja nicht 
vom Forum, sondern von der VIII. Region spricht, auch anderswo suchen zu 
müssen '^ eine Meinung, die auch ich einst (Rekonst. und Gesch. d. röm. Redner- 
bühne S. 55) mit den Worten vertreten habe: »Wer aber will behaupten, dafs wir 



'*') Gemeint ist die alte Rednerbühne auf der Grenze als RednerbUhne siehe bei Jordan, Top. I- S. 322 

zwischen Coraitium und Forum. Vgl. O. Richter, Anm, 8; Becker, Top. Anm. 510. 

Topographie 2. Aufl. S. 81. -") O. Richter, Rekonstruktion und Geschichte der 

'^) Stellen über die Benutzung des Castortempels römischen Rednerbühne p. 52 fF, 



Richter, Der Castortempel am Forum Romanum. ]OQ 

SO gut Über die Topographie des alten Rom unterrichtet sind, dafs wir erklären 
dürften, es könne aufserhalb des Forum Romanum in der VIII. Region keine 
Rednerbühne gegeben haben.« Und so setzt sie z.B. Wecklein '^ auf das Kapitol, 
gestützt auf eine Reihe von Stellen, die weiter nichts beweisen, als dafs daselbst 
auch Reden gehalten worden sind. Zu einer ganz verzweifelten Auskunft greift 
Jordan Top. P S. 229 Anm. 63: Entweder ist tria (wenn so der Archetypus des 
Buches las) als Iteration von rostra zu streichen, oder aber rostra tria ist eine volks- 
tümliche Bezeichnung: »die drei Schnäbel«. Letztere Bemerkung wird erläutert 
auf S. 239: »Auf den Trajansreliefs (so nennt Jordan die Balustraden von der 
Rednerbühne) erscheinen an der Front der Bühne drei Schiffsschnäbel in zwei 
Reihen so gestellt, dafs sie ein mit der Spitze nach oben gerichtetes Dreieck 
bilden und merkwürdigerweise sind die Schnäbel an der Front der rostra aedis 
Divi Julii auf der Münze Hadrians ebenfalls ins Dreieck gestellt Der Ver- 
fertiger der Trajansreliefs wie der Stempelschneider, dem wir die Darstellung 
der rostra aedis Divi Julii verdanken, befanden sich jeder in anderer Weise in 
der Notlage, eine leicht erkennbare Darstellung der Schiffsschnäbel, jener auf un- 
bequemer Fläche, dieser im engsten Raum geben zu müssen. Dieser Notlage 
ist unzweifelhaft die für keine der beiden Bühnen denkbare Dreizahl zu ver- 
danken; die Dreieckstellung war ein bequemes Auskunftsmittel, um die in ganzem 
oder halbem Profil in einer Reihe kaum deutlich darstellbaren Schnäbel wahrnehm- 
barer hervortreten zu lassen. War dies nun eine herkömmliche Art der verkürzten, 
man könnte sagen heraldischen Darstellung — und wie oft wird man die Redner- 
bühne in solcher Weise zu skizzieren gehabt haben! — so liefse sich sogar denken, 
dafs diese Darstellungsweise in der Volkssprache zu formelhaftem Ausdruck gelangt 
sei und jene »drei Rostra« des Regionenbuches eben nichts anderes bedeutete als 
die »Rostra«. 

Es ist jetzt längst nachgewiesen, dafs diese Relief- und Münzdarstellungen 
eine gewifs sinnreich abkürzende Darstellung der auf den Fronten der Rednerbühnen 
in zwei Reihen alternierend über einander angebrachten Schiffsschnäbel sind. Um so 
interessanter ist es zu sehen, mit welchen Mitteln man eine völlig unverfängliche, 
dabei höchst wertvolle Nachricht aus Unkenntnifs der Sachlage hat aus der Welt 
schaffen wollen. In der That zählt die Regionsbeschreibung die drei auf dem Forum 
befindlichen Rednerbühnen, die Rostra xai' iJo*/TQv am Severusbogen, die Rostra ad 
Divi Juli und die Rostra ad Castoris'^^, 

Es ist selbstverständlich, dafs diese Rednerbühne gleich den beiden andern 



'^) Hermes VI, 193. dafs die Rostra, vor denen nach I.ivius epit. 

2'-') Wenn ich schon im Jahre 1884 beim Verfassen CXVI Cäsars Leiche verbrannt wurde (p. 53. 

meiner Schrift über die Rekonstruktion und Ge- 54), die Rostra ad Castoris waren, wodurch 

schichte der römischen Rednerbühne von dieser die Vermutung, dafs schon Cäsar auf dem un- 

Rednerbühne vor dem Castortempel Kenntnis teren Forum an der Stelle der späteren aedes 

gehabt hätte, so würde ich wahrscheinlich Ka- Z>fr.'/y«// eine Rednerbühnc gebaut haben könnte, 

pitel 3 »die Rostra Julia« anders gestaltet haben. hinfällig würde. 
Jedenfalls ist die Möglichkeit offen zu halten, 



HO 



Richter, Der Castortempel am Forum Romanum. 



mit Schiffsschnäbeln geschmückt gewesen ist", und ich habe daher in Anlehnung 
an das durch die Reste der grofsen Rednerbühne bekannt gewordene System in der 
Anordnung der Schiffsschnäbel'*, wie schon früher bei den Rostra Julid*^^ so auch 
bei der Front dieser Bühne zwei Reihen alternierend über einander stehender rostra 
angenommen, wie denn überhaupt die Bühne, die (vgl. oben p. 94) fast genau die 
Höhe der beiden andern Rednerbühnen hat und auch sonst durch Sockel, Gesims 
und Balustrade namentlich den Rostra am Severusbogen ähnelt, eine gleichartige 
Durchbildung der Fassade forderte. 

Diese Gleichartigkeit in der Durchbildung und Ausschmückung der drei 
Rednerbühnen legt nun die Frage nahe, in welche Zeit denn der letzte, in unserer 
Rekonstruktion zur Darstellung gekommene Um- und Neubau des Castortempels 
eigentlich zu setzen ist. Allgemeine Erwägungen weisen auf die Zeit des Hadrian. 
Es ist sowohl von der grofsen Rednerbühne wie von dem Tempel des Divus Julius 
nachgewiesen'*, dafs sie durch Hadrian erneuert worden sind. Was liegt näher, 
als eine Erneuerung durch Hadrian auch (lir den Castortempel anzunehmen, zumal 
alle drei Bauten augustischer Zeit entstammen? Die gewöhnliche Annahme ist ja 
freilich, dafs die Reste des Castortempels dem Bau des Tiberius angehören, aber 
wirklich sachliche Gründe, weshalb sie in diese Zeit gehören müssen und nicht in 
die des Hadrian gehören können, sind mir nicht bekannt. Man hielt sich einfach 
an die Überlieferung, nach der der letzte Umbau des Tempels der tiberianische ist. 
Aber wie lückenhaft ist unsere Überlieferung über Herstellung wie von römischen 
Bauten überhaupt, so von Bauten auf dem Forum! Bei der römischen Rednerbühne 
z. B. konnte eine ganze Reihe auf einander folgender Umbauten und Erneuerungen 
nachgewiesen werden, von denen eine der wichtigsten aus der Zeit des Hadrian 
stammt; von diesen, wie von der hadrianischen, durch Münzbilder erwiesenen Her- 
stellung des Tempels der Divus Julius schweigt die Überlieferung völlig. Dafs 
Hadrian sich aber mit der Herstellung einzelner Gebäude des Forums, die doch mit 
wenigen Ausnahmen einer und derselben Zeit, der des Augustus entstammen '^ 
begnügt haben sollte, ist nicht anzunehmen; zu den operaubique infinita, von denen 
die Vita Hadriani 19 spricht, wird auch die Wiederherstellung des Forums und seiner 
Gebäude zu rechnen sein. Mit Stückwerk hat sich Hadrian jedenfalls nicht ab- 
gegeben". 



2*) Nur nebenbei möchte ich daran erinnern, wie 
trefflich auch abgesehen von dem Hauptzwecke 
die Zierde der SchiiTsschnäbel für den Tempel 
von Gottheiten sich eignete, die als Beschützer 
der Seefahrt verehrt wurden. 

'-*) Rckonstr. und Gesch. etc. S. 20 f., Jahrbuch des 
archäologischen Instituts 1889 S. i fT. 

2^) Vgl. Jahrbuch des archäologischen Instituts 1889 
S. 141. 

2*) Vgl. O. Richter, Rekonstruktion und Geschichte 
der röm. RednerbUhne S. 55; Ders., Die Augustus- 



bauten auf dem Forum Romanum, Jahrb. des 
archäol. Instituts 1889 S. 150. 

'•^^ O. Richter, Topographie 2. Aufl. S. 92. 93. 

2*^ Hülsen, dem ich meine Ideen über den letzten 
Umbau des Castortempels mitgeteilt hatte, schreibt 
mir zustimmend: »Dafs die erhaltenen Stücke 
nicht der tiberianischen Zeit, sondern etwa der 
trajanischen angehören, würde ich nach dem 
Stil für ganz wohl glaublich halten. Von wie 
vielen Tempeln werden Herstellungen des zweiten 
Jahrhunderts uns unbekannt seinl Nachzuweisen 



Richter, Der Castortempel am Forum Romanum. 1 1 1 

Es würde demnach von den beiden an der Ruine nachzuweisenden Bauten 
der ältere dem Tiberius, der jüngere dem Hadrian zuzuthcilen sein. Identisch 
ist bei beiden der Unterbau (abgesehen von der Erhöhung, S. lOi), Gufswerk und 
Quaderfundamente sind aus einem Gufs gemacht. Der Bau des Tiberius würde 
also ein wirklicher Neubau, der des Hadrian eine Herstellung auf vorhandenem 
Fundament sein, wenn nicht angenommen werden müfste, dafs die Fundamente des 
Tempels selbst älter als der Bau des Tiberius und wahrscheinlich auf den Bau des 
Metellus zurückzufiihren sind. Dem widerspricht nicht die Beschaffenheit des Gufs- 
werkes, das im wesentlichen aus Tuffbrocken besteht mit geringerer Beimischung 
von Travertin. Es kann nicht bezweifelt werden, dafs der Travertin zur Zeit des 
Baues des Metellus schon in Rom zum Bauen verwendet wurde; waren auch die 
Säulen damals und noch viel später von stuckiertem Tuff {columnae dealbatae. Cic. 
in Verr, I 145), so wurden doch Kapitelle etc. schon von Travertin gemacht". 

Für die Zugehörigkeit des Unterbaus zum Bau des Metellus spricht ferner 
die oben auf S. 89 betonte Notwendigkeit, die seitlichen Treppenaufgänge schon 
für diesen Bau anzunehmen, sowie der oben erbrachte Nachweis, dafs die Redner- 
bühne schon dem Tempel des Metellus vorgelegen habe. 

2. Der Nachweis, dafs an den beiden Langseiten des Tempels (möglicher- 
weise auch an der Hinterseite) verschliefsbare Räume (tabernae) sich befanden, klärt 
uns nun auch darüber auf, wie und wo wir uns die Depots zu denken haben, die 
von der Überlieferung mit dem Castortempel in Verbindung gebracht werden". 
Die kaiserlichen Gelder waren in Tempeln deponiert. Herodian I, 14, 2 nennt als 
solchen den Friedenstempel und sagt III, 13,4: OY]oraupouc te xal vecu?, iravia iSsixvoc 
Xp>3jiata>v rXrjprj. Die Inschriften CIL VI, 8688 C. Julio Basso Aemiliano actori Caesaris 
ad Caslor(em) et ad loricata(m) ad auctoritaiem und CIL VI. 8689 procCuratori) Aug. 
ad Castor(is) nennen auch den Tempel des Castor als einen solchen, wozu die Lage 
in der Nähe des Palatin wohl passen würde. Aufserdem wurde er von Privatleuten 
zur Deponierung ihrer Gelder benutzt. Das bezeugt Juvenal XIV, 259 ff.: 

aerata multus in arca 
260 fiscus et ad vigilem ponendi Castora nummi, 

ex quo Mars ultor galeam quoque perdidit et res 
non potuit servare suas, 

wozu der Scholiast bemerkt: ex quo Mars ultor, id est, antea solebant arcas aeratas 
facere et ibi mitter e pecuniam suam Senator es, et sie in foro Martis ponere. Verum 
per noctem a fiiribus exspoliatae sunt arcae, et coeperunt ex eo ad templum Castor is 



gedenke ich es z. B. nächstens für den Tempel schweigt absolut über Neubauten des Tempels!« 

der Venus Gene trix auf dem Ciesarforum. Der 25) So auch bei dem aus Sullanischer Zeit stam- 

von Labacco und Palladio gezeichnete Tempel menden Tabularium. Vgl. Jordan, Top. P S. 141. 

war sicher kein Werk der caesarischen Zeit, wie ^) Vgl. O. Hirschfeld , Untersuchungen auf dem 

das schöne noch Übrige Stück des Gebälks in Gebiete der römischen Verwaltungsgeschichte I 

Villa Medici beweist. Und unsere Überlieferung S. 3 f. Anm. 4. 



112 Richter, Der Castortempel am Forum Romanum. 

ponere. Daher erklären sich der feste Verschlufs durch bronzene Thüren und die 
Anbringung von Gittern, die auch bei geöffneten Thüren den Eintritt verwehrten. — 
Ob aus Cicero pro Quinctio 4, 17: cum pecuniam C. Quinctius P. Scapulae debuisset, 
per te, C. Aquili, decidit P, Quinctius, quid liberis eius dissolveret. Hoc eo per te 
agebatur, quod propter acrariam rationem non satis erat in tabulis inspexisse, quantum 
deberetur, fiisi ad Castoris quaesisses, quantum solveretur — geschlossen werden darf, 
dafs zur Zeit Ciceros nummularii ihre Geschäftsstellen ebenfalls in diesen Tabernen 
hatten, ist zwar nicht direkt zu beweisen, ist aber nach Konstatierung derselben höchst 
wahrscheinlich ". 

Aufserdem befand sich ^ ad Castoris t^ also ebenfalls in diesen Tabernen, eine 
Aichungsstelle für Gewichte. Gewichte mit der Aufschrift exac(tum) ad Castor(is) 
und ähnlichen sind erhalten. Vgl. Jordan Top. PS. 374, Anm. 83 und Hülsen, 
Rom. Mitt. 1889 S. 244 f. 

3. In der Rekonstruktion des Tempels auf Taf 7 A und 9 A habe ich auf die 
Treppenwangen der Haupttreppe die beiden Kolossalstatuen der Dioskuren gesetzt, 
die jetzt auf der Balustrade des Kapitols stehen. Diese schon früher von mir ins Auge 
gefafste Möglichkeit kam zur Ausführung, als Herr Tognetti mich darauf aufmerksam 
machte, dafs die Sockel dieser Statuen fast genau die Gröfse der betreffenden Posta- 
mente haben. Es soll damit nun nicht gesagt sein, dafs dieselben Statuen dort ge- 
standen haben, denn diese sind auf dem Marsfelde gefunden worden, wohl aber 
halte ich es ftlr höchst wahrscheinlich, dafs diese Statuen Copien der einst auf den 
Treppenwangen des Castortempels stehenden sind. Abgesehen von den Mafsen, 
die zu den ganzen Dimensionen des Tempels ausgezeichnet stimmen, veranlafste 
mich dazu folgende Erwägung: Der Castortempel ist der Überlieferung nach (Liv. II, 42; 
Owid fast, 1,706; Kai. vom 27. Januar nebst Mommsens Anm. zu CIL I' p. 308) im 
Jahre 489 v, Chr. zum Andenken an die Hilfe gegründet, welche die Dioskuren den 
Römern in der Schlacht am See Regillus gebracht hatten. Es heifst, dafs sie nach 
errungenem Siege auf ihren Rossen nach Rom gesprengt wären und die Kunde vom 
Siege selbst dorthin gebracht hätten. Dann hätten sie ihre Rosse zum Lacus 
Juturnae geführt und getränkt. Und dort, wo sie ihre Rosse getränkt hätten, 
am Lacus Juturnae, haben ihnen die Römer den Tempel errichtet. Gerade diesen 
Moment aber verkörpern die Kapitolstatuen: die Dioskuren führen ihre ruhig schrei- 
tenden Rosse an der Hand, So wurde durch die Aufstellung dieser Statuen auf der 
Treppe des Tempels die Gründungssage des Tempels in einfachster und anschau- 
lichster Weise dargestellt. 



Der Vollständigkeit halber lege ich schliefslich die schon oben S. 88 f. be- 
sprochenen Fragmente des Kapitolinischen Stadtplans nach Notizie degli scavi 1882 

2') Dagegen sind die argentarii post aedem Castoris zu suchen, sondern in der hinter dem Tempel 

CIL. VI 363. 9177 U.A. (vgl. Jordan, Top. I-* herlaufenden Strafse. 

S. 374 Anm. 83 schwerlich im Tempel selbst 



Richter, Der Casiortemptl a 



"3 



Taf. XIV vor. Das Stück links, Jordan F. U. III, 20, ist nur zum Teil noch im 
Original erhalten; die diesen Teil umsäumende BruchlinJc ist in der Abbildung 
deutlich ausgeprägt; der Rest des Stückes ist durch den Stern als Kopie nach der 
Bellorischcn Ausgabe bezeichnet. Auf dem Fragment ist die Nordwestseitc des 




mgmcnte dos Sta<lt]il 
(Nol. d. 



Taf. XIV.) 



Castortempels dargestellt; das ist durch die in Zeichnung und Beischrift kennt- 
lich gemachte Basilica Julia gesichert. — Das StUck rechts wurde im Jahre 18S2 
nicht weit vom Castortempel selbst, in eine mittelalterliche Mauer verbaut, ge- 
funden. Es enthält die Südostecke des Tempels mit der Beischrift cASTORIS. 

Dafs die Darstellung der Tempelfront auf diesen Fragmenten — eine 
breite Treppe mit einem Altar (?) — in keiner Weise den nunmehr vollständig be- 
kannten Fundamenten entspricht, und dafs auch vor den neuesten Ausgrabungen 
niemand im Stande gewesen ist, die Fragmente des Stadtplans mit der Ruine in 
Einklang zu bringen, steht hinreichend fest. Nichts destoweniger will Jordan (vgl. 
S. 88f.) den Stadtplan nicht preisgeben und behauptet, dafs er in Details absolut 
zuverlässig sei. Ich glaube, ein Blick auf die Darstellung des Tempels lehrt das 
Gegenteil: die Zeichnung ist von gröfster Unzuverlässigkeit. Der Tempel hat danach 
in den Seiten nicht 11, nicht 13 Säulen, sondern !0, der sogenannte Altar sitzt nicht 
in der Mitte der Treppe, sondern ist stark nach links (Westen) gerückt; vor allem aber 
weicht die Zeichnung der östlichen Seitenfront auf dem 1882 gefundenen Fragment 
wesentlich von der der westlichen auf F. U. III, 20 ab. Während hier die Grenze 
des Tempels durch eine Linie bezeichnet ist, neben der die allseitig umränderten 
Säulenbasen stehen, ist sie dort durch zwei Linien bezeichnet, an deren innere 
sich die Säulenbasen anlehnen. Auch die Säulcnbascn unterscheiden sich auf den 



IIA Hübner, Die Büste von IlicL 



beiden Stücken; sie sind weder auf dem Stück links (ich ziehe nur den im Original 
erhaltenen Bruchteil in Betracht) noch auf dem rechts Quadrate, sondern Recht- 
ecke; auf dem linken Stück aber läuft die längere Seite dieser Rechtecke von 
Norden nach Süden, auf dem rechts von Osten nach Westen. Das sind so starke 
Abweichungen in der Zeichnung innerhalb eines und desselben Gebäudes, 
dafs man es O. Marucchi wirklich nicht verdenken kann, wenn er 1882 meinte, das 
neu gefundene Stück gehöre einer anderen Forma urbis an. Daran wird man ja 
schwerlich festhalten wollen, um so sicherer aber kann man behaupten, dafs der 
Arbeiter, der diesen Tempel auf den Marmor ritzte, mit einer ganz unerhörten 
Liederlichkeit gearbeitet hat, vielleicht in der Meinung, dafs seine Fehler durch die 
Bemalung, die der Plan jedenfalls gehabt hat, verdeckt wurden. Ich halte es unter 
diesen Umständen nicht fiir ausgeschlossen, dafs das Original, nach dem er arbeitete, 
von ihm auch hinsichtlich des Treppenaufganges liederlich wiedergegeben worden ist, 
dafs die auf demselben vorgezeichnete Plattform der Rednerbühne zu einem dem Qua- 
drate sich nähernden Rechteck zusammengeschrumpft ist, und er sich auch nicht die 
Mühe gegeben hat, die seitlichen Aufgänge und die Haupttreppe durch verschieden 
gerichtete Linien zu charakterisieren. 

Berlin. Otto Richter. 



DIE BÜSTE VON ILICL 

Vortrag, gehalten in der Sitzung der archäologischen Gesellschaft vom 3. Mai 1898. 

Am 4. August des vorigen Jahres ist an der Ostküste Spaniens, an der 
Stelle des alten Ilici, der Alcudia bei dem heutigen Elche, das durch seinen Palmen- 
wald berühmt ist, ein Denkmal gefunden worden, das unter den Funden aus vor- 
römischer Zeit, die bisher auf der Halbinsel gemacht worden sind, unbezweifelt den 
ersten Platz einnimmt. 

Die erste Kunde davon erhielt ich, in einem Brief vom 9. August 1897, 
also gleich nach dem Funde, durch einen meiner treuen Korrespondenten, Herrn 
Pedro Ibarra y Ruiz in Elche, den Bruder des verstorbenen Aureliano Ibarra y Man- 
zoni, der sich durch eine Geschichte seiner Vaterstadt verdient gemacht hat 
[Corp, Inscr, Lat. II S. 957). Mit dem Briefe sandte Hr. Ibarra drei kleine, aber 
wohlgelungene Photographien, die sogleich die Bedeutung des Fundes erkennen 
liefsen. Zwei von ihnen sind auf S. 115 (Fig. i und 2), die dritte auf S. 116 (Fig. 3), 
wiederholt. 



HUbner, Die BUslc von lliei. nj 

Zufallig kam um dieselbe Zeit Herr Pierre Paris, der bekannte Archäolog, 
nach Elche, Er ist seit einigen Jahren, von mir dazu angeregt, damit beschäftigt, 
die iberische Kunst zu erforschen; sein Wohnsitz Bordeaux bietet dazu die be- 
quemste Gelegenheit. Sogleich von der Wichtigkeit des Fundes überzeugt ', setzte 




er sich mit Hm. L^on Heuzey in Paris in Verbindung, dem Direktor der Abtheilung 
der orientalischen Bildwerke und der antiken Vasen des Louvre. Durch die schnelle 
und einsichtige Hülfe des Hm. Noel Bardac, der die Büste von dem Besitzer, dem 
Doctor Manuel Campillo, dem Neffen Ibarra's, kaufte und dem Louvre schenkte, 
bildet sie jetzt eine in ihrer Art einzige Zierde der Sammlungen des französischen 
Staates, zum Leidwesen der Madrider Archäologen, besonders des Herm M^lida, 
die sie gem für die nationale Sammlung erworben hätten. 

Es ist eine weibliche Büste aus dem weifsen, kreidigen Kalkstein der 
dortigen Gebirge, wenig Über Lebensgröfse; ihre Höhe beträgt etwas über einen 
halben Meter (0,53 m). Sie ist vollkommen gut erhalten bis auf ein paar un- 
bedeutende Verletzungen der Oberfläche, und zeigt deutliche Reste vollständiger 



') Er hatte mir mitgetheilt , dafs er am 9. August 
in Madrid sein wollte. Dorthin gab ich ihm 
Nachricht und bat ihn, den Kopf in Elche zu 
betrachten, da Herr Ib.irra nicht gani lutreffend 
über ihn geurlheill halte; — er hatte ihn in 
einem Artikel der lokalen Presse einen ApoUo- 



kopf genannt. Auch Herr Ibarra hatte ihm in- 
zwischen nach Bordeaux darUber geschrieben. 
Herr Paris legt Gewicht darauf fcsliu stellen, 
dnfs ihn diese Briefe beide nicht erieicht haben, 
SD dafs er ohne von dem Fund zu wissen am 
II. August nach Elche kam. 



ii6 



Hubner, Die Büste v 




Bemalung an den Augen und Lippen, in der zart rothen Farbe von Schieier, Ge- 
wand und Mantel; die Pupillen scheinen mit Glasflufs gefüllt gewesen zu sein. 
Ausgezeichnet ist sie durch den ganz auflalligen und sonderbaren Kopfschmuck, 
auf den ich nachher zurückkomme, und reichen Schmuck um Hals und Brust. Es 
ist ein Brustbild, kein zufälliger Rest einer Statue; denn die untere Fläche ist glatt 
bearbeitet. Auf der übrigens unbearbeitet gelassenen 
Rückseite ist ein rundes Loch von 18 cm Umfang 
und 16 cm Tiefe, wie die nebenstehende kleine Ab- 
bildung (Fig. 3) zeigt. Wahrscheinlich diente es nur 
dazu, das Bildwerk an der Wand, vor der man es 
sich auf einem entsprechend hohen Postament auf- 
gestellt denken mufs, durch einen hineinpassenden 
Zapfen zu befestigen. Dafs das Loch bestimmt ge- 
wesen sei, die Asche der Verstorbenen aufzunehmen, 
beruht auf der Voraussetzung, dafs die Büste zu 
einem Grabmal gehört habe. Dies mit völliger Sicher- 
heit festzustellen, ist leider nicht mehr möglich. Die 
Büste ist, wie Hr. Ibarra unter Beifügung einer Skizze 
des Geländes mittheilte, an der südöstlichen Ecke 
des überall noch erkennbaren und theilweis erhaltenen 
Mauerringes gefunden worden, der den Hügel des alten Ilici umgab, und zwar aufser- 
halb des Mauerrings, in einer Tiefe von zwei bis drei Metern, Von einer Gräberstrafse, 
die etwa von einem der Thore der alten Stadt ausging, fand sich keine Spur, Über 
den Ort und die Umstände des Fundes hat mir Hr. Ibarra auf meine Bitte die 
folgenden noch genaueren Angaben zugehen lassen, als sie Hr. Paris an Ort und 
Stelle erfuhr. Denn als er nach Elche kam, war inzwischen das ganze Terrain be- 
reits von Grund aus umgestaltet worden, um es für die beabsichtigte Anlage eines 
Weinberges und andere landwirthschaftliche Zwecke herzurichten. Die Fundgegen- 
stände, aufser der Büste selbst, hatte Hr. Ibarra, um sie aufzubewahren, auf die 
obere Kante des Hügels legen lassen. Von dort sind sie leider zum gröfsten Theil 
durch den Strom der Besucher mit fortgenommen worden, der sich gleich nach 
dem Bekanntwerden des Fundes aus Elche und seinen Umgebungen dorthin er- 
gofs. Wir sind also auf Hrn. Ibarra's genaue und durchaus glaubwürdige Angaben 
angewiesen. 

Auf einer Fläche von 4 zu 60 Metern im Umkreis des Platzes, an dem die 
Büste zum Vorschein kam, sind neunzehn sarkophagähnliche Gräber aufgedeckt 
worden, alle nur aus unregeimäfsigen Brocken ausgemauert (äe cal y conto), keines 
aus regelmäfsig behauenen Steinen (de canleriä). Das dem Fundort nächste, etwa 
vier Meter nördlich davon, enthielt zwei Skelette; nach der Untersuchung durch 
Mediziner, die Hr. Ibarra vornehmen licfs — wahrscheinlich durch den Doctor 
Campillo — , das einer Frau und eines Kindes. Eine äufserliche Verbindung des 
Grabes mit der Büste war nicht vorhanden. Sie lag auf der Seite; die linke Ecke 



Hübner, Die Büste von Ilici. 117 



des Kopfputzes nach oben, die dabei durch einen Schlag mit der Hacke etwas 
verletzt wurde. Das feste, mit Asche gemischte Erdreich, das sie umgab, in naher 
Nachbarschaft mit dem Grabmal, war von derselben Art wie die Stücke des Erd- 
reichs in der Wand, vor der die Büste lag. Diese Wand ist am Tag nach dem 
Funde von den Arbeitern niedergelegt worden. Ein Stück Säulentrommel und 
einige Werkstücke aus behauenem Stein haben, wie Hr. Paris richtig bemerkt, mit 
den Gräbern nichts zu thun. Die Vermuthung, die ein jüngerer Gelehrter, Herr 
P. Jamot, mit Rücksicht hierauf ausgesprochen hat, dafs die Büste auf jenem Säulen- 
stumpf gestanden habe, etwa in einer Gräberstrafse , läfst sich danach nicht näher 
begründen; doch erscheint eine ähnliche Aufstellungsart nicht unwahrscheinlich. 
Zahlreiche Scherben von den drei dort überall vorkommenden Arten von Geschirr, 
gelbliche iberische, schwarze italisch-griechische, und rothe römische, wie man sie 
dort unterscheidet, stehen ebenfalls aufser nachweislichem Zusammenhang mit den 
Gräbern. Leider scheinen keine in den Gräbern selbst gemachten Funde vor- 
zuliegen, aus denen ein annähernder Schlufs auf ihr Alter möglich ist. Hr. Ibarra 
bemerkt nur, dafs einige Tage nach dem Fund der Büste westlich davon ein neues 
Grab aufgedeckt worden ist; einen silbernen Ring, mit undeutlichem Zeichen, be- 
wahre Hr. Campillo'. 

Es ist begreiflich, dals Hr. Paris, nach den ihm bekannt gewordenen Um- 
ständen des Fundes, die Frage für nicht sicher zu entscheiden erklärt, ob die Büste 
zu einem Grab oder zu einem Heiligtum gehört habe. Mögen die in ihrer Nähe 
aufgedeckten Gräber ebenso alt sein wie sie oder jünger — ich sehe vor der Hand 
nicht, warum sie nicht ebenso alt sein könnten — , immer spricht das Vorhandensein 
einer Nekropole auch für ihre sepulcrale Verwendung. Unter der Voraussetzung, 
dafs sie als Votivbild in einem Heiligtum aufgestellt gewesen sein könne, erinnert 
Hr. Paris an die Nischen und Löcher im Tempel des Zeus Panamaros in Karlen, 
in die von den Weihenden Haare gelegt wurden'. Aber auch von einem Heiligtum 
haben sich an dem Fundort der Büste Spuren nicht gefunden. Ein rein mechani- 
scher Zweck des Loches bleibt* mir, trotz seiner ziemlich grofsen Abmessungen, 
der wahrscheinlichste. Dafs die Büste das Bildnifs einer Frau darstellt, nicht eine 
Göttin oder Idealfigur anderer Art, lehrt sie selbst auf das deutlichste, wenn auch 
unentschieden bleibt, ob wir sie auf einem Grabmal aufgestellt zu denken haben 
oder in einem Tempel. 

Der Fund erregte in den beiden Ländern, Spanien und Frankreich, sogleich 
gerechtes Aufsehen. Schon am 30. August brachte eine spanische illustrierte Zeit- 
schrift die erste Abbildung. Im September legte Hr. Heuzey den Fund der 
Academie des Inscriptions in Paris vor. Hr. Paris veröffentlichte eine kurze Notiz 
darüber in der französischen Illustration, Hr. M^lida endlich besprach ihn ein- 



*) Ich will versuchen, von diesem Ring, der nicht Nachricht zu erhalten. 

unwichtig sein könnte — wenn er z. B. ein ') Deschamps und Cousin, Bulletin de Corresp, 
iberisches Schriftzeichen enthielte — , genauere hellen, XII 18SS S. 479 ff. 



ii8 



Habner, Die Büste von Ilici. 



gehend in der Revista de Archivos (1897 S. 440 ff.) und im Boletin der Madrider 
Akademie der Geschichte pCXXI 1897 S. 427 ff.) unter Beigabe von Photogravüren*. 
Obgleich diese nach Ibarra s Photographien gemachten Abbildungen sehr gut sind 
und eine eingehende Beurtheilung möglich machen, schien es doch gerathen zu 
sein, die sogleich angekündigte gröfsere monumentale Publication des Hm. Paris 
abzuwarten, ehe das schöne Denkmal der archäologischen Gesellschaft vorgelegt 
wurde, wozu ich mich auf Hrn. Conze*s Wunsch sogleich bereit erklärt hatte. Nun 
liegt Hrn. Paris Abhandlung vor*; sie läfst in Bezug auf Genauigkeit der Be- 
schreibung und Schönheit der Abbildungen nichts zu wünschen übrig. In der Be- 
urtheilung des Kunstwerks stimme ich zwar nicht ganz mit dem Herausgeber 
überein; aber die ihm verdankte schnelle und sorgfaltige Veröffentlichung verdient 
die wärmste Anerkennung. Als künftiger Erforscher der altiberischen Kunst konnte 
er sich nicht glücklicher einfuhren als durch diese Abhandlung. 

Es wird sich zunächst empfehlen darauf hinzuweisen, dafs der Fund von 
Elche nicht etwas völlig Neues und Uner^vartetes bringt. Zwar ist von den in 
Spanien gefundenen Denkmälern aus vorrömischer Zeit aufserhalb des Landes so 
gut wie nichts bekannt. Die iberische Halbinsel wird vielmehr, wo es sich um 
Zusammenstellung der sogenannten prähistorischen oder vorarischen Denkmäler 
Europas handelt, einfach als nicht vorhanden betrachtet; wie z. B. in dem neulich 
erschienenen Werk von Hoemes*. 

Ich hebe nur kurz hervor, dafs lange vor der karthagischen wie vor der 
römischen Eroberung des Landes von zwei verschiedenen Seiten vom Osten her ein 
civilisatorischer Einflufs auf die Bevölkerung Iberiens ausgeübt worden ist. Die 
Gründung phönikischer Kolonien von Tyros aus reicht bekanntlich bis in das 
zwölfte Jahrhundert vor Chr. hinauf, wofern das einst von Timaeus berechnete 
Gründungsdatum der tyrischen Kolonie Gadeira um iioo v. Chr. einigen Anspruch 
auf Glaubwürdigkeit hat. Aber mögen auch die Grundlagen seiner Berechnung von 
absoluter Sicherheit weit entfernt sein: sicher ist, dafs an der Südküste Iberiens 
vom Cap de la Nao im Südosten bis zu den Säujen des Herakles und etwas über 



^) Herr Paris hat die schon ziemlich beträchtliche 
Litteratur in der gleich anzuführenden Abhand- 
lung S. 3 Anm. 2 vollständig aufgezählt. Neu 
hinzugekommen ist Erich Körner, Die Bttstc 
von Elche, eine neue Erwerbung des Louvre, 
Leipziger Illustrierte Zeitung 1898 No. 2858. 

*) Büste espagnol de styU grico ' asiatique trouvi ä 
Elche (Musee du Louvre) par Pierre Paris (Mo- 
numents et Memoires publies par V Academie des 
Inscriptions et Belles-Lettres, deuxieme fascicule du ' 
Tome IV). Paris iSgS (2 Tafeln, pl. XIII und 
XIV, 6 Photogravüren im Text, 32 S.) 4. P. Ja- 
rno t's oben erwähnter Aufsatz in der Gazette 
des BeouX'Arts, s^'^ periode, tome XIX, 1898, 
S. 239 — 250, mit sehr guter Abbildung der 



Büste nach ihrer jetzigen Aufstellung, giebt zur 
Erläuterung im wesentlichen L. Heuzey's An- 
sichten wieder. Erst lange nachdem meine Aus- 
führungen über die Büste von Elche nieder- 
geschrieben waren, ist mir Th. Reinachs Be- 
sprechung La tete d' Elche au Musee du Louvre 
in der Revue des etudes grecques XI 1898 S. 39 
— 60 bekannt geworden. Sie führt auf Um- 
wegen, auf denen ich dem Verf. nicht folgen 
kann, zu einem ähnlichen Ergebnifs, wie ich es 
am Schlufs dieses Aufsatzes zu formulieren ver- 
sucht habe. 
^) M. Hoernes, Urgeschichte der bildenden Kunst 
in Europa u. s. w. Wien 1898. 



Hübner, Die Büste von Ilici. ug 



sie hinaus lange vor der karthagischen Eroberung eine ziemlich dichte Reihe phö- 
nikischer Kolonien lag: Abdera, Suel, Sexi, Malaka, Gadeira oder Gades. Diese 
Städte haben sämmtlich Münzen mit phönikischer Aufschrift geschlagen. Die 
ältesten, die von Gadeira, die bis in das fünfte Jahrh. v. Chr. hinaufreichen mögen, 
folgen zwar nach Gewicht und Typen schon dem karthagisch-sicilischen Münzfufs; 
die der übrigen sind noch weit jünger. Aber der ausgedehnte Handel von Gades, 
der aufser dem Silberreichthum des Tartessos- oder Baetislandes das Zinn des 
fernen Britanniens der alten Welt vermittelte, reicht unzweifelhaft mindestens bis in 
das siebente oder achte Jahrhundert hinauf. Die phönikischen Niederlassungen in 
Iberien beschränken sich ganz ausschliefslich auf die angegebene Strecke der Süd- 
küste. An der Ostküste, vom Cap de la Nao aufwärts bis nach Massalia, hat es 
phönikische Niederlassungen nur in der Phantasie von Movers gegeben und denen, 
die ihm nachgefolgt sind. Schon nach dieser entscheidenden Erwägung erscheint es 
bedenklich, bei einem an der Ostküste, zwischen Neukarthago und Valentia in Ilici 
gefundenen Denkmal, mit den Herren Heuzey und Paris von alten Einflüssen asiati- 
scher Kultur, von einem griechisch-asiatischen Stil zu sprechen. Denkmäler phö- 
nikischer Herkunft aufser den Münzen sind von den phönikischen Kolonien in Iberien 
überhaupt nur in Gades gefunden worden, und zwar zuerst vor etwa zwölf Jahren. 
Es sind die in der vorrömischen Tiefe einer Nekropolis vor den Thoren der Stadt 
im Jahr 1887 aufgedeckten anthropoiden Sarkophage, den bekannten sidonischen 
und soluntischen ähnlich', wie jene ohne Aufschrift; von griechischen Künstlern 
etwa im fünften Jahrhundert ausgeführt ^ Das sind bis jetzt, wie gesagt, die einzigen 
sicher phönikischen Denkmäler überhaupt, die in Spanien gefunden worden sind'. 
Denn dafs in Gades ein Siegelstein mit phönikischem Namen [Mon, ling. Iber, No. LX) 
und in Malaka eine bemalte griechische Vase etwa des vierten Jahrhunderts mit 
einem in den Fufs eingekratzten phönikischen Handelsvermerk zum Vorschein ge- 
kommen ist [Mon, lifig, Iber. No. LIX), beweist nicht viel. In der Nekropolis von 
Carmona sind einige kleine blauglasierte Idole gefunden worden, sogenannte kauernde 
Pataeken darstellend, die man fiir phönikischen Ursprungs hält^°; über die Zeit, 
wann sie dorthin gekommen sind, läfst sich freilich nichts sagen. Übrigens ist es 
mir nicht zweifelhaft, dafs bei sorgfaltigem Nachsuchen und durch Ausgrabungen 
sichere Spuren der phönikischen Bauten in Gades zu finden sein werden. So ist 
z. B. noch niemals auch nur die Lage des grofsen Heraklestempels ermittelt worden, 
der weit vor der Inselstadt auf dem Festland lag und, von den karthagischen wie 
von den römischen Feldherrn bis auf Caesar mit devoter Scheu behandelt, nach 



^) Perrot & Chipiez III S. 178. 180 ff. 187. 5) Über eine Nekropole angeblich phönikischer 

®) Nach einigen vorläufigen Mittheilungen, z. B. Zeit in Chipiona, der Turris Caepionis, Cadix 

von Babelon im Bulletin de la Soc, des Antiq, gegenüber an der nördlichen Küste der Bai von 

de France 1891 S. 155 ff., am besten abgebildet Cadix, ist mir noch nichts näheres bekannt, 

und ausführlich besprochen von Berlanga, El 'O) Melida in der Revue des Universites du Midi 

nuevo öronze de Italica (Malaga 1891) S. 289 ff., III, Bordeaux 1897, S. iio. Vgl. Perrot & 

vgl. Deutsche Litteraturzeitung 1892 S. 416. Chipiez III S. 65. 237. 420. 

Jahrbach dea archäologischen Institnls Uli. 9 



I20 Hubner, Die Büste von Ilici. 



Aviens Zeugnifs noch im vierten Jahrhundert bestand. So gering aber auch die 
phönikische Einwirkung auf einheimische Kunst und einheimisches Handwerk an- 
zuschlagen ist: ein gewaltiger und umfassender Einilufs des phönikischen Handels 
auf die ganze iberische Halbinsel ist über jeden Zweifel erhaben. Die phönikische 
Schrift ist, gewifs von Gades aus, allen iberischen Stämmen nach und nach bekannt 
geworden. Zuerst denen im Süden und Südwesten, die sie in der alten linksläufigen 
Richtung übernommen haben, mit geringen Modifikationen; nachher denen im Osten 
und Nordosten, unter griechischem und nachher römischem Einflufs schon von links 
nach rechts gewendet und stärker verändert. Endlich aber auch, wie wir erst seit 
kurzem bestimmt wissen, im Inneren des Landes wie im äufsersten Nordwesten und 
Norden hat die iberische Schrift, die direkt aus der phönikischen abgeleitet ist, 
Verbreitung gefunden, theilWeis in Konkurrenz mit der griechischen**. Also ein 
alter und weitgehender Einflufs phönikischer Kultur auf die ganze Halbinsel ist 
nicht zu leugnen; nur für seine Erstreckung auf Kunst und Kunsthandwerk liegen 
bis jetzt wenigstens keinerlei Beweise vor. Es ist auch darauf hingewiesen worden, 
dafs nach dem Bericht des Polybius über die Einnahme Neukarthago*s durch Scipio 
gegen zweitausend ytipm-pca in der Stadt sich befanden, die Scipio zu Staatssklaven 
machte mit dem Versprechen, ihnen die Freiheit zu schenken, wenn sie fleifsig an 
der Herstellung von Kriegsmaterial arbeiteten. Daraus wollte man schliefsen, dafs 
auch einheimisches Kunsthandwerk von den Karthagern gepflegt worden sei, was 
ja nicht unmöglich ist Aber sichere Spuren und Reste davon wüfste ich vor der 
Hand nicht anzugeben. 

Die andere Seite, von der aus ein civilisatorischer Einflufs auf die iberische 
Halbinsel geübt worden ist, läfst sich mit höchster Wahrscheinlichkeit in der west- 
lichsten der grofsen griechischen Kolonien erkennen, in Massalia. Ich lasse es hier 
unerörtert, ob vielleicht früher schon phönikische oder samische Schiffer über 
Massalia hinaus an den spanischen Küsten gelandet sind und Handelsverbindungen 
angeknüpft haben, wie Hecataeus in Massalia und Herodot in Samos gehört hatten. 
Auf dem Boden sicherer Thatsachen steht nur, dafs von Massalia aus zwei nahe 
bei einander unmittelbar am südlichen Abhang des Pyrenegebirges gelegene griechi- 
sche Niederlassungen gegründet und etwa vom fünften Jahrhundert an zu einiger 
Blüthe gelangt sind. Die eine von ihnen wurde von den Griechen Rhode genannt: 
es ist wahrscheinlich ein volksetymologisch angeglichener einheimischer Name, der 
mit dem der Insel Rhodos so wenig etwas zu thun hat wie der des Rhodanos. Die 
andere wurde von den Massalioten nur das Emporion genannt oder die Stadt am 
Pyrene; es gab dort ein Kastell des einheimischen Volksstamms der Untiketen oder 
Indigeten, wie sie die Römer nannten, neben dem die griechische Handelsnieder- 
lassung und später die römische Stadt entstand; die Römer nannten daher den 
Komplex dieser drei verschiedenen Gemeinden pluralisch Emporiae. Diese beiden 
griechischen Niederlassungen haben eine grofse Menge von Münzen nach phö- 



'^) Die Belege dafür wird ein Supplement zu den Monumenta linguae Ibericae bringen, das ich vorbereite. 



Hubner, Die Büste von Ilici. 12 1 



nikisch-massaliotischem Münzfufs geschlagen mit griechischen Typen und griechi- 
scher Aufschrift, ähnlich den zahlreichen in Unteritalien und Sicilien geschlagenen 
Münzen, die auch oft in Spanien mit ihnen im Gemenge geftinden worden sind. 
Die Silberdrachmen von Rhode, mit der Aufschrift 'PoStjtcüv und dem Bild einer 
geöffneten Rose — ganz verschieden von allen Typen der Insel Rhodos^' — sind 
in barbarischen Nachbildungen im ganzen südlichen Frankreich und bis nach Bri- 
tannien im Kurs gewesen. Nach Süden hin haben sich in noch weit gröfserer 
Masse die von Emporion verbreitet. Neben die ältesten, noch etwa dem fünften 
Jahrhundert angehörenden rein griechischen Typen seiner Silberdrachmen, Pallas- 
kopf und Flügelrofs mit der Aufschrift ' EjiTroptTtüv — auch noch 'EvTtoptTojv — {Mon, 
ling, Iber, No. 5), treten über sechzig in mikroskopisch kleiner Schrift ausgeführte 
iberische Aufschriften, Namen von Völkerschaften und Magistraten, mit denen 
die griechischen Händler Verbindungen unterhielten. Der Kopf des Flügel- 
rosses von Emporion ist von dem griechischen Stempelschneider in einen kleinen 
sitzenden Eros mit Flügeln umgebildet worden, der sich an den Fufs fafst, ähnlich 
den Stieren mit Menschenkopf der grofsgriechischen Münzbilder. Der selige 
Cavedoni hat allerlei Vermuthungen über den tieferen Sinn dieser Umbildung an- 
gestellt; aber ihre Absicht und Bedeutung ist nicht ermittelt. Diese Münzen sind 
die greifbaren Zeugnisse für den griechischen Einflufs auf die iberische Civilisation. 
Emporion ist die einzige Stadt in Hispanien, wo einige griechische Inschriften aus 
vorrömischer oder frührömischer Zeit zum Vorschein gekommen sind [CIL II 4623. 
Suppl, S. 988. Epkem, epigr.Wll S. 510 N. 291 — 293). Von diesen griechischen 
Städten, besonders von Massalia und von seinem Emporion aus, ist griechische 
Kunst wohl am meisten den iberischen Bewohnern der Halbinsel zugeführt worden. 
Zwar hatten die griechischen Schiffer noch manchen Punkt an der Ostküste Iberiens 
griechisch benannt, Posidonius kannte noch ein Paar icoXt/via von massaliotischer 
Gründung, wie Hemeroskopeion und vielleicht Alonai, die griechische Namen 
führten; aber nirgends aufserdem gab es eine wirklich griechische Stadt. Dafs 
Sagunt nur von der römischen Politik ganz willkürlich zu einer griechischen 
Gründung gestempelt worden ist, darf jetzt als ausgemacht gelten. Auch Ilici 
ist rein iberisch; sein Name ist weder phönikisch noch griechisch, obgleich ihn 
Hecataeus mit griechischer Reminiscenz *EXixy] geschrieben zu haben scheint; eine 
massaliotische Gründung, wie Hr. Paris vermuthet (S. 29), ist die Stadt sicher 
nicht. Nun werden zwar auch in direktem Verkehr von Attika, von Sicilien 
und Grofsgriechenland einzelne kleine Werke griechischer Kunst und griechischen 
Kunsthandwerks nach Iberien gelangt sein. Ich habe in den Madrider Samm- 
lungen, auf den balearischen Inseln, in Gibraltar und Cadix manche kleine 
Bronzen von griechischer Herkunft gesehn, die dies beweisen. Neuerdings ist im 
Königreich Murcia, bei Caravaca, eine kleine altgriechische Kentaurenfigur ge- 
funden worden (o. 112 X 0.108), die wohl noch in das sechste Jahrhundert hinauf- 



^^ Mon, ling, Iber, No. 3. 

9* 



reicht (Fig. 4 und 5}"; nicht weit davon ein, wie es heifst, ebenfalls archaischer 
Satyr". Ein noch weit älteres Stück all^riechischer Einfuhr nach Iberien ist das 




Fig. 4. 



Fig. 5- 



kleine Goldblech, angeblich aus Cäceres im spanischen Estremadura, das sich in 
der Sammlung des Louvre befindet: Streifen mit Reiterfiguren, wie sie auch aus 
anderen Funden bekannt sind". 

Merkwürdig gering sind bis jetzt die Funde von griechischem Thongeräth 
in Spanien. Aufscr der schon erwähnten bemalten Amphora etwa des vierten Jahr- 
hunderts mit phönikischem Vermerk, die in Malaka gefunden worden ist, sind nur 
noch an der lusitanischen Küste, unweit Ohsipo, ein paar griechische Vasen unter- 
italischer Herkunft, etwa aus dem dritten oder zweiten Jahrhundert, sowie eine 
griechische Sepulkralmaske aus Thon zum Vorschein gekommen". An den Haupt- 
fundorten von Top fergeschirr aller Art, Tarraco, Sagunt, Ilici, Hispalis u. a. finden 
sich zwar regelmäfsig neben den rothen römischen und den, wie es scheint, einhei- 
mischen Gefafs seh erben von besonderer Technik auch solche aus schwarzem Thon, 
die den campanischen ähnlich sind und wohl mit Recht für griechisch-italischen 
Ursprungs gelten (s. oben S. 117). Scherben von gröfseren Getafsen attischer oder 
grofsgriechischer Fabrik sind meines Wissens nur selten darunter; in Elche sollen 
sich einige gefunden haben (Paris S. 28]. Ich zweifle nicht, dafs sie sich dereinst 



") J. F. Mclida (Figura dt Ctntattro, bronit griego 
protedtntc dt Rotles, eampo dt Caravnca. Mureid) 
h.it ihn En der Rcvisla dt Archhim I 1897 S. 513 
mit iwei guten Abbildungen (Tnf. XVII. XVIII) 
veTöfTenllicht. 

") Mi-lida a. a. O. S. 516. 

'^) Abgebildet von flehlunilietgcr, Cattiti archiclo- 
gique 1SS3 S. 4 Taf. 1 und von Cailailhac, Les 



Agti frikiiUiriqutt dl tEipagru et du Pi>rhigal 
(Paris 1886) S. 334 Taf. IV. 
"} J. B. de Rosst, Bullttl. dtIV tnilit. 1875 S. I4 
und llelbig cbend. 1877 S. SS; die Maske bei 
Benndorf, Denkschr. der Wiener Akad. philos.- 
histor. Cl. XXvm 1878 T.if. XVI ntbst meinen 
Bemerkungen in den Bonner J ab rb. LXVI 1S79 

s. 34. 



Hubner, Die Büste von Ilici. 123 



in gröfseren Mengen auch sonst noch finden werden, sobald man beginnen wird 
auf solche Funde sorgfaltiger zu achten als bisher. 

Weit nachhaltiger aber war der Einflufs, der durch die Münzprägung der 
griechischen Kolonien geübt worden ist. Dies ist ein Feld für exakte Beobachtungen, 
das sich die Herren Heuzey, Paris und Melida bis jetzt noch ganz haben entgehen 
lassen, obgleich ich schon vor vielen Jahren auf seine Wichtigkeit aufmerksam ge- 
macht habe. Es erklärt sich das daraus, dafs diese reichen Münzreihen, wie die 
Numismatiker wissen, in einiger Vollständigkeit und in wohlerhaltenen Stücken 
aufserhalb Spaniens so gut wie unbekannt sind. Die grofsen Münzkabinete, London, 
Paris und das unsrige, haben nur ganz unvollständige Reihen und in einer unmög- 
lichen An- oder Unordnung. Die Werke darüber mit erträglichen Abbildungen, 
Lorichs und Delgado, sind das eine wegen seines unsinnigen Textes, das andere 
weil es spanisch geschrieben ist ebenso wie Zobels gedrängtes Verzeichnis so gut 
wie unbekannt. Aus diesen Münzreihen ergiebt sich, dafs jedesmal die ältesten 
Stücke, nach Gewicht und anderen Indicien, die schönsten und die am sorgfältigsten 
ausgeführten sind, während die späteren, besonders die Kupferstücke, immer roher 
und barbarischer werden. Offenbar haben zuerst griechische Stempelschneider sie 
mit Benutzung griechischer Vorbilder verfertigt, als vor, während und nach dem 
zweiten punischen Krieg sich das Bedürfnifs nach Ausmünzung der Schätze des 
reichsten Silberlandes der alten Welt geltend machte. Die Münzen von Ilerda, 
Sagunt, Tarraco und viele andere bieten Belege dafür in Menge. 

Ich bin absichtlich auf diese nothwendigen Voraussetzungen für die Be- 
urtheilung der Anfange von Kunst und Kunsthandwerk auf der iberischen Halb- 
insel etwas näher eingegangen, weil nur wer sie kennt dem neuen Fund von Elche 
seinen richtigen Platz anzuweisen vermag. 

Es fehlt schon jetzt, trotz dem gänzlichen Mangel an systematischer Nach- 
forschung, auf den ich schon hinwies, nicht ganz an Produkten der einheimischen 
Technik, die den griechischen Einflufs mehr oder weniger deutlich erkennen lassen. 
Auf dem Gebiete der Keramik gehören dahin als vielleicht die ältesten Beispiele 
die mit geometrischen Mustern in weifser Farbe verzierten Gefäfse von Cienpozuelos 
bei Madrid, die Hr. Brückner der hiesigen anthropologischen Gesellschafl und ich 
früher einmal dieser unserer Gesellschaft vorgelegt habe^'; ganz gleichartige Exemplare 
sind an der Küste von Lusitanien gefunden worden '^ Im übrigen fehlt es noch 
gänzlich an einer vergleichenden Übersicht über die in Spanien gefundenen Gefäfse 
aus Thon von einheimischer Herkunft, so dafs sich über ihre etwaige Anlehnung an 
fremde Vorbilder bis jetzt nichts sagen läfst. 

Auch kleine Bronzen fehlen nicht. Auf eine Reihe kleiner Idole von ganz 
roher Arbeit, theils nackt, theils bekleidet, habe ich schon vor Jahren hingewiesen'®; 



") Boleiin de la Academia de la Historia XXV 1894 No. 410—419. 922—924. 937 und S. 212. 340. 

S. 436 ff. mit 12 vortrefflichen Tafeln. 346; vgl. La Arqueologia de Espdha (Barcelona 

»8) Cartailhac (Anm. 15) S. 123 ff. 1888) S. 265—267. 
") Antike Bildwerke in Madrid u. s.w. (Berlin 1862) 



124 Hubner, Die BUste von Ilici. 

einige der Art sah ich auch in kleinen lokalen Sammlungen, öflfentlichen wie pri- 
vaten; publiciert ist nichts davon aufser einigen aus dem südlichen Lusitanien'^ 
Neuerdings hat Hr. Melida einige andere Stücke der Art aus privatem Besitz ver- 
öffentlicht"; das eine (a. a. O. Taf. VI Fig. 2) stellt einen nackten Mann mit Kranz auf 
dem Kopf und Wulst um den Leib dar (Hr. Melida denkt wohl mit Unrecht an eine 
Schlange), der sich mit den beiden Händen je eine der beiden natürlichen Öffnungen 
des menschlichen Körpers zuhält: ein Gestus, der auch bei antiken Erotenfiguren 
nachgewiesen ist. Ein Henkel und Ring am Kopf zeigen, dafs das Figürchen zum 
Aufhängen bestimmt war. Vielleicht diente es, wie Hr. Melida meint, als Ge- 
wicht: es wiegt 83 gr., also etwa 7* des römischen Pfundes (325 — 350 gr). Iberische 
Bronzearbeiten sind kleine Thierbilder, Eber und Stierkopf, die in zwei Thcile 
durchschnitten mit auf einander passenden Schnittflächen und iberischer Aufschrift 
nach bekanntem Gebrauch als Symbole oder Tesserae hospitii dienten". Bei 
Menjibar am oberen Lauf des Baetis, an der Stelle des alten Ossigi, sind in je 
zwei Exemplaren der Doppelkopf einer Frau mit Stirnband, Ohrringen und ge- 
wundenem Halsring und eines Wolfes, und ein ähnlicher Wolfskopf allein, aus 
Bronze, gefunden worden; der Doppelkopf auf einem Bronzerohr. Der Wolfskopf 
hat einen ringförmigen Henkel. Sie dienten also zum Schmuck irgend eines Ge- 
räthes"; Gegenstand wie Arbeit lassen an dem einheimischen Ursprung nicht 
zweifeln. 

In der Nähe von Badajöz ist ein kleiner Reiter von Bronze auf Fufsgestell 
mit vier Rädern gefunden worden, was einigermafsen an die bekannten sardischen 
Bronzen erinnert'*. 

In der Sammlung eines reichen englischen Bergwerksbesitzers in Asturien, 
des Herrn James Pontifex Woods in La Rabia bei Comillas, befindet sich ein kleiner 
Reiter aus Bronze von offenbar iberischer Arbeit, der einen Eberkopf unter dem 
linken Arme trägt. Der Reiter ist das gewöhnlichste Bild auf den Münzen mit 
iberischer Aufschrift. Rossezucht und Reiterei waren offenbar uralte Gepflogen- 
heiten der iberischen Stämme. Den ältesten griechischen Seefahrern hiefs das Land 
danach überhaupt das der I^üjivr^-ai, der nackten, d. h. nicht mit Erzpanzer be- 
waffneten Reiter, und die davor liegende südlichste Inselgruppe nannten sie danach 
die Gymnesien. Das Wort hat sich merkwürdiger Weise bis auf unsere Tage in 
Spanien in gemeinem Gebrauch erhalten; denn ginete heifst noch jetzt der Reiter. 
Hr, Paris verspricht demnächst einige kleine Bronzen von iberischer Arbeit zu 
veröffentlichen, weibliche Köpfe mit Schleiern ähnlich dem der Büste von Elche 
(S. 7 Anm. i)". 

2<>) Cartailhac S. 300 f. drider Akademie. 

2J) Revisia de Archivos I 1897 S. 145 ff. Taf. VI und -*) Melida, BoUtin de Archivos 1896 S. 140. 

einige Abbildungen im Text. **) Er hat sie inzwischen veröffentlicht unter dem 

2^ Mon. ling. Iber, No. XXXIX. XL. Titel Bronzes espagnols de style greco-asiatique in 

23) J. Amador da los Rios, Boletin de la Academia der Rro, archcologique XXXII 1898 S. 203 — 212 

I 1877 — 79 S. 27—32 mit einer Tafel. Die mit 5 Abbildungen. 

Stucke befinden sich in der Sammlung der Ma- 



Hubner, Die Büste von Ilici. 125 



Ganz besonders hervorragend durch Gröfse und Güte der Arbeit sind die 
Stier- oder Kuhköpfe aus Bronze in natürlicher Gröfse, die im Jahr 1894 in Costig 
auf der Insel Mallorca mit einer grofsen Anzahl von alterthümlichen Gegenständen 
in Erz und Thon gefunden worden sind. Ich habe zuerst auf ihre Wichtigkeit 
aufmerksam gemacht (im Boletin de la Sociedad arqueolögica Luliana 1895, Sep- 
tember); daraufhin hat sie im Jahr 1895 ^^^ so gräfslich hingemordete Cänovas 
für das Madrider Museum erworben und Hr. Paris sie publiciert". Er vergleicht 
sie mit jenem silbernen Kopf einer Kuh, den Schliemann in einem der Gräber 
von Mykenae gefunden hat (Schliemann Mycenae Fig. 327. 328). Ich habe diese 
Köpfe damals sogleich für einheimische Arbeiten erklärt; aber einen gewissen 
Einilufs griechischer — nicht orientalischer — Vorbilder will ich damit keines- 
wegs leugnen. 

Von Bildwerken in Stein, die mit einiger Sicherheit auf das einheimische 
Kunsthandwerk zurückzuführen sind, liegen schon zahlreichere Beispiele vor. 

An verschiedenen Orten sind sonderbare Thierbilder aus Stein gefunden 
worden, ein Hegender Stier mit bärtigem Menschenkopf wie er auf den Münzen von 
Emporion häufig ist, in Balazote bei Albacete'^ jetzt im archäologischen Museum 
zu Madrid, eine liegende Löwin, wie es scheint, in Bacairente (Valencia), zwei ge- 
flügelte Sphinxe und ein liegender Stier in Agost (Alicante), der Kopf eines phan- 
tastischen Thieres in der Sierra de Callosa bei Redobai (Alicante); alle diese 
Örtlichkeiten liegen im Südosten der Halbinsel, fern von der unmittelbar phöniki- 
schen Einflufssphäre. Die Sphinx ist das Münzbild der zahlreichen und alterthüm- 
lichen Münzen von Castulo {Mon. ling, Iber. No. 118); auch auf denen von Urso 
und Iliberris (N. 128 g— i. 131 c) findet sie sich. Durch das ganze innere Hochland 
zerstreut bis hinauf in den Norden sind zahlreiche Thierbilder, meist über der na- 
türlichen Gröfse und von roher Arbeit, Stiere und Eber — niemals Bären und noch 
viel weniger Elephanten, wie man irrthümlich annahm — , die aller Wahrscheinlich- 
keit nach dazu bestimmt waren die Grabmäler hervorragender Männer zu schmücken". 
Da auf sechs von diesen Thierbildern lateinische Grabschriften aus frühaugusti- 
scher Zeit stehen {CIL II 734. 947. 2727. 2910. 3051. 3052), so ist an ihrem se- 
pulcralen Zweck nicht zu zweifeln. Die jüngst geäufserte Vermuthung, dafs diese 
Werke wegen ihrer Rohheit in sogenannte vorhistorische Zeiten gehörten und nachher 
erst von den Römern theilweis zu Grabsteinen benutzt worden seien, entbehrt jeder 
Wahrscheinlichkeit. Die schriftlosen werden zum Theil die älteren, die mit la- 
teinischen Inschriften versehenen durchweg die jüngeren sein. Aber schriftlose 



**) Les bronzes de Costig au Musie archiologique de (iii S.) 8., S. 88. 

Madrid, Revue archiologique 1897 II p, 138 ff. ^6^ Nach den von mir gegebenen Nachweisungen 

mit Taf. V und 8 Abbildungen im Text. hat zuletzt der Architekt Hr. Max Junghändel 

") Abgebildet in Arthur Engels Rapport sur une über sie gesprochen, in den Verhandlungen der 

mission archiologique en Espagne (1891, Extrait Berliner Anthropologischen Gesellschaft von 1892 

des Nouvelles Archives des Missions scientifiques et S. 66 ff. 

littiraires, Tome III 1892, Taf. IX. X) Paris 1893 



126 Hubner, Die Büste von Ilici. 



werden auch neben jenen noch im Gebrauch geblieben sein. So sind im äufsersten 
Nordwesten der Halbinsel, in Kalläkien, stehende Kriegergestalten auf die Gräber 
gestellt worden, die auch zum Theil mit lateinischen Aufschriften versehen sind 
[CIL II 2462. 2519). 

Endlich sind Zeugnisse einer einheimischen Kunstübung unter Anlehnung 
an griechisch-römische Vorbilder die achtzehn kelchtragenden Statuen nebst einigen 
sitzenden Müttern mit Kindern auf dem Schofs, zahlreiche Büsten und Köpfe, die 
seit dem Jahr 1860 auf dem nach ihnen benannten * Hügel der Heiligen' bei Yecla 
im Königreich Murcia zum Vorschein gekommen sind '^ Freilich ist es nicht leicht 
über diese Werke ein klares Urtheil zu gewinnen. Denn zunächst befinden sich 
unter der Masse der Gegenstände, die jetzt einen der Säle des neuen archäologi- 
schen Nationalmuseums in Madrid füllen, eine Anzahl höchst plumper und roher 
Fälschungen, z. Th. in ägyptischem Stil. Dafs Fälschungen in ägyptischem Stil 
nicht blofs hier, sondern auch früher schon in Tarragona und sonstwo in Spanien 
aufgetaucht sind, daran ist, wie ich glaube, ein einziger unvorsichtiger Ausdruck 
des Mela schuld, der ihn seinem Gewährsmann Varro und dieser dem Posidonius 
ohne die im Zusammenhang der Erzählung vielleicht gegebene Begründung und Ent- 
schuldigung entnahm. In der Beschreibung des Heraklestempels nennt er nämlich 
einmal den Herakles nicht, wie er sonst immer genannt wird, den tyrischen, sondern 
den ägyptischen '°. Danach ist es in Spanien schon längst zum Dogma geworden, von 
einer ägyptischen Einwanderung und ägyptischen Einflüssen auf die verschiedensten 
Seiten der alten Kultur des Landes zu reden; wovon natürlich keine Spur erweislich 
ist. Auch von persischen Einflüssen auf die iberische Kultur hat man geträumt, 
weil in einer bei Plinius erhaltenen Stelle aus der von ihm wie von Mela benutzten 
Schrift des Varro, die wiederum auf Posidonius zurückgeht, es heifst, Iberer, Perser, 
Phöniker, Kelten und Punier, d. h. Karthager, seien nach Iberien gekommen". 
Posidonius wird in irgend einem nicht mehr erkennbaren Zusammenhang bemerkt 
haben, dafs Tyros und die phönikischen Länder unter persischer Hoheit gestanden 
haben. Aber von einer Einwanderung von Assyrern oder Medern und von persi- 
schen Kultureinflüssen kann natürlich ebensowenig die Rede sein, wie von ägypti- 
schen. Ich erwähne diese ganz unbegründeten und an sich unerheblichen Phantasien 
nur deshalb, weil sie einen vielleicht unbewufsten Einflufs auf die Vorstellungen 
von im übrigen exakten Gelehrten geübt haben, die bei Werken wie die Statuen 
von Yecla und die Büste von Elche an asiatische Vorbilder dachten. 

Schon im Jahre 1876, als Herrn Rada*s Werk über die Funde von Yecla 
erschien, habe ich, noch ehe ich die Originale gesehen hatte, in einer ausführlichen 
Besprechung auf diese groben Fälschungen hingewiesen". Die Folge war, dafs 

-^) Auch über sie hat zuletzt im allgemeinen Herr '*) Plinius n, h, III 8 in unhersam Hispanlam M. 

Junghändcl in dem Anm. 28 angeführten Auf- Varro pervenisse Hiberos et Persas et Phoenkas 

satz gesprochen S. 69 ff, Celtasque et Poenos tradit. 

'^) Mela III 46 templum Aegyptii Herculis, '-) In der Jenaer Litteraturzeitung 1876 S. 21 7 ff. 



Hübner, Die Büste von Ilici. 127 



auf den grofsen Ausstellungen in Wien 1873 und in Paris 1878, wohin Specimina 
der Sammlung von Madrid aus gesandt worden waren, die beiden Jurys ihnen mit 
sehr begründeten Zweifeln entgegentraten und selbst die ächten Stücke wenigstens 
nicht in den Abtheilungen für antike Kunst zuliefsen. Es ist das Verdienst des 
schon erwähnten französischen Archäologen Herrn Arthur Engel, auf meine Ver- 
anlassung diesen Fälschungen auf zwei schwierigen Expeditionen nach Yecla gründ- 
lich zu Leibe gegangen zu sein". Es ist ihm sogar gelungen, die Person des 
Fälschers zu ermitteln: es war ein Uhrmacher aus Yecla, der sich die von dem 
Museum in Madrid und von vielen Liebhabern gezahlten hohen Preise jener Alter- 
thümer zu Nutze zu machen gesucht hat, mit freilich wenig dauerndem Erfolg; denn 
er ist im Armenhaus gestorben. Schon als ich die Sachen zum ersten Mal im 
Jahr 1881 in Madrid zu sehen bekam, erreichte ich durch Herrn Melida*s Ein- 
sicht, dafs die gröbsten Fälschungen, besonders die 'ägyptischen' Stücke, entfernt 
wurden. Aber die Frage, wie weit die Fälschungen reichen, ist noch bis heute 
nicht gelöst". Deswegen war es nöthig, diese Frage hier zu berühren; sie wird 
hoffentlich dereinst einmal ihre Lösung durch Hrn. Paris finden. Acht sind 
sicher die meisten kleineren Statuetten und alle einzelnen männlichen und weib- 
lichen Köpfe von z. Th. recht altertümlichem Charakter; auch die zahlreichen 
Fragmente sind acht 

Unter den Votivstatuen von Yecla ist nun die ebenfalls unzweifelhaft ächte 
gröfste und beste zugleich dasjenige Werk iberischer Kunst, das die nächste Ana- 
logie zu der Büste von Elche bietet; wie Niemand verkennen konnte. Hr. Heuzey 
sah sie im Jahr 1888 in Madrid und hat sie danach mit einer ausführlichen Be- 
sprechung publiciert**. Heuzey's Beschreibung hat Hr. Engel in seinem Rapport 
wiederholt und eine Reihe von ihm selbst am Fundort ausgegrabener Fragmente 
ähnlicher Statuen und Köpfe zuerst veröffentlicht (S. 71 ff.). Die Ächtheit eines 
grofsen Theils der in Madrid befindlichen Statuen, an der ohnehin nicht zu zweifeln 
war, ist damit von neuem festgestellt worden. Aber über eine ganze Anzahl be- 
sonders der wohlerhaltenen Statuetten bestehen für mich noch erhebliche Zweifel. 
Indessen diese können hier auf sich beruhen bleiben. Die grofse Statue, fast in 
Lebensgröfse (sie ist i,i8m hoch), ist bei Heuzey und Engel abgebildet. Ich gebe 
sie umstehend nach einer gröfseren photographischen Aufnahme des Hrn. Laurent in 
Madrid, die nicht in den Handel gekommen ist (Fig. 6). Heuzey nennt das Kostüm 
im Ganzen griechisch, mit einigen exotischen Zuthaten. Mir scheint es, wie der 
Kopfputz, durchaus einheimisch zu sein; nur die Stilisierung der Gewandzipfel zeigt 
eine gewisse äufserliche Anlehnung an griechische Vorbilder. Die Gestalt trägt. 



'3) In seinem schon in der Anm. 27 angeführten Vgl. Mon, ling, Iber, S. 207 No. XIX* — XL*. 

Rapport von 1893. '*) In der Abhandlung Statuts espagnoUs de style 

'*) Die sinnlosen Schriftzeichen, die sich auf einigen greco-phenicien, zuerst in der Revue d' Assyriologie 

▼on den Statuetten finden, halte ich fast alle für et d' Archeohgie Orientale III 1891 S. 96 ff. Taf. III. 

Zuthaten des Uhrmachers von Yecla; nur wenige IV und nachher im Bulletin de Correspondance 

zeigen ächte, ganz kurze iberische Aufschriften. hellenique XV 1891 S. 608 ff. Taf. XVII. 



I2S 



Hubner, Dk BUste v 



wie es scheint, drei Rocke über einander, deren verschiedene Stoffe angedeutet 
$ind; der unterste fällt in schmalen Falten über die beschuhten Füfse. Am Hals 
ist das unterste der Gewänder mit einer 
grofsen bogenförmigen Fibula geschlossen, 
deren Form Hrn. Heuzey an etruskische und 
gallische Fibulae erinnerte. Rücken und Schul- 
tern umfangt ein vorn glcichmäfsig geöffneter 
Mantel, der, von den Schultern herab in sym- 
metrisch geordneten Zickzackfalten bis zu 
den Füfsen und über die Unterarme gelegt, 
in mit Quasten versehenen Zipfeln über den 
Schofs fällt. Auf der Rückseite ist die Statue 
unbearbeitet gelassen, stand also gegen eine 
Wand oder in einer Nische. Die Brust 
schmückt ein breites dreifaches Halsband 
mit unten daran hängenden Bommeln. Kom- 
pliziert und soi^fältig ausgeführt ist die Haar- 
tracht, mit drei auf beiden Seiten herab- 
fallenden langen Locken und kurzen Stirn- 
löckchen, und der Kopfschmuck darüber: 
flachanliegendes Diadem mit Bommeln in 
Blattform und zu beiden Seiten herabhän- 
gender grofser Rosette mit radförmigem Zier- 
rath. Ähnlicher Kopfschmuck kommt auch 
bei einigen anderen Köpfen von Yecia vor 
(z, B. bei den von Engel S. 72 Fig. 4 und 
von Paris S. 1 2 Fig. 5 abgebildeten). Auch 
hierfür findet Heuzey Ähnlichkeiten in der 
Haartracht der kyprischen, rhodischen und 
troischcn Frauen"; ich vermag darin nur 
eine einheimische Tracht zu sehen. Das 
Gesicht mit übergrofsen, eigenthümlich ge- 
bildeten Augen, die ganz verschieden sind 
von den eiförmigen altgriechischer und ky- 
prischer Köpfe, zeigt eine gewisse typische 
Steifheit, die an sich kaum ein Beweis hohen 
Alters ist. 

Elche tragen fllr mein Geiiihl ein nationales 
Die 




Fig. 6. 

Sie sowohl wie die Büste 
Gepräge, das sie von den Werken anderer Länder merklich unterscheidet. 



") Er vergleicht t. B. eine Siclc aus Syr 
rot & Chipiei IV Fig. zSa 2S1} und 
Form des Brus Ischmucks kyprische 



;n {Per- 
/Ur die 
Figuren 



(Perrot 4 Chipiei III Fig. 586. 368 und 835. 
819), die aber doch, wenn ich nicht irre, rer- 
schieden sind. 



Hubner, Die Büste von Ilici. 129 



Statue von Yecla hat etwas Barbarisches an sich, das selbst rohen Werken alt- 
griechischer Kunst fehlt. Eher lassen sich mit ihr gewisse in Sardinien gefundene 
Figuren vergleichen *^ 

Die Hände, grofs, häfslich, ohne Naturwahrheit, mit grofsen plumpen Ringen, 
halten vor dem Leib einen Becher. Darin besonders erkennt Hr. Hcuzey die asi- 
atische Tradition: unzählige Statuetten assyrischer und chaldäischer Herkunft, auch 
einige gallische Votivfiguren hielten so den Becher mit dem Trankopfer in den 
Händen. Ich will gegen diese Vergleichungen an sich nichts einwenden; es ist 
sehr begreiflich, dafs sie sich dem feinsinnigen Kenner der altorientalischen Kunst 
gleichsam von selbst aufdrängten. Aber dafs nicht ähnlicher Opfergebrauch und 
ähnliche Darstellung dieses Opfergebrauchs ganz unabhängig an verschiedenen 
Orten vorgekommen sein könne, wird Niemand bestreiten. 

Mit diesem Hauptstück unter den Statuen von Yecla sowie mit einigen der 
kleineren unter ihnen zeigt nun die Büste von Elche die deutlichste Ähnlichkeit; 
nur dafs sie weit besser ist als jene. Die Art, wie die Falten des Mantels über die 
Schultern herabfallen, ist dieselbe. Der dreifache Halsschmuck ist bei mancher Ver- 
schiedenheit im Einzelnen doch im Ganzen ähnlich, ebenso die Art, wie die Bom- 
meln des Kopfschmucks zu beiden Seiten herabfallen. Auch der Ausdruck des 
Kopfes und die ganze Technik zeigen viele Verwandtschaft. Seine Schönheit und 
die Feinheit seiner Ausfuhrung wird mit Recht von Hrn. Paris und Allen, die ihn 
gesehen haben, gepriesen: Augen, Nase und Mund verrathen trotz einer gewissen 
UnvoUkommenheit der Zeichnung einen Künstler, der die Natur fein zu beobachten 
verstand*'. Hr. Paris sieht in ihr ein den alterthümlichen Frauengestalten von der 
Akropolis ähnliches und gleichwerthiges Werk. Selbst das typische Lächeln der 
archaischen Bildwerke findet er darin (S. 22), und gefallt sich sogar in der An- 
nahme, dafs ein Künster aus Ilici nach Athen gekommen sein könne und dort 
seine Inspiration von einem Meister des fünften Jahrhunderts empfangen habe 
(S. 30). Er fügt in einer brieflichen Äufserung an mich die Vermuthung hinzu, 
dafs etwa ein römischer Liebhaber die nicht in Ilici und nicht fiir Ilici ausgeführte 
Büste in seiner Villa aufgestellt haben könnte. 

Das Auffallendste an der Büste von Elche ist der Kopfschmuck. Von dem 
der Statue von Yecla ist er wesentlich verschieden; aber unter den Statuenfragmenten 
dieses Fundortes ist eines, auch von einer weiblichen Figur, das fast genau dieselbe 
Form des Kopfschmucks zeigt (bei Paris S. 13 Fig. 6). Für diesen höchst sonder- 
baren Kopfschmuck, dessen sorgfaltige, fast virtuos zu nennende Arbeit in dem 
allerdings leichter wie Marmor zu behandelnden weichen Kalkstein offenbar Metall- 
arbeit nachahmt, ich denke mir Silber oder Bronze, haben die Erklärer keine asi- 
atischen Analogien aufgefunden. Und wir bedürfen ihrer nicht. Denn durch einen 
glücklichen Zufall hat uns ein Augenzeuge aus dem ersten Jahrhundert vor Chr. 



^^) Perrot & Chipiez III S. 450 ff. ies moins prevenus, les plus beaux visages des sta- 

2*) S. 21 ,,. ce visagt lui'tneme, peut'On nier quil iues de l'AcropoU? 

fums rappelte t avec une evidente qui doit frapper 



IjO Hübner, Die Büste von IlicL 



unter anderem auch gerade diesen Kopfschmuck der iberischen Frauen beschrieben. 
Heuzey, Paris und Mclida haben zwar auf die Stelle des Strabo kurz hingewiesen, 
in der dieses Zeugnifs erhalten ist, aber sie haben es sich entgehen lassen, es in 
seiner vollen Bedeutung zu verwerthen. Artemidor von Ephesus, der bekannte Ge- 
lehrte und Staatsmann, hat etwa im Jahr loo v. Chr. die Küsten Iberiens bereist. 
Strabo hat sein Werk darüber gewifs nicht selbst gelesen; sondern er wufste von 
ihm nur aus dem grofsen Geschichtswerk des Posidonius, das für sein drittes, über 
Iberien handelndes Buch die Hauptquelle bildete. Posidonius hat bei seinem etwas 
späteren Aufenthalt in Iberien um das Jahr 90 v. Chr. den Artemidor vielleicht bei 
sich geführt; er citiert ihn öfter und widerlegt manche seiner falschen Behauptungen. 
Die Stelle, in der man das berühmte pijropeüsiv des Posidonius noch heraushört, ver- 
dient hier vollständig raitgetheilt zu werden. Sie steht bei Strabo III 4, 17 S. 164 
(=Fragm. 23 Stichle) und lautet so: ttjC 5i ßapßapixr^c fSsa? xal tov täv Yuvaixwv ivtaiv 
xoojxov Oei'ij Ttc Gtv, 8v sXprpuzv 'ApTS|itOü)poc* ottoü [isv ifap iztpiTpa'/rihoL aiSi^pa 90psrv aurac 
'fTjatv, sj^ovia xopaxac xa[j.7rTO}xevoüc uTrep xopo^Tj; xal TTpomiriovia? icpo to'3 jisioijrou ttoXü, 
xati TOüTtüv 6k Ttüv xopaxoiv ote ßoü^oviat xataaTcav xh xct^üpijxa, fiais l^ireiaOev axiocSiov 
T«f irpoacuTTO) i:apv/js,iv xal vojii'Csiv xdcrfjiov. ''Oiroü 5i xüjjLTraviov TuspixsTorOat, irpo; jxkv xcjJ 
{vt(p luept'feps^ xal a^iYifov tyjv xe^oXtiv P'SXP^ ^^^ irapaiTtScov, ef; o^o; oi xal tiXgctoc icuTtnacj- 
{Asvov xat' JXiYov. *AXXa; 8i ta 7rpoxo}xia «j^iXoüv iirl xoaoUTov, fiai' airoaiiAßstv toü [xsTcunou 
p.aXXov, xdc 8* Saov icoStaiov xo 5»}o; iiri&e^svac ofXüXtffxov irsptTrXexetv aüxq* xr^v j(atxr|V, elxa 
xaXüTüXpa (leXaiviQ 7r2piaxsXX£iv. 

Es sind vorher allerlei barbarische Sitten der iberischen Völker geschildert 
worden; dafür werden auch die nun folgenden Beispiele angeführt. 

Einige der iberischen Frauen trugen danach Halsbänder aus Eisen mit 
hohen Gestellen über dem Kopf, über die sie den Schleier zogen wie einen Sonnen- 
schirm, der das Gesicht beschattete. Vielleicht ist in den hohen und breiten Mützen 
einiger der Statuetten aus Yecla ein solches irspixpa^T^Xiov mit Reifengestell und 
Schleier dargestellt, doch wüfste ich keine ganz genau passende unter den mir be- 
kannten anzugeben, von denen einige hier nach Photographien des Hrn. Laurent 
abgebildet sind (Fig. 7). Andere Frauen aber, so fahrt Artemidor fort — und das 
ist der für die Büste von Elche offenbar in Betracht kommende Kopfschmuck — , 
legten ein kleines Tympanon um den Hals, das das Genick umschlofs und den 
Kopf bis zu den Ohren fest einspannte und das nach oben und seitwärts hinten- 
über gebogen war. Es kann, glaube ich, keine treffendere Beschreibung für den 
Kopfputz der Büste von Elche gedacht werden: dem Griechen lag nichts näher als 
die kreisrunden Scheiben mit ihrem wie von Schellen besetzten Rande Tympana 
zu nennen. Groskurd, der biedere Strabonübersetzer, bezeichnet daher den von 
Artemidor beschriebenen Kopfschmuck als »eine Paukenmütze«. Auch das Um- 
schliefsen des Genicks und die Ausbiegung seitwärts und nach hintenüber tritt an 
dem Kopfe deutlich hervor. Wir werden uns, wie schon bemerkt wurde, das Ganze 
als aus Metallblech geschlagen zu denken haben, aus Bronze oder aus Silber. Der 
von Artemidor an dritter Stelle beschriebene Kopfschmuck, mit dem hoch hinauf 



Hübner, Die BUste von llici. 131 

geschorenen Stirnhaar und dem etwa einen Fufs hohen Stäbchen, um das die 
Haare geflochten und der schwarze Schleier gelegt wurde, ist vielleicht auch unter 
einer der hohen Coißuren vertreten, die sich an den Statuetten von Yecia finden 
(vgl. die mittlere der Fig. 7 abgebildeten und die Figuren 2 — 5 bei Paris). Ja, die 




V'S- 7- 

berühmte um den hohen Kamm gelegte schwarze spanische Mantilla, die von den 
spanischen Frauen von der Königin bis herab zur Bettlerin noch heute, und zwar 
vorwiegend zum Kirchgang, mit so viel Grazie getragen wird, stellt sich so viel- 
leicht als ein letzter Rest uralter einheimischer Sitte dar. Ähnliche Trachten zeigen 
die kleinen Bronzefiguren, die Hr. Paris veröffentlicht hat [Anm, 25). 



1^2 Hubner, Die Büste von Ilici. 



Dafs der metallene Hals- und Kopfschmuck, den die Büste trägt — ich 
brauche ihn nicht so ausführlich zu beschreiben, wie es Hr. Paris gethan hat, da 
die Abbildungen ein ganz deutliches Bild davon geben — , Ähnlichkeit zeigt, in 
einigen Einzelheiten, mit asiatischen, kyprischen, griechischen und etruskischen Ar- 
beiten, wie Hr. Paris ausführt (S. 29f), will ich ebenfalls nicht leugnen. Leicht 
konnten fremde Schmucksachen durch phönikische und griechische Händler nach 
Iberien gelangen oder dort von einheimischen Arbeitern nachgemacht werden. 
Hr. Paris meint, dafs ähnliche Ketten mit amphorenähnlichen, perlenbesetzten Bom- 
meln noch jetzt von den Frauen in Algier getragen würden. Kenner des antiken 
Schmuckes überhaupt und besonders des altgriechischen werden vielleicht manche 
Analogien dafür nachweisen können; die breiten, mehr als halbrunden Scheiben 
der untersten Kette erinnern einigermafsen an römische bullae. Aber in der Haupt- 
sache haben wir es sicher auch bei dem Hals- wie bei dem Kopfschmuck mit einer 
einheimischen, acht nationalen Tracht zu thun. 

Auf seine Beurtheilung der Büste als Kunstwerk und auf den Einflufs und 
die Verbreitung griechischer und etruskischer Schmucksachen überhaupt gründet 
nun Hr. Paris seine Ansicht von der Zeit, in die man die Büste von Elche setzen 
müsse. Heuzey hat die Zeit der Statuen von Yecla, für die es an jeder objectiven 
Zeitbestimmung, etwa durch zugleich gefundene Münzen oder Inschriften fehlt, be- 
sonders die der grofsen von ihm publicierten Statue, im Ganzen, wie ich glaube, 
durchaus richtig angesetzt, obgleich ich seiner Annahme von einer griechisch-phöni- 
kischen Stilmischung darin nicht folge. Er setzt sie nach der karthagischen Er- 
oberung von Iberien und nach der Gründung von Neukarthago im J. 221 v. Chr., 
also etwa gegen das Ende des dritten Jahrhunderts v. Chr. Doch giebt er zu, dafs 
sie bis an die Zeit der römischen Eroberung herabreichen könnten, also bis an die 
Wende des dritten und den Anfang des zweiten. Melida folgt ihm darin; er setzt 
die Mehrzahl der Statuen von Yecla noch etwas weiter herab — sie mögen in der 
That in ihrer Rohheit und in der Überladung mit ganz modern aussehendem Schmuck 
über die augustische Zeit und theilweis bis in das zweite Jahrhundert n. Chr. herab- 
reichen — , wogegen er die Büste von Elche mit Heuzey an das Ende des dritten 
Jahrhunderts setzt. Hr. Paris ist anderer Meinung. Er giebt zunächst zwar zu, 
dafs sie ein Brustbild sei, nicht der obere Theil einer Statue. Aber die Ähnlich- 
keit mit den Statuen von der Akropolis und mit der von Yecla beherrscht ihn so, 
dafs er meint, auch die Büste von Elche sei wenigstens gedacht als Theil einer 
Statue, deren Gestus er nach der Analogie einiger der in Yecla gefundenen Frag- 
mente ergänzen zu können meint (S. 16 Fig. 7). Er glaubt nämlich, die Figur habe 
mit beiden Händen die Zipfel ihres Mantels gefafst und vor sich hoch gehalten: 
eine primitive Bewegung, die, ähnlich wie die der grofsen Figur von Yecla, für ihre 
Ausführung die denkbar geringste künstlerische Fähigkeit voraussetzt. Die Möglichkeit 
dieser Annahme wird man nicht bestreiten können; aber auch ohne sie zeigen die 
Büste von Elche und die Statue von Yecla einen ähnlichen Grad von Gebunden- 
heit der künstlerischen Kraft, die eine schwierigere Aufgabe, wie die der Darstellung 



Hubner, Die Büste von Ilici. ißß 



von freier Bewegung der Arme, im Bewufstsein ihres Unvermögens vermeidet. Hr. 
Paris hält die Statue von Yecla für bei weitem älter als die Büste von Elche, die 
er mit den jüngeren unter den Akropolisstatuen in nahe Verbindung bringt*'. 
Allein er setzt die Büste selbst defshalb nicht an das Ende des fünften Jahrhun- 
derts; er glaubt mit Recht, dafs die Wirkungen der archaischen Kunst erst weit 
später nach Spanien gelangt sein könnten und geht defshalb bis auf das vierte 
Jahrhundert herab, das für Spanien in seiner Kunstentwickelung etwa der ersten 
Hälfte des iiinften Jahrhunderts in Griechenland entspreche. Dahin wiesen auch 
die Formen des Hals- und Kopfschmucks. 

Nach dem, was, wie ich ausgeführt habe, über den Einflufs phönikischer 
und griechischer Kunst und Kultur auf Iberien sich ermitteln läfst, möchte ich vor 
der Hand, bis sich weitere und entscheidende Daten finden, direkte Nachahmung 
asiatischer oder phönikischer Vorbilder in den Statuen von Yecla wie in der Büste 
von Elche in Abrede stellen. Die Büste von Elche ist gewifs weit älter, wie die 
Gründung von Neukarthago. Sie kann nach der ganzen Art ihrer Technik noch 
dem Ende des 5. oder dem Anfang des 4. Jahrhunderts v. Chr. angehören. Wenn 
also in ihr, wie in der grofsen Statue von Yecla phönikischer Einflufs sichtbar wäre, 
so müfste er auf die Überlieferung der ältesten civilisatorischen Einwirkungen zu- 
rückgeführt werden, die von Gades aus zugleich mit der Verbreitung der phöni- 
kischen Schrift erfolgt sein könnten. Als die Barkiden Neukarthago gründeten, 
waren diese Einwirkungen längst vorüber; die in Neukarthago geschlagenen Silber- 
münzen zeigen die vollendete griechische Technik der Ptolemäerzeit. Griechischer 
Einflufs auf den Künstler, der die Büste von Elche gemacht hat, ist unzweifelhaft; 
er wird, wie der auf die Münztypen, von den nächsten Ländern und Städten grie- 
chischer Zunge ausgegangen sein, von Sicilien, Grofsgriechenland und Massalia. 
Grade weil die Büste von Elche der Statue von Yecla an Schönheit so weit über- 
legen ist, halte ich sie fiir älter, jene filr jünger, genau wie es bei den Münztypen 
der Fall ist. Wenn die Entstehung jener, wie Hr. Heuzey annimmt, der Gründung 
von Neukarthago nahe liegt, so werden wir die Büste, mit Hrn. Paris, spätestens 
in das vierte Jahrhundert v. Chr. setzen müssen. Aber die Grenze nach oben läfst 
sich nicht feststellen. Da Ilici schon, als Hecataeus den Westen Europas besuchte, 
eine nicht unbedeutende Stadt gewesen sein mufs, so kann sehr wohl schon im 
fünften Jahrhundert etwa ein griechischer Künstler aus Massalia oder aus Sicilien 
den Kopf dort gearbeitet haben, oder ein gelehriger Schüler eines solchen Griechen. 
Auch wenn man nach der, wie ich glaube, völlig zutreffenden Bemerkung des Hrn. 
Paris dem Archaismus künstlerischer Formengebung in dem fernen Iberien eine 
leicht um ein Jahrhundert längere Dauer zuschreibt, als in Italien und Griechen- 
land, ein gewisser Hauch naiver Naturbeobachtung in den Gesichtszügen zugleich 
mit der Naturtreue in der meisterhaften Wiedergabe des Schmuckes legt es den 



") S. 23 eile est um soeur plus jeune des statues de une soeur que les Grecs nauraient pas ose iraiter 

r AcropoU, ckrf'd'oeuvre de l'archaisme expirant, de barbare malgre son accoutrement etrange. 



13^ Pick, Thrakische Münzbilder. 



Kennern altgriechischer Kunst nahe, nicht über das fünfte Jahrhundert herab zu 
gehen. Wenn Hr. Heuzey meinte, die Büste von Elche würde, wenn sie in Phöni- 
kien gefunden wäre, für ein Werk phönikischer Kunst erklärt worden sein, wenn 
in Griechenland, für ein altgriechisches, so giebt er damit der Empfindung treffen- 
den Ausdruck, die das vortreffliche Kunstwerk erregt. Aber wir werden nicht 
zweifeln, es als in Iberien entstanden und ftir Iberien bestimmt anzusehen. Es ist 
das erste Werk iberischer Bildkunst, das auch diesem Volk und seiner Kultur mit 
einiger Deutlichkeit einen Platz anweist in dem grofsen Kreise der südeuropäischen 
Völker und ihrer Kunstthätigkeit. Man darf wohl sagen, dafs diese Frauenbüste 
der Geschichte der antiken Kunst ein neues Blatt hinzufügt. 

Nachschrift. Nach einer Mittheilung des Hrn. Ibarra vom ij. Juni d. J. 
ist in der Entfernung von etwa 5 Metern vom Fundort der Büste ein Fragment 
von der sitzenden Statue eines Kriegers gefunden worden, in etwa 74 ^^^ natür- 
lichen Gröfse. Es sei von demselben Kalkstein und von derselben feinen Ausfuh- 
rung wie die Büste der Frau; über den Schenkeln liegt ein Schwert von eigen- 
thümlicher Form. Die Rückseite zeige, dafs die Figur in .Hochrelief auf einer 
Fläche auflag. Hr. Ibarra verspricht weitere Mittheilungen. Schon die vorliegende 
verstärkt die Vermuthung, dafs wir es in der That mit einer altiberischen Nekro- 
pole von Ilici zu thun haben, in nicht unbeträchtlichem Mafse. 

E. Hübner. 



THRAKISCHE MÜNZBILDER. 

(Tafel 10.) 

Auf der beigegebenen Tafel habe ich einige Münzbilder zusammengestellt, 
die für einen archäologischen Leserkreis von Interesse sein könnten. Es handelt 
sich fast ausschliefslich um Münzen der Griechenstädte im thrakischen Gebiet, aus- 
gewählt aus dem Material für die akademische Publication der antiken Münzen 
Nord-Griechenlands \ Die Typenkreise dieser Städte sind aufserordentlich reich an 
Darstellungen, die archäologisch oder mythologisch wichtig sind; wenn auch natür- 

*) Wenn ich in der vorliegenden Arbeit zuweilen theilweisc zum Apparat des ersten Bandes; für 

Text oder Tafeln meines noch im Drucke be- die Übersendung von anderen bin ich meinen 

findlichen ersten Bandes dieses Werkes citire, Freunden und Collegen, in deren Besitz oder 

so möge dieses Vorgreifen entschuldigt werden; Verwaltung sich die Originale befinden, von 

hoffentlich werden die Citate nicht mehr zu lange neuem zu Dank verpflichtet, besonders wie immer 

unbenutzbar sein. — Die Abgüsse, die für die Herrn Dr. Imhoof-Blumer. 
beigegebene Tafel benutzt worden sind, gehören 



JAHRBUCH DES INSTITUTS 1898 




THRAKISCHE MONZBILDER 



Fiele, Thrakische Münzbilder. 13 e 



lieh die eonventionellen Typen, die besonders durch das römische Reichsgeld 
überall hin verbreitet wurden, auch hier, namentlich in den zahlreichen erst von den 
Kaisern gegründeten Städten, eine grofse Rolle spielen, so bleibt doch genug übrig, 
was Anspruch auf Beachtung hat, seien es Nachbildungen von Werken der grofsen 
Kunst, seien es Figuren aus dem besonderen Cultus der einzelnen Stadt oder der 
Landschaft, die zum Theil nur aus den Münzen allein bekannt sind. Aber die 
Typen sind griechisch und nur zum kleinen Theil von thrakischen Vorstellungen 
beeinflufst, und sie sind in der Überschrift nur kurz als thrakische Münzbilder be- 
zeichnet, weil die Münzen auf thrakischem Boden geprägt sind, mit Ausnahme 
einer alexandrinischen, die zur Vergleichung mit abgebildet ist. 

I. Orpheus. 

Während man Darstellungen des Orpheus auf alexandrinischen Münzen seit 
langer Zeit kennt, sind bisher aus Thrake keine solchen nachgewiesen worden. 
Aber es wäre auffallend, wenn die Münzstätten dieses Gebiets sich einen so 
passenden Stoff hätten entgehen lassen; und in der That fehlt es hier nicht an 
Darstellungen des Orpheus, die nur bisher theils unbekannt, theils unerkannt ge- 
blieben waren. 

Als der thrakische Sänger erscheint Orpheus zunächst auf Kaisermünzen 
von Philippopolis aus dem Anfang des III. Jahrhunderts: 

Vs. AVT K TT C Brustbild des Geta mit Lorbeerkranz, Panzer und Mantel r. 

Rs. ApiTQN ^^ ^^^^ Reihen im Abschnitt. Orpheus in langem Gewand 

und mit phrygischer Mütze auf einem Felsen rechtshin sitzend und die Ki- 
thara spielend, die er mit der Linken auf das 1. Knie stützt, umgeben von 
lauschenden Thieren: hinter ihm (von oben nach unten) Eber, Kranich (?), 
Bär, Fuchs und Rabe (?), alle rechtshin; vor ihm drei undeutliche Thiere 
linkshin. 

Bronze, 28 mm. — Mus. Philippopel. — Abbildung der Rückseite: Nr. 1. 

Zur Vergleichung mit dieser einzigen thrakischen Münze, die den Sänger von 
Thieren umgeben zeigt, sei hier eine der alexandrinischen beschrieben und ab- 
gebildet: 

Vs. AYTOKP KAIC AAP ANTWNINOC C € Kopf des Antoninus Pius r. 
Rs. L 6 (Jahr 5) im Felde. Orpheus in langem Gewand r. sitzend und die Ki- 
thara spielend, umgeben von lauschenden Thieren: oben Ichneumon r.; vor 
ihm (von oben nach unten) Ibis, Affe, Widder und Ziege, alle 1.; hinter ihm 
ein kleiner Vogel und eine Gazelle r., Pferd und Rind 1., Schwein und 
Löwe r. 

Bronze, 33 mm. — Berlin (Friedländer und v. Sallet, das Kgl. Münzkabinet 
Nr. 869; das Schwein übersehen). — Abbildung d. Rs.: Nr. 2- 
Ähnliche alexandrinische Münzen befinden sich in Athen (von Pius, Jahr 7), in Paris 

Jahrbuch des archäologischen Instituts XIII. lO 



136 



Pick, Thrakische MUnzbilder. 



(von M. Aurelius, Jahr 4) und in London (von L. Verus, Jahreszahl verwischt)'. 
Auf diesen ist die Zahl der Thiere noch vermehrt; namentlich ist überall oberhalb 
des Widders ein Schakal eingeschaltet, über diesem ein kleiner Vogel und auf den 
Münzen des Marcus und des Verus noch ein zweiter Vogel. Aber im Ganzen ist 
die Gruppirung der Thiere streng festgehalten; und man darf annehmen, dafs die 
Typen auf ein gemeinsames Vorbild zurückgehen, das auf den etwas gröberen 
Münzen des Pius noch genauer nachgeahmt zu sein scheint als auf der feiner ge- 
arbeiteten des Marcus*. Als dieses Vorbild haben wir uns wohl ein Gemälde zu 
denken; namentlich der Zug, dafs das stehende Rofs und das liegende Rind von 
dem Sänger abgewendet sind, scheint mir dafür zu sprechen; und die schwache 
Andeutung des Terrains unter einigen der Thiere (Pferd, Rabe, Affe) ist kein Hin- 
dernis für diese Annahme. 

Sehr wesentlich unterscheidet sich von dem alexandrinischen Typus der 
von Philippopolis, sowohl in der Kleidung des Orpheus wie in der Auswahl und 
Gruppirung der Thiere. Während auf den alexandrinischen Münzen aufser den ge- 
wöhnlichen Hausthieren auch mehrere spezifisch ägyptische Thiere erscheinen, Ich- 
neumon und Ibis, Affe, Gazelle und Schakal, fehlen diese alle auf der thrakischen 
Münze und sind, soweit wir es zu erkennen vermögen, durch dort einheimische 
Thiere ersetzt, von denen namentlich Eber und Bär für dieses Land characteristisch 
sind*. Auch hier scheint aber der Typus nicht vom Stempelschneider frei erfunden 
zu sein; die Art, wie für jedes der oberen Thiere — auch auf der rechten Seite 
der Münze erkennbar — das Terrain wie durch eine besondere Basis grob und 
allzu deutlich angegeben ist, spricht für Benutzung eines Vorbildes*, das aber hier 
wohl kein Gemälde war, weil sonst die Zeichnung nicht gar so ungeschickt aus- 
gefallen wäre, sondern eher eine frei stehende Gruppe, deren Anordnung für das 
Münzbild dem Stempelschneider selbst überlassen war. Dafs die berühmte Scene, 
wie die Thiere dem Orpheus lauschen, auch plastisch dargestellt worden ist, ist ja 
bekannt; und für die reiche Stadt Philippopolis ist der Besitz eines solchen Werkes 
um so weniger ausgeschlossen, als der thrakische Sänger besondere Beziehungen zu 
ihr gehabt zu haben scheint ^ — Ein solches in der Stadt vorhandenes Denkmal 



2) Die Münze des Pius in Athen ist publicirt bei 
Feuardent Coli. Dimitrio 1652, pl. XXII (von 
einem zweiten, theilweise besseren Exemplar 
sandte mir Svoronos freundlichst einen Abgufs); 
die Pariser Münze des M. Aurelius bei Mionnet 
6, 298, 2045, Abb. im Suppl. 9, besser bei Im- 
hoof und Keller, Thier- und Pflanzenbilder, Tafel 
I, I ; die Londoner Münze des L. Verus im Brit, 
Mus. Cat. AUxandria 1373 pl. XI. 

') Die Münze des Verus ist zu schlecht erhalten, 
um in dieser Hinsicht ein Urtheil zu gestatten. 

^) Der Eber findet sich besonders auf Münzen, die 
den reitenden Kaiser auf der Jagd darstellen; 
der Bär erscheint als selbständiger Typus in By- 



zanz und Anchialos und, was ja besonders bc- 
zeichnend ist, bei dem persoiiificirten Haimos 
in Nikopolis (die antiken Münzen Nord -Grie- 
chenlands Bd. I, Taf. III, 22 u. 25; vgl. meine 
Einleitung S. 342). 

*) Auch auf dem Mosaik von Grandson (bei Miliin 
Gah myth, CVII, 423) stehen die acht Thiere, die 
das Mittelfeld umgeben, auf Terrain-Basen, die 
für das Mosaik unnöthig und also wohl von einem 
Vorbild mit übernommen sind.. 

^ In Lukians Spair^iai (c 29) kommt die Pl.iilosophic 
auf der Suche nach den falschen Philosophen 
mit Herakles und Hermes nach Philippop»olis, und 
sie begegnen hier dem Orpheus mit^einer Ki- 



Pick, ThFakische Münzbilder. 



137 



könnte auch fiir die Erscheinung des Orpheus selbst bestimmend gewesen sein. 
Die Kleidung, in der er auf den alexandrinischen Münzen erscheint, wäre für jeden 
beliebigen Sänger, und auch für den Kitharöden ApoUon, passend; er trägt ge- 
wöhnliche griechische Tracht, und der Kopf ist unbedeckt oder vielleicht bekränzt. 
Dagegen auf der Münze von Philippopolis trägt er die »phrygische« Mütze, die in 
der späteren Kunst ja aufser anderen Barbaren auch die Thraker charakterisirt'; 
und auch die Behandlung des Gewandes über dem Oberkörper, wie sie auf der 
folgenden Münze deutlicher erscheint, mag eine Besonderheit dieser Gegend sein. 
Zwei andere Münzen von Philippopolis aus derselben Zeit zeigen den Or- 
pheus ohne die Thiere: 

a) Vs. AVT K M AVP | ANTflNEINOC Brustbild des Caracalla mit Lorbeer- 

kranz, Panzer und Mantel rechtshin. 
Rs. <t>IAIT7T70 I T70[AEI] und im Abschnitt TflN Orpheus in langem Gewand 
mit phrygischer Mütze auf einem Felsen r. sitzend und 1. zurückblickend, in 
der ausgestreckten Rechten das Plektron, mit der Linken die Kithara auf 
das 1. Knie stützend, den 1. Fufs auf einer Erhöhung (Stein?). 
Bronze, 30mm. — Mus. Hunter in Glasgow. — Abbildung der Rs.: Nr. 3. 

b) Vs. AVT K M AVPH | ANTnuiNOC Brustbild des Caracalla mit Lorbeerkranz 

und Panzer linkshin, über der 1. Schulter den Schild mit Gorgoneion, in der 
(nicht sichtbaren) rechten Hand den Speer. 
Rs. MHTPO <t>l|Ainnono u. i. A. AEäC ebenso. 

Bronze, 29mm. — Paris (Vaillant Nunt. gr. 113; Mionnet Suppl, 2, 470, 
1585). — Abbildung der Rs.: Nr. 4. 
In den älteren Beschreibungen der Pariser Münze wird die sitzende Figur als 
nackter Apollon bezeichnet, was bei der mangelhaften Erhaltung verzeihlich ist; 
genauere Betrachtung zeigt aber, dafs die Figur bekleidet ist und die phrygische 
Mütze trägt. Die Vergleichung dieser beiden Münzen mit Abbildung i lehrt, dafs 
auch hier Orpheus gemeint ist; die einzige Abweichung ist die, dafs er hier nicht 
spielend dargestellt ist. 

Eine andere thrakische Stadt, welche auf Münzen aus etwas früherer Zeit 
den Orpheus dargestellt zu haben scheint, ist Traianopolis; leider ist von dieser 
Prägung nur ein mangelhaft erhaltenes Stück bekannt: 
Vs. lOVAlA I AOMNA CEBAC Brustbild der Domna r. 
Rs. Hr-CT-BAPBAPOV.TPAIANOnOAlTnN^ Orpheus mit phrygischer Mütze 



thara, der ihnen Bescheid sagt; die Beschreibung 
der Stadt ist so anschaulich, dafs sie auf eigener 
Kenntnifs des Verfassers zu beruhen scheint. — 
Lukian scheint sich auch sonst für Orpheus und 
seine Darstellungen interessirt zu haben, wie die 
Angaben irepl doxpoXoYixfjc 10 zeigen: ^^v hi xoxe 
'Op^ia tSrj; ij X(Ooiaiv ^ XP^'^ jJLefJLifiy^fA^vov, 
iv |i£Otp SCetai ixeXoc aefoovTi, pera )^Epaiv l/wv 
TT)v X'jprjv, dficpl hi (XIV C^v« (topfet SaiTjxev, h 



ofc xQcl d[vOp(uiroc xal Taüpo« xal X^wv xal xcLv 
ofXXiuv ixaaTOv. 

^) Über die Tracht des Orpheus vgl. Furtwängler im 
50. Berliner Winckelmanns- Programm S. 154 fg. 

^ Die Angabe des römischen Statthalters (Vj^cfio- 
veuovTOC SxaxiXfou Bopßa'pou) lehrt, dafs die Münze 
in der ersten Zeit des Severus geprägt, also et- 
was älter ist als die von Philippopolis, vgl. Pick, 
Num. Zschr. 23, 42. 

IG* 



138 Pick, Thrakische Münzbilder. 

auf Felsen (?) 1. sitzend, mit der Rechten die Kithara auf das r. Knie stützend, 

den 1. Arm auf dem Rücken (?); im Felde links oben vielleicht ein kleiner 

Vogel. 
Bronze, 23 mm. — Wien [Cimel, Vindob. i, 117, XX, 13; Eckhel CaL 79, 4 

[daraus Mionnet Suppl. 2, 510, i8oi]), — Abbildung der Rs.: Nr. 5. 
Die schlechte Erhaltung der Münze gestattet keine genaue Bestimmung aller Einzel- 
heiten des Typus. Es ist möglich, dafs der dargestellte Mann nackt ist, wie die 
älteren Beschreibungen angeben; aber sicher ist das nicht, und jedenfalls wird durch 
die deutliche phrygische Mütze die frühere Benennung A pol Ion ausgeschlossen. 
Wir dürfen den Typus wohl als Orpheus bezeichnen, auch wenn die Figur wirklich 
nackt sein sollte. — Unsicher bleibt, ob der Sitz ein Felsen ist; dagegen glaube ich 
den kleinen Vogel oben ziemlich deutlich zu sehen, und es könnten auch noch 
einige andere Thiere im Felde angegeben sein. Vielleicht kommt ein besseres 
Exemplar der Münze zum Vorschein, das uns Sicherheit verschafft. 

II. Orpheus, Eurydike, Hermes. 

Zwei unter dem Kaiser Gordianus Pius (238 — 244) geprägte Münzen der 
Stadt Hadrianopolis, auf denen eine weibliche Figur zwischen zwei männlichen 
dargestellt ist, können vielleicht bei künftigen Erörterungen über die Orpheus- 
Reliefs gute Dienste leisten'. Die eine ist seit langer Zeit bekannt, aber bisher 
nicht richtig gedeutet und von archäologischer Seite noch nicht beachtet; die 
andere wird hier zum ersten Male veröffentlicht. 

a) Vs. AVT K M ANT | TOPAIANOC AVT Brustbild des Gordianus Pius mit 

Strahlenkrone, Panzer und Mantel r. 
Rs. AA|PIA|N0T70AEITflN Nackter unbärtiger Mann, mit einem undeutlichen 
Gegenstand in der vorgestreckten Rechten und vielleicht der Chlamys über 
dem 1. Arm, linkshin stehend und den Kopf zu einer langbekleideten, ver- 
schleierten Frau zurück wendend, die mit der Rechten seinen 1. Arm ergreift; 
hinter ihr ein zweiter unbärtiger Mann, ebenfalls nackt, nur mit der Chlamys 
am 1. Arm und mit Petasos (?), seine Rechte auf das 1. Handgelenk der Frau 
legend; am Boden links ein Flufsgott r. gelagert und 1. blickend, den r. 
Arm aufgestützt, in der L. einen Stab (?), rechts ein zweiter Flufsgott 1. 
gelagert, mit einer Fackel in der R., und im Abschnitt ein dritter Flufsgott 
r. gelagert und nach oben blickend. 

Bronze, 28 mm. — Gotha (Sestini Letter e 9, 12, I, 12 [daraus Mionnet SuppL 
2, 332, 798]). — Abbildung der Rs.: Nr. 6. 

b) Vs. ebenso. 



^ Die neueste Zusammenstellung und Behandlung moires de t Institut Tome 34, 1895, 2, 309 fg.) 

ist wohl die von Leo Bloch, Griech. Wand- sucht die Reliefs auf Achilleus zu bezichen,* aber 

schmuck S. 4fg. (vgl. S.61 Anm. 3). Die etwa diese neue Deutung dürfte wohl keinen Anklang 

gleichzeitig erschienene Arbeit von Felix Ravais- finden, auch abgesehen von den MUnzen von 

son, Momtments grccs relatifs a Achille (^Md- Hadrianopolis, die jedenfalls dagegen sprechen. 



Pick, Thrakische Münzbilder. j^q 



Rs. A|APl|ANOTT|OAEITflN Verschleierte Frau zwischen zwei nackten Män- 
nern wie vorher; am Boden links ein Flufsgott wie oben und im Ab- 
schnitt zwei Flufsgötter sich gegenüberliegend, der rechte mit einem 
Schilfzweig in der Rechten. 

Bronze, 32 mm. — Wien. — Abbildung der Rs.: Nr. 7. 
Sestini, der die Gothaer Münze zuerst veröffentlicht hat, wollte in dem Typus He- 
lena (vielleicht mit den Zügen der Kaiserin Tranquillina) zwischen den Dioskuren 
erkennen, oder allenfalls Helena, von Theseus und Peirithoos geraubt Die 
letztere Deutung braucht nicht widerlegt zu werden. Aber auch die erste ist kaum 
annehmbar, weil die beiden männlichen Figuren doch zu sehr von einander ver- 
schieden sind, um als das Dioskurenpaar angesehen zu werden; wo diese Gruppe 
sonst auf Münzen erscheint, sind die Brüder deutlich charakterisirt. Zudem wäre 
die Wahl dieses Typus für eine thrakische Stadt, wenn auch nicht grade unmöglich, 
so doch sehr auffallend, da zwar die Dioskuren an vielen Orten dieses Gebiets — 
allerdings fast ausschliefslich in Seestädten — verehrt wurden, Helena aber nicht 
wohl dahin gehört. Um so passender ist für die thrakische Stadt eine Scene aus 
dem Leben des Orpheus; und da als die Hauptfigur des Bildes eine verschleierte 
Frau erscheint, so wird sich die Deutung der drei Figuren als Orpheus, Eurydike 
und Hermes mehr empfehlen als jede andere. Dafs für die Frau die Benennung 
Eurydike passend ist, leuchtet ohne weiteres ein; aber auch der hinter ihr stehende 
Mann mit der Chlamys über dem linken Arm entspricht so sehr dem gewöhnlichen 
Hermestypus der thrakischen Kaisermünzen, dafs an der Benennnng kaum zu zweifeln 
wäre, selbst wenn er nicht den Petasos auf dem Kopf hätte ^^ Befremdend ist es 
dagegen allerdings, dafs Orpheus nackt dargestellt ist, bis auf die Chlamys am linken 
Arm, die nicht einmal ganz sicher ist; aber es erklärt sich hier wohl daraus, dafs seine 
Erscheinung der des Hermes entsprechen mufste, ein bekleideter Hermes aber in 
dieser Zeit und in dieser Gegend unerhört gewesen wäre; das Attribut in seiner 
rechten Hand ist leider nicht zu erkennen^*. — Beachtenswerth ist die Hinzufügung 
der drei Flufsgötter. Ein einzelner Flufsgott erscheint auf den Münzen von 
Hadrianopolis sehr häufig; einmal ist auch der Name TONZOC beigeschrieben, aber 
in den meisten Fällen wird wohl der Hauptstrom Hebros gemeint sein. Da die 
Stadt am Zusammenflufs dieser beiden Flüsse lag, wäre auch die Darstellung von 
zwei Flufsgöttern nebeneinander, wie sie auf kleinasiatischen Münzen zuweilen vor- 
kommt, nicht auffallend. Ob es aber möglich ist, in dem dritten den Arzos zu er- 
kennen, wie Sestini vorschlug, ist sehr zweifelhaft; die Einmündung der Arda in 

*°) Auf dem Gothaer Exemplar sieht es allerdings Gotliaer Münze sprechen für Annahme eines 

so aus, als ob der Hinterkopf unbedeckt wäre, der Petasos. 

Mann also nur einen Kranz trüge; aber das **) Es ist nicht eine Schale, wie man nach dem 
beruht wohl auf der gleichen Ungeschicklichkeit, Gothaer Exemplar meinen könnte ; seine Hand 
die sich bei der Anbringung der Chlamys am stöfst da nur an das zweite A, das auf Doppel- 
linken Arm zeigt. Auf dem Wiener Exemplar schlag beruht. Nach dem Wiener Exemplar 
scheint mir der Hut deutlich, und auch die scheint das Attribut ein kurzer Stab (Plektron?) 
breiten Ränder des scheinbaren Kranzes auf der zu sein; doch ist es zu undeutlich. 



I^O Pick, Thrakisclie MUnzbildcr. 



die Maritza ist doch zu weit von der Stadt entfernt, als dafs auch dieser Flufsgott 
auf die Münzen von Hadrianopolis gehörte. Ausgeschlossen ist diese Deutung 
natürlich darum nicht. Aber vielleicht ist überhaupt keiner der drei irdischen Flüsse 
gemeint, sondern die drei Flüsse der Unterwelt". Für diese Annahme spricht 
aufser der Dreizahl auch das Attribut des einen; auf der Gothaer Münze hat nämlich 
die am Boden rechts, hinter Hermes, liegende Figur eine brennende Fackel in der 
Rechten. Dieses Attribut scheint sich sonst bei keinem der zahllosen Flufsgötter 
auf Münzen zu finden; aber für den personificirten Pyriphlegethon wäre es das 
passendste Abzeichen; in den beiden anderen Flufsgöttern hätten wir dann Acheron 
und Kokytos zu erkennen. Jedenfalls würde die Anwesenheit dieser drei Flüsse der 
Unterwelt zu einer Darstellung des Eurydike-Mythus recht gut passen. Indessen 
auch wenn die Flüsse von Hadrianopolis gemeint sein sollten, würde die Deutung des 
Haupttypus dadurch nicht beeinflufst. 

Wenn die neue Benennung der drei Figuren richtig ist, so kann über den 
dargestellten Moment kein Zweifel sein. Alle drei sind, auf dem Wege zur Ober- 
welt, hintereinander linkshin geschritten und soeben erst stehen geblieben, wie die 
Haltung zeigt; Orpheus hat sich nach Eurydike umgeschaut, aber schon berührt 
Hermes sie am Handgelenk, um sie wieder zurückzuführen, während sie den Arm 
des Gatten ergreift, wie um ihn festzuhalten. Also eine einfache Illustration des 
Mythus in seiner geläufigsten Form. Von dem feineren Ausdruck der Stimmung, 
wie sie in den Reliefs zu Tage tritt, ist bei diesen Münzbildern natürlich nicht die 
Rede. Doch ist die Darstellung immer noch zu gut, als dafs sie von den beiden 
recht ungeschickten Stempelschneidern erfunden sein könnte; nur die Hinzufügung 
der drei Flufsgötter mag von ihnen herrühren, für die Hauptgruppe mufs ihnen ein 
gröfseres Kunstwerk als Vorbild gedient haben. Von den alten Reliefs unterscheidet 
sich der Münztypus durch die Nacktheit der beiden Männer und durch die um- 
gekehrte Richtung; und wenigstens letzteres mufs schon im Vorbild so gegeben 
gewesen sein. Aber ob in diesem Werke, als das wir uns wohl auch ein Relief 
zu denken haben, nur eine äufserliche Umbildung des alten Typus vorlag, oder ob 
es von Hause aus ein Pendant zu der Darstellung des Neapler und der anderen 
Reliefs war, die letzteren also einen anderen Moment des Mythus darstellten, das 
wage ich nicht zu beurtheilen. 

III. Herakles, 
ein Cyclus der zwölf Thaten. 

Bei den besonderen Beziehungen des Herakles zum thrakischen Lande ist 
es kein Wunder, dafs die Städte dieses Gebiets ihn ganz besonders häufig auf ihren 
Münzen dargestellt haben. Namentlich gilt das für diejenigen Städte, die ihn als 



*-') Ob auf anderen Denkmälern die drei Flüsse der »wie auf einer Landkarte« (vgl. Baumeister Denk- 

Unterwelt personificirt vorkommen, ist mir nicht mäler S. 1926) dargestellt; doch ist das wohl 

bekannt. — Auf der Unterweltsvase von Altamura unsicher und kommt hier auch nicht in Betracht, 

ist vielleicht ihre V^ereinigung als Wasserläufe — Wenn auf der Vase Santangelo 709 die Quell- 



Pick, Thrakische MUnzbilder. jaj 



ihren Gründer verehrten. Aufser dem alten Perinth, von dem ein Theil Herakleia 
hiefs, und Kaliatis, der Tochterstadt des pontischen Herakleia, that das auch eine 
der Städte jüngeren Ursprungs, die ihr Stadtrecht erst den Kaisern verdankten, 
Hadrianopolis. Neben den Kaisermünzen, deren Prägung unter Antoninus Pius 
begann, sind hier wie in vielen anderen Städten auch solche ohne Kaiserköpfe ge- 
prägt worden, die fälschlich »autonome« genannt werden, die aber thatsächlich jenen 
anderen gleichzeitig sind, wenn auch Götterköpfe statt der Kaiserköpfe auf ihnen 
erscheinen. In Hadrianopolis ist es dann fast immer der Kopf des Herakles, der 
die Vorderseite einnimmt, oft mit der Umschrift TON KTICTHN; auf der Rück- 
seite dieser Münzen erscheint entweder Herakles in ganzer Figur, ruhig stehend, 
oder sein Kampf mit der Hydra, oder seine Waffen oder endlich zwei Eroten mit 
seiner Keule. Nicht so ausschliefslich, aber doch auch sehr oft finden wir ihn auf 
den Rückseiten von Kaisermünzen. Unter diesen Typen spielen die Darstellungen 
einzelner Thaten eine grofse Rolle: Löwe, Hydra, Eber, Hirsch, Stier und Rosse 
sind so nachweisbar und gröfstentheils auch schon aus der älteren Litteratur bekannt. 
Ganz neu ist dagegen das folgende Stück, welches der russische Generalconsul in 
Adrianopel, Exe. von Lischin, vor einiger Zeit für seine grofse und an unedirten 
Stücken aufserordentlich reiche Specialsammlung thrakischer Münzen erworben und 
mir mit gewohnter Freundlichkeit mitgetheilt hat. 
Vs. [AVT K] M ANT TOPAIANOC [AVT] Brustbild des Gordianus Pius mit 

Lorbeerkranz, Panzer und Mantel rechtshin. 
Rs. AAPIANOTTjOAEITßN Nackter bärtiger Herakles nach vorn stehend 'und 
1. blickend, die Rechte auf dem Rücken, links auf die mit dem Löwenfell 
überhängte Keule gelehnt, die unter die linke Achsel gestemmt und auf einen 
Stein gestützt ist, während die herabhängende linke Hand den Bogen hält; 
an seiner rechten Seite die Hirschkuh 1. stehend (und zu ihm aufblickend?), 
unter ihr der kleine Telephos. Um dieses Mittelfeld ein Ring, der durch 
Querlinien in zwölf Felder zerlegt ist; in jedem Felde eine der zwölf Thaten 
des Herakles. 

Bronze, 39 mm. — Sammlung Lischin. — Abbildung der Rs.: Nr. 8. 
Die Prägung von Hadrianopolis war unter Gordianus besonders reich; mindestens 
ein Drittel aller bekannten Münzen stammen aus seiner Regierungszeit. Viele davon 
sind durch interessante Typen ausgezeichnet, aber die Geschicklichkeit der städti- 
schen Stempelschneider mufs sehr verschieden gewesen sein; neben sehr sorgfaltigen 
Arbeiten stehen recht schlechte. Das vorliegende Medaillon, das erste von Hadria- 
nopolis, das überhaupt bekannt wird ", gehört zu den besseren Arbeiten, und durch 

nymphe der Styx dargestellt ist, wie A. VVinkler ^') Von einem zweiten erhielt ich kürzlich einen Ab- 

(die Darstellungen der Unterwelt auf unter- druck aus Sophia; die Vorderseite ist aus dem- 

italischen Vasen, Breslauer philologische Ab- selben Stempel wie die des Herakles-Medaillons 

handlungen III, 5 S. 34) nach dem Vorgang von (danach die Schrift oben ergänzt), auf der 

Panofka meint, so könnte das eher als Analogie Rückseite ist der Kaiser zu Pferde und am 

dienen. Boden ein Barbar dargestellt. 



IA2 Pick, Thrakische MUnzbildcr. 



die Wahl des Typus steht es in der gesammten antiken Münzprägung einzig da. 
Darstellungen des Herakles in einem seiner Kämpfe sind an vielen Orten häufig; 
in manchen Städten, wie namentlich in Alexandreia, Perinth und Herakleia kommen 
fast alle Thaten einzeln vor, ebenso auf den Münzen des bosporanischen Königs 
Sauromates III. und des Kaisers Postumus^*. Aber der ganze Cyclus der zwölf 
Thaten ist hier zum ersten Male dargestellt, und der Stempelschneider hat die Auf- 
gabe so gut gelöst, wie es auf dem beschränkten Räume möglich war. Die ring- 
förmige Anordnung war für ein Münzbild von selbst gegeben; aber vermuthlich 
diente noch eigens ein kurz vorher, unter Severus Alexander, geprägtes Medaillon 
von Perinth als Vorbild, auf dessen Rückseite der thronende Zeus zwischen Helios 
und Selene, Okeanos und Gaia erscheint, das Ganze vom Zodiakos umgeben, 
dessen Bilder nach alter Weise einen Ring bilden; zur Vergleichung ist auf der 
Tafel als Nr. 9 das schöne Exemplar des British Museum abgebildet**. Es mag 
auch etwas wie Rivalität gegen die ältere Herakles-Stadt Perinth bei der Wahl 
dieses neuen Typus mitgewirkt haben; hatte Perinth in einer Reihe schöner Me- 
daillons seit Severus die einzelnen Thaten des Herakles dargestellt, so läfst 
Hadrianopolis nun den Heros, umgeben von kleineren Bildern aller zwölf Thaten 
zusammen, auf einem Medaillon erscheinen. — Der Ring zwischen den beiden con- 
centrischen Kreisen, die das Mittelfeld umgeben, ist durch Querlinien in zwölf Felder 
zerlegt; zwischen dem ersten und dem letzten Felde sind zwei Linien statt einer 
angebracht. Die Reihe beginnt oben, über dem Kopf des Herakles, und geht im 
Kreise von links nach rechts hinunter bis zur sechsten That, dann in umgekehrter 
Stellung weiter von der siebenten nach oben bis zur zwölften That; dadurch ist 
vermieden, dafs ein Theil der Bilder auf dem Kopf steht, wie dies auch beim 
Zodiakos wenigstens für die menschlichen Figuren durchgeführt ist. Von den zwölf 
kleinen Bildern sind die beiden obersten, also das erste und das letzte, nicht er- 
kennbar, die beiden anstofsenden (2 und 11) unvollständig erhalten, aber das zweite 
ganz sicher zu erkennen; die übrigen acht sind vollständig und bis auf eins trotz 
der Kleinheit sicher zu deuten. Die Anordnung der Thaten ist die folgende: 

12 [Kerberos?] i [Löwe?] 



II Hesperiden? 2 Hydra 

10 Geryones 3 Eber 

9 Rofs 4 Hirsch 

8 Stier 5 Vögel 

7 Augeias 6 Amazone? 



") über die Münzen des Postumus vgl. I. de Witte, Decennalien in Verbindung bringt. Für Perinth 
/^ue numismatique 9 (1844) 330 — 969, ferner ' und Herakleia giebt es noch keine Zusammen- 
seine Rechercfus sur Us empereurs qui ont regne Stellungen. — Der König Sauromates hat die 
(ians les Gattles, Postumus n. 67— m. Über die Typen wohl zu Ehren des Kaisers Commodus 
alexandrinischen Münzen s. Schwabe, Die kai- gewählt. 

serlichen Decennalien (Tübingen 1896) S. 39 fe-» ") British Museum Cat. Tkrace p. 157, 58 mit Abb. 

der das Auftreten der Heraklesthaten mit den Andere Exemplare: Berlin, Imhoof, Löbbecke, 



Pick, Thrakische MUnzbilder. 



143 



Die Reihenfolge der acht sicher erkennbaren Thaten (2 — 5 und 7 — 10) entspricht 
also der gewöhnlichen Anordnung, wie sie auch zahlreiche römische Sarkophage 
zeigen". Demgemäfs würde man im sechsten Felde die Amazone dargestellt zu 
sehen erwarten; aber trotz der guten Erhaltung der Münze grade an dieser Stelle 
ist darüber nichts sicheres zu sagen. Der mit der Keule im linken Arm linkshin 
vortretende Herakles ergreift mit der Rechten irgend etwas am Kopfe, das allerdings 
eher einem Thiere als einem menschlichen Wesen gleicht; da aber an Kerberos an 
diesem Platze nicht zu denken ist und die Stellung des Herakles für kein anderes 
der zwölf Abenteuer passend ist, so mag die Annahme einer knieenden Amazone 
zu seinen Füfsen nicht ganz ausgeschlossen sein. — Im elften Felde erkennt man 
den Heros mit der Keule im 1. Arm rechtshin schreitend und zurückblickend, wäh- 
rend der Rest der Darstellung undeutlich ist; da die Kerberos-That auf gleichzeitigen 
Münzen von Hadrianopolis, wo sie als selbständiger Typus erscheint, anders dar- 
gestellt ist, so haben wir uns hier hinter Herakles wohl den Hesperidenbaum zu 
denken; die erkennbaren Reste stehen dieser Annahme nicht entgegen. Im zwölften 
Felde war dann wohl die Bezwingung des Kerberos, im ersten wie gewöhnlich 
der Kampf mit dem Löwen dargestellt; beide Thaten finden sich als Einzelbilder 
auf Münzen der Stadt. 

. Zu den Darstellungen der übrigen Thaten ist folgendes zu bemerken: 
Die Hydra ist auf anderen Münzen der Stadt, auf denen diese That allein 
erscheint, als Schlange mit einem Leib und vielen Köpfen dargestellt; der Leib 
umwindet das vorgestellte linke Bein des Herakles, der mit der L. einen der Köpfe 
festhält und mit der Keule in der erhobenen R. zum Schlage ausholt. Hier ist nur 
der untere Theil der Darstellung deutlich, aber man sieht, dafs sie genau mit der 
anderen übereinstimmt; ganz ebenso erscheint der Kampf auf Kaisermünzen von 
Nikopolis am Istros, Herakleia und Prusias am Hypios, aber auch schon in viel 
älterer Zeit auf Münzen der kretischen Stadt Phaistos, während in Perinth und 
Alexandreia die Hydra als Gigantin gebildet ist. — Die Eber-Scene erscheint in 
der gewöhnlichen Form, das Thier auf der 1. Schulter des Helden, vor ihm der 
erschreckte Eurystheus im Fasse; auf einer unedirten Münze der Sammlung Löbbecke 
kehrt sie als Haupttypus wieder, ebenso auf Medaillons von Perinth und in Alexan- 
dreia. — Bei der vierten That ist wie gewöhnlich statt der Hirschkuh ein Hirsch 
dargestellt; Herakles kniet auf seinem Rücken, um das Hörn abzubrechen, wie dies 



Paris. — Die ältesten Zodiakos - Darstellungen 
auf Münzen sind die in Nikaia (MüUer-Wiescler 
Tafel II, 26) und in Alexandreia unter Antoni- 
nus Pius (Poole, British Museum CaL AUxandria 
Inirod. p. LVI); andere finden sich noch in 
Amastris, dem kilikischen Aigai und in Sidon. 
Die letzte Zusammenstellung dieser Typen ist 
die von Gaedechens (Der Himmelsglobus von 
Arolsen S. 36 fg.); die neue Arbeit von G. Thiele 
(Antike Himmelsbilder, Berlin 1898) geht dar- 



auf nicht ein, doch wäre eine neue Behandlung 
der Münzen gewifs nützlich. 
*^) Bei den Bemerkungen über den Cyclus der zwölf 
Thaten habe ich natürlich Roberts Behandlung 
der Herakles -Sarkophage (Die antiken Sarko- 
phag-Reliefs Bd. 3, 1 S. 115 fg.) durchgehends 
zu Rjithe gezogen ; ebenso habe ich Furtwänglers 
Artikel in Roschers Lexikon benutzt. Vollständige 
Vcrwcrthung der archäologischen Litteratur war 
mir nicht möglich. 



jAA Pick, Thrakischc MUnzbilder. 



andere Münzen von Hadrianopolis (unter Severus, Caracalla und Gordianus) deut- 
licher zeigen; der gleiche Typus findet sich auf Medaillons von Perinth, während 
in Herakleia und Alexandreia auch andere Darstellungen vorkommen". — Die Jagd 
auf die stymphalischen Vögel ist in der Weise angedeutet, dafs Herakles dem 
abgedrückten Pfeil nachsieht; ein Vogel sinkt herab, während ein zweiter wohl am 
Boden Hegt; diese That ist auf anderen Münzen von Hadrianopolis nicht nach- 
weisbar, aber in Perinth und anderwärts erscheint sie in derselben Weise. — Von 
der sechsten Scene, in der allenfalls die Amazone dargestellt sein könnte, ist oben 
schon die Rede gewesen. — Die darauf folgende Reinigung des Augeiasstalles, 
sonst nur auf Münzen des Postumus und in Alexandreia nachweisbar, scheint so dar- 
gestellt, dafs Herakles linkshin vortretend eine lange Stange in die Wand stöfst, an 
der Wand vielleicht ein Löwenkopf als Wasserspeier, darunter entweder Wasser 
oder herabfallende Erde, und ganz unten vielleicht ein Gefafs; die Kleinheit des 
Feldes mufs die Darstellung gerade dieser That besonders erschwert haben. — 
Die Bändigung des kretischen Stiers erscheint nicht in der gewöhnlichen Weise, 
sondern, wie die grofse Darstellung derselben That auf einer anderen Münze Gor- 
dians zeigt, Herakles hat rechtshin vortretend mit der Rechten den sich bäumenden 
Stier an einem Hörn gefafst, während er den linken Arm mit dem Löwenfell und 
der Keule unter den Hals oder vielleicht in den Rachen des Thieres stöfst. Der 
gewöhnliche Typus der Kaisermünzen ist, dafs Herakles den springenden Stier ein- 
holt und am Hörn festhält. — Von den Rossen des Diomedes ist nur eins dar- 
gestellt, ähnlich wie auf Münzen des Postumus mit HERCVLI THRACIO, wo aber 
zuweilen ein zweites Rofs am Boden liegt; Herakles hat das rechtshin springende 
Thier am Zügel erfafst und holt mit der Keule zum Schlage aus. Unter Commodus 
zeigen die Münzen von Hadrianopolis den Herakles, wie er den knienden Diomedes 
bei den Haaren ergreift, im Hintergrund die Rosse. — Die Darstellung des 
Geryones ist die einzige, die auf Münzen des europäischen Griechenland nach- 
weisbar ist. Der Riese hat drei Köpfe, aber wohl nur einen Rumpf und ein Paar 
Beine, wie auf einigen Säulensarkophagen '^; doch ist er nicht knieend dargestellt 
wie dort, sondern er steht noch aufrecht, und Herakles scheint ihn mit der Linken 
an einem Halse zu packen, während er in der Rechten wohl die Keule schwingt. 
Als Einzeltypus kommt diese That in Hadrianopolis nicht vor, und auch sonst ist 
sie auf Münzen selten. — Über die elfte und zwölfte That sowie über die erste ist 
natürlich nichts zu bemerken. — Wie weit Herakles unbärtig oder bärtig dargestellt 
ist, ist bei der Kleinheit der Bilder nicht zu erkennen. 

Schliefslich bleibt noch das Mittelfeld der Münze zu besprechen, das auch 
von einer ganz ungewöhnlichen Darstellung eingenommen wird. Zwar der farnesische 
Herakles-Typus ist auf thrakischen Münzen nicht selten, aber schon der Bogen 



*^) Herakles schwingt die Keule gegen den Hirsch, die Keule ruhig im linken Arm (Alexandreia; 

den er am Geweih gefafst hat (Herakleia; s. Schwabe, Die kaiserlichen Decennalien S. 40, 

s. Pick, Num. Zschr. 23, 75, 23, Taf. III, 8); oder Abb. 21). 

er packt den Hirsch nur am Geweih, hält aber ^*) Robert n. 126 und 131. 



Pick, Thrakische Münzbilder. jac 



ist eine seltene Beigabe, und ganz neu ist für dieses Gebiet das Auftreten der 
Hirschkuh mit dem kleinen Telephos. Eine verwandte Darstellung bieten nur einige 
Münzen von Germe in Mysien'^; dagegen erscheint der Herakles, vor dem auf 
einem römischen Medaillon des Antoninus Pius und einem pergamenischen des 
Commodus ebenfalls die Hirschkuh mit Telephos steht, in einer ganz anderen 
Stellung, bei der die Hinzufügung dieser kleinen Gruppe nicht so unpassend ist wie 
bei dem famesischen Typus. Auf unserem Medaillon von Hadrianopolis hat der 
Stempelschneider auch darauf verzichtet, die beiden Bestandtheile des Bildes in 
eine wirkliche Verbindung zu bringen; Herakles sieht das Thier mit dem Kinde 
überhaupt nicht an, und wenn auch vielleicht die Hirschkuh zu ihm zurückblickt, 
so merkt man doch, dafs die Zusammenstellung eine willkürliche ist; sie ist gewifs 
nur das Werk des Stempelschneiders, der die berühmte Statue als Mittelpunkt des 
Bildes verwerthete und aufserdem, um den Raum auszufüllen oder um möglichst 
viel zu geben, auch noch die ebenfalls wohlbekannte Gruppe der Hirschkuh mit 
dem Knaben hinzufügte. 

IV. Theoxenien. 

Die grofsen Kaisermünzen, welche man Medaillons zu nennen pflegt, weil sie 
sich aufser durch Gröfse und Gewicht oft auch durch reichere Darstellungen und 
schöneren Stil von den übrigen Münzen unterscheiden, erscheinen im thrakischen 
Gebiet nur in Byzanz und Perinth in längeren Reihen, auch in Philippopolis öfters. 
In anderen Städten treten sie nur vereinzelt auf, so dafs da wohl immer ein ganz 
besonderer Anlafs für solche aufserordentliche Prägung vorlag. Das gilt gewifs für 
die Zeit Gordians, unter dem hier die meisten Medaillons geprägt worden sind: 
aufser in Perinth und Byzanz auch in Hadrianopolis, Anchialos, Odessos, Markianopolis 
und Tomis; die Anwesenheit des Kaisers in der Provinz erklärt diese auffallende 
Erscheinung. Einen gleichen Anlafs mufs auch die merkwürdige Prägung von 
Bizye unter Gordians Nachfolger Philippus gehabt haben und man hat sie gewifs 
mit Recht mit dem carpischen Sieg in Verbindung gebracht '^ Die Stadt hat da- 
mals eine grofse Reihe von Medaillons geprägt, deren Typen ohne Ausnahme von 
höchstem Interesse sind. Wenn ich hier grade dasjenige nochmals behandle, das 
auch bisher schon am meisten von archäologischer Seite beachtet worden ist, so 
geschieht das darum, weil durch Reinigung und Vermehrung des Materials jetzt 
ein besseres Urtheil über die einschlägigen Fragen gewonnen werden kann. — Ich 
schicke die Beschreibung des Londoner Medaillons voraus, von dem die Unter- 
suchung bisher ausgehen mufste: 



^^) Vgl. Weizsäcker, Archäol. Ztg. 1882 S. 255 fg. und der Hades mit Kerberos zwischen Anubis und 

die Bemerkungen von Furtwängler in Roschcrs Harpokrates, Isis und einer verschleierten Göttin 

Lexikon i, 2174. (Demeter?); 2. Akropolis von Bizye oder um- 

^) Weil, Zeitschrift für Numismatik 8, 102 fg. — mauerter Tempelbezirk (vgl. unten S. 149); 

Aufser den dort verzeichneten Medaillontypen 3. (etwas kleiner) Sitzende Stadtgöttin vom stc- 

sind noch drei andere nachweisbar: i. Thronen- henden Demos gekränzt. 



146 Pick, Thrakischc Münzbildcr. 



Vs. AVT M lOVA I ♦lAinnOC AVr Brustbild des Philippus mit Lorbeerkranz, 
Panzer und Mantel rechtshin. 

R 1 7 \/ H N 

Rs. im Abschnitt. Bärtiger Gott mit nacktem Oberkörper auf einer 

Kline 1. gelagert, den linken Arm auf ein Kissen gestützt, in der 1. Hand 
eine Schale, die rechte Hand auf der 1. Schulter einer Göttin in langem 
Gewand mit entblöfster r. Schulter, die auf derselben Kline nach vorn sitzt 
und ihn anblickt, die rechte Hand auf die Kline gestützt, die linke im Schoofs; 
neben ihr eine Schlange, die sich an einem Stabe emporringelt, vor dem 
Gotte ein Dreifufs (oder dreibeiniger Tisch); zu den Seiten der Kline, 
rechts das Vordertheil eines 1. stehenden Pferdes, links ein Knabe in 
kurzem Gewand, mit einer grofsen Vase in der Rechten, r. stehend; hinter 
ihm ein Baum, an dem ein Panzer hängt, und im Felde oben in der Mitte 
ein ovaler Schild. 

Bronze, 39 mm. — London Cat. Thrace 90, 10 [danach A. von Sallet, Zschr. f. 
Num. 5, 324. 326; Weil, Zschr. f. Num. 8, 100. 103; Gardner Journal of hell, 
sttidies S, 116]. — Abbildung der Rs.: Nr. 10. 
Aufser dem Londoner Exemplar dieses Medaillons ist nur dasjenige in Florenz be- 
kannt, das Stephani nach Goris schlechter Abbildung benutzt hatte'*. Ich hatte 
Gelegenheit, Abgüsse beider Exemplare zu vergleichen und festzustellen, dafs sie 
thatsächlich, wie Sallet vermuthet hatte, genau gleich und vermuthlich aus demselben 
Stempel sind; das Florentiner ist nur so schlecht erhalten, dafs es leicht mifsver- 
standen werden konnte. Leider ist aber auch das Londoner Exemplar nicht voll- 
kommen erhalten, sondern stellenweise undeutlich, zum Theil durch Doppelschlag, 
wie es die neue Abbildung zeigt". Daher war die Schale in der linken Hand des 
Gottes bisher nicht bemerkt worden; ferner bleibt es auch jetzt noch unsicher, ob 
auf dem Dreifufs oder Tisch vor ihm nicht Früchte o. dgl. liegen; endlich glaube 
ich links von dem Dreifufs Spuren eines schräg angelehnten Stabes mit oder 
ohne Schlange zu bemerken, so schwach allerdings, dafs ich es nicht bestimmt be- 
haupten kann. 

Sallet, der die Aufmerksamkeit der Archäologen zuerst wieder auf diesen 
merkwürdigen Münztypus gelenkt hat, wollte die Darstellung so auffassen, dafs ein 
Krieger, glücklich aus dem Kriege zurückgekehrt, seine Rüstung, Schild und Pferd 
dem Asklepios und der Hygieia geweiht habe. Aber eine solche private An- 
gelegenheit hat auf einem von der Stadt ausgehenden öffentlichen Denkmal, wie es 
jede Münze ist, nichts zu suchen; die Waffen und das Rofs müssen also in einer 
anderen Beziehung zu dem Götterpaar stehen. Ferner ist es keineswegs sicher, 
dafs in diesem Paar Asklepios und Hygieia zu sehen sind, wie man allgemein an- 
nimmt; denn der Schlangenstab, auf dem diese Benennung beruht, steht bei der 



31) Gori Mus, FlorenL 6, 155, LXXVII, i; vgl. Ste- 2-) Herr G. F. Hill hatte die Güte, mir den neuen 
phani, Der ausruhende Herakles S. 92fg., und Abgufs zu senden, nach dem die Abbildung ge- 

Sallet, Z. f. Num. 5, 324 fg. macht ist. 



Pick, Thrakische MUnzbilder. 



147 



Frau, während er dem Manne zukäme, und es ist doch daran zu erinnern, dafs 
auf Kaisermünzen des thrakischen Gebiets oft auch die Fackel der Demeter von 
einer Schlange umwunden erscheint''. Indessen kann man die Möglichkeit zugeben, 
dafs auf diesem Medaillon Hygieia und Asklepios gemeint sind, und wenn wirklich 
an dem Dreifufs unter dem Gotte ein zweiter Schlangenstab lehnen sollte, so wäre 
diese Deutung sogar sicher. Aber wir werden sehen, dafs der Typus von Hause 
aus nichts mit Asklepios zu thun hat, fiir den die Waffen und das Rofs so schlecht 
passen; möglich ist nur, dafs ein alter fester Typus in diesem einen Fall, unter 
Philippus, eine Umbildung erfahren hätte, indem an die Stelle des anderen Götter- 
paares, für das er in Bizye eingeführt war, die Heilgötter traten. Dafs dem so ist, 
lehren ältere Münzen von Bizye, die bisher theils falsch zugetheilt, theils un- 
bekannt waren. 

Stephan! und Sallet hatten als Analogie zu dem Medaillon von Bizye an- 
geführt, dafs eine Münze der lydischen Stadt Thyateira eine nahe verwandte Dar- 
stellung zeige. Diese Münze kannten sie aus der folgenden Beschreibung Sestinis: 
[AY KAI] TPAIAN AAPIANß [CEBACTfl] Caput (Ha driani) laut, cum paludamento 
0Y[AT€IP]HNßN lupiter decumbens in lectisternio, juxta eum muH er sedens, 
hinc camillus, inde equus. 

Sestini Mus. Benkoivitz (1809) S. 25, mit Abbildung Tafel I, 13 [daraus 
Mionnet SuppL 7, 447, 604]. 
Nachträglich wies Sallet" dann noch darauf hin, dafs Vaillant eine Münze Hadrians 
mit ähnlichem Typus und der Legende TTEPrAMHNßN publicirt habe, und er legte 
Werth darauf, dafs die Darstellung also in drei verschiedenen Städten (Bizye, Thya- 
teira, Pergamos) vorkomme. — Aber zunächst ist die von Vaillant beschriebene 
Münze mit der anderen identisch. Sestini hatte schon bemerkt, dafs die Münzen 
der Sammlung Benkowitz, alle oder zum grofsen Theil, aus der famesischen Samm- 
lung gestohlen waren, wovon der Besitzer allerdings nichts wufste; zu den Bei- 
spielen, an denen er dies zeigte, gehörte auch unsere Münze, deren unvollständige 
Inschrift Vaillant willkürlich, wie er oft verfuhr, zu TTEPrAMHNflN ergänzte. Nun 
ist aber das Exemplar auch noch nachweisbar; die Sammlung Benkowitz wurde 
von Köhler angekauft und ging schliefslich in die Kaiserliche Eremitage zu St. Pe- 
tersburg über". Nachprüfung der Münze, deren Identität mit Hilfe von Sestinis 
Abbildung leicht festzustellen war, ergab, dafs der Anfang der Schrift nicht GY 
lautet, wie Sestini bei der schlechten Erhaltung allerdings leicht glauben konnte, 
sondern Bl; die richtige Ergänzung ist also Bl[ZV]HNnN. Bestätigt wird das in 



*') So z. B. in Nikopolis (Die ant. Münzen Nord- 
Griechenlands Bd. I, Taf. XIV, II. 19), ebenso 
in Serdica und anderwärts; vgl. das Relief von 
Philippopolis Annali iJ86i, 380 Tafel S; Over- 
beck Demeter Tafel XIV, 7; Preller- Robert i, 
764 Anm. 2 ; Rubensobn , Athen. Mittheilungen 
20, 360 fg. 

»*) Zeitschrift für Numismatik 9, 168 fg. — Die Be- 



schreibung steht bei Vaillant Num. gr. 36 [daraus 
Mionnet SuppL 5, 436, 976]. 
'*) Bei meinem Besuch in St. Petersburg hatte ich 
die Münze nicht bemerkt, da sie noch unter 
Thyateira lag; der Direktor des kais. Münz- 
cabinets, Exe. voR-Iversen, war aber so freund- 
lich, mir jetzt auf meine Bitte einen Abdruck 
des interessanten Stückes zu senden. 



148 Pick, Tbrakische MUnzbilder. 



erwünschtester Weise durch das folgende zweite Exemplar der Münze, dessen Rück- 
seite aus demselben Stempel ist und vollständige Schrift hat: 

Vs AAPIANOC KAIC... Brustbild des Hadrianus mit Lorbeerkranz und 

Gewand r. 
Rs. BIZV und im Abschnitt HNßN Bärtiger Gott mit nacktem Oberkörper auf 
einer Kline 1. gelagert, den 1. Arm aufgestützt, den rechten vorgestreckt; 
neben ihm eine langbekleidete Göttin r. sitzend, die R. auf die Kline gestützt, 
die L. im Schoofs; vor dem Gotte ein Dreifufs (oder Tisch); zu den Seiten 
der Kline r. das Vordertheil eines 1. stehenden Pferdes, 1. ein Knabe in 
kurzem Gewand (mit Vase in der Rechten?). 

Bronze, 24 mm. — Sammlung Lischin. — Abbildung der Rs. Nr. 11. — 
(Ein ähnliches Stück, aber aus anderem Stempel wie das abgebildete und 
das Petersburger, befindet sich auch im Museum zu Odessa.) 
Damit ist festgestellt, dafs es Münzen von Thyateira und Pergamos mit dieser Dar- 
stellung nicht giebt; auf Münzen kommt der Typus also nur in Bizye vor. — Von 
dem Medaillon des Philippus unterscheiden sich die Münzen Hadrians durch das 
Fehlen des Baumes und der Waffen, und des Schlangenstabs. Es giebt aber eine 
Zwischenstufe, die das Bild zwar noch ohne Schlangenstab zeigt, wo aber Baum 
und Waffen schon hinzugefügt sind. Diese Gestalt des Typus findet sich auf einer 
bisher unedirten Münze des Geta als Augustus, die um das Jahr 211 geprägt ist: 

Vs PA TT Cjerr reXAC Cee Brustbild des Geta mit Lorbeerkranz, Panzer 

und Mantel r. 
Rs. BIZjV und im Abschnitt HNßN Das Götterpaar auf der Kline wie vorher, 
der 1. Arm des Mannes auf Kissen, die rechte Hand auf der r. Schulter der 
Frau, vor ihm der dreifüfsige Tisch; an den Seiten r. das Vordertheil des 
Pferdes, l. der Knabe mit der hohen Vase in der R., hinter dem Knaben 
ein Baum, an dem ein Panzer hängt, und in der Mitte oben der ovale 
Schild. 

Bronze, 24 mm. — Sammlung Löbbecke. — Abbildung der Rs.: Nr. 12. 
Aus den vorstehenden Bemerkungen und Beschreibungen ergiebt sich zweierlei, 
was für die richtige Würdigung dieser Münzbilder wichtig ist: erstens dafs die Dar- 
stellung nur in Bizye auf Münzen vorkommt, und zweitens dafs sie hier nicht als 
eine vereinzelte Erscheinung auf dem Medaillon des Philippus auftritt, sondern einen 
festen Platz im Typenkreis der Stadt einnimmt und verschiedene Stufen einer Entwicke- 
lung aufweist, von denen allein die letzte etwas mit Asklepios zu thun haben kann. 
Da die Darstellung auf Münzen anderer Städte garnicht vorkommt, in Bizye 
dagegen schon in der ältesten Prägung — die Stadt scheint das Münzrecht erst 
unter Hadrian erhalten zu haben — , so hat sie hier eine lokale Bedeutung; die 
Hauptfigur mufs einen besonderen Cultus in Bizye haben. Die Bezeichnung 
»Todtenmahl«" ist in diesem Fall natürlich nicht anwendbar; wenn auch ein 



**) Ich konnte selbstverständlich nicht die ganze Todtenmahl-Reliefs bei meiner Arbeit berücksich- 

archäologische Litteratur über die sogenannten tigen, sondern ich beschränkte mich auf die 



Pick, Thrakische Münzbildcr. 



149 



Theil der gleichzeitigen thrakischen Reliefs mit ähnlichen Darstellungen sicher 
Grabdenkmäler sind" und also jene Bezeichnung zulassen, so kann doch auf Münzen 
eine Scene des privaten Ahnencultus nicht dargestellt werden. Hier mufs es sich 
um Darstellung eines Gottes handeln, und das Mahl, bei dem er erscheint, mufs 
ein solches sein, das ein öffentliches Interesse hat, das die Stadt als solche angeht, 
kurz ein Theoxenion'^ Der Gedanke ist der, dafs der Gott sich auf der ihm 
bereiteten Kline zum Mahle niedergelassen hat; in der Linken hält er die Schale; 
neben ihm sitzt die Frau, hinter der der Mundschenk steht; auf dem dreibeinigen 
Tisch sind Früchte oder andere Speisen zu denken; also ein bekanntes Schema 
der griechischen Kunst, das seit alter Zeit in den verschiedensten Gegenden und 
mit verschiedener Bedeutung verwendet worden ist. Dieser alte Typus ist in Bizye 
dreimal — wenn nicht öfter, was ja weitere Münzfunde lehren können — zur Dar- 
stellung von Theoxenien verwendet worden, welche die Stadt für einen ihrer Haupt- 
götter veranstaltet hat; ob das aufserordentliche Theoxenien waren, für die jedesmal 
eine besondere Veranlassung anzunehmen ist, oder ob sie zu dem regelmäfsigen 
Cultus des dargestellten Gottes gehörten, kann dahingestellt bleiben. Diesen Gott 
nun hielt man bisher für Asklepios, weil man sich nur auf das Medaillon des 
Philippus stützen konnte. Jetzt aber wo wir wissen, dafs dieses nur die Umbildung 
eines althergebrachten Typus giebt, müssen wir natürlich von den ältesten Münzen 
ausgehen, die einen bärtigen Gott ohne Attribute zeigen. Da für Zeus das Rofs 
nicht pafst und Poseidon in der Binnenstadt Bizye keine Rolle spielt, so würde man 
zunächst an Hades zu denken haben. Aber da wir in Thrake sind, und in einer Stadt, 
die ehedem der Sitz thrakischer Könige war, so liegt es näher in dem Gotte den 
sogenannten thrakischen Reiter" zu erkennen, der ja in der Kaiserzeit als eine 
chthonische Gottheit angesehen worden ist. Dafs diese Figur in dem Cultus 
von Bizye eine wichtige Rolle gespielt hat, lehrt aufser anderen Münzen, die den 
Reiter als selbständigen Typus haben, besonders ein vorzügliches Medaillon des 
Philippus in der Sammlung Löbbecke'^ auf dessen Rückseite die Umwallung der 
Stadt oder vielmehr eine Art von Akropolis mit Tempeln, Statuen u. s. w. dargestellt 
ist; an dem Prachtthor, das diesen ummauerten Tempelbezirk nach vorn abschliefst, 
sind zu den Seiten des Eingangs zwei Reliefs angebracht, links der Reiter, rechts 
die Gruppe der drei Nymphen '\ beides spezifisch thrakische Darstellungen, die 



neueren Arbeiten von Conze (Wiener Sitzungs- 
berichte phil.-hist. Cl. 98, 188 1, 551 fg.), Wolters 
(Arch. Ztg. 1882, 300 fg.), Gardner {Journal of 
hilL studies 5iio5fg,), Furtwängler (Sammlung 
SabourofT 1,23 fg., und MUnchcner Sitzungsbe- 
richte 1897, I, 401 fg.), Deneken (Roschers Lexi- 
kon I, 2566 fg.) und V. Fritze (Athen. Mitth. 21, 
347 fg.); anderes wird unten noch zu citiren sein. 
2') Vgl. Dumont Melanges d' archeologie {ed, HomoUe 
1892) p. 514. Auch »aus Bizye selbst ist ein 
Relief dieser Art bekannt, das wohl als Grab- 
denkmal anzusehen ist (Dumont p. 365, n. 62, 27). 



2S) Fr. Deneken, De theoxeniis (Diss. Beriin 1881) 
P* 35* 36 ^^^ ^^^ Mtlnttypus richtig als Dar- 
stellung eines Theoxenien erkannt; was er sonst 
zur Erklärung anführt, wird durch das neue 
numismatische Material, das er nicht kennen 
konnte, hinfällig. 

25) Vgl. Dumont Melanges d' archeologie p. 219. 290. 
509 und unten S. 155 ff. 

5*^) Die Abbildung und Besprechung des Stückes 
erscheint in einem Artikel Löbbcckes im näch- 
sten Heft der Zeitschrift für Numismatik (Bd. 21). 

'•) Über Nymphen-Reliefs aus thrakischem Gebiet 



ISO 



Pick, Thrakische MUnzbilder. 



auf Münzen und Weihreliefs dieses Gebiets eine grofse Rolle spielen. Von dem 
Reiter wird im nächsten Abschnitt mehr zu sagen sein; wir werden dort sehen, wie 
er in Odessos zeitweise mit dem Herrscher der Unterwelt, dessen lokale Benennung 
9e6? Ms^ac war, verschmolzen worden ist. Ganz ähnlicher Natur mufs dieser Gott 
von Bizye gewesen sein; es ist der alte thrakische Reiter, der sich unter griechischem 
Einflufs in einen Unterweltsgott verwandelt hat; und vermuthlich ist er es, dem in 
einer Inschrift der ersten Kaiserzeit unter dem Namen 9sq> ^A^icp 'T^j^tatm ein Dank 
geweiht wurde für die Rettung des Thrakerkönigs Rhoimetalkes und der Pythodoris 
aus Kriegsgefahr". Jedenfalls pafst für diesen Gott die Beigabe des Rosses besser 
als für irgend einen anderen; hier wo er sich zum Mahle niedergelegt hat, steht 
das Rofs hinter ihm, das ihn hergetragen hat. Wie die Frau zu benennen ist, 
bleibt unsicher; von einer weiblichen Gefährtin des thrakischen Reiter-Gottes scheint 
nichts bekannt zu sein; sie ist wohl nur mit dargestellt, weil dies der alten griechi- 
schen Kunstform entsprach. Der Mundschenk, der ebenfalls zu diesem Schema 
gehört, bedarf keiner Erklärung". 

So erscheint der Typus auf den ältesten Münzen von Bizye, unter Hadrianus. 
Auf der Münze des Geta erfahrt er eine Erweiterung, indem die Waffen hinzu- 
gefügt werden, der Panzer am Baum und der Schild im Hintergrunde. Das kann 
allenfalls so erklärt werden, dafs dem Gotte von der Stadt eine Panoplie geweiht 
worden wäre; aber einfacher ist wohl die Annahme, dafs dadurch die ursprünglich 
kriegerische Natur des Gottes deutlicher bezeichnet werden sollte, an die man viel- 
leicht durch neue Ereignisse, Rettung aus Kriegsgefahr, erinnert worden war. Die 
Art, wie er die Waffen, der Situation entsprechend, abgelegt hat, erinnert an eins 
der schönsten Herakles-Medaillons von Perinth, wo der Held nach Abschlufs seiner 
Arbeiten am Altar stehend sich bekränzt und hinter ihm an einem Baum der Köcher 
und der Bogen hängen**. 

Endlich das Medaillon des Philippus zeigt uns dieselben Figuren und Attri- 
bute, aber das Götterpaar scheint durch die Hinzußigung eines Schlahgenstabes 



vgl. V. Dobrusky im bulgarischen Sbornik Bd. 13 
und Bulletin de corresp, hellenique 21 p. 119 s. ; 
besonders beachtenswerth ist ein Relief aus Pizos 
{ßulL 21, 122), wo die drei Nymphen mit dem 
thrakischen Reiter verbunden erscheinen. (Vgl. 
auch Dumont MeL d'arch, p. 364 n. 62, 28: Relief 
mit zwei Feldern, in einem der Reiter, im andern 
vier Nymphen.) — Die thrakischen Münzbilder, 
in denen man bisher die drei Chariten sah, 
werden zum gröfsten Theil als Darstellungen 
der drei Nymphen anzusehen sei, da diese 
zuweilen auch nackt erscheinen; das zu be- 
handeln wäre Gegenstand einer besonderen Ar- 
beit ; einer der interessantesten von diesen MUnz- 
typen ist der von Traianopolis (unter Severus), 
wo drei Nymphen vor einem gelagerten Flufs- 



gott stehen. 

") Mommsen Ephem. epigr, 2, 256; Dumont MeL 
d'arch, 62 e (p. 377, unter Selybria). — In einer 
Inschrift aus Pirot (Arch.-ep. Mitth. a. Ost. 10, 
238, 2) scheint Sabazios als Beö; iiri^xooc 
"rij/WTO« bezeichnet zu sein. — Auf den Beos 
^Ttj/WTo; von Tanais (Latyschev 2, 137—139. 
445 — 457) "• a« kann hier nicht eingegangen 
werden. 

") Gardner {Journal 0/ hell, studies 5, 116) nennt 
ihn, in Erinnerung an die Adoranten der »Todten- 
raahlrcliefs«, a votary, was gewifs nicht richtig ist. 

3*) Mionnet i, 405, 283. 284 (Paris); andere Exem- 
plare in der Sammlung Imhoof und in Wien 
(Eckhel Catal, i, 75, 18), ein retuschirtes in Berlin 
(Cat. 212,35). 



Pick, Thrakische Münzbilder. 



151 



ZU Asklepios und Hygieia umgebildet zu sein. Dafs diese Deutung der Figuren 
nicht ganz sicher ist, wurde schon oben gesagt; wenn sie richtig sein sollte, so er- 
klärt sie sich aus der grofsen Bedeutung, die die Heilgötter zur Zeit des Philippus 
im Cultus von Bizye allerdings gehabt haben; darum übertrug man deii alten Typus 
auf sie und behielt sogar das Rofs und die Waffen bei, so schlecht sie auch für 
Asklepios — trotz seiner Theilnahme an der kalydonischen Jagd und am Argonauten- 
zuge — passen. 

Da aus der vorstehenden Betrachtung des numismatischen Materials hervor- 
geht, dafs selbst der Münztypus von Bizye ursprünglich nichts mit Asklepios zu 
thun hat, so sind schon darum die weitgreifenden Folgerungen Sallets hinfällig, 
der den Typus des sogenannten Todtenmahls in der Hauptsache auf die Votive an 
Asklepios und Hygieia zurückführen wollte. Aus anderen Gründen waren diese 
Folgerungen ja auch sogleich von archäologischer Seite abgelehnt worden"; man 
bemerkte mit Recht, dafs diese späten und vereinzelten Münzen nicht zum Ausgangs- 
punkt für die Deutung einer so alten und weitverbreiteten Klasse von Denkmälern 
genommen werden könnten. Ich möchte mir nun keine ähnlichen Übergriffe er- 
lauben, sondern besseren Kennern der Reliefs das Urtheil darüber überlassen, ob 
nicht der Gedanke des Theoxenion, der in den Münzbildem verwirklicht ist, fiir 
die Schöpfung der ganzen Kunstform überhaupt bestimmend gewesen ist oder doch 
dabei mitgewirkt hat. Soweit ich die Denkmäler übersehen kann, ist grade auf 
den ältesten attischen Reliefs die gelagerte Hauptfigur überall ein Gott, und zwar 
vorzugsweise, wenn nicht ausschliefslich, ein chthoni scher Gott, und nicht ein 
beliebiger heroisirter Todter; wenn aber Götterdarstellungen das Ursprüngliche 
waren, so wird der Gedanke dabei von Hause aus derselbe gewesen sein, der noch 
aus den späten Münzen spricht: der Gott hat das ihm angebotene Theoxenion an- 
genommen und liegt beim Mahle oder Nachtisch auf der Kline, in Gesellschaft der 
Göttin und bedient vom Mundschenk *^ In wieweit dieser Typus auf heroisirte 
Ahnen und schliefslich auf beliebige Verstorbene übertragen worden ist, und ob 
die Bezeichnung »Todtenmahl« auch nur in solchen Fällen zulässig ist, wo das 
Relief sicher zu einem Grabdenkmal gehört, das kann hier natürlich nicht erörtert 
werden. — 

Es ist oben schon gesagt worden, dafs der besprochene Typus nur in Bizye 



'*) Vgl. Conze und Wolters a. a. O. (oben Anm. 26), 
ferner Milchhöfer Athen. Mitth. 4, 164 und Wie- 
seler Göttinger Nachrichten 1880, 34 fe. 

'*) Eine Darstellung von Hades und Persephone nach 
diesem Schema, aber ohne den Mundschenk, 
scheint auch auf dem späten Bronzeeimer Afonu- 
menti VI, 48 (vgl. Heydemann, Arch. Zeitung 
1869, 87 fg.) vorzuliegen. — Ohne die Frau 
findet sich eine nahe verwandte Darstellung auf 
der Vasenscherbe aus dem Kabeirion bei Theben 
(Athen. Mitth. 13, Tafel IX), wo der gelagerte 
Jahrbnch des archäologischen InstitulK XIII. 



Kabir von dem itatc bedient wird. — Ich möchte 
bei dieser Gelegenheit darauf hinweisen, — 
falls es nicht schon bemerkt worden: sein sollte 

— dafs für die Beurtheilung des Paares MITOZ 
und KPATEIA vielleicht passend die bekannten 
Typen der makedonischen Münzen von Lete 
verglichen werden könnten, wo Seilenos und 
eine Nymphe ähnlich neben einander stehend 
erscheinen (z. B. Cat. Berlin 2,92, 2 — 95*22, 
Taf. IV, 36. 37; BriL Mus. Cat. Maced, p. 76, i 

— 78, ii; 78, 18—79,24). 

II 



152 Pick, Thrakische Münzbilder. 



auf Münzen vorkommt. Aber wie unter den tarentinischen Terrakotten aufser den 
verschiedenen Gruppen auch gelagerte Einzelfiguren erscheinen, so finden wir 
auch auf Münzen hin und wieder noch einzelne Götter, die die ihnen zugedachte 
Libation'^ nicht in der üblichen Weise stehend oder sitzend empfangen, sondern 
ähnlich wie der Gott von Bizye gelagert sind. Dafs es sich in den drei nach- 
weisbaren Fällen um chthonische Gottheiten handelt, zweimal sicher und einmal 
wahrscheinlich, ist vielleicht kein Zufall. 

Zunächst kommt noch ein Typus von Bizye in Betracht; auf einer Münze 
des Severus erscheint ein jugendlicher Gott auf einer Kline 1. gelagert, mit einem 
Kantharos (?) in der Rechten und einem Stab (Scepter oder Tbyrsos) im 1. Arm. 
Leider sind von dieser Münze nur zwei mangelhafte Exemplare bekannt, so dafs 
die Bestimmung der Figur unsicher bleibt; wahrscheinlich ist aber Dionysos ge- 
meint". — Als regelmäfsigen Typus finden wir einen gelagerten Gott auf Münzen 
von Odessos (Abbildung 15 — 17); dieser wird im folgenden Abschnitt besonders 
behandelt werden. — Endlich sind als verwandte Darstellungen die der Dioskuren 
auf späteren Münzen der Stadt Tomis zu bezeichnen. Die Dioskuren nehmen im 
Bilderkreis der Münzen von Tomis von Anfang an einen grofsen Raum ein ". Schon 
unter den ältesten, um 200 v. Chr. geprägten Münzen sind solche mit den Köpfen 
der beiden Dioskuren auf der Vorderseite und den Rossen auf der Rückseite; dann 
finden sich lange Zeit die Vordertheile der beiden Rosse mit Sternen darüber als 
Rückseiten-Typus, ebenso die beiden Kappen mit Sternen, auch die beiden Sterne 
allein. Schliefslich erscheinen auf autonomen und Kaisermünzen die Dioskuren 
reitend, dann unter Marcus und Commodus neben ihren Rossen stehend, und end- 
lich tritt unter Pertinax der neue Typus der gelagerten Dioskuren auf, der nur 
in Tomis vorkommt, hier aber bis zum Schlufs der Prägung fast ausnahmslos bei- 
behalten wird. Ich bilde zwei bisher unbekannte Exemplare aus der Zeit des Ela- 
gabalus (218 — 222) ab: 

a) Vs.: AVT KAI M AVP | ANTflNEINOC Brustbild mit Lorbeerkranz und 

Schuppenpanzer r. 

Rs.: MHTPO n|0|NTOV und im Abschnitt """^^^^ Die Dioskuren, mit 

nacktem Oberkörper und Stern über dem Kopf, linkshin gelagert; in der vor- 
gestreckten Rechten hält jeder eine Schale, während der linke Arm hinten 
aufgestützt ist; im Felde links das Werthzeichen A. 
Bronze, 26 mm. — Museum in Sophia. — Abbildung der Rs.: Nr. 13. 

b) Vs.: M AVPH ANTnlNINOC AVTO Brustbild mit Lorbeerkranz, Panzer und 



Mantel r. 



'0 ^S}' ^^^ Fritze, De libatione veterum Graecorum geben die Stempelglcichheit. Das Attribut in 

(Dissert. Berlin 1893) p. 64 sq. der vorgestreckten Rechten ist wahrscheinlich ein 

'^ Die beiden Exemplare befinden sich in der ehe- Kantharos, wie ihn der Kabir auf der Vasen- 
mals Hunterschen Sammlung in Glasgow und in scherbe (oben Anm. 36) hält. 
Kopenhagen; Abgüsse, die mir die Herren Mac- 39) Vgl. Münzen Nord-Griechenlands Bd. i, Tafel V 
donald und Jörgensen freundlichst sandten, er- und VI. 



Pick, Thrakische Münzbilder. 



153 



Rs.: MHTPO nON[TOV TO] und im Abschnitt MEßC Die Dioskuren wie 
vorher, aber rechtshin gelagert, der r. Arm aufgestützt, die Schale in der 
Linken; auf jeder Seite ein belaubter Zweig; im Felde oben das Werth- 
zeichen A. 

Bronze, 27 mm. — Museum in Sophia. — Abbildung der Rs.: Nr. U. — 
(Dasselbe Museum besitzt auch eine Münze der Julia Paula, deren Rückseite 
aus demselben Stempel ist.) 

Die beiden gelagerten Figuren wurden von den älteren Numismatikern als Nymphen 
angesehen *^ Jetzt weifs man durch zahlreiche gute Exemplare, die später bekannt 
wurden, dafs es männliche Figuren und zwar, wie die Sterne über ihren Häuptern 
lehren, die Dioskuren sind. Der Typus war allerdings auffallend, da die Dioskuren 
auf Münzen sonst nirgends liegend dargestellt sind. Aber die Scene selbst ist 
durchaus verständlich und von Furtwängler*^ auch schon richtig dahin gedeutet, 
dafs die Dioskuren »zu dem von den Tomiten ihnen dargebotenen Göttermahl, zum 
Theoxenion, gelagert« sind. Nur eine tarentinische Terrakottaform des Berliner 
Museums zeigt eine ähnliche Darstellung*'. Ein Unterschied besteht allerdings 
darin, dafs dort die Dioskuren auf einer Kline liegen, während sie hier auf den 
Münzen überall am Boden gelagert zu sein scheinen; aber auf der einen abgebil- 
deten Münze (Nr. 14) ist vielleicht ein Polster unter ihnen ausgebreitet, und auf der 
anderen könnte die Stütze des linken Arms allenfalls die Lehne einer Kline sein, 
während sie sonst auf Felsen gestützt sind. Indessen wenn auch kein Theoxenion 
im strengsten Sinne gemeint sein sollte, wozu wohl eine Kline gehören würde*', so 
handelt es sich doch gewifs um eine venvandte Darstellung, da die Götter gelagert 
sind, um ein Opfer in Empfang zu nehmen. — Sehr merkwürdig ist auf der letzten 
Münze die Beigabe der Zweige, die nur in diesem einen Stempel nachweisbar 
sind. Die einzige analoge Erscheinung, die bekannt ist, bieten die schönen Kupfer- 
münzen von Thasos aus dem IIL Jahrhundert v. Chr., mit dem verschleierten Kopf 
der Demeter auf der Vorderseite und den Köpfen der Dioskuren mit Mützen 
und Sternen zwischen zwei Weinreben**. Auch die Zweige der Münze von 
Tomis könnten Weinreben vorstellen. Vielleicht hängt diese Beigabe hier wie dort 
mit dem samothrakischen Cultus** zusammen, der für Tomis auch inschriftlich be- 



*®) So auch noch von Wieseler Göttinger Nach- 
richten 1880, 45—47. 

*^) Im Catalog des Berliner MUnzkabinets S. 94 zu 
Nr. 21. 

**) Furtwängler Jahrbuch d. arch. Instituts 2, 201 ; 
derselbe Sammlung Sabouroff i, 27 Anm. 4. — 
Zum Vergleich können auch die römischen Mün- 
zen der Jüngern Faustina mit der Inschrift SAE- 
CVLI FELICIT (Cohen 3», 152, 189—194) an- 
geführt werden, welche auf einem thronähn- 
lichen Lager die beiden neugeborenen Kinder 
der Kaiserin mit Sternen über den Köpfen zei- 



gen, wobei gewifs an die Dioskuren gedacht ist. 

*') Über xXeivoxdafAOi in einer Inschrift von Tomis 
vgl. unten Anm. 96. 

**) So z. B. Cat. Berlin i, 296, 126 — 128; vgl. die 
folgende Anmerkung. 

*^) Im British Mus, Cat, Thrace 225, 102—104 sind 
die Köpfe als die der Kabiren bezeichnet, wohl 
deshalb, weil der Typus an den der Kaisermtinzen 
von Syros erinnert, wo die Köpfe der beiden 
Kabiren mit Beischrift (aber ohne die Wein- 
reben) erscheinen, so z. B. Brii. Mus. Cat, Crete 
125,21 sq. 

II* 



IS4 



Pick, Thrakische MUnzbilder. 



zeugt ist*®. Auf den autonomen Münzen der Stadt sind die Dioskuren in älterer 
Zeit mit einem bärtigen Gotte in Verbindung gebracht, der entweder Poseidon oder 
ein Unterweltsgott ist*^; später erscheint auf der Vorderseite solcher Münzen, deren 
Rückseiten die Dioskuren oder ihre Attribute darstellen, der Kopf der Demeter oder 
der der Göttermutter*', wie auch in einer Inschrift von Tomis ein Opfer an MYjTpt 
ÖsÄv xat Aiojxopotc angeordnet wird*'. 

Aufserhalb des thrakischen Gebiets finden sich, wie es scheint, nur an zwei 
Stellen Darstellungen von Göttern, die auf einer Kline gelagert sind; aber beide 
Male handelt es sich nicht um Empfang von Opfern, sondern die Gottheit Hegt 
ruhig aufgestützt auf der Kline. Den einen Fall bieten Kaisermünzen von Sinope, 
wo Sarapis oder ein verwandter Gott so gelagert erscheint, mit dem Kalathos auf 
dem Kopf, auf der vorgestreckten Rechten einen Adler (oder vielleicht den Seeadler 
als Abzeichen von Sinope), im linken Arm das Scepter, ein Typus, auf den unten 
noch zurückzukommen ist*^ Das andere Beispiel ist die gelagerte Tyche der 
ägyptischen Kaisermünzen, wo sie mit dem Kalathos auf dem Kopf und dem Steuer- 
ruder in der Rechten dargestellt ist, sogar als Cultbild im Tempel; dafs Tyche 
grade in Alexandreia eine besonders wichtige Stellung einnahm, so dafs sie selbst 
mit Isis verschmolzen werden konnte, ist bekannt". — Endlich seien noch die 
Münzen von Nikomedeia erwähnt, auf denen zwar keine gelagerte Gottheit, aber 
die geschmückte Kline nebst einem hohen Gefafs und zwei (betenden?) Figuren er- 
scheint; es ist dabei wohl an ein Theoxenion gedacht". — Ein römisches Lecti- 
sternium (fiir Jupiter) ist vielleicht auf einem Denar des C. Coelius Caldus dar- 
gestellt; dieses Münzbild würde aber nicht den gelagerten Gott, sondern wohl nur 
die Herrichtung des Lagers zeigen *'. 



*^ Arch.-cpigr. Mitth. aus Österreich 6, 8, 14 irrig 
unter Kallatis; vgl. Münzen N.-Gr. i S.84 Anm. 6. 

") Münzen N.-Gr. 1 Taf. V, 8. 10 — 13. 

*8) Ebenda Taf. V, 20. 21; VI, i. 2. 

**) Arch.-ep. Mitth. a. Ost. 14, 22, 50 Zeile 37: Ouou- 
aiv uTiip T^[c] Tou S^fAO'J auiTY}p(ac MrjTpl öeÄv 
xol\ Aeoaxdpoic 

^) Vgl. unten S. 166. Abbildung eines Exemplars 
bei Overbeck Kunstmythologie 2, Zeus, Münz- 
tafel IV, 25. 

*>) Vgl. Poole Brif. Afus, CaL Alexandria Inirod. 
p. LV ; Abbildungen pl. XI. 

") Mionnet 2, 475, 357 (Maximinus); 476, 360 (Gor- 
dianus); erwähnt von Deneken De iheoxeniis 7 
Anm. 2. 

**) Babelon i, 373, 7; vgl. p, 371 (nach Mommscn 
Rom. Münzwesen 636 fg.); abgelehnt ist diese 
Deutung bei Marquardt Rüm. Staatsverw. 3-, 
187 Anm. 5 nach dem Vorgang von Hühner. — 
Ein anderer römischer Typus, der vielleicht hier- 
her gehört, ist oben Anm. 42 angeführt. Dagegen 



gehört die Bewirthung des Hercules bei Evander, 
wie sie auf einem römischen Medaillon dargestellt 
ist (Fröhner Les medaillons de Vempire romain 
p. 58 = Cohen 2*, 390, 1162; vgl. Deneken De 
iheoxeniis p. 32) nicht in diesen Kreis. — [Wäh- 
rend des Druckes macht mich Herr Dr. Graeven 
darauf aufmerksam, dafs auch die Denare des 
Münzmeisters Q. Rustius (unter Augustus) viel- 
leicht ein Lectisternium darstellen ; der mit zwei 
Widderköpfen verzierte Untersatz, auf dem die 
Büsten der beiden Fortunen von Antium stehen, 
wäre das Lager. Ich halte dies auch für mög- 
lich. — Bei dieser Gelegenheit möchte ich be- 
merken, dafs die beiden MUnzabbildungen, die 
aus Gerhards ant. Bildw. IV, 3. 4 bis in die 
neuesten archäologischen Handbücher überge- 
gangen sind, ganz schlecht sind. Namentlich 
sollte die grofse (zuletzt bei Peter in Roschers 
Lexikon i, 1547, allerdings angezweifelt) end- 
lich aus der Litteratur verschwinden, da sie nur 
einen der gewöhnlichen Denare vergröfsert und 



Pick, Thrakischc MUnzbilder. 



155 



V. Der Grofse Gott von Odessos und der thrakische Reiter. 

Die Stadt Odessos, eine der alten milesischen Colonien an der Westküste 
des Schwarzen Meeres, hat in der Zeit vom Tode des Lysimachos bis zum Beginn 
der römischen Herrschaft eine aufserordentlich grofse Menge von Silbermünzen und 
zuweilen auch Gold geprägt, aber alle mit königlichen Typen, die Tetradrachmen 
und einige Stater mit Typen und Schrift Alexanders des Grofsen, die übrigen 
Stater mit denjenigen des Lysimachos. Nur einmal wurden Tetradrachmen mit 
eigenen Typen der Stadt geprägt; es sind davon zwei Sorten bekannt, die sich 
nur in der Schrift der Rückseite unterscheiden, während die Vorderseiten sämmtlich 
aus demselben Stempel sind**. Von der einen Sorte ist auf der Tafel ein Exem- 
plar abgebildet, dessen Beschreibung hier folgt: 
Vs. Bärtiger Kopf mit Tänie rechtshin. 

Rs. OEOY r. METAAOY 1., im Felde links OAH, im Abschnitt KYPIA Bärtiger 
Gott in langem Gewand und Mantel linkshin stehend, in der Rechten die 
Schale, im 1. Arm das Füllhorn. 

Silber, 34 mm. — Paris, Sammlung Luynes (aufserdem noch drei stempel- 
gleiche Exemplare bekannt). — Abbildung: Nr. 20. 
Bei der anderen Sorte steht neben dem Bilde rechts OEOY METAAOY, links OAH- 
ZITHN, im Abschnitt wie hier KYPIA; es sind davon sechs Exemplare bekannt, 
die alle aus denselben Stempeln sind. 

Die Zeit der Prägung ist nicht ganz genau festzustellen; doch ist es nach 
Vergleichung mit den Königsmünzen wahrscheinlich, dafs diese Münzen in die 
zweite Hälfte des zweiten Jahrhunderts gehören. Da nachher wie vorher alle an- 
deren Tetradrachmen die Alexandertypen haben, so nimmt man gewifs mit Recht 
an, dafs für diese singulare Prägung ein besonderer Anlafs vorlag, vermuthlich die 
Befreiung von feindlichen Barbaren, wie sie z. B. in einer etwa gleichzeitigen In- 
schrift der benachbarten Stadt Istros gemeldet wird ". Als der Retter galt hier wie 
andenvärts der Hauptgott der Stadt; wie man in Maronea und in Thasos, ursprüng- 
lich gewifs aus ähnlichem Anlafs, Tetradrachmen mit den Bildern des Dionysos und 
des Herakles und der Beischrift AIONYZOY znXHPOZ oder HPAKAEOYI znXH- 
POZ prägte, so hier in Odessos solche mit Bild und Schrift des Grofsen Gottes, 
OEOY METAAOY". Die Vorderseite der Münzen zeigt seinen Kopf mit einer un- 



falsch gezeichnet wiedergiebt; die Zeichnung 
geht in letzter Linie auf Goltzius (Augustus, Ta- 
fel 47, 1 1) zurück. Die andere Abbildung stammt 
aus dem Thesaurus MorclHanus\ sie ist auch 
schlecht und etwas vergröfsert, aber nicht grade 
falsch. Gute Abbildungen dieser ziemlich häu- 
figen Münze finden sich natürlich bei Cohen 
und Babelon.] 
") Die antiken Münzen N.-Gr. i, 2214. 2215, Tafel 
IV, 1.2. 



**) Arch.-ep. Mitth. aus Österreich 6, 37, 38 zu Ehren 
des Aristagoras ; vgl. meine Einleitung zu den 
Münzen von Istros, a. a. O. S. 144 fg. 

^) An anderen Orten steht das Auftreten der Götter- 
namen mit der Befreiung von der Königsherr- 
schaft in Verbindung (AOHNAI lAIAAOZ »n 
Ilion u. a.); die Gottheit ist da der Nachfolger 
des Königs; vgl. die Bemerkungen bei Kaerst, 
Studien zur Entwickelung und theoretischen Be- 
gründung der Monarchie im Alterthum S. 48. 



156 



Pick, Thrakischc MUnzbilder. 



gewöhnlichen Art von Tänie, bei der ein starkes Band oder ein fester Reif von 
einem dünnen Bande umwunden zu sein scheint; auf der Rückseite erscheint er in 
ganzer Figur mit seinem Attribut, dem Füllhorn, in der Rechten die Schale hal- 
tend, wie das bei den meisten Göttern auf Münzen vorkommt, um die ihm zu- 
gedachte Spende zu empfangen *^ 

In der vorrömischen Zeit kehrt dieser Typus auf den Münzen von Odessos 
nicht mehr wieder, aber in der Kaiserzeit wird er fast von Anfang an wieder auf- 
genommen und bleibt dann bis zum Ende der Prägung der Haupttypus der Stadt, 
speziell für das gröfste Nominal. Unter allen Kaisern, die überhaupt Münzen ge- 
prägt haben, vielleicht schon unter Traianus, sicher seit Hadrianus, findet sich da 
der Grofse Gott, stehend, mit Schale und Füllhorn, neben ihm oft, doch nicht 
immer, ein Altar. Noch unter Severus erscheint er so, genau gleich dem Gott der 
Tetradrachmen, auf einem Theil der Münzen; aber andere Münzen desselben Kaisers 
zeigen ihn mit einem neuen Attribut, das er von da an beibehält, dem Kalathos 
auf dem Kopf**. Da man bisher nur Stücke der letzteren Art kannte, wurde der 
Gott der Kaisermünzen gewöhnlich Sarapis genannt, und dieser Name sogar auf 
den Gott der Tetradrachmen übertragen". Dafs er für den letzteren nicht pafst, 
ist selbstverständlich, da er nicht einmal den Kalathos mit Sarapis gemein hat 
und der Cultus der ägyptischen Gottheiten überhaupt nicht so früh nach dieser 
Gegend vorgedrungen ist. Aber auch nach Annahme des Kalathos, in der sich 
gewifs eine Einwirkung des Sarapiscultus ausspricht, werden die beiden Gottheiten 
keineswegs identificirt; das lehren besonders die Münzen Gordians, auf denen aufser 
vielen anderen neuen Bildern auch der überall verbreitete Typus des alexandrinischen 
Sarapis (mit erhobener Rechten und Scepter im linken Arm) erscheint, während 
gleichzeitig andere Münzen den einheimischen Typus des Grofsen Gottes (mit Schale 
und Füllhorn) geben '^ Dieser letztere Typus ist fast gar nicht in die Prägung an- 
derer Städte eingedrungen; der einzige Ort, wo er als regelniäfsiger Typus erscheint, 
ist das benachbarte Dionysopolis, das wohl, mit aus diesem Grunde, für eine Tochter- 
stadt von Odessos zu halten ist*'; er verlor seine lokale Bedeutung nicht. Auch 
die alte Benennung des Gottes ist in Odessos — und vielleicht auch in Dionyso- 
polis — bis zuletzt beibehalten worden. Grade unter Gordianus thut eine Inschrift 
von Odessos des 6sou MsYofXou AspCeXaTo[ü] Erwähnung", und ebenso bezeugen die 
Münzen dieses Kaisers einen gesteigerten Cultus des Grofsen Gottes, zu dessen 
Ehren damals sogar Spiele gefeiert wurden, AAPZAAEIA genannt, wie eine bisher 



*') V. Fritze De libaiiont p. 69. 

^^) Auf einigen Münzen früherer Kaiser findet sich 
vielleicht eine schwache Spur des Kalathos, aber 
sicher ist er nirgends, während sichere Münzen 
ohne Kalathos vor und unter Severus in grö- 
fserer Zahl bekannt sind. 

55) Man sah früher in dem Worte KYPZA die Ab- 
kürzung von Kup(ioy) 2ot(pa7:t5o?) ; doch ist das 
längst widerlegt, endgültig von L. Müller Num» 



d* Alexandre le Grand p. 172. Es ist überhaupt 
kein Göttername, sondern ein Beamtenname. — 
Vgl. die Litteraturangaben bei W. Drexlcr My- 
thol. Beiträge 78. 

60) Vgl. Pick Num. Zschr. 23, 56. 

**) Vgl. die Einleitung zu den Münzen von Diony- 
sopolis (Münzen N.-Gr. S. 125 fg.). 

62) Mordtmann Revue archcoL A^. Ä 35 (1878) 114,6 
aus dem Jahre 238. 



Pick, Thrakischc Münzbilder. 



IS7 



nicht richtig gelesene Aufschrift lehrt*'. AspCs^arr)? und AapCa^eia sind ohne Zweifel 
thrakische Worte; aber dafs der Gott selbst ursprünglich thrakisch war, wird man 
daraus nicht schliefsen dürfen". Denn AepCsXaTrj? ist nur ein Beiname, vielleicht 
von einer Ortschaft abgeleitet; aber die ursprüngliche Benennung des Gottes ist 
griechisch, 8soc Mr/a^, und in der Zeit, wo sie zuerst auftritt, hielten die Hellenen 
dieser Gegend zuviel auf ihr Hellenenthum, als dafs sie einen Barbarengott als ihren 
Erretter aus der Barbarennoth hätten feiern können. Ohne Einflufs auf die städti- 
schen Culte und den Bilderkreis der Münzen sind die thrakischen Nachbarn aller- 
dings nicht geblieben, wie wir sehen werden; aber eine so hervorragende Stellung 
konnte in solcher Zeit nur einem hellenischen Gotte eingeräumt werden. 

Nun sind die Tetradrachmen aber keineswegs die ältesten Darstellungen 
dieses Gottes, sondern schon 150 — 200 Jahre zuvor erscheint sein Bild auf den 
ältesten Kupfermünzen der Stadt Odessos, aber nicht stehfend, sondern liegend. 
Dieser Typus bleibt in der autonomen Kupferprägung vorherrschend und wird auch 
in der Kaiserzeit anfangs neben dem Typus des stehenden Gottes festgehalten. Eins 
der ältesten Exemplare, das wohl kurz nach dem Tode des Lysimachos, wenn nicht 
sogar schon im IV. Jahrhundert geprägt ist, ist das folgende**: 

Vs. Weiblicher Kopf mit Tänie, Ohrring und Halsband rechtshin. Perlkreis. 
Rs. OAH^ITßN an der Vorderseite einer Basis (f); darauf ein bärtiger Gott 
mit bekleidetem Unterkörper linkshin gelagert, Kopf und nackter Oberkörper 
nach vom, die rechte Hand auf dem Knie, im linken Arm, der auf Kissen 
gestützt ist, das Füllhorn; im Felde über der rechten Hand eine schlanke 
Amphora mit der OefTnung nach unten. 

Bronze, 17 mm. — Paris. — Abbildung: Nr. 15. 
Solche Münzen sind seit langer Zeit bekannt, aber man hielt die Figur der Rück- 
seite für einen Flufsgott, weil sie gelagert ist und weil das Füllhorn sich ja zu- 
weilen, wenn auch selten, als Attribut bei Flufsgöttern findet. Aber wer einen 
Einblick in die gesammte Prägung von Odessos, den Typenkreis der Stadt, hat, der 
wird diese Figur nicht von der stehenden trennen können, wie dies auch schon 
von einigen Numismatikern gefühlt worden ist*^ Sicher bewiesen wird aber die 
Identität der beiden Gottheiten durch die späteste Gruppe dieser Kupfermünzen, 
die erst nach den Tetradrachmen geprägt sind; denn auf ihnen hat der liegende 
Gott in der Regel aufser dem Füllhorn auch die Schale, also dieselben Attribute 



^3) Die Inschrift, die sich auf einer sogenannten 
Spielurne befindet (Münzen N.-Gr. Tafel V, 3), 
ist meist schlecht erhalten und daher früher falsch 
gelesen worden ('AXeSavSpeia, "llXiot); ein Exem- 
plar der Sammlung Löbbecke giebt die richtige 
Inschrift ^APZAAEIA fast vollständig; was hier 
undeutlich ist, ergänzen die Exemplare in Berlin 
und Paris. 

") Über das Wort AepIeXa-njC s. Tomaschek, Die 
alten Thraker II (Wiener Sitzungsb. phil.-hist. 



Cl. 130) S. 57. Die Münzen sind dort nicht 
richtig behandelt. — An Zalmoxis, der aller- 
dings grade bei den nächsten Nachbarn von 
Odessos, den Krobyzen, die wichtigste Figur 
war, ist gewifs in keiner Weise zu denken. 

") Münzen Nord-Griechenlands 1,2 177 fg. 

^^) So von Gardner (bei Michaelis yournal of hell. 
Studies 6, 303 note i) und Svoronos (hand- 
schriftliche Notiz zur Beschreibung einer solchen 
Münze). 



158 



Pick, Thrakische Münzbilder. 



Wieder stehende; ein besonders deutliches Beispiel dieser Art giebt Abbildung 16 *^ 
Dafs der Gott gelagert dargestellt ist, konnte ja allerdings befremden, da abgesehen 
von Flufsgöttern und anderen Lokalgottheiten dergleichen auf Münzen selten vor- 
kommt. Aber die Vergleichung mit dem Theoxenion von Bizye macht auch den 
Typus von Odessos verständlich. Wenn hier auch die Frau fehlt, die auf den Münzen 
von Bizye dem Manne gesellt ist, so entspricht der Typus von Odessos doch durch- 
aus der Hauptfigur eines Theoxenion; die tarentinischen Terrakotten bestätigen ja, 
dafs der gelagerte Mann auch allein dargestellt werden konnte. Zwar das Lager, 
auf dem der Gott liegt, sieht auf den älteren Münzen (Abb. 15) eher aus wie eine 
Basis, an deren Stirnseite die Inschrift steht*'; aber der linke Arm ist überall auf 
Kissen gestützt, auch auf den späteren Münzen, wo der Gott am Boden selbst zu 
liegen scheint (Abb. 16. 17); und auf den Kaisermünzen ist das Lager eine gewöhn- 
liche Kline mit Beinen und Lehne und ebenfalls mit Kissen unter dem aufgestützten 
Arm*'. — Dafs der Gott, der das ihm bereitete Lager eingenommen hat, eine 
Spende entgegennehmen soll, zeigt die umgekehrte Amphora über ihm. Diese ist 
nicht ornamental, sondern es strömt eine Flüssigkeit heraus, zuweilen nur durch 
einen Tropfen angedeutet, aber auf den roheren Münzen der letzten Zeit als ein 
langer Strahl, wie es z. B. Abbildung 17 zeigt ^®. Gewifs ist diese Idee, eine Libation 
durch eine umgekehrte Vase anzudeuten, sonderbar genug, und wenigstens auf 
Münzen kommt das sonst nirgends vor. Aber fiir Odessos war es so typisch, dafs 
die umgekehrte Amphora auf einigen Königsmünzen gradezu als Zeichen der Stadt 
an Stelle des Stadtnamens erscheint". Man wird daher annehmen können, dafs der 
Gott, dem diese Amphora zukommt, der Hauptgott der Stadt war; und wenn ein 
Priesterverzeichnifs von Odessos" mit den Worten beginnt: ofSs UprjVtai T(j> 6s«}), 
so kann »der Gott« nicht wohl ein anderer sein als der auf den Münzen erschei- 
nende Stadtgott. Seinen Namen zu nennen, erschien nicht nöthig; aber vielleicht 
wurde das auch absichtlich vermieden. Denn auch öeo; Ms^a^ ist ja nicht 
eigentlich ein Name, sondern es reiht sich jenen euphemistischen Umschreibungen 
an, mit denen man den Beherrscher der Unterwelt bezeichnete. Und diesen haben 
wir gewifs in dem Gott von Odessos zu erkennen, wie das für den Typus der Tetra- 
drachmen auch schon früher vermuthet worden ist". Dafs er auf den Kupfermünzen 



fi'^) Auf der Vorderseite ist der Kopf des Apollon 
mit Lorbeerkranz dargestellt. Das abgebildete 
Exemplar befindet sich in München (Die ant. 
Münzen N.-Gr. i, 2197, Taf. IV, 11). 

6*) Vergl. Curtius, Die Plastik der Hellenen an 
Quellen und Brunnen (Abhandl. d. Berl. Akad. 
1876 S. 139 fg.) S. 160, wo das Münzbild wegen 
der Basis als die »Copie eines auf einem öffent- 
lichen Platze aufgestellten Denkmals« bezeichnet 
wird; das kann richtig sein, nur handelt es sich 
nicht um einen Flufsgott. 

ß') Abbildung eines Exemplars (unter Traianus): 
Münzen N.-Gr. i, 2232, Tafel IV, 23. 



^^) Die Vorderseite zeigt den Kopf des Apollon. 
Das abgebildete Exemplar befindet sich in 
München (Münzen N.-Gr. i, 2191). — Da die 
Amphora selbst grade auf den Münzen dieser 
Art meistens sehr undeutlich ist, so hielt man 
den Strahl, mit dem, was man darüber sah, für 
einen Thyrsos. 

^*) Müller Alexandre le Grand n. 406. 407. 

^•') Mordtmann Athen. Mitth. 10, 317, 5; vgl. 
Latyschew Athen. Mitth. ii, 200 fg. und meine 
Einleitung zu den Münzen von Odessos. 

^3) Furtwängler Sammlung Sabouroflf i, 36; Scherer 
in Roschers Lexikon i, 1802. 



Pick, Thrakische MUnzbildcr. 



159 



gelagert ist, pafst am besten für eine chthonische Gottheit, und das Füllhorn be- 
zeichnet ihn als einen Spender des Segens; man vergleiche ihn mit dem gelagerten 
Gott der eleusinischen »Todtenmahl« -Reliefs und besonders unsere Abbildung i6 
mit dem Zei)c 'Ettits^sio; ^iT^io; auf dem Relief der Sammlung Jacobsen^*, und die 
nahe Verwandtschaft der Typen wird zur Bestätigung der Ansicht dienen, dafs wir 
in dem »Grofsen Gott« den griechischen Pluton in seiner für den Cultus von 
Odessos characteristischen Gestalt zu erkennen haben. 

Dafür spricht auch der Typus der Vorderseite auf den ältesten Kupfermünzen. 
Auf den späteren (Abb. i6 und 17) erscheint da der lorbeerbekränzte Kopf des 
Apollon, worin wohl eine Erneuerung milesischer Tradition zu sehen ist. Aber 
die älteren Münzen (Abb. 15) zeigen auf der Vorderseite einen weiblichen Kopf 
von matronalem Character. Da er keine besonderen Attribute hat, so wäre die Be- 
nennung schwer, wenn nicht spätere Münzen lehrten, in welchen Kreis diese Göttin 
gehören mufs. Die einzigen weiblichen Gottheiten nämlich, die in der Prägung von 
Odessos überhaupt eine Rolle spielen, sind Demeter und Köre. Zuerst finden 
sich ihre Köpfe auf autonomen kleinen Münzen, die um das Jahr 100 v. Chr. ge- 
prägt sind; eine von diesen sei hier beschrieben: 

Vs. Die Köpfe der Demeter mit Ährenkranz und Schleier und der Köre mit 
Ährenkranz nebeneinander rechtshin. 

Rs. OAH 1. ATA r. Zwei Ähren. 

Bronze, 12 mm. — Sammlung Imhoof^*. — Abbildung: Nr. 18. 
Mit denselben Typen hat noch ein anderer Beamter, OEO...., geprägt, von dem es 
auch eine Münze mit dem verschleierten Kopf der Demeter allein und nur einer 
Ähre auf der Rückseite giebt^®; aufserdem haben zwei Barbarenkönige der Nachbar- 
schaft, Kanites und Akrosas", um dieselbe Zeit auf ihren gröfseren Münzen den 
Typus mit den beiden Köpfen und zwei Ähren nachgeahmt. In der Kaiserzeit 
finden wir dann als einen ebenso regelmäfsigen Typus wie den stehenden Grofsen 
Gott, von Hadrianus bis Gordianus, Demeter und Köre in ganzer Figur, einander 
gegenüber stehend, die eine Hand auf die Fackel gestützt, in der anderen Ähren 
oder ein anderes Attribut; ein Beispiel giebt die folgende Münze des Gordianus Pius: 

Vs. AVT K M ANTfl | rOPAIANO|C Kopf mit Lorbeerkranz r. 

Rs. OAH|CCEl|TflN Demeter mit Schleier rechtshin, die Rechte auf Fackel 
gestützt, in der leicht erhobenen Linken eine Frucht, und Köre ohne Schleier 



^*) Furtwängler MUnchener Sitzungsber. 1897, I, 
401 fg. — Da dort (S. 408) eine Weihinschrift 
an Zeuc OtXto? aus dem epidaurischen Askle- 
piosheiligthum erwähnt ist, so ist vielleicht der 
Hinweis nützlich, dafs auch an einem andern 
Haaptsitz des Asklepioscultes, in Pergamon, 
Zvji OjXto; in der Kaiserzeit besondere Ver- 
ehrung genofs; das lehren die Münzen und das 
Senatusconsultum über das [certarnfn] quod in 
honorem templi lovis Amicalii et .... Traiani 



AugusH [est constitutum eJaeXaOTixdv (die 

AlterthUmer von Pergamon Bd. VIII n. 269 mit 
den Bemerkungen von Fränkel). 

^*) Münzen Nord-Griechenlands i, 2218, IV, 17. 

'^ Ebenda n. 2223 (zwei Köpfe), 2224 (ein Kopf). 

'^) Die Münzen des Kanites mit diesem Typus sind 
bekannt (Uwarow S. 85, Tafel XXV; Köhne 
Mus. Kotschoubey i, 24; Berliner Blätter 2, 
113); die des Akrosas ist erst vor kurzem 
aufgetaucht und liegt mir in einem Abgufs vor. 



\ 



i6o 



Pick, Thrakischc Münzbilder. 



linkshin, in der gesenkten Rechten Ähren, die linke auf Fackel gestützt, ein- 
ander gegenüberstehend. 

Bronze, 24 mm. — Sammlung Imhoof. — Abbildung der Rs.: Nr. 19. 
Dafs diese Darstellung, die auch aus anderen Gründen bemerkenswerth ist, für 
Odessos eine lokale Bedeutung hat, ist um so sicherer, als die beiden Göttinnen 
zusammen sonst fast nirgends auf Münzen erscheinen; nur auf einer Münze von 
Mytilene (unter Hadrianus) und auf einer von Elaia (unter Elagabalus) finden sie 
sich so vereint"*; aber Odessos ist die einzige Stadt, wo sie einen festen Platz im 
Typenkreise haben. In der Wahl dieser Typen, der Köpfe wie der stehenden 
Figuren, spricht sich eleusinischer Einflufs unverkennbar aus; und wir sind gewifs 
berechtigt, auch die Göttin, deren Kopf auf den ältesten Kupfermünzen erscheint 
(Abb. 15), in diesem Kreise zu suchen. Ob wir sie Demeter oder Köre zu nennen 
hätten, müfste dahingestellt bleiben, da der matronale Character des Kopfes nicht 
entscheidend ist. Aber vielleicht ist die Annahme noch passender, dafs keine von 
beiden gemeint ist, sondern vielmehr die Gemahlin des Beherrschers der Unterwelt, 
die auch in Eleusis selbst, von Demeter und Köre unterschieden, als die ösd neben 
dem 6soc stand". Wir hätten dann in Odessos zwei Perioden zu unterscheiden: 
Die älteren Münzen, bis etwa 150 v. Chr., zeigen uns nur eine Göttin neben dem 
Gott, den Kopf der 6sd auf der Vorderseite, den liegenden 6soc auf der Rückseite. 
Später dagegen finden wir — nicht mehr vereint, aber doch auf gleichzeitigen 
Münzen — einerseits den Grofsen Gott, andererseits die beiden Göttinnen Demeter 
und Köre. Die Änderung vollzog sich in der Zeit, wo die Tetradrachmen mit dem 
neuen Typus des stehenden Gottes und der Beischrift OEOV METAAOV geprägt 
worden sind; und es ist wohl möglich, dafs dieselben Ereignisse, welche diese aufser- 
gewöhnliche Prägung veranlafsten, auch zu jener Neuerung im Cultus geführt haben. 
Es verdient in diesem Zusammenhang hervorgehoben zu werden, dafs in einer In- 
schrift von Odessos, die um das Jahr 100 v. Chr. abgefafst ist, ein ^«[xoOpdxiov 
als Aufbewahrungsort städtischer Urkunden genannt wird^°. Nun ist von einem 
Cultus der Kabiren in Odessos keine Spur zu finden, und auch die Dioskuren sind 
nur einmal oder zweimal in DedicationsJnschriften genannt, während sie auf den 
Münzen und in öffentlichen Urkunden garnicht nachweisbar sind. Vielleicht erscheint 
daher die Vermuthung gestattet, dafs jenes iiajjioftpaxiov ein gemeinsames Heiligthum 



'^) Die MUnzc von Elaia befindet sich im Gothaer 
Münzkabinct, die von Mytilene im Berliner; auf 
die letztere, die dem Typus von Odessos viel 
näher steht, hat mich Herr Imhoof aufmerksam 
gemacht. Für beide Städte ist der Cultus der 
Demeter und der Korc auch sonst durch In- 
schriften und Münzen bezeugt. — Auf das Ver- 
hältnifs dieser Typen zu dem des eleusinischen 
Reliefs u. a. (vgl. Bloch in Roschers Lexikon 
2, 1347 fg.) kann an dieser Stelle nicht ein- 
gegangen werden. 



79) Vgl. Preller-Robert i, 802 Anm. i. 

^) Es handelt sich um die Inschrift C. I. Gr. 2056, 
in welcher der König Kanites erwähnt wird, die 
also in dieselbe Zeit gehört wie die Münzen 
mit den Köpfen der Demeter und der Köre. 
Von dieser Inschrift ist nachträglich der Schlufs 
zum Vorschein gekommen und von Mordtmann 
veröffentlicht worden (Athen. Mitth. 10, 3i5fg.); 
er lautet danach: tov hi Uporoiov dwaypd^OLt t6 
•Wj'f lajxa to6e eic T£Xa[X(üva xal Oeivai tU to Upov 
[t6] ^apiodp'ixiov. 



Pick, Tlirakische Münzbilder. ißj 



des Osb; Ms-yac und der ösai Ms-^aXai war; und auch Hermes könnte eine Rolle 
dabei gespielt haben, da sein Kopf in eben jener Zeit auf der Vorderseite der 
Münzen zu erscheinen pflegt, deren Rückseite das Attribut des Grofsen Gottes, das 
Füllhorn, einnimmt. Ich wage nicht, näher auf diese Fragen einzugehen; aber ich 
möchte hier darauf hinweisen, dafs grade für Untersuchungen über die Ausbreitung 
des samothrakischen Cultus die Münzen des thrakischen Gebiets manchen nützlichen 
Aufschlufs liefern könnten. — 

Der Bilderkreis der Münzen von Odessos blieb selbst in der Kaiserzeit bis 
zur Zeit Gordians, unter dem für ein neues Nominal alle möglichen neuen Typen 
gewählt wurden, ein so fest geschlossener, dafs der Cultus der Stadt sich darin viel 
treuer ausspricht, als es sonst gewöhnlich der Fall ist. Wir haben den eleusinischen 
Einflufs soeben kennen gelernt. Das ursprüngliche, milesische Element spiegelt 
sich in der Einführung des ApoUonkopfes für die späteren autonomen Münzen; und 
in der Kaiserzeit gehört ein sitzender ApoUon mit Lorbeerzweig und Kithara zu 
den festen Typen, die unter allen Kaisern erscheinen. Aber auch die tlirakische 
Religion mufs auf den Cultus der Odessiten eingewirkt haben, und auf den Münzen 
äufsert sich ihr Einflufs in dem Typus des Reiters. 

Die ersten Münzen von Odessos, auf denen ein Reiter dargestellt ist, sind 
um 200 V. Chr. geprägt; zu diesen gehört die folgende: 
Vs. Bärtiger Kopf mit Lorbeerkranz rechtshin. 
Rs. OAHZITflN unten. Bärtiger Reiter mit Kausia(?) und Chlamys im Schritt 

rechtshin, in der Rechten das Füllhorn; unter dem Leibe des Pferdes ein 

Monogramm. 

Bronze, 21 mm. — München (Sestini Descriptio 62, 2 [daraus Mionnet Suppl. 

2, 350, 890]). — Abbildung der Rs.: Nr. 21. 
Es sind von diesem Typus etwa zehn durch die Monogramme verschiedene Sorten 
bekannt®'; da sie im Stil nicht sehr von einander abweichen, so kann ihre Prägung 
nur wenige Jahrzehnte gedauert haben. Allen gemeinsam ist in der Tracht des 
Reiters der Mantel, die übrigen Gewänder sind nicht zu erkennen; die Kopf- 
bedeckung scheint zu wechseln und zuweilen auch ganz zu fehlen. Aber das Auf- 
fallendste an dem Reiter ist, dafs er ein Füllhorn als Attribut hat. Da ihm dieses 
mit dem Grofsen Gott gemeinsam ist, so nannte man ihn Sarapis wie diesen und 
beschrieb den Typus als reitenden Sarapis. Das hat Michaelis mit Recht für 
unzulässig erklärt; aber dafs der Reiter mit dem Grofsen Gott identisch wäre, gab 
auch er zu®^ Indessen auch das ist nicht ganz zutreffend, sondern es liegt nur 
eine vorübergehende Verschmelzung zweier Figuren vor, indem der Reiter von dem 
Grofsen Gott das Füllhorn als Attribut annimmt; vielleicht gehört in dieselbe Zeit 
eine kleine Gruppe von Münzen, auf denen der gelagerte Gott ohne Füllhorn 
dargestellt ist*'. Aber der letztere bleibt immer der griechische Gott, während 



8^) MUnzen Nord -Griechenlands i, 2200 — 2208, wängler Sammlung Sabouroflf i, 36. 

Taf. IV, 13, 83) Münzen Nord -Griechenlands i, 2185 — 2188, 

82) Journal of helUnic Studics 6, 303; ähnlich Furt- Taf. IV, 5. 



102 Pick, Thrakischc Münzbildcr. 



der andere schon durch die Kleidung von ihm getrennt gehalten und nur durch 
das Füllhorn dem griechischen Unterweltsgotte assimilirt wird. Denn dafs das Füll- 
horn ursprünglich kein Attribut des Reiters war, zeigen alle seine Darstellungen auf 
älteren thrakischen Münzen. Und auch in Odessos selbst fehlt es nicht an Münzen, 
die den Reiter als Thraker, ohne das griechische Füllhorn, zeigen; es sind von 
diesem Typus jetzt drei verschiedene Stücke nachweisbar**, die wohl später als die 
anderen im II. oder I. Jahrhundert v. Chr., geprägt sind. Alle drei waren bisher 
unbekannt, so dafs es gut sein wird, eines davon hier abzubilden: 

Vs.: Bärtiger Kopf (mit Tänief) r. 

Rs.: OAHZi im Abschnitt. Bärtiger Reiter, bekleidet, im Galopp rechtshin, 
in der erhobenen Rechten den Speer, in der Linken die Zügel; unter dem 
Leibe des Pferdes Zfl. Feld leicht vertieft. 

Bronze, 20 mm. — Gotha. — Abbildung der Rs.: Nr. 22. 
Die beiden anderen Exemplare sind im Stil sehr verschieden von dem abgebildeten 
und unter sich; auf dem einen hat der Reiter keinen Speer, sondern er erhebt die 
Rechte nach vorn, und der Mantel flattert hinter ihm; auf dem anderen scheint er 
aufser dem Speer auch einen Helm zu haben; gemeinsam ist ihnen, dafs das Pferd 
nicht schreitet, sondern galoppirt. Darin entspricht dieser Typus dem der odrysi- 
schen Königsmünzen**, auf denen seit dem V.Jahrhundert fast immer der Reiter 
im Galopp dargestellt ist, meistens mit Speer, aber zuweilen auch die Rechte nach 
vorn erhebend. Die Verwendung für die Königsmünzen bestätigt, dafs der Reiter- 
typus eine national -thrakische Bedeutung hat; demgemäfs scheint sogar auf der 
Urkunde des Vertrages zwischen Athen und Ketriporis ein Reiter als Wahrzeichen 
.der thrakischen Könige angebracht zu sein *^ — Es wäre nützlich, den »thrakischen 
Reiter« genauer zu studiren, und mit Hülfe der Münzen, die bisher dafür nicht be- 
rücksichtigt worden sind, würde man wohl zu brauchbaren Resultaten gelangen. 
Die verschiedenen kleinasiatischen Reiterfiguren wären dabei ebenfalls zu berück- 
sichtigen; besonders der alte Typus des troischen Dardanos ist dem thrakischen 
sehr ähnlich, aber auch der pisidische Reitergott von Baris, Isinda u. s. w., der von 
einer Schlange begleitet erscheint ", der lydisch-phrygische Reiter mit dem Doppel- 
beil** und andere verwandte Figuren müfsten in den Kreis der Untersuchung ge- 
zogen werden, wobei dann agonistische Typen wie die Reiter von Tarent** und Cult- 
figuren auseinander zu halten sein würden. — 

Eine solche weitgreifende Untersuchung kann hier natürlich nicht angestellt 
werden. Die Betrachtung des Reiters auf den thrakischen Münzen spricht nicht 



**) Ebenda n. 2210 — 2212, Taf. IV, 15, zu erkennen. 

*^) Vgl. die Abbildungen in der guten Zusammen- ^') Für Isinda vgl. G. F. Hill im Brit, Mus, CaL 

Stellung von V. Dobrusky, La numismatique des Lycia Inirod. p. XCIV. Eine unedirte Kaiser- 

rois thraces (im bulg. Sbornik, Bd. I4), andere münze von Baris mit ähnlichem T)'pus befindet 

im Brit Mus. Cat, Thrace p. 201 und 203. sich im Gothaer Kabinet. 

8*) C. I. A. 2, 66b. Nach Dumont {Alelanges *^) Vgl. Imhoof-Blumer .Älrt/«^ j»mj^ </if »«a«. 6, 62fg. 

d'arch, p. 469 n. ii2e) ist aufser dem Hinter- ^^) Über die Reiter von Tarcnt s. Evans Num. 

theil eines Pferdes auch ein Bein eines Reiters Chronicle 1889 (besonders Seite 14). 



Pick, Thrakische Münzbilder. 163 



dafür, dafs er ursprünglich ein Unterweltsgott gewesen wäre, wie das auch nirgends 
bezeugt ist; denn die Bezeichnung "Hpto; findet sich für ihn erst in späterer Zeit®®, 
und sein eigentlicher, thrakischer, Name ist überhaupt gänzlich unbekannt. Er 
macht auf den älteren Münzen durchaus den Eindruck eines Kriegsgottes, und 
die griechische Tradition, dafs Ares ein Hauptgott der alten Thraker gewesen sei, 
mag auf die weitverbreitete Verehrung des Reiter- Gottes zurückgehen. Die oben 
besprochenen Münzen von Odessos aus dem Anfang des II. Jahrhunderts sind wohl 
die ältesten, die ihn als einen friedlichen Herrscher erscheinen lassen; aber das 
Symbol dieses Wesens, das Füllhorn, hat er von einem hellenischen Gotte entlehnt; 
und es scheinen auch sonst keine älteren Denkmäler vorhanden zu sein, auf denen 
er sicher als Unterweltsgott zu deuten wäre. Auf den Münzen anderer Griechen- 
städte des thrakischen Gebiets kommt in vorrömischer Zeit kein Reiter vor; in der 
Kaiserzeit dagegen finden wir da vielfach Reiterfiguren, in denen zuweilen zwar 
sicher der Kaiser zu erkennen ist, sonst aber eher der alte reitende Gott gemeint 
zu sein scheint. In einer Stadt, wo der Reiter-Gott einen Cultus hatte, lag es nahe, 
den Reitertypus auf den Kaiser anzuwenden"; und so finden wir grade in Odessos 
den reitenden Kaiser als einen der festen Typen der städtischen Prägung schon 
von Traian an, während andere Kaiserfiguren nur auf den neuen Nominalen Gor- 
dians vorkommen. Auf einem Theil der älteren Münzen ist der Kaiser noch galop- 
pirend und den Speer schwingend dargestellt (wie auf der autonomen Münze Abb. 22), 
später erscheint er immer im Schritt, meistens mit dem Speer im Arm und durch 
die Tracht, zuweilen auch durch die Gesichtszüge, deutlich gekennzeichnet; letzteres 
gilt sogar für eine Münze des Severus, wo vor dem Reiter ein Altar steht'* wie 
auf manchen Reliefs. Das Füllhorn war hier, wo der Reiter-Gott in dem reitenden 
Kaiser aufgegangen war, natürlich nicht mehr als Attribut zu verwenden. Aber in 
zwei anderen Städten an der Westküste des Schwarzen Meeres, Tomis und Istros, 
finden wir auf Kaisermünzen noch den Reiter mit Füllhorn, der eben wegen dieses 
Attributs als ein Gott anzusehen ist. 

Von Tomis ist nur eine Münze dieser Art nachweisbar, welche hier zum 
ersten Mal publicirt wird: 

Vs. [BHPW] I KAICAPI Brustbild des Marcus Aurelius als Caesar mit Gewand 

linkshin. 
Rs. TOMl|TßN Bärtiger Reiter, bekleidet, mit flatterndem Mantel, im Trab 

rechtshin, in der erhobenen Rechten das Füllhorn, in der Linken die Zügel. 
Bronze, 18 mm. — Bukarest. — Abbildung der Rs.: Nr. 23. 

Darstellungen eines ähnlichen Reiters kommen auf Reliefs im Gebiet von Tomis 
öfter vor; von diesen haben einige auch Inschriften, in denen die dargestellte Figur 

**) In Odessos nur einmal: Neue Jahrbücher f. cl. — und bis heutigen Tages — im thrakischen 
Phü. Suppl. 19 (1853) 372,6, ein bekleideter Gebiet nicht selten die alten Bilder des Reiter- 
Reiter im Galopp mit der Dedication ^Hpwc gottes für den heiligen Georg genommen wurden ; 
Mavep.aTu). vgl. Dumont MeL d'arch. p. 509. 

^') Es sei hier erwähnt, dafs in christlicher Zeit '*) Münzen Nord-Griechenlands i, Taf. IV, 25. 



i64 



Pick, Thrakische MUnzbilder. 



als 'Hpo); mit oder ohne Beinamen bezeichnet wird®'; aufserdem giebt es andere 
Inschriften von Tomis, welche den Cultus eines Heros bezeugen, aber keine bild- 
liche Darstellung von ihm geben ^\ Diese Denkmäler gehören wohl sämmtlich der 
römischen Kaiserzeit an®* und sind theils von Privatleuten, theils von einem be- 
sonderen Cultverein gestiftet ®^ Vor dem Reiter steht auf den Reliefs, abgesehen 
von anderen Theilen der Darstellung, regelmäfsig ein Baum mit einer Schlange, 
was auf eine Figur aus dem Kreise der Unterweltsgottheiten hinweist ebenso 
wie der Name, der einmal sogar zu "Hpco; xoiTa('/l)6vioc) zu ergänzen ist®^ Das 
Füllhorn aber, durch das der Reiter der Münze ebenfalls als ein Gott dieses 
Kreises bezeichnet wird, scheint der Reiter der Reliefs nie zu haben ®®; und es mufs 
dahingestellt bleiben, ob beide Figuren identisch sind, der »Heros« der Inschriften 
also zeitweilig auch von der Stadt als solcher unter die Götter des öffentlichen 
Cultus aufgenommen worden ist; durch die Beigabe des Füllhorns wäre der 
ursprünglich thrakische Gott dann hellenisirt. — Ob er auch als Gott der helleni- 
schen Stadt den Namen ''Hpwc, mit oder ohne Beinamen, führte, bleibt zweifel- 
haft. Es ist in Tomis in der Kaiserzeit auch ein städtischer Cultus des Flu ton 
nachweisbar, durch die Inschrift®* eines Priesters lspciTs6cjavTo; n>.o6ttt)vi xal Ar^jir^Tpi 
xat 8ea KopiQ, also in derselben eleusinischen Verbindung wie in Odessos; doch 
ist kaum anzunehmen, dafs man unter n^^oüteov den Reiter- Gott verstand, dessen 
städtischer Cultus ja auch nur kurze Zeit gedauert zu haben scheint. Die 
Münzen der Katserzeit haben in Tomis keinen so geschlossenen Bilderkreis wie 
in Odessos, so dafs sie auch keine so geschlossene Vorstellung von dem Cultus 
der Stadt geben. 

Gröfseren Einflufs hatte der Reiter-Gott auf den Cultus von Istros, der mi- 
lesischen Colonie südlich von den Donaumündungen. Aber auch hier tritt er erst 
in der Kaiserzeit auf. Zunächst finden wir ihn mit dem Füllhorn, dem Typus von 



^3) Arch.-cp. Mitth. aus Österreich 6, i8, 38 fHpcui 
M . . . fid/u), vgl. Anm. 90); 6, 19, 39 CHpüi;); 
8, 3, 7 = *C. I. L. 3 Suppl. 7532 {Ero etD{pmnoX)), 
— Vgl. Anm. 97. — Auch der Kopf des nach dem 
Stadtnamen erfundenen Stndtgründers Tomos fin- 
det sich auf Münzen der Kaiserzeit zuweilen mit 
der Umschrift TOMOV HPflOC (öfter TOMOC 
KTICTHC oder auch TOMOC allein); aber da 
bezeichnet Ijpu); nur den berühmten Mann der Vor- 
zeit, mit dem Heros -Gott hat das nichts zu thun. 

^^) Arch.-ep. Mitth. aus Ost. 8, 6, 14 {Heroi inuicto 
sacro); 14, 18, 40 (Eroni inv(Jcto) aus Adam- 
klissi; cf. 14, 18, 32 Henkel mit ''Hpuivoc)! C. I. 
L. 3 Suppl. 7543 (/. O. M, Heroi). — Vgl. 
auch Anm. 97. 

«^) Nur arch.-ep. Mitth. 6, 18,38 könnte allenfalls 
etwas älter sein. — Das Relief über dem Volks- 
beschlufs arch.-cp. Mitth. 14, 22, 50 (vgl. oben 
Anm. 49), von dem nur die Pferdehufe und 



andre geringe Reste erhalten sind, stellte wohl 
nicht den Reitergott dar, sondern die in der 
Inschrift erwähnten Dioskuren. 

96) Über den Cultverein vgl. Kleinsorge, De civit. 
Grcucarum in Ponti Euxini ora occ, sitarum 
rebus (Diss. Halle 1888) p. 31, und neuerdings 
Ziebarth, Das griechische Vereinswesen S. 58 
und 207. Sicher auf den ^Hpiuc bezieht sich nur 
die Inschrift Arch.-ep. Mitth. 6, 19, 39, aber viel- 
leicht auch 19, 222, 89; in andern Fällen ist es 
unsicher, um welchen Cultus es sich handelt, so 
auch bei dem Fragment 19, 223, 90, in dem von 
xXeivoxoOjxot die Rede ist, was doch wohl mit 
Theoxenien zusammenhängt. 

9^ Arch.-ep. Mitth. a. Ost. 19, 93, 36 bilingue In- 
schrift: Heroi Sacrum .... "Hpcui xaTa()r8ovt»|)). 

98) Wenigstens ist es in den Beschreibungen nie 
erwähnt. 

99) Arch.-cp. Mitth. a. Ost. 8, 8,21. 



Pick, Thrakische Münzbilder. 165 



Odessos noch ähnlicher als der Reiter von Tomis, auf Münzen des Pius und des 
Commodus. Eine von diesen ist die folgende: 

Vs. AVT M AVP KOM | ANTflNINOC Brustbild des Commodus mit Lorbeer- 
kranz, Panzer und Mantel rechtshin. 
Rs. ICTPIHN|fl|N Bärtiger Reiter, bekleidet, im Schritt rechtshin, in der einen 
Hand das Füllhorn, in der anderen die Zügel. 
Bronze, 22 mm. — Im Handel. — Abbildung der Rs.: Nr. 24. 
Vergleichung mit den Münzen des Pius lehrt, dafs der Reiter das Füllhorn in der 
rechten Hand hat und dafs er aufser der sonstigen Kleidung einen Mantel trägt, 
wie der Gott von Odessos; nur ist der Kopf hier unbedeckt. 

Spricht sich in diesem Typus dieselbe Verschmelzung des thrakischen Reiters 
mit dem griechischen Untervveltsgott aus wie in Odessos und Tomis, indem der 
Reiter das Füllhorn des anderen als Attribut angenommen hat, so finden wir auf 
späteren Münzen von Istros, seit. Severus, den Reiter-Gott in wesentlich veränderter 
Gestalt. Ich beschreibe eines der frühesten Exemplare des neuen Typus: 
Vs. A K A C€TTT | C€VHPOC TT Brustbild des Septimius Severus mit Lorbeer- 
kranz, Panzer und Mantel rechtshin. 
Rs. ICTPIHJNßN Bärtiger Reiter mit Kalathos auf dem Kopf, bekleidet und 
mit Mantel, im Schritt r.; hinter ihm ein Stab, auf dem ein Vogel r. steht. 
Bronze, 30 mm. — Sammlung Löbbecke. — Abbildung der Rs.: Nr. 25. 
Auf anderen Münzen des Severus erscheint dann noch unter dem erhobenen rechten 
Vorderfufs des Pferdes ein Altar, und in dieser Form kehrt der Typus unter den fol- 
genden Kaisem regelmäfsig wieder, bis die Prägung unter Gordian überhaupt erlischt. 
Wegen des Kalathos auf seinem Kopf wurde dieser Gott bisher gewöhn- 
lich als reitender Sarapis bezeichnet*®^ Aber es gilt hier dasselbe, was wir 
oben bei dem stehenden ösic Mi^az der Kaisermünzen von Odessos bemerkt haben: 
der Kalathos ist, wie die Münzen des Pius und Commodus lehren, kein ursprüng- 
liches Attribut des Gottes, sondern der Reiter hat ihn erst unter Severus angenommen, 
und zwar ebenso wie der grofse Gott von dem alexandrinischen Sarapis; nur ist es 
in Istros eine ursprünglich thrakische, in Odessos eine ursprünglich griechische 
Figur, die durch die Annahme dieses äufseren Abzeichens mit jenem innerlich ver- 
wandten Gotte in Verbindung gesetzt wurde. Für den grofsen Einflufs der ägyp- 
tischen Gottheiten in Nordgriechenland*®* ist auch diese Modification älterer Cult- 
gestalten ein bemerkenswerthes Zeichen. — Welchen Namen der Reiter-Gott in Istros 
geführt hat, ist nicht bekannt, da Dedicationen an ihn bisher nicht nachgewiesen 
sind *®', Nur auf einem Grabdenkmal *°' aus dem Gebiet von Istros ist er dargestellt, 

i^)Nur Drexler Mythol. Beiträge 1,89 dachte an Mitth. 11, 64, 134); das könnte eine ähnliche 

den thrakischen Reiter. — Vgl. meine Einleitung Umschreibung für den Namen des Unterwelts- 

zu Istros S. iS7fg. gottes sein wie Öeic M^ya« in Odessos. — Auch 

JO»)Vgl. W. Drexler, Mythologische Beiträge Heft i. das sacerdotium ATLIBER. . (arch.-ep. Mitth. 17, 

*®-)Einc Inschrift aus Dulgheru (Kreis Hirschowa), 87, 11) könnte allenfalls mit dem Reiter-Gott 

die vielleicht in das Gebiet von Istros gehört, etwas zu thun haben, 
ist einem Beüj Maj^upw gewidmet (Arch.-ep. 'ö^) Arch.-ep. Mitth. 19, 92, 35 aus Kassapkiöi, 



l66 Pick, Thrakische Münzbilder. 



wodurch wenigstens bestätigt wird, dafs er auch hier in der Kaiserzeit als eine 
Unterweltsgottheit angesehen wurde; dem Reiter gegenüber erscheint eine sitzende 
Frau, die ihm die rechte Hand entgegenstreckt, unter dem Pferde ein Hund und 
daneben ein Altar mit Schlange; leider ist das Relief nicht genauer beschrieben, 
so dafs wir nicht wissen, ob der Gott in rein thrakischer Gestalt oder mit Füllhorn 
oder anderen Attributen dargestellt ist. — Sehr auffallend ist das Attribut, das auf 
den Münzen seit Severus regelmäfsig hinter dem Reiter angebracht ist, der im 
Boden steckende Stab, auf dem ein Vogel steht. Der Stab ist sehr verschieden 
geformt; gewöhnlich ist er unten zugespitzt"*, nur auf den allerdings sehr rohen 
Münzen Gordians ist er von oben bis unten gleich dick und sieht aus wie ein 
Pfeiler oder eine Säule; in anderen Fällen würde man ihn am liebsten für eine 
Fackel halten, auf die aber der Vogel nicht pafst. Der Vogel könnte ein Adler 
sein oder noch passender vielleicht ein Seeadler, da das Wappen von Istros ein 
Seeadler mit einem Delphin in den Krallen ist"*. Wenn der Stab ein Scepter 
sein soll, so wäre die Verwandtschaft mit dem schon erwähnten Typus der Münzen 
von Sinope beachtenswerth"*, die einen bärtigen Gott mit Kalathos auf einer 
Kline gelagert zeigen, mit dem Scepter im linken Arm und einem Adler oder See- 
adler auf der rechten Hand. Beide Städte waren alte milesische Colonien, und 
der Seeadler mit dem Delphin war auch in Sinope ein Haupttypus der älteren 
Münzen; darum konnte hier wie dort der Seeadler mit jedem beliebigen Gotte, der 
für die Stadt Bedeutung hatte, in Verbindung gebracht werden. Ob in Sinope 
dieser Gott, der mit dem alexandrinischen Sarapis ohne Zweifel verwandt ist, 
auch selbst mit vollem Rechte Sarapis genannt werden darf, ist nicht so sicher. 
Denn der ganze Typus ist für Sinope neu, er taucht erst auf den Kaisermünzen 
auf"', während in der autonomen Prägung der Stadt, die sich durch Jahrhunderte 
verfolgen läfst, keine Spur von Sarapis oder irgend einem verwandten Gotte zu 
finden ist"^ Damit ist nicht gesagt, dafs die Überlieferung, die das älteste Cult- 
bild des Sarapis von Sinope nach Alexandreia kommen läfst, falsch sein mufs; 
das Werk des Bryaxis kann sehr wohl in Sinope existirt haben, wenn auch die 
vorrömischen Münzen und Inschriften dort keinen Sarapiscult bezeugen. Aber wer 
der dargestellte Gott war, wissen wir nicht. Da er ein Hauptgott der hellenischen 
Stadt Sinope war, so mufs es ein hellenischer"® Gott gewesen sein, wahrschein- 
lich Pluton — vielleicht unter einem besonderen lokalen Namen — , wie es auch 
der Überlieferung am besten entspricht. Zweifelhaft bleibt indessen, ob der Cultus 
dieses Gottes überhaupt ununterbrochen und unverändert von der ältesten Zeit an 



»04) Vgl. in meinem ersten Bande Taf. III, 8. 9. * Cultus in Kleinasien • (Num. Zschr. 1889) S. 5 fg. 

lOijDas lehrt aufser den Münzen besonders das **^^)Über die autonome Prägung von Sinope vgl. 

Dekret zu Ehren des Aristagoras (oben Anro. 55); J. P. Six im Numism, ChronUU 1885. 

vgl. meine Einleitung zu Istros S. 150. *^)Der Kalathos spricht nicht dagegen; ihn hätte 

106) Vgl. oben Anm. 50. Bryaxis nur von einem älteren Caltbild des Gottes 

^o^)Eine Zusammenstellung der »Sarapis«-Typen von beibehalten; dafs in der Zeit, wo die milesischen 

Sinope giebt W. Drcxler, Der Isis- und Sarapis- Colonien am Schwarzen Meere gegründet wurden, 



Pick, Thrakische Münzbilder. 



167 



beibehalten worden war, und ferner ob dann in der Kaiserzeit, als der in Ägypten 
zum Sarapis umgebildete Gott von Alexandreia her auch nach seiner alten Hei- 
math Sinope kam, die beiden Gestalten mit einander verschmolzen worden sind, 
oder der alte hellenische Unterweltsherrscher seine Sonderexistenz neben dem 
neuen bewahrt hat wie in Odessos der 9e6c Mr/«»- — Aber es ist nicht mög- 
lich, alle damit zusammenhängenden Fragen hier zu behandeln; es wäre nur zu 
wünschen, dafs bessere Kenner der Mythologie bei Arbeiten über die Unterwelts- 
gottheiten die Münzen ausgiebiger benutzten. Mir kam es hier nur darauf an, zu 
zeigen, dafs eine der mannichfachen Gestaltungen, in denen der Beherrscher der 
Unterwelt auf Münzen erscheint, auf Umbildung des alten thrakischen Reiters be- 
ruht. Wir fanden ihn zuerst in Odessos hellenisirt, mit dem Füllhorn des Grofsen 
Gottes als Attribut, dann aber, nachdem er einmal in den öffentlichen Cultus der 
Stadt eingedrungen war, auch ohne Füllhorn in äufserlich rein thrakischer Form; 
aber in anderen Städten desselben Gebiets, Tomis und Istros, tritt er wieder 
mit dem Füllhorn auf, bis der hellenisirte Gott in letzterer Stadt schliefslich, 
unter Verzicht auf dieses Symbol, mit dem alexandrinischen Sarapis verschmolzen 
erscheint. 

VI. Der Kolofs des Apollon von Kaiamis und andere Apollon-Typen. 

Als Marcus LucuUus im Jahre 72 v. Chr. die Griechenstädte an der West- 
küste des Schwarzen Meeres eroberte, die mit Mithradates verbündet gewesen waren, 
entführte er aus Apollo nia eine alte Kolossalstatue des Apollon, ein Werk des 
Kaiamis, und stellte sie in Rom auf dem Capitol wieder auf '*°. Eine Beschreibung 
dieses Bildes ist nicht überliefert; nur dafs es ein Kolofs war, berichten die Autoren. 
Münzen von Apollonia, auf denen man eine Nachbildung der Statue hätte erwarten 
können, kannte man nicht; denn bisher waren es nur Kaisermünzen, die man dieser 
Stadt sicher zutheilen konnte, und die auf ihnen erscheinenden ApoUontypen kamen 
natürlich nicht in Betracht^*'. Seit kurzem wissen wir aber, dafs gewisse Münzreihen 
aus älterer Zeit — vom V. bis zum IL oder I. Jahrhundert v. Chr. — , die man für 
kleinasiatisch gehalten hatte, vielmehr in Apollonia Pontica geprägt sind. Die zu- 
verlässigen Fundangaben, aus denen das mit zweifelloser Sicherheit hervorgeht, 
verdanken wir dem verdienten Numismatiker des bulgarischen Nationalmuseums in 



der Kalathos auch anderen männlichen Gottheiten 
gegeben wurde, lehrt der Apollon von Olbia, 
von dem unten die Rede sein wird (Abbil- 
dung 31; S. I72fe0- 
"*)Strabo 7, 6, i; Plinius n, k, 34, 39; Appian 
lllyr. 30. — Über den Feldzug des M. Lucullus 
vgl« meine Einleitung zu Moesia inferior (Münzen 
Nord- Griechenlands i, 64 fg.). — In Rom stand 
der Kolofs wohl auf dem Capitol, wie Strabo 
und Plinius übereinstimmend berichten; Appians 
Jahrbuch des arehiologlschen Instltuti XnJL 



Angabe tov dvaxef.uevov 2v t(^ DaXaT^cp kann 
ein Flüchtigkeitsfehler sein; vielleicht dachte er 
an den Apollo Palatinus. 
1*1) Auf Kaisermünzen findet sich in Apollonia öfter 
ein Tempel, in dem als Cultbild ein stehender 
nackter Apollon erscheint; seine Attribute sind 
nirgends deutlich. — Einmal erscheint auf einer 
Münze derselben Zeit als Vorderseite statt eines 
Kaiserkopfes dns Brustbild des eponymen Gottes 
Apollon mit Lorbeerzweig vor der Brust. 

12 



l68 Pick, Thrakische Mtinzbilder. 



Sophia, Herrn D. E. Tacchella**'; seine Beobachtungen sind im letzten Heft der 
Revue numismoHque publicirt, und ich habe an derselben Stelle in einem Nachtrag 
zu seinem Artikel die Bedeutung dieser Entdeckung schon hervorgehoben; da aber 
dort die Abbildungen fehlen, so komme ich auf das, was archäologisch interessant 
ist, hier noch einmal zurück. 

Die Funde lehren, dafs die bisher sehr verschieden zugetheilten Münzen mit 
einem Anker auf der einen Seite alle oder zum grofsen Theil in ApoUonia Pontica 
geprägt sind. Ganz sicher ist es für alle diejenigen, die auf der anderen Seite einen 
ApoUontypus haben, und diese allein kommen hier in Betracht. Die ältesten von 
ihnen haben auf der Vorderseite nur den Kopf des ApoUon'^'; aber da die Stempel- 
schneider grade der besten Zeit die genaue Wiedergabe statuarischer Vorbilder 
dabei verschmähten, so wird daraus nichts für den Stil der Statue zu lernen sein. 
Aber auf späteren Münzen, die wohl alle in das zweite Jahrhundert gehören, er- 
scheint Apollon in ganzer Figur, entweder sitzend oder stehend. Der auf dem 
Omphalos sitzende Apollon ist nur eine Nachahmung des verbreiteten Typus 
der Seleukidenmünzen, die in dieser Gegend auch circulirten, wie ich für die nahe 
verwandte Darstellung der Münzen von Istros an einem anderen Orte nachgewiesen 
habe***; aber auch sonst könnte man in dieser sitzenden Figur keine Copie der 
Kolossalstatue sehen. Wir haben uns also nur mit dem Typus des stehenden 
Apollon von ApoUonia zu beschäftigen, der zunächst auf zwei silbernen und einer 
kupfernen Ankermünze erscheint: 

a) Vs. AP|OA im Felde. Anker. 

Rs. Nackter Apollon nach vorn stehend, in der vorgestreckten Rechten einen 
Zweig, in der etwas gesenkten Linken den Bogen und zwei Pfeile; die 
rechte Hand ist vielleicht auf eine Säule gestützt. 

Silber, \^ mm.; Gewicht 2,55 g. — Sammlung Six. — Abbildung: Nr. 26. 

b) Vs. ebenso wie a. 

Rs. ebenso wie a, aber der Zweig in der Rechten des Gottes reicht bis zum 
Boden (ohne Stütze). 

Silber, 20 mm.; Gewicht 3,62 g. — Berlin (Imhoof-Blumer Griech. Münzen 
S. 85, ISS, Tafel VI, 19). — Abbildung der Rs.: Nr. 28. 

c) Vs. A im Felde links. Anker. Perlkreis. 

Rs. ebenso wie b, aber der Kopf des Gottes vielleicht linkshin und das Attribut 
in der Linken undeutlich. 

Bronze, is mm. — Sammlung Imhoof [Monnaies grecques 237,48). — 
Abbildung der Rs.: Nr. 27. — Ein gleiches Stück, auf dem der Bogen in 
der Linken des Gottes noch erkennbar ist, war unter den in ApoUonia 
selbst gefundenen Münzen; vgl. Tacchella Revue num. 1898, 212, 10. 

^^"^ Revue numismatique 1898, 210—218 (Tacchella) —33; 236, 36—42. — Abbildung eines Kopfes 

und 219—230 (Pick). auch bei Overbeck Apollon, MUnztafel II, 51. 

"^ Imhoof-Blumer, Monnaies grecques p. 235, 28 >i^) Münzen Nord-Griechenlands i, iS2fg. 



Pick, Thrakische Münzbilder. ißn 



Von diesen drei Münzen ist vielleicht die kupferne als die älteste anzusehen, weil 
3ie den Stadtnamen noch durch das blofse A angiebt; von den silbernen zeigt die 
der Sammlung Six viel feinere Arbeit und ist also wohl älter als die Berliner. Aber 
alle drei gehören wohl in die erste Hälfte des II. Jahrhunderts v. Chr. Dafs der 
alterthümliche Typus des Apollon nicht erst in dieser Zeit entstanden ist, ist sicher; 
man wird das auf der Münze nachgebildete Original spätestens um 450 anzusetzen 
haben, und da die Münzen in Apollonia geprägt sind, so wird man ohne weiteres 
berechtigt sein, das Vorbild ihrer Darstellung in dem Apollonkolofs des Kaiamis 
zu suchen. 

Dasselbe gilt für die beiden folgenden, gröfseren Münzen: 

a) Vs. Kopf des Apollon mit Lorbeerkranz rechtshin. 

Rs. APOAAnN[OZ] r., IATPO[y] 1. Nackter Apollon nach vorn stehend und 
Hnkshin blickend, die Rechte auf einen langen Zweig gestützt, in der ge- 
senkten Linken Pfeil und Bogen; zwischen dem Zweig und dem r. Ober- 
schenkel Spuren von Schrift oder Beizeichen. 

Bronze, 24 mm. — Sammlung Löbbecke (Grotefend Anzeiger 1870, 
19,2; Sallet Zeitschrift für Numismatik 5, 108; Löbbecke ebenda 15,4). — 
Abbildung: Nr. 29. 

b) ebenso, aber mit vollständiger Schrift APOAAßNOS lATPOY. Roherer Stil. 

Bronze, 25 mm. — Paris (Lambros Bulletin de corr. hell. 2, 508, 2, 
pl. XXIV, 2; bessere Abbildung der Rückseite bei Overbeck, Apollon, 
Münztafel I, 28). — Abbildung: Nr. 30. 
Man hatte auch diese Münzen, deren Fundort unbekannt ist, für kleinasiatisch ge- 
halten; nur Herr Löbbecke schlug fiir sein Exemplar die richtige Zutheilung vor, 
weil die Fabrik die gleiche ist wie bei den Münzen der Nachbarstadt Mesambria. 
Jetzt lehrt die genaue Übereinstimmung des Apollontypus mit dem der drei Anker- 
münzen, dafs diese beiden Stücke wirklich nach Apollonia gehören, wo übrigens 
auch der Beiname 'Ir^tpo^ für Apollon inschriftlich bezeugt ist"*. Für die Vorderseite 
ist der Typus der älteren Silbermünzen, der Kopf des Apollon, wieder aufgenommen; 
sie sind aber wohl später als die drei Ankermünzen, vermuthlich aus gleichem An- 
lafs und gleichzeitig wie die Tetradrachmen von Odessos"* mit 0EOY METAAOY, 
also nur wenige Jahrzehnte vor der Entführung der Statue aus Apollonia, geprägt. — 
Suchen wir unter den römischen Münzen nach Apollontypen, die den Gott ähnlich 
genug darstellen, um ebenfalls als Nachbildungen der Statue des Kaiamis angesehen 
werden zu können, so werden wir in späte Zeit geführt. In ähnlicher Haltung 
erscheint zwar Apollo auf vielen Kupfermünzen, nicht selten auch mit dem Lorbeer- 
zweig in der Rechten; aber der einzige Typus, bei dem wahrscheinlich bewufste 
Nachahmung jener Statue vorliegt, findet sich auf Kupfermünzen des Gallus und 
des Volusianus, die einen nackten Apollon mit Zweig und Bogen (?) auf einem 



>»*)Dumont Mel. d'arck. p. 459 n. ili d 7: xx^aotc 'IrjTpfui]. Die Inschrift gehört wohl in den An- 

TT)v tA\v4 jAetd TTjv IxTiTwaiv .... 'AttöXXwvi fang der römischen Zeit. 

»»6) Vgl. oben S. 155. 



170 



Pick, Thrakische Münzbilder. 



Berge stehend zeigen*". Da der Kolofs des Kaiamis in Rom auf dem Capitol 
stand und die Attribute mit denjenigen der Münzen von Apollonia übereinstimmen, 
so dürfen wir vielleicht auch auf diesen römischen Münzen das Werk des Kaiamis 
wiedererkennen. 

Overbeck, der von den griechischen Münzen nur die beiden letzten, die mit 
der Beischrift 'Ätt^XXwvoc 'latpoü, kannte, und zwar nur die rohere aus eigener An- 
schauung, glaubte in dem Typus die Nachbildung einer streng archaischen Statue 
erkennen zu sollen*^', wozu ihn wohl namentlich die Haltung der Oberarme und 
die Stellung der Beine veranlafste. Aber diese Steifheit kommt auf die Rechnung 
des ungeschickten Stempelschneiders, durch dessen Schuld wohl auch der Kopf 
des Gottes so übertrieben, direkt nach links gedreht erscheint; die besseren Wieder- 
holungen der Statue, auf den Ankermünzen, lehren, dafs das Original schon eine 
wesentlich freiere Behandlung zeigte, so wie sie ftir die Zeit des Kaiamis passend ist. 
Man erkennt trotz der Kleinheit der Reproduktionen wenigstens, dafs der nackte 
Gott ruhig stehend dargestellt war, der linke Fufs et\vas zurücktretend und entlastet, 
der Kopf vielleicht ein wenig nach links (zur rechten Schulter) geneigt; die Arme 
liegen nicht eng an, sondern schon die Oberarme sind etwas vom Körper getrennt. 
In der Haartracht stimmen die Exemplare nicht genau überein; vielleicht ist sie am 
treuesten auf der Berliner Silbermünze (Abb. 28) wiedergegeben, wo sie so auffallend 
ist, dafs man sie schwerlich dem Stempelschneider zuschreiben kann. Deutlich sind 
die Attribute, der Lorbeerzweig in der Rechten, der Bogen mit zwei Pfeilen in 
der Linken; zweifelhaft bleibt nur, in welcher Weise bei dem Original der Lorbeer- 
zweig behandelt war. Auf den meisten Münzen erscheint er deutlich als ein langer 
Zweig, den der Gott mit der Rechten auf den Boden stützt'"; aber bei der stilistisch 
besten Münze (Abb. 26) sieht es eher aus, als ob der Stamm unterhalb der Hand 
eine Stütze wäre, etwa wie bei der Nachbildung der Parthenos auf einer kilikischen 



»•'^) Cohen 5', 239, 23. 24 (Gallus) und 268, 17. 18 
(Volusianus) mit der Beischrift ARN AS I oder 
ARN AZI im Felde, deren alte Erklärungen kürz- 
lich von Mowat durch den Nachweis widerlegt 
worden sind, dafs Arnasius ein römischer Eigen- 
name ist {Revue num» 1898, 287 s.); was das Wort 
mit dem Apollo zu thun hat, bleibt aber nach 
wie vor unklar, da die Vcrmuthung, dafs der dar- 
gestellte Apollo das besondere Cultbild der Ar- 
nasier war, auch nicht viel weiter hilft. — Das von 
Overbeck abgebildete Exemplar (Apollon, Münz- 
tafel III, 29; S. 310) zeigt in der Linken des 
Gottes eine Schlange statt des Bogens, aber 
selbst wenn das auf allen Exemplaren so sein 
sollte, würde die Identification mit der Statue 
des Kalarais wahrscheinlich bleiben, weil der 
Gott auf einem Berge steht und offenbar ein 
Kolossalbild gemeint ist. Die Ersetzung des Bo- 
gens durch die Schlange könnte den Zweck ge- 



habt haben, den Apollo als Heilgott zu be- 
zeichnen; auf gleichzeitigen Münzen, die ihn in 
sehr ähnlicher Haltung zeigen, ist er Apolh Salu' 
taris genannt (Cohen ^'\ 238, 19—22 und 268, 
13—16,- Overbeck Münztafel III, 58); man hat 
wohl beides mit der Pest, die damals wüthete, in 
Verbindung zu bringen (vgl. Eckhel D. N, 7, 357). 

"'') Kunstmythologie 4, Apollon, S. 27. 

"') Ebenso erscheint Apollon mit aufgestütztem Lor- 
beerzweig auf Münzen von Metapont (z. B. 
Overbeck Münztafel III, 9, noch ähnlicher auf 
einem Stück in München); dagegen in der pam- 
phylischen Stadt Side fmdet sich als regel- 
mäfsiger Typus ein Apollon, der in der vor- 
gestreckten Rechten frei einen kurzen Lorbeer- 
zweig hält (z. B. Overbeck Münztafel III, 52; 
vgl. aber 53; näheres bei Six A^um. chronicle 
1897, 194 f., pl. IX). — Vgl. auch Furtwängler 
in Roschers Lexikon i, 456 fg. 



Pa 



■ 



Pick, Thrakische MUnzbilder. 



171 



Münze "°; die römischen Münzen geben dem Gott ebenfalls einen kurzen Zweig, 
aber ohne Stütze. Vielleicht geben einst bessere Exemplare Aufschlufs über diesen 
Punkt, der für die Würdigung des Originals ja nicht unwichtig ist. 

Inwieweit dieser Nachweis einer ApoUonstatue des Kaiamis auf Münzen 
kunstgeschichtlich zu verwerthen ist, das wird von archäologischer Seite zu be- 
urtheilen sein. Jedenfalls klären uns die Münzbilder über Stellung und Attribute 
des Originals auf, und vielleicht wird es mit ihrer Hülfe möglich sein, etwaige Nach- 
ahmungen oder Umbildungen in der grofsen Kunst nachzuweisen. — Ob für die 
Gestalt des anderen Apollon von Kaiamis, des Alcxikakos im Kerameikos zu 
Athen"', daraus etwas sicheres zu lernen ist, lasse ich dahingestellt; von den 
Apollon-Darstellungen auf attischen Münzen scheint diejenige mit dem Zweig in 
der gesenkten Rechten und dem Bogen in der vorgestreckten Linken, die als Bei- 
zeichen auf Tetradrachmen und auch als selbständiger Typus vorkommt "', am 
ehesten auf Kaiamis zurückführbar zu sein; die Statue stände dann in der Mitte 
zwischen dem gebundeneren Hermes Kriophoros der Münzen von Tanagra"* und 
dem freieren ApoUonkolofs von ApoUonia. — 

Auf die Frage, ob der Lorbeerzweig als Attribut ganz allgemein den Apollon 
als Heilgott charactcrisirt, wie es für ApoUonia die letzten Münzen zeigen, kann hier 
nicht eingegangen werden. In den griechischen Colonien am Pontos Euxeinos scheint 
es so gewesen zu sein, da grade hier Apollon in den Inschriften vielfach den sonst 
nicht üblichen Beinamen 'Ir^tpo? führt und auf Münzen der Lorbeerzweig besonders 
häufig als sein Attribut erscheint, wenn auch die Zusammengehörigkeit von Attribut 
und Beinamen nur in ApoUonia ganz sicher ist. Auf Münzen von Pantikapaion, wo 
der 'AiToXXcüv 'Ir^ipo; in Inschriften am häufigsten vorkommt, findet sich der Gott 
nicht in ganzer Figur; aber auf einem Relief aus dieser Stadt"*, das Reinach eben 
in die Zeit des Kaiamis setzen will, hat Apollon aufser der Kithara einen langen 
Lorbeerzweig. — 

Auch ein anderes Relief, das ein statuarisches Original dieser Periode wieder- 
zugeben scheint, zeigt vielleicht den Gott mit demselben Attribut. Ich meine das 
oft erwähnte Turiner Relief, von dem Ricci kürzlich die erste Abbildung gegeben 
hat "*. Es zeigt eine alterthüm liehe Figur des Apollon, nackt, rechtshin stehend, 
der auf der vorgestreckten Rechten einen Vogel hält, während das Attribut der 
etwas gesenkten Linken fehlt. Ricci glaubt mit Overbeck, gestützt auf eine Münze 
von Alabanda"*, dafs dort der Bogen zu ergänzen sei; und das ist gewifs möglich. 



*'**)Imhoof und Gardner, Num. commentary ort Pau- 
sanias pl. Y n. XXII (p. 127). 

^2') Vgl. Furtwänglcr in Roschers Lexikon i, 456 
und Overbeck Apollon S. 165 fg. 

^^-)Inilioof und Gardner, Num. comm. on Pausanias 
pl. CC n. XV und XVII = Overbeck MUnztafel 
I^'i 33 (<lagegen ist Imhoof n. XVI = Overbeck 
n. 29 zu frei und giebt schwerlich dieselbe Statue 
wieder). 



^**)Vgl. die Abbildung bei Imhoof und Gardner 

pl. X n. XL XII (p. 116). 
^"^^^ Monuments ei memoires (Fondation Piot), tome 2, 

57-76, pl. VIL 
^^^) Rendiconti della R, Accademia dei Lincei 1897 

p. 222 s., Abbildung auf p. 224. Die Litteratur 

über das Relief dort und bei Overbeck Kunst- 

myth. 4, Apollon, S. 71. 
"«) Overbeck a, a. O, Seite 71, Münztafel V, 7. — 



1/2 



Pick, Thrakischc Münzbilder. 



Aber vielleicht ist die Annahme passender, dafs die linke Hand einen auf den 
Boden gestützten Zweig hielt, ähnlich wie auf den Münzen von Apollonia. Diese 
Vereinigung von Attributen, Vogel (Rabe) auf der Rechten und langer Lorbeerzweig 
in der Linken, findet sich auf Kaisermünzen von Sestos, von denen ich eine abbilde: 

Vs. AV K... I AAEEAN|AP.. Brustbild des Severus Alexander mit Lorbeer- 
kranz, Panzer und Mantel rechtshin. 

Rs. CHjClTinN Nackter Apollon 1. stehend, auf der vorgestreckten Rechten 
einen Vogel, im 1. Arm einen langen Zweig. 
Bronze, i8 mm. — Gotha. — Abbildung der Rs.: Nr. 32. 
Die Darstellung kehrt auf den späteren Kaisermünzen von Sestos so häufig wieder, 
dafs sie gewifs eine lokale Bedeutung hat und ein in Sestos vorhandenes Cultbild 
wiedergiebt, welches mit dem Original des Turiner Reliefs wohl verwandt sein 
könnte; auf anderen Münzen sieht die Figur auch alterthümlicher aus. Die Art, 
wie der Gott hier den Zweig hält, indem er ihn mit der Hand so umfafst, dafs er 
im Arm ruht, entspricht nicht der des Reliefs, wo die Hand mit dem Zweige frei 
vorgestreckt wäre; aber vielleicht steht dieser Typus dem Relief doch näher als 
der von Alabanda. — 

Schliefslich führe ich noch einen ApoUon-Typus an, der bisher nicht be- 
achtet worden ist. Sallet und Overbeck hatten schon hervorgehoben, dafs auf einem 
späten Tetradrachmon von Sinope eine alterthümliche Statue nachgebildet ist, die 
den Gott mit einem Lorbeerzweig in der Rechten und einem am linken Arm hän- 
genden kugeligen Gefäfs darstellt, und beide haben diesen Typus für die archaische 
ApoUonstatuette von Naxos im Berliner Museum zur Vergleichung herangezogen "\ 
Indessen der Apollon von Sinope ist nicht alterthümlich genug; er ist wohl nicht 
viel älter als der des Kaiamis in der Schwesterstadt Apollonia. Dagegen haben 
wir in einer dritten milesischen Colonie am Pontos Euxeinos einen Apollontypus, 
der wesentlich älter und dem von Naxos viel ähnlicher ist. Er findet sich auf 
Kupfermünzen von Olbia, die wahrscheinlich im L Jahrhundert n. Chr. geprägt 
sind und trotz aller Rohheit Beachtung verdienen; ich bilde ein Exemplar ab: 



Auf der dort ebenfalls zum Vergleich heran- 
gezogenen Münze von Tylisos auf Kreta 
(Münztafel V, 5) hat der Gott in der Rechten 
nicht einen Vogel, sondern einen Ziege n- 
kopf (s. Svoronos Num. de la Crete p. 329, 
pl. XXX. XXXI); sie kommt also nicht weiter 
in Betracht. — Dagegen kehrt der Typus viel- 
leicht auf einem Silbermedaillon des Hadrian 
wieder, das Fr. Gnccchi kürzlich publicirt hat 
{Rivisia dt num, 1898, 49, 8, I, 8); die Attribute 
des in einem Tempel stehenden Gottes sind 
nicht ganz deutlich, doch glaube ich den Vogel 
zu erkennen, und der Bogen ist mindestens 
möglich; danach würde auch dieses Medaillon 
der Stadt Alabanda zuzutheilen sein, auf deren 



Münzen übrigens noch andere beachtenswerthe 
Apollontypen erscheinen. 
i'7)A. V. Sallet Zschr. f. Num. 9, 139; Overbeck 
Apollon S. 36; anders Furtwängler in Roschers 
Lexikon i, 451. — Das Tetradrachmon von Si- 
nope ist nur in dem einen Exemplar der Samm- 
lung Waddington bekannt und zuletzt von Im- 
hoof (Zschr. f. Num. 20, 272, i, XI, 6) publi- 
cirt worden. Eine Kupfermünze der Stadt, 
die an derselben Stelle (272,2, XI, 7) neu 
beschrieben und abgebildet ist, zeigt eine ver- 
wandte Darstellung des Apollon, aber mit un- 
deutlichen Attributen (in der Linken den 
Zweig?); neben ihm steht ein Dreifufs. 



Pick, Thrakische MUnzbilder. 



173 



Vs. OA] BIOTTO Brustbild des Apoll on rechtshin. 

Rs. AJAAJOC I CATY Nackter ApoUon mit Kalathos nach vorn stehend, in der 

vorgestreckten Rechten ein ku gel ähnliches Attribut, in der L. Bogen und 

Pfeil. 

Bronze, 20 n^m. — Moskau, Histor. Museum. — Abb. d, Rs.: Nr. 31. 

Das Attribut in der rechten Hand, das einer Kugel ähnlich sieht, verjüngt sich etwas 
nach oben; ob es ein Salbgeföfs sein soll oder ein Granatapfel, möchte ich nicht 
entscheiden ^'^ Jedenfalls ist aber dasselbe gemeint wie bei der Statuette, und da 
also der Typus von Olbia dieser viel näher verwandt ist als der von Sinope, so 
wird man kein Bedenken mehr haben, auch dem Gott der Statuette einen Bogen in 
die linke Hand zu geben, wofür ja auch das Epitheton sxijßoXo? in ihrer Inschrift 
spricht. Nur dürfte Apollon hier den Bogen frei in der Hand gehalten haben, 
während das Münzbild ihn auf den Boden gestützt zeigt, was aber sehr wohl auf 
Willkür oder Ungeschicklichkeit des Stempelschneiders beruhen kann. Dagegen ist 
dieser sicher nicht willkürlich verfahren, indem er den Gott mit dem ungewöhn- 
liehen Kopfschmuck versah, der einem Kalathos gleicht, ganz wie bei den atheni- 
schen Münzbildern, die den delischen Apollon von Tektaios und Angelion wieder- 
geben'". Dieser Zug mufs auf Nachahmung des Originals beruhen, dessen hohe 
Alterthümlichkeit dadurch erwiesen wird; die Statue von Olbia könnte danach schon 
im Anfang oder um die Mitte des VI. Jahrhunderts geschaffen sein, nicht lange nach 
der Gründung der Colonie*". Sie ist jedenfalls älter als der Apollon des Kanachos 
in der Mutterstadt; an diesen schliefst sich dann das Vorbild der Münze von Sinope 
an, und der jüngste in dieser Reihe ist der Apollon des Kaiamis in Apollonia. 



VII. Der Hermes des Praxiteles. 

Um einen freien Platz am Ende der Tafel nützlich auszufüllen, bilde ich zum 
Schlufs das Münzbild von Anchialos^*' ab, das von Treu im Olympiawerk schon 



''^)Es sei hier auch auf den Apollon von Eleu- 
thernai in Kreta hingewiesen, der ebenfalls 
aufser dem Bogen ein kugeliges Attribut hält 
(Svoronos Num. de la Creie pl. XI u. XII; auch 
Overbeck Apollon Münztafel 111, 12 — 14). Dieses 
Attribut ist zuweilen, wenn es sich nach einer 
Seite verjüngt (z. B. Svoronos XI, 28), dem 
des Apollon von Olbia sehr ähnlich; aber die 
herrschende Ansicht, dafs es ein Stein sein 
soll, der für Apollon als Jäger passend wäre, hat 
doch viel für sich (vgL darüber Wroth im Brit, 
Mus, CaL CreUf Introd, p. XXVI); die Art, wie 
er den Gegenstand hält, ist sehr verschieden, 
zuweilen aber läfst sie die Deutung des Attributs 
als Salbgefäfs oder als Granatapfel ganz un- 
möglich erscheinen. — Eher könnte auf einer 
schriftloscn Kupfermünze mit ähnlichem Typus 



(Svoronos 134, 27, XI, 29 aus der Sammlung Im- 
hoof, ein anderes Exemplar in Gotha) dasselbe 
Attribut gemeint sein wie bei dem Apollon 
von Olbia und dem von Naxos; und ich würde 
diese Münze nach der Fabrik auch nicht für 
kretisch halten, sondern sie pafst besser in 
eine der Griechenstädte am Schwarzen Meer. 

'29) Overbeck Apollon S. 17 fg., Münztafel I, 17—20; 
vgl. auch S. 34 fg. — Die Apollonstatuette von 
Naxos, die den Kalathos nicht hat, ist wohl 
etwas jünger als die Statue von Olbia. 

130) Vielleicht stellte diese alterthümliche Statue den 
Stadtgott 'ArdXXuiv OpoaTcrTfjC dar, der aus zahl- 
reichen Weihinschriften der Strategen von Olbia 
bekannt ist (vgl. Latyschcv i, 60—73). 

'^')Anchialos lag nahe bei Apollonia und war ur- 
sprünglich nur eine Art von Stapelplatz der 



174 Pick, Thrakische Miinzbilder. 



berücksichtigt, aber meines Wissens bisher nur an schwer zugänglichen Stellen ab- 
gebildet ist"'. Das Verdienst, zuerst auf diese interessante Münze hingewiesen zu 
haben, hat Professor Schwarz in Moskau; ich verdanke einen Abgufs derselben 
meinem Freunde Alexei Oreschnikow daselbst. 

Vs. M AVPHAIOC 0V|HP0C [KAICAP] Brustbild des M. Aurelius als Caesar 
rechtshin. 

Rs. ANXIA|AEflN Nackter Hermes (mit Petasos?) nach vom stehend und rechts- 
hin blickend, in der Rechten ein undeutliches Attribut, auf dem linken Arm, 
der auf eine hohe Stele gestützt ist, den kleinen Dionysos. 
Bronze, 25 mm. — Odessa, Museum. — Abbildung der Rs.: Nr. 33. 

Über das Verhältnifs der Münze zu der Statue habe ich dem von Treu Gesagten 
nichts hinzuzufügen. Nur möchte ich hervorheben, dafs grade in Anchialos aus den 
Münztypen, auch wenn sie ungewöhnlich sind, nicht auf das Vorhandensein statua- 
rischer Vorbilder an Ort und Stelle geschlossen werden mufs. Es ist nämlich eine 
besondere Eigenthümlichkeit dieser Stadt, dafs sie vielfach Münzbilder anderer 
thrakischer Städte nachgeahmt hat; und da der für Anchialos charakteristische 
Hermestypus ein anderer*" ist, so kann der praxitelische ebenso gut schon ander- 
wärts auf Münzen dargestellt gewesen sein, so dafs hier nur die indirecte Copie 
einer statuarischen Nachbildung vorliegen würde. Man kann hoffen, dafs weitere 
Funde darüber oder doch wenigstens über das Attribut in der rechten Hand des 
Gottes noch Aufschlufs geben werden. 

Gotha. B. Pick. 



ApoUoniaten ; erst unter Traian erhielt es eigenes S. 257 fg. (den Hinweis auf die letztere Publi- 

Stadtrecht. kation verdanke ich meinem Freunde Jörgensen 

***)A. N. Schwarz in den Schriften der Moskauer vom Königl, MUnzkabinet in Kopenhagen). — 

archäologischen Gesellschaft 1893 Taf. I; da- Treu, Olympia, Textband 3, 197 Anm. i und 198 

nach wiederholt mit dänischer Übersetzung von Anm. 2. 

Th. Lange in »Kort Udsigt over det philolo^sk- "2) Es ist das ein sitzender Hermes, der wahr- 

historhke Samfunds virksomlud* (1891 — 1894) scheinlich eine lokale Bedeutung hat. 



HERMES DISKOBOLOS? 

Im vorigen Heft dieses Jahrbuchs, S. 57 ff., hat G. Habich den Versuch ge- 
macht, den Diskobol der Sala della Biga in den Olymp zu erheben, allerdings auf 
Kosten der ausdrucksvollen Schönheit seines Motivs. Es scheint mir der Mühe 
werth diesem Versuche sogleich entgegenzutreten. Die Beweisführung beruht auf 
der als selbstverständlich betrachteten Voraussetzung, dafs ein Diskoswerfer mit 
dem linken Fufs antreten, d. h. den Körper beim Wurf auf dem linken Fufs müsse 
ruhen lassen. Aber schon ein Blick auf eine Kegelbahn kann lehren, dafs dies 
wenn auch die gewöhnliche, so doch keineswegs die alleinige Stellung ist; für den 
antiken Diskoswurf lehrt es ein Blick auf die Tafel zu Kietz' Abhandlung über den 
Diskoswurf bei den Griechen (München 1892), oder auf den myronischen Diskobol. 
Dafs ein Diskoswerfer nach der Beschreibung des Philostratos imagg, i, 24 beim 
Antreten das linke Bein vorgestellt haben müsse, behauptet freilich Kietz S. 23, 
aber nur durch Misverständnis seines Gewährsmannes; bei diesem steht xö SsStov 
(jxsXoc auf der ßaXßi;, während Oatspov xotv axeXotv schleift — wie schon Welcker im 
Commentar zu dieser Stelle S. 352 erkannte und Benndorf in der Wiener Ausgabe 
neuerdings wieder betonte, eine blofse Beschreibung der myronischen, auf dem 
rechten Fufs ruhenden Statue. Also ist bei der Statue der Sala della Biga Alles 
in bester Ordnung und wir brauchen nicht um des Münzstempelschneiders von 
Amastris willen, der die Statue für seinen lahmen Hermes misbrauchte, das fein 
abgewogene und lebendig durchgebildete Motiv der Wurfvorbereitung mit einem 
blofsen Zuschauen zu vertauschen und den Diskos aus dem bezeichnenden, die 
ganze Handlung erklärenden Geräthe zu einem müfsigen Epitheton ornans herab- 
zusetzen. Wie unmöglich eine solche Deutung unserer Statue ist, mufs Jedem un- 
mittelbar klar werden, wenn er sich ihr grade gegenüberstellt, so dafs er den Kopf 
von vorn anblickt; Alles an dem Körper ist trotz scheinbarer Ruhe in lebendigster 
Spannung, ein Vorbote der bevorstehenden höchsten Kraftanstrengung. 

Ein Verdienst von Habichs Untersuchung bleibt der Nachweis, dafs die 
rechte Hand mit ihrem ausdrucksvollen Fingerspiel in allen erhaltenen Exemplaren 
moderner Ergänzung angehört. Aber die überraschende Behauptung, dafs die vati- 
canische Statue »in ihrer vielbewunderten Ponderation an sich [was heifst das?] 
recht wohl eine Fortbildung der Kunst des Polyklet darstellen könnte« (S. 64), be- 
dürfte wohl einer etwas besseren Begründung, als eines Hinweises auf den alten 
Heinrich Meyer, der bekanntlich keine Statue des Polyklet von Angesicht kannte, 
sondern an der citierten Stelle nur die vom polykletischen Doryphoros gebrauchte 
Bezeichnung viriliter puer für unseren Diskobol besonders passend fand. Habichs 
Versuch stilistischer Verknüpfung ist ebenso ungewöhnlich, wie die philologische 

Jahrbuch des archäologischen Inatituta XIII. j 'i 



176 Michaelis, Hermes Diskobolos? 

Kühnheit, mit der S. 63 aus Plinius Worten (34, 72) fecit et aereum pentathlum qui 
vocatur encrinamenos eine »Pentathlon genannte Statue« — man denke 1 — gewonnen' 
wird; oder wie die S. 65 als »weiterer Untersuchung bedürftig« bezeichnete Ver- 
mutung, dafs der Hermes des barberinischen Kandelabers, der bekanntlich den 
neben ihm hüpfenden Widder am Hörn hält, identisch sei mit dem immolans 
arietem des Naukydes (Plin. 34, 80), der nach der vom Verfasser gebilligten Ver- 
mutung O. Jahns tou; {xr^pouc xaxa v6[xov ixtsfiojv xov ^EXXt^vwv ic a6xoi>c xaiojisvouc 
6p5 (Paus. 1,24,2). Von dergleichen Einfallen kann man nur sagen: "jxij <püvat tov 
flfiravTa vtxa Xo^ov, x6 5* iirsl ?aviQ ßr/vai xsTBev oOev itep ^xet iroXü Seoxepov a>? xajficfxa. 

Strafsburg. Ad. Michaelis. 



jAHREUCH des. INSTITUTS 18^'S 



AFEL i 




ERONZEGRU-FE -LS ANT'OCHIA 



SKULPTUREN VON ANTIOCHIA. 

(Tafel II.) 

Von der ungeheuren durch Schriftsteller und Münzen bezeugten Fülle von 
Kunstwerken, mit welchen einst die schöne Antiocheia geschmückt war, ist bisher 
nur eines im Original nachgewiesen, und dieses nur, weil es von seiner ursprünglichen 
Stelle nicht entfernt werden konnte, die kolossalen Reliefs, welche Antiochos Epi- 
phanes zur Abwehr der Pest aus dem Felsen am Charoneion südöstlich von der 
heutigen Stadt herausmeifsehi liefs\ Auch in Copien kennen wir — abgesehen vom 
Apollon des Bryaxis zu Daphne — nur ein Werk: die Tyche des Eutychides*. 
Aber auch an Skulpturen überhaupt hat der Boden bisher nur weniges geliefert, 
und dieses wenige erst in den letzten Jahren und nur gelegentlich. Denn syste- 
matische Ausgrabungen sind bisher noch nie, wenigstens nicht in nennenswertem 
Umfange, gemacht worden *. Ein Bericht über das, was ich auf meiner letzten Reise 
gesehen habe, dürfte daher nicht unwillkommen sein. 

Das Hauptstück freilich, welches ich, glücklicherweise auch in Abbildungen, 
bieten kann, befindet sich nicht mehr in Antiochia, sondern in Konstantinopel. 



') Jahrb. XII S. io8. Dort konnte ich nur auf 
die Erwähnungen von Ainsworth und Chesney 
hinweisen, wufste aber nicht, dafs auch Renan 
sich mit dem Monument beschäftigt hatte. Aus 
dem Aufsatz von Perdrizet und Fossey, welcher 
inzwischen unter dem Titel Voyagi dans la Syrie 
du Nord im Bulletin de Correspondance Hellenique 
XXI {Janvier • Aout 1897) P» 79 sq. erschienen, 
mir aber erst vor kurzem zugegangen ist, ersehe 
ich, dafs Renans Bericht mit Bemerkungen von 
Longperier, Maury und Egger in den Comptes 
rendus de TAcademU des InscripHons 1865 p. 308 
bis 310 zum Abdruck gelangt ist. Indem ich mit 
Freude konstatire, dafs er im wesentlichen zu 
demselben Ergebnis gelangt ist, darf ich es 
unternehmen, seine und meine Deutung gegen 
die Zweifel seiner beiden Landsleute, welchen 
eine neue Publikation (a. a. O. pl. II) verdankt 
wird, zu schützen. Ihr Gedanke, dafs in der Kolos- 
salbttste Attis oder Mithras zu sehen sei, scheitert 
an der Thatsache, dafs diese nicht eine phry- 
gische Mütze, sondern ein Schleiergewand auf 
dem Haupte trägt, indem in der Mitte nichts 
fehlt. Dafs ein Anhänger dieser Götter die 
Reliefs par devotion et comme souve-garde (p. 84) 
neben seinem Grabe habe anbringen lassen, 
widerlegt sich dadurch, dafs kein Grab sich neben 
den Reliefs befindet. Dafs beide Figuren, die 
tlahrbuch des arcbiologifchen Instituts XIII. 



Bttste und die ganze Figur, in Eine Deutung 
zusammenzuschliefsen seien, ist nicht zu verlangen. 
Die Deutung der einen Figur wird nur auf die 
der andern Rücksicht zu nehmen haben. Auch 
trägt die Ansicht der beiden Gelehrten der Com- 
Position und Quellenanalyse des Werkes des 
Malalas nicht genügend Rücksicht. Auch in 
der historisch-stilistischen Würdigung der Skul- 
pturen kann ich nur Renan, nicht ihnen, welche 
sie in römische Zeit setzen, folgen. Am Schlüsse 
sind sie geneigt ihre eigne Ansicht aufzugeben, 
indem sie die Skulpturen für apotropäisch halten. 
Wenn sie sich aber gegen die Benennung der 
Büste als Charon sträuben, so treffen sie mit 
mir zusammen. Denn ich habe gesagt, dafs die 
Benennung Xapoivtov ursprünglich wohl nicht 
den Skulpturen, sondern der Gegend galt, was 
auch dem sonstigen Gebrauche dieses Wortes 
entspricht. 

*) Vgl. Jahrb. a. a. O. S. 145 f. Eine sehr entstellte 
Wiederholung der Gruppe ist seitdem noch im 
Museo Biscari zu Catania von E. Petersen Rom. 
Mitth. 12, 135 nachgewiesen worden. 

*) Was es mit den Ausgrabungen von Cadalvene 
auf sich gehabt, ob sie insbesondere noch andere 
als metrologische Ergebnisse gehabt haben, ist 
mir nicht bekannt geworden. 



14 



■78 



Toselli, welcher, zur Zeit meines Aufenthaltes in Antäkijc {18. — 29. März 1896} 
im Hafenorte Suweidije wohnhaft, einige Tage in der Stadt verweilte, erzählte mir 
auf einer unsrer Exkursionen unter andern für mich lehrreichen Dingen, dafs vor 
einigen Jahren südöstlich von der heutigen Stadt Antäkije von Landleuten eine 
schöne Broncegruppe , zwei Ringer darstellend, gefunden und nachdem sie längere 
Zeit in einer Höhle der Berge verborgen ge- 
halten, für einen hohen Preis verkauft worden, 
bei der Ausfuhr jedoch in der Hafenstadt (wenn 
ich nicht irre, Alexandrette) den Zollbehörden 
in die Hände gefallen und vermuthlich nach 
Konstantinopel gebracht worden sei. Hier fand 
ich sie in der That im nächsten Monat im Kaiser- 
lich Ottomanischen Museum, zwar nicht im Räume 
der Broncen, wol aber in der Bibliothek, wohin 
sie zwecks Reparatur der Basis gebracht worden 
war. Die Museums Verwaltung gestattete mir 
nicht nur sie in Mufse zu studiren, sondern 
sandte mir auch Photographien und Zeichnungen 
mit der Erlaubnifs sie zu veröffentlichen, wofür 
ich allen beteiligten Herren, insbesondere Ex- 
cellenz Hamdy Bey, seinem Bruder Dr. Halil 
Edhem Bey und Mylonas, welcher damals Cfftt- 
servateur adjoint' -w^x , auch an dieser Stelle 
herzlichen Dank sage. 

Die Bronce, welche die Inventamumraer 
190 (Br. 268} trägt, mifst im Ganzen 50 cm, von 
welchen 24 auf die Figur vom Scheitet bis zu 
den Füfsen, 11 auf den oberen Theil, 15 auf 
den unteren Theil des Untersatzes kommen, je- 
doch ist dieser wol unvollständig, indem zwischen 
dem oberen und unteren Theile ein Mittelglied 
zu fehlen scheint Sie hat hellgrüne Patina. 
Sie war wohl zum Tafelaufsatz bestimmt, wie 
der Hercules Epitrapezios des Novius Vindex, 
welchen schon Alexander der Grofse als solchen benutzt haben sollte. Der Aufbau 
des Ganzen ist wirkungsvoll, der Eindruck der Gruppe besonders in der Ansicht, 
welche die Gesichter der Figuren gibt, sehr schön, die Arbeit vortrefflich, besonders 
am Rücken des Uberwältigers und an der Brust des Unterliegenden, was ich um so 
mehr hervorheben mufs, als die Photographien und demgemäfs unsere Abbildungen 
in dieser Hinsicht wie auch in der Wiedergabe mancher Einzelheiten, besonders des 




Förster, Skulptur 



179 



Kopfes in der Seitenansicht, sehr viel zu wünschen übrig lassen. Nur der rechte Arm 
erscheint an beiden Figuren ein wenig zu lang. Die Augen sind aus Silber, für die 
Sterne ist zur Aufnahme von Edelsteinen eine Öffnung gelassen. Die Erhaltung ist 
im ganzen eine sehr gute. Nur am Unterliegenden ist die linke Hand, welche den 
Boden berührt, sowie Daumen und Zeigefinger der rechten Hand abgebrochen. 

Ich glaube kaum, dafs dem Blatt- und figürlichen Schmucke des Untersatzes 
andere als omamentale Bedeutung innewohnt Es ist mir wenigstens nicht gelungen, 
einerseits in den drei maskenartigen 
Köpfen des Mittelstückes, mit etwas 
verzerrtem Gesichtsausdruck, andrer- 
seits in dem dreimal wiederkehrenden 
Kopfe des Capitells, welcher am ehe- 
sten als Sarapis mit Isishaartracht zu 
bezeichnen sein dürfte, eine tiefere 
Bedeutung zu erkennen. Letzterer er- 
hebt sich über einem Blatte, welches 
am meisten einem stilisirten Syko- 
morenblatte ähnelt Auf Köpfe an 
Capitellen von Säulen in der orien- 
talischen Architektur als Vorbilder 
hier näher einzugehen, würde zu weit 
führen: es reicht wohl für unseren 

Zweck aus, auf die nächsten Analogien bei M. de Vogü6, La SyrU centrale. Archi- 
tecture pl. 3 und 4 hinzuweisen. 

Wenden wir uns vielmehr sofort der Hauptgruppe zu, so genügt ein Blick 
auf beide Köpfe und auf die Flügel am Kopfhaar des Siegers, um der Deutung die 
richtigen Wege zu weisen. Man darf diese ebenso wenig im Gebiete des rein mensch- 
lichen Genre als in dem der historischen Kunst, mufs sie vielmehr auf dem Boden des 
Mythos suchen. Zwar hat auch der Kopf sowohl des Antiochos II Theos (261—246) 
als auch seines Sohnes Antiochos Hierax auf Münzen kleinasiatischcr Prägstätte die 
Flügel als Symbol der Abkunft von Perseus *. Aber der Kopf des Siegers ist gänz- 
lich von dem ihrigen verschieden. Ebenso von dem des Antiochos Epiphanes, so 
dafs der an sich verlockende Gedanke abzuweisen ist, dafe wir es mit einer Modi- 
fikation der berühmten Erzgruppe zu thun hätten, welche jenen König als Bezwinger 
des Räubei^esindels des Tauros- Gebirges darstellte'. Schliefsen die Flügel aber 




<] VgL Babelon, Calalogiu Jts mfnntäa gritfiui de 
la biiUeÜäpu natüiBaU. Lti reu dt SyrU p. LV. 

') Liban. Aülifftk. I, 310, 21 jniitij XigjaTpixov ii 
•nj) Taüpii) ouviiTrtJxii xal Muoiüv \tlm inefti 
KAiEt xd irptfftuiTa xal \t*xä. tüv £U(uv Sn itpoa- 
aniüXXu t4c im^iHai dvaipoüv, iXBiiiM In' abtou: 
j£&T(pov (kd^iv ij Mlvuif it. Tüv KuxXiEiiuv t'hi 



Käp3< xa) täte mJXtoiv dniicuxiv dUiJXaic ffi\- 
oftnt xnl töv jniKiJ|iivav ^dßov jxßoXüiv dv£i^Ei 
tde iioüs ToE; ifinipolc, dv8' üi (ji^o tiüv iü 
itnBivTiuv raioTO j^aXxoüc (diese Lesart, welche 
bereits Morellus bietet, ist natürlich statt jiiK- 
xoüv wiederheriustellcn) taüpov ■U'/ti^^'tK ii)- 

XoÜVTOf TOÜ ClÜOU TÖ ijltllVU)l.<)V (poc- 

■4* 



igO Förster, Skulpturen von Antiochia. 

sowohl einen Flufsgott als Herakles als Polydeukes aus, so geht der Sieger auch 
mit dem Besiegten viel zu säuberlich und sanft um, als dafs man an Perseus und 
Proitos denken dürfte. Wollte man endlich im Sieger den „Allbezwinger" Hypnos *, 
im Besiegten mithin etwa Alkyoneus sehen, so würde auch diese Deutung den 
Thatsachen der Wirklichkeit nicht gerecht werden. Denn gegen Hypnos spricht 
nicht nur das kurzgelockte Haar und die Stellung der Flügel nicht an den Schläfen, 
sondern über den Haaren oberhalb der Stirn', sondern auch ganz besonders die 
athletenhafte, heraklesartige Körperbildung und Stellung der Figur ^ Dies alles 
aber pafst auf Hermes. Als seinen Gegner aber werden wir uns weder einen 
Giganten noch den Argos zu denken haben, obwohl letzterer bekanntlich in der 
späteren Kunst als Jüngling gebildet ist. Denn für die Bezwingung eines jeden der 
beiden Gegner wäre ein ganz andres Aufgebot von Anstrengung notwendig, als sie 
Hermes in der Gruppe leistet. Auf der andern Seite handelt es sich auch nicht um 
ein blofses Anfassen und Führen, so dafs man etwa an den auch im attischen 
Drama behandelten Mythos des SiWfo? Ipa-^irrfi denken dürfte, wonach dieser wider- 
willig von Hermes in die Unterwelt hinabgeführt wurde®, sondern es handelt sich 
um einen wirklichen d^cuv •yujivixo;. Hermes ist als dytuvio? oder Iva-^cüvio; und TraXatcjTpi- 
T/^s Osos nicht nur Vorsteher und Aufseher der Gymnasien, sondern auch der erste 
7U[ivct3T7Jc und Lehrer der Palästrik, wie es an einer bisher noch nicht beachteten 
Stelle des Gymnastikos des Philostratos *° c. i6 heifst: X670; 6i ^8sTai xic, tl)^ 7U[jLva(jTixY) 
jikv OüTTCü sr>j, npo;xiij&su; 85 efifj xal ^üjivaaaiTO [xkv 6 I1po(i7)0&u? Tcpcoxoc, ^üfAVccdsie 8& ai5 
eispou; 'EpjxyjC difaaftstV^ xs «ütov xoü supi^p^xo;, xal TraXottaxpa ^evotxo ^Epjxoü Trpoixi]. Lehrer 
der Palästrik aber konnte er nur sein, wenn er mitrang. Für den Gegner einen be- 
stimmten Namen zu finden, dürfte nicht leicht sein. Zwar läfst schon Korinna (fr. 11) 
Hermes dem Ares im Faustkampf gegenübertreten, aber, von der gänzlichen Attribut- 
losigkeit zu schweigen, die Situation der Gruppe ist doch von der des Gedichts 
sehr verschieden. Sollte ein Künstler den Kriegsgott derartig dem Hermes unter- 
liegend und von der Niederlage durchdrungen gebildet haben? Erst recht ist von 
Eros abzusehen, welcher vom neugeborenen Sohn der Maia niedergerungen worden 
ist (Lucian deor, dial. VII, 3). Wie die Alten nicht fragten, wen Herakles im Pan- 
kration, Telamon im Ringkampf, Polydeukes im Faustkampf u. s.w. an den ersten 
Pythien besiegt habe, wie der X670; des Philostratos nur von sxepoi, welche Hermes 
eingeübt habe, wufste, so brauchen auch wir auf den Namen des Unterliegenden 
kein besonderes Gewicht zu legen. 

^ Vgl. Robert, Thanatos S. 14. 0'j8t; e^ 55ou Trapayev^ai^ai ü'f ' 'EpfJioü xaTot^öei; 

Vgl. Winnefeld, Hypnos S. 16. axwv oOtui xex&Xooxat. 

*>) Die Kürperbildung erinnert in bemerkenswerter *<^) Ich benütze die — in der Sylloge locorum pky- 

Weise an die Schilderung des Ringers bei Phi- siognomonUorum t. II p. 301 sq. meiner Ausgabe 

lostrat Gymnast. c. 56 p. 279 6 irotXaiO-7]C 6 bedauerlicher Weise versäumte — Gelegenheit, 

xotd Xdyov E{>fjLifjX7j; fjiÄv fatw fjiäX^^ov \ \'i\k^t- um die Bedeutung dieser Schrift (besonders 

Tpoc, ifjpfji^aöoj %\ utairep oi Sufifietpoi, piT^Te u'};au- c. 2$ und 26) für die antike Physiognomik her- 

■/■»)v p.i^T£ a>[JLO(c Tov a6^£va iTreCeuyfA^vos xtX. vorzuheben. 

®) SchoL z. Pind. Ol. I, 97 Si3u?poc jat] ßouXo^evo; 



Förster, Skulpturen von Antiochia. igj 

Wol aber müssen wir das Schema des Kampfes selbst näher ins Auge 
fassen. Sie haben eben noch gerungen und dabei den Platz gewechselt. Der Unter- 
liegende berührt erst mit dem vorderen Theile, Hermes gar erst mit der Spitze des 
r. Fufses den Boden. Der erstere ist vom letzteren eben niedergeworfen worden, 
vielleicht zum dritten Male, so dafs er, mit Aischylos " zu reden, im Hermes seinen 
TptaxTTjp gefunden hat. Die (jojxttXoxt^ ist vorüber, es ist zum dxpo)retpia;xo; gekommen. 
Hermes drückt den dvii'TcaXo^ nieder, indem er seine rechte Hand auf dessen Hinter- 
kopf legt, den noch gehobenen r. Arm mit dem 1. Arm am Gelenk packt, um 
ihn ebenfalls niederzudrücken, und mit seinem l. Fufse auf den 1. Fufs des Gegners 
tritt. Der Unterliegende blickt mit schmerzlichem Ausdrucke nach oben; Hermes 
aber hat nicht nötig den Blick scharf auf ihn gerichtet zu halten; er senkt zwar 
die Augen, blickt aber frohgemut, ja leise lächelnd im Gefühl seines leichten 
Sieges vor sich hin*'. 

Eine solche Darstellung des Hermes würde nichts auffälliges haben, auch 
wenn wir nichts von der besondern Verehrung wüfsten, welche der Gott in Antiochia 
genofs. So aber nennt Libanios in dem 363 gehaltenen npeoßsüxixic ^po; 'looXiavov 
unter den Göttern, welche den Kaiser anflehen, der Stadt die Gnade seiner Anwesen- 
heit wieder zu schenken, an erster Stelle den Hermes als Gott der Beredsamkeit'* 
p. 480, 4 {xeieüsi CS iroXu ttoXXou; aot Osoü; Trapa3)ro}A£vrj aüjxjia'yro'j^ oU s&üaac, o5c Ixa- 
Xeaa>, jisi)' cov JaTparsioü, xov ^Epar^v, tyjv Ar^jAr^-pa, xov *i!\pr^v xtX., und wir kennen durch 
Malalas p. 318, 8 die Stelle, an welcher sich der Tempel des Gottes befunden hatte, 
und erfahren, was besonders bemerkenswert, durch denselben'*, dafs der Amphi- 
thales der antiochenischen Olympien als Hermes verehrt wurde; endlich wissen wir 
durch denselben p. 290, 14 sq. und durch die Rede des Libanios Trspi toü irXsOpoü 
(I p. 261 — 274), dafs es in der Nähe jenes Tempels am Fufse des Silpion ein eignes 
für die Übungen der Wettkämpfer bestimmtes Gebäude, TrXsöpov oder TrXs&piov ge- 
nannt, gab. 

Noch aber haben wir eines Umstandes, welcher der Gruppe ein ganz be- 
sonderes Interesse verleiht, nicht gedacht. Das ist das Blatt, welches Hermes 
zwischen den Flügeln über der Mitte der Stirn trägt. Der verlockende Gedanke, 
dafs in ihm ein Blatt des Hermeskrautes** CEpjxoij tto«, Mercurialis, linozostis, par- 
theniutn) zu sehen sei, wird durch einen Blick auf das Bingelkraut ausgeschlossen. 
Ebenso zwingt die Wirklichkeit den Gedanken im Keime zu ersticken, dafs es sich 
infolge eines Wort- und Gedankenspiels um ein Blatt der Pflanze Pankration (scilla 
maritima) handle ^^ Das Blatt selbst läfst sich genau bestimmen: es ist der obere 
Theil eines noch unentwickelten Blattes von Nymphaea lotuSy wovon ich mich durch 
Vergleichung von Blättern des hiesigen botanischen Gartens, welche mir mein 



*') Agam. 160 Tf.wxT7]po; oi/etoi Tuytuv. Vgl. Phi- »*) Malal. p. 287, 16 Svxiva dlfx^iöaXTiv i-i[A(uv xal 
lostr. Gymn, c. ii. Tipoaexuvo'jv w; xov 'EpjJtf^v. 

") Ähnlich Arrichion bei Philostr. Imag, II, 6 |jiei- ^s) Dioscor. IV, 188. Plin. «. A. XXV, 38-41. Seren. 
5i^, xadarep ol C«>'^tE?, iTreiWv vixtj? o{aÖav(wvTat. Samm. Hb, med, 613 sq. 

'») Vgl. Lib. I, 87, i; 103,2; 405, 10. »«) Diosc. II, 203. Plin. XXVII, 118; XX, 74. 



, Skulpturen i 



College Fax mit gewohnter Liebenswürdigkeit zugänglich machte, überzeugen konnte. 
Und auf mein ausdrückliches Befragen hat derselbe mir geantwortet, dafs es nicht 
wol etwas andres sein könne. Man darf nicht einmal von weitgehender Stilisirung 
reden. Nur der Stiel fehlt; er ist gleichsam zur Aufnahme des Blattes im Haar 
versenkt. 




kJiii- 



Was aber hat der Lotos mit Hermes zu thun? Am nächsten liegt es zu 
denken, dafs es sich um den Lx)tos des Antinoos handelt". Aber mit dem Ge- 
danken erheben sich auch sofort grofse Schwierigkeiten. Zwar ist Antinoos oft als 
Hermes, mit Kopftlügeln und Kerykeion, gebildet worden, aber wo gibt es Beispiele, 
dals Hermes als Antinoos gebildet worden seif Kopf und Leib unsrer Gruppe 
zeigen den echten Hermestypus. Und wenn es sich noch um den Hermes Chthonios 
handeitel Aber was hat Antinoos mit dem Ringkampf zu thunf Und würde nicht 
auch, wenn es sich um eine Übertragung seines Attributes handelte, statt des Blattes 
die Blüte zu erwarten sein? 

") Von den Werken abgeiehen, an welchen nur der vgl. S. t86), beündel sich die Lotosblume an 

WuHel zur Aufnahme der Lotosblüte erhallen derselben Stelle wie unser Blau, am Kopf im Giar- 

ist (Dietrichson, Antinoos Nr. iS. 24. 77. 91. 127; dino di Castello lu Floreni (Dietrichson N. 69). 



Förster, Skulpturen von Antiochia. 183 



Ich möchte daher die Annahme vorziehen, dafs das Blatt einfach als Kopf- 
schmuck aufzufassen und auf die ägyptische Sitte, eine Lotosblume auf dem Scheitel 
zu tragen, zurückzuführen sei". Eine solche trägt auch der Gott von Memphis, 
Nefer-tem. Ein Lotosblatt freilich ist als solcher Kopfschmuck ebensowenig ägyp- 
tisch als in der indischen Kunst nachweislich. Aber dies darf uns, wo es sich um 
ein in Antiochia gefundenes Kunstwerk handelt, nicht zum Absprechen, sondern 
nur zum Abwarten veranlassen*'. Auch kann ich eine Anzahl kleiner Broncen 
eines Typus römischer Zeit nachweisen, in welchem Hermes zwischen den Flügeln ein 
Blatt trägt, welches bald dem unsrigen ganz ähnlich, bald verschieden von ihm ge- 
bildet ist. Ersteres gilt von der Statuette der ' Nationalbibliothek in Paris n. 356 
(Babelon et Blanchet, Catalogue des bronzcs antiques de la bibliotheque nationale 
p. 167), letzteres von andern Exemplaren desselben Typus ebendaselbst n. 357 — 360. 
Zwar haben die Verfasser des Katalogs in dem betreffenden Attribut eine Feder 
sehen wollen, aber, wenn ich die Abbildungen betrachte, mufs ich dies für 
bedenklich halten und der Deutung, welche sie gegeben haben [Comme dieu 
de VEloquence Mercure est uni a Apollon; la plume qui surmonte sa tele est un 
attribut des Muses), weil die Feder nicht ein Attribut des Apollon, sondern der 
Musen ist, meine Zustimmung versagen. Bei diesen Broncen aber ist an hadrianische 
Entstehungszeit nicht zu denken, was doch notwendig wäre, wenn eine Übertragung 
des Antinoosattributs auf Hermes stattgefunden hätte. Die eine derselben (n. 357) 
wird im Katalog als travail alexandrin, eine andere (n. 359) gar als travail gallo- 
rofnain bezeichnet. 

Aber auch die Entstehungszeit unsrer Bronce mufs gegen die Annahme 
einer Übertragung des Antinoos- Attributes angeführt werden. Ich kann nicht glauben, 
dafs man unter Hadrian selbst in Antiochia so vortrefflich zu arbeiten verstanden 
habe. Mein erster Eindruck, dafs es sich um ein Werk der, wenn auch späteren, 
Seleucidenzeit handle, hat sich durch alle nachmaligen Zweifel hindurch erhalten. 
Die Elasticität in der Stellung und das schwellende Leben in der Oberfläche des 
Körpers, nicht minder die Belebtheit der Züge verkünden den Einflufs der lysippischen 
Kunst, wie er nicht nur durch Eutychides, sondern auch durch einen Meister wie 
Aristodemos nach der Seleucidenresidenz vermittelt worden sein mag-°. Dies gibt 
der Gruppe allerdings noch eine besondere Bedeutung. 

2. 

Wenden wir uns nunmehr den Skulpturen zu, welche neben vielen Trümmern 
von Säulen, Capitellen und Basen im Hofe des Serails von Antäkije Aufstellung 
gefunden haben, so ist zuerst der Statue eines »Redners« zu gedenken, welche 



") Vgl. Woenig, Die Pflanzen im alten Ägypten 20^ Vgl. Plin. 34, %(i fecit Aristodemus et luctat or es 
S. 52f und 65. bigasque cum auriga, philosophos, onus, Seleucum 

**) Für ersteres darf ich mich auf das Urteil von regem, habet gratiam suam huius quoque dory 

Professor Erman und Dr. Sethe, für letzteres phorus. 

auf das von Professor Grünwedel berufen. 



iS4 



Förster, Skulpti 



im Jahre 1895 an der Aufsenseite der westlichen Stadtmauer mehrere Meter oberhalb 
der ehemaligen Birta S. Georgii" neben dem Friedhofe der Fellachen gefunden 
worden ist. Unserer Abbildung liegt eine Photographie zu Grunde, welche ich von 
einem zur Zeit meines Aufenthaltes in An- 
tiochia lebenden Photographen machen liefs, 
nachdem das Holzgitter, welches die Statue 
umgab, niedergelegt worden war. Sie ist aus 
einem feinen weifsen Marmor gearbeitet und 
mifst 1,61 m, wovon 0,6 auf die Basis kommen. 
Letztere, etwas gerundet, ist vollständig und 
mifst an jeder Seite 41 cm. Vom, hinten und 
an der rechten Seite sind Vertiefungen in der- 
selben zum Zwecke der Aufnahme von Be- 
festigungen angebracht. Der obere Theil des 
Kopfes fehlt; im übrigen ist die Erhaltung 
eine gute. Es fehlt nur die obere Hälfte des 
Daumens der r. Hand, und die Nase ist ab- 
gestofsen. An der Rückseite ist die Arbeit 
ziemlich roh, an der Vorderseite sehr sorg- 
faltig, so dafs anzunehmen ist, dafs die Statue 
in einer Nische gestanden hat. Die Sorgfalt 
der Arbeit ist besonders den Falten der Ge- 
wandung, den Sandalen, den Zehen und den 
Hautfalten der Finger zu gute gekommen. 
Geringer ist sie am Barte und an den Händen, von denen die rechte auch verhält- 
nifsmäfsig zu grofs gebildet ist. Auch die Faltengebung oberhalb des 1. Knies ist 
nicht recht natürlich. Im ganzen ist das Vollbringen hinter dem Wollen zurück- 
geblieben, wenngleich ich das Urteil von Perdrizet und Fossey a. a.O. S. J^ travaü 
ditestabU als übertrieben bezeichnen mufs. 

Wen stellt die Statue dar? Da die Basis ohne Inschrift ist, sind wir zunächst 
auf Vergleichung mit andern Statuen angewiesen, müssen aber bald die Erfahrung 
machen, dafs gewissen Ähnlichkeiten so grofse Verschiedenheiten gegenüberstehen, 
dafs auf einen bestimmten Namen vorerst zu verzichten sein dürfte. So hat wol 
die Statue im Stande eine gewisse Ähnlichkeit mit der lateranenstschen des Sophokles, 
aber es ist darauf wenig zu geben. Die Voransetzung des linken Fufses" scheint 
bei den Rednern der spätem Zeit überhaupt Sitte gewesen zu sein, wenn auf 
Quintilian XI, 3, \2a, prolato [peäi) dextro Stare deforme est Vcriafs ist, während die 
Statuen des Demosthenes und Aischines in Übereinstimmung mit der Rhetorik 
ad Herennium III, 15, 27" iur die ältere Zeit Voransetzung des rechten Beines zu 




") Vgl. den Plan J«hrb. 1897 Tafel 6. 
'') IJafs in Baumeisters Bilderlieft en N. 407 der 
lateranensische Sophokles mit vorgesetztem rech- 



ten Fufäe dargeboten wird, hätte nicht vorkommen 
sollen. 
'') Vgl. Marx, Prolegomcna p. 160. 



Förster, Skulpturen von Antiocbia. 185 



beweisen scheinen. Und das feine längliche Barthaar ist von dem gelockten des 
Sophokles gänzlich verschieden. Dafs sich in dem Bündel neben dem linken Fufse 
7 Rollen befinden, wird niemand für Sophokles anführen wollen: hält die Figur 
doch eine achte in der linken Hand. Ich kann der Siebenzahl in diesem Falle 
keine besondere Bedeutung zusprechen. Die Rollen bezeichnen nur den Schrift- 
steller. Bart, Haltung, besonders des r. Armes, und Gewandbildung erinnern auch 
an den Aischines von Herculaneum, aber das Gesicht ist doch breiter als an jenem, 
und auch sonst sind erhebliche Unterschiede in Haltung und Bildung. Erst recht ist das 
Gesicht für Demosthenes zu breit, während wieder der geschlossene Mund und die 
stark über die Unterlippe hervorragende Oberlippe für diesen zu sprechen scheinen. 

Wenn nicht zu bezweifeln ist, dafs die Statue der späten Kaiserzeit angehört, 
so ist sie doch den Skulpturen der Basis des im Jahre 390 errichteten Obelisken des 
Theodosios stilistisch überlegen. Erwägt man, dafs fiir diese gewifs die besten 
Kräfte zur Verfügung standen, so wird man schon aus diesem Gründe der Versuchung 
Widerstand leisten, der Figur den Namen des Libanios beizulegen. Dazu kommt, 
dafs nicht einmal feststeht, was behauptet wird, dafs diesem in seiner Vaterstadt 
Statuen errichtet worden sind. Denn wenn er selbst in der in seinem 6t. Lebens- 
jahre, also im Jahre 381, geschriebenen Rede Tipic xou; ßapüv aöriv xaXsaavTac 
I p. 176, 26 von den e?xovs; redet, welche oö (iixpat Ttvec oö8i iXfyat iro>£tc ihm zu- 
erkannt hatten, sowie bald darauf in der Rede 67:2p OaXacjjtoü von der e^xtuv, durch 
welche ihn Proklos, der Comes Orientis vom Jahre 383, ausgezeichnet hatte II p. 413, 
16 sq., so ist unter der letzteren und somit wol auch unter den ersteren nicht, wie 
Sievers, Leben des Libanius S. 157 und 293 annimmt, eine Bildsäule, sondern ein 
Gemälde zu verstehen. Denn Libanios redet selbst an der letzteren Stelle »von der 
Tafel und den Farben« (414, 10 d>A' eaico xtar^, aavi; ts xat j^poüjjtaxa) **. 

Aus gleichem Grunde wird man auf Namen wie Ammianus Marcellinus oder 
loannes Chrysostomos, und in Anbetracht der Fülle von Standbildern, welche sich 
auch in später Zeit in Antiochia befanden, auf einen bestimmten Namen überhaupt 
verzichten. 

3- 

An demselben Orte befinden sich zwei grofse Sarkophage. 

Der erste ist infolge einer Überschwemmung im Winter 1880/81 am rechten 
Ufer des Orontes gegenüber den Thermen'* zu Tage gekommen und wird hier nach 
den von Clement Thevenet in Aleppo gemachten photographischen Aufnahmen ver- 
öffentlicht, da die Heliogravüre, welche die Gazette archeoL 1885 pl. 28 und 29 
bietet, unvollständig und ungenügend ist. Er ist aus Marmor und mifst ungefähr — 



'^) Beiläufig bemerke ich, dafs das angeblich vom Mann darstellt, der in der R. eine Feder, in der 

Sinai mitgebrachte, bei Thevet, Hisioire des L. ein aufgeschlagenes Buch hält, wie viele seiner 

plus illustres et scavans hommes avec leur portraits, „Portraits" ein Phantasiegemälde ist. 

Paris 1695, t. I p. 339 wol einer Miniaturhand- 23^ Vgl. Jahrb. XII, 126 A. 102. 
Schrift entlehnte Brustbild, welches einen bärtigen 



i86 



FSrster, Skulptur 



genaue Mafse konnte ich nicht nehmen, da der Sarkophag von einem Holzgitter 
umgeben ist — 1,20 m in die Höhe, wovon 20 cm auf den Deckel kommen, 2 ra 
in die Länge und 0,70 m in die Breite. Es ist eine gute Arbeit eher der früheren 
als der späteren Kaiserzeit. Die Vorderseite zeigt in hohem Relief einen Genius, 
welcher eine schwere Guirlande trägt. Er ist ungefliigeit und hat traurigen Gesichts- 
ausdruck. Rechts und links von ihm befindet sich in dem von der herabhängenden 
Guirlande freigelassenen Räume ein Medusenhaupt, das rechte mit geöffneten, das 
linke mit geschlossenen Augen. An beiden Ecken sind Stierköpfe, von deren 
Hörnern Binden herabhängen. Die Guirlande setzt sich auf der rechten Kurzseite 




fort. In dem von ihr freigelassenen Räume befindet sich ein Löwenkopf mit geöff- 
netem Rachen, an der Ecke wieder ein Stierkopf. Die Ruckseite zeigt zu beiden 
Seiten eines hohen, mit Früchten belegten Altars die bekannte Gruppe eines von 
einem Löwen zerrissenen Stieres in symmetrischer Anordnung. An der Ecke 
nach der 1. Kurzseite fehlt der Stierkopf, vermutlich nur, weil ihm der Hinterteil 
des Löwen den Platz weggenommen hatte. Die 1. Kurzseite zeigt einen nackten 
unbärtigen Mann, das Haar bekränzt, in der — abgebrochenen — L. einen Palm- 
zweig haltend, während der r. Oberarm gehoben ist; der Unterarm ist abgebrochen. 
Dies weist allerdings, wie Babelon a. a. O. p. 235 bemerkt hat, darauf hin, dafs 
es der Sarkophag eines siegreichen Athleten ist. Letztere Figur aber fällt, obwol 
Perdrizet und Fossey a. a. O, mit Recht an die Grabstele vom Dipylon" erinnert 



"■) Bull, dl Corr. ML V pl. 3. 



Färster, Skulpturen v 



187 



haben, aus dem eigentlichen Charakter des plastischen Reliefschmuckes heraus, 
Sie mutet römisch an, während der Reliefschmuck im übrigen griechisch ist". 
Guirlanden und Eroten beherrschen die griechischen Sarkophage; den ersteren 
sind eingefiigt Löwen- oder Medusenköpfe"; an den Ecken befinden sich Stierköpfe. 
Auch die Gruppe des vom Löwen zerfleischten Stieres ist ihnen nicht fremd, wol 
aber die Darstellung des Verstorbenen. Auch alles andre ist an dem Sarkophage 




griechisch; so die starke Erhebung des Reliefs, die Verteilung des plastischen 
Schmuckes auf alle 4 Seiten, endlich der ganze monumentale Aufbau mit seinem 
mächtigen sock eiförmigen Unterbau, dem starken Gesims, dem hohen, schweren, 
ausladenden dach- und giebelförmigen Deckel, der Betonung der Höhenrichtung". 
An Leichtigkeit und Grazie freilich steht der Sarkophag, wie nicht zu verwundem, 
hinter denen des Mutterlandes zurück. 



Der zweite Sarkophag ist vor einigen Jahren in der Nähe von Daphne, 
jedoch nicht in der eigentlichen Nekropole, sondern in der Richtung nach Suweidije 
zu gefunden worden. Er ist ebenfalls von Marmor, mifst 2,24 m in die Länge, 1,7 
in die Breite, 0,96 in die Höhe. Der Deckel fehlt. Sonst ist er gut erhalten; nur 
die Gesichter der Genien sind verstofsen. Er ist von geringerer Arbeit als der erste, 

") Am meisten Ähnlichkeit hat der Sarkophag von ") Vgl. Le Bas-W.iddington, Voyiigt anh, Mon. 
Pattas bei Le Bas- Wadding Ion , Veyagt arck. ßg. S7. 

Men.fig.^^. ") Vul. Mau, Arch. Zeil. 30, la f. 



im übrigen jedoch ihm nahe verwandt. Die Vorderseite, welche hier nach einer 
während meines Aufenthaltes in Antiochia gemachten photographischen Aufnahme 





zur Abbildung gelangt, zeigt statt des einen Guirlandcnträgers deren zwei und statt 
der zwei Medusenköpfe einen; die Rückseite ist 
ihr gleich, nur dafs sie statt des Medusenhauptes 
eine Blüte zeigt, ähnlich den beiden andern. 
Beide Kurzseiten, von denen auch nur die eine 
hier abgebildet ist, weisen den Löwenkopf über 
der Guirlande auf. Stierköpfe mit Binden ge- 
schmückt, finden sich an allen vier Ecken. 

Dafs es sich hier um einen in der Kaiser- 
zeit beliebten Typus handelt, wird noch 

S- 
durch einen dritten Sarkophag bewiesen, welchen ich in der Nekropole von Daphne 
sah, etwa 2'/, m lang, je i m breit und hoch. Er steckt in der Erde, befindet 
sich aber damit nicht in situ, da er als Wasserbehälter benützt worden ist, wie die 
zwei Löcher an den Kurzseiten beweisen. Die Arbeit ist gering. Die Langseiten 
zeigen Guirlanden von einem Genius getragen, die Kurzseiten blofs Guirlanden. An 
den Ecken befinden sich Widderköpfe. 

Ein viertes Exemplar desselben Typus, ehemals — ob noch, weifs ich nicht 
zu sagen — im Kloster Cazzafani auf der Insel Cypem — zeigt auf der Vorderseite 
eine von einem Eros getragene Guirlande, zwischen deren Vertiefungen sich zwei 
Löwenköpfe befinden, an den Ecken Stierköpfe, Sie ist abgebildet bei Cassas, 
Voyage pittoresgue de la Syrie t. IL pl, 104. 

Was es mit einem im Juni vorigen Jahres (1897) auf dem Wege von Anti- 
ochia nach Horbie (Daphne) ausgegrabenen grofsen Marmor-Sarkophage, der auf 



Förster, Skulpturen von Antiochia. i3q 



3 Seiten skulpirt und mit einem Deckel versehen ist, auf sich hat, konnte ich 
bisher noch nicht feststellen. 

Wenn ich nunmehr zu den in Privatbesitz befindlichen Skulpturen übergehe, 
so möchte ich zunächst 

6. 

eines Marmorkopfes gedenken, welchen ich bei einem der türkischen Nobili von 
Antakije sah und von ihm zum Gastgeschenk erhielt. Als Fundort wurde Daphne 
bezeichnet, aber ich habe Grund, diese Angabe zu bezweifeln und Herkunft von 
Palmyra anzunehmen. Jedenfalls zeigt der Kopf die Eigentümlichkeit palmy. 
renischer Skulpturen, welche nicht völlig zu Rundfiguren ausgearbeitet, sondern 
hinten abgeplattet sind, weil sie an einer Platte befestigt sind. Er mifst vom 
Scheitel bis zum Kinn 21 cm. Der Kopf selbst ist, einige Abschürfungen abgerechnet, 
ziemlich gut, der Hals nur teilweise erhalten. Es ist ein bartloser römischer Portrait- 
kopf von geringer Arbeit wol aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. Augapfel und 
Pupille sind ausgehöhlt. Die Augen selbst sind sehr grofs, die Ohren ziemlich ab- 
stehend gebildet. Der Mund ist geschlossen. Von der Nase geht zu beiden Seiten 
eine starke Falte nach den Mundwinkeln herab. 

Im Hause meines Gastfreundes, des deutschen Consular-Agenten Mardiros 
Missakian, fand ich: 

die drei zu einer Statue gehörigen Köpfe der Hekate aus Marmor, 19 cm hoch, 
48 im Umfang, von mittelmäfsiger Arbeit, 1894 bei Seleucia gefunden. Das eine 
der Gesichter ist etwas verstümmelt; 

8. 

den Marmorkopf eines Satyrn (?) mit trunkenem Gesichtsausdruck, aufgedunsenen 
Backen, breitgedrückter Nase, deren Spitze abgestofsen ist, geöffnetem Munde, 
Ansatz von Backenbart, 13 cm hoch, ebenfalls vor einigen Jahren in Seleucia gefunden. 
Dieselbe Herkunft hat 

9. 
ein Grabrelief vom Typus des »Todtenmahls«, 21 cm lang, 14 hoch. Es gehört 
später Zeit an und zeigt rohe Arbeit. Eine männliche Figur liegt auf der Kline 
nach links hin und blickt aus dem Relief heraus gerade auf den Beschauer. Sie 
hält in der R. die freilich fast unkenntliche Schale. Vor der Kline steht das Misch- 
gefäfs. Ein Ministrant ist nicht vorhanden. Darunter steht, nachlässig und leicht 

eingeritzt, die Inschrift: 

(?) 

CIME evYYxei 

Von ungewisser Herkunft ist 

IG. 

ein Grabrelief desselben Typus, 54 cm lang, 19 hoch. Eine männliche Figur liegt 
nach l. auf einem Lager, welches teilweis von einem Fell bedeckt ist, und hält in 



IQO Förster, Skulpturen von Antiochia. 



der Linken, mit welcher sie sich aufstützt, einen Skyphos, während die Rechte ge- 
hoben ist. Links erscheint dahinter der grofse Pferdekopf. Rechts von der liegenden 
Figur steht hinter dem Lager eine kleinere Figur, die Doppelflöte blasend •®; an sie 
schliefst sich eine Gruppe von zwei Figuren, welche jedoch verstofsen ist. Die 
Arbeit ist gering. Eine Inschrift ist nicht vorhanden. 
Ebenfalls ungewifs ist die Herkunft 

II. 

eines Grabreliefs von der Form eines vottoxoc, 42 cm breit, 57 cm hoch, in welchem 
eine weibliche Figur mit Schleiergewand angethan, die r. Hand über den Schofs, die 
linke an den Hals legend, auf einem Stuhle sitzt, während eine männliche Figur, 
die Rechte oben unter dem Mantel, in der Linken eine Rolle haltend, ihr gegenüber- 
steht. Es ist rohe Arbeit; die Inschrift darunter ist verstofsen. 

12. 

In einem Hause des armenischen Viertels, einem Manne Namens Arti ge- 
hörig, sah ich ein Grabrelief ebenfalls vom Typus des vaiaxoc 54 cm hoch: neben 
dem Lager, auf welchem eine weibliche Figur liegt, sitzt eine zweite verhüllte weib- 
liche Figur. Oberhalb der Akroterien sind zwei emporgestreckte Hände, deren 
innere Flächen sichtbar werden'*, d. i. vermutlich. Es ist grobe Arbeit. Die In- 
schrift lautet: 

NEIA GEINWNDC" 
AAYHE XAIPE 

Den letzten mit Inschriften versehenen Denkmälern schliefse ich noch ein 
Wort über Inschriften von Antiochia an. 

Mit Recht sagt Mommsen**: »Keine griechische Landschaft hat so wenig Denk- 
steine aufzuweisen wie Syrien; das grofse Antiocheia, die dritte Stadt des Reiches, 
hat, um von dem Lande der Hieroglyphen und der Obelisken nicht zu reden, 
weniger Inschriften hinterlassen als manches kleine africanische oder arabische Dorf.« 
Aber wenn er diese Thatsache als Beweis für den Satz: »Diesem Volke galt nur 
der Tag« hinstellt, so hat bereits Nöldeke** gefragt: »Können wir denn wissen, wie 
viel Inschriften dort einst gewesen sein mögen?« Und ich füge hinzu: Hat man 
denn bisher das Sichtbare gesammelt, geschweige denn gesucht oder gegraben? Und wie 
vieles kommt zu Tage, um rasch zu Grunde zu gehen oder entfuhrt zu werden. 
Von der Inschrift, welche von der Wiederherstellung eines Thurmes der nördlichen 
Stadtmauer redet, ist heut nur noch die Hälfte erhalten'*. Aber auch sonst stöfst 

**) Vgl. V. Fritze, Athen. Mitth. XXI, 355. '^ Der erste Buchstabe des Wortes sollte vielleicht 
") Über dieses Symbol der Verfluchung vgl. O. Jahn, S sein. 

Ben d. Sachs. Ges. d. Wiss. 1855,53; Heyde- ^^ Rom. Geschichte V, 460. 

mann, die antiken Marmor-Bildwerke zu Athen, '*) Zschr. d. Deutschen Morgenl. Ges. 39,335. 

N. 14; O. Hirschfeld, Ber. d. Wiener Akad. Phil.- ^^) Vgl. Jahrb. XII, 133 f. 

bist. Kl. 77, 403. 



Förster, Skulpturen von Antiochia. I9I 

man auf Schritt und Tritt auf die Spuren zerstörter griechischer und lateinischer 
Inschriften. So steht 

auf einem Pflastersteine des Bazars 

N KAMATOICI. 

also der Rest eines Grabepigrammes*^; 

auf einem Pflastersteine des Weges, der zum Serail führt, (25 cm lang, 15 hoch) 

mit Buchstaben später Zeit: 




Als Pflasterstein dient jetzt im Hofe des Klosters der Franziskaner der Rest 
einer Inschrift, welche, aus 7 — 8 Zeilen bestehend, erst im Jahre 1888 von Toselli 
bei der ehemaligen „Basilika", der jetzigen Hauptmoschee, gefunden und dann 
in einer Mauer jenes Klosters eingelassen worden war. Jetzt sind nur die 

folgenden Buchstaben einer Zeile, teilweis unsicher erhalten: 

(0(7) (?) 
X . VIR . STL IVDI 

Die grofse Inschrift von Daphne" ist jetzt in Amerika. Von einer zweiten 
daselbst befindlichen zehnzeiligen griechischen Inschrift erhielt ich einen Abklatsch, 
aber er war so wenig gelungen, dafs nichts mit ihm anzufangen war. 

Auf einem ehemaligen Taufstein, der jetzt als Wassertrog in einem Hause 
der Brüder Baraket Zad6 Riffaat und Reifat ebenda dient, läuft ringsherum die 
Inschrift 

(»ic) 

-f YHEPIEYXIC nPOBOY HPECBYTEPOY -|- 

Von einer kurzen Inschrift an der Wasserleitung in den Bergen oberhalb 
der Ruinen von S. Paolo, welche Trajan als Erbauer der Leitung nennt, hat mir 
Toselli gesprochen, aber ich habe sie trotz längerem Suchen nicht finden können. 

Breslau. Richard Förster. 



***) Vgl. Le Bas-Waddington, Voyage archeohgique, '^) Le Bas -Waddington a. a. O. n. 2713 a. 
Imcr. III., I n 2021. 



Michaelii, Kine rencbollen« Slatuc de* thr<>nen<lni Zeos. 



EINE VERSCHOLLENE STATUE DES 
THRONENDEN ZEUS. 

(APOLLONIOS CAPITOLINISCHER JUPPITER ?) 

Dan Ncapler Museum besitzt au(ser dem berühmten kolossalen Oberkörper 
eines thronenden Zeus aus Cumae (n. 6267. Overbeck, Atlas der gnech. Kunstmyth. 
Taf. 2, 18) auch den unteren Teil einer solchen Statue, wenn auch unerkannt und 
überhaupt weder in den älteren Katalogen von Gerhard und Finati noch in Monacos 
Verzeichnis erwähnt. Im Jahre 1860 stand das Bruchstück im Hofe rechts, vor der 
Halle des Tarnesischen Stieres, wo es meine Aufmerksamkeit durch eine Eigentüm- 
lichkeit, auf die ich zurückkomme, erregte. Eine um jene Zeit in Rom envorbene 
l>hoto(;rapliic liegt nachstehender Abbildung zu Grunde, die jedenfalls eine bessere 




Vorstellung von dem Fragment giebt, als die Skizze i 
blatt (danach bei Rcinach, Repertoire W, 631, 3), und i 



I Museo Borbonko IV, Titel- 
ich einer Beschreibung über- 



Michaelis, Eine verschollene SlBlue des thronenden Zeus. 



193 



hebt Reinach hat das Fragment unter die hommes assis eingereilit, der Neapler 
Text bezeichnet es als mezza statua imperiale sedente in trono. Dagegen würde sich 
kaum etwas Entscheidendes einwenden lassen, wenn nicht alte Zeichnungen in eine 
andere Richtung wiesen. 

In Heemskercks erstem Skizzenbuch ist auf Blatt 24' {Jahrb. 1891 S. 138) 
ein statuengeschmiickter Garten abgebildet, den ich damals nicht nachweisen konnte. 
Nach einer freundlichen Mitteilung Herrn Dr. P. Kristellers in Rom befindet sich in 
der Kupferstichsammlung der dortigen Galeria Nazionale unter n. 122637 ^'" von 
Caylus veranlafster Stich dieser Zeichnung — offenbar aus der Zeit, wo dieser Band 
im Besitze Maricttes war — mit der Unterschrift Veduta della vigna del Card" Cest. 






Fig. : 



Die Vinea Cardinahs de Caesis befand sich nach Bufalinis Plan auf dem Esquilin, 
zwischen der Kirche S, Martino ai Monli und den Sette Säle. Leider hat Aldrovandi, 
der den Palazzo Cesi im Borge mit seinem Garten so ausführlich und mit so leb- 
hafter Bewunderung beschreibt, dieser Vigna kein Wort gewidmet, daher wir nur 
auf Heemskercks Zeichnung angewiesen sind. In dieser nimmt den Hauptplatz in 
einer architektonisch reich ausgestatteten Nische ein thronender Zeus ein, dessen 
untere Hälfte, wie ich schon a. a. 0. bemerkte, dem Neapler Fragment so genau 
entspricht, dafs man zunächst an Identität denken möchte. Eine ganz ähnliche Basis 
trägt den Sessel, dessen Beine ebenfalls in der gleichen Weise gebildet sind; auch 
der Faltenwurf des Mantels mit dem zwischen den Beinen herabgleitcnden Zipfel 

Jahrbuch dei .rchioLogilch tn Iq.liiuU Xl». 1 5 



IQA Michaelis, Eine verschollene Statue des thronenden Zeus. 



entspricht, ebenso die Stellung der Füfse und die Form des niedrigen Schemels. 
Dafs dieser nicht mit seiner einen Ecke über die Basis hinausragt, würde man für 
Ungenauigkeit des Zeichners halten, wenn hier nicht zwei andere Zeichnungen für 
Heemskercks Zuverlässigkeit Zeugnis abtegten. 

Die erste Zeichnung befindet sich auf Blatt 44B^ des Escorialensis, den Hülsen 
(Rom. Mitth. 1891 S. 145) mit grofser Wahrscheinlichkeit Giuliano da Sangallo zu- 
weist. Mir liegt durch P. Arndts Güte eine Photographie des Blattes vor, die mit 
den übrigen Statuen jenes Skizzenbuches in der fünften Serie des »Einzel-Verkaufs« 
erscheinen soll; aufserdem kann ich J. Fickers Inventar des Skizzenbuches benutzen, 
das erheblich genauer ist als Justis Verzeichnis bei E. Müntz, antiquit. de la ville 
de RomeS, 157 ff. Basis, Stuhlbein, Schemelornament, Haltung der Gestalt, Falten- 
wurf, alles stimmt mit dem Neapler Fragment völlig überein. Wenn der linke in 
den Mantel gewickelte Arm mit der im Schofs liegenden Hand, die anscheinend das 
untere Ende eines Stabes hält, und eine leichte Andeutung des über den Arm zurück- 
geworfenen Mantels noch hinzukommen (der Oberkörper fehlt in der Zeichnung), 
ferner das untere Ende des frei herabhängenden Gewandzipfels vollständig ist, so 
liefse sich dies mit einem früheren besseren Erhaltungszustand erklären. Aber auch 
hier, wie bei Heemskerck, ist der Schemel nicht schräg, sondern parallel dem 
vorderen Rande der Basis gestellt, und bei genauerem Zusehen bemerkt man, dafs 
der vorgesetzte rechte Fufs — auch dies in Übereinstimmung mit Heemskercks 
Zeichnung — nicht gehoben ist, sondern flach auf dem Schemel steht. 

Beide Einzelheiten kehren wieder in einer Zeichnung der Sammlung Dal Pozzo 
in der Königlichen Bibliothek zu Windsor Castle, Band IX Bl. 22 mit der Pozzo- 
Nummer 50 (vgl. Arch. Zeit. 1874 S. 67, Jahrb. 1892 S. 100). Die Liebenswürdig- 
keit des Bibliothekars Sir Richard R. Holmes setzt mich in den Stand, sie hier zu 
veröffentlichen. Es ist unmittelbar klar, dafs die Statue mit der von Heemskerck 
gezeichneten identisch ist; die gleiche Erhaltung des rechten Oberarmes und die 
allgemeine Ähnlichkeit des Zeuskopfes lassen darüber keinen Zweifel. Wenn bei 
Heemskerck das Haupt mit einem Kranze mit hinten herabhängender Binde ge- 
schmückt erscheint, der bei Pozzo fehlt, so ist das schwerlich ein Zusatz Heemskercks, 
der auch in solchen Kleinigkeiten genau zu sein pflegt. Schwerer ist es zu ent- 
scheiden, ob der rechte Arm mehr seitwärts, wie bei Heemskerck, oder nach vorne, 
wie bei Pozzo, gestreckt war; das kommt darauf an, ob man ein Scepter oder eine Nike, 
einen Adler, eine Schale zu ergänzen geneigt ist. Auch die linke Hand bietet eine 
Abweichung. Bei Heemskerck scheint sie (nicht sehr deutlich gezeichnet) etwas 
über dem linken Oberschenkel zu schweben, während die Pozzosche Zeichnung sie 
auf dem Schenkel ruhen läfst, was an sich natürlicher ist und mit der Zeichnung im 
Escorialensis übereinstimmt. Dagegen bieten weder Heemskerck noch dal Pozzo 
eine Spur von dem leicht angedeuteten Stabe des Escorialensis; da dessen Zeichner 
öfter ergänzende Zusätze macht, so dürfte dieser Stab wenig Zutrauen verdienen. 
Entweder lag die Hand ruhig im Schofs (so bei dal Pozzo), oder sie packte etwas 
so, dafs es zwischen Daumen und Zeigefinger einerseits und den eingeschlagenen 



Michaelis, Eine verschollene Statue des tlironenileii Zeus. 



Übrigen Fingern andrerseits lag (so im Escorialensis). Das würde dann wohl am 
wahrscheinlichsten ein Blitz, vielleicht aus Erz, gewesen sein. 




Windsor Castle. 



Wir haben nach dem Gesagten zwei Ebcemplare eines uns sonst statuarisch 
nicht überlieferten Zeustypus zu unterscheiden, das Neapler Bruchstück, das nach 
dem Text des Museo Borbonico zu den ersten herculanensischen Funden gehören soll ', 



') Eine nndetweitige BesUtigung dieser so besiimmt 
lautenileQ Anefllje f"«" A' primi oggttti tcavali 
in Ercolane) wäre erwünscht; icb finde sie weder 
in Ruggietos Storia degli jcmii di lireolano, noch 
in Gocis und Venulis Sclirifren Ulicr die Klienten 



Entdeckungen, noch in Winckelmanns Berichten. 
Andrerseits findet sich d.is Fragment auch nicht 
in den farnesischen Inventuren in den Dixumtnli 
per um. alla tieria dei muiei l, 12 ff. Jl, 380 ff, 
Jll, 186 ff. IV, 396 ff. 



196 Micbaelisi Eine verschollene Statue des thronenden Zeus. 



und die früher Cesische Statue, die noch im siebzehnten Jahrhundert vorhanden 
war und für dal Pozzos Sammlung gezeichnet werden konnte, seitdem aber ähnlich 
«Dt^sx' atöio; airoaTo; wie der Poseidon Valle-Medici (Arch. Zeit. 1885 S. 283 ff. Jahr- 
buch 1891 S. 229 n. 22). 

Das Neapler Fragment läfst besonders deutlich eine Eigentümlichkeit der 
Komposition erkennen, die starke Senkung der Schenkel, besonders des rechten, 
und die eigentümliche Stellung der Füfse, von denen der rechte so weit vorgestellt 
ist, dafs er weit über den Schemel hinausragt, der linke dagegen so scharf auf die 
Zehen zurückgezogen, dafs er sehr steil steht. Die Fufsstellung kehrt genau ebenso 
beim olympischen Zeus wieder (vgl. die Münzen bei Overbeck, Plastik I*, 357). Alle 
diese Besonderheiten weisen eben darauf hin, dafs das Original darauf berechnet war 
hoch aufgestellt zu werden, dafs also, wenn die Basis in ihrem ursprünglichen Ver- 
hältnis zur Statue kopiert worden ist, es sich um ein Kolossalbild handeln mufs. 
Niedrige Basen sind ja in der älteren Kunst überhaupt üblich (Bulle, Griech. Statuen- 
basen. München 1898), namentlich aber bei Kolossalstatuen. Bei der Parthenos, die 
etwa sechsfache Lebensgröfse hatte, war nach Ausweis der Kopie vom Barbäkeion 
die Statue zehnmal so hoch wie die Basis; in der pergamenischen Kopie von etwa 
doppelter Lebensgröfse ist die Basis anscheinend etwas höher. Beim olympischen 
Zeus ergiebt sich nach Dörpfelds Schätzung bei sieben- bis achtfacher Lebensgröfse 
ein Verhältnifs von etwa 1:11. Die Basis der bedeutend kleineren Nemesis von 
Rhamnus war dagegen verhältnisraäfsig höher (etwa 1:5), offenbar um die daran 
angebrachten Reliefs nicht allzu winzig erscheinen zu lassen. Ähnlich war das Ver- 
hältnis im Tempel zu Lykosura, wo die Statuen auch nur zwei- bis dreifache Lebens- 
gröfse hatten. Also je gröfser die Statue, desto niedriger ist im Verhältnis zu ihr 
die Basis. Für unseren Zeus läfst sich eine sichere Verhältniszahl zwischen Basis 
und Statue nicht angeben, denn während Heemskercks Zeichnung nur rund i : 4 er- 
geben würde, führt die Zeichnung dal Pozzo auf 1:7, das Bruchstück in Neapel 
auf 1:8, die ähnlich unvollständige Zeichnung im Escorialensis gar auf i : 11. 
Nehmen wir 1:8 als das wahrscheinlichste, weil nicht auf einer Zeichnung, sondern 
auf einem Marmorwerk beruhende Verhältnis an, so würden wir nach obigen Ana- 
logien auf etwa vier- bis fünffache Lebensgröfse des Originals schliefsen dürfen. 
Es mag auch noch darauf hingewiesen werden, dafs die sehr einfache Profilierung 
der Basis derjenigen der Parthenos und des olympischen Zeus ähnlich ist. 

Mit dem olympischen Zeus hat unsere Statue noch einen Umstand gemein, 
die starke Bedeckung des linken Armes mit dem Mantel, während bei den späteren 
Statuen des Zeus, bei stärkerer Hebung des das Scepter hoch greifenden Armes, der 
Mantel auf dieser Seite nur in einem Faltenbausch über der Schulter zu erscheinen 
pflegt. Jenes Mantelmotiv hängt mit der ruhigeren Haltung des Arms in unserer 
Statue zusammen, war aber in seiner Durchführung, wie sie sich aus der Pozzoschen 
Zeichnung und einigen andeutenden Linien im Escorialensis erschliefsen läfst, weit 
entfernt von der schlichten Einfachheit des Faltenwurfs im olympischen Zeus. Diesem 
fehlt auch das Motiv des lang über dem Schofs herabhängenden Mantelzipfels 



Michaelis, Eine verschollene Statue des thronenden Zeus. |q*^ 

(Vgl. Inihoof und Gardner, Numism. comment, Taf. P, 21 = Arch. Zeit. 1876 S. 34), 
das dagegen auf bekannten Wandgemälden des thronenden Zeus in jüngerer Auf- 
fassung (Heibig n. loi f. Overbeck, Kunstmyth., Atlas Taf. i, 39 f. 'EcpTjjji. apx- 
1888 Taf. S = CoUignon, Hist. I, 529, Fig. 269) und in einigen Erzstatuetten (Brit. 
Museum: Rayet Taf. 43. Wien: Overbeck, Text II S. 122) wiederkehrt, fast immer 
in Verbindung mit der gleichen Fufshaltung. Das Vorbild unserer Statue würde 
nach seiner kunstgeschichtlichen Stellung mit gröfserer Sicherheit zu bestimmen sein, 
wenn wir besser über den Kopf urteilen könnten. Da aber der anscheinend strengeren, 
langbärtigen Bildung des Kopfes bei Heemskerck die unverkennbar jüngere Darstel- 
lungsweise in der Pozzoschen Zeichnung gegenübersteht, so läfst sich kein bestimmtes 
Urteil fallen. Immerhin dürfte nach den Mantelmotiven die Wahrscheinlichkeit für 
eine Entstehung in jüngerer Zeit sprechen, während andrerseits das Fehlen des 
später fast ausnahmslos herrschenden Motivs des gehobenen scepterführenden Armes 
auf ein vorhellenistisches Muster zurückzuweisen scheint. 

Vielleicht löst sich dieser Widerspruch am einfachsten, wenn wir das Ori- 
ginal unserer Statue in einer künstlerischen Richtung, wie der sogenannten neuattischen, 
suchen, welche den Anschlufs an die exemplaria Graeca der klassischen Zeit mit 
den technischen und stilistischen Errungenschaften der hellenistischen Epoche ver- 
band. Dann aber liegt kein Gedanke näher als der an den capitolinischen 
Juppiter, den Apollonios (ohne Zweifel ein Athener wie seine bekannten Namens- 
vettern, wenn er nicht etwa mit einem von diesen identisch ist) für den capitolinischen 
Tempel schuf. Die reichhaltigste Zusammenstellung von Zeugnissen über die Statue 
findet sich bei Suphan, de Capitolio Romano commentarii specimen, Halle 1866, S. 13 fr. 
Das einzige Zeugnis für den Künstler, zuerst von Osann (Kunstbl. 1830 S. 331 f.), 
dann von neuem von Lersch [BulL 1847 S. 107) nachgewiesen, findet sich bekanntlich 
bei dem späten Platoniker Chalcidius in seinem Kommentar zum Timäus c. 338 
ed. I. Wrobel (Lpz. 1876, unvollständig bei Overbeck SQ. 2215): ut enim in simulacro 
Capitolini lovis est una species eboris, est item alia quam Apollonius artifex hausit 
animo, ad quam directa mentis acie speciem eboris poliebat^ harum autem duarum 
specierum altera erit antiquior altera, sie etiam species quae silvam exornavit secun- 
dae dignitatis est, illa vero alia, iuxta quam secunda species absoluta est, principalis 
est species. Müfsten wir annehmen, dafs Chalcidius, der dem dritten oder vierten 
Jahrhundert angehört, hier eigene Weisheit vorbringe, so würde die Statue des 
Apollonios erst dem 82 n. Chr. von Domitian geweihten Neubau angehören können, 
der bis zum fünften Jahrhundert unverletzt bestand. Allein wenn auch der Gebrauch 
des Goldelfenbeins für Kolossalstatuen in jener Zeit nicht grade geleugnet werden 
kann, da er ja beispielsweise fiir Hadrian feststeht, so würde doch der bestimmte 
Künstlername für diese Spätzeit eine ganz ungewöhnliche Erscheinung sein. An 
den Kopisten einer Apollonstatue in der Sammlung Despuig (Reinach, Repert. II, 
92, 3. Löwy n. 397), die Furtwängler (Statuenkopien I S. 23) der hadrianischen Zeit 
zuschreibt, wird niemand denken. Gewifs liegt es näher, bei Chalcidius die Benutzung 
eines älteren Schriftwerkes anzunehmen (Suphan S. 14^ denkt an Cicero, vielleicht 



Iq3 Michaelis, Eine verschollene Statue des thronenden Zeus. 

dessen Einleitung zum Timaeus); ebenso wie bei Arnobius, der adv. nationes 6, i6 
gegen Olytnpiacos illos et Capitolinos loves von Goldelfenbein loszieht, Varro zu 
Grunde liegt. Dann werden wir ApoUonios in jener Zeit suchen, in die ihn die 
übrigen 'AiroUcoviot 'AöijvaTot verweisen: wir werden seine Statue, wie das ja auch 
allgemein geschieht, mit dem von Catulus 69 v. Chr. eröffneten Neubau des 
Tempels in Verbindung bringen. Grade für die Zeit der ausgehenden Republik ist 
ein luppiter eboreus des Pasiteles fiir den metellischen Tempel des Juppiter Stator 
bezeugt (Plin. 36, 39), und etwa um 43 v. Chr. verglich Varro in seinem Werke de 
vita populi Romani mit den alten thönernen Götterbildern die loi^es gut ex marmore, 
ebore, auro nunc fiunt (Non. 162, 14). Dies Bild ward mit dem ganzen Tempel im 
J. 69 n. Chr. von den Vitellianern verbrannt. In der Zwischenzeit blühte in Rom die 
Kopierkunst. Es ist begreiflich, dafs auch ein so augenfälliges Werk wie der chrys- 
elephantine luppiter Optimus Maximus kopiert ward; darauf würden also die beiden 
für uns noch nachweisbaren Repliken zurückgehen. Die geschlossene Komposition 
unserer Statue, wie sie namentlich in der ungewöhnlichen Haltung des linken Arms 
hervortritt, ist ganz für die chryselephantine Technik geeignet. Hielt die Linke, 
wie wir oben (S. 195) vermuteten, einst den Blitz, so wird die Rechte in ähnlicher 
Weise wie die Linke des olympischen Zeus das Scepter gefafst haben. Diese beiden 
Attribute, von Sueton [Aug, 94) für den capitolinischen Juppiter der cäsarischen 
Zeit bezeugt, erscheinen in der That in den Händen des Gottes auf einer Silber- 
münze aus dem Galbae et Othonis et Vitelli longus et unus annus (D. a. K. II, i, 11 
[Taf. IX 10 der neuen, im Erscheinen begriffenen Bearbeitung]. Cohen, JMed. itnper. 

I', '344 no. 367 f.) die uns, grade vor Thorschlufs, den 
Kjippiter) 0[ptifnus) Max[imus) Capitolinus des Catulus- 
tempels vor Augen stellt (hier nach einem Exemplar 
des Berliner Münzkabinets abgebildet). Abgesehen von 
Fig. 4. der den Münzstempelschneidem der Spätzeit geläufigen 

er ei as. Hebung des scepterhaltenden Armes stimmt die Münze 
ziemlich genau mit unserer Statue überein, nur im Gegensinne, was dem Stempel- 
schneider zur Last fallen wird. Dagegen scheint der domitianische Juppiter Capitolinus 
in der Haltung der blitzhaltenden Hand abgewichen zu sein (D. a. K. II, i, na. 12 
[neue Bearbeitung Taf. V 2. i]). Mit der Münze stimmt ferner ,der Sessel ohne Rück- 
lehne bei unserer Statue überein, was ich wegen Suphans Annahme einer Rücklehne 
bemerke. Endlich findet auch der Kranz der Heemskerckschen Zeichnung seine 
Bestätigung darin, dafs wenigstens der alte capitolinische Juppiter der vorsuUanischen 
Zeit, die Thonstatue Vulcas des Vejenters, nach bekannten Plautusstellen bekränzt 
war (Men, 941. Trin, 84, vgl. O. Jahn, sächs. Ber. 1858 S. 109). Da diese Statue 
auch thronte, auch Scepter und Blitz führte (Detlefsen, de arte Roinan, antiquissima 
I S. 7), auch so kolossal war, dafs luppiter angusta vix totus stabat in aede (Ovid. 
fast. 1,201), so wird es gestattet sein auch den Kranz von ihm auf die Statue des 
ApoUonios zu übertragen. Statt des Kranzes vom Ölbaum des olympischen Zeus 
wird es ein Eichenkranz gewesen sein. 





Michaelis, Eine verschollene Statue des thronenden Zeus. igg 

Da die mittlere Cella des capitolinischen Tempels bei einer Länge von '25 m 
eine Breite von 9 m besafs, so war Platz für ein sehr stattliches Kolossalbild gegeben 
(das Bathron des olympischen Zeus mafs nur 67, ^ in der Breite), doch sprach 
dabei natürlich auch die Höhe ein gewichtiges Wort mit. — 

Die Geschichte der Statue, die Heemskerck in den dreifsiger Jahren des 
sechzehnten Jahrhunderts in der Vigna Cesi zeichnete, können wir mit Hilfe des 
Escorialensis noch weiter zurück verfolgen. Danach befand sich die Statue am Ende 
des Quattrocento im Besitz di yanni Ciampolin. Die Ciampolini gehörten zu den 
Geschlechtern der Region Regola (Gregorovius VIP, 697). Unser Antikenbesitzer 
ist uns aus den unbeholfenen Reimen des gleichzeitigen Mailänder Prospektenmalers 
Atti dei Lincei 1875—76, Serie II, 3,3 S. 39fr.) bekannt: 

24 Vo^ mentovare un certo Ciampolino 
cKuna parte del mando ancor si crede 
d^antichith fare calcate pleno (Reimnot für pienel)^ 

25 Fra le quaV e un nudo che si sede, 
d'un vel coperto salvo cKel pie mancho, 
quäl fa meravegliar ogni kam che^l vede, 

»Ein sitzender nackter Mann, mit Ausnahme des linken Fufses mit einem Mantel 
bedeckt«, das ist eine so seltsame Ausd^ucksweise, dafs man sich vielleicht durch 
den vom Reim geforderten pie mancho nicht abhalten läfst, darin unsere Statue zu er- 
kennen. Der Versschmied fahrt fort: 

26 J^ una nimpha posta in sul pie stancho, 
che si tien la tal man sopra galloni, 
cinta cCun bei diaffan velo biancho. 

Man möchte an eine Statue in der Art der sog. Amymone (Bernoulli, Aphrodite 
S. 366 ff.) denken, deren eine im Escorialensis Bl. 43* abgebildet ist, aber mit der 
Unterschrift a santo Apostolo. Dann heifst es weiter: 

27 Chi retra^ urtar si sole in doi grifoni 
et altre cose che lui dentro serva, 
pili, teste con braccia, e fier leoni. 

Also ein ganzes, anscheinend überfiilltes Museum. Von den Sarkophagen [pili) ist 
ein bakchischer Sarkophag, jetzt in Villa Medici (Matz-Duhn n. 2272), im Esco- 
rialensis Bl. 28' (in chasa el canpolino) gezeichnet (Rom. Mitt. 1889 S. 75); ein zweiter, 
der Kampfscenen zwischen Nackten und Gepanzerten darstellte, findet sich in einer 
sehr alten Zeichnung der Sammlung dal Pozzo (Pozzo- Nummer 197), die früher im 
Besitz des verstorbenen Sir Aug. W. Franks in London sich befand (Michaelis, Anc, 
Marbles in Gr. Britain S. 433 f. Robert, Ant. Sarkophag-Reliefs II S. Xlf.), mit der 
Beischrift lannj campolino dellarcho dipiaza Judea, Ferner enthält der Escorialensis 
Bl. 40^^ einen Altar mit der Unterschrift ianj cinpolinj [ciäpolinß). Diese Sammlung, 
von der wir so einzelne Stücke kennen lernen, blieb mindestens bis in den Anfang 
des Cinquecento bestehen, denn noch Albertini in seiner 1 5 10 erschienenen Schrift ^<f 



2CX) Pemice, Korinthische Schale in Jena. 



mirabilibus tiavae et veter is Romae bezeugt Bl. 62': sunt praeterea in aedibus Lauten- 
tii Manila et Sanctae Crucis et de Branca et Ciampolinis non lange aplatea ludaeorum 
statuae insignes. Im weiteren Verlauf des Jahrhunderts mufs die Sammlung aufgelöst 
worden sein, so dafs beispielsweise der bakchische Sarkophag (vielleicht durch 
Vermittlung der Sammlung della Valle) in die Villa Medici, die Zeusstatue in den 
Besitz des Cardinais Cesi gelangen konnte. 

Strafsburg. Ad. Michaelis. 



KORINTHISCHE SCHALE IN JENA. 

(Tafel 12.) 

Einer Aufforderung der Redaktion folgend gebe ich die Beschreibung der 
auf Tafel 12 in '/s der natürlichen Gröfse abgebildeten Schale, deren Kenntnis Herrn 
R. Delbrück in Jena verdankt wird. Sie stammt aus der Sammlung W. von Goetlies, 
ist aber in Schuchhardts Katalog der Goetheschen Kunstsammlungen, Jena 1848, nicht 
erwähnt, also vermutlich nach diesem Jahre und zwar im italienischen Kunsthandel 
erworben worden^. Ihre Herkunft kann nicht zweifelhaft sein, sie ist korinthisch 
und gehört der nicht sehr zahlreichen Gattung von Schalen an, welche nach SophuHs' 
von Furtwängler, Sammlung Somz^e S. JJ aufgezählt sind, und unter welchen sie 
wegen ihrer Darstellung und der Güte der Zeichnung einen hervorragenden Platz 
beansprucht. 

Der Thon ist grünlich gelb, von einer Farbe, wie sie bei den korinthischen 
Gefafsen und Pinakes überaus häufig bemerkt wird. Der schlechte spröde braun- 
schwarze Firnis ist fast überall weggesprungen und hat meist nur an den Rändern 
Spuren hinterlassen. Rote Farbe, die mit dem Firnis verloren gegangen ist, war in 
ausgiebigstem Mafse dick aufgetragen*. Beide Erscheinungen sind typisch für die 
korinthische Vasenmalerei. In der Form zeigt sich gegenüber den erwähnten Schalen 
keine Besonderheit, in den Gröfsenverhältnissen stimmt sie mit einigen nahe überein*; 



^) Nach Mitteilung des Herrn R. Delbrück. Gesellschaft in Athen n. 192 des Katalogs h. 

2) 'E<fT^iJLepU apx^'toXoYtxi^ 1885 S. 255 ff. c)\l^ Dm. 22 cm; n. 193 Dm. 24. 

^) Höhe 97a cm. Durchmesser 24 '/j cm. Die ^) So ist zum Beispiel der ganze Raum im Innern 

Schale der Sammlung Somzce ist hoch 10,7 cm der Schale zwischen dem Lotosbande und dem 

bei 22 cm Durchmesser, die der archäologischen absetzenden Rande rot bemalt. 



,-HhtUCH LtS INSTtTUTS lh''S 





j T H L~> C h L ^ C H .'. L t IN , E ■■. A 



Pernice, Korinthische Schale in Jena. 2OI 



auch in der Anordnung der Malerei hält sie die stark ausgeprägte Gewohnheit der 
gleich grofsen Schalen fest. Die Bildfläche pflegt nämlich in einen oberen breiteren und 
einen unteren schmaleren Darstellungsstreifen zerlegt zu werden. Für den oberen 
geben die Henkel einen Anlafs zur Zerteilung der Darstellung in zwei gesonderte 
Scenen, der untere ist nebensächlicher behandelt und für gewöhnlich mit Tierstreifen 
bemalt. Ein Ornament schliefst die Bildstreifen nach oben und unten ab. Auf der 
Jenenser Vase sind sie unten von einem doppelten Strahlenband eingefafst, das genau 
so gebildet ist, wie das auf der Schale der Sammlung Somzee Tafel 43 und sonst 
in der korinthischen Vasenmalerei, oben an dem absetzenden Rande von einem 
Zickzackmuster, einem Treppenstrich, gleichfalls einem sehr beliebten Schmuck 
an den Mündungen korinthischer Vasen aller Art. 

Das Innere der Schale wird gefüllt durch ein mit grofser Sicherheit in kräftigen 
Linien und unter starker Verwendung von Rot gezeichnetes Gorgoneion, das von 
einem Lotospalmettenbande umgeben wird. Von den sechs bei Furtwängler auf- 
geführten bedeutenderen Schalen zeigen allein drei dieses Innenbild. Dazu kommt 
die Schale der Sammlung Somzee. Hier ist durch die Abbildung Tafel 42 eine 
Vergleichung ermöglicht. Die Ähnlichkeit beider Bilder, die sich fast Strich für 
Strich wiederholen, ist frappierend; jedoch ist es nicht schwer, die Überlegenheit 
der Jenenser Zeichnung zu bemerken, in welcher das Gorgoneion nicht in dem Mafse 
zum Ornament erstarrt erscheint. Am inneren Rande ist ein Stabornament, je drei 
rote und ein thongrundiger Stab abwechselnd, angebracht. 

Von den beiden Bildstreifen ist nur der obere von gröfserem Interesse. Der 
untere giebt rechts und links von einem Lotospalmettenornament eine Tierdarstellung 
und zwar rechts: Vogel (nach links gewendet). Panther (n. 1.) Steinbock (n. r.) 
Panther (n. 1.) Schafbock (n. r.), links: Vogel (n. r.) Panther (n. r.) Hirsch (n. 1.) 
Panther (n. r.) Hirsch (n. 1.). Zwischen den letzten Tieren beider Reihen ist noch 
ein Panther gemalt, der ohne Gegenstück ist; er kann als Ausgangspunkt für die 
beiden Tierreihen, entsprechend dem Lotospalmettenornament, dem er genau gegen- 
übersteht, aufgefafst werden. Diese Art der Anordnung, die gewöhnlich viel un- 
gezwungener auf den korinthischen Vasen erscheint, weicht sehr ab von derjenigen, 
die uns die Denkmäler östlicher Kunst zeigen*. Sie ist freier und weniger deko- 
rationsmäfsig. Die Korinther haben nach einer so strengen Gegenüberstellung, nach 
einer so gleichmäfsigen Anordnung nicht das Bedürfnis empfunden. Sie haben sie 
von der Kunst des Ostens übernommen, aber sie ist ihnen nicht natürlich und es ist 
deshalb oft schwer, den Anordnungsgedanken auf den korinthischen Vasen herauszu- 
finden. Die Jenenser Schale ist in dieser Beziehung strenger als die meisten andern 
korinthischen Vasen. 

Der Hauptbildstreifen zeigt auf der einen Hälfte in dreifacher Wiederholung 
eine für die korinthischen Vasen typische Darstellung, einen von einem Gegner links 
verwundeten Krieger, dem ein anderer zu Hilfe kommt. Die andere Hälfte stellt 



*) Vgl. hierzu Winter im vorigen Heft dieser Zeitschrift (Junisitzung der archäologischen Gesellschaft). 
Jahrbach des arebiologi«cbon Instituts XIII. I6 



202 Pernice, Korinthische Schale in Jena. 



den Kampf des Herakles mit der Hydra dar. In der Mitte das neunköpfige 
Ungeheuer, dem rechts lolaos mit der Harpe die Köpfe abschneidet, während 
links Herakles mit dem Schwerte kämpft; der fliegende Pfeil läfst den voran- 
gegangenen Angriff mit dem Bogen erraten. Links von Herakles steht Athena, 
der Amphitrite von den korinthischen Pinakes vergleichbar, hinter ihr der noch 
angespannte Wagen mit einer Rosette darüber. Hinter lolaos als bedeutungslose 
Zuthat ein Reiter, über ihm zur Raumfüllung eine Rosette, hinter dem Reiter ein 
Vogel. Reiter und Vogel sollen als Gegengewicht an dem Wagen dienen. Zwischen 
lolaos Beinen ist der Krebs zu erkennen. 

Das Hydraabenteuer ist uns bereits von zwei korinthischen Vasen bekannt, 
Monumenti III Tafel 46,2 und Archäologische Zeitung 1859 Tafel 125. Die Ver- 
gleichung der drei Darstellungen zeigt in der Bildung der Hydra, in der Anord- 
nung des Kampfbildes, in der Anwesenheit der Athena, kurz in allem Wesentlichen 
ein festes Beharren bei der hergebrachten Darstellungsform. Unter den bisher 
abgebildeten korinthischen Schalen müssen die Jcnenser Schale und die gewifs 
gleichzeitige in der 'E'fYjjiepi? ctpxato>.07ixrj 1885 Tafel 7 als die hervorragendsten 
bezeichnet werden. 

Berlin. Erich Pernice. 



Archäologischer Anzeiger 



Beiblatt 

ZUM Jahrbuch des Archäologischen Instituts 

i898. 4. 



KAISERLICH OTTOMANISCHES 
MUSEUM IN PERGAMON. 

Der Name ist vielleicht noch etwas zu stolz 
für den Anfang, in dem die Anstalt, wenn man sie 
schon so nennen darf, steht; aber der Anfang 
verspricht so Gutes, dafs man hofTen darf, der 
Name werde mit der Zeit eine voll entsprechende 
Bedeutung gewinnen. 

Pergamon ist ein Platz von nicht leicht zu er- 
schöpfendem Reichthume an AlterthUmern, unter 
welchen bei der Rolle, welche die Stadt unter 
ihren Königen und in römischer Zeit gespielt hat, 
auch immerhin Bemerkenswerthes, Lehrreiches und 
Erfreuliches nicht fehlen wird. Funde, wie die, 
welche bei den Ausgrabungen der Berliner Museen 
gemacht wurden und wie sie nicht am Orte bleiben 
konnten und durften, da dort jede Möglichkeit 
fehlte ihnen gerecht zu werden, werden zwar nicht 
mehr oder doch nur vereinzelt zu erwarten sein. 
Dann mögen sie, wenn sie integrirende Theile des* 
Berliner Besitzes, namentlich der Überreste des 
grofsen Altars sein sollten, hoffentlich mit dem 
Ganzen vereint werden, zu dem sie gehören und 
von dem losgelöst sie oft gar wenig bedeuten 
wUrden. Andere besonders bedeutende Fundstücke 
mögen dem kaiserlich ottomanischen Museum in 
Constantinopel zugeführt werden, wie es mit dem 
vor zwei Jahren gefundenen Relief einer Tänzerin (An- 
tike Denkmäler Bd. II Taf. 35 ; dazu Hauser in diesem 
Jahrbuche, Anzeiger 1898, S. 199 f.) geschah, welches 
würdig erschien, jener mit ebensoviel Energie wie 
feinem Verständnisse geschaffenen Sammlung ein- 
verleibt zu werden. Dergleichen wird aber unter 
den Funden, wie sie jahraus jahrein gelegentlich 
gemacht werden oder wie sie bei Wiederaufnahme 
von Ausgrabungen zum Vorschein kommen können, 
immer die Ausnahme sein. Die Mehrzahl dessen, 
was noch in Pergamon zu Tage kommen wird, 
dürfte einen Transport in grofse Museen, die nur 
gewählten Besitz erstreben sollen, nicht fordern und 
Archäologischer Anzeiger 1898. 



nicht lohnen, während auch das Geringere darunter 
aus dem Bilde der Vergangenheit uns irgend einen 
Zug bewahrt, um dessen willen es vor Zerstörung 
geschützt werden soll, dann natürlich am einfach- 
sten an der Stelle, wo es gefunden wurde und 
wo es im Zusammenhange mit der Umgebung, in 
der es entstand, so weit diese noch kenntlich 
bleibt, wirkungsvoller sich darstellt, als irgendwo 
sonst, und wo es doch augenfällig eine Erinnerung 
erwecken wird an die historische Bedeutung des 
Platzes. 

Von solchen Erwägungen geleitet hat die Ver- 
waltung des kaiserlichen Museums in Constantinopel, 
der zugleich die Fürsorge für alle AlterthUmer im 
Reiche übertragen ist, ihr Augenmerk auch auf die 
Schaffung von Lokalsammlungen an antiquarisch 
wichtigen Plätzen gerichtet, wie eine solche vor dem 
Regierungsgebäude in Smyrna schon ansehnlich ge- 
wachsen ist und wie sie nun auch in Pergamon 
ihren Anfang genommen hat. 

Es handelt sich zunächst nur um Bewahren 
vor Zerstörung, zu der stets viele Hände bereit 
sind, um Erwerben und geordnete Aufstellung und 
Verzeichnung. Die Verwaltung in Constantinopel bat 
dazu in Pergamon, wie wir glauben, den richtigen 
Mann gefunden, Herrn Dimitrios Tscholakidis, 
indem sie ihn zum Epistaten der Alterthümer in 
Pergamon ernannt hat. Die auf den Höhen des 
Stadtberges durch unsern Ausgrabungen freigelegten 
Überreste der Königsbauten, sowie des Traianeimis 
und des Gymnasiums hat Herr Tscholakidis schon seit 
Jahren erhalten helfen. Möchte es ihm kraft seiner 
neuen Machtvollkommenheit nunmehr auch gelingen, 
mit Erfolg eine schützende Hand über andere, 
mehr im Bereiche des heutigen Verkehrs liegende, 
historisch denkwürdige Reste seiner Heimathstadt 
zu halten, wie über die bisher noch fortdauernder 
Zerstörung durch Steinsucher ausgesetzten Über- 
bleibsel der gröfsesten, wie wir annehmen, unter 
Eumenes II. erbauten, Stadtmauer mit ihrem soeben 
wiederentdeckten Hauptthore I Unsere Hoffnung, dafs 

17 



222 



Kaiserlich Ottomanisches Museum in Pergamon. 



dieser Wunsch Erfüllung; finden wird, ist bestärkt 
durch die Thatkraft, mit welcher der neue Epistat 
den Anfang zu einer Sammlung von Alterthümem 
gemacht hat, von dem wir hier berichten wollen. 

In Zeit weniger Wochen sind bereits 1 5 Stücke, 
theils Skulpturen, theils Inschriften zusammen- 
gebracht, vor dem Konak aufgestellt, numerirt und 
verzeichnet worden. Wer auf dem Wege vom 
Hafenplatze Dikeli her durch die ernst stimmende 
Umgebung der muhamedanischen Friedhöfe hin in 
die Stadt kommt, wo das Konak gleich voran links 
am Wege liegt, wird auch durch diese kleine 
Versammlung von Marmorbildern jetzt sofort daran 
erinnert, welche Vergangenheit der Ort hat, den 
er betritt, und über dessen Häusern hinweg zugleich 
der gewaltige Umrifs des Stadtberges der Königs- 
zeit, den Eindruck verstärkend, dem Auge sich 
bietet. 

Die Mitte der Aufstellung nimmt ein grofses 
Hochreliefbild der Athena ein, welches die alte 
Schutzgöttin der Stadt, aufrecht stehend und an 
attische Bildung anklingend, darstellt. Ebenso wie 
dieses Relief sind zwei andere, das eine mit der 
Figur des Dionysos, das andere mit der eines 
fliegenden Eros, so wie sie vor einen seitwärts 
ornamentirten Pfeiler gestellt erscheinen, Theile 
eines und zwar eines und desselben Bauwerks, 
aus römischer Zeit, wie ohne Weiteres ersichtlich ist. 
Alle drei sind zusammen gefunden und zwar am 
Nordende der Gegend, in welcher die Skene des 
römischen Theaters, in der Unterstadt von Pergamon, 
gelegen haben mufs. Sie werden also zu dem 
Schmucke der Skene gehört haben. Dieses Theater 
hat bisher nur Verwüstung, aber noch keine Unter- 
suchung gefunden, es sei denn, dafs man die Aus- 
grabung und Rettung dieser drei Skulpturen so 
nennen will, das Verdienst eines »Syllogos«, eines 
Vereins, der vor Jahren einmal in Pergamon be- 
standen hat, aber längst eingegangen ist und 
diese Skulpturen als herrenloses Gut verwahrlost im 
Hofe eines griechischen Hauses liegend hinterliefs. 
Jetzt sind sie zu verdienter Beachtung gekommen. 

Noch ein viertes Relief der kleinen Sammlung 
ist einem Pfeiler vorgesetzt, stellt sich also eben- 
falls als Theil einer reich geschmückten Architektur- 
anlage dar. Man kann kurz sagen, dafs es eine 
weibliche Figur im Amazonentypus darstellt, aufrecht 
stehend, im kurzen Chiton, der, um die Hüften 
gegürtet, die rechte Brust frei läfst. Der Kopf 
fehlt leider. Dieses Stück wurde im letzten Jahre 
auf den sogenannten Gurnellia gefunden, diesem 
grofsen freien Platze im Griechenviertel der Stadt, 
welcher seine Entstehung einer gewaltig grofsen 



Schöpfung aus römischer Zeit verdankt. Das ist 
wiederum eine Bauanlage, welche noch der eingehen- 
den Untersuchung wartet, über deren Zweck und 
Bedeutung wir noch so gut wie ganz im Unklaren 
sind, wenn man auch die Vermutfaung einigermafsen 
rechtfertigen könnte, es sei ein zweites G>Tnnasium, 
aufser dem weiter oben am Berge gelegenen 
Tfüv v^cuv gewesen. Zum architektonischen Schmucke 
dieses Gebäudes gehörte also die amazonenähnliche 
Pfeilerfigur, bei welcher man in dem gegebenen 
Zusammenhange auch an die Darstellung einer 
römischen Provinz denken könnte. 

Noch ein Architekturtheil, ein Gesims, stammt 
ebenfalls von den Gurnellia her, einige andere von 
andern Fundorten, ein in gewaltigem Schwünge 
ausladendes Gesims aus Trachyt wurde ganz kürzlich 
bei Aufdeckung des Hauptthores der Königsstadt, 
unterhalb des armenischen Friedhofes, gefunden. 
Der Obertheil eines Marmorpfeilers, welcher in ge- 
fälligem Relief auf zwei Seiten, jedesmal in Krönung 
von Rankenornament, eine Nike zeigt, wurde aus 
der Umfassungsmauer eines Friedhofes entnommen. 

Zwei weitere Fundstücke stammen aus der 
Hafenstadt Elaia; beide befanden sich bisher im 
Dorfe Klissekiöi oberhalb der Niederung von Elaia. 
Das eine ist eine wohlerhaltene, etwa ein Meter 
im Quadrat messende Marmorplatte mit byzanti- 
nischem Linearornament, in dessen Mitte ein Löwe 
einen Hirsch packend erscheint. Es wurde der 
Sammlung als Geschenk seines Besitzers Chafl 
Jartzoglu zu Theil, wie das zweite Stück aus Elaia, 
eine Stele mit Inschrift, laut welcher ein M^vavdpo; 
MevavSpou der pouXi^ sein icavS&x^tov xal oUiay hinter- 
liefs, Geschenk des Konstantin Philoglu in Klisse- 
kiöi ist 

Unter den übrigen Inschriftsteinen der Sammlung 
ist der mit der Weihung All fieyiatq) xal öcolc it'xot 
xol rsfaaic durch Schönheit der einfachen tektonischen 
Form und der Schrift, Beides in die Königszeit 
weisend, bemerkenswerth. Es wird derselbe Stein 
sein, welcher nach einem Abdrucke in der Smyrnaer 
Zeitschrift 'Apfxovfa, nur in der Zeilentheilung nicht 
ganz richtig, zuletzt in den athenischen Mittheilungen 
des Instituts wiedergegeben wurde (XX, S. 497). 
Er wurde oben im Griechenviertel beim Hausbau 
gefunden. Das epigraphische Hauptstück der 
Sammlung ist aber ein aus einem Privathause erst 
kürzlich an's Licht gezogenes Bruchstück. Es ist 
nach der n. 249 der Inschriften Fränkel's das zweite 
Dokument, welches sich auf den Übergang Perga- 
mon's an Rom bezieht, und zwar auf Verhandlung 
mit dem römischen Senate über Gültigkeit getroffener 
Verfügungen. Der Text wird bald in den athenischen 



Der Flächeninhalt von Antiochia. 



223 



Mittheilungen des Instituts mit andern jüngst in 
und um Pergamon zum Vorschein gekommenen In- 
schriften erscheinen. 

Der kleine Bericht möge mit dem Ausdrucke 
der Hoffnung schliefsen, mit dem er begonnen hat. 
Alle Anzeichen bis jetzt sind der Erfüllung günstig. 
Mit gutem Rechte rühmen wir wiederholt die Ver- 
dienste Hamdi-Bey's um die ihm unterstellten Alter- 
thümer. Er hat auch hier, nachdem sein Bruder 
und Mitdirektor Halil-Edhem-Bey noch vor zwei 
Jahren die Verhältnisse in Pergamon persönlich 
erkundet hatte, in Dimitrios Tscholakidis meiner 
Überzeugung nach den richtigen Mann für Aus- 
führung des Angeordneten gefunden, und er wird 
ihn sicherlich in der Ausübung seiner Obliegenheiten 
zu unterstützen wissen. Auch der höchste Beamte 
des Vilajets, Seine Hoheit Kiamil-Pascba, hat jüngst 
bei seinem Besuche in Pergamon der kleinen 
Sammlung Gunst erwiesen. Solchen Vorgängen 
entsprechend hat sowohl die Ortsbehörde, der 
Kaimakam Dschawid-Bey, wie auch der für unsere 
letzten Arbeiten uns beigegebene Regierungs- 
Commissär Bedri-Bey die Neueinrichtung bereit- 
willigst gefördert. Es ist zu erwarten, dafs bei dem 
in Aussicht stehenden Neubau der Konaks der 
Sammlung nicht nur wieder ein Gartenraum vor 
dem Gebäude zur Aufstellung grofser Stücke, sondern 
auch ein geschlossener Raum im Gebäude zur Auf- 
bewahrung kleiner Antiquitäten gewährt werden 
wird. Weiteres mag der Zukunft vorbehalten bleiben. 
Inzwischen möchten auch wir, so lange wir an der 
Untersuchung Pergamon's festhalten dürfen, dem 
Begonnenen nicht nur mit Worten uns zu Dienste 
halten und sprechen in diesem Sinne unser Floreat 
crescat aus. Conze. 



DER FLÄCHENINHALT VON 
ANTIOCHIA. 

Eine Frage meines verehrten CoUegen Richard 
Förster gab mir die Anregung den Flächeninhalt 
des alten Antiochia polarplanimetrisch auszumessen 
auf den drei Plänen von Carsten Niebuhr, Rey, dem 
Baedeker'schen Reisehandbuch. Ich erhielt (vgl. 
Jahrb. XII 1897 S. 143) die weit auseinandergehen- 
den Werte: 481, 642, 1924 ha. Bei der Frage nach 
der Zuverlässigkeit der drei Pläne war für mich 
ein Satz der Vorrede bei Baedeker entscheidend: 
»Herr Prof. Dr. H. Kiepert in Berlin hatte die Güte, 
die Zeichnung der Karten zu übernehmen und hat 
dazu teilweise das von ihm selbst in den letzten 
Jahren an Ort und Stelle gesammelte und sonst 
noch nicht veröffentlichte Material benutzt. Die 



Kärtchen der Umgebungen von Yafa und Beirut 
sowie die Pläne dieser Städte wurden für dieses 
Buch besonders aufgenommen. c Stand Kiepert's 
Autorität hinter dem Kärtchen von Antiochia, so 
konnten neben seiner Arbeit die weit abweichenden 
älteren Pläne nicht mehr ernstlich in Betracht kommen. 
Für Niebuhr legte der sonderbare Zufall, dafs seine 
Planskizze nur gerade ein Viertel der vom Baedeker- 
plan gebotenen Fläche Antiochia's aufwies, die 
Vermutung nahe, dafs sein in Doppelschritt gehaltener 
Mafsstab vielleicht der Verdoppelung bedürfe. Später 
erst erfuhr ich, dafs obiger Ursprungsnachweis der 
Baedeker-Karten nur für die erste Auflage völlig 
genau war, welche noch keinen Plan Antiochia's 
enthielt. Der den späteren Auflagen beigefügte 
Plan dieser Stadt rührt nicht von Kiepert her, sondern 
von dem Ingenieur Josef Cernik, dem Leiter einer 
»Technischen Studien-Expedition durch die Gebiete 
des Euphrat und Tigris« , über welche die Er- 
gänzungshefte 44 und 45 zu Petermann's Mitteilungen 
berichten. Über seine nach dort gegebener Ver- 
sicherung »mit den besten technischen Hilfsmitteln 
zu Stande gebrachten topographischen Aufnahmen« 
war mir Näheres nicht bekannt. Jetzt erfahre ich 
durch eine gütige Mitteilung meines verehrten 
Freundes Dr. Richard Kiepert, dafs ihn eingehende, 
seit mehr als einem Jahre anhaltend betriebene 
Studien für die Karte Syriens und Mesopotamiens 
zu einem sehr ungünstigen Urteil über die Zuver- 
lässigkeit speciell der syrischen Arbeiten Cernik's ge- 
führt haben. Die Begleitworte zu jener Karte werden 
dies Urteil näher begründen. 

Damit verschiebt sich die Grundlage für die 
Beurteilung der drei Pläne Antiochia's vollständig. 
Es liegt namentlich kein Grund mehr vor, an der 
Richtigkeit des Mafsstabs von Niebuhr's Planskizze 
zu zweifeln. Und wenn auch der Aufenthalt dieses 
Reisenden in Antiochien am 28. und 29. Juni 1 766 
zu kurz war, um eine für eine sichere Flächen- 
bestimmung ausreichende Aufnahme des weiten 
Mauerringes der alten Stadt zu Stande zu bringen, 
können doch seine durch Abschreiten gewonnenen 
Angaben für ihre Länge (2300 Doppelschritt, etwa 
3450 m) und ihre mittlere Breite (950 Doppelschritt, 
etwa 1425 m) als soweit sicher gelten, dafs der 
Flächeninhalt der Stadt Justinians dem Werte, den 
sein Plan ergiebt, viel näher stehen wird als der 
in's Unwahrscheinliche gesteigerten Ausdehnung auf 
dem Plane Cernik's. 

Jedenfalls ist eine den Ansprüchen der Gegen- 
wart genügende topographische Aufnahme des Planes 
Alt - Antiochiens ein dringendes Bedürfnis der For- 
schung, dessen Befriedigung noch erstrebt werden 

17* 



224 



Archäologische Gesellschaft. 1898. November. 



sollte, ehe die Zerstörung des Mauerkranzes weiter 
fortschreitet. 

Breslau, 26. Nov. 1898. J. Partsch. 



SITZUNGSBERICHTE 
DER ARCHÄOLOG. GESELLSCHAFT 

ZU BERLIN. 
1898. 

NOVEMBER. 

Die erste Sitzung nach der Sommerpause er- 
öffnete der Vorsitzende mit BegrUfsung der zahl- 
reich erschienenen Mitglieder und Vorlegung der 
Eingänge. 

Herr Oehler sprach über die Häfen von Kar- 
thago, indem er die Ergebnisse seines im Arch. 
Anz. (Jahrb. XIII S. 171 ff.) abgedruckten Berichtes 
kurz zusammenfafste und besonders auf die von 
Herrn de Roquefeuil festgestellten Mafse einging. 

Darauf besprach Herr B. Graef die Haupt- 
ergebnisse des Werkes von J. Boehlau» Aus altioni- 
schen und italischen Nekropolen. Das Buch be- 
richtet Über Ausgrabungen auf Samos und bringt 
im Anschlufs daran Forschungen zur Vasenkunde. 
Es waren ganz bestimmte Probleme, deren Lösung 
von der Ausgrabung einer altionischen Nekropole 
zu erwarten war. 

Auf der Suche nach einer solchen weist 
Boehlau zunächst mit Recht die Vermutung zurück, 
die Referent über die Lage des alten Phokaia ge- 
äufsert hatte, .und entscheidet sich fUr Samos. 

Es sind also bestimmte Fragen, auf die der 
Boden antworten sollte, die Ausgrabung ist als 
wissenschaftliches Experiment unternommen. Das 
scheint mir methodisch wichtig zu sein. In der 
Westnekropole wurde der Bestattungsplatz des 
VI. Jahrhunderts gefunden. Nebenbei wurde in 
kürzerer Grabung auch die Nordnekropole aufge- 
deckt, welche ebenfalls archaische Funde hergab. 
In der Westnekropole wurden 161 Gräber aufge- 
deckt. Die Beisetzung war eine mannigfache; meist 
(in 128 Fällen) Steinsärge, daneben andere Särge, 
Schacht- und Kammergräber. Eingehend erörtert 
Boehlau die Bestattungsgebräuche mit Berück- 
sichtigung anderer bekannter Nekropolen. Der 
Fund einiger Grabstelen mit schöner Bekrönung 
mag erwähnt werden, im übrigen sollen uns hier 
nur die Ergebnisse für die Vasenforschung be- 
schäftigen. Das erste und zugleich das grofse 
Hauptergebnis ist, dafs die Vasengattung, welche 
man nach ihrem bisherigen Hauptfundorte Fikellura 
bei Kamiros zu nennen pflegt, in Überwiegender 



Masse sich in der samischen Nekropole findet. Ihr 
Vorkommen in Naukratis und Dapbne, ihre Ver- 
schiedenheit von den übrigen auf Rhodos ge- 
fundenen sogenannten 'altrhodischen' Vasen war 
schon beachtet worden. Jetzt mufs sie für samisch 
gelten, dafür spricht aufser der Masse der Funde 
auch das Vorkommen gewisser, offenbar für den 
Grabgebrauch eigens hergestellter Gefäfse der 
Gattung. Boehlau stellt die bisher bekannten 
Exemplare zusammen, bespricht ihre Technik, weist 
aus eingehender Zergliederung der verzierenden 
Formen und aus der Art ihrer Verteilung auf den 
Vasen nach, dafs hier ein Ausläufer mykenischen 
Geschmackes vorliege, unbeeinflufst durch die so- 
genannten geometrischen Stile. Ja für eine kleine 
Gruppe von Kannen wird sogar Anknüpfung an 
Vormykenisches wahrscheinlich gemacht. Das Wich- 
tige und Bedeutende dieser durch neue Thatsachen 
und wissenschaftliche Arbeit gewonnenen Erkenntnis 
ist folgendes: es war bisher bekannt, dafs die so- 
genannten geometrischen Stile, deren bekanntester 
der attische Dipylonstil ist und die, lokal differen- 
ziert, aber untereinander eng verwandt, nach dem 
Sinken der mykenischen Kultur im griechischen 
Mutterland auftreten, von da südwärts Über die 
Inseln sich erstrecken, ihren Einflufs bis in's Delta 
schickend, dafs diese Stile, welche in Kleinasien 
nicht vertreten sind, nach ihrer Zersetzung eine 
Überflutung durch einen Strom fremdartiger östlicher 
Zierformen erleben, von gebogener und ge- 
schwungener Art, zum Teil aus dem Pflanzenreich 
geradewegs entnommen. Es entstehen dann eine 
Reihe Übergangsstile, von denen wiederum der 
frUbattische als der bekannteste genannt sein mag. 
Die Analyse jener Formen hatte Boehlau seit Jahren 
gelehrt, dafs sie aus mykenischem Gute stammten. 
Er schlofs, dafs im Osten der griechischen Welt 
die mykenische Kultur nicht zu bestehen aufgehört 
haben könne, sondern ununterbrochen weiter gelebt 
haben müsse, um so aufs neue ihre Macht entfalten 
zu können. Litterarische und mythologische For- 
schungen drängten zu gleichen Schlüssen. Hier treten 
nun die samischen Vasen als späte aber fast 
reine Abkömmlinge mykenischer Kunst in Klein- 
asien bestätigend ein, und zwei analoge Resultate 
treten dazu. 

Das zweite ist nämlich der Nachweis, dafs die 
sogenannte »altrhodische« Gattung nach \Xilet ge- 
hört Dümmler hatte schon aus dem Vorkommen 
schlechter Nachahmungen jener Gattung in Kamiros 
geschlossen, dafs sie nicht daselbst zu Hause sei. 
Auch hatte er erkannt, dafs sie dem Mykenischen 
verhältnismäfsig näher stehen als andere gleich- 



Archäologische Gesellschaft. 1898. November. 



225 



zeitige Vasen und keine starken Einwirkungen 
»geometrischer« Dekoration zeigen, während auf 
Rhodos ein »geometrischer« Stil von ausgeprägter 
Eigenart zu Hause ist. Dümmler hatte dann den 
inzwischen widerlegten Irrtum begangen, diese Vasen 
nach Argos zu setzen. Nach Milet setzte sie 
Loeschckc auf Grund einer versuchsweisen Aufteilung 
der älteren Naukratisfunde unter die Mutterstädte: 
Milet, Mytilene, Samos, bei der er bereits Samos 
für die Fikellura-Gattung vermutet hatte. Da das 
nun feststeht, ist Milet für die »altrhodische« 
Gattung überaus wahrscheinlich, wenn man ihr Ver- 
breitungsgebiet, den Einflufs auf die Dekoration 
der Sarkophage von Klazomenai und an der klein- 
asiatischen Küste bis hinauf zur Troas in Erwägung 
zieht. Diese also jetzt als milesisch zu bezeichnen- 
den Vasen sind eine zweite Gattung, die im griechi- 
schen Osten zu Hause ist, nur geringe Spuren des 
»geometrischen« Stiles zeigt und neben noch 
wenig fafsbaren orientalischen Einflüssen noch stark 
an die mykenische Tradition sich anschliefst. 

Drittens sucht Boehlau äolische Vasen nach- 
zuweisen. Es sind eine Reihe von Spuren, die 
nach der Aolis hin konvergieren. Das Wesent- 
lichste, was hier in Betracht kommt, ist vornehm- 
lich die in einer Gruppe von Vasen, welche Boehlau 
«spätmilesische« nennt, neben der milesischen auf- 
tretende, abweichende Dekorationsart Solche »spät- 
milesische« Vasen haben sich auch in der sami- 
schen Nekropole gefunden. Dazu kommen andere, 
im griechischen Osten und in Italien gemachte 
Funde, die zwar unter sich verschieden sind, die 
aber auch mit Wahrscheinlichkeit in die Aolis zu- 
rückweisen. Die Funde in der Aolis selbst sind 
vorläufig noch zu geringfügig, um statistisch stark 
in's Gewicht zu fallen. Es handelt sich hier überall 
um die »schwarzbunte« Dekoration. Das heifst 
Gravierung in schwarzen Firnisgrund und Ver- 
wendung von Farben. Kann auch hier der Beweis 
noch nicht als endgiltig erbracht gelten, so ist 
doch gerade dieser Teil der Arbeit Boehlau's be- 
sonders wichtig durch die Fülle zum Teil sehr 
weit zerstreuten Materials, das hier zusammenfassend 
vorgelegt, unter einheitliche Gesichtspunkte geordnet 
und der wissenschaftlichen Forschung zugänglich 
gemacht wird. Boehlau knüpft an den Nachweis 
der äolischen Vasen eine Hypothese, der ich nicht 
zustimmen kann. Da nämlich auf diesen Vasen die 
Gravierung wesentlich ist und schon früh reichlich 
verwendet wird — bei den anderen eben be- 
sprochenen Vasengattungen findet sie sich nur aus- 
nahmsweise — so schliefst Boehlau, dafs die eigent- 
liche schwarzfigurigc Malerei, die ihre Ausbildung 



wesentlich der Einführung der Technik des Gra- 
vierens dankt, auch hier in der Äolis ihren Ursprung 
habe. Dem ist nun entgegenzuhalten, dafs erstens 
schon die blofse Statistik nicht erlaubt, den Ur- 
! Sprung der Gravierung auf den schwarzbunten 
Vasen allein zu suchen: die frühattischen und die 
protokorinthischen Vasen müssen vorläufig für die 
ältesten gelten, die die Gravierung verwenden, und 
sie thun es für das Figürliche. 

Und in diesen beiden Gebieten finden wir auch 
am frühesten eine ausgebildete schwarz6gurige 
Malerei, der gegenüber die mit Figuren bemalten 
östlichen Vasen meist viel jünger — bis zum 
Jahre 500 herab — angesetzt werden müssen. Auch 
die Klazomenai-Sarkophage werden von Winter in 
dem eben erschienenen Heft der Antiken Denkmäler 
für nicht sehr alt erklärt. Und das zähe Leben 
der milesischen und samischen Malerei — letzteres 
von Boehlau selbst erwiesen — zeigt am besten, 
wie langsam im Osten die schwarzfigurigc Malerei 
vordrang. Sollten also wirklich spätere Forschungen 
oder Funde erweisen, dafs die Technik des Gra- 
vierens im Osten zuerst und nur in einem begrenzten 
Gebiet aufgekommen sei, so würde damit gegenüber 
den erwähnten Thatsachen doch noch nicht be- 
wiesen sein, dafs die schwarzfigurige Malweise dort 
so zu sagen »erfunden« wäre. Technische Er- 
rungenschaften können wohl eine Kunst in ihrer 
Entwicklung fördern, aber nicht eine neue Kunst 
erzeugen. Die Wurzeln der schwarzfigurigen Malerei 
liegen in der eigentümlichen Begabung der Stämme, 
die den Drang nach Darstellung und Erzählung 
fühlten: die geometrischen Stile des Mutterlandes 
sind reicher an figürlichen Darstellungen als andere, 
der attische Dipylonstil steht hier voran. Die 
künstlerischen Keime, welche der Dipylonstil ent- 
hält, hat Brunn zu würdigen gewufst 

Für das starke Raumgefühl, das bcwufste Streben 
nach Stil, die strenge Zucht, endlich das Streben, 
einem wertvollen Inhalt Ausdruck zu verleihen in 
jenen, wenn auch noch so primitiven Versuchen 
hat Boehlau nur das Wort »pathologische Er- 
scheinung«. Ihm gelten die Frische und die Frei- 
heit und der kühne Wirklichkeitssinn, den die 
meisten östlichen Erzeugnisse bekunden, als die 
alleinigen Keime künstlerischen Schaffens. Diese 
Wertung dürfte mehr noch als die rein statistische 
Induktion ihn geneigt gemacht haben für jeden 
künstlerischen Fortschritt im Osten die Heimat zu 
suchen. Er thut es auch sogar für die rotfigurige 
Malerei auf Grund einer ganz unzureichenden 
Statistik. Man sieht, das sind Fragen, die aus dem 
Rahmen der Altertumswissenschaft hinausweisen und 



Archäolo^sche Gesdhchaft. 189S. November. 



ihren Austrag auf dem ilIgemeiDeicm Gebiete der 
ErCDrschung jedes kUnstlerischeD Scbaßens Über- 
hnupt erwarten. Es sei ferne, hier daran rUhreo 
zu wollen. Aber der Wert auch dieser Kapitel des 
Buches von BoehlBuhHngt nicht an seinem St sndpunkl 
jenen künstlerischen Problemen gegenüber, noch an 
der Richtigkeit oder Unrichtigkeit einiger auf Grund 
desselben aufgestellter Hypothesen, sondern beruht 
auf der Nutzbarmachung und energischen Verwertung 
von neuem, reichlichem wichtigen Material und der 
Fähigkeit, es dem Leser votiufuhren in fafslicher 
Form, die ihn belehrt und sein eigenes Forschen 
fördert. 

Herr Diels sprach über die von Selivanov ent- 
deckte rhodische Inschrift C. l. 145, die Herr Hillcr 
V, Gaertringen wieder gefunden und dem Kgl. Mu- 
seum in Berlin geschenkt hat. Die von ihm ge- 
gebene Lesung fAth. Millh. XXI (1896) 61 (.) läfst 
Zweifel Ober die Ergänzung der ersien Zeile. Der 
Vortragende schlägt vor, einen Pentameter 

— u u 'Ao]oup(j}[4 ältXa] St[i[npi]!ii.to: 
lU lesen. Von AI am Anfang und dem M in 
Iiuiipti[i[OC sind deutliche, von den beiden A des 
mittleren Wortes nur gani schwache Sporen vor- 
handen. Der datu gehörige Hexameter, der auf der 
von Herrn Winter vermuteten Doppelherme des 
Fanj-assis und Herodot selbst angebracht gewesen 
sein mUfsle, wurde passend als Gegenstück die 
Arbeilen des Herakles erwähnt haben. (Etwa: 
■Beide haben die Arbeiten des Herakles in ihren 
Gesängen verherrlicht und die gewaltigen Kämpfe 
der Assyrischen Seoiiramisc.) Herakles und Scmi- 
ramis als Mann und Weib, Vertreter des Westens 
und Ostens, wUrden eine erträgliche Pointe geben, 
imd Semiramis die seltsame Erwähnung von Ninive, 
Indien, Babylon in den folgenden Versen (die wohl 
mit oi yip doijfioij; begannen) einigermafsen moti- 
vieren. Falls sich diese Vermutung slichhallig et- 
wiese, dürfte man schliefsen, dafs, da Herodot von 
Herakles und Semiramis nur kurz berichtet, Pa- 
nyassis in erster Linie in Betracht kUme. Für Herakles 
ist der Dichter der Heraklea von selbst gegeben. 
In Bezug auf Semiramis mUfste man annehmen, 
dafs der Dichter in einer seiner orientalischen Epi- 
soden der assyrischen Königin Erwähnung gcthan 
hätte. Viel wird er schwerlich darüber gesagt haben, 
da der eigentliche Begründer des Semiramisiomans 
Ktesias ist. 

Zum Scblufs nahm Herr Trendelenburg das 
Wort, um an die Gesellschaft als eine Art Gerichts- 
hof in archäologischen Kragen in eigener Sache 
XU appellieren. In der Berliner philologischen 
Wochenschrift ist am 1. Oktober eine Besprechung 



seiner Bendis erschienen, die folgende Satze enthält-. 
sTrendelenburg's ganze Auffassung der Bendis ge- 
TBt infolge eines Sehfehlers auf eine schiefe Bahn. 
Er meint, die Bendis des Reliefs im ßnlischen 
Museum trage keinen Wurfspeer, sondern eine Stofs- 
lanie, und dadurch werde ihre Trägerin als Kriegs- 
götlin, nicht als Göttin der Jagd charakterisiert. Die 
Stofslanze existiert aber nur in der interpolierten 
Abbildung, mit welcher T. den Titel seiner Schrift 
verzieren liefs.t Um die Haltlosigkeit dieser auf 
den Vorwurf einer Fälschung hinauslaufenden 
Behauptung zu zeigen, — denn unter einer Inter- 
polation versteht man einen zu bestimmtem Zwecke 
gemachten Zusatz, der sich als solcher Sufserlich 
nicht verrät, — legte der Vortragende das Titelbild 
seiner Schrift und daneben aus Hartwigs Bendis 
Tafel II, die Abbildung des Londoner Reliefs, nach 
der das Titelbild von dem akademischen Maler 
Herrn LUbke gezeichnet ist, der Gesellschaft mit 
der Bitte vor, beide mit einander zu vergleichen 
und zu entscheiden, ob die Zeichnung aufser der 
in verlorenen Linien ergänzten, also auf den 
ersten Blick als Zusatz erkennbaren Lanzenspitic 
in irgend einem Punkte mehr biete als das Original, 
also als interpoliert zu bezeichnen sei. Niemand 
aus der Gesellschaft vermochte diese Bezeichnung 
zu rechtfertigen. An der Ergänzung der Lanzen- 
spitze nimmt der Kritiker der Berl. phil. Wochenschr. 
deshalb Anstofs, weil sich im Original »der Lanzen- 
I Schaft, wie die Lieh tdruekabbil düng vollkommert 
! erkennen läfst, sicher nicht oberhalb der H.-ind fort- 
I setzt; denn sie (1. er, nämlich der Lanienschaft) 
i mUfste hier selbstverständlich ebenso wie unterhalb 
I plastisch ausgeführt sein«. Wenn dieser Satz in 
der Bendis stände, wUrde ihr gelehrter Beurteiler 
sagen, dafs der \'erfasser zu einer solchen Behaup- 
tung "Wohl nur durch seine eigene Unsicherheit 
auf archäologischem Gebiet gedrängt wurde«. Denn 
sonst würde ihm die Tbatsache nicht unbekannt 
sein, dafs, wie auf dem Parthenonfriesc z.B. die 
Lanze des sog. Ares und der Schirmstock des Eros 
nur zum Teil plastisch, zum andern Teil in Farbe 
angegeben war, auch zahlreiche andere Reliefs die 
Farbe in dieser Weise zur Aushilfe heranziehen. 
Ja er hätte gar nicht weil zu suchen, sondern nur 
das Londoner Bendisrelief selbst genauer anzusehen 
brauchen, um gleich hier ein zweites Beispiel dieser 
Verbindung von Plastik und Malerei in ßndcn. 
Während nämlich die Fackel in der Hand des ersten 
M.innes samt ihrem Teller plastisch ausgeführt ist, 
ist von der des dritten nur die Handh.ibe im Reliel 
ausgearbeitet, während Teller und Fackel zu er- 
gänzen der Farbe überlassen blieb. Aber der Kritiker 



Archäologische Gesellschaft. 1898. Dezember. 



227 



konnte keine Stofslanze in der Hand der Bendis 
brauchen, die doch sein Schützling Hartwig selbst 
(S. 7 seiner Schrift) nicht verkennt, weil ihm die 
thrakische Göttin eine Jagdgöttin ist und somit die 
leichte Wurflanze führen mufs. »Die Göttin legt 
den Finger auf das Schaftende des mit der Spitze 
nach unten gedrehten Akontions.« Auf die an die 
Gesellschaft gerichtete Frage, ob jemand die Spitze 
des Akontions in der Hartwig'schen Abbildung unten 
am Boden zu erkennen vermöge, erteilte niemand 
eine bejahende Antwort. Das Relief ist hier ein 
wenig bestofsen, immerhin ist auch das untere 
Schaftende hinlänglich deutlich erhalten, um das 
Urteil zu ermöglichen, dafs die Spitze auf keinen 
Fall plastisch angegeben war. Der Kritiker würde 
also, um die Spitze am Boden finden zu können, 
selbst zu der ihm beim Relief so unsympathischen 
Farbe seine Zuflucht nehmen müssen. Aber auch 
wenn man die Spitze interpolieren wollte, würde 
doch die danach vorauszusetzende Haltung des 
Wurfspeeres niemals möglich werden. Denn nur 
mit besonderer Geschicklichkeit und Ausdauer kann 
man an einem mit der Spitze auf den Boden ge- 
stemmten Speer die linke Hand ohne Zuhilfe- 
nahme der Rechten — in dieser hält die Göttin 
eine Schale — allmählich so hoch bringen, dafs 
der Zeigefinger auf das Sx:haftende zu liegen kommt. 
Und wozu diese Turnübung? Damit die einzig 
beglaubigten Bendisdarstellungen auf dem Kopen- 
hagener und Londoner Relief nicht mit der 
8iXoYj(o« des Kratinos in Widerstreit geraten, von 
der Hesych, der »das griechische Beiwort doch 
richtiger verstand als Trendelenburg«, nicht weniger 
als drei sich gegenseitig ausschliefsende Erklärungen 
zur Auswahl stellt, natürlich ohne sich trotz 
seines richtigen Verständnisses für eine bestimmt 
zu erklären. Das richtige Verständnis ist ganz 
auf Seiten des Herrn Kritikers, denn er ent- 
scheidet sich für die mittlere der drei Erklärungen: 
fitXoyyoi bedeute »mit zwei Lanzen«. Nun ist 
alles in Ordnung: die Bendis des Kratinos hatte 
zwei Lanzen, die urkundlich beglaubigten der 
Reliefs haben — eine, also sind die Ulof/Oi- 
Jägerinnen der Hartwig'schen Vasen lauter Bendis! 
Quod erat demonstrandum. 

Nach diesen Proben von dem Urteil, Wissen 
und Takt des Kritikers glaubte der Redner der 
Zustimmung der Gesellschaft sicher zu sein, wenn 
er seine Ausführungen dahin zusammenfafstc, dafs 
Unsicherheit, Sehfehler und Interpolation, wenn 
hiervon überhaupt die Rede sein könne, jedenfalls 
nicht auf seiner Seite zu suchen seien. Ein Wider- 
spruch hiergegen erfolgte nicht. 



DEZEMBER. 
W ine kel mannsfest. 
Am Geburtstage Winckelmann's vereinigte sich 
in gewohnter Weise in den Sälen des Architekten- 
hauses eine grofse Zahl von Mitgliedern und Gästen der 
Gesellschaft zur Feier des Winckelmannsfestes. Die 
Festschrift von Erich Pernice, Hellenistische 
Silbergefäfse im Antiquarium der König- 
lichen Museen, war den Mitgliedern schon vor- 
her zugestellt worden. Ausgehängt im Saale war 
eine Reihe von Tafeln aus dem jüngst erschienenen 
dritten Hefte der vom Kaiserl. Deutschen Arch. 
Institute herausgegebenen Architektonischen 
Studien von Sergius Andrejewitsch Ivanoff. 
Auch die beiden früheren Hefte desselben Werkes 
(I. Aus Griechenland, II. Aus Pompeji) lagen aus. 
Die Sitzung eröfTnete der erste Vorsitzende, Herr 
R. Schöne mit einem Rückblick auf das vergangene 
Jahr und gedachte zunächst der Gründung des 
österreichischen archäologischen Instituts, von 
dessen Zeitschrift der erste Jahrgang nunmehr ab- 
geschlossen vorliege. Die Gemeinsamkeit der Ziele 
und die wissenschaftlichen Grundsätze begründeten 
die schöne Hoffnung auf eine dauernde Waffen- 
brüderschaft zwischen der neuen unter Otto Benndorfs 
Leitung stehenden Anstalt und dem älteren deut- 
schen archäologischen Institute. Von der Thätigkeit 
dieses letzteren war der Versammlung eine Probe 
vorgelegt in der letzten Lieferung der architektonischen 
Aufnahmen des russischen Architekten Alexander 
Ivanoff, welche die Caracallathermen umfafst und 
mit eingehenden Erläuterungen von Prf. Hülsen in 
Rom ausgestattet ist. Der Redner gedachte der 
hochherzigen Stiftung des verewigten Künstlers, 
deren Mittel nunmehr nach Abschlufs der Publikation 
der Zeichnungen der Brüder Ivanoif zur Verfügung 
des Instituts und der kaiserlichen Akademie der 
Wissenschaften zu St. Petersburg stehen, vom 
Institute zu Ausgrabungen, von der Akademie zu 
Preisen für naturwissenschaftliche Werke zu ver- 
wenden sein werden. Der Redner erinnerte sodann 
an die reiche Ausgrabungsthätigkeit des vergangenen 
Jahres und gab kurze Mitteilungen über die Unter- 
suchungen, die im Laufe des letzten Sommers im 
Auftrag der athenischen archäologischen Gesell- 
schaft Dr. Sotiriadis in Thermon, der Hauptstadt 
des ätolischen Bundes, Herr Stauropullos auf Rheneia, 
und das Mitglied unserer Gesellschaft, Herr Dr. 
Otto Rubensohn, im Auftrag des deutschen archäolo- 
gischen Instituts auf Paros ausgeführt habe. Zum 
Schlufs gedachte der Redner als eines besonders 
erfreulichen wissenschaftlichen Ereignisses der Er- 
neuerung von Justi's Winckelmann. Das vor einem 



228 



Archäologische Gesellschaft. 1898. Dezember. 



Menschenalter mit Begeisterung aufgenommene Werk 
liege nun in neuer Bearbeitung abgeschlossen vor, 
für die die wissenschaftliche Welt dem Verfasser 
den wärmsten Dank schulde: es stehe zu hoffen, 
dafs es auch in dieser neuen Gestalt noch für manche 
folgende Generation eine ebenso reiche Quelle der 
Belehrung und Bildung bleiben werde, wie für die 
Gegenwart und jüngste Vergangenheit. 

Darauf hielt Herr U. von Wilamowitz-Möl- 
lendorff einen Vortrag über griechische illustrierte 
Volksbücher, dessen Hauptsätze folgende sind. 

Die sog. Ilischen Tafeln geben Darstellungen 
aus der Heldensage, vereinigt mit Beischriften, die 
zum Teil nur die Figuren benennen, zum Teil auch 
die Geschichten breiter erzählen; die Thaten des 
Herakles stehen neben einer Darstellung seiner 
Apotheose. Es finden sich oft Quellenangaben, 
manchmal sehr gelehrte, und auch Darstellungen 
und Erzählungen ohne solche. Verfertigt ist 
wenigstens die Masse von einem gewissen Theodoros, 
der in die augusteische Zeit zu gehören scheint. 
Die Darstellungen können nur als Illustrationen des 
Textes, wenn auch nicht des kärglichen, den The- 
odoros aufschrieb, betrachtet werden. Sie bieten 
auf Schritt und Tritt Parallelen zu anderen Dar- 
stellungen, zum Teil viel vornehmeren, allein man 
braucht nur die Masse der Kampfscenen anzusehen, 
um den Gedanken abzuweisen, dafs diese bildliche 
Nacherzählung ohne einen erklärenden Text be- 
standen hätte. Charakteristische Scenen mögen 
nach berühmten selbständigen Bildwerken gegeben 
sein: für die Masse gilt nur, dafs die weite Ver- 
breitung konventioneller Darstellungen bestimmter 
Scenen und sonst eine konventionelle Manier der 
Illustration nachgewiesen ist. Die Ausführung ist 
so gering, die Texte sind so offenkundig epitomirt, 
dafs weder Bilder noch Texte durch Theodoros 
geschaffen sein können. 

Die Posthomerika in dieser Überlieferung be- 
rühren sich, von den Dichternamen abgesehen, so 
nahe mit den Auszügen des epischen Cyclus bei 
Proclus, dafs ein Zusammenhang obwalten mufs. 
Jene Chrestomathie ist erst im Gebrauche der 
Byzantinischen Gelehrten des 9.— ii. Jahrb. etwa 
nachweisbar. Es war ein ästhetisch-kritischer Abrifs 
der Litteraturgeschichte. Die Auszüge der Epen 
sind durch die Prolcgomcna einer Homerausgabe 
erhalten, die wir schon ^m dritten Jahrhundert nach- 
weisen können; sie mögen aber erst später bei- 
gefügt sein. Dafs der Auszug der Kyprien so viel 
genauer ist als die Posthomerika liegt daran, dafs 
beide durch verschiedene Kanäle auf uns gekommen 
sind. Dafs die Auszüge recht alt sind, zeigt z. B. 



die ganz nah zu Proclus stimmende Telegonie bei 
Hygin. Hygin war ein griechischer Schriftsteller, 
dessen Genealogien allgemein verbreitet waren, als 
der sog. Dositheus im Jahre 207 einige Kapitel in's 
lateinische übertrug. Die uns erhaltene Übersetzung 
ist viel jünger und hat die Genealogien in einzelne 
Fabeln aufgelöst. 

Grade der Auszug der Kyprien stimmt zum 
Teil wörtlich mit den neuerdings entdeckten Aus- 
zügen aus der apollodorischen Bibliothek, die also 
die troischen Geschichten wesentlich auf Grund 
dieser Auszüge erzählt hat. Dies Buch ist auch 
erst in byzantinischer Zeit nachweisbar, seit dem 
neunten Jahrhundert das Handbuch für die alte 
Heldensage. Es will ausgesprochnermafsen den 
Stoff der ganzen Heldengeschichte so geben, dafs 
es die Lektüre aller Dichter entbehrlich macht. 
Die Dichtererklärung des späteren Altertums hat 
auf Schritt und Tritt ähnliche Erzählungen des 
heroischen Stoffes benutzt und ausgeschrieben, 
insbesondere jene Iliasausgabe, der wir die Kyprien 
verdanken. In ihr hat die Einmischung älterer 
gelehrter Varianten sammelnder Scholien arge Ver- 
wirrung gestiftet, indem bestimmte Namen als 
Zeugen für eine Geschichte angezeichnet wurden, 
die aus jener Erzählung der Heldensage stammte, 
aber, wie in dem lateinischen Hygin, einzeln aus- 
gelöst war. Wie man hier die Vulgärerzählung von 
den gelehrten Zuthaten sondern mufs, ist die 
Variantengelehrsamkeit auch in der apollodorischen 
Bibliothek ein Zusatz; dafs aber diese Vermischung 
alt üblich war, beweisen die ilischen Tafeln, die 
über die Dichter kritisches und pinakographisches 
beibringen wie Proclus und sogar ein so rares 
Stück grammatischer Gelehrsamkeit wie die Tag- 
zählung Zenodots. 

Die Benutzung der Vulgaterzählung der Helden- 
sage, natürlich wie bei dem sog. Apollodor zum Teil 
auf Grund der Auszüge alter Dichtungen, ist nachweis- 
bar bei römischen Dichtern wie Ovid und Vergil. Und 
noch vor ihnen hat Diodor eine genealogische Erzäh- 
lung der Heldensage im vierten Buche ausgeschrieben, 
die sich mit Apollodor nahe berührt. 

Es kann niemand, der die spätere Tradition 
mit Urteil überblickt, bezweifeln, dafs eine Litteratur 
bestanden hat, zu der die Texte der ilischen Tafeln 
auch gehören, eine durch ihre allgemeine Ver- 
breitung ungemein einfiufsreiche Litteratur, auch 
eine wertvolle, da sie ja auf den edelsten Dichtungen 
fufste, aber eine alles andere als vornehme. Ihre 
einzelnen Autorennamen sind entweder obscur wie 
Hygin oder pseudonym. Nicht die gelehrte Dichter- 
erklärung, sondern die triviale und dann besonders 



Archäologische Gesellschaft. 1898. Dezember. 



229 



die der Verfallzeit benutzt diese erzählenden Bücher, 
aber schon für Diodor und Vergil haben sie die 
alten Epen ersctzti die nach dem dritten Jahr- 
hundert V. Chr. kaum vereinzelt ein Grammatiker ein- 
gesehen hat 

Es fragt sich, ob die bildliche Darstellung der 
ilischen Tafeln dazu gehört. Da treten die 
homerischen Becher ein, die selbst in einzelnen 
Exemplaren in das zweite Jahrhundert hoch hinauf- 
gehen, und da sie Nachbildungen von Metall- 
gefäfsen sind, die Gattung sicherlich für das dritte 
Jahrhundert voraussetzen lassen. Hier finden wir 
Illustrationen im entschiedensten Sinne des Wortes, 
z. B. vpn der Iphigeneia in Aulis fast Scene für 
Scene, aber auch von dem Auszuge der kleinen 
Ilias des Lesches. Aber jeder Becher giebt nur ein 
kleines Stückchen, keinesweges immer ein ab- 
geschlossenes. Und dann bemerken wir, dafs Homer, 
d. h. Ilias und Odyssee selbst illustriert werden: 
da stehn die Verse mit ausgeschrieben; anderes 
wird an der Hand eines Prosaauszuges illustriert, 
wie die kleine Ilias: da steht der Autorname dabei; 
anderes aber an der Hand von anonymen Er- 
zählungen wie der Raub der Helene durch Theseus. 

Es mufs unmittelbar einleuchten, dafs die Texte, 
auf die die Beischriften der homerischen Becher 
zurückgehen, derselben Art sind wie die oben 
charakterisierten, die immerhin bis vor Diodor 
konstatiert waren. 

Wir sind damit in einer so gebildeten Zeit, 
dafs Homer und Euripides nicht anders als selbst 
gelesen werden, also, wenn wir Illustrationen zu 
ihnen in unscheinbaren Erzeugnissen des Kunst- 
handwerks finden, illustrierte Ausgaben von ihnen 
anzunehmen sind. Im übrigen sind es wesentlich 
Prosaauszüge der alten epischen Litteratur, die nur 
noch stoffliches Interesse bot. Diese Umsetzung 
ist auch sonst nachweisbar. Wir haben prosaische 
Citate mit den Namen alter Epiker, Kinaithon, 
Kreophylos, Eumelos, Peisandros, von diesem nichts 
geringeres als die auch homerisch genannte Oedi- 
podie. Aber auch was die Namen alter Sagen- 
erzähler, z. B. den des Pherekydes trägt, ist that- 
sächlich oft Nacherzählung z. B. der Eoeen, und 
mit der Scheidung von zwei Pherekydes kommt man 
nicht aus. Offenbar sind prosaische Erzählungen 
der Heldensage, d. h. der alten nationalen Ge- ' 
schichte, in der Schule und in den tieferen Schichten 
der Gesellschaft in eben so anspruchloser Form wie 
von der Tierfabel umgegangen, seit es überhaupt 
ein lesendes Publikum gab. Ja, es ist sehr glaub- 
lich, dafs schon die Tragiker solche Litteratur 
benutzt haben, da die Herakles- und Theseussage 



z. B. nie eine volkstümliche epische Bearbeitung 
gefunden haben, wie denn auch beide auf den 
Bechern und Tafeln ohne Quellenangaben illustriert 
werden. Die Umgestaltung dieser Litteratur im 
Laufe der Zeiten, das Eindringen moderner Be- 
arbeitungen (ApoUonios), gelehrter Citatennester, 
u. dgl. wird im einzelnen fast immer dunkel bleiben, 
im ganzen ist sie völlig klar. 

W^ann sich die Illustration dieser Aufgabe be- 
mächtigt hat, d. h. ob vor dem dritten Jahrhundert, 
mufs noch dahinstehen. Wir haben die Illustration 
der Bücher stark unterschätzt. Dafs technische 
Schriften, mathematische, astronomische, architek- 
tonische, mechanische nicht ohne Zeichnungen 
denkbar sind, ist klar, und da fehlen die erhaltenen 
Proben nicht. Das Kräuterbuch des Krateuas ist 
uns eben bekannt geworden. Die Portraitsammlung 
Varros wird zwar von Plinius als eine grofse Er- 
findung hingestellt, aber wie die Epigramme darin 
doch nur Nachahmung der Alexandriner sind, wird 
man es von den Portraits auch sagen müssen. 
Deren bildliche Tradition geht bis zu dem Trierer 
Monnus herunter, die litterarische sicher bis 
Dioskorides hinauf, dessen Gedichte auf Sophokles 
und Sositheos bildliche Beigabe fordern: freilich 
kann das ein Wandbild oder ein Statuenpaar eben- 
sogut gewesen sein wie ein Buchbild, denn die 
Verbindung von Gedicht und Bild kennen wir ja 
aus Pompei. Illustrierte Dichtungen aus römischer 
Zeit haben wir genug, und manches, z. B. die 
Verse auf die Monate in der lateinischen und griechi- 
schen Anthologie, setzt die Beigabe von Bildern 
voraus. Wie weit das ging, hat sich neuerdings an der 
aratischen Schriftenmasse gezeigt. Wenn wir eine 
Ausgabe des Terenz haben, wo die Scenen in 
mannigfacher Weise illustriert sind, wer wollte be- 
zweifeln, dafs es mit Menander ebenso war, und die 
erhaltenen Wandgemälde und Reliefs mit Komödien- 
scenen gewinnen so einen Zusammenhang. Und 
lange ehe der ambrosianische Homer verfertigt 
wurde, mufs es ähnliches gegeben haben: bemächtigt 
sich doch die christliche Kunst sofort der Buch- 
illustration. Das ist freilich alles noch vornehm 
und kostspielig; aber als Theodoros und gar 
Dionysios lebten, ist die Blütezeit des Buchgewerbes, 
der Gelehrsamkeit und expansiv auch der Kunst. 
Wir dürfen da wohl etwas von der Ulustrations Freudig- 
keit für möglich halten, die wir namentlich in 
Deutschland an der Jugend des Buchdrucks und 
Holzschnitts bewundern. 

Welche Perspektiven sich einerseits künstlerisch 
für die sog. Musterbücher der pompejanischen 
Zimmermaler und der Sarkophagarbeiter, anderer- 



230 



Archäologische Gesellschaft. 1898. Dezember. 



seits fUr die Tradition des epischen Stoffes, den 
sog. epischen Cyclus ergeben, soll unerörtert bleiben , 
wie wichtig die Veröffentlichung der erhaltenen 
antiken Buchillustration ist, dürfte ebenso ein- 
leuchten, wie dafs nur durch die Vereinigung der 
litterarischen und der monumentalen Tradition 
bleibende Ergebnisse erzielt werden können. 

Den Schlufsvortrag hielt Herr A. Tren- 
delenburg. 

In seiner safura Priapta führt Horaz den Garten- 
gott Priap redend ein. Aus einem wertlosen Stück 
Feigenholz sei er durch den Willen des Tischlers, 
der nicht recht wufste, ob er eine Bank oder einen 
Gott daraus machen solle, zu seinem hohen Berufe 
gekommen. 

»So ward ich ein Gott, und Diebe und 

Vögel scheuch' ich zumal: denn Diebe erschreckt 
die gehobene Rechte und das gerötete Glied, das 
vorn unbändig mir aufragt; doch dem Vögelge- 
schmeifs, ihm wehrt feststeckend im Scheitel oben 
das Rohr und erlaubt ihm nicht zu nisten im Garten.« ' 

Wie die Worte in vertite arundo fixa zu deuten 
seien, darüber haben sich die Ausleger bisher nicht 
einigen können« Die einen denken an einen Rohr- 
kranz, andre an ein RohrbUschel, dessen Rauschen 
im Winde die Vögel schrecke, noch andre an die 
»Leimspindel des Vogelstellers«, Erklärungen, die 
einer Prüfung nicht standhalten, da ein Kranz so 
wenig, wie W^indesrauschen Vögel scheucht, eine 
Leimrute aber nirgends unzweckmäfsiger angebracht 
werden könnte, als auf dem Kopfe eines Stand- 
bildes. Wer die Denkmäler zu Rate zieht, wird 
über den Zweck des Rohres nicht im Zweifel sein'. 
Sie lehren uns nämlich eine Vorrichtung zur Ab- 
wehr der Vögel kennen, die richtig verstanden genau 
der am Horazischen Priap zu denkenden entspricht. 
Denn auch bei diesem ist die Vorrichtung in erster 
Linie dazu bestimmt, die mit Mennig bestrichene 
Statue des Gottes selbst vor Verunreinigung durch 
Vögel zu schützen. Das lehren die Worte, mit 
denen er seine Spukerzählung schliefst: »Flunkre 

') Hör. sat, 18 3—7: 
Deus inde ego, furum aviumque 
Maxima formido ; nam fures dextra cotrcet 
Obscaenoque ruber porrectiu ab inguine palus, 
Ast importunas volucres in vertite arundo 
Ter r et fixa vetatque novis considere in hortis. 
*''•') A. Michaelis, Die Priaposara des Euporus 
aus Aquileja (Arch.-epigr. Mitth. aus Oesterreich I) 
S. 12 des Sep.-Abdr. erinnert bei Gelegenheit eines 
Reliefs, das Priap stehend mit einem hohen Binsen- 
rohr in der Rechten zeigt, an die Horazstelle nur 
des Rohres wegen; zur Erläuterung der Stelle liefs 
sich aus dieser Darstellung nichts gewinnen. 



ich, sollen die Raben das Haupt mit weifslichem 
Miste mir eiosudeln«. ' Das wäre also das Schlimmste, 
was Priap zustofsen könnte. Natürlich I Denn nur 
wenn sein leuchtendes Mennigrot in unangetastetem 
Glänze strahlt, kann er seine Bestimmung als Vogel- 
scheuche erfüllen ; er wäre alles andere eher als eine 
formido, wenn Vögel sein Haupt als Ruhesitz und 
Ablagerungsstätte benutzten. Gleich der erste, der 
es versuchen wollte, mufs verscheucht werden; denn 
auch eine geringe Spur ungestraften Verweilens er- 
zeugte unabsehbare Nachfolge. Darum trägt der 
ländliche Gott oben im Scheitel , wie der flamen 
seinen apex^ sein zugespitztes Rohr. Darf doch die 
Ausstattung des Holzbildes nicht viel kosten. Kost- 
barere Statuen tragen einen Dorn aus vornehmerem 
Material: wir wissen es von den schön bemalten 
Marmormädchen der Akropolis, die zu nicht ge- 
ringer Überraschung für moderne Augen alle einen 
solchen Nagel im Kopfe haben, allerdings von 
edlem Erz. 




Die Übereinstimmung zwischen ihnen und dem 
Priap ist so auffallend, dafs die Horazstelle bei den 



3) Hör. sat, I 8, 37 f. : 

Mentior at si quid , merdis caput inquiner albis 
Corvorum. 

Auch anderen Beschädigungen durch Vögel 
waren die Köpfe der Standbilder ausgesetzt, wie 
Carm, Priap, LXXXIII (Tibulli) 11 ff. zeigt: 
Abegimusque voce saepe, cum tibi 
senexve corvus impigerve gracculus 
sacrum feriret ore corneo caput. 



Archäologische Gesellschaft. 1898. Dezember. 



231 



Erörterungen über »Vogelabwehr« schwerlich bis 
heute unbenutzt geblieben wäre, hätte nicht der 
hochverdiente Gelehrte, der mit gewohnter Umsicht 
dieser Frage zuerst nachgegangen ist^, die Schutzvor- 
richtung bei den Akropolisstatuen in einer Weise ge- 
deutet, die sie als ganz verschieden von der des 
Priap erscheinen lassen mufste. Eugen Petersen 
nämlich denkt sich die spitz zugehenden Stifte dazu 
bestimmt, vollrunde Metallscheiben zu tragen, und 
meint, dafs hierdurch die Vögel gehindert würden, 
sich auf dem Kopfe der Statuen niederzulassen. Er 
findet sich in dieser Auffassung durch die Wahr- 
nehmung bestärkt, dafs der Bronzestift »Öfter am 
oberen Ende noch die zum Einfügen in die Scheibe 
gemachte Verdünnung aufweise». Indes wäre 
eine solche Zurichtung technisch nicht zweckmäfsig, 
denn der Dorn müfste zunächst durch den Mittel- 
punkt der Scheibe hindurchgetrieben und dann erst 
durch Umschlagen der Spitze oder durch eine oben 
aufgesetzte Schraubenmutter oder einen Niet zum 
Festhalten der Scheibe stark gemacht werden. 
Hier\'on aber ist an den unversehrt erhaltenen Spitzen 
nichts wahrzunehmen. Viel einfacher wäre es ge- 
wesen, den Dom oben gleich mit einem Schrauben- 
gewinde zu versehen oder aber ihn dicker statt 
dünner werden zu lassen, um die Scheibe unmittelbar 
darauf festlöten zu können. Aber auch den beab- 
sichtigten Zweck würde eine solche Scheibe schwer- 
lich erfüllen. Denn bei der Länge der erhaltenen 
Dorne würde zwischen ihr und dem Kopfe der 
Statue ein für manche Vögel z. 6. Schwalben geradezu 
verlockender Unterschlupf entstehen. Die Scheibe 
selbst aber würde, wenn gradfiächig, Vögeln einen 
Ruheplatz und dann der Statue nur bei ganz un- 
glaublicher Gröfse Schutz gewähren, wenn aber nach 
den Rändern zu abfallend, also pilz- oder schirm- 
ähnlich, nicht Anlafs zu einer Bezeichnung gegeben 
haben, von der Petersens Auffassung offenbar be- 
einflufst worden ist. Aristophanes läfst nämlich 
seinen Vogelchor, wie den f ü r die Vögel optieren- 
den Richtern allerlei Vorteile versprechen, so den 
gegen sie entscheidenden mit böser Verunzierung 
ihrer weifsen Mäntel drohen: »Stimmt ihr gegen 
uns, lafst zum Tragen erzne Möndchen euch nur 
gleich schmieden, wie die Statuen; denn wem dann 
von euch der Mond noch fehlt, wird, wann weifs 
er trägt den Mantel, schwere Bufse zahlen uns, da 
von allem, was da fieuchet, er sich arg bemalt wird 
sehn«.* 

Hier hat der von Aristophanes gebrauchte Aus- 
druck pii^v und pL7]visxoc Petersen sichtlich zu der 

*)^ Athen. Mittheil. XIV (1889) S. 233—239. 
*) Arist. Av, U14 ff.: 



auch von älteren Erklärern ^ geteilten Annahme ver- 
leitet, als habe die Schutzvorrichtung die Form des 
Vollmondes, also einer Scheibe gehabt, eine Meta- 
pher, die — immer Petersen's Auffassung als richtig 
vorausgesetzt — von Aristophanes nur gewählt werden 
konnte, wenn der Schutz nicht wie ein Pilzkopf 
oder Schirm gewölbt, sondern gcadflächig war. 
Aber weder das Grundwort fx-^v, noch das Ver- 
kleinerungswort fA7]v{9xoc bedeutet die volle Scheibe, 
die für den Mond ja gar nicht charakteristisch, 
weil nicht ihm allein zukommend ist, sondern die 
ihn vor allen andern Gestirnen auszeichnende 
SicheH, demnach in übertragenem Sinne: eine 
sichelförmige Schlachtordnung, bei den Mathe- 
matikern einen Kreisabschnitt. Aristophanes spricht 
also nicht von einem »Schutzdach«, um die Statuen 
vor Besudelung durch fliegende Vögel zu be- 
wahren, sondern von einer Vorrichtung, um die 
Vögel am gemächlichen Ausruhen auf dem Kopfe 
der Statuen zu hindern.^ 

Eine sichelförmig gestaltete Vogelwehr hat sich 
an Statuen bisher, vielleicht nur zufällig, nicht nach- 
weisen lassen. Denn neben jenen langen Dornen 
finden sich zwar kürzere Bronzenägel, die sehr wohl 



*Hv Ik JA7J xp{vr^T£ (seil, i^yfxac vixäv), ^^aXxe-JCOÖa 

{iTjv^axou; cpopetv, 
<j[>a7rep avSpictvTec* u>( u^mv Sc av (jltj pi^v' E^iq, 
Stav lyrjxe yXavfSa Xeuxi^v, TÖxe p.dX(a&^ outüi S^xt^v 
6u)aei^ ^ifAtv, rAz\ toic 5pvtoi xaTaTiXtupievoi. 

^ Droysen merkt in seiner Übersetzung (IIS. 81) 
zu dieser Stelle an: »Man machte über die Statuen 
ein rundes Blech fest, um sie gegen Regen und 
Vögel zu schützen. Gelehrte Forscher meinen, dafs 
daraus die Heiligenscheine späterer Zeiten geworden 
seien.« 

Kock, Arist. Vögel III. Aufl. (1894) führt 
die Stelle aus Kleomedes repl fAereuipcuv (S. 514 
Bas. Ausg.) zu Vers 1115 an: if) OtXVjVTj, Stav ^ 
at7|ioei5^C tuT a^^i^jjiaTt, fxTjv xaXeiTai, fügt aber, 
wohl durch die Notiz bei Guhl und Koner ^ S. 433. 4 
sicher gemacht, hinzu: »Hier ist aber das Schirm- 
dach in der Gestalt des Vollmonds zu denken.« 
Denn auch dort wird die übliche Vorstellung von 
»einer Art Schirm aus Metall« vertreten, sogar aus- 
gedehnt auf »die Figuren der Giebelfelder.« 

^ Dafs die Schutzvorrichtung nicht ein Be- 
sudeln aus der Luft verhindern soll, hat Petersen 
a. a. O. richtig betont. Das xaxaTiXav des 
Aristophanes ist ja der bezeichnende Ausdruck auch 
bei einem Vogel, der sich auf dem Kopfe der Statue 
niedergelassen hat und von hier aus sein Geschäft 
verrichtet. So fafst denn auch die Vorrichtung 
das SchoL Ven, 1114, das wohl so zu schreiben ist: 
^Ti^desde u>arep ol dv5piavTe; jxTjvfaxou; irX Tal; 
xecpaXalc* iroioOoi yip ivtau^oi {fod. Ivioi), fiffre jx)j 
^^fircotaftai {cod. icpdTTTEaöai) "t« 5pvea. Und Photius 
giebt als Zweck der piT)v{axoi an, ?va xd ^pvea ^\ 
7rpoa{C>)Tat. Vrgl. die Anro. 13 angeführte Stelle 
des Didymos. 



232 



Archäologische Gesellschaft. 1898. Dezember. 



eine kleine Sichel mit scharfem Innenrande getragen 
haben könnten. Nur läfst sich nicht ausmachen, 
ob diese Nägel gleich von vorn herein so kurz 
waren oder erst durch Abbrechen der Spitze aus 
den längeren Dornen entstanden sind. Dagegen 
hat Petersen eine dreispitzige Gabel an einem Cäre- 
taner Stirnziegel gefunden ^ die offenbar nur eine 
einfachere Gestaltung des Meniskos ist. Denn sie 
erreicht durch ihre drei Spiefse für gröfsere Ab- 
messungen, was die Sichel mit ihrer Schneide und 
ihren beiden Spitzen fCir einen kleineren Raum: 
beide verhindern nicht nur das Niedersitzen der 
Vögel oben, sondern auch das seitliche Anklammern 
an die Mittelstange. Dafs aber auch der einfache 
Dorn bei lebensgrofsen und nicht viel über Lebens- 
gröfse hinausgehenden Statuen ein vollkommen aus- 
reichender Schutz ist, darüber hat den Vortragenden 
auf seine Bitte Herr Dr. Karl Rufs, der bekannte 
Ornithologe, im Mai dieses Jahres aufgeklärt. Da 
der lange Dorn, den Worten des Horazischen Priap 
entsprechend, im Scheitel der Statue angebracht 
ist, hindert er den Vogel dort, wo es ihm am be- 
quemsten wäre, sich niederzulassen, und bietet ihm 
dafür die eigene Spitze. Die aber gewährt nur 
einem Fufse Raum und würde diesen, falls der 
Vogel seiner Gewohnheit nach sich hier setzen 
wollte, durch ihre Schärfe schwer verletzen. »Prak- 
tisch aber grausam«, so lautete vom Standpunkt 
moderner Tierschutzbestrebungen aus das Urteil 
des Ornithologen über den antiken Vogelspiefs. 
Hiernach werden auch bei den Metopen des Zeus- 
tempels in Olympia, bei denen auf allen vorspringen- 
den Teilen oben Bohrlöcher zum Einsetzen der 
Dorne erhalten sind, einfache vertikale Spitzen aus- 
gereicht haben, um Vögel am Verweilen und Nisten 
zu hindern. 

Für unser Gefühl hat die unverhulltc Belastung 
von Kunstwerken mit unorganischen, nur durch 
äufseren Zwang geforderten Dingen, wie Stützen, 
Pfeilern, Dornen, etwas Verletzendes. Das Altertum 
hat augenscheinlich daran um so weniger Anstofs 
genommen, je rücksichtsloser dergleichen Zuthaten 
sich als Notbehelf zu erkennen gaben. Wurde doch 
dadurch am ehesten dem Beschauer klar, dafs er es 
bei ihnen nicht mit einem Teile des Kunstwerkes 
selbst zu thun, ihnen also auch seine Aufmerksam- 
keit nicht zu schenken habe. ^<* Bei den Schutz- 



9) Athen. Mitth. XIV S. 237 

^^) Die Form des ji.t)v{ixo;, den Studniczka in 
seinem Aufsatze über Antenor und die Geschichte 
der archaischen Malerei (Jahrbuch II S. 141) der 
Antenor-Kore gegeben hat, ist von Kleinbronzen 
abgeleitet, »aus deren Kopfe grofse Blumen heraus- 



Sicheln und -Stiften wird das Störende ähnlich wie 
bei den Metopen dadurch gemildert worden sein, 
dafs die Statuen auf ziemlich hohen Postamenten 
standen, die Aufsätze auf den Scheiteln also aus 
der Nähe kaum sichtbar waren. 

Es ist eine geringfügige Äufserlichkeit, deren 
richtigere Würdigung soeben versucht wurde und 
die an sich kaum verdienen würde, im Rahmen eines 
Festvortrages behandelt zu werden. Allein es dürfte 
von ihr, wenn nicht alles täuscht, neues I.icht auf 
eine vielbehandelte Dichterstelle fallen und ihre 
Erörterung vielleicht aus diesem Grunde freundlicher 
Nachsicht begegnen. 

Im Eingange der Vögel des Aristophanes sind 
wir Zeuge folgender Scene. Zwei Athener, beide 
nicht mehr jung, in ihrem Charakter insofern Gegen- 
sätze, als der eine sich auf sein gutes Glück ver- 
läfst und lieber hofift als handelt, der andre, ein 
anschlägiger Kopf, um einen guten Rat niemals 
verlegen ist, — nennen wir sie Hof fers und Rat- 
gen — sind ihrer Vaterstadt überdrüssig geworden 
und haben sich aufgemacht, um irgendwo in der 
Welt ein ruhigeres Plätzchen für ihre alten Tage 
zu suchen. Sie haben sich mit allem, was zur 
Auswanderung nötig ist, wohl verschen, zunächst 
mit heiligen Geräten für das Gründungsopfer in der 
neuen Heimat, dem Topfe mit dem Kohlenfeuer, 
das am Staatsheerde im Prytaneion entzündet ist, 
Myrtenzweigen und Opfergaben, dann aber auch 
mit allerlei KUchengeschirr zum Gebrauch im neuen 
Haushalt, Kochtöpfen, Schüsseln, Näpfchen und 
zwei kleinen Bratspiefscn. Es war mit Vorbedacht 
geschehen, dafs sie aus der Garnitur von drei Brat- 
spiefsen, die jede vollständig eingerichtete Küche 
aufwies ^^ die kleinste Nummer auswählten, denn 
da sie zunächst zum Vogelreich wollten, ging ihre 
Erwartung über ein paar Drosseln als Braten schwer- 
lich hinaus. Die meisten dieser Geräte sind in 
einem ziemlich umfangreichen Reisekorb verpackt, 
den zwei Sklaven hinter ihnen hertragen. 

So kommen sie von einer Dohle und Krähe 
geleitet nach langer Wanderung endlich zum er- 
sehnten Reiche und werden vom Vogelkönige Tereus, 
ihrem Schwager, freundlich, von den zur Versamm- 



wachsen«, bei denen aber die Blume natUrlicli 
nichts mit der Vogelabwehr zu thun hat. Nach 
dem oben Bemerkten wird der p.r|Vi5xo; erheblich 
einfacher zu denken sein, etwa wie der Halbmond 
der späteren Selenestatuen. 

'•) Pollux X95: npo3api&;xT)T^ov li to6toic xotl 
Tct TO'j iia^iipo'j axeJTj — (JßeXou; (für die kleineren 
Fleischstückc vom Lamm, Schwein u. a.) xal 
ößfiXo'j« ßou-fJpO'j; (für die grofsen vom Rind) xal 
(5ßEX{axou; (für das Geflügel). 



Archäologische Gesellschaft. 1898. Dezember. 



233 



lung entbotenen Vögeln aber höchst unfreundlich 
empfangen. Denn kaum sind diese der beiden 
Menschenkinder, ihrcrErbfeinde, ansichtig geworden, 
als sie sich zu einem MassenangrifT ordnen, der den 
beiden zur Flucht keine, zur Wappnung wider den 
Ansturm nur äufserst wenig Zeit läfst. Deshalb 
heifst Ratgen, der bei der Übermacht der Gegner 
die Unmöglichkeit einer Offensive sofort erkennt, 
das mitgebrachte Geschirr als Schutzwaffe verwenden : 
'jeder soll zu einem Topfe, einem Bratspiefs und zwei 
Essignäpfchen greifen. Letztere sollen zum Schutze 
der Augen vorgenommen, d. h. in die Aagenlöcher 
der Maske gesteckt werden. ^' Auf Hoffers' Frage, was 
der Topf nutzen solle, antwortet Ratgen : »Die Eule 
macht sich nicht an uns«, läfst uns also, die wir die 
Komödie nicht sehen, sondern lesen, darüber im 
Unklaren, welches RUstungsstttck dieses Geschirr 
abgeben sollte. Da indessen Töpfe, wie berichtet 
wird, auf die Dächer der Häuser gestellt wurden, 
um Eulen fernzuhalten, liegt es am nächsten sie 
als Topfhelme auf den kahlen Hinterkopf der 
Maske gestülpt zu denken, da ja kein Teil des 
Körpers in gleichem Mafse wie der Kopf dem An- 
griffe der Vögel preisgegeben war. '^ Hoffers scheint 
nun wegen der Eulen beruhigt zu sein, sieht jedoch 
in den Töpfen allein keine hinreichende Deckung 
gegen die viel gefährlicheren »Krummklauer«. Doch 
Ratgen weifs auch hier Rat. »Nimm schnell den 
Bratspiefs und stecke ihn vor dir ein« kommandiert 
er und heifst damit, nach der übereinstimmenden 
Erklärung aller Ausleger von Bentley bis auf Robert '*, 
ihn in die Erde stecken. Das wäre an sich ganz 
verständlich, denn der antike Bratspiefs hat keine 
Kurbel sondern einen einfachen, dünnen Handgriff, 



'*) C. Robert hat gewifs Recht, wenn er 
Hermes XXXIII (1898) S. 574 dem V. 361 tiber- 
lieferten irpoGOoO vor Haupts irpoaSoO den Vorzug 
giebt. Denn das Vorbinden der Näpfe würde hier, 
wo der Angriff nach drei Versen (364) erfolgt, viel 
zu lange Zeit erfordern. 

'') Auch Didymos erklärte so nach dem Schol, 
Rav. 43. A{8ujxoc hi <pT]3iv dfxuvTi^pia auTOuc täv 
6pv^u>v ßaoTcfCeiv, dvrl 5:rXou piv t6 xavoOv, dvxl 
8fe TccpixccpaXaiac t7]v j^urpav, 7va p.7] d^iirTCtfjisva 
T<i ^pvea TUHTQ a^rou;. 

1*) Hermes XXXIII (1898) S. 574: »Innerhalb 
des so abgegrenzten Lagers sollen sie, den Speer, 
der vorher als Vogelschutz vor ihnen in der Erde 
stak, schulternd, wie Wachtposten auf und abgehen.« 
In der Note hierzu führt Robert Petersens Vogel- 
abwehr-Aufsatz an und fügt hinzu: »wo aber unsere 
Stelle fehlt.« Es ist schwerlich zu bezweifeln, dafs 
Petersen sich dieser Stelle erinnerte, nur konnte er 
vermutlich mit einem in der Erde steckenden Vogel- 
schutz überhaupt nichts anfangen, geschweige denn 
ihn für seinen besonderen Zweck benutzen. 



der unten häufig in eine Spitze ausläuft; auch kann 
er nicht etwa als Lanze in die Hand genommen 
werden, denn dazu ist er zu kurz und würde auch 
von den Angegriffenen, die ja wegen der Näpfchen 
nichts sehen, nicht wirksam verwendet werden 
können. Unverständlich aber bleibt, welchen Schutz 
die in die Erde gesteckten kurzen Spiefse gewähren 
sollten. Selbst wenn man sie sich in den Korb 
gesteckt denkt, der bei den Verteidigungsmafsregeln 
sicherlich die Rolle eines Schanzkorbes spielte, 
würden sie die Köpfe der Bedrohten nicht decken. 
Doch die Sache wird noch verwickelter. Es kommt 
nicht zum Angriff der Vögel. In dem Augenblicke, 
wo sie mit grofsem Geschrei anrücken, tritt Tereus 
zwischen sie und die Athener und bestimmt seine 
fügsamen Untertanen, erst doch einmal die Vor- 
schläge der Ankömmlinge anzuhören. Der Vögel 
Kampflust legt sich und die Athener schreiten zu 
einer partiellen Abrüstung: sie entledigen sich ihrer 
unbequemsten Rüstungsstücke, des Topfes und der 
beiden Näpfe, den Bratspiefs aber behalten sie 
und patrouillieren damit innerhalb ihres Waffen- 
platzes d. h. ihres Wallkorbes und Küchengeschirres 
auf und ab. Dafs sie den Bratspiefs aus der Erde 
gezogen und in die Hand genommen hätten, wird 
nirgends gesagt, ja der Ausdruck g)rovTac tov 6ßeX{- 
oxov (388 f.), nicht Xaßovrac, kann scharf gefafst nur 
so verstanden werden, dafs sie, wie Topf und Näpfe, 
so auch den Bratspiefs gleich bei der Wappnung 
irgendwo an ihrem Körper angebracht haben. 

Dieser Auffassung steht nun aber das xaTtifitT^^ov 
rpo aauTOu »stecke den Bratspiefs vor dir ein« 
schnurstracks entgegen. Da ist es denn bemerkens- 
wert, dafs rpo oauxou nicht die handschriftliche 
Überlieferung, sondern eine von allen neueren Her- 
ausgebern '* in den Text gesetzte Vermutung Bcnt- 
ley's ist, während die Handschriften — im Ravennas 
fehlt dieser ganze Abschnitt der Vögel — überein- 
stimmend Trpo; a{)T<$v bieten, eine Lesung, die nicht 
richtig sein kann, weil auT^v ohne Beziehung bleibt. 
In der That hat auch der alte Scholiast des Venetus 
nicht das Maskulinum, sondern das Femininum ge- 
lesen, denn er erklärt »und stecke den Bratspiefs 
zu dem Topfe« 'S dachte sich ihn also auf irgend 
eine Weise zu oder neben dem Topfe befestigt. 
Dafs diese Erklärung vor Auffindung der Akropolis- 
Mädchen und vor Erscheinen des Petersen'schen 
Aufsatzes nicht verstanden wurde, ist nicht ver- 
wunderlich, denn für die Anbringung eines Spiefses 
auf dem Kopfe fehlte es an jeder Analogie ; seitdem 

^^) Dindorf, Meinecke, Blaydes, Kock u. a. 
*'') SchoL Ven, 359 tov <ißeX{axov dpirdaa;: tit^Eov 
o6t6v Tipo; T7JV yuTpav. 



234 



Erwerbungen des British Museum im Jahre 1897. 



sich aber unsre Kenntnis in diesem Punkte er- 
weitert hat, werden wir gut thun, den Wink der 
Denkmäler zu benutzen. Dem Kopfe, als dem ge- 
fährdetsten Teile, gilt die ganze burleske Wappnung: 
die Näpfe decken die Augen, den Schädel schützt 
vor dem Ansturm der attischen Käuzchen der Helm- 
topf, vor den Krummklauern aber das in den niederen 
Haarwulst über der ^tim gesteckte Bratspiefschen '^ 
das leibhafte Konterfei der Vogelspiefse auf den 
Statuen der Burg, über deren lustige BekrOnung 
durch »Bratspiefse« auch mancher Athener schon 
sich lustig gemacht haben mochte. Denn dieser 
naive Schutz vor den Vögeln war keineswegs auf 
die Zeit der altertümlichen Kunst beschränkt, das 
zeigen die olympischen Metopen, das der Horazische 
Priap. Überall wo durch reichliche Opfer, wie 
auf der Burg und in der Altis, oder durch die 
natürliche Beschaffenheit des Ortes, wie in Gärten, 
Vögel in grofsen Mengen angelockt wurden, be- 
durften die im Freien stehenden Statuen des Schutzes, 
und diesen gewährte ihnen nach wie vor das alt- 
ehrwttrdige Spiefschen oder das vielleicht modernere 
»Möndchen«. 

Und nun vergegenwärtige man sich die heitere 
Scene nach der teilweisen Abrüstung. Sobald 
Ratgen merkt, dafs bei den Vögeln im allgemeinen 
eine friedlichere Auffassung der Sachlage Platz greift, 
giebt er das Kommando »Gewehr bei Fufs«. Jeder 
entfernt die Näpfe aus den Augenhöhlen und stülpt 
den vom Kopfe genommenen Topf oben auf den 
Korb, so dafs er wie eine Mauerzinne aufragt. 
Hinter diesen lugen nunmehr die mit ihren Stirn- 
spiefsen bewehrten Wachposten scharf aus und 
beobachten aus sicherem Verhau jede Bewegung 
des Feindes. ^^ So oft aber ein einzelner, besonders 



1^ Es erscheint in diesem Zusammenhange die 
Reihenfolge beachtenswert, in der die Rüstungs- 
stUcke angelegt werden: zuerst der Topf, dann der 
Bratspiefs, zuletzt die Essignäpfchen. Verträte der 
Bratspiefs die Stelle des in die Hand zu nehmenden 
Speeres, so würde für das Einstecken der Näpfchen 
in die Augenhöhlen der Maske nur eine Hand frei 
sein. Dies aber ist unwahrscheinlich, da die 
Wappnung mit Blitzeseile vor sich gehen mufs und 
daher beide Näpfchen gewifs mit einem Griff in die 
Augenhöhlen geklemmt wurden. 

^^ Die Erklärung der trochäischen Dimeter 
388 ff. 

xal t6 Sdpu ^pi^, Tov ^ßeXfaxov, 

TceptiraTeiv e/ovxa; f/f^Sc 

Twv SttXwv ivT(J5, Trap' auiTjv 

TT)v ^'jxpav ofxpav öptuvra^ 

iyY'j;* WC ou cpeuxxJov vtjjv 
hsit darunter gelitten , dafs der V. 43 und öfter ge- 
nannte Korb, der die Geräte barg, das natürlichste 
Hauptstück der «{jiuvTyjpta tu)v öpv^wv, meist ganz 



kampfesfroher Vogel die Verschanzung auf eigene 
Faust berennen will, strecken sie ihm ihr spiefs- 
bewehrtes Haupt entgegen und zurück fährt der 
Vogel vor dieser vogelmörderischesten und deshalb 
ihm verhafstesten Waffe seiner Erbfeinde. 

Der einzige antike Schriftsteller aufser Aristo- 
phanes, der von einer Vorrichtung zur Abwehr der 
Vögel Kunde giebt, ist Josephus" im Jüdischen 
Krieg (V 5, 6). Dieser berichtet von dem durch 
Herodes den Grofsen erneuerten Tempel zu Jerusalem : 
»Längs des Dachfirstes ragten goldene, scharfe 
Spiefse auf, damit sich kein Vogel darauf setze und 
den Tempel besudle«. Und an einer anderen Stelle 
(VI 5, i) heifst es von diesen Spiefsen, dafs bei der 
Erstürmung Jerusalems die Priester, die auf das 
Tempeldach geflüchtet waren, diese samt ihrem 
bleiernen Gestühl auf die Römer herabwarfen. An 
beiden Stellen bedient sich Josephus für die Vogel- 
spiefse des bezeichnenden Namens ößeXo{ »Brat- 
spiefse«: Aristophanes Scherz mit seinen ößiXtixoi 
ist also nicht nur sachlich schlagend, sondern zu- 
gleich ein zündendes Wortspiel. 



ERWERBUNGEN 

DES BRITISH MUSEUM 

IM JAHRE 1897. 

Aus dem Bericht an das Parlament vom 
20. April 1898. 

DEPARTMENT OF EGYPTIAN AND ASSYKIAN 

ANTIQUITIES, 

IL Acquisitions, 

E. A. ^Wallis Budge, S, 4g—S4^ 

Purchases, I. Egyptian. /. Limestone slab 

with hUroglyphk inscription (in relitf) of the »royal 

relativet Hesa; about B. C syoo* 2, Portion of the 

cornice of a door of the tomb of the »royal relative» 

Ka'Utcha-'ankh; about B, C. 3700. S- Palse door 



aufser acht gelassen worden ist Didymos (oben 
Anm. 13) fafst ihn als Schild (67cXov), gewifs richtig 
in dem Sinne, dafs die Angegriffenen sich dahinter 
decken. Denkt man sich die Helmtöpfe auf ihn als 
Zinnen gestellt, so ergiebt sich, ohne dafs Ände- 
rungen nötig scheinen, der einfache Sinn: »Mit dem 
Speer, dem Bratspiefse nämlich, müssen wir inner- 
halb des Lagers auf- und abpatrouillieren, indem 
wir aus der Nähe — denn zu fliehen haben wir 
nicht nötig — unmittelbar an dem Topfe vorbei 
scharf auslugen.« öfxpav als Adverbium zu 6pd>vTa: 
zu ziehen wird neben fxaxpdv ßX^iretv, wonach 
Robert a. a. O. S. 575 hier piaxpav statt dfxfMcv 
schreiben will (»piaxpdv 6pü)VTac xdyY'JC coni. ffotibius^ 
Blaydes p. 48), keinem Bedenken unterliegen. 

'^ Die Stellen hat bereits Petersen a. a. O. 
S. 238 beigebracht. 



Erwerbungen des British Museum im Jahre 1897. 



235 



from the tomb of Mert-tefs, an Egyptian Qtteen who 
flourislud in the /F''* dynasty; ahout B, C. 3700, 
4, Portion of a door of a ntastada tomb of the »royal 
rdative^^ Rutchek; about Ä C, 3700, 5. Alabaster 
vase inscribed with a name of Sahu-Rä^ a hing of the 
yth dynasty^ about B, C. 3Joo, From Sakkära, 6. 
Alabaster vase inscribed with the cartouche and titles 
of the »royal son Teta* , a hing of the V^^* dynasty; 
about B, C, 3300. 7. Agglomerate bull, couchant, 
upon a pedestal, inscribed with the cartouche and titles 
of the »royal son Tetat , a hing of the V*^ dynasty; 
about B, C, 3700, This object was probably used as 
a wejght, It seems to be unique, and is remar kable 
both for the material and for the ßneness of the work. 
8, Limestone slab with figures of the deceased and his 
family in relief; one of the Antef kings is mentioned 
in the text upon it, From Upper Egypt; about Ä C 
^joo. 9. Stele of Uartu-sen-nekht ; about B. C, 2joo, 
From Abydos, 10. Large limestone vase dedicated to 
the temple at Abydos by Amenophis III,; about B, C. 
1470, n, Painted limestone stele mentioning kings of 
the XVIIph dynasty; about B, C. 1430. From Aby- 
dos, 12, Granite head of the statue of a hing or 
prince; XVIIPh dynasty. From Thebes, 13, Black 
granite seated statue of an official who lived in the 
reign of Amenophis; about B, C, 1470, From Aby- 
dos, 14, Black granite double statue; XVIIP^ dynasty, 
From Abydos, ij, A stool, with leaiher seat\ XVIIPi* 
dynasty, From Thebes, j6, Sione pedestal of a statue 
inscribed with cartouches of Rameses IL; B, C, Q33, 
From Karnak, 17, Black granite clamp inscribed 
with the prenomen of Seti L; B. C. 1370, From 
Abydos, 18, Green granite statue of a ihird prophet 
of Amen-Rä at Thebes; about B. C, iioo, The sides 
of the statue are ornamented with figures of gods in 
outline^ and the general style of the object is unusual, 
From Upper Egypt, ig, Limes tone kneeling figure of 
a woman holding a shrine or stele upon which is in- 
scribed a hymn to the Sun; about B, C, iioo, 20, 
Head from a green granite statue of the god Anubis, 
From Thebes, 21, Green granite altar and obelisk 
{uninscribed), From El-kab. 22, Inscribed limestone 
Stele of the time of Osorkon L; about B, C, 800, s^, 
Black basalt kneeling figure of a priest holding a 
shrine; about B. C, 600. 24, Limestone plinth of a 
statue inscribed with the prenomen^ titles, etc, of Nec- 
tanebus, the last native king of Egypt; about B, €,330, 
23, Two limestone funer al stehe from Akhmtm (Pa- 
nopolis); about B, €,330. 26. Light gold figure of 
the goddess Sati^ who has been identified with aform 
of the Moon-god, Lower Egypt, 27, Gold head of 
a goddess wearing the crowns of the North and South, 
This and No, 26 were found in a tomb of the XIPi* 



dynasty, 28, Two fine bronze figures ofthe god Osiris, 
2 g, Bronze figure of the god Anubis, 30, Bronze fi- 
gure of the god Sebek. 31, A set of 33 bronze 
V esseis, vases, ewers, bottles, scuuers, plates, ttc,, from 
Thebes, 32, Some fiints belonging, probably, to the 
prehistoric period, 33. Two amethyst bead necklaces, 
From Thebes. 34, Green basalt »heart* scarab; XIP^ 
dynasty. From Kur na. 33, A colhction of 3 g steatite 
scarabs, etc.^ glazed blue on green, and inscribed with 
the names and titles of kings and offieials from the 
lyth to the 22*i<i dynasty, 36, Eighi small papyri. 
From Thebes, 37, Two painted and gilded heads and 
feet coverings from mummies of a late period; about 
B, C, 200, From Akhmtm (Panopolis), 38, Ilard, 
red stone statue of a priest; PtolemaU period, From 
Benha, 3 g, Two large stone dog-headed apes; Ptole- 
maic period, From Akhmtm (Pcmopolis), 40, Large 
stone painted slab^ upon which are portrayed the gods 
Horus and Thoth pouring out a libation; Ptolemäic 
period, From Akhmtm (Panopolis), 41, Painted 
plaster, Portrait faee from a coffin, From Akhmtm, 

42, A large collection of alabaster, porphyry^ basalt 
and granite bowls, v esseis, etc, of various periods, 
From Abydos, 43, A collection of fiints of various 
periods, From Abydos, 44, A collection of fatence 
vases of various periods, From Tuna in Upper Egypt, 

43, Two painted fa'ience pectorals, From Tuna, 46, 
Bronze figures of Osiris^ Sati, and the dog-headed 
ape inlaid with gold, From Benha, 47, Painted car- 
tonnage case for the mummy of a woman; about A, 
D, ioo, 48. Limestone funeral stele of Politta; 2^^ 
Century, From Memphis. 4g. Stele inscribed in Coptic 
and dated A. D. 741. 30. A collection of pieces of 
late Roman variegated glass, From Memphis. 

II, Assyrian, i, A collection of eight kundred 
and sixty four Babylonian contract and other tablets 
from Southern Babylonia, Most of them were in^ 
scribed during the reigns of Gamil-Sin and Bur-Sin, 
who ruled over the city of Ur before B, C, 2200, 
2, Two large baked clay tablets inscribed, during the 
same early period, with temple accounts, lists af re- 
venue and produce, drawn up for the rulers of the 
city of Ur (Abs. 22, 833 and :f3, 323), 3. Three 
circular clay tablets inscribed in Accadian with public 
accounts, etc,, belonging to the collection purchased in 
18 gö (Nos, 23, 103, 23, 330, 3^,330 i <^o^l Ä ^• 
2300, 4. Limestone mace-head of E-annadu or E-din- 
giranagin, an early king of the city of Shirpurla or 
Lagash, inscribed with an account of the building of 
a temple by this king to the god Ningirsu, Below 
the inscription is engraved the emblem of the city of 
Shirpurla, i. e., an eagle with outstretched ivings grasp- 
ing in its talons the tails of two leopards {No, 23, 



236 



Erwerbungen des British Museum im Jahre 1897. 



281), About B. C, 2JOO. j, ffcumatiU cylinder-seal 
inscribtd wiih a mythological scene representing Gil' 
gamesh and Ea-bani in conflici with a Ihn and human 
htaded bulls. 6. Fine lapis-latuli cylinder-seal inscribed 
with two man-headed bulls and a scene representing 
Gilgamesh and Ea-bani in conflict with the Scorpion- 
men (No, 22 ^ ^62), 7. y asper cylinder^seal inscribed 
with a mythological scene similar U> that found on 
No. s (^o* ^^» 9^4)- Tf^^^ three cylinders are among 
the finest examples known 0/ Babylonian seal cutting, 
and none qf them is later than B, C. 2joo. They 
were found among the ruins of the city 0/ Shirpurla 
or Lagash, 8, Haematite cylinder-seal inscribed with 
a scene in which an adorer is represented standigt 
with both hands raised in adoration, before Shamash 
the Sun'god, and the goddess Ai. Near these deities 
Stands RammanUf the Storm-god, who holds in his 
hands the emblem of forked lightning, Late Assyrian 
period (No, 22 f g6$). g, Two limestone slabs in- 
scribed with an account of the restoration of the Temple 
of Bei by Assur'bani-pal, hing of Assyria; B, C 668 
^626, 

Presents» L Egyptian. It. Portrait statue 
of An-kheft'ka , a »royal relative, 9 and an offcial of 
high rank; a beautiful example of the work of the 
Early Empire, /F'* dynasiy\ about B. C, 37 00. 2, 
Seated statue of An^hheft-ek, a ^royal relative*, /F'A 
dynasty; about B. C. S7^o» J. H'ooden statue of a 
high official, 4, Left foot of a wooden statue. j. 
Wooden head-rest, or pillow, of an unusual shape. 
6, Wooden head-rest on rounded bcue. 7. IVooden 
head-rest on squared base. All the above are from 
Dashasheh in Upper Egypt. II i, A phallic figure in 
green glazed steatite; Roman period, From Thebes, 
2. A broken phallic figure in limestone; Roman period, 
From Thebes, III i, A stone slab with a hieroglyphic 
inscription in which the prenomen of Amen-em-hät 
IL, a hing of the XII tf* dynasty, about B, C, 2400 ^ 
is mentioned. IV i. Green glazed fa'ience figure of a 
woman captive, 2, A dark, cobalt-blue^ faience (or 
opaque glass) head cf a staff in the form of a cy linder, 
inscribed with the »banner* name, and name of Pcpil,, 
hing of Egypt, about B. C, 22JO, j*. Green glazed 
faience amulet qf tßie Ute hat or so-called »symbolic eye* 
mounted in gold, A'AT/"« dynasty; about B, C, jj-o. 
VI 1. Gold plate scarab inscribed with the emblems of 
• life* and »good luck*. 2, Gold plate scarab inscribed 
with the prenomen Men-kheper-Rä , lohich was adopted 
both by Thotmes III,, about B, C, IS50, and by the 
priest'king Pi-netchem of the XXII ^^ dynasty, about 
B, C, jooo, 

II. Assyriau, Portions of sculptured slabs, from 
the palaces at Nineveh of Scnnacherib and Assur-bani- 



pal, kings of Assyria, from B, C, yoj to 681, and 
from B, C, 668 to 626 respectively, Among those of 
special importance are: i. Scene : fisherman fishing in 
a pool, 2. Scene: captive carrying tribute. J. Scene: 
royal attendant carrying bows and arrows. 4, Scene r 
two fragments with luads of warriors, S* Scene: two 
fragments with heculs of archers. 

DEPARTMENT OF GREEK AND ROMAN 
ANTIQUITIES, 

II, Acquisitions, 
A. S. Murray. S, j6- 60, 

By donatio n. It. Sard intaglio: Cupid riding 
on Hon and holding lyre; inscribed MYKONflC and 
nA (a similar gem in the Florence Cabinet, Stosch 
pl. S9)' 2. facynth intaglio: bearded head with dia- 
dem; inscribed in modern letters IVGVRTIIA. 3. Sard 
intaglio: Satyr carrying large amphora\ inscribed 
KOINOY.e (See Jahrbuch, tS8g, p, jt, and King, 
Antique Gems, p, 230), 4. Sard intaglio: Bust 
of OmphaÜ in lion's skin (King, Antique Gems, 
/. t§g), Emerson and Rhodes ColUctions, J. Sard 
intaglio: head of Ceres; inscribed ^f\0>C (King, 
Antiqne Gems, p. 200; former ly in the collect 
ti'on of Madame de Pompadour, and qfterwards in 
that of the Marquis de Dree; Brunn, Gr, Künstler, 
JI P- JS3)' 11 Marble slab loith relief of a youth 
followedby an attendant; inscribed IVovfi^viog ^6i;9o[i;] 
Avaiuaxtvi. From Pergamon. III, Roman portrait^ 
bust in marble, From the island qf Santorin (Thera), 
IV, Gold finger-ring with archaic figure qf an archer 
on the bezel and at each side a lion's face in relirf. 
From the Castellani Collection, sold in Rome in 1884 
(Säle Catalogue N^o, 880), V t. Painted plaster Sta- 
tuette, torso of half'draped Aphrodite, 2, Plaster bust, 
attached to a wooden peg, representing Serapis, 3. St- 
milar bust, representing Zeus (?). 4, Alabaster torso 
of Aphrodite, nude, ivith Eros on her Shoulder» j. 
Terra-cotta lamp of Roman date, with relief qf a 
man playing on a lyre, Nos, t—s from Beknesa 
(Oxyrhynchos), 

By Purchase, I, Objects in gold, I, A pair 
of earrings (one fragmentary), of exquisite xoork^ 
manship. Crete. 2. A chain with carnelian beads. 
Found near the temple qf Apollo, Curium, Cyprus. 

3. Pair of earrings of Etruscan fabric. Populonia, 

4. Finger 'ring of Etruscan fabric. Populonia, . j, 
Ear-ring with pendant, sioan in white enamel, Falcrii, 
6. Finger-ring with bust of Athene in high relitf, 
Monteleone, Southern Italy. — //. Silver, Cup tuith 
incised patterns of very exquisite design and qf the 
style of the Alcxandrine age. Said to have bcen found 



Erwerbungen des British Museum im Jahre 1897. 



237 



ai BoscQ Reede near Pompeii, hut more probabfy front 
some Greek source. — ///. Bronze, i, Large fibula 
of primitive Boeotian type, engraved on one side with 
the figure of a horse; on tki other a ship with fish 
and birds (a companion fibula published in Ephem, 
Archacol, 18^2, pl, 11. ßg. 2; see also Memoires de 
la So€, des Antiquair es de France LV., /. i), 2, 
Large patera with medallion in centre representing 
Scylla destroying the companions of Ulysses. Monu- 
menti Antichiy VII., /. JT4. Found at Bosco Reale 
mar Pompeii, j». Figure of infant Heracles strangl- 
ing the serpents. Ephesus, 4. Figure of Heracles 
reclining on the lions-skin, the attitude recalling the 
Theseus of the Parthenon; he holds a cup in one 
hand and a fillet in the other, This type of Heracles 
somewhat resembles that of a marble relief belonging 
io Lord Yarborough (Visconti, Mus, Worsleyano, pl. 
^» ßS' ^) 'iffhich has recently been associated with a 
base in Rome bearing the name of the sculptor Scopas 
Minor (Roem. Mittheil, XII [iSgy], p. 2g). Ephesus, 
S. Archaic Etruscan Statuette of a woman with drapery 
and details very finely rendered, From the Montagu 
Taylor sale. 6. Etruscan mirror with incised design : 
Bellerophon (MELERPANTA) standing before Oino- 
niaos (OINOMAVOC) and holding Pegasus (ARIO). 
On the back of the handle are Helios and a flying 
goddess (Gerhard, Etrusk. Spiegel IV, pl. S33: Mon. 
delt Inst. VII, pl. 2 g, fig, i). From the Montagu 
Tc^lor sale. — IV. Marble etc. i. Portrait-head, 
apparently of a Greek poet, crowned with ivy: Greek 
work of the third Century^ B. C. 2, Black basalt 
hecul of Julius Caesar from Egypt, The head is about 
hcUf life size and has been broken from a figure 
sculptured not entirely in the round, but having a 
Square pilaster at the back in the manner of Egyptian 
statues. In this respect and in the unusual length of 
the occiput this head resembles that of Caesar in the 
Barracco collection in Rome (Collection Barracco, pls, 
75 — 75 A), The type of face is, however, different 
in several respects, — V. Terra-cotta, i, Stcunp with 
representation of a man stirring a cauldron with 
right hand, holding up the back of his left hand to 
shield his face from the fire, and girt round the waist 
like a slave. The cauldron is raised on rocks between 
wkich are burning sticks, 2 — 5, Four fragmentary 
moulds for Aretine wäre; one, siamped with the name 
of AI, Perennius, represents a female figure stooping 
over a burning altar and apparently dropping incense 
on the fire, while opposite has stood a bearded figure, 
playing on double flutes, of whom only the head, hands 
and fiutes remain; a second fragment has on the left 
a dancing figure clapping his hands over his head, 
while tivo draped female figures stand side by side 
Archäologischer Anzeiger 1898. 



looking on ; behind them and turned away to the right 
is a youth playing on double ßutes, and working with 
his left foot the kroupesae used by fiute players to 
mark time; a third fragment has two Seileni with a 
large crater between them out of which tkey have been 
filling their drinking cups; the faces and hair are 
rendered with the minuteness of a gern; the fourth 
fragment has a bearded and wreathed figure seated 
on a chair to left, holding a sceptre in one hand, 
while with the ot/ur he points to a female figure in 
front, with her back turned towards him; she wears 
a Phrygian cap; behind the seated figure heu been a 
tree^ of which only the top branches now remain, — 
VI. Pottery. /. White Athenian lekythos, with com^ 
bat between horseman and foot soldier, recalling by 
the great beaufy of the drawing the Parthenon frieu, 
Both combatants are youth/ul and fight with the spear. 
The one on horseback wears a petasus and short chiton 
girt at the waist. The other wears a conical keimet 
and protects himself with his shield, The horse is 
painted a dctrk red. Found in the neighbourhood of 
Athens, 2. Similar lekythos, representing a young 
warrior seated at a stete, to whom a youth brings a 
keimet and a spear. 5, Archaic Greek black-figured 
amphora, representing the sacrifice of Polyxena at an altar 
beside the tumulus of Achilles. Polyxena is held over 
the altar in a horizontal Position by three Greeks, 
Amphilochos, Antiphates, and Ajax Iliades (O'iliades), 
while Neoptolemos stabs her in the throat. Behind 
Neoptolemos is Diomede, and, lastly, on the left of the 
scene, Nestor Pylios. The corresponding figure on the 
extreme right is Phoenix. The dress of Polyxena is 
carefully wrapped round her ; she makes no effort nor 
struggle to escape her fate, but appears to be anxious 
above everything to die decently {(vax^fJi(og) as Euri- 
pides says in the Hecuba, 568 fol. The occurrence on 
a vase of epithets which are familiär in literature, such 
as Nestor Pylios^ is extremely rare, 4. Red-figured 
kylix, with an Amazon in the interior, and groups 
of warrior s on the exterior; inscribed with the names 
A0ENOAOTO^ KAAO^ and NEKT^Ot. KAAO^, 
probably the work of Euphronios. 5. Fragment of a 
red'figured kylix, with interior design of an archer 
wearing a keimet with bulls ears and horns, apparently 
the work of Chachrylion: remains of inscription, pro- 
bably the artisfs name. 6. Terra-cotta bowl, with 
reiiefs, representing Hades carryin^ off Persephone, the 
lower World being indicated by the reeds of Acheron 
and the Danaids with their piichers, The entrance 
to the lower world is indicated by a stete on which 
is inscribed the word kvatßüti^ and this ^ perhaps, may 
be taken as conchisive evidence that the usual form of 
Greek tombstones or stelae, representing a portal, was 

18 



238 



Erwerbungen des British Museum im Jahre 1897.' 



inUnded to indicate the portal of Hades, Thai is a 
suöject which has been muck discussed^ with conßkting 
opiniom, — VII, Engraved gems, etc, /. Onyx 
cameo, with portrait of Galba, Tkessaly, 2. Paste 
intaglio; head of Hermes, j. Paste cameo; Alexander 
the Great striking down an enemy probably at the 
battle of the Cranicus. 4. Seven fragments of very 
archaic porcelain (see Alon, delV Inst. XI pl. S7> ^^^ 
Annali t 1882, p. /. pls. A-G.J, supposed to be of 
Phoenician fabric, Found on the Esquiline Hill, Rome, 

III Excavations. 
A. S, Murray. S. 60 — 62, 

The excavations in Cyprus^ whieh had ceased in 
September 18 gö when the site of Enkomi near Salamis, 
was exhausted, were resumed in November of last year 
on a new site, that of Marona, between Larnaca and 
Limassol, where were found tombs of the Aiycenaean 
age. The resuUs were at first promising, but after 
a short time it was deemed advisable to transfer Ope- 
rations to another site, dose to a Tckke or sacred 
tomb, near the Salt Lakes of Larnaca, Here also the 
tombs proved to be of the Afycenaean age, and produc- 
tive of good results, so far as it was possible to carry 
them with the funds then available, The excavation 
of this site is being continued in the present year, 
Meantime the following are among the most important 
of the objects at Maroni and the Tekke, 

Maroni, 

Tomb /; Two gold pendants in Imitation of 
buUs head. Series of siher beads. Two bronze fish- 
hooks. Four bronze knives, Terra-cotta boat found 
füll of knucklC'bones, Alabaster bowl. Terra cotta- 
figure of bull, Mycenaean vases with piain patterns, 
Large Mycenaean vase in fragments, with birds painted 
in white on black ground. Black basalt cylinder with 
bird, — Tomb 2: Fragments of Mycenaean vases 
with figures of nun, animals and chariots, — Tombj: 
Eight glandulär basalt weigkts, Two siher fibula^pins 
with ring, in middle. Cylinder with designs of men 
and animals, Bronze dagger, — Tomb 4: Gold dia- 
dem with Spiral patterns, Bronze butt-end of spear, 
Silver ring with bezel. Egyptian porcelain scarab, — 
Tomb 6: Fragments ofpottery (Mycenaean) with figures, 
— Tomb j: Terra-cotta tube endingina handholding a 
bow, Two terra-cotta figures ofbulls. — Tomb: 8: Four 
gold cylinder -Caps. Fifteen carnelian beads. Ivory 
disc with incised rosette and gold stud in ccntre, 
Fragments of terra-cotta boat. — Tomb g: Jugwith 
patterns and figures of ducks in red and black on 
drab, Similar jug with piain interlacing patterns. 
Jug of »base-ring* wäre with snakes in relief, Two 



bronze daggers with längs, — Tomb ii: Pair of gold 
earrings. Silver bracelet with gold clasp. — Tomb 
12: Two gold cylinder-caps. Silver rings and spirals. 

— Tomb 14: Two gold beads, Porcelain figure of 
very primitive type, Two glass vases. Glandulär 
sard, piain, Ivory vase in shape of fruit, Tlsree 
terra-cotta primitive figures, Askos in shape of pig. 

— Tomb i^: Fragment of Mycencuan vase with figure 
of men, Five terra-cotta bulls, Terra-cotta primitive 

figure, — Tomb 16: Fragments of Mycenaean crater 
with cuttle-fish, — Tomb 17: Gold pendant, pear- 
shaped, with pattern, Silver ring, Fragments of 
porcelain plctte with Egyptian designs, Haematite coni- 
cal seal with intaglio of mans head and bird, Frag- 
ments of Hfycencuan vases with figures, — Tomb ig: 
Bronze cow, FictiU primitive figure, painted, — 
Tomb 22\ Gold Spiral, Amethyst cylinder, — Tomb 
2j: Two gold buttons and five gold beads. — Tomb 
24: Two gold beads, Two askoi in form of bulls, 
painted, — Tomb 2y: Vase of »white-ship* wäre, 
with chequer patterns in red and black, — Front 
the surface: Gold mouthpiece with rosettes and Spiral 
patterns, Gold bead and small gold ring. ConiccU 
crystal seal, Brown scarab with unintelligible design, 
Bronze hinge from door of tomb. Fragments of coarse 
thick pottery with patterns in red and brown (earfy 
Afycenaean). 

Tekke, 

Gold diadem with stamped patterns of »Palladia*, 
Do,, piain, Basalt cylinder with elaborate designs. 
Scarab with Egyptian design, Mould with three figures 
of men, for stamping gold. Pyxis with murex-patterns 
(Afycenaean), Jug with two bulls on Shoulder {J^-fy- 
cenaean), Fragment of vase of coarse wäre with fish. 
Gold ring with Egyptian hieroglyphic on bezel, My- 
cenaean vases and fragments with various figures and 
patterns, 

DEPARTMEMT OF BRITISH AND MEDIAEVAL 

ANTIQUITIES AND ETHNOGRAPHY, 

II, Acquisitions. 

Ch, H, Read. S, öj-Tj. 

Aus diesem Berichte folgen hier nur die auf Werke 
des Altertums bezüglichen Stellen. 

2. Anglo-Roman. A bronze bust of the ent" 
peror Hadrian found at Winchester; a circular brooch 
enamelled and with a dolphin in the centre, a pair 
of silver brooches, and a silver spoon, all from the 
collection of Lord Hastings, A remar kable hoard of 
pewter vessels and dishes, many of them elaboratefy 
ornamented with niello\ one has the monogram XP 
and another the inscription VICTRICI. Found together 



Neue Gipsabgüsse. Institutsnachrichten. 



239 



at Aj>pUshaw, Hants. — A potUry money'box f(mnd 
at Lincoln füll of coins 0/ Constantine the Greai, 
Fausta, Crispus, Constantine IL, and Constaniius IL 
— A pottery >cup found at Biüericayf Essex; and a 
piece of a pillar-moulded bowl of blue and white mar- 
bled glasSf found at Colchtster, 

IIL The Franks Bequest, 
Sir Augustus Wollaston Franks, K, C, B., Presi" 
dent of the Society of Antiquaries of London, and 
Keeper of this department from 1866 to iSgö, died 
on 2jst May i8gy, By his will he bequeathed to the 
British Museum a very large number of objects, which 
may be summarized as follows: /. A colleciion of finger^ 
rings of all ages and countries, number ing aboutj 300; 
the classical series is very rieh, including ßne Greek 
rings y several of the fr st importance of Roman times, 
e. g., those from the Treasure of Tarsus, and others 
of the same massive kind of the first half of the third 
Century; a Christian marriage ring inscribed ACCIPE 
DVLCIS MVLTISANNIS, and a fine ring with the 
Shoulders modelled in the form of figures of Atys, — 
2, A large number of examples of ancient, mediaeval 
and more modern goldsmith's work cmdjewellery ; with 
the exception of the • Treasure of the Oxus* the greater 
part is of mediaeval and later times, The » Treasure 
of the Oxus9 is without doubt the most important part 
of this section from the archeuological point of view, 
It consisis of a large number of Utensils and works 
of art, Chief ly in gold, As works of art the most im- 
portant are: a large gold armlet with two gryphons 
in füll relief, their wings once set withpcutes or stones; 
the remains of a dagger sheath with hunting scenes in 
low relief of Persepolitan style; two discs, one in gold, 
the other in siher, with designs of a similar char acter ; 
a gold jug, the handle terminating in a lion's head; 
and a model of a hing in his chariot, in gold, The 
principal piece of historical interest is the gold signet 
of a Persian king of about 3^0 B, C. whose name 
bas been read as Phahaspes. The Treasure contains 
a very large number of objects, armlets, thin gold 
plates with figures of Persian warriors, as well cu 
many smaller articles of adornment, — Among the 
classical jewellery may be mentioned two Shoulder or» 
naments of gold from the Fould collection, with Etrus- 
can designs in granulär work; a large series of Jewel- 
lery, earrings eic, from Crete; two small gold bells, 
from the Treasure of Tarsus in Cilicia, with the labours 
of Hercules \ and a number of articles of Roman date 
found in Egypt, 

DEPARTMENT OF COINS AND MEDALS. 
Barclay V. Head, S, y6—88, 
I. Exhiditions. S. yö, — //. Registration and 



Arrangement: t. Greek Series, S. yöj, 2, Roman 
Series, S, 77, — IIL Catalogues, S. 78, — /^. Ac- 
quisitions, S, 78—88, Remarkable Coins and Medals, 
I, Greek Series, S. 79 — 86. 2. Roman Series. S. 86, 



NEUE GIPSABGÜSSE. 

Nach gefölligen Mittheilungen der Herren 

Homolle und R. von Schneider sind neuerdings 

folgende Antiken geformt worden und kMuflich zu 

beziehen: 

I. in Athen durch die französiche Schule 

Diaduroenos von Delos fr. 300 

Wagenlenker von Delphi i 250 

Antinous von Delphi »i 200 

Vier Metopen vom Schatzhaus der 

Sikyonier in Delphi, jede „ 20 

IL in Wien durch die Münzen-, Medaillen- und 

Antiken-Sammlungen 
Bronzen: 

Hera (O verbeck Kunstmyth. III, i) . . 

Kyniker (v. Schneider. Album 25, 4) 

Kora, alterthümlich (Album 26, i) . . 

Apollon, Mantuaner Typus (Album 27) 

Herakles, Art des Skopas (Album 29) 

Hypnos ^Album 31) n 

Heros »Menelaos« (Album 32) , , , . 

Marmor: 

Kopf der Kora, praxitelisch (Album 5) 



fl. 15 

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i) 



Statuette der Artemis ^ auf ein Idol 

gelehnt (Album 4) n 35 

Strafsburg. A. Michaelis. 



INSTITUTSNACHRICHTEN. 

An dem achten vom Institut veranstalteten Cursus 
zur Anschauung antiker Kunst in Italien für Gym- 
nasiallehrer des Reichs haben 19 Herren Theil ge- 
nommen, sechs aus Preufsen, je zwei aus Bayern, 
Sachsen und Württemberg, je einer aus Baden, 
Hessen, Mecklenburg -Schwerin, Sachsen -Coburg- 
Gotha, Reufe jüngere Linie, Lübeck und Elsafs- 
LotHringen. 

Der Cursus währte vom 5. October bis zum 
10. November. Er verlief im Wesentlichen nach 
dem seit einigen Jahren befolgten Programme. In 
Neapel trat der Erste Secretar, Herr Petersen für 
den unpäfslich gewordenen Herrn Mau ein, der 
aber in Pompeji die Führung in gewohnter Weise 
wieder übernahm. Mit Dank ist zu erwähnen, dafs 
P. Ehrle den Theilnehmern in der vaticanischen 
Bibliothek eine Anzahl berühmter Handschriften 
zeigte und über dieselben vielerlei Aufklärung gab, 

l8» 



240 



Institutsnachrichten. 



und dafs der Principe Torlonia auch diesmal 
wieder den Besuch der Villa Albani ausnahmsweise 
gestattete. 

Zum Winckelmannstage 1898 wurden zu cor- 
respondirenden Mitgliedern des Instituts er- 
nannt die Herren G. Botti in Alexandrien, Ludwig 
Pollak in Rom, Michael Rostowzew in St. Peters- 
burg, und Konrad VVernicke in Berlin. 



Die Wintersitzungen des Instituts begannen 
auch in diesem Jahre, anknüpfend an den Geburts- 
tag Winckelmann's, in Rom an diesem Tage selbst, 
am 9., in Athen am 7. December. 

In Rom befand sich unter den zahlreichen 
Besuchern Se. Excellenz der kaiserlich deutsche 
Botschafter; die italienische Regierung war durch 
den Generaldirector Herrn Barnabei vertreten. An 
die Verkündigung der neu ernannten Mitglieder 
schlofs der Vorsitzende Erste Secretar, Herr Petersen 
einige Worte über das vorgelegte letzte Heft der 
IwanofT-Studien. Sodann sprach Herr Hartwig über 
eine Reliefschale mit Darstellung der Alexander- 
schlacht, welche den Anwesenden bereits in der für 
das letzte Heft der Römischen Mittheilungen 1898 
angefertigten Abbildung vorlag, und die er auf das- 
selbe Original zurück führte, auf welches das be- 
rühmte Mosaik der Casa del Fauno zurück geht. 
Hierauf sprach Herr Amelung über eine im Giar- 
dino della Pigna von ihm aufgefundene Ergänzung 
eines jüngst mehrfach besprochenen Reliefs im 
Thermenmuscum ; beide Theile waren im Gipsabgufs 
zur Stelle, und die wirkungsvolle Wiederzusammen- 
fügung der zwei lange getrennten Stücke mit den 
daraus gezogenen Folgerungen erregte lebhaften 
Beifall. Zum Schlufs sprach Herr Petersen über 
einen gewissen Einfiufs der altgriechischen monu- 
mentalen Malerei auf die Reliefs der Traianssäule, 
besonders der Iliupersis des Polygnot auf die Dar- 
stellung des Falles von Sarmizegetusa am Ende des 
ersten Dakischen Krieges. 

Auch in Athen war die Beteiligung aufser- 
ordentlich grofs; unter den Anwesenden befanden 
sich Se. Hoheit Prinz Friedrich Karl von Hessen, 
der deutsche und der russische Gesandte, der deutsche 
und der österreichische Generalconsul, der Rector 
der Universität, der Generalephoros und die Ephoren 
der Altertümer, die Directoren der fremden Institute, 
Frau Schliemann und viele deutsche und fremde 
Archäologen. Im Ganzen waren etwa 100 Personen 
anwesend. 

Nach BegrUfsung der Anwesenden erstattete der 
Erste Secretar, Herr Dörpfeld, Bericht über die 



Arbeiten des Instituts im verflossenen Jahre. Auf 
eine lange Reihe von Ausgrabungen und Unter- 
nehmungen konnte er hinweisen, die das Institut 
selbst unternommen hat oder an denen es wenigstens 
beteiligt war; so auf die Ausgrabungen in Athen, 
Pleuron, Paros, Kos, Priene, Alexandria und Thera, 
und auf Reisen nach Ägypten, Kleinasien und Alcar- 
nanien. Indem der Vortragende schliefslich noch 
über die Bearbeitung der Vasen von der Akropolis, 
die Karten von Attika und über die IwanofiTschen 
Publicationen berichtete, konnte er zugleich auf die 
ausgestellten Blätter der Caracalla-Thermen hin- 
weisen. Hierauf hielt Herr Dörpfeld den ersten 
Vortrag über Beziehungen zwischen den griechischen 
und ägyptischen Bauformen. Er behielt sich vor, 
auf die Construction und Ornamentik in einem 
anderen Vortrage einzugehen und besprach nur die 
Grundrisse der Tempel und die Säulen und sonstigen 
Stützen. Die peripterale Tempelanlage selbst lasse 
sich in Ägypten nicht nachweisen, aber es gebe 
mehrere Tempel, welche schon einen der Peristasis 
ähnlichen Umgang haben. Die Aufsenwände dieser 
Tempel seien in ihren oberen Teilen in viereckige 
Pfeiler und Öffnungen aufgelöst, und solche aus 
der Mitte des zweiten Jahrtausends stammenden 
Bauten dürften als Vorstufe der Peripteraltempel 
gelten. Unter den Säulen unterschied der Vor- 
tragende zwei ganz verschiedene Arten, nämlich 
erstens solche, die als tragende Stützen ausgebildet 
sind, aber niemals ein Capitell, sondern höchstens 
einen glatten Abacus haben, und zweitens solche, 
die, mit mehr oder minder reichen Blütencapitellen 
ausgestattet, unter freiem Himmel stehende Pflanzen 
oder Pfianzenbündel darstellen. Zu der ersteren Art ge- 
hören die viereckigen oder polygonalen Pfeiler und die 
sogenannten protodorischen Säulen, zu der andern die 
meisten Säulen der Tempel und Paläste. In den Capi- 
tellen der dorischen und ionischen Säulen ist dagegen 
die Function des Tragens künstlerisch ausgedrückt. 
Herr Ephoros G. Sotiriadis berichtete sodann 
über seine auf Kosten der griechischen archäologi- 
schen Gesellschaft ausgeführten Ausgrabungen in 
Thermos in Akamanien. Nachdem er schon früher 
einen Teil des heiligen Bezirkes des Apollon ausge- 
graben hatte, hat er jetzt den aus dem sechsten oder 
siebenten Jahrhundert stammenden Tempel, darunter 
die Fundamente eines älteren Baus mit Holzsäulen ge- 
funden und noch tiefer die Reste zweier Bauwerke mit 
elliptischem Grundrisse. Auch der jüngere Tempel 
scheint ursprünglich Holzsäulen gehabt zu haben, sein 
Gebälk ist stets hölzern geblieben und war mit Terra- 
cotten ausgestattet. Von letzteren sind grofse bemalte 
Metopenplatten und zahlreiche Köpfe der Sima zu 



Institutsnachrichten. Zu den Institutsschriften. 



241 



Tage gekommen. Der jüngere Tempel hat nur eine 
Säulenreihe im Inneren, war also zweischiffig. Beide 
Vorträge wurden durch zahlreiche, an die Wand 
geworfene Lichtbilder unterstützt. 

Das athenische Sekretariat des Instituts ver- 
anstaltet im kommenden Frühjahre wieder, wie in 
früheren Jahren, drei gemeinsame Studienreisen, 
deren vorläufiges Programm oben S. 199 ab- 
gedruckt ist. 

Eine für das Institut nicht unwichtige Nach- 
richt bringen wir auch hier übereinstimmend mit 
der im Reichsanzeiger vom 19. December d. J. er- 
schienenen Mittheilung zur Kenntnis. 

Im Jahre 1877 verstarb zu Rom, wo er sich 
heimisch gemacht hatte, der russische Architekt 
Sergius Andrejewitsch Iwanoff. Er hatte 
sich in eindringendem Studium ganz der Erforschung 
der antiken Architektur zugewandt, in Griechenland 
dafür gearbeitet, Pompeji zum Gegenstand seiner 
Forschung gemacht und ein Werk über die 
Caracalla- Thermen in Rom gefördert. Er war damit 
in den Kreis unseres Archäologischen Instituts ge- 
treten und hat dieses bei seinem Ableben zum 
Gesammterben eingesetzt. Das Vermächtnis war 
an die Bedingung geknüpft, dafs die Zinsen des 
Kapitalvermögens zunächst auf eine würdige Her- 
ausgabe nicht nur Sergius IwanofTs eigener hinter- 
lassenen architektonischen Studienblätter, sondern 
auch der Werke seines vor ihna verstorbenen Bruders, 
des Historienmalers Alexander Andrejewitsch IwanofT, 
verwendet werden sollten. 

Das Institut hat sich bemüht, diese Bedingungen 
in der weitgehendsten Weise zu erfüllen, und ist 
damit jetzt nach vollen zwanzig Jahren unaus- 
gesetzter Arbeit zum Abschlufs gelangt. 

Alexander Iwanoff hatte mit liebevollem 
Künstlerschaffen die Erzählungen des ganzen alten 
und neuen Testaments in eigenartiger Weise zur 
Darstellung gebracht, meist in mehr oder weniger 
ausgeführten Aquarellen. Die ganze Reihe dieser 
vielfach anziehenden Schöpfungen liegt jetzt, meist 
in Farbendruck der Steinbock'schen Anstalt wieder- 
gegeben, in einem mehr als 200 Tafeln umfassenden 
Werke vor (A. Iwanoflf, Darstellungen aus der heiligen 
Geschichte. Berlin bei Georg Reimer). Ein Freund 
der verstorbenen Brüder, Herr Michael Botkin in 
St. Petersburg, hat dazu die Biographie Alexander 
IwanofTs geliefert. 

Von Sergius Iwanoff's Studien antiker 
Architektur ist das erste Heft mit Text von 
Richard Bohn und 44 Tafeln in Mappe im ' 



Jahre 1892 erschienen; es hat griechische und 
namentlich attische Bauwerke zum Gegenstand. 
Das zweite Heft wurde im Jahre 1895 ausgegeben. 
Es enthält pompejanische Studienblätter, iS Tafeln 
in Mappe, mit Text von August Mau, und so- 
eben erscheint das dritte, die Publikation ab- 
schliefsende Heft, welches die Thermen des Caracalla 
behandelt, 43 Tafeln in Mappe, theils Stahlstiche, 
theils Farbendrucke, mit ausführlichen Erläuterungen, 
denen noch 20 Texttafeln beigegeben sind, mit Text 
von Christian Hülsen, dem in erster Linie dazu 
berufenen Kenner altrömischer Topographie und Ar- 
chitektur. Der Text aller drei Lieferungen ist ebenso 
wie die Biographie IwanofTs in deutscher und 
russischer Sprache gegeben. 

Der weiteren Bestimmung des Testaments 
entsprechend, werden von jetzt an die Zinserträge 
aufser einem kleineren Theil, welcher von Anfang 
an für die Vermehrung der Institutsbibliothek in 
Rom bestimmt war, zwischen der Kaiserlich russischen 
Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg und 
dem Kaiserlich deutschen Archäologischen Institut 
getheilt werden. Die St. Petersburger Akademie 
wird ihren Antheil zur Ertheilung von Preisen für 
naturwissenschaftliche W'erke zu verwenden haben; 
das Institut soll seinen Antheil zu Ausgrabungs- 
untersuchungen auf klassischem Boden benutzen, 
wobei bestimmt ist, dafs Fundstücke dem Lande, 
in welchem die Untersuchung stattfindet, verbleiben. 

Das Testament bestimmt, dafs die Theilung 
der Zinsen zwischen Petersburg und hier jedesmal 
nach Ablauf von zwei Jahren stattfinden soll, zum 
ersten Male also im Beginne des Jahres 1901. 



zu DEN INSTITUTSSCHRIFTEN. 

Nachschrift zu Jahrbuch S. 181 f. 
Es trifft sich eigenthümlich , dafs Furtwängler 
und ich zu gleicher Zeit auf einen bisher wenig 
oder gar nicht beobachteten Kopfschmuck des 
Hermes aufmerksam geworden sind. Nur sieht 
jener (Jahrb. d. Vereins von Alterthumsfreunden im 
Rheinlande 103 S. 6f.) in ihm eine Feder, ich selbst 
(oben Jahrbuch S. 181 f.) ein Lotosblatt. Ich ge- 
stehe, dafs ich nach der Abbildung auch in der 
Regensburger Bronze geneigter wäre ein Blatt zu 
erkennen, zumal es aus einem Kranze hcrausragt, 
aber die ganze Frage bedarf der §E'jTEpai cppoviiSE;. 
Nur bezüglich der Bronze von Antiochia bemerke 
ich, zumal da Furtwängler bei der soeben erst 
erfolgten freundlichen Übersendung seines Aufsatzes 
die Frage aufwirft, ob nicht auch in ihr eine Feder 
zu erkennen sei, dafs das nicht der Fall ist. Ich 



242 



Bibliographie. 



hatte, um über einen inzwischen bei mir selbst ent- 
standenen Zweifel ins Klare zn kommen, Halil 
Edhem Bey um eine Nachprüfung gebeten, und 
dieser schrieb mir schon am 2. Juli 1897: Vobjet 
en question est um feuilU et non peu une piume. 
Auch Cumont, welcher die Bronze nachher gesehen 
hat, gebraucht in seinem am i. Mai d. J. an mich 
gerichteten Briefe die Bezeichnung »Lotosblatt«'. 
Breslau, den 28. December 1898. 

R. Foerster. 



BIBLIOGRAPHIE. 

Ambrosiana. Scritti yari pubblicati nel XV. cente- 
nario della morte di S. Ambrogio. Milano, 
1897. 4». 

Darin u. a«: Marucchi, II sepolcro gentilizio 
di S. Ambrogio nelle catacombe di Roma. 

S. Ambrosoli Monete greche. Milano, U. Hoepli, 
1899. XIIII, 286 S. 160. Mit 2 Tafeln. 

C. Amore La necropoli sicula della Rocca presso 
Caltagirone. Caltagirone, 1898. 14 S. 4^ 

H. J. Angelopulos Flepl Ileipatuic xal ruiv Xtpivoiv 
ahzo'i xatd touc dp)(a{ouc ^pdvouc 'Ev *Adi^votc, 
riaXiYTevecjfa, 1898. tj', 210 S., i B1. 8o. Mit 
4 Tafeln. 

La Glyptotheque Ny Carlsberg, fondee par 
C. Jacobsen. Les Monuments antiques. Choix 
et texte de P. Arndt. Munich, F. Bruckmann 
A.-G., 1898. 

Livraison VI: Text S. 73—80 (mit 3 Ab- 
bildungen). PI. 43. Tetes de femme. -— 44. Tete 
de jeune homme. — 45. Tete de dieu barbu. — 
46. Couronnement d'une stele. — Fragment 
d'un relief funeraire. — 47. Tete d'une Amazone. 

— 48. Hermes d'une Amazone. — 49. 50. Torse 
d'une Statue de jeune homme. — 51. Statue 
d'un jeune homme couche. — 52. Tete de la statue 
pl. 51. 

Arndt-Brunn-Bruckmann Griechische und rö- 
mische Porträts. 

XLII. Lieferung. No. 411. 412. Herme des 
Perikles. London, British Museum. — 413. 414. 
Herme des Perikles. Rom, Vatican. — 415. 416. 
Herme des Perikles. Rom, Sammlung Barracco. 

— 417. 418. Herme eines unbekannten Griechen. 
München. — 419. 420. Herme der Aspasia. Rom, 
Vatican. 

XLIII. Lieferung. No. 421. 422. Herme des 
Epimenides. Rom, Vatican. — 423. 424. Kopf 
des Epimenides. München. — 425. 426. Un- 
bekannter Grieche. München. — 427. 428. Un- 
bekannter Römer. Paris, Louvre. — 429. 430. 
Unbekannter Römer. Rom, Vatican, 



P. Arndt s. Brunn-Bruckmann-Amdt. 

A. Balsamo Sulla composizione del carme hesiodeo 
'AairU 'HpaxX^ouc Parte I. Bologna, Zanichelli, 
1898. 39 S. 8«. 

D. Bassi Mitologie orientali. I. Mitologia babi- 
lonese-assira. Milano, U. Hoepli, 1899. XVI, 
219 S. i6o. 

F. O. Bat es The five post-KIeisthenean tribes 
(Cornell Studies in Classical Philology No. VIII). 
London, Macmillao, 1898. 71 S. 8^. 

Beiträge zur alten Geschichte und Geographie. 
Festschrift für Heinrich Kiepert. Berlin, 
D. Reimer, 1898. XIII, 355 S. Lex. 8». Mit 
Abbildungen, 2 Tafeln und einer Karte. 

Darin u. a.: O. Benndorf, Topographische 
Urkunde aus Ephesos. — H. Dessau, Die Vor- 
gänge bei der Thronbesteigung Hadrians. — 
A. V. Domaszewski, Die Namen römischer 
Kastelle am Limes Arabicus. — E. Fabricius, 
Zur Ortskunde von Karien. — H. Geizer, Geo- 
graphische Bemerkungen zu dem Verzeichnis 
der Väter von Nikaea. — R. Heberdey, Nisa 
und Komba, zwei Städte der lykischen Milyas. 
— O. Hirschfeld, Der Name Germani bei Tacitus 
und sein Aufkommen bei den Römern. — 
£. Hubner, Die Nordwest- und die Südwest- 
spitze von Hispanien. — C. Hülsen, Zur Topo- 
graphie des Capitols (mit Karte). — W. Judeich, 
Skepsis. — E. Kaiinka, Zur historischen Topo- 
graphie Lykiens. — R. Koldewey, Der Tempel 
von Segesta (Tafel). — W. Kubitschek, 
Skordapia in Phrygien. — C. Lehmann, Zu 
Herodot und Hecataeus. — Th. Mommsen, Die 
italischen Regionen. — Th. Nöldeke, Kardu 
und Kurden. — E. Oberhummer, Imbros. — 
J. Partsch , Der hundertste Meilenstein (mit 
Karte). — O. Puchstein, Die Tempel auf 
Ortygia. — Th. Schreiber, Vorbemerkungen zu 
einer Typologie der hellenistischen Städtegrün- 
dungen. — W. Sieglin, Die Ausdehnung des 
Hellespontes bei den antiken Geographen. — 
W. Tomaschek, Historisch-Topographisches vom 
oberen Euphrat und aus Ost-Kappadokien. — 
A. Weber, Aus alter Zeit — K. Zangemeister, 
Zur Geographie der Rheinlande bei Ptolemaeus 
II 9. 

P. Bianco Schliemann ed Omero: studio critico 
suir antica topografia della Troade, con una 
carta della guerra troiana. Firenze, Barbera, 
1898. 50 S. 80. Mit Tafel. 
A. Billerbeck Das Sandschak Suleimania und 
dessen persische Nachbarlandschaften zur baby- 
lonischen und assyrischen Zeit. 



Bibliographie. 



243 



G. Billeter Geschichte des Zinsfufses im griechisch- 
römischen Altertum bis auf Justinian. Leipzig, 
B. G. Teubner, 1898. XII, 381 S. gr. 8«. 

F, J. Bliss Excavations at Jerusalem, 1894 — 1897. 
Plans and Ulustrations by A. C. Dickie. 
London, Comm. of the Palestine Exploration 
Fund, 1898. XVI, 374 S. 80. Mit 31 Tafeln 
und 4 Plänen. 

M. Borgatti La fortiHcazione permanente contem- 
poranea, con una premessa sulla storia della 
fortificazione antica, medievale emodema, special- 
mente italiana. Torino, Cassone, 1898. 2 Bde. 
[I: XIII, 703 S.; II: XI, 583 S.] 

Brunn-Bruckmann-Arndt Denkmäler griechi- 
scher und römischer Sculptur. Lieferung XCVI. 
Enthält: No. 476. Statue der Themis. 
Athen, Nationalmuseum. — 477. Statue eines 
sitzenden Dichters, ehemals in Villa Borghese. 
Kopenhagen, Glyptothek Ny-Carlsberg. — 478 

— 480. Köpfe der Demeter, der Artemis und 
des Anytos aus der Gruppe des Damophon zu 
Lykosura. Athen, Nationalmuseum. 

Lieferung XCVIL 
Enthält: No, 481. 482. Kauernder Perser, 
zusammenbrechender Gallier, liegender Gigant, 
liegende Amazone, liegender Perser, vom Weih- 
geschenk des Königs Attalos I. von Pergamon. 
Rom, Vatican. Neapel» Museo Nazionale. — 
483. 484. Zeusgruppe und Athenegruppe vom 
grofsen Friese des Altars zu Pergamon. Berlin. 

— 485. Proben vom kleinen Friese des Altars 
zu Pergamon. Berlin. 

H. Brunn s. Arndt-Brunn-Bruckmann. 

J. BrunSmid Die Inschriften und Münzen der 
griechischen Städte Dalmatiens (Abhandlungen 
des arch.-epigr. Seminars der Universität Wien, 
Heft XIII). Wien, A. Holder, 1898. IX, 86 S. 
gr. 8^. Mit Abbildungen und 7 Tafeln. 

A. Buchheim Beiträge zur Geschichte des del- 
phischen Staatswesens. Programm des Gym- 
nasiums zu Freiberg in Sachsen, 1898. 26 S. 4^. 

F. Buehlmann The architecture of classical an- 
tiquity and the renaissance. New - York, 
B. Hefsling, 1898. 3 Bde. Mit 75 Tafeln, fol. 

L. Bürchner Die Insel Leros. Programm des 
k. Theresiengymnasiums zu Mtinchen, 1897 — 98. 
48 S. 80. Mit Karte. 

J. Burckhardt, Griechische Kulturgeschichte. Hrsg. 
von J. Oeri. Berlin, W. Spemann, 1898. 
Bd. I1.2. gr. 8«. (Bd. Ii: IX, 370 S.; Bd. I2: 

443 S.)- 
R. Cagnat Cours d'epigraphie latine, 3« edition 

revue etaugmentee. Paris, Fontemoing, 1898. 8". 



C. Calisse Storia di Civitavecchia. Firenze, 
Barbera, 1898. XVI, 725 S. 8°. [Abschnitt I: 
Centocelle, behandelt die antiken Reste]. 

M. de Campos y Muncilla Mosaicos del museo 
arqueologico provincial de Sevilla. Sevilla, Tip. 
de F. de P. Diaz, 1897. 69 S. 8«. 

V. Casagrandi-Orsini Catalecta di storia antica. 
Catania, 1898. 199 S. 8^. 

Darin u. a.: 8. II lago di Lentini neir an- 
tichitä, Lacus Herculeus. 10. I tres lacus di 
C. Giulio Solino. 11. II mito d' Herakles nella 
numismatica di Agyrium e di Lentini. 12. II 
fiume Taurominius in Vibio Sequestre. 13. Sul 
Tamaricium Palmarum di Antonino : nuova nota. 
14. II monumento romano della Licatia (Catania). 
16. Hecathea fü il nome antico della contrada 
oggi detta la Licatia (Catania). 17. Imachara, 
Herbita, Enguium non rispondono a Troina. 

18. Le forme Tragina, Traina, Traiana, Troina. 

19. Trachina. 

Catalogue sommaire des marbres antiques du 
departement des antiquites grecques et romaines 
du Musee national du Louvre. Paris, Motteroz, 

1897. 250 S. Mit 16 Abbildungen. 

A. Choisy Histoire de l'architecture. Paris, 
Gauthiers- Villars, 1898. 2 Bde. 644, 800 S. 
8«. Mit 866 Abbildungen. 

E. Ciccotti II tramonto della schiavitü nel mondo 
antico. Torino, Bocca,. 1899. 320 S. 8°. 

Commentationes philologicae, J. W. Pomia- 
lowski zum 30jährigen Jubiläum seiner .... 
Thätigkeit dargebracht von seinen Freunden 
und Zuhörern. Petersburg, 1897. 224 S. gr. 8^ 
[Russisch]. 

Darin u. a«: A. Szczukarew, Ein unedirtes 
Heroenrelief. . S. 97 — 102 (mit Abbildung). — 
Th. Braun, Einiges über Hylaia und Achilleos 
Dromos. Zur Geographie des alten Skythiens. 
S. 103—108. — S. Zebelew, Der Cultdes Demos 
und der Chariten in Athen. S. 109— 118. — 
M. Rostowzew, Tablifer. S. 131 — 136 (mit 
Abbildungen). — J. Cholodniak, Sepulcralin- 
schriften. S. 143 — 146. •— W. Regel, Die Stadt 
Plotinopolis. S. 147 — 151. — A. Pawlowski, 
Einiges über das malerische Element in der 
Reliefsculptur der Griechen. S. 201 — 208. — 
R. Loeper, Der Gott Pan. S. 221—224. 

Corpus inscriptionum etruscarum ab academia 
litterarum regia borussica Berolinensi et societate 
litterarum regia saxonica Lipsiensi pecuniis ad- 
iutus administrante A. Danielsson edidit 
C. Pauli. 8. segmentum. Lipsiae, J. A. Barth, 

1898. 80 S. [S. 475 — 554] fol. 



244 



Bibliographie. 



Antike Denkmäler zur griechischen Götter- 
lehre, zusammengestellt von C. O. Müller 
und F. Wieseler. Vierte umgearbeitete 
und vermehrte Ausgabe von K. Wernicke 
(Denkmäler der alten Kunst von C. O. Müller 
und F. W i e s e 1 e r Teil II). Lieferung I. 
Zeus. Hera. Leipzig, Dieterich, 1899. 
Text VI, 140 S. 8«. Atlas Tafel I— X Quer- 
folio. 

A. Danielsson s. Corpus inscriptionum etrusca- 
rum. 

A. C. Dickie s. F. J. Bliss. 

G. Dittenberger Sylloge inscriptionum Grae- 
carum, iterum ed. G. D. Volumen prius. Lipsiae, 
S. Hirzel, 1898. X, 644 S. 80. 

Dizionario epigrafico di Antichitsk Romane di 
£. de Ruggiero. 

Fase. 60 (Vol. III Fase. 3). Ferventes — 
Fiscus [darin u. a.: Fetiales S. 66 — 71, — 
Ficus. S. 73 f. — Fideicommissum (B. Kubier). 
S. 74—76. — Fides (U. Pestalozia). S. 78—82. 

— Fiducia (B. Kubier). S. 82—84. — Filius. 
S. 85—89. — Finis (A. Schulten). S. 89—95. 

— Fiscus. S. 96. 

Fase. 6i (Vol. III. Fase. 4). Fiscus. S. 

97—128. 
R. Dreyfus Essai sur les lois agraires sous la 

republique romaine. Paris, C. Levy, 1898. 

2 Bl., II, 250 S. 80. 
J. Dutoit Zur Festordnung der grofsen Dionysien. 

Inaugural-Dissertation, Erlangen 1898. 45 S. 8^ 

[auch als Gymnasialprogramm von Speyer 

1897/98]. 
R. Engelmann Pompeji (Berühmte Kunststätten 

No. 4). Leipzig, £. A. Seemann, i Bl., 106 S. 

gr. 8^. Mit 141 Abbildungen. 
E. Fabricius s. O. v. Sarwey. 
V. Fabricius De diis fato loveque in P. Ovidii 

Nasonis operibus quae supersunt. Leipzig, 

G. Fock, 1898. 
Festgaben zu Ehren Max Büdinger's von 

seinen Freunden und Schülern (zum 70. Geburts- 
tag). Innsbruck, Wagner, 1898. VI, 469 S. 8^ 

Mit Bildnis. 

Darin u. a.: J. Krall, Vom König Bokchoris. 

— Th. Friedrich, Nineve's Ende und die Aus- 
gänge des assyrischen Reiches. — H. Swoboda, 
Zum griechischen Staatsrecht. — A. Bauer, Der 
Brief Alexander's d. G. über die Schlacht gegen 
Porus. — H. Wirz, «Sallustius in Ciceronem», 
ein klassisches Stück Anticicero. — R. v. Scala, 
Doxograpbische und stoische Reste bei Ammia- 
nus Marcellinus. — F. Wickhoff, Über die 



historische Einheitlichkeit der gesamten Kunst- 
entwicklung. 

F. Finocchiaro La leggenda argonautica nella 
storia della geografia. Catania, 1898. 20 S. S^'. 

A. Flofs De coUegiis iuvenum quaestiones epi- 
graphicae. Dissertatio inauguralis, Erlangen 1897. 
37 S. 80. 

J. Frey Tod, Seelenglaube und Seelenkult im 
alten Israel. Eine religionsgeschichtliche Unter- 
suchung. Leipzig, A. Deichert, 1898. VI S., 
I Bl., 244 S. 80. 

O. Froehde Beiträge zur Technik der alten 
attischen Komödie (Berliner Studien für classische 
Philologie und Archäologie. N. F. III i). 
Leipzig, O. Reisland, 1898. VIII, 215 S. gr. 80. 

W. Fröhner La collection Tyszkiewicz. Choix 
de monuments antiques avec texte explicatif. 
München, Verlagsanstalt F. Bruckmann, A.-G., 
1898. [Vgl. Bibliographie 1897 S. 32]. 

6. Lieferung, S. 39—46. Tafeln 41 — 48: 
Taf. 41. Vase ä decor plastique. — 42. Patere 
en terre cuite. — 43. 44. Tete en bronze. 
— 45. ApoUon, bronze archaYque. — 46. Bas- 
relief athenien. — 47. 48. Statue egyptienne 
en basalte. 

Illustrirter Führer durch Dalmatien längs der 
Küste von Albanien bis Korfu und nach den 
jonischen Inseln. 4. Auflage. Wien, Pest, 
Leipzig, A. Hartleben, 1899. XVI, 147 S. 8«. 
Mit 5 Karten, einem Plan, 16 Tafeln und 69 Ab- 
bildungen. 

V. Gay mann Kunstarchäologische Studien zu P. 
Pap. Statius. Inaugural - Dissertation, Würz- 
burg, 1898. 61 S. 80. 

H. Geiz er Sextus Julius Africanus und die byzan- 
tinische Chronographie. 2. Theil 2. Abth. Nach- 
träge. Leipzig, J. C. Hinrichs, 1898. III, 74 S. 
[S. 427 — 500] gr. 80. 

O. Gilbert Griechische Götterlehre, in ihren Grund- 
zügen dargestellt. Leipzig, E. Avenarius, 1898. 
III, 516 S. gr. 80. 

F. Gori Tre erme ed una iscrizione greca. Rieti, 
1898. 

Egypt Exploration Fund. Archaeological Report 
,897—1898. Edited by F. LI. Griffith 
London, The Offices of the Egypt Exploration 
Fund, o. J. 3 Bl., 70 S. 40. Mit einer Tafel, 
einer Abbildung und 5 Karten. 

Enthält: W. M. Flinders Petrie, Excavations 
at Dendereh. S. i. — S. Clarke, The teniple 
at Deir-el-Bahari. S. 3. — F. LI. Griffith, 
Archaeological Survey. — B. P. Grenfell, Graeco- 
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Bibliographie. 



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LI. Griffith, Archaeology, hieroglyphical studies. 
S. II. — F. G. Kenyon, Graeco -Roman Egypt. 
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H. Grisar Geschichte Roms und der Päpste im 
Mittelalter. Mit besonderer Berücksichtigung 
von Kultur und Kunst nach den Quellen darge- 
stellt. Band I : Rom beim Ausgang der antiken 
Welt. Freiburg i. Br., Herder, 1898. Gr. 80. 
Lieferung i. 2. S. i — 128. 

G. Grünau Inschriften und Darstellungen römi- 
scher Kaisermünzen von Augustus bis Diocletian. 
Biel, E. Kuhn, 1898. XVI, 152 S. gr. 80. Mit 
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L. Gurlitt Anschauungstafeln zu Caesars Bellum 
Gallicum. I. Castra Romana. II. Alesia. Gotha, 
F. A. Perthes, 1898. 2 Tafeln ä 60, 5 X 9» 
cm. Mit je I Bl. Text 40. 

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illustribus numero. Programm des Gymnasiums 
zu Neuburg a. d. Donau, 1898. 

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Hiller von Gaertringen '0 dpjfatxoc noXiTiajJioc 
rfii vi^aou 0i^pac. Meta^ppaai; utto ']. N.AeX^vSo. 
O. O., TUTtoc »Oi^pa;«, 1898. 36 S. 8«. 

'JaTOp{a T^c Tey^ac dno täv dp^^atoTCtTcuv )^pdvu)v 
[Uy[oi xf^i xataXuaeuic rr^c 'A^atxi); oujxTroXiTefac. 
'Exoßexai U7to toO TeyeocTixoü Z'jvS^afjiou. 'Ev 'AOiq- 
vat;, TUTToyp. fJ. Aeu>v7], 1896. 66 S., i Bl. 8°. 
Mit 2 Tafeln. 

Chr. Hülsen s. S. A. Iwanoff. 

O. Jäger Kaiser Trajanus. Festrede. Programm 
des Friedrich - Wilhelms -G}Tnnasiums zu Köln. 
1898. 9 S. 

M. Jastrow jr. The Religion of Babylonia and 
Assyria. Boston, Ginn & Co., 1898. 11,780 S. 
8^ (Handbooks on the history of religions, no. 2). 

Imagines inscriptionum graecarum antiquissimarum 
in usum scholarum a. 1894 iterum composuit 
H. Roehl et iam auxit supplementis Theraeis 
et Meliis. Berlin, G. Reimer, 1898. III, 92 S. 
Imp. 40. 

Inscriptiones Graecae insularum maris Aegaei. 
Consilio et auctoritate Academiae Litterarum 
Regiae Borussicae edidit F. Hiller de Gaert- 
ringen. Fase. III. Inscriptiones Graecae in- 



sularum Symes Teutlussae Teli Nisyri Astypalaeae 
Anaphes Therae et Therasiae Pholegandri Meli 
Cimoli. Accedunt tabulae geographicae duae. 
Berolini, G. Reimer, 1898. VIII, 272 S. fol. 
Mit 2 Plänen. 

C. Justi Winckelmann und seine Zeitgenossen. 2. 
Auflage. Bd. 2. 3: Winckelmann in Rom. 
Leipzig, F. C. W. Vogel, 1898. gr. 80 (Bd. 2: 
IX, 374 S.; Bd. 3: IV, 423 S. Mit Bildnis 
[Cardinal Alexander AlbaniJ). 

S. A. Iwan off Architektonische Studien. Heft II. 
Aus Pompeji. Nachtrag. 3 Doppelseiten, gr. 40 
[S. 19—21]. Dazu 2 Tafeln Imp.-fol. — Heft 
III. Aus den Thermen des Caracalla, Mit Er- 
läuterungen von Chr. Hülsen. In das Russische 
übersetzt von M. Rostowzew. Herausgegeben 
vom Kaiserlich Deutschen Archaeologischen In- 
stitut. Berlin, G. Reimer, 1898. 81 Doppelseitcn 
gr. 40. Mit 20 Tafeln (A — V) und 13 Abbildungen 
(10 davon doppelt abgedruckt). Dazu ein T afel- 
band von 43 Tafeln Imp.-fol. [Deutsch und 
Russisch]. 

A. Kalkmann Die Quellen der Kunstgeschichte 
des Plinius. Berlin, Weidmann, 1898. VIII, 
260 S. gr^ 8°. 

C. de Kay Bird Gods of Ancient Europe. Illustrated 
by G. Wh. Edwards. New York, London, 
1898. 120. 

F. G. Kenyon s. Papyri. 

W. Klein Die griechischen Vasen mit Lieblings- 
inschriften. Zweite, vermehrte und verbesserte 
Auflage. Leipzig, Veit & Co., 1898. VII S., 
I Bl., 178 S. 80. Mit 59 Abbildungen. 

K. Klement Arion. Mythologische Untersuchungen. 
Wien, A. Holder, 1898. 63 S. Lex. 8«. 

N. Klugmann Vergleichende Studien zur Stellung 
der Frau im Altertum. Bd. I. Wien, Frank- 
furt a. M., Kauffmann, 1898. Gr. 8°. 

P. A. Komnenos Aaxuivixd jrp^vwv rpotaTopixcuv te 
xal laxopixÄv. Tvr/o^ 5—7» Athen 1898 [S. 2 30 ff. 
'IstopixT] Toroypacpia ^TiapTT];, XEirto^Aepi^c]. 

R. Leonhardt Die Insel Kythera. Eine geo- 
graphische Monographie. Breslau. 14 S. 4^. 

Ausfuhrliches Lexikon der griechischen und 
römischen Mythologie, hrsg. von W. H. Röscher. 
Leipzig, B. G. Teubner, 1898. 38. Lieferung*) 
(Nemesis — Nike). Band III, Sp. 161—320 
[Gröfscre Artikel: Nemesis, Schlufs (O. Rofs- 
bach). Sp. 161 — 166 (mit 4 Abbildungen). — 
Neoptolemos (Weizsäcker). Sp. 167 — 176 (mit 
5 Abbildungen). — Nephele (Wagner). Sp. 

•) Oben S. 151 ist die 37. Lieferung durch 
einen Druckfehler als 36. Lieferung bezeichnet. 



177-186 (mil Abbildung). — Nephthys (D rea- 
ler). Sp. 189-201. — Neplunus (WoBswa). 
S|). 201 — 207. — Nereiden (Weiisäcket). Sp. 
207 — 240 (mit lg Abbildungen). -^ Nereui 
(Bloch). Sp. 240—250 {mit 6 Abbildungen). 

— Nergal (A. Jeremi.s). Sp. 250-27" (mit 
7 Abbildungen). — Nerthu* (M. Ihm). Sp. 
'74-277- — Nesso« (Quilling). Sp. 280—287 
(mit Abbildung). - Nesloi (Weiisäcker). Sp. 
289-298 (mit 7 Abbildungen). - Nike (H. Bulle). 
Sp. 30; . 320 (mit 2 Abbildungen)]. 

V. Lundström C. Flaminius och Hannibal. Hista- 
risk-ülologisk Studie. Upfila, Lundequist; 
LeipiLg, 0. Hannsiowilz , 1898. 79 S. 8». 
[Schwedisch]. 

F. March i Argo c Troia: saggio critico di proto- 
slotia gieca. Imola, 1898. 9J S. S". 

O. Marucchi S. Agapito Preneaiino. Roma, 1898. 
54 S. 8». 

V. Marx Die Stellung dei Frauen in Bnbylonien 
gemHIs den Neubabylomsehen Kontrakten aus 
der Zeit von Nebukadnciar bis Darius. Disser- 
tation, Breslau, 1898. 32 S. 8". 

G. Mispero tludes de mythologie el d'archfologie 
cgypttenoes. III (Bibliotheque cgyptologiquc. 
Tome 7). Paris, l.etoui, 1898. 444 S. 8". 

Melanges Henri Weil. Recueil de mcmoires 
concemant l'histoire et 1a littorature greeques, 
dcdie i Henri Weil ä l'occasion de son quatre- 
vinglieme anniversaire. Paris, Fontemoing, 1898. 
471 S. S". Mit Potträt. 

Darin u. a. : B. Haussoullier, Le culte de 
Zeus ä Didymes, U Bor,]r'a. S. 147 — 158. — 
M. Holleaui, ''ATtMuiv XiciÜioi. S. 193 — 206. 

— Th. Homolle, Les offrandes delphiques des 
fils de Deinoments el Tcpigramme de Simonide. 
S. 207—124 (mit 6 Abbildungen). — H. I.ecbat, 
Les grands fron ton i en luf de 1' Acopole 
d' Athenes. S. 249—271 (mit Abbildung. — 
A. Mattin, Les jeui pylbiques d' apres 1' Electre 
de Sopbocle. S. 273 — 181. — J. Opperl, 
Hcrodotc et 1" Orient antique. S. 321 — 332. 

— G. Pertot, La sculptute dans le temple grec, 
les places qu' eile y occupe et les effels du 
concuUTS qu' eile pröte ii la decoration de 
l'cdifice. S. 355—383. — E. Pottier, L'agrafe 
du manteau d' Ulysse. S. 385-393 (mit Ab- 
bildung). — S. Reinach, Büste inedit d' Homttc, 
terte cuite de Smytne. 8. 407—412 (mit Ab- 
bildung). — J. E. Sandys, La Statue de Dc- 
mosthene a Knole Park, Sevenoaks, Conte du 
Kent. S. 423—428 (mit Tafel). 

W. Michaelis De origine indicis deorum cogno- 



IV 



n. Disseitalian. Betlin, Mayet u. MUlkt, 

90 S. 8". 
hei Recueil d' insctiptions grecques. Fase. 
. partie (Nr. 605 — 797). Bruxelles, La- 



A. Miliarakis 'larepfn toü ßasiXtiou t^c Nixahj 
xnl Toj StoroTaiou t^« 'Hndpsu (1204—1261). 
Athen und Leipzig, 1898. 

Mittheilungen über rOmische Funde in Heddem- 
beim. II. Hrsg. »on dem Verein für Geschichte 
und AI terth ums künde zu Frankfurt a M. Frank- 
furt a. M., K. Tb. Volk«, 1898. VII, 68 S. 
gr. 8". Mit 3 Tafeln und einer Karte. 

O. MoDletius Ricotdi della Satdegna. Traduiione 
dello Svedese di P. GastaldiMillelire. Cagliari, 
1898. 36 S. 8". Mit 4 Tafeln. 

A. Mordtmann Justinian und der Nika-Aufsland 
(Mittheilungen de) deutschen Exkutsions-Klubs 
in Konstantinopel. Heft IV;. Konstantinopcl, 
O. Keil, 1898. 48 S. gr. 8". Mit 3 Tafeln. 

J. de Morgan Comple - rendu sommaire des 
travaui arcbeologiquei execulcs cn Perse, du 
3. novembrc 1897 au 1. juin 1898. Paris, 
LerouK, 1898. 16». Mit Tafeln. 

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roraane e venete. Venezia, 1898. 249 S. 8". 

B. A. Mystakides AI Vjv^iSol J,m l aapw- 
filK Tiüt BprivipSiv iv Tiö aitoitcaTOpixif 
jio'jotü^ ('Avatiiruiai« ix to'j i^fUprAr.jU)\) ö 'Ava- 
td).ixoc 'Ast^p'. Konstantinopel, 1S98. 

J. B. Nordhoff Römersirafsen und das DclbrUcker- 
land. Munster, Regensberg, 1S98. 1 Bl., 49 S. 
gr. 8". 

J. Oeri s. J. Burckbardt. 

A. Olivetti Per la intcrpretaiione economic! della 
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nel diritio e nella vita romana. Bologna, 1898. 
103 S. 80. 

Greek Papyri in the British Museum. Caialogue 
with tcxts. Ediled by F. G. Kenyon. Vot IL 
1898. XLII, 408 S. gr, 40. Mit einem Tafel- 
band in Folio [Bd. I erschien 1893 ohne Band- 
bezeichnung]. 

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A. Pcllegrini I canopi dcl Museo archeologico di 

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N. Perini Reliquie di Oidipodia nell' Odissea. 

Sinigaglia, 1898. 15 S. 8". 
N. Perini Un secondo frammento di Oidipodia 

nell" Odissea, Sinigaglia, 1898. 22 S. 80, 
K. Petersen Vom alten Rom (Berühmte Kunst 



Bibliographie. 



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Agiam, Buchh. der Actiendruckerei, 1898. 

G. Pinza Scavi nel territorio falisco. Parma, 1898. 

143 S. 80. (Aus Bull, di Paletnologia). 

G. Rindfleisch Die Landschaft Hauran in römi- 
scher Zeit und in der Gegenwart. Dissertation, 
Marburg, 1898. 54 S. 8^ Mit Karte. 

H. A. Ring Teatems historia fran äldsta tili nyaste 
tid. En skildring af antikens, medeltidens och 
den nyare tidens skadebanor. Festskrift, ut- 
gifven med anledning nya k. teatems invigning. 
Stockholm, C. E. Gernandt, 1898. 339 S. 8^ 
Mit 2 Tafeln. 

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W. H. Röscher s. Lexikon. 

S. Rossi II mito di Amphiaraos nella letteratura 
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letteratura. Firenze, 1898. 99 S. 8^ 

S. Rossi Ulustrazione di un'anfora pugliese del r. 
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14 S. 80. 

M. Rostowzew s. S. A. Iwanoff. 

£. de Ruggiero s. Dizionario. 

F. Ruth Griechische und römische Mythologie. 
Bd. L Prag, J.Otto, 1898. 192 S. 8° [Böhmisch]. 

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obergermanisch-raetische Limes des Römer- 
reiches. 10. Lieferung. Heidelberg, O. Petters. 
10, 17, 16 S. gr. 40. Mit 9 Tafeln und einer Karte. 

H. E. Sau vage Guide des musees municipaux de 
Boulogne - sur- Mer. Boulogne - sur - Mer, impr. 
V. Cabre. 1898. 28 S. 80, Mit Plan. 

O.Schwab Das Schlachtfeld von Cannae. Programm 
des k. Wilhelmg}innasiums zu München, 1897 
— 98. 46 S. 80 mit Plan. 

Ch. M. Snyder Comic History of Greece from the 
earliest times to the death of Alexander the 
Grcat. Philadelphia, J. B. Lippincott & Co., 
1898. 446 S. 80. 

A. F. Sorrentino Menai la patria di Ducezio, 
capo dei Siculi (Diodor. XI 88, 6). Palermo, 
Reber, 1898. 32 S. 80. 

W. Spiegelberg Die Novelle im alten Aegypten. 
Ein litterar -historischer Essay. Strafsburg, K. 
J. Trübner, 1898. IV, 53 S. 8". 

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1898. Samos, 1898 [darin S. 68 kurzer Bericht 
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F. Bertolini, Storia antica: re e repubblica. 
Fasc. 35. 36. E. Brizio, Epoca preistorica. 

C. H. Stratz Die Schönheit des weiblichen Körpers. 
Stuttgart, Enke, 1898. 195 S. Mit 3 Tafeln 
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F. Tambroni Note falische (Sull'interpretazione di 
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e suUa origine della cittä di Fescennium). Bo- 
logna, 1898. 35 S. 80. 

J. L. Ussing Om Phidias' Athenastatuer , sserlig 
Kliduchos (Videnskabs Selskabs Skrifter 6. Rsekke, 
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H^st, 1898. 50 S. 40. Mit Abbildungen und 
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St. Waszyriski De servis Atheniensium publicis. 
Inauguraldissertation, Berlin, 1898. 

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statuette der Sammlung des Herrn A. v. Nelidow. 
Berlin, A. Asher&Co., 1898. 3 Bl., 93 S. 80. 
Mit 2 Tafeln und 2 Abbildungen. 

A. Wurm, De villa rustica, qualis descripta in- 
veniatur apud rei rusticae scriptores Romanos. 
Programm des Gymnasiums zu Kempten im All- 
gäu, 1897-98. 43 S. 80. 



Aarb^ger for nordisk Oldkyndighed og Historie 
(Kj/ibenhavn). II. Rsekke. 13. Bind (1898). 

2. Hefte. G. F. L. Sarauw, Lyngheden i Old- 
tiden. Jagttagelser fra Gravh0je. S. 69 — 124 
(mit 6 Abbildungen). — Chr. Blinkenberg, 
Skaeftede Stenalders Redskaber. S. 125—136 
(mit 5 Abbildungen). 

Abhandlungen der königl. Gesellschaft der Wissen- 
schaften zu Göttingen. PhUol.-histor. Klasse. 
N. F. Bd. II. 

Nr. .7. A. Schulten, Die römische Flurteilung 
und ihre Reste. 38 S. gr. 40. Mit 5 Abbildungen 
und 7 Karten. 

Abhandlungen der königl. sächsischen Gesell- 
schaft der Wissenschaften. Philol.-histor. Classe, 
18. Band. 

Nr. 2. F. Hultsch, Die Gewichte des Alter- 
thums, nach ihrem Zusammenhange dargestellt. 
XIII, 205 S. Lex. 80. 

The Academy (1898). 

No. 1373. B. P. Grenfell and A. S. Hunt, 
The Oxyrhynchus Papyri I (anon. Rec). S. 190 f. 

Annalen des Vereins für Nassauische Altertums- 
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zigster Band (1898). 



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Abbildung). — C. C. Edgar, Prehistoric tombs 
at Pelos. S. 35—51 (mit 18 Abbildungen). — 
R. C. Bosanquet, Notes from the Cyclades. S. 52 
— 70 (mit Tafel 4. 5 und 7 Abbildungen). — 
D. Mackenzie, Ancient sites in Melos. S. 71 — 88 
(mit 2 Abbildungen). — P. Rodeck, The lonic 
csipital of the gymnasium of Kynosarges. S. 89 

— 105 (mit Tafel 6—8 und einer Abbildung). — 
J. G. C. Anderson, An epigraphic miscellany. 
S. 106 — 120 (mit II Abbildungen). — C. Smith, 
A new copy of the Athena Parthenos. S. 121 
— 148 (mit Tafel 9 und einer Abbildung). — 
C. A. Hutton, On three bronze statuettes. S. 149 

— 155 (mit Tafel 10). — P. F. Perdrizet, Ar- 
chaistic reliefs. S. 156—169 (mit Tafel 11 — 13). 

— J. L. Myres, A marble relief from the African 
Tripolis. S. 170—174 (mit Tafel 14). — A. M. 

' Poynter, Remarks on three sectile pavements in 
Greece. S. 175— 181 (mit Tafel 15). — C. Smith, 
Panathenaic Amphorae. S. 182—200 (mit Tafel 
16 und einer Abbildung). — C. Smith, The 
CruciHxion on a Greek gem. S. 201 — 206 (mit 
Abbildung). 
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No. 4. F. de Bissing, Les origines de 
TEgypte. (Forts.) S. 408— 41 7. — D. N. Anou- 
tchine, L' age de la pierre en Ögypte (Th. V.). 
S. 443 f. — G. Schweinfurth, Über den Ursprung 
der Aegypter; derselbe, Ornamentik der ältesten 
Culturepoche Aegyptens (L. Laloy). S. 444—446. 

— E. Fraas, Anthropologisches aus dem Lande 
der Pharaonen (L. L.). S. 446 f. — R. Virchow, 
Über die ethnographische Stellung der prae- 
historischen und der protohistorischcn Aegypter 
(S. Reinach). S. 447 f. — A. Taramelli, La grotte 
prehistorique de Miamü en Crete (S. Reinach). 
S. 448— 452 (mit 10 Abbildungen). — A.Blanquier, 
Notes sur un cimetiere gallo-romain ä Montlaur 
(Aude) (R. Verneau). S. 452 f. — O. Montelius, 
Hausurnen und Gesichtsurnen (L. Laloy). S. 453. 
. — A. Goetze, Die trojanischen Silberbarren der 



Schliemann- Sammlung (Th. Volkov). S. 455. 

The American Antiquarian (1898). 

W. H. Ward, The story of the serj^cnt and 
the tree. S. 211— 227 (mit 18 Abbildungen). 

Göttingische gelehrte Anzeigen. 160. Jahrgang 
(1898). 

Nr. IX. B. Grenfell and A. Hunt, The Oxy- 
rhynchus Papyri (Ü. v. Wilamowitz-Moellendorflf). 
S. 673-704. 

A n z e i g e r für schweizerische Altertumskunde. XXXL 
Jahrgang (1898). 

Nr. 2. J. Zemp, Kleinere Nachrichten. S. 56 AT. 
[darin u. a.: Baden, römischer Münzfund; 
Jonen, römischer Bau; Windisch, römische In 
Schrift mit dem Namen des Tat. Ann. XII 27 
genannten Legaten Pomponias Secundus ; ebenda, 
Römerbau und römische Münzen; Baselland, 
Römerstrafse bei Liestal; Locarno, römische 
Altertümer; Fluntern b. Zürich, römische 
Münze]. 

Nr. 3. A. Schneider, Die am 22. März 1898 
in Windisch gefundene Inschrift. S. 66 f. 

Archäologischer Anzeiger s. Jahrbuch des Kaiser- 
lich Deutschen Archäologischen Instituts. 

O Archeologo Portugues. Vol. III (1897). 

No. 12. J. Leite de Vasconcellos, Fasciculus 
inscriptionum Myrtilensium nuper repertarum. 
Epistula ad Aemilium Hübner. S. 289—293. 
J. L. de V., Noticias varias [u. a. moedas romanas 
de Milreu-Estoi , moeda romana de Tavia, anti- 
guidades romanas do Geres], S. 293 — 297. — 
P. B. da Cruz, Museu Municipal da Figueira da 
Foz. S. 299-301. — J. L. de V., Acquisi^öes 
do Museu Ethnologico Portugues. S. 303 f. 
Vol. IV (1898). 
Nos. I a 6. A. P. Lopo, Castro de Sacoias 
(Bragan^a). S. 47 f. (mit Plan). — A. Mesquita 
de Figueiredo, Contribui^öcs para a historia da 
pesca, em Portugal, na epocha luso-romana. 
S. 53—58. — J. L. de V., Coup d'oeil sur la 
numismatique en Portugal. S. 65—76. — C. 
Pires, Moedas romanas achadas na Idanha. S. 79 f. 

— J. L. de V., Acquisigöes do Museu Archeologico 
de Madrid; monetario da Biblioteca Nacional 
de Paris. S. 95. — J. L. de V., Vaso romano 
de Lagos. S. 96 (mit Abbildung). — J. L. de 
V., Excursäo archeologica ao Sul de Portugal. 
S. 103—134 (mit Tafel und 23 Abbildungen). 

— P. A. de Azevedo, Extractos archeologicos 
das »Memorias parochiaes de 1758«. S. 135 — 
153. — J. L. de V., Museu municipal de Bra- 
ganga. S. 153 — 155. — J. L. de V., Noticias 
varias [u. a. Urna funeraria. Monumentos histo- 



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J. M. Pereira Botto, Ichnographia parcial das 
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28. Oct Meeting of British School at Athens; 
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The British Architect (1898). 

4. Nov. G. E. Newberry, Excavations at 
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Archiv für Anthropologie. Fünfundzwanzigster 
Band (1898). 

Heft 4. F. V. Luschan, Ausgrabungen in Send- 
schirli (J. Ranke). S. 485 f. — Archiv für Reli- 
gionswissenschaft I (Th. Achelis). S, 494 f. — 
Wissenschaftliche Mitteilungen aus Bosnien und 
der Herccgovina. V (F. Birkner). S. 495 — 506. 

Archiv für Religionswissenschaft. Band I (1898). 

Heft 4. G. Polivka, Nachträge zur Polyphem- 

sage. S. 305—336. 378. — O. Marucchi, Gli 

obelischi egiziani di Roma (A. Wiedemann) 

s. 369—375- 

Archiv io storico per le provincie Napoletane. 
Bd. XXIII (1898). 

Fase. 3. B. Croce, Pulcinella ed il perso- 
naggio del Napoletano in commedia. S. 605 
— 668 [u. A. la quistione della derivazione dall' 
antichit^ classica. S. 622 — 634]. 
L'Arte (gia Archivio storico dell'arte). Anno I 
(1898). . 

Fase. I. 2. F. Herroanin, Alcuni avorj della 
collezione del conte StroganofT a Roma. S. i — 11. 

Fase. 3 — 5. G. Wilpert, Un capitolo di storia 
del vestiario: tre studii sul vestiario dei teropi 
posconstantiniani. S. 89 — 121 (mit Tafel). — 
A. Venturi, Di una nuova cassettina civile bizan- 
tina. S. 212 (mit Tafel). 

Fase. 6 — 9. H. Graeven, II rotulo di Giosue. 
S. 221 — 230. — E. Modigliani, Avorj dei bassi 
tempi rappresentanti una imperatrice. S. 365 
— 367. — C. Giovannoni, Porta (antica?) nella 
via del Gesü in Roma. S. 368 — 373. 
The Athenaeum (1898). 

No. 3698. F. Dillon, The temples at Philae. 
S. 361. 

No. 3701. H. J. Dukinfield Astley, Discovery 
of Roman pavements at Leicester. S. 459. 

No. 3702. L. Cust, History of the Society 
of Dilettanti (anon. Rec). S. 494 f. 

No. 3707. F. Haverfield, Roman roads in 
Britain [gegen den Artikel von Paley im Nine- 
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Anno 148, ser. III vol. IV (1898). 

Fase. I. 2. L. Rosati, II Saturno romano ed 
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Atti della «R. Accademia di archeologia di Napoli. 
Vol. XIX (1897-98). 

P. I. G. de Petra, II decimiano priroo. 19 S« 

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le Alpi. 44 S. — A. Sogliano, L' origine del 
'tablinum* secondo Varrone. 7 S. 

P. II. E, Gäbrici , Contributo alla storia 
della moneta romana da Augusto a Domiziano 
39 S. — G. Patroni, La culturas greca arcaica 
e le Statue dei tirannicidi. 38 S. (mit 2 Tafeln). 

— G. Patroni, La ceramica antica nell' Italia 
meridionale. 181 S. 

Atti deir Ateneo di Bergamo. Vol. XIII (1895 
—96). Bergamo, 1898. XLV, 394S. 80. [Darin: 
G. Mantovani, Notizie archeologiche bcrgomensi 
1891— 1895]. 

Atti e memorie della societ^ istriana di archeologia. 
Bd. XIV (1897). 

Fase. 3. 4. P. Sticotti, Epigrafi roroane. 

Blätter für das Gymnasial-Schulwesen , hrsg. vom 
bayer. Gymnasiallehrerverein. Vierunddreifsigster 
Band (1898). 

Heft IX. X. M. Collignon, Geschichte der 
griechischen Plastik II, übers, v. F. Baumgarten 
(H. L. Urlichs). S. 779. — Reber und Bayersdorfer, 
Klassischer Skulpturenschatz II i ~ 20 (H. L. Ur- 
lichs). S. 780. — H. Luckenbach, Abbildungen 
zur alten Geschichte (W. Wunderer). S. 78of. — 
K. Buresch, Aus Lydien (Th. Preger). S. 781 — 
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(J. Melber). S. 783 f. — Verhandlungen der 44. 
Philologen Versammlung (O. Stählin). S. 785 f. — 
G. Hertzog, Bericht über den archäologischen 
Kurs Bonn-Trier, Pfingsten 1898. S. 815—823. 

Boletin de la Real Academia de la Historia. Tomo 
XXXni (1898). 

Cuadernos l — III. G. Puig y Larrasz, Valor 
metrico de la milla romana. S. 80 — 90. — 
P. M. de Soraluce, Arqueologia romana de 
Guipüzcoa. S. 107 — 114. — El Marques de 
Monsalud, Nuevas inscripciones de Extremadura 
y Andalucfa. S. 150—160. 

Cuaderno IV. F. P. Garofalo, Intorno al 
passaggio di Annibale per le Alpi. S. 279 — 296. 
Cuaderno V. El Marques de Monsalud, Epi- 
grafia romana de Aragon y Extremadura. S. 401 
— 413 (mit Abbildung). — El Marques de la 
Vega y Armijo, Mosaicos descubiertos en Tönez. 
S. 4i3f. 



250 



Bibliographie. 



B ölet in de la Comisi6n provincial de monumentos 
(Orense). 1898. 

Nüm. 2. A. Vazque« Nunez, La epigrafia 
latina en la provincia de Orense. 

N(4in. 3. Dasselbe (Fortsetzung). 
The Builder. Volume LXXV (1898). 

Part IL The temple of Deir-el-Bahari. 
S. 121. — An example of late greek sculpture. 
S. 185. 

Part IV. The Discobolos statue. S. 283. 

— The Acanthus column at Delphi. S. 331 f. 
Bulletin de TAcademie royale des lettres et des 

beaux - arts de Belgique. 68 «« annee, 3 «»• 
Serie, tome 36 (1898). 

No. 7. Ch. Piot, Le camp de Labienus 
pendant la guerre des Trevires. S. 104 — 118. 
Bulletin archeologique du Comitc des travaux 
historiques et seien tifiques. Ann6e 1897. 

30 livraison. S. Reinach, Vases gallo- 
roroains d^couverts ä Saint-Quentin-la-Poterie 
(Card). S. XCIX. — E. Thoison, Decouvertcs 
gallo - romaines h. Larchant (Seine-et-Mame). 
S. 532 — 535. — Rapport sur les fouilles 
executees par le lieutenant Hilaire dans les 
Thermes de Numluli. S. 550—552. — St. Gsell, 
Inscriptions inedites de l'Algerie. S. 556 — 573. 
Bulletin de Correspondance Hellenique. Vingt- 
et-unieme annee (1898). 

Heft XII. £. Bourguet, Inscriptions de 
Delphes. Les comptes de l'archontat de Damo- 
chares. S. 477-496 (mit Tafel IX und XVIII). 

— E. Pottier, La Pcitho du Parthenon et ses 
origines. S. 497—509 (mit Tafel XII und einer 
Abbildung). — H. Weil, Le pean delphique h. 
Dionysos. S. 510—513 (mit 2 Abbildungen). — 
P. Perdrizet, Voyage dans la Macedoine premiere 
(suite). S. 511—543 (mit Tafel V— VIH und 
einer Abbildung). — Ph. E. Legrand, Fouilles 
de Trczenc. S. 543-551 (mit Tafel XIII und 
einer Abbildung). — G. Colin, Inscriptions de 
Thespics. S. 551—571. — P. Perdrizet, Le 
nouveau milliaire de Thespies. S. 572— 574. — 
G. Colin, Inscriptions de Kyparissia. S. 574 — 
576. — - P. Perdrizet, Steles de Delphes. S. 576 
bis 579 (mit Tafel XIX i). — Daressy, Stele 
funeraire du Musee de Gizeh. S. 579 (mit Tafel 
XIX 2). — Institut de correspondance hellenique 
(Homolle, L' aurige de Delphes. — Perdrizet, 
Steles de Delphes. — Fossey, Le temple de 
Zeus . Betocecien. — Cahen, Figurines de terre 
cuite representant des scenes d' allaitement. — 
Colin, Senatus-consulte de 1' annee 112 av. J. - 
C. trouve a Delphes. — Homolle, Ex-voto 



trouves ^ Delphes. i. La colonne de Naxos. 
2. Les tr^pieds de Gelon. 3. Statues du Thes- 
salien Daochos et de sa famille. 4. La chasse 
d* Alexandre. — Colin, Chronologie des 
archontes de Delphes et d* Athenes. — Perdrizet, 
Les bas - reliefs du theätre de Delphes. — 
Homolle, Ex-voto delphiques. 5. La colonne 
d' acanthe surmontee de caryatides dansant. — 
Perdrizet, Le mausolee d' Hermel. — Laurent, 
Plaques sculptees byzantines trouvees ä Delphes. 

— Homolle, Ex-voto trouves a Delphes. 7 [sie]. 
Le trophee des Messeniens. 8 [sie]. Trophcc 
de Paul -Emile vainqueur de Persce). S. 579 

— 623. 

Bulletin critique. I9e annee (1898). 

No. 24—25. L. Halkin, Les esclaves publics 
chez les Romains (E. Beurlier). S. 465 — 468. 

— L. Mallinger, Medee (L. Flandrin). S. 472 

—477. 

No. 30. E. Pottier, La peinture industrielle 

chez les Grecs. B.-H. Gausseron, L' art romain 

(H. Thedenat). S. 548—556. 

No. 32. R. Cagnat et P. Gauckler, Les 
monuments historiques de la Tunisie, I. Les 
temples palens (H. Thedenat). S. 584 — 587. 
Bulletin de la Diana [Montbrison]. Tome IX 
(1896— 1897). 

N. Thiollier, Moyens de nettoyer et de conser- 
ver les objets anciens trouves en terre. S. 18 — 
32. — V. Durand, Puits antique (gallo-romain) 
decouvert ^ AUieu. S. 58—68. — T. Rochigneux 
et E. Brassart, Une sepulture par ustion (du 
ler siecle de notre ere) decouverte ä Precieu, 
S. 68 f. 

Tome X (1898). 

Divers objets gallo-romains de la region de 
Montbrison, reproduits en gravure avec notices. 
S. 19—29. 
Bulletin monumental. Septieme serie, tome troi- 
sieme (1898). 

No. I. Ph. Lauzun, Inventaire general des 
piles gallo-romaines du sud-ouest de la France 
et plus particulierement du departement du 
Gers. S. 5 -68 (mit Tafel und 12 Abbildungen). 

— La cinquantaine de la Societe archeologique 
et historique de 1' Orleanais, S. 69 — 77. 

Bulletin de la Societe archeologique du Midi de 
la France [Toulouse]. Serie in 8° (1898). 

No. 21. Ch. Lecrivain, Inscription latine: 
dedicace k Mercure. S. 22. — Bcgouen, Monu- 
ments romains de Maktar (Tunisie). S. 58 f. — 
Desazars, L'art des Volsques Tectosages. S. 64 f. 

No. 22. Doublet, Traits de la rcligion 



Bibliographie. 



251 



gauloise conserves en Provence et dans Ic pays 
de Foix. S. 129 — 131. — Joulin, Les etablisse- 
ments gallo-romains de la plaine de Martres- 
Tolosane. S. 142 f. 
Bulletin de la Societe nationale des antiquaires 
de France (1898). 

2® trimestre. R. Cagnat, Inscriptions recem- 
ment trouv^s en Tunisie. S. 113— 119. — 
A. Blanchet, Vases en terre rouge trouves a 
Montans (Tarn). S. 122—126 (mit 5 Ab- 
bildungen). — P. Arnauldet, Vesta romaine. 
S. 129—133. — H. de Villefosse, Fouilles 
entreprises ä Martigny. S. 135 — 138. — Toutain, 
L'exploitation des mines et la metallurgie en 
Italic, au VI« si^cle ap. J.-C. S. 138—145 
[dazu J. Maurice S. 151 f.]. — H. de Villefosse, 
Inscription et enceinte romaine de Perigueux. 
S. 146 — 148. — A. Blanchet, Petite pyxide en 
OS. S. 150 f. — Michon, Tete de femme en 
marbre au Musee du Louvre. S. 159 f. — 
Daguin, Fouilles executees sur l'emplacement 
de la ville gallo-romaine de Vertillum. S. 161. 

— R. Cagnat, Caveau funeraire decouvert a 
Henchir-Msadin. S. 170 f. — Michon, Inscription 
romaine recemment decouverte en Palestine. 
S. 172 f. — H. de Villefosse, Oscillum en marbre 
blanc. S. 175 f. 

3« trimestre. H. de Villefosse, Oscillum en 
marbre blanc [Schlufs]. S. 177— 181 (mit 2 
Abbildungen). — H. de Villefosse, Inscriptions 
de Cherchel et de Bastia. S. 189 — 192. — 
Vicomte de Rouge, Les fouilles entreprises par 
M. Amelineau k Abydos. S. 194—199. — 
D'Arbois de Jubainville, Esus et Tarvos Triga- 
ranus. S. 199 — 202. — H. de Villefosse, 
Inscriptions latines de l'Algerie. S. 204—206. 

— H. de Villefosse, Fouilles d'Henchir-el- 
Msä'ldin (l'antique Furni). S. 206—214 (mit 
Tafel und Abbildung) [Mosaiken und Inschriften]. 

— H. de Villefosse, Tete de lion, mascaron de 
bronze trouve a Chassart-Tfaah (Tunisie). S. 214 
(mit Abbildung). — Dumuijs, Inscription chre- 
tienne d'Orleans. S. 219. — P. Gauckler, Deux 
inscriptions de la Tunisie. S. 223 f. — H. de 
Villefosse, L'emplacement du temple de Ceres 
ä Carthage. S. 227. — Carton, Marc Aurele, 
tete en bronze trouvec ä Stora. S. 232 — 239 
(mit 3 Abbildungen). — Capitan, Pierre gravee 
avec inscription. S. 263. — R. Cagnat, 
Inscription decouverte a Brian^onnet. S. 263 — 
265. — F. Daguin, Venus Anadyomene, bas-relief 
calcaire. S. 265 f. — R. Cagnat, Inscriptions 
de la Tunisie. S. 266 — 270. — Ch. Ravaisson- 



Mollien, La Venus de Milo. S. 272 — 274. — 

E. Babelon, Camee antique. S. 275. 288—290. 

— P. Gauckler, Le type statuaire de Saturne 
africain. S. 282. — Michon, Une pretendue 
mosafque antique [Herakles bei den HesperidenJ. 
S. 283 — 286. — E. Babelon, Deux statuettcs de 
bronze. S. 290. — P. Gauckler, Sarcophage 
du Musee du Bardo [Musensarkophag]. S. 290 
— 292. — Delattre, Auge funeraire romaine 
de l'ile de Zembra (l'ancienne Ägimurus). 
S. 292f. — Prou, Stele funeraire romaine. S. 296. 

Western Reserve University Bulletin (1898). 

April. H. N. Fowler, Portraits of Virgil. 
S. 28—37. 

Bulletin et Memoires de la Societe archeolo- 
gique et historique de la Charente [Angoullme], 
VIe Serie, tome VI (1896) [erschien 1897]. 

A. Farrand, Etablissement gallo -romain de 
Bellevue (Charente). S. XXVIII— XXX. — 
Cimetiere barbare de St. Germain, commune 
de St. Front S. XXX VIII — XLVIL — 
R. du Vignaud, Cimetiere gallo -romain de 
Chez-chante, commune de Messeux. S. LI 

— LIV. — Ph. Delamain, Les cimetieres bar- 
bares de St. Germain et d'Herpes. S. LX 
-LXIL 

Bulletins de la Societe d' Anthropologie de 
Paris. IVe serie, tome neuvieme (1898). 

Fase. 3. Vauville, Ossement humain, du 
cimetiere gallo -romain de Soissons. S. 270 
—272. 

Bullettino di archeologia e storia dalmata. 
Anno XXI. 

n. 7 — 9 (luglio-settembre). F. Bulid, I SS« 
Anastasio e Dojmo martiri Salonitani. S. 113 
— 132. — Kirsch, II sarcofago di L, Aurelio 
Hilaro nel museo di Spalato. S. 132 — 141. — 

F. Buliö, Iscrizioni inedite: Salona. S. 141 

— 148. — Le gemme del Museo in Spalato 
acquistate nell'anno 1897 (cont.). S. 148—152. 
[Forts. Hft 10. II S. 165 f.] — J. Buliö, 
Sepolcreto preistorico a Postranje d'Imotski. 
S. 152-157 (mit Tafel V— VIII). — Fr. Buli<5, 
Ritrovamenti antichi risguardanti la topografia 
urbana dell' antica Salona. S. 157 — 160. 

n. 10. II (ottobre -nov.). Fr. Buliö, Iscri- 
zioni inedite (ager Salonitanus. Salona). S. 161 — 
164. — Descrizione dcUe lucerne fittili che furono 
acquistate dal Museo di Salona nell'anno 1897. 
S. 166—168. — Fr. Buliö, Ritrovamenti antichi 
suir isola di Solta. S. 183-189. — Fr. 
Buliö, Notizie antiquarie. Ritrovamenti antichi 
a Cittavecchia (Pharia) di Lesina. S. 200. 



252 



Bibliographie. 



Nuovo Bullettino di archeologia cristiana. 
Anno IV (1898). 

N. I. 2. C Villani, Epigrafe consolare 
ritrovata a S. Paolo. S. 5—8. — G. Elisei, 
Di un sarcofago cristiano del sec IV trovato 
a Perugia nel sec. XIV e servito di sepolcro 
al b. Egidio di Assisi. S. 9—23. — O. Ma- 
ruccbi, Un nuovo frammento di sarcofago 
cristiano recentemente collocato nel Museo Pio- 
Lateranensc. S. 24—30 (mit Tafel I). — 
E. Stevenson, Scavi nel cimitero di Domitilla. 
S. 31 — 41. — O. Marucchi, Conferenze di 
archeologia cristiana. S. 43 — 59. — E. Ste- 
venson, L'arca di Lucina sulla via Ostiense. 
S. 60-76 (mit Tafel V). — G. Bonavenia, 
Cimitero di Basilla« Osservazioni intomo alla 
cripta e alle iscrizioni storiche dei SS. Proto 
e Giacinto. S. 77-93 (mit Tafel VI). — 
Notizie: Scoperte nel monastero e nella basi- 
lica di S. Paolo; Di un altro avorio spettante 
al paliotto di Salemo (E. Stevenson). Scavi 
neir antica basilica suburbana di S. Agapito 
presso Palestrina. S. 94—98. — O. Marucchi, 
Necrologia di E. Stevenson. S. 107. 
Bullettino di paletnologia italiana. Serie III, 
tomo IV. Anno XIV (1898). 

N. 7 — 9. P. Orsi, Minieri di selce e sepolcri 
eneolitici a Monte Tabuto i Monteracello. 
S. 165-206 (mit Tafel XX— XXII). — Colini, 
U sepolcreto di Remidello Sotto nel Bresciano c 
il periodo eneolitico in Italia. S. 206—260. 
Literarisches Ccntralblatt (1898). 

Mo. 36. Modestov, De Siculorum origine 
(li). Sp. 1477 f. — Ch. Daremberg et Edm. Sa- 
glio, Dictionnaire des antiquites grecques et 
romaines (R. M.). Sp. 1492— 1494. 

No. 37. F. Haug und G. Sixt, Die römi- 
schen Inschriften und Bildwerke Württembergs 
(A. R.). Sp. 1525. 

No. 38. G. Thiele, Antike Himmelsbilder 
(Anon. Rec), Sp. 1557 f. 

No. 39. A. Trendelenburg, Bendis (E. B.). 
Sp. 1589. 

No. 40. W. S. Ferguson, The Athenian 
secretaries (— r). Sp. 1606 f. — W. J. Wood- 
house, Aetolia (E. Zb.). Sp. i6iof. — S. 
Reinach, Repertoire de la statuaire III. (Ad. 
M— s.). Sp. 1624— 1626. 

No. 41. A. Mommsen, Feste der Stadt 
Athen (E. B.). Sp. 1656. — R. Wünsch, Sethia- 
nische Verfluchungstafeln (anon. Rec). Sp. 1656. 

No. 43. A. Philippson, Thessalien und 
Epirus (anon. Rec). Sp. 1721. — Commeu- 



tationes philologicae J. W. Pomialowski dar- 
gebracht (li.). Sp. 1732 f. 

No. 44. Aegyptische Urkunden aus den 
Kgl. Museen zu Berlin. Griechische Urkunden 
II 10—12. III I (B.). Sp. 1757. 

No. 45. M. W. O'Connor, Hannibal (K. 
J. N.). Sp. 1781 f. — E. Petersen, Vom alten 
Rom (fs.). Sp. 1795^- 

No. 46. E. Ciccotti, II traroonto della schia- 
vitü nel mondo antico (anon. Rec). Sp. 18 14 f. 

— F. MUnzer, Beiträge zur Quellenkritik der 
Naturgeschichte des Plinius. (Gn.). Sp. 1829 f. 

No. 47. P. de Rohden et H. Dessau, 

Prosopographia imperii Romani III (G.W a). 

Sp. 1853 f. 
The Century (1898). 

July. C. van R. Deartfa, An artistic treasure 
from Spain [Die Büste aus Elche]. S. 436 — 438 
(mit Abbildung). 

October. A. L. Frothingham, The Roman 
Emperor and his arch of triumph [der Traians- 
bogen zu Benevent]. S. 859—865 (mit 5 Abbil- 
dungen). 
The Ninetcenth Century (1898). 

No. 261. W. B. Paley, The roman roads 
of Britain. S. 840—853 (mit Karte). 
The Daily Chronicle (1898). 

5. Nov. Roman cemetery near Namur. 
The Numismatic Chronicle. Third Series (1898). 

Part III (No. 71). G. Macdonald, The 
legend lATON on coins of Himera. S. 185 
— 192. — J. P. Six, Monnaies grecques ine- 
dites et incertaines (suite). S. 193—245 (mit 
Tafel XV). — G. F. Hill, Posidium in Sj-ria. 
S. 246—250 (mit Abbildung). — H. Weber, 
A small find of coins of Mende &c. S. 251 
—258 (mit Tafel XVI). — E. Babelon, Les 
origines de la monnaie (G. F. H.). S. 278 f. 
La Chronique des Arts et de la curiosite 
(1898). 

No. 30. S. Reinach, Un mot sur la to- 
pographie de Milo. S. 273. 

No. 33. Les fouilles de Timgad. S. 302. 

No. 34. Le musee de Berlin. S. 313. 
Academie des inscriptions et belies - lettres. 
Compte rendus des seances de 1' annee 
1898. Quatrieme serie, tome XXVI (1898). 

Mai-juin. van Berchem, Note sur les fon- 
dations du phare d* Alexandrie. S. 339 — 345. 

— Clermont-Ganneau, Le mazrah et les curiae, 
collcgia ou ordines carthaginois dans le tarif 
des sacrißces de Marseille et dans les inscrip- 
tions neo-puniques de Maktar et d' Altiburos. 



Bibliographie. 



253 



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Lambese. S. 383—387. — E. Babelon, Les 
monnaies de Madaba, au pays de Moab. 
S. 388—394 (mit 4 Abbildungen). — S. Rei- 
nacb, Aphrodite et Adonis, groupe du Musee 
de Sofia. S. 398 [als Copie nach Praxiteles be- 
zeichnet]. — Collignon, Le cinquantenaire de 
r Ecole fran^aise d'Athenes. S. 399 — 402. — 
Ph. Berger, Les inscriptions neopuniques 
trouvees sur V emplacement du temple phe- 
nicien de Maktar en Tunisie. S. 402 f. — 
Clermont-Ganneau, Le cippe phenicien du Rab 
Abdmiskar. S. 403—408. — Oppert, Alexan- 
dre k Babylone. S. 413—446. — Clerc, 
Note sur V inscription phenicienne d' Avignon. 
S. 446—452. 

Juillet - aoüt. P. Foucart, Beeret d' Athcnes 
[386 V. Chr. zu Ehren eines Odryserkönigs]. 
S. 465. — A. Joubin, Note sur le Musee Im- 
perial de Constantinople. S. 466—469. — 
G. Schlumberger , Coffret d' ivoire byzantin. 
S. 478. — Ravaisson, Observation sur le Pan- 
theon. S. 478 f. — Dieulafoy, Fouilles de 
Martres -Tolosanes [römische Villa]. S. 479 f 

— St. Gsell, Le mausolee de Blad-Guitoun. 
S. 481—499 (mit 14 Abbildungen). — P. 
Gauckler, Note sur la Civitas Avioccalensis 
(Sidi-Amara) et sur un nouveau legat du pro- 
consul d' Afrique. S. 499 — 506. — Gr. Toci- 
lesco, Fouilles et recherches archeologiques 
en Roumanie. S. 5iof. — Clermont-Ganneau, 
Ampbores ä epigraphes grecques et jarre a 
epigraphe semitique provenant d' un s^pulchre 
phenicien. S. 521 — 526 (mit Tafel). — E, 
Babelon, La numismatique et la Chronologie 
des dynastes de Characene. S. 530—532. — 
Deveria, Monnaies pretendues greco-chinoises. 
S. 533. — S. Reinach, Le corail dans V anti- 
quite. S. 533. — Clermont-Ganneau, Deux 
lampes en terre cuite. S. 535. — Delattre, 
Fouilles de Orthage [dazu J.-B. Chabot und 
Clermont-Ganneau]. S. 550 — 558 (mit Tafel). 

— Clermont-Ganneau, Sur deux inscriptions 
funeraires de Palmyre. S. 558 — 566 (mit Ab- 
bildung). — J. Oppert, Le droit de retrait 
lignager h Ninive. S. 566—592. 

The Echo (1898). 

14. Nov. Excavations at Jerusalem; drai- 
nage system. 
Gazette des Bcaux-Arts. 3« periode, tome ving- 
tieme (1898). 

495e livraison. R. Cagnat, La rcsurrection 
d' une ville antique: Timgad (i«' article). 
Archiologlscher Anzeiger 1898. 



S. 209 — 220 (mit Tafel und 6 Abbildungen). 

496« livraison. R. Cagnat, La resurrection 
d' une ville antique: Timgad (2™* article 
[Schlufs]). S. 281—292 (mit 6 Abbildungen). 

4976 livraison. S. Reinach, Courrier de 
l'art antique. S. 421 — 440 (mit 16 Abbil- 
dungen). 
Globe (1898). 

24. Nov. Roman hospital at Baden 
(Switzerland). 
Globus. Bd. LXXIII (1897). 

No. 24. £. H. L. Krause, Zur Würdigung 
der alten Abbildungen europäischer Wildrinder 
[über die Becher von Vaphio]. 
Bd. LXXIV (1898). 

No. 13. Ch. L. Henning, Die neuesten 
Forschungen über die Steinzeit und die Zeit 
der Metalle in Ägypten. S. 208—211 (mit 
6 Abbildungen). 
Das humanistische Gymnasium. Neunter Jahrgang 
(1898). 

Heft III. IV. F. Schoell, Otto Ribbeck. 
S. 155 — 162. — Denkmäler griechischer und 
römischer Skulptur für den Schulgebrauch 
hrsg. von A. Furtwängler und H. L. Urlichs 
(F. Rosiger). S. 186 f. 
Glasgow Herald (1898). 

14. Nov. Gold Ornament room in British 
Museum. 
Hermes. Dreiunddreifsigster Band (1898). 

Heft 4. U. V. Wilamowitz - MoellendorfT, 
LesefrUchte. S. 513—533 [No. I handelt von 
Zeus Aphesios. V. über Paus. III. 25. XVIII. 
Zum Arch. Jahrb. XI 103]. — A. Schulten, 
Römische Flurkarten. S. 534 — 565 (mit 12 
Abbildungen). — C. Robert, Aphoristische 
Bemerkungen zu Aristophanes Vögeln. S. 566 
— 590. — A. Hock, Die Söhne des Kerse- 
bleptes von Thrakien. S. 626 — 637. — L. D. 
Barnett, Der goldene Hund des Zeus und die 
Hochzeit des Laertes auf griechischen Vasen. 
S. 638—643. — Ed. Meyer, Die makedonischen 
Mititärcolonien. S. 643 — 647. — Ed. Meyer, 
Die angebliche Centurienreform Sullas. S. 652 
— 654. — H. Willrich, Eine neue Inschrift zur 
Geschichte des ersten mithradatischen Krieges. 
S. 657— 661. — F. Pichlmayr, L. Norbanus 
Lappius Maximus. S. 664 f. — Th. Mommsen, 
Der Tribun Tillius. S. 665—667. 
Jahrbuch des Kaiserlich Deutschen Archäolo- 
gischen Instituts. XIIL Jahrgang (1898). 

Heft 4. R. Förster, Skulpturen von Anti- 
ochia. S. 177 — 191 (mit Tafel ii und 8 

19 



254 



Bibliographie. 



Abbildungen). — A. Michaelis, Eine verschollene 
Statue des thronenden Zeus. S. 192—200 
(mit 4 Abbildungen). — E. Pernice, Korin- 
thische Schale in Jena. S. 200—202 (mit 
Tafel 12). 

Archäologischer Anzeiger Nr. 4: Conze, 
Kaiserlich ottomanisches Museum in Pergaraon. 
S. 221 f. — J. Partsch, Der Flächeninhalt von 
Antiochia. S. 223. — Sitzungsberichte der 
Archäologischen Gesellschaft zu Berlin. 1898. 
November. Winckelmannsfest (mit Abbildung). 
S. 224 — 234. — Erwerbungen des British Museum 
im Jahre 1897. S. 234—239. — A. Michaelis, 
Neue Gipsabgüsse. S. 239. — Institutsnach- 
richten. S. 239 — 241 — Zu den Institutsschriften. 
Nachtrag (R. Förster). S. 241 f. — Bibliographie. 
S. 242 — 263. — Register (I. Sachregister. IL 
Inschriftenregister. III. Register zur Biblio- 
graphie. [I. Autoren. II. Zeitschriften]). S. 
264 ff. 
Neue Jahrbücher für das klassische Altertum, 
Geschichte und deutsche Littcratur, und für 
Pädagogik. Erster Jahrgang (1898). 

Heft 6/7. F. Studniczka, Die Siegesgöttin. 
Entwurf der Geschichte einer antiken Ideal- 
gestalt. S. 377—403 (mit 12 Tafeln). — 
K. Buresch, Aus Lydien (W. Rüge). S. 470 
— 475. — M. Fickelscherer, Die Königsstan- 
darte bei den Persern. S. 480. 
Preufsische Jahrbtlcher. Dreiundneunzigster Band 
(1898). 

Heft III. H. Winnefeld, Römische Villen 
der Kaiserzeit. S. 457 — 470. 

Vierundneunzigster Band (1898). 
Heft I. K. Zacher, Antisemitismus und Phi- 
losemitismus im, klassischen Alterthum. S. 1—24. 
Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen 
Instituts in Wien. Band I (1898). 

Heft 2. R. V. Schneider, Oinochoe aus 
Eretria. S. 143—148 (mit Tafel IV und 4 
Abbildungen). — A. Wilhelm, Ein Vertrag des 
Maussollos mit den Phaseliten. S. 149 — 162 
(mit Abbildung). — E. Bormann, Neue Militär- 
diplome. S. 162—180 (mit 8 Abbildungen). 
— F. Cumont, Ein neues Psephisma aus Am- 
phipolis. S. 180—184 (mit Abbildung). — 
W. Kubitschek, Heroenstatuen in Ilion. S. 184 
— 189 (mit 2 Abbildungen). — P. v. Bicü- 
kowski. Zwei Sculpturen der praxitelischen 
Schule. S. 189-191 (mit Tafel V). — O. 
Benndorf, Stiertorso der Akropolis. S. 191 — 
196 (mit 5 Abbildungen). — E. Szanto, Bronze- 
inschrift von Olympia. S. 197 — 212 (mit 



Tafel VI. VII). — ü. Köhler, Zur Bilin^uis 
von Isinda in Lykien. S. 212 — 214. 

Beiblatt. F. Hiller v. Gaertringen und 
£. Kaiinka, Weihung einer koischen Schiffs- 
mannschaft in Samothrake? Sp. 89 — 96. — 
E. Kaiinka, Zu Kleinasiatischen Inschriften. 
Sp. 95—98. — R. Weifshäupl, Alterthümer in 
Pola und Umgebung. Sp. 97—106 (mit 8 
Abbildungen). — E. Kaiinka, Antiken zu 
Perinth. Sp. 105 — 122 (mit 23 Abbildungen). 
— C. Patsch, Piombo der legio XI Claudia 
p. f. aus Gardun. Sp. 121 — 124 (mit 3 Ab- 
bildungen). — H. Maionica, Inschriften in 
Grado (Forts.). Sp. 123-138 (mit 17 Abbil- 
dungen). — H. Vysoky, Archäologische Mis- 
cellen. i. Hermes mit dem Beutel. 2. Zum 
sogenannten Senecakopfe. 3. Repliken praxi- 
telischer Werke. Sp. 139—144. — A. v. Prc- 
merstein, Die Anfänge der Provinz Moesien. 
Sp. 145—196 (mit Karte). — A. Wilhelm, 
Zur Bronzeinschrift von Olympia. Sp. 195 — 
198. — Michael Glavinid. Sp. 197 f. 
The Independent (1898). 

March 31. L. Borchardt, Tombs of the 
first Egyptian dynasty. 

May 5. Where Paul prcached in Corinth 
[Entdeckung der alten Synagoge der Hebräer]. 

June 9. R. B. Richardson, The excavations 
at Corinth. 

June 16. The graffito of the house of 
Tiberius in the palace of the Caesars. 

June 23. R. B. Richardson, The semi- 
centennial of the French School at Athens. 
American Journal of Archaeology. Second 
Series. Volume I (1897). 

Number 6. R. B. Richardson, The excava- 
tions at Corinth in 1896. S. 455 — 480 (mit 
Tafel XIV— XVU und 4 Abbildungen). — 
F. C. Babbitt, The theatre at Corinth. S. 481 
-494 (mit Tafel XVIII— XXIV und 3 Ab- 
bildungen). — H. F. de Cou, A Roman buil- 
ding in Corinth. S. 495—506 (mit Tafel 
XXV. XXVI). — R. Norton, Two reliefs 
from Assos. S. 507—514 (mit Tafel XXVII 
und einer Abbildung). — H. N. Fowler, Bi- 
bliography of current archaeological literature 
1897. S. 525—580. 
The Archaeological Journal. Volume LV (1898). 

No. 219 (2. Series Vol. V No. III). B. 
Lewis, The mosaic of Monnus. S. 203 — 258 
(mit 2 Tafeln). 
Journal Asiatique. Ncuvieme Serie, tome XI 
(1898). 



r 



Bibliographie. 



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No. I. J.-B. Chabot, Notes d' epigraphie 
et d' archeologie Orientale (suite), S. i68 — 123 
(mit 2 Facsimile- Beilagen) [griechisch - palmy- 
renische Inschriften]. 

No. 3. Clermont-Ganneau, Observations 
sur les nouvelles inscriptions nabateennes de 
Petra. S. 523—535. 
The Journal of the British Archaeological Asso- 
ciation. N. S. Vol. IV (1898). 

Part III. J. D. Leader, Pigs of lead of 
the Roman period in Britain. S. 267 — 271 
(mit 2 Abbildungen). — W. de Gray Birch, 
On Roman inscribed pigs of lead found in Great 
Britain. S. 272 — 275. — Discovery of Roman 
pavements at Leicester. S. 289 — 291 (mit 
Tafel und 2 Abbildungen). 
The Builder's Journal (1898). 

9. Nov. Director's report of British School; 
excavations at Phylakopi. — G. E; Newberry, 
Excavations at Thebes (Egypt). 
Journal des Savants (1898). 

Septembre. W. Dörpfeld und E. Rcisch, 
Das griechische Theater (G. Perrot) 4. article. 
S. 509—522. — B. Borghesi, Oeuvres completes, 
tome X (R. Cagnat). S. 542—550. 

Octobre. A. Bertrand, La religion des 
Gaulois (G. Boissier). S. 573—580. — W. 
Dörpfeld und E. Reisch, Das griechische 
Theater (G. Perrot, 5. article). S. 581—600. 
— J. A. Knudtzon, Assyrische Gebete an den 
Sonnengott (G. Maspero). S. 600 — 614. 
Neues Korrespondenz-Blatt für die Gelehrten- 
und Realschulen Württembergs. Fünfter Jahr- 
gang (1898). 

Heft 9. F. Hoppe, Bilder zur Mythologie 
und Geschichte der Griechen uud Römer 
(Th. Klett). S. 351. — E. A. Freeman, Ge- 
schichte Siciliens (O. Treuber). S. 353. 
Korrespondenzblatt der Westdeutschen Zeit- 
schrift für Geschichte und Kunst. Jahrgang 
XVII (1898). 

No, 8. Neue Funde: (67) Heddernheim. 
Zwei Inschriften aus dem ersten Mithraeum 
(Lchner). Sp. 129— 131. — (68) Ausgrabungen 
an der Lippe. Sp. 131 f. 

No. 9. Neue Funde: (76) Mainz, Römische 
Grabdenkmäler (Körber). Sp. 145—148. — 
Miscellen: (79) Lustratio exercitus auf einer 
Mainzer Inschrift (Brambach 102 1) (v. Domas- 
zewski). Sp. 153—155. 
Kunstchronik N. F. X. Jahrgang' (1898). 

No. 5. E. Petersen, Vom alten Rom (St.). 
Sp. 68—70. 



Limesblatt (1898). 

No. 30. [184] Erdkastell Heidekringen (E. 
Ritterling). Sp. 809-813. — [185] Helden- 
bergen, Fortsetzung zu No. 182 [in No. 29] 
(G. Wolff). Sp. 813—815. — [186] Strafsen- 
forschung im Jahre 1867 (Wolff). Sp. 815 
— 822. — ['87] Württemberg, Obergermani- 
scher Limes (G. Sixt). Sp. 823 f. (mit Ab- 
bildung). 

Deutsche Litteraturzeitung. XIX. Jahrgang 
(1898). 

No. 35. J. Oeri, Die attische Gesellschaft 
in der neueren Komödie der Griechen (J. 
Geffcken). S. 1362 f. — R. Borrmann, Die 
Keramik in der Baukunst (O. v. Falke). 

Sp. 1375-1377. 

No. 36. Römische Quartalschrift X. XI 
(F. X. Funk). Sp. 1387—1390. 

No. 37. P. Odelberg, Sacra Corinthia 
Sicyonia Phliasia (£. Maafs). Sp. 1424 f. — 
Th. Schreiber, Die Wandbilder des Polygnotos 
L (J. Sieveking). Sp. 1438—1441. 

No. 38. ^A^{JiavTioc, Tijviaxci (A. Thumb). 
Sp. 1458 f. 

No. 40. F. Staehelin, Geschichte der klein- 
asiatischen Galater (E. Fabricius). Sp. 1529 

— 1531. 

No. 42. E. Ermatinger, Die attische Au- 

tochthonensage (U. v. Wilamowitz-Moellendorflf). 

Sp. 1596. — H. Brunn, Kleine Schriften. 

Bd. 1 (E. Petersen). Sp. 1609-1612. 

No. 43. Revista de Archivos, Bibliotecas y 
Museos I I — 12 (E. Hübner). Sp. 1631 — 
1634. — C. O. Tiele, Geschichte der Religion 
im Altertum, deutsch von G. Gehrich. I. 
(E. Maafs). Sp. 1635 f. — W. S. Ferguson, 
The Athenian secretaries (H. Swoboda). 
Sp. 1644 f. 

No. 44. F. Cumont, Hypsistos (A. Deifs- 
mann). Sp. 1665 f. — R. Fisch, Tarracina- 
Anxur und Kaiser Galba (E. Klebs). Sp. 1681 
— 1683. — O. Holder, Die Formen der rö- 
mischen Thongefilfse (K. Schumacher). Sp. 1695 f. 

No. 45. R. Wuensch, Selhianische Ver- 
fluchungsformeln (W. Kroll). Sp. I7i9f. — 
Ed. Meyer, Die Sklaverei im Altertum (R. 
Pöhlmann). Sp. 1723 f. 

No. 46. P. Weise, Über den Weinbau der 
Römer (H. Morsch). Sp. 1755 f. 

No. 47. Pauly-Wissowa, Realencyklopädie 
der klassischen Altertumswissenschaft (E. Maafs). 
Sp. 1798. 
Mcmoires de la Societe d* agriculture, commerce 

19* 



256 



Bibliographie. 



Sciences et arts du departement de la Marne 

[Chälons-sur-Marne] (1897). 

A. Nicaise, La sepulture gauloise a incine- 

ration ä Cernon-sur- Coole (Marne). S. 143 

— 146 (mit 2 Tafeln). 
Memoires de la Societe nationale d' agriculture, 

Sciences et arts d'Angers. IV« Serie, tome XI 

(1897) [erschien 1898]. 

Jouitteau, Sur les cachets, marques de fa- 

brique de potiers romains, recueillis sur le 

mont Testaccio ä Rorae. S. 371—377. 
Liverpool Mercury (1898). 

5. Nov. Collar of gold found in Cham- 

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Mittheilungen des Kaiserlich Deutschen Archäo- 
logischen Instituts, Athenische Abtheilung. 

Band XXUI (1898). 

Heft 2. 3. L. Pollak, Priamos bei Achill. 

S. 169—177 (mit Tafel IV). — G. Weber, 
Die Flüsse von Laodicea. S. 178 — 195. — 
E. Ziebarth, Die Strabon-Scholien des Cyria- 
kus von Ancona. S. 196 — 201. — Xt. N. 
Apoyo'jfjLT^C, Ufzpaia iirtypa^p^ toO Mouacfou. 
S. 202—204 (rait Abbildung). — H. von 
Prott, Enneakrunos, Lenaion und Aiovucnov 
h A{{jLva(c. S. 205—231. — F. Hiller von 
Gaertringen, Einige vergessene Amphorenhenkel 
aus Rhodos. S. 232 — 234. — W. Amelung^ 
Schiedsgericht zwischen Poseidon und Athene. 
S. 235 — 241. — F. von Bissing, Stierfang auf 
einem ägyptischen HolzgefSfs der XVIII. Dy- 
nastie. S. 242—266 (mit Tafel VII— VIII und 
3 Abbildungen). — P. Wolters, Epigramm aus 
Smyrna. S. 267—270. — O. Rubensohn, 
Kerchnos. S. 271—306 (mit Tafel XIII. XIV 
und 6 Abbildungen). — Th. Wiegand, Das 
Theater zu Priene. S. 307—313 (mit Tafel 
XI). — R. Herzog, E. Ziebarth, Das Theater 
von Neu-Pleuron. S. 314—325 (mit Tafel 
XII. XII a und 5 Abbildungen). — W. Dörp- 
feld, Das griechische Theater Vitruvs. II. 
S. 326—356. — Litteratur. S. 357 f. — 
Funde. S. 359—367. — H. von Prott, Nach- 
trag. S. 367 f. 

Römische Abtheilung. Band XIII (1898). 
Heft 3. N. Persichetti, Alla ricerca della 
via Caecilia. S. 193 — 220 (mit Tafel VII 
[Karte] und 3 Abbildungen). — A. Schulten, 
Libello dei coloni d' un demanio imperiale in 
Asia« S. 221—247. — A. Michaelis, Monte 
Cavallo. S. 248—274 (mit Tafel VIII und 
5 Abbildungen). — G. Stuhlfauth, Bemerkungen 
von einer christlich- archäologischen Studien- 



reise nach Malta und Nordafrika. S. 275 — 
304 (mit Tafel DC. X und 3 Abbildungen). 

Mittheilungen aus der historischen Litteratur. 
XXVI. Jahrgang (1898). 

Heft 4. A, V. Cohausen, Die Befestigungs- 
weisen der Vorzeit und des Mittelalters (E. 
Heydenreich). S. 391 — 396. — C. Willing, Die 
Thaten des Kaisers Augustus (E. Heydenreich), 
S« 397- — O. Seeck, Geschichte des Untergangs 
der antiken Welt. I. (F. Hirsch). S. 397—400. 

Mnemosyne. N. S. Volumen XXVI (189S). 
% Pars IV. J. C. Naber, Observatiunculae 
de iure Romano (cont.). S. 360—372. 

österreichische Monatsschrift für den Orient. 
XXIV. Jahrgang (1898). 

No. 8. H. Feigl, Altsyrische Baukunst. 
Die Ausgrabungen von Sendschirli-Jadai. IL 
S. 87 — 90 (mit 7 Abbildungen). 

No. 10. Das Grab Amenophis II. S. 121. 

— Ausgrabungen in Nippur. S. 121 f. 
Le Musec beige. II (1898). 

No. I. Le Ballet, Les constitutions oligar- 
chiques d' Athencs sous la revolution de 412 
— 411. S. I— 31. — J. de Groutars, Les 
Italo-Grecs, leur langue et leur origine. IL 
S. 32—48. 

No. 2. L. de la Vallee Poussin, La Grcce 
et r Inde. S. 127 — 152. — A. Rocgiers, Un 
passage d' Aristoxene et le pretendu concu- 
binat legitime des Athcniens. S. 153 — 159. 
Rheinisches Museum für Philologie. N. F. 
53. Band (1898). 

Heft 4. F. MUnzer, Caeles Vibenna und 
Mastarna. S. 596—620. — O. Rofsbach, Die 
Olympischen Solymer. S. 629 f. — E. Zie- 
barth, Epigraphische Miscellen. S. 633 — 635. 

— F. Vollmer, Epigraphica. S. 636—638. — 
A. V. Domaszewski, Der Staatsstreich des 
Septimius Severus. S. 638 f. — W. H. Röscher, 
Berichtigungen und Nachträge zu S. 169 fr. 

Nachrichten über deutsche Alterthumsfunde. Neun- 
ter Jahrgang (1898). 

Heft 3. Lehner, Bericht über die Verwaltung 
des Provincial-Museums zu Trier in der Zeit 
vom I. April 1897 bis 31. März 1898. S. 38 
—40. — Klein, Bericht über die Thätigkeit 
des Provincial-Museums zu Bonn [in derselben 
Zeit]. S. 41 — 45. — Koehl, Neue prähistorische 
Gräberfelder bei Wachenheim und bei Rhein- 
dUrckheim in Rheinhessen. S. 45 — 47. 
Die Nation. 15. Jahrgang (1898). 

Nr. 40. O. Hartwig, Das römische Sicilien. 
S. 575 f. 



Bibliographie. 



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S. 586—589. 
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15. Nov. Roman remains sit Hammersmith; 
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Giugno. Regione XI (Transpadana). i. Can- 
diolo. Necropoli romana riconosciuta fuori 
dcir abitato (S. Ricci). S. 225 f. — Regione 
VIII (Cispadana). 2. Castelfranco nell* Emilia. 
Ripostiglio di pani di rame scoperti in contrada 
Cappella (E. Brizio). S. 226—232 (mit 6 Ab- 
bildungen). — Nuove scopertc di antichitä nel 
fondo Pradella (E. Brizio). S. 232. — 3. Qua- 
derna. Antichitä romane scoperte nell' area 
deir antica cittä di »Claterna« nel comune di 
Ozzano dell' Emilia in provincia di Bologna 
(E. Brizio). S. 233 — 236 (mit 2 Abbildungen). 

— Regione VI (Umbria). 4. Cesi. Tombe di 
eta romana rinvenute in contrada Fönte d'Apollo. 
Avanzi di antichi edifici riconosciuti nei vocaboli 
S. Zenone e Molinella. Tombe romane rinvenute 
nclla localita detta Faraglia (N. Persichetti). 
S. 2 36 f. — Regione V (Picenum). 5. Monte- 
rubbiano. Musaico romano rinvenuto nel terri- 
torio del comune (G. Gabrielli). S. 237. — 
Regione VII (Etruria). 6. Arezzo. Di un antico 
pozzo esplorato nella parte alta della citta, 
presso la cattedrale (G. F. Gamurrini). S. 238 
— 240. — Roma« 7. Nuove scoperte nella 
citta e nel suburbio (L. Borsari). S. 240 — 256. 

— Regione I (Latium et Campania). Campania. 
14. Pompei. Relazione degli scavi fatti nel mese 
di giugno 1898 (A. Sogliano). S. 256 f. — 
Sicilia. 9. Spadafora. Fornace antica scoperta 
presso Spadafora (provincia di Messina) (A. 
Salinas). S. 257 f. — 10, Selinunte. Nuovi 
scavi presso i templi dell' acropoli ed alla 
Gaggera (A. Salinas). S. 258—260 (mit Plan). 

— Sardinia. 11. Portotorres. Nuove iscrizioni 
latine della necropoli di Turris Libisonis (V. 
Dessi). S. 260—262. 

Luglio. Alpes Cottiae. i. Susa. Note 
archeologiche Segusine (A. Taramelli). S. 263 



—268 (mit Abbildung). — Regione VIII 
(Cispadana). 2. Ferrara. Iscrizione sepolcrale 
che ricorda una »sodalitas« fra i classiarii della 
flotta di Ravenna (G. Pinza). S. 268 f. — 
3. Forli. Spada di bronzo antichissima, scoperta 
nel letto del iiume Montone, a poca distanza 
della cittä (A. Santarelli). S. 269 f. — Regione 
VI (Umbria). 4. Stroncone. Nuova iscrizione 
latina della necropoli di »Interamna Nahars« 
(L. Lanzi). S. 271. — Regione VII (Etruria). 
5. Sinalunga. Ricognizione delle mansiones ad 
Novas, ad Statuas, ad Graccos, lungo la via 
Cassia, da Chiusi a Firenze (G. F. Gamurrini). 
S. 271—276. — Roma. 6. Nuove scoperte 
nella citta e nel suburbio (L. Borsari). S. 276 
— 284. — Regione I (Latium et Campania). 
Latium. 7. Tivoli. Frammento epigrafico 
scoperto nel territorio del comune (L. Pusteria). 
S. 284. — 8. Monte Celio. Ära sepolcrale 
marmorea con iscrizione latina (G. Gatti). 
S. 284 f. — Campania. 9. Santa Maria di 
Capua. Vaso con ornati dipinti e plastici, 
rinvenuto nella necropoli capuana (G. Patroni). 
S. 285 — 287 (mit Abbildung). — 10. Arpino. 
Tomba antica rinvenuta nel territorio del comune 
(G. Patroni). S. 287 f. — 11. Pozzuoli. Sculture 
marmoree rinvenute nell' agro del comune 
(G. Patroni). S. 288 — 292 (mit 3 Abbildungen). 
— 12. Pompei. Relazione degli scavi fatti nel 
mese di luglio 189S (A. Sogliano). S. 292. — 
Regione IV (Samnium et Sabina). Sabini. 
13. CoUettara (A. Cappelli). S. 293. — Regione 
II (Apulia). Hirpini. 14. Reino. Tomba antica 
scoperta nella contrada Capomaggiore (A. 
Meomartini). S. 294. — Calabria. 15. Taranto. 
Tesoretto di monete repubblicane d' argento 
(E. Gäbrici). S. 294—297. — Sicilia. 16. Sira- 
cusa. Tombe sicule nella campagna di Matrensa 
o di Milocca (P. Orsi). S. 297 f. 
The Morning Post (1898). 

4. Nov. Excavations at Jerusalem (review 
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The New York Evening Post (1898). 

June 9. R. B. Richardson, The discovery 
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Proceedings of the Society of Antiquaries of 
Newcastle-upon-Tyne. Vol. VIII (1897/98). 

No. 10. Tb. Hodgkin, Excavations at Aesica 
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No. II. R. Blair, Roman intaglio from 
Corstopitum. S. 94 (mit Abbildung). — Haver- 
field, Roman inscription &c., at Carrawburgh. 
S. 95 (mit Abbildung). 



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Bibliographie. 



No. 13. Roman antiquities from Aesica. 
S. 106. 

No. 14. F. Haverfield, Roman altar at 
South Shields. S. xxo. — Th. Hodgkin, The 
Roman occupation of Northumberland. S. 114 f. 

No. 16. C. J. Bates, A »municipium« upon 
Tync. S. I3if. 

No. 19. Th. Hodgkin, Greco-Roman bronzc 
plate discoYered at Housestcads (Borcovicus). 
S. 152 — 154 (mit 2 Abbildungen). — Roman 
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No. 21. R. C. Bosanquet, Roman wall 
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and Son, ancient Egyptian bankers. S. 176. 

No. 24. H. W. Young, Roman road. S. 
206. — Th. Hodgkin, Theon and Son, Egyptian 
bankers. S. 206 f. — F. J. Haverfield, The 
Roman »Limes« in Germany. S. 207 f. — F. 
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at Housesteads. S. 208 f. 

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No. 29. Haswell, Two Roman bronzes. 
S. 240 f. (mit Abbildung). — R. C. Bosan- 
quet, Excavations at Housesteads. S. 247 — 
252. — F. C. Haverfield, Epigraphic notes. 
S. 253. 
Proceedings of the Society of Biblical Archae- 
ology. Vol. XX (1898). 

Part 6. E. J. Pilcher, Herodian pottcry 
and the Siloam inscription. S. 213^222 (mit 
3 Tafeln). — K. J. Basmadjian, A propos des 
deux sceaux heteens. S. 230 — 234 (mit 2 Ab- 
bildungen). 
Römische Quartalschrift für christliche Alter- 
thumskunde und für Kirchengeschichte. Zwölfter 
Jahrgang (1898). 

Heft 3. O. Marucchi, Miscellanea archaeo- 
logica. S. 280 — 288. — P. Orsi, Licodia Eubea 
cristian^a. S. 288 f. — E. Stevenson f. (A. de 
Waal). S. 295 f. 
Rendiconti dell' Accademia di archeologia di 
Napoli. N. S. Anno XII (1898). 

Marzo-Maggio. G. de Petra, Iscrizione aqui- 
lonense. S. 109— 118. — A. Sogliano, Sul 
musaico pompeiano rappresentante la cosi detta 
Scuoladei Filosofi. S. Ii9f. — A. G. Amatucci, 
D'un luogo dell'ep. 4 lib. III di Cicerone ad 
Atticum e d'un oppidulum dei Brutii. 
S. 127—137. 
Rendiconti dell' Istituto lombardo di scienze e 
lettere. Ser. II vol. 31 (1898). 

Fase. 14 (30. giugno). G. Grasso, üna que- 



stione di topografia storica ed un errore di 
Frontino tra le imprese di Filippo II di Mace- 
donia. 

The Buildcr's Reporter (1898). 

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The Architectural Review (1898). 

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The Classical Review. Vol. XII (1898). 

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Clytemnestra's wcapon. S. 348 — 350. — Proso- 
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et H. Dessau (F. T. Richards). S. 364 f. — 
J. L. Myres, Note on Cypriote pottery. S. 375 f 
No. 8. Corpus Inscripttonum Etruscarum 
adm. A. Danielsson ed. C. Pauli (VV. M. Lindsay). 
S. 414 — 418. — E. Pais, Storia di Roma (A. S 
VVilkins). S. 419—422. — A. B. Cook, On some 
signed Greek vases. S. 423 f. — A. Mommsen, 
Feste der Stadt Athen (L. C. Purscr). S. 424— 
427. — H. B. Walters, Monthly Record. S. 427 f. 

The Contemporary Review (1898). 

No. 394. E. Gräfin Martinengo Cesaresco, 
The last peasant in Greek poetry. S. 576 — 580. 
— G. Margoliouth, The earliest religion of the 
ancient Hebrews. A ncw theory. S. 581 — 592. 

The Edinburgh Review (1898). 

No. 386. Pausanias's Description of Grcece. 
Transl. with comm. by J. G. Frazer (Anon. Reo.). 

s. 358-377. 

The English Historkal Review. Vol. XIH (1898). 
No. 52. B. W. Henderson, The campaign 
of the Metaurus. Part. II. S. 625—642. 
The Quarlcrly Review (1898). 

No. 376. W. Dörpfeld und E. Reisch, Das 
griechische Theater. A. E. Haigh, The Attic 
Thcatre. A. Mttller, Lehrbuch der griechischen 
BühnenalterthUmer (Anon. Rec). S. 360 — 380. 
Revista de archivos, bibliotecas y museos. Ter- 
cera epoca. Ano II (1898). 

Num. 2. D. M. R. de Bcrlanga, Estudios 
epigraficos. Una inscripcion iberica inedita de 
la Turdctania. S. 49—69. 

Nüm. 3. A. E. de Molins, Inventario de los 
objetos que han ingresado en el Museo provin- 
cial de Barcelona desde la publicaci6n de su 
Catalogo. S. 131 — 134. 
Revista de la Asociaci6n Artistico - Arqueologica 
Barceloncsa. Afio II (1898). 

Nüm. 9. M. R. de Berlanga, Estudios epi- 
graficos. De algunas inscripciones falsas (con- 



Bibliographie. 



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Revue archeologique. Troisieme serie, tome XXXIII 
(1898). 

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mycenien trouvee en Egypte. S. i — ii (mit 
5 Abbildungen). — L. Pollak, Dedale et Pasi- 
pbae. S. 12—14 (mit Tafel X). — J. Cledat, 
Le tombeau de la dame Amten. S. 15—20 
(mit Abbildung). — G. Colomb, Caropagne de 
Cesar contre Arioviste. S. 21 — 62 (mit 3 Ab- 
bildungen). — J. Dechclette, Le bclier consacre 
aux divinites domestiques sur les chenets gaulois. 
S. 63 — 81 (mit 20 Abbildungen). — A. L. Delattre, 
Les cimetieres romains superposes de Carthage. 
S. 82 — loi (mit II Abbildungen). — A. Martin, 
Alignements et tumulus du Grand -Resto en 
Languidic. S. 102 — 108 (mit 5 Abbildungen). 

— H. Lammers, Promenade epigraphique a Sidon. 
S. 109 — 112. — R. Dussaud, Triparadisos. S. 
113 — 121. — G. Katcheretz, Notes d'archeologie 
russe. I. Les tumulus de la rive mcridionale 
du lac Ladoga. S. 122— 130 (mit 6 Abbildungen). 

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giques faites dans le grand*duche de Luxembourg 
de 1845 ä 1897 (Suite). S. 131 — 141. 

Revue de l'art chretien. Quatrieme serie, tome IX 
(1898). 

5 me livraison. E. Stevenson, Scavi e scoperte 
nelle catacombe romane (X. 6. de M.). S. 402. 

— A. L. Delattre, Carthage, decouverte de tombes 
puniques (Anon. Rec.) S. 409. 

Revue celtique. Vol. XIX (1898). 

No. 3. H. d'Arbois de Jubainvillc, Esus, 
Tarvos, Trigaranus. S. 245—251. — S, Reinach, 
Esquisse d'une histoire de Tarchcologie gauloise 
(prehistoriquc, celtique, gallo-romaine et franque). 
S. 292—307. 
Revue critique d'histoire et de litterature. Trente- 
deuxicme annee (1898). 

Nos. 32. 33. R. Wünsch, Sethianische Ver- 
fluchungstafeln (C. Jullian). S. 108 f. 

Nos. 36. 37. P. Jensen, Hittiter und Arme- 
nier (A. Meillet). S. 141 f. 

Nos. 38. 39. E. Hahn, Demeter und Baubo 
(S. Reinach). S. i6if. 

No. 40. H. Demoulin, Les collegia juvenum 
dans Tempire romain (J. Toutain). S. 194 f. — 
P. F. Girard, Manuel de droit romain (E. Beau- 
douin). S. 195—201. 

No. 41. S. L. Tuxen, Kejscr Tiberius 
(J. Toutain). S. 223—227. 

No. 44. C. Robert, Die Knöchelspielerinnen 



des Alexandros (S. R[einach]). S. 297 f. — A. 
Furtwängler, Zu den Tempeln der Akropolis 
von Athen (S. Reinach). S. 298—300. — Denk- 
mäler griechischer und römischer Sculptur, hrsg. 
von A. Furtwängler und H. L. Urlichs (S. Rci- 
nach). S. 300 — 303. 

No. 45. F. O. Bates, The five post-KIeisthe- 
nean tribes (A. Hauvette). S. 317 f. 

No. 46. J. Beloch, Griechische Geschichte. 
II (A. Hauvette). S. 339 f. 
Revue des etudes grecques. Tome XI (1898). 

No. 43. P. Perdrizet, Labys. S. 245—249. 

— M. Holleaux, Epigraph! ca. S. 250 — 278. — 

— B.-A. Mystakides, Notes sur Martin Crusius, 
ses livres, ses ouvrages et ses manuscrits. S. 
279 — 306. — D. Bikelas, L'Athenes d'aujour- 
d'hui. S. 307 — 323. — Th. Reinach, Bulletin epi- 
graphique. S. 324 — 340. — P. Girard, Actes de 
Tassociation. S. 341—345. — B. V. Head, Cata- 
logue of the Greek coins in the British Museum, 
Carla, Cos etc. (T. R.). S. 348 f. — G. Civitelli, 
I nuovi frammenti d'epigraß greche relative ai 
ludi augustali di Napoli (X). S. 349. — J. H. 
Huddilston, Greek tragedy in the light of vase 
painting (S. R.) S. 351 f. — L. Mallinger, Medee 
(A.). S. 352 f. 

Revue de l'histoire des religions (Annales du Musee 
Guimet). Dix-huitieme annee (1898). Tome 
XXXVI. 

No. 2. V. Scheil, Choix de textes religieux 
assyriens. S. 197 — 207. 
Revue historique. Vingt- troisieme annee, tome 
soixante-huitieme (1898). 

Heft I. L. Beauchet, Histoire du droit prive 
de la republique athenienne (G. Glotz). S. 120 
— 124. — P. Allard, Le christianisme et l'empire 
romain (E. Beaudouin). S. 153—159. — M. 
Conrat (Cohn), Die Christenverfolgungen im 
römischen Reiche (E. Beaudouin). S. 159—167. 
Heft II. Aveneau de la Granciere, Les parures 
prehistoriques et antiques (L. Chalumcau). S. 350 f. 
Revue de l'instruction publique en Belgique. Tome 
XLI (1898). 

Livr. 4. R. Wünsch, Sethianische Verfluchungs- 
formeln (F. C). S. 287 f. 
Revue internationale de l'enseignement. Dix-huiticme 
annee. Vol. XXXVI (1898). 

No. 2. XXX, Un musee de moulages au 
Louvre. S. 97 f. 
Revue Numismatique. Quatrieme serie, tome deu- 
xieme (1898). 

3«« trimestre. E. Babelon, La collection 
Waddington au Cabinet des Medailles. Inven- 



26o 



Bibliographie. 



taire sommaire (suite). S. 341—436 (mit Tafel 
IX— XII). — J. Rouvier, Les monnaies autonomes 
de Beryte (Phenicie). S. 437—456 (mit 2 Ab- 
bildungen). — M. Rostovtsew, l^tude sur les 
plombs antiques (suite). S. 457—477 (mit Tafel 
XIII. XIV und 5 Abbildungen). — M. C. Soutzo, 
l^tude sur les monnaies imperiales romaines (suite). 
S. 478—487 (mit 2 Abbildungen). 

Revue de philologie, de litterature et d'histoire 
anciennes. Tome XXII (1898). 

4« livraison. Ph. Fabia, Le regne et la mort 
de Poppee. S. 333 — 345. — B. llaussoullier, 
Notes epigraphiques ([. Inscriptions metriques 
de Constantinople. II. Sur une inscription de 
Delpbcs. III. Sur une inscription de Thespies. 
S. 354 — 363. — Bulletin bibliographique. S. 
364—368. 

Revue semitique d'cpigraphie et d'histoire anciennes. 
6* Annee (1898). 

Octobre. A. Boissier, Notes d'assyriologie. 

III. s. 356-365. 

Rivista archeologica della provincia di Como. 

(1897). 

N. 40. A. Garovaglia, Necropoli romana di 

Caccivio (mit Tafel). — G. Gemelli, Marmi scritti 

e figurati pervenuti al civico museo. 

Rivista italiana di numismatica. Anno XI (1898). 

Fase. 3. E. J. Seitmann I Prototypes monc- 

taires Siculo-Grecs. S. 333—368 (mit Tafel VII). 

— G. Dattari, Monete dei Nomi ossia delle an- 
tiche provincie e cittä dell' Egitto. S. 369—378 
(mit Tafel VIII). — E. A. Stückelberg, La pa- 
rente de Maxence et de Constance I d' apres 
les monnaies. S. 377 — 380. 

Rivista storica Calabrese. Vol. VI (1898). 

Fase. I (15. genn.) Cozza-Luzi, Un filatterio 
trovato a Reggio di Calabria [Forts, in Fase. 
2. 3]. — R. Cotroneo, Degli antichi e vctusti 
Bruzzi [Forts, in Fase. 5]. 
Neue Philologische Rundschau (1898). 

No. 18. P. A. Kuhn, Allgemeine Kunst- 
geschichte, Lief. 8—12 (P. Weizsäcker). S. 417 

— 419. — S. Ricci, Epigrafia latina (Körber). 
S. 420 f. 

No. 19. Harvard Studies Bd. VI (Sittl). 
S. 437—446. 

No. 20. W. J. Woodhouse, Aetolia (R. 
Hansen). S. 467 f. 

No. 21. E. Rohde, Psyche. 2. Aufl. (C.). 
S. 484 f. — A. Conze, Pro Pergamo (R. Menge). 
S. 485 — 487. — J. Bruns, Die Persönlichkeit in 
der Geschichtsschreibung der Alten (F. Lutcr- 
bachcr). S. 487 — 489. 



No. 22. M. Schanz, Geschichte der römischen 
Litteratur (O. Weise). S. 513 f. — Pauly- 
Wissowa, Realencyklopädie der klassischen Alter- 
tumswissenschaft. II. (O. Schulthefs). S. 514 
— 519. — F. Hoppe, Text zu den Bildern zur 
Mythologie und Geschichte der Griechen und 
Römer (L. Buchhold). S. 5 19 f. 

No. 23. G. Adler, Die Sozialreform im 
Altertum (A. Bauer). S. 541 — 544. 
Sapiski Istoriko-philologiceskago Fakulteta Im- 
peratorskago S. Peterburgskago Universiteta 
[Memoiren der historisch-philologischen Facultät 
der St. Petersburger Universität]. Band XLVIII 
(1898) [Russisch]. 

Enthält: S. Shebelew, Aus der Geschichte 
Athens von 229—31 v. Chr. XVI, 365 S., 
I Bl. 80. 
sudwestdeutsche Schulblätter. XV. Jahrgang 
(1898). 

No. 9. 10. A. Furtwängler und H. L. 
Urlichs, Denkmäler griechischer und römischer 
Skulptur für den Schulgebrauch (Ad. Michaelis). 
S. 262—264. 
The Scotchman (1898). 

2. Nov. Recent discoveries in Egypt; 

Grenfell papyri. 

Sitzungsberichte der Königlich Preufsischen 

Akademie der Wissenschaften zu Berlin (1898). 

XL. XLI. M. Fränkel, Eine Inschrift aus 

Argos. S. 635 — 644. 

XLV. XLVI. XVII. E. Ziebarth, Neue 
attische Grenzsteine. S. 776 — 784. 
Sitzungsberichte der philosophisch-philologi- 
schen und der historischen Classe der k. b. 
Akademie der Wissenschaften zu München (1898). 
Heft III. A. Furtwängler, Zu den Tempeln 
der Akropolis von Athen. S. 349—390 (mit 
Abbildung). 
Sphinx. Revue critique embrassant le domaine 
entier de 1* l5gyptologie. Vol. II (1898). 

Fase. III. K. Piehl, Explication d' une stele 
datant du Moyen Empire. S. 131 — 136. — 
K. Piehl, Une deesse ä expulser du Pantheon 
egyptien et^deux deesses h, y introduire. S. 137 
— 140. — G. Schweinfurth , Die neuesten 
Entdeckungen auf dem Gebiete der ägyptischen 
Ausgrabungen. (i. Das Grab des Osiris. 
2. Die Gräber Tutmes III. und Amenophis IL). 
S. 141 — 157. — E. Naville, The temple of Deir 
el Bahari. II. (K. Piehl). S. 164—166. — J. 
de Morgan, Carte de la necropole memphite, 
Dahchour, Sakkarah, Abou-Sir (K. Piehl). S. 167 f. 
— Th. Deveria, Memoires et fragments (K. Piehl). 



Bibliographie. 



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S. 169 — 172. — G. Bcnedite, Le temple de 
Philae. 2. (K. Piehl). S. 173—183. — G. 
Daressy, Notice explicative des ruincs de 
Medinet-Habou (K. Piehl). S. i84f. — K. Piehl, 
L'origine religieuse de la royaute egyptienne. 
S. i89f. 
The Evening Standard (1898). 

I. Nov. Excavations at Jerusalem. 
Stimmen aus Maria-Laach (1898), 

Heft 8. C. A. Kneller, Theodor Mommsen 
über die Christen Verfolgungen. S. 276—291. 

Heft 9. C. A. Kneller, Die Märtyrer und 
das römische Recht. S. 349—367. 
Leipziger Studien zur classischen Philologie. 
Achtzehnter Band (1898). 

Heft 2. R. Koehler, Analecta Hellanicea. 
S. 209—316. 
New York Sun. 1898. 

May 8. E. Amelincau, Oldest pottcry of 
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Osiris (transl. from the Paris Figaro). 
Nordisk Tidskrift for Filologi. Tredie Roekke. 
Syvende Bind (1898). 

Klarste Haefte. J. L. Ussing, Pcrgaraos (L. 
Kjcllberg). S. 11 — 19. — Philologisch-historische 
Beiträge C. Wachsmuth tiberreicht (J. L. Heiberg). 
S. 23—28. — H. Peter, Die geschichtliche 
Litteratur über die römische Kaiserzeit (J. Forch- 
hammer). S. 28 — 30. — C. Weichardt, Pompeji 
vor der Zerstörung (J. L. Ussing). S. 40 — 43. 

Andet Haefte. J. L. Ussing, De arte critica 
in Vitruvii libris adhibenda. S. 49—59. 
The Times (1898). 

2J. Oct. British School at Athens; excavations 
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II. Nov. Egypt Exploration Fund; report, 
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Sunday School Times (1898). 

April 23. H. V. Hilprecht, B<'ibylonian or 
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May 7. P. Jensen, The religion of the 
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June 18. H. V. Hilprecht, Oriental research 
[Fortsetzung July 30, August 20, September 10]. 

July 30. W. M. Müller, The raost startling 
recent discovery in Egypt [die Monumente der 
ersten Dynastien]. 

August 6. A. Wiedcmann, The tomb of an 
Egyptian king [Amenophis III.]. 

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ancient heathen dcity: the cult of Aschera. 
Travaux de TAcademie nationale de Reims. loi« 



volume. Annce 1896—1897, tome I«r [erschien 
1898]. 

L. Morel, Decouvertö d'une statue de bronze 
(un Bacchus gallo-romain) au faubourg de Laon, 
a Reims. S. 305 — 309. 
New- York Tribüne (1893). 

March 6. Illustratcd Weckly Supplement. 
Not crucifixion Sketches; reasons for doubting 
the interpretation put on the newly found graf- 
üti in Rome. 
Berliner philologische Wochenschrift. 18. Jahr- 
gang (1898). 

No. 37. H. Demoulin, Les collegia iuvenum 
dans l'cmpire romain (W. Licbenam). Sp. 1141 
— 1144. 

No. 38. U. Wilcken, Die griechischen Pa- 
pyrusurkunden (P. Viereck). Sp. 11 61 f. — S. 
L. Tuxcn, Kejser Tiberius (L. Holzapfel)) Sp. 
1165— 1172. 

No. 39. A. H. J. Greenidge, A handbook 
of greek constitutional history (Thalheim). Sp. 
1203. — Archäologische Gesellschaft zu Berlin, 
Juli-Sitzung. Sp. 121 1— 12 14. — F. Hang, Ar- 
chäologisches aus Bosnien und der Hercegovina. 
Sp. 1215. 

No. 40. A. Ludwich, Bemerkungen zu den 
Inschriften der ilischen Tafeln (R. Pcppmüller). 
Sp. 121 7 — 1221. — P. Hartwig, Bendis; A. 
Trendelenburg, Bendis (F. Hauser). Sp. 1225 
— 1228. — Prosopographia imperii Romani ed. 
E. Klebs, H. Dessau, P. de Rohden (ü. Ph. 
Boissevain). Sp. 1228 — 1231. — G. E. Rizzo, 
Forme fittili agrigentine (K. Wernicke). Sp. 
i23if. — F. Delitzsch, Die Entstehung des 
ältesten Schriftsystems, Nachwort (ß. Meifsner). 
Sp. 1232 f. — Archäologische Gesellschaft zu 
Berlin, Juli-Sitzung (Forts.). Sp. 1243 — 1246. 

No, 41. G. F. Schoemann, Griechische Alter- 
tümer S bearb. v. J. H. Lipsius. I. Das Staats- 
wesen (Thalheim). Sp. 1263— 1266. — G. H. 
Zeuthcn, Geschichte der Mathematik im Altertum 
und Mittelalter (S. Günther). Sp. 1266— 1269. 
— P. Regnaud, Comment naissent les mythes 
(H. Steuding). Sp. 1269 f. — W. Kroll, Antiker 
Aberglaube (H. Steuding). Sp. 1270 f. — Ar- 
chäologische Gesellschaft zu Berlin. Juli-Sitzung 
(Schlufs). Sp. 1275—1279. — Ausgrabungen 
auf Paros. Sp. 1279 f. 

No. 42. H. Thedenat, Le Forum romain et 
les forums impcriaux (E. Schnitze). Sp. 1294 
— 1296. — C. F. Lehmann, Zwei Hauptprobleme 
der altorientalischen Chronologie und ihre Lösung 
(J. V. Prasek). Sp. 1296— 1303. 



TfjZ 



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iy.hlzrXxStiti Ton ^liLnnae '^R. Oefalrr;. Sp. 1393 

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art, traAil. bjr K. jcX'BIake, with comm. bj E. 
StIJer» and H. L. frlichs TK. IJjwj). Sp. 1417 

— '4^3' — A. MotniDMrn, Feste der Stadt Athen 
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^K. Weil> .Sp, 1430—1432. 

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♦ AMT p^fintirijf ''A. Körte;. Sp, 1459—1464. — 
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Ko, 4^, |>ie Orttndong Ton Vindonissa. 
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No, 49, M, S^.hncidcwiD, Die antike Huroa* 
fiitüt (O, Immttch,. Sp, 1518— 1521. — R.Dareste, 
H, Hau «»ou liier, Th, Reinach, Recaeil des in- 
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Sp, 1521—1523, — F. Studniczka, Die Sieges- 
üotttn (\'».). Sp, I523f, — R. Cagnat et P. 
('tzwMUf, I,e« monuments hiftoriqoes de la Tu- 
niti«, Lei temples palcns (R, Oehlcr). Sp. 1524 — 
1526, — Neue Mosaikfundc in Tunis. Sp. 1533 f. 

— Neue Papyri aui Ägypten. Sp. 1534- 

W o c h e n • r h r i f t für klassische Philologie. 1 5. Jahr- 
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No. 36. Archäologische Gesellschaft zu Berlin, 
Jüli*Sitzung (Schlufs). Sp. 986—991. 

No, 37. Fr. Hiller t. Gaertringen, Die ar- 
chaische Kultur der Insel Thcra(P.W.). Sp. 1006 f. 

No. 38. VV. Christ, Geschichte der griechischen 
Littcratur, 3, Aufl. (M. Maas). Sp. 1025— 103 1. 

— J. Toepffer, Beiträge zur griechischen Alter- 
tumswissenschaft (Passow). Sp, 1032— 1034. — 
R. Wünsch, Sethianische Verfluchungsformeln 




Ol Grccce, 
rt*;. >9. loSl — 10S7. 
al!tgriccü$cie C« 
IL F«ck5. So- 1087 — io$9. 
=ieTt:«d bei Cr'-:xig- Sp. I103- — 
kaiteU b« T.^.j:l^c^ Sp. 1103L 

No. 41. J- A- Bemiiid, Schriftqnelleii zur 
actiken KaS5tge»cL::hte ( — r — > Sp. II 13 f. 
No. 42r \V. Klein, Praiitd« H. L. Lriichs). 

Sp. 1137—1143- 

N0.43- Sk. Herrlich, Epidani«$i P.W cizsäcker> 
Sp. 1161 — 1163- 

No. 44. H. Bronn, Kleine Schriften I (P.Weiz- 
slckcT% Sp. 1193—1195- — A. Tmidelenbiirg, 
Bendts 'T. Weizsäcker). Sp, 1195 t — K. Schnltefs, 
Bauten des Kaisers Hadrian (A. Hock). Sp. 
1201 — 1203. 

No. 43. J. V. Pra^ek« Forschungen zur Ge- 
schichte des Altertums. L Kambjses (F. Leh* 
mann). Sp. 121 7 — 1220. — R. Fisch, Eine 
Wanderung nach den Trfimmem Ton Ostia (E. 
Fricäland). Sp. 1 226— 1 22S. — N. Fritsch, Die 
Quelle Bandosia. Sp. 123S — 1246. 

No. 47. E. Ciccotti, La retribnzione delle 
fnnzioni pnbbliche civili nell* antica Atene e le 
sue conscguenze (O. Schul thefs^. Sp. 1276^1278. 
— J. Koch, Römische Geschichte (A. Hock). 
Sp. 1278— 12S1. 

No. 4S. C. P. Burger, Der Kampf zwischen 

Rom und Samnium (A. H6ck). Sp. 1309 — 131 2. 

Zeitschrift für Assyriologic. XIII. Band (1898}. 

Heft I. ^L Streck, Das Gebiet der heutigen 
Landschaften Armenien, Kurdistan und West- 
persien nach den babylonisch-assyrischen Keil- 
inschriften. S. 57 — HO. 
Zeitschriftfflr Bauwesen. Jahrgang XLVIU (i 898). 

Heft VII bis IX. E. Parboni und J. Groeschel, 
Von der Tiberrcgulirung in Rom. S. 361 — 375 
(mit Tafel 43 und 2 Abbildungen). 
Geographische Zeitschrift. Vierter Jahrgang 
(1898). 

Heft 10. K. Buresch, Aus Lydien (W. Rüge). 
S. 594- — S. Genthe, Der persische Meerbusen 
(H. LuUies). S. 594 f. 
Zeitschrift für das Gymnasialwesen. LH. Jahr- 
gang (1898). 



Bibliographie. 



263 



August-September. J. A. Bernhard, Schrift- 
quellen zur antiken Kunstgeschichte (H. Guhrauer)« 
S. 574—577. — C. Willing, Die Thaten des 
Kaisers Augustus (P. v. Boltenstern). S. 593 — 
597. — Jahresbericht des Philologischen Vereins: 
Archäologie (R. Engelmann). Schlufs. S. 197 

- 214, 

Zeitschrift für die österreichischen Gymnasien. 
Neunundvierzigster Jahrgang (1898). 

Heft 10. O. Gruppe, Griechische Mythologie 
und Religionsgeschichte I. (J. Zingerle). S. 899f. 

— M. Collignon, Geschichte der griechischen 
Plastik. II. Deutsch von F. Baumgarten (J.Jüthner). 
S. 900 — 902. 

Historische Zeitschrift. N. F. FUnfundvierzigster 
Band (1898). 

Heft 3. J« Fuchs, Hannibals Alpenübergang 
(K. Lehmann). S. 474 f. 
Zeitschrift für bildende Kunst. IX. Jahrgang 
(1898). 

Heft 12. £. Petersen, Eine antike Vorlage 
Michelangelo's. S. 294 f. (mit 3 Abbildungen). 
Westdeutsche Zeitschrift für Geschichte und 
Kunst. Jahrgang XVII (1898). 

Heft HI. E. Ritterling, Zur Zeitbestimmung 



der Namenstempel der XXII. Legion. S. 203 
— 217 (mit Tafel I). — H. Lehner, Zu den 
Viergöttersteinen im Wiesbadener Museum. S. 
217 — 222. — Bodewig, Das römische Coblenz. 
S. 223—272 (mit Tafel II— IV). — H. Lehner, 
Weihedenkmal an Mercurius Negotiator aus 
Heddernheim. S. 272—276 (mit Abbildung). 
Wiener Zeitschrift fUr die Kunde des Morgen- 
landes. XIL Band (1898). 

Heft 2. Ed. Mahler, Ägyptologische Studien 
auf dem Gebiete der Chronologie. S. 128 — 137. 
Münchener Allgemeine Zeitung, Beilage (1898). 

Heft 31. W. Reichel, Vorhellenische Götter- 
culte (H. Swoboda). 

Heft 33. K. Burescb, Aus Lydien (H. 
Zimmerer). 

Heft 36. J. Führer, Forschungen zur Sicilia 
sotterranea (G. Ficker). 

Heft 37. K. Schumacher, Auf römischer 
Strafse vom Oberrhein an den Neckar. 

Heft 40. O. Crusius, Die Oxyrhynchos- 
Papyri. 
Die Zukunft (1898). 

No. 30. G. Adler, Die soziale Frage im 
Alterthum. 



REGISTER 



I. SACHREGISTER 



Die Seitenuhlen dea Archiologischen Anieigers sind cursiv gedruckt 

A b k Q r I a n g e n : Sr. = BroDs«. etr, = etriisk iscb. Gr. ^ Gera me. L, = Lampe. Mos, = Moeai k. Usf. = M u nse. Rel. 

Sh = Sarkophag. Sp. = Spiegel. Sta. — 8uHw. 5f/a. » SUtuette. 7.=TerracotU. K^Vase. Wym. 
gemllde. 



: Relief. 
Wand- 



I 

» 
t 



Abdera in Spanien 119 

Abydos Funde 2jj; Tempel in — j^^j 

Accadische Rechnungstafeln 2jj 

Acheron 2j7 

Achi Ileus' Leiche von Aias geborgen Vn. ji. 
141; Grab des — K 2J7 

Adler Vn, 14 o; Afzn. 154; als Wappen jjj 

Adorant /^j"/. J(s6 

Ägypten Altertümer aus — in Boston <f9, London 
(Brit. Mus.) 3^34 ff' 2jg^ Metz 66^ Oxford 142', 
Mumien 66 \ Mumienmasken SSff*\ Caesarkopf 
2ST\ Porzellan-Scarabäus 2s8\ Äf/.-Schalen 28 ff.; 
rotthonige Gefäfse 48. 54. 147 f^\ ägyptischer 
Kopfschmuck 183, Kopftuch 40, Schuhwerk 70; 
Feslzug, Leichenzug 36 

Ägyptische Einflüsse in Iberien 126; Mischung 
des ägyptischen und assyrischen Stils 40; Be- 
ziehungen der ägyptischen Cultur zur mykeni- 
schen 50, der ägyptischen Bauformen zu den 
griechischen 240/, 

Aeneas und Dido Mos. iig 

Äolische Vn, 22j 

Aeon Sta, 67 

Affe als Df.-Form Jfji-y Mzn, 135 f.; ägyptische 
Sculpturen 2jj 

Afrika Funde 112 ff. 

Agenor 81 

Agone musische 124; Hermes Agonios 180 

Agora s. Marktplatz 

Ai Göttin 2j6 

Aias Vn. 71. j/. 2J7\ — und Kassandra ReL-V, 
%i 

Aichungsstelle auf dem Forum 112 

Aigeus Vn. 65 f. 71; des Euripides 65 

Aigina Tn, aus — ig4 

Aigisthos Tod des — V, 141 

Ainetos V, 71 

Aiolos am Schatzhaus der Knidier in Delphi 41 



Aison Vasenmaler 68 

Aithra V, 69 

Akademie aMos, 120 ff, 

Akademos Hain des — 121 

Akhmim Funde 2SS 

A k r o s a s Afzn, des — 159 

Alabanda Mzn, von — 171 f. 

Alabaster Aphrodite und Eros, Gruppe aus — 
2j6\ Gefäfse aus — 140, jpS. 2jj. 238 

Alabastron 172 f. jgo 

Alexander (d. Gr.) G, 23 8\ Mos^ 240; HeL-V, 
240; — (röm. Kaiser) A/zn, 26 

Alexandria A/zn, von — I35f. I43f« 154. 166 f. 
Tyche in — 154; Ausgrabungen 240 

Alkamenes 63 

Alonai 121 

Altar in Delphi 43^ Lykosura ///, Pergamon 127/. 
177, j8o^ Rom (vor dem Castortempel) 113; 
ägyptischer — 233; — aus Moselkem 76; — 
der Fortuna 68^ des luppitcr und der luno 68^ 
des Merkur 6g^ des Zeus Herkeios 81 f.; — auf 
Sk,'Rel, 186, auf Vn, ^34, 140 f,\ Opfer am — 
T.'Vn, 237 

Alte trunkene — Tn, 61, 118 

Amasis Vasenmaler 140 

Amastris Afzn, von — 58 ff. 175 

Amazone f^lie/s 62, 222\ F. 237; Herakles und — 
Afzn. 142 ff. 

Amen-em>hät IL 236 

Amenophis HL 233 

Amor s. Eros 

Amorgos Naiskos der Göttermuttcr j-^y. ; Porträt- 
kopf aus — J42 

Amphiaraos V, 176 

Amphilochos V, 237 

Amphithales in Antiochia 181 

Amulet ägyptisches 236 

Anchialos Afzn, von — 136,4. 145. 173 f. 



^ 



Register. 



265 



An gl o-rö mische Altertümer 238 f, 

An-kheft-ek Sta, des — 2j6 

An-kheft-ka Sta, des — 2j6 

Andres G. aus — 6^ 

Angel ion Bildhauer 173 

Anthedon 'homerischer Becher' aus — 82,3 

Antigonos Gonatas, Heroon des — 124 

Antinoos 182 

Antiochia Sculpturen aus — 177 ff.; Cult des 
Hermes in — 181; Flächeninhalt von — 223 f, 
241/. 

Antiochos Epiphanes 177. 179; — Hierax 179; 
— Theos 179 

Antiphates V, 237 

Antium Die Fortunae von — I54}53 

Antonia Augusta Ahn. 74 

Antoninus Pius Mzn. 135. 145. 6g. yyf, 

Anubis Mzn. 145,20; Sia. 23s; Br.-Stta. ^j 

Aphrodite (s. Venus) Prototypen 126^ Marmor- 
Stta. 126, Br.-Stta. jgij Gi^s-Stta. 2j6, Alabaster- 
Torso 236 \ — iiriTOfißfa in Delphi 126', — auf 
Bock, Gold-AV/. 65; — und Eros ^r.-Gruppe 
f4J\ zwischen Menelaos und Helena Sp, y8\ in 
einer Muschel fahrend V. ^7; die Sandalen 
lösend T.-SHa. 142 

Apollodor sog. — 228 

Apollon ^AXe^Jxaxoc 171, 'iTjtpdc 169 ff., IlpoaTfiiTTjc 
173,130; Sta. in Boston 140^ des Bryaxis 177, 
in Byzantion 63, des Kaiamis 167 ff., des Ka- 
nachos 173, des Tektaios und Angelion 173; 
Sita, aus Naxos (Berl. Mus.) 172. 173,129; ReL 
in Turin 171 ; Mzn. von Alabanda 171 f., Amastris 
60,7, Apollonia 168. 173, Athen 173, Metapont 
170,119, Odessos 158,67. 70. 159,161, Olbia 
172 f., Philippopolis 137 f., Sestos 172, Side 
170,119, Sinope 172 f. 

— und Artemis V. 140; und Daphne Rel. 
T4\ beim Dreifufsraub Rel. 74; mit Feder (?) 
Br.'Stta. 183; unter Göttern V. 133 \ Weihung 
an — ys\ heiliger Bezirk in Thermos 240 

Apollonia Apollon des Kaiamis in — i67ff. 173; 
Mzn. von — 167 ff. 

Apollonios Bildhauer 192. 197 

Appleshaw Funde 238/, 

Aquaeduct in Laodicea 8. 10, in Dougga riy 

Aquiminarium Wasserkanne j 7 

Arabia römische Provinz 120 

dpddviov 130 

Ares (s. Mars) mit Schlange 27; gegen Athena 
kämpfend V, ji/. 

Argos Könige von — 43A'i argivisches Lambda 41 

Aristodemos Bildhauer 183 

Aristophanes Vascnmaler 68. 73; Dichter 232 ff. 



Aristoteles Afos. 120 

Aristylla Grah-Rel. der — 73 

Arkadien Funde /// 

Arkesilaos Afos. 120 

Armband Br. igt 

arretinische Schale 7^; Formen für — Vn. 237 

Artemis Lusia, Tempel///; — und Apollon V, 140 

Asaroton Fufsboden ^»7. ti8 

Asklepios i^^/i. 60,7. 146. 149. 151; in Epidauros 

und Pergamon 159,74 
Asopos Flufs I. 9. 12 
Assur-bani-pal König 236 
Assyrischer Stil mit ägyptischem gemischt 40; 

Erwerbungen des British Museum 23Sf» 

doxep^axoc 52 

Athen Akademie und Akropolis Mos, 120 ff. \ 
Tholos 123 \ Niketempel ///. i24\ Parthenonfries 
69. 71 

Funde 11 1; Ausgrabungen 240\ Vn, aus — 
19. 22 f. 237 \ »homerischer« Becher in — Soff. ; 
Frauenkopf aus — 1^4 \ Ahn, von — 173. 18 j; 
Schatzhaus der Athener in Delphi 43ff*\ Ver- 
trag der Athener mit Ketriporis 162; Winckel- 
mannsfest in — 240/, 

Athena (s. Minerva) Kopf Mzn, 121, V, tg3\ 
Büste Rel, an Goldring 236\ Sta, des Pheidias 
(Lemnia) r77, (Parthenos) 196. S3' ^7* ^93 \ 
Velletri 60,7; Palladien an Golddiadem 238; 
Mze. von Amastris 60,7 ; ReL Pergamon 222 \ 
Vn, 69. 202. ji, ig2 

— und Dionysos V, 133; — und Herakles 
Vn. f32, 140; — Nike 124; — mit Schlange 
27; Priesterin der — 81 

Athenodotos Lieblingsname V. 237 

Athleten in Delphi ^7; Sk, eines — 186 

Atota äg)'ptischer König 142 

Atrium /^ 

Attalos Stoa des — /// 

Attis Stta. jg8; Büste 177,1 

Atys Goldring ^g 

Augeias Mzn, 142. 144 

Augustus Mzn, 70; Triumphbogen des — 89 ff. 
98; Bauten des — auf dem Forum iio 

Ausgrabungen in Alexandria 240^ Arkadien 7//, 
Athen ///. 240^ Carnuntum 112, Delphi 3gff't 
Ephesos //o/., Epidauros ///, Italien ///, Konstanz 
68t auf Kos 240^ Kypros 238, in Ladenburg 
6g, am Limes 2ff,^ in Mainz 7/, Neufs 76, auf 
Paros 227, 240, in Pleuron 240^ Priene 240, 
auf Rheneia 227, in Rom (Castortempel) 87 ff. 
auf Samos 224 f,, in Sinkingen— Fischbach 68, 
auf Thera 240, in Thermos 227, 240/,^ Trier 
73, Xanten 78 





Boston Altertümer in — 13g 




Brennen der Vn. 24 




Bronie Erwerbungen Dresden 63/-, London (Brit. 




Mus.) V7/. Oxford 143/., Paris (Lou»re) r^j^f..- 


»3S 


Funde in Ägypten 33J, Boiotien ig/, Sardinien 


Bacchantin s. MSnade 


124, Spanien I23f.; Amphora jj; Gewicht 


Bacchus s. Dionysos 




Backende »au T. 141 




Bad rUmisches bei Kailell Buch iq; bei Kastell 


Helm js; Schale aus Cervetri 38, aus Theben 


WalldOrn ii; bei Kastelt Holihausen 16; bei 


38ff.; .5*. 7S,- Saa.: Aphrudiie igi. Delphin 7J, 


Sinkingen 68: bei Trier js: in Ephesos //o/.,- 


Kentaur iiif., Osiris 66; Wage 74fr. 


in Rom (CaTBCaJla-Themieii) »^^. ifi 


Brunnen in Laodieea 5, in Afrika ir6. riS 


Bar Mn. 135. 136,« 


Biustschmuek Bgj'ptischer 13; 


Bandornament antikes — iSsff. 


Bryalis Werke: Apollon 177, Sarapis 166 


Baris Msn. von — 162 


Brygos Vasenmaler 6S 


Basall Priester Sta. aus — ajs 


Bucchero - V. 143 


Basiliea in Tigiirt ttg; — lulia 91. 107. 113; 


Buchillustraiion antike 337ß. 


iWw. iiq 


Büste Entwickelung der Form der — 143; weib- 


Basis Form der amiken — 196 


liche — aus Elche ii4ff. iii. 128 


Baurormen Bgyptiiche und griechiAcbe »40 


Bularchos Maler rjb 


Bayerisch-Hessischer Fcricncursus 14s 


Bulla Regia Nymphaeum in - tij 




Bumerang Jagd mit — 31 


Becher 'horoerische' — Soff, aag; Silber — 3j6/. 


Byzacena römische Provini iij 


Bei s. Baal 


Byianlion 63; Ahn. von — 136,1. 145; byiand- 


Bcllerophon itr. Sp. ajr 


nisches Kloster ttg 


Bendii laj. laöf. 




Benha Funde 33; 


Caesar 107; Kopf 3SI: Forum des — 111, M 


Berenike Goldring 143 


Caligula M.H. 74 


Berlin Archäol. Feriencurse 143; archaol. Gesell- 


Cnndelaber römisclier jj 


schaft JJ^. t»oß: Ijsff- 334ff-; Museum: Br.- 


Canosa Glasgcfifse aus — tgrj 


Wage 74ff-: Klaiomen. Skph^. lysg.; T.-Ril. 


CapiieI!rkyprisch-phoinikische43; - mit Köpfen 


(Iliupersis) Soff.; Bgypl. Silberechale 34.; Hildes- 


179 


beimcr Silbetschati Jj>^.,- V. 66 (Aigeiis), /7(5 


Capitolium 101 


(Amphiaraos), 66. 69. 73 (Ericbihonio»), 71 


Caracalla Mzn. 144. 137. 36; Thennen des — 


(Hochieit) 


337. 34t 




Carmen. 119 


Billericay Kunde 33g 


Carnuntum Funde tt3 


Biiye Ä». von — 145. isif. 158 


Carlhago nova Wage aus — 75 


Blei Sculpturen und Inschriften in — iqS 


Cassel Erwerbungen iBSf. 


Bocchoris 4g 


Casserollen römische 35 




Caslulo Mz». von - 125 


Gold-A/. <Sj; Satyr fuhrt einen — lum Opfer 


Catania Replik der Tychc des Eutychides in — 


V. 134 


177.J 


BoehUu J. - 324f. 


Ceres s. Demeter 


Bogenschüti IUI. 236; Goldring ^6\ V. 33-^ 


Cervetri Är.-Schale aus — 38 


Boiotiscbe Vn. iSqff.; Är.-Fibel v? 


Chachrylion s. Kachrylion 


BologDi Kodros-r. in — 65ff.; weibl. Figur Ä/. 


Charon 177,, 


in - 69,6 


Charoneion 177 


Bonn AlteTtainer in — -jöf.; Archäol. Ferien- 


Chiusi Ä-.-Wage aus — 74». 


curse 143 


Chronologie des Pheidias t8o 


Boot Papyrus - 2g. 31. 34. 36. 43; T. 33s 


Ciampolini'sche Antiken Sammlung iggf. 




Cicade T. 63 




Cislerncn römische in Afrika 1/6 



Register. 



267 



Civita Alba Funde /// 

Civita d'Antino oskische Inschrift aus — 1^6 

Claudius Mzn, 66. 68, fo. yj 

Clodius X08 

C. Coelius Caldus, Ahe, 154 

Colchester Funde 2sg 

C o I on i e n phoinikiscbe in Spanien 1 19 f. ; griechische 

ebenda 120 f. 
Columbarium der Villa Panfili ^ff, 
Commodus Mzn, 144 f. 152. 165. 6g f. 78 
Composit ionsweise der Siteren griechischen 

Kunst 176/,; der korinthischen Vn, 201. 176 
Concordia Mu, tgy 
Constantin Mzn, — y6, ^9 
Constantinopel s. Konstantinopel 
Constantius II. Akn. 68, zjg 
Contract-Täfelchen, babylonische 2j^ 
Costig Är.-Funde 125 
Crispus Mzn, 2jg 
Curium Goldkette aus — ;yd 
Cy lind er ägyptische 142; assyrisch-babylonische 

236; kyprische 238 

Danaiden 937 

Daphne ReL 74 

Daphne bei Antiochia 177. 187 f. 191 

Darm Stadt Altertümer in — 6g f,; Archäol. Ferien- 

cursc in — ^43/* 
Darzaleia Spiele 156 f. 
Dashäsheh Funde ^6 
Dattelpalme G, 64 
Deianeira V, 132 
Delphi Ausgrabungen 3g ff.,' Aphrodite iTriTUfißJa 

in — 126 
Delphi ca Tischform 34 
Delphin G. 6s, 238, Br, 78; V, 238; Eros auf 

— reitend T,'RiL 62 
Demeter G, 236; Mzn, 145,20. I53f. 159. i6o,78. 80; 

T, 141; y. «f 

Denisli Stadt i. 11. 78 

Diapositive verkäufliche 144 

Dichter Kopf eines griechischen — jy/ 

Dido Mos, ng 

Diocletianus Min, 66, yj 

Diodor 228 

Diomedes und Dolon Sk, rj6; beim Opfer der 

Polyxena V, 23y; Rosse des — Min, 141 f. 144; 

sog. Villa des — 114 
Dion Mos, 122 
Dionysos mit Bock und Panter Vn, 27 ; gelagert Me. 

152; unter Göttern V, ^3; bei IkariosiWi^j. i^; als 

Kind Br, X)6; unter Mänaden und Satyrn V, J(3y; 

im Gigantenkampf I2y ; Rel, Pergamon 222 



Dioptra 32 

Dioskuren am Schatzhaus der Knidier zu Delphi 
4J\ am Castortempel 112; auf Mzn, 152 ff.; in 
Inschriften 160. 164,95; etr, Sp, ig6 

Diphilos Lieblingsname V, rgj 

Dipylonstil 176, 223 

Diskobol des Vatican 57 ff. 175 f. 

Divus lulius Tempel des — 91. 94. 98f. io8ff. 

Dolon Sk, 176 

Domitian Mzn, 78 

Dositheus 228 

Dreifufs boiotische V. 190; Dreifufsraub Rel, 74 

Dresden Erwerbungen s^ff' t^9ff' 

D u r i s Vasenmaler 67 f. 140 

Ea-bani 236 

E-annadu König jyj* 

Eber ^r.- Gewicht 124, auf Grabsteinen 125, 
Mze, 135 f., Klazomen. Sk, 13g, T, 1^7, Vn, 
21. 140; Herakles und — Mzn. 141 ff.; Eber- 
kopf als Vn.'YoTm 141^ von Reiter getragen 
Br, 124 

Echinus Spülgefäfs J^ 

E-dingiranagin König 233 

Eduard Gerhard-Stiftung ig8 

Ehering christlicher 23g 

Ehrendecrete delphische 41 

Eidolon Vn, 137, igo 

Elftgabal Mzn, 26, 152. 160 

Elaia Mzn» von — 160; Funde 222 

Elche s. Ilici 

Eleuthernai Mzn, von — I73il28 

Elfenbein syrische Reliefs 43; Spindel rg8 ; 
kyprische Funde 238 

Elis Mzn, von — '77 ff* 

El-kab Altar aus — 233 

Emporion i2of.; Min, 121 

Ente 30. 35. 238 

Ephesos Funde 110/, jg6. 237 

Epidauros musische Agone in — 124; Stadion 
//// Tholos 123 f,\ Funde: weibliche Figur 
Sta, 69,6; Weihung an Zeus Philios 159, 74 

Epiktet Vasenmaler 68 

Epikur Mos, 120 

Epona Reliefs 67 f, 

Eponymoi der attischen Phylen 43 

Eretria Tn, aus — 62 

Ergin OS Vasenmaler 68. 73 

Erichthonios* Geburt V, 66. 69. 73 

Eros G, 236; Mzn, X2i. 141 ; Reliefs 188. 74, 222; 
Stia, 77; Tn, 6if, 142, ig4; Vn. 137- ^9^. 
ig2: — und Aphrodite 143, 236 

Escorialensis Codex 194 



268 



Register. 



Efs gerät römisches sS 

etruskische Aschenurne 142; Br.-Stia. 237 \ Gold- 
sachen 236. 2sg; Sp, igt, 237; Vn, 134, 141 

euböisches Gewicht 79 

Euphorbos am Schatzhaus der Knidier zu 
Delphi 41 

Euphronios Vasenmaler 68,n. ij6. 237 

Euripides' Einflufs auf die Vascmnalerei 65. 73 

Eurydike und Orpheus Ahn, i38fF. 

e6pud{A{a i8z. 183 

Kutychides Bildhauer 177. 183 

Euxitheos Vasenmaler 68 

Faiencen ägyptische 233 f» 

Falerii Goldschrauck aus — 236 

Faun Sigillata-/2f/. 70 

Fausta Mzn, 23g 

Faustina Mzn, 153,43. 70 

Feder Attribut der Musen 183. 241/, 

Felssculptur bei Antiochia (Charoneion) 177 

Keriencurse archäologische 143/» 

Festzug ägyptischer 36 

Fibeln Br. 64, 73. 237 

Fikellura-Kff. 224 

Fische im Nil 29. 31. 34. 37; i?r.- Fibel 237; 

Fischköpfe G. 64 
Fischer ReL 236 
Flötenspieler V, 134^ ReL 190; Form für arretin. 

Vn. 237 
Flu gel aus den Oberarmen wachsend, 71 (Eros) 62; 

FlUgelpferde Gn, 64 f. \ geflügelter Kentaur G, 

^5\ geflügelter Steinbock G. ^j"; geflügelte 

Göttin etr, Sp, 237 
Flufsgötter Mzn, I38f. 150,01. 157; — der 

Unterwelt 140 
Fortuna Weihungen an — 21. 72 \ Altar der — 

68; zwei Fortunen Mze. 155,53 
Frangois-F. 22f. 176 
Frankfurt a. M. Altertümer in — 70 
Franks Sammlung — 23g 
Frau Etr, Br,-Stta, 237; gefangene — Sita, 236 \ 

knieend im Gebet Stta, 23 3 \ Korn quetschend 

7\ ig4 
Freiburg i.B. Altertümer in — 68 
Frosch als Fibel 73; Br. ig6 
Fuchs Mze, 135 

Füllhorn des Grofsen Gottes 157. 161. 163 ff. 167 
Funde archäologische im Jahre 1897: iioff,\ in 

Nordafrika 112 f, 
Fufs K«.-Form 13t 

Gadeira (Gades) iiSf. 
Galaxidi Vn, aus — I37f' 



Galba G, 238 

Gallienus Mzn. 66, 77 

G all US Ahn. 169 

Gans 30; Knabe auf — reitend T. 60 

Gazelle Mzn. 135 f.; — und Löwe IVgnt, 32 

Gefangene 236 

Gemmen in Bonn 76; Dresden 64/,; Ix>ndon 
236, 238 f,\ Trier 73 

Genius ReL-Fr, 26; — des Todes etr, V, 141, 
Sk,'Relitfs 186. 188; geflügelter — Br. 197 

geometrische Vn. aus Spanien 123 

Gerhard s. Eduard Gerhard-Stiftung 

Gerichtsscenen Wgnt, 50 

Germe Ahn, von — 145 

Geryones Ahn. 142. 144 

Gespann Zweigespann V, 16, Silberschalc 35; 
Viergespann Vn, 17. 132/, 

G est US der Adoration 123/. 

Geta Ahn, 135. 148 

Gewichte Br, 124. 64^ Stein — 233. ^8 

Giganten Vn. 68. 73. 124 f,\ luppiter im Giganten- 
kampf 66 f, 74\ Bacchus im Gigantenkanipf 127; 

— mit Löwenkopf 127 f. 177 
Gilgamesh 236 

Gips Mumienmaske 233 \ Gipssculpturen ig7/, 236; 
Abgüsse in Stuttgart 68, im Louvre igj; käuf- 
liche ^g 

Gizeh Br.-V, in — 28ff. 

Gladiator T,'L, 70-, Sigillata-Ä^/. 70 

Glasgefäfse im Louvre ig7; anglo-römische ^^9; 
griechische igo/,\ griechisch-phoinikische 142, 
238; römische 72. 74, 77/. 233 

Goethe V, der Sammlung — 200 ff. 

Göttin thronende — Tn, 60. i4i\ geflügelte — 
Br,237; nackte — Z-Idole 123/,-^ Marmor->ÄV/. 
140; Kopf einer ägyptischen — 233 

Gold Erwerbungen des Brit. Mus. 236, 238/,; 

— schmuck in Dresden 63/,, Oxford 143; ägypt. 
Goldsachen 233/.^ mykenische 123; Reiter, 
Goldblech 122 

Gordianus Pius Ahn, 138^. 141. I44f. 156. 
159 f. 166 

Gorgoneion 186. 188. 142 

Gott Der Grofse Gott 155fr.; Göttermutter s. 
Kybcle; Götterzug V, 22; Göttin ReL 140, 
ägyptische 233, geflügelte Br, 237, nackte Tn. 
^^Sf't thronende Tn, 60. 141 

Grab des Achilleus 237^ des Neoptolemos 47- 
Scenc am — Vn, 137, igo, ig2f. 

Ägyptische Gräber 234/., mykenische auf 
Cypem 238^ punische it2f, iig, römische 68; 
Kuppel — von Mcnidi 13; Grabfunde in Buden- 
heim 7^, Elche 116 f., Nierstein 72^ Sablon 66, 



Register. 



269 



Trier 7^, Weisenau 72; Grabmäler: ägyptische 

^9/. 2SJi griechische 73 (Aristylla). 189 f. 

ip4/. 224, 2S7t punische 112/., römische 67 
Gräbchen des Limes 4 
Granatapfel von Apollon gehalten 173 
Granit ägyptische Sculpturen von — 2jj 
Greif Gold-Rel. 239 
groma s^ 

Gairlanden an Skpkgn, 186. 188 
Gymnasium in Athen 121^ Ephesos iii, Pergamon 

221/, ; archäol. Curse für Gymnasiallehrer 14s/* 

»39 f' 
Gymnesien Inseln 124 

FufAv^Tat 124 

H ab ic hasche Sammlung t88* 191 ff' 

Hades Mtn, I4S>30. 149; ^r.-Gravirung 151,36; 

T,'V, 237; Thür des — 23S 
Hadrian Z^r.-BUste 238; Min, 147 f. 156. 159 f. 26. 

70, 177 ff.; Neubau des Castortempels iiof. 
Hadrianopolis Mkn, von — 138 ff. 141 ff. I44f. 
Hadrumetum Mos. aus — 114. 118/. 
Hafen von Karthago 112, 128. 171 ff. 224 
Hahn V. 21 

Haimos personificirt Ahn. 136,4 
Hanau Altertümer in — 70 
Harmodios Sict. 70 
Harpe V. 202 
Harpokrates Mzn. i4Si30 
Hasenjagd Glas-^tf/. 74; F* 140 
Haus römisches: Entwickelung iis\ bei der Villa 

Famesina ^o^ bei LUtzelbach ns\ — des Nero 

186: — Mos. 119 
Hebros Ahn. 139 
Heddernheim Kastell 70 
Heemskerck 193 
Hekabe XiL-V. 81 
Hekate Köpfe von einer Sia, 189 
Helena und Menelaos Sp. 78 
Helios als Schildzeichen 142; etr. .^.-Griff 337 
Helm Br, 72 
Hemeroskopeion 121 
Henchir Mettich Inschrift von — 119 
Henkelpalmetten auf Vn. 67 
Hephaistos bei Erichthonios' Geburt V, 73 
Hera V, 20,8; A&n. m8o; — des Polyklet r8o 
Herakleia Min. von — 143 f» 
Herakles Br.-Rel. 76; Sta. 63. 67; Br.-Stta. 77; 

Kopf 14 1. 140; Min. 60,7. 14 1 ; — Epitrapezios 

178; Tempel des — in'Gades 119 
— und Athena V. 140; ausruhend Rtl.-V. 141; den 

Dreifufs raubend Hei. 74; gelagert auf Löwenfell 

Br. 237; — und Hydra V. 202; im Kentauren- 
Areb&olof Iscber Anzeiger t898. 



kämpf 15 f. 22. 27. 49. ^2; auf Keule gestfltzt 
T. 62; mit Kopftuch 34/.; — und Löwe, Kalk- 
steingruppe 77, Vn. 140, 190; — und Nessos 
i6. ij»; — und Pygmäen 49; die Schlangen 
würgend Br. 237; — und Triton V. iss; zwölf 
Thaten, Gold-^/. 239, Msn, 140 ff., tabulae 
Iliacae 228 

Herculaneum Zeus Sta. aus — I92ff. 

Hercules s. Herakles 

H e r m e i9o/ Doppel — des Herodot und Panyassis 226 

Hermes G. 238; A&n. I38ff. 161. 171. I74f.; Vn. 
71. J32/. 189; Cult in Antiochia x8i 

— mit Blatt zwischen den Kopfilflgeln Br, 
183. 241/. : mit Diskos 57 ff. 175 f.; Kopf des 
— als Gewicht 77; — Kriophoros 171 ; — mit 
Orpheus Min, 138 ff.; — des Praxiteles 173 f.; 
im Ringkämpfer. 180 ff.; einen Widder opfernd 65 

Hermeskraut 181 

Hermupolis ^3 

Herodot und Panyassis, Doppelherme 226 

Heros auf Mn, 163; Heroencult 28; Heroon des 
Antigonos Gonatas 124 

Hesa Ägypter 934 

Hesperiden Min. I42f. 

Hetären V, 141 

Heuschrecke 71 62 

Hieron Vasenmaler 68 

Hirsch V, 201; Herakles und — Mie. 141 ff.; 
Hirschkuh und Telephos Me. 141. 145; — vom 
Löwen gepackt, byzantin. Darstellung 222 

Hirt Mos. 114; Sita. 198 

Hochzeit V. 71 

Holz ägyptische Statuetten aus — 66. 236; Särge 
aus — 72; Kopfkissen 936 

'Homerische' Becher 8off. 229 

Hoplon Kentaur 22 

Horaz 127/. 177, 180 \ 

Höre des Winters T.-Ril, 62 

Horreum 76 

Horus :t33 

Hund T, 72; Vn, 133, 140 

Hydra Kampf mit Herakles Mu, 141 ff.; V, 202 

Hydria silberne 36 

Hygieia Mn. 146. 151 

Hygin 228 

Hypokaustum bei Bopfingen j8 

Jagd Gold'Rel, 239; am Nil 30 f.; römische — 
Mos, 113. 119 f.; Mm, 136,4; Hasenjagd F. 140, 
Glas-^/. 74 

Jäger Br.'Rel. 142 

Iberien phoinikische Kultur in — 118 ff.; iberische 
Schrift 120; iberischer Kopfputz 127 f. I29ff. 

20 



270 



Register. 



Ichneumon ^oL; Men, 135 f. 

Idole archaische laj/, 141; phoinikische in Spanien 

119; iberische 123 
Jena y, in — 200 ff. 
Jerusalem Tempel zu — 2J4 
Ikarios .^j. /^ 
Ilerda AAn. von — 123 
Ilici Name 121^, weibliche Büste aus •— 114 ff. /». 

Ilion A&n, von — IS5>^; tische Tafeln 22S 
Iliupersis V, des ßrygos 68; tVj^. des Polygnot 

81. 46, 240\ ReL auf Thonbecher 80 ff. 
Illustrationen der Heldensage 228ff. 
Indigeten.in Spanien 120 
Insel-Reise 14s \ — Idole 12s f. \ -Steine 64, igi 
Institut Kaiserlich deutsches archäologisches — 

^7 ff' ^44 ff' '9Sff' 'S9ff'l österreichisches 

archäologisches — 227 
lolaos V, 202 
Isinda Min, von — 162 
Isis 145, 20. 154. S7 
Istar J28/. 
Istros Inschrift aus — 155; A&n, von — 163 ff. 

167 f. 
Italien Funde ////. 
Jüngling T.'SUa, 141-, mit Hund TI-Ä/ö. 72\ ein 

Mädchen verfolgend V, ^6 
lulia Domna Mii, I37f. 
lulia Paula Ahe» 153 
luno Altar der — 68 
luppiter im Gigantenkampf 66/, 74; Altar des 

— 68; sitzend Süi, 6g \ Capitolinischer — des 

Apollonios 192. 197 ff. 
luturna Lacus der — 112 
Iwan off 227, 241 

Kabir V, 151,36; Ahn. 153,45; 'eir, Sp, ig6\ Cult 

in Odessos 160 
Kachrylion Vasenmaler 68. 237 
Kadmos Gebirge i; Flufs i. 12 
Kaiamis Apollon des — i67ff,. 173 
Kalläkien Kriegerstatuen aus — 126 
Kallatis Ahn, von — 141 
Kammern im Unterbau des Castortempels 103. 

III 
Kampf sc ene Vn» ijj, ^7; T.-RtL 13 g 
Kanachos Apollon des — 173 
Kanal in Laodicea 9 ff. 
Kanites Mm. des — 159. i6o,80 
Kapros Flufs i. 9 
Karlsruhe Altertümer in — 68 
Karthago Funde it2\ Plan von — 12 8 \ Hafen 

von — 112, 128, 17t ff', 224 



Kassandra und Aias RtL-V, 81 

Kasso tis 4S 

Kastelle des Limes rsff, 70 

Ka-utcha-änkh Ägypter 234 

Karnak Funde 233 

Keftiu Volk 49ff. 54,55; Tracht der — 52; Tribute 

der — 53 
Kentaur V, ijj\ Br. 121 f.; geflügelt G, 6s l 

Kampf mit Herakles 15 f. 22. 27. 4g, ij2 
Kerberos Ahn, 142 f. 145,30 
Kerykeion Bedeutung 62 ; Mze, von Amastris 59 f. ; 

Bei. aus Pergamon 77; Bildung des — 60,8; an 

Wage und Gewichten 77 
Ketos V, 20 

Khaires ägyptischer König 142 
Kimmerier 176 
Kinderkopf T,'Rti, 6s 
Kirrha Zür.-Fund ig6 
Klageweiber 12s/, 

Klasomenai Skphge. aus — rsg» HSff» ^^5 
Klitias Vascnmaler 22f. 
Kloster bei Tebessa iig 
Knabe reitend V. ijj\ auf Gans reitend T. 60; 

ein Mädchen umarmend T, 6i\ mit Stirnlocke 

T, 70; Kopf mit Lorberkranz 74 
Knidos Thesauros von — in Delphi 4off,\ Lesche 

ebenda 45ff'\ Ahn, von — 41 
Kochender Mann T, 141 
Kodros-F. 65ff. 
Köln Altertümer in ,— 77/, 
König Kopf eines ägyptischen — 233\ persischer 

auf Wagen a^g\ Könige von Argos ^^,1 
Komos V, 68 
Konstantinopel Antiken in -^: klazomenischer 

Sk, iys\ Tänzerin Rtl, iggf, 22r^ Hermes im 

Ringkampf Är.-Gruppe 177 ff. 
Konstanz Altertümer in — 68 
Köpfe an Säulencapitellen 179; Kopfkissen, 

hölzerne 2s6\ Kopfschmuck des Hermes 181 f« 

24t f,\ iberischer 127 f. 129 ff.; Kopftuch, ägypti- 
sches 40, syrisches 43; Herakles mit Kopftuch 

54/' 
Kora Vn, 133, 3^7 \ Ahn, 159 f.; ^r.-Situla 151,36 
Korinth Br,'Sp, aus — (13 \ Löwe, Porossculptur 

aus T- 140; korinth. Vh. 2cx>ff. igo; Com« 

positionsweise derselben 176 
Korn quetschende Frau T, jg4; Kornspeicher 71 

J4^ 
Kos Ausgrabungen 240 
Kottabos y. {^6 ' 
Kraniche Ahe, 134; — und Pygmäen 4g 
Krateia K. 151,3c 
Krebs V, 202 



Register. 



271 



Krefeld Altertümer in — y8 

Kreta Altertümer aus — 142, ^6, 23g 

Krieger Vn. 201. jy»j>. ^j/; assyr. Reliefs 236% 71- 
ReL 62. ijg\ — Grabsteine in Spanien 126; 
sitzende Grabstatue 134; persische — 2S9 

Kritios Bildhauer 70 

Kroisos i22f, 

Kroton Funde ui 

Krupeza 2jy 

Kuh mit Kälbchen Br.^Vn. 29. 38; silberner Kuh- 
kopf 125 

Kupfer Verhältnis zum Silber 79 

Kuppelgrab von Menidi, Funde 13 

Kur na Scarabäus aus — ^j 

Kybele am Schatzhaus der Knidier zu Delphi ^/; 
Naiskos der — J-^/. ; Mzn, 154 

Kyknos V, jif, 

Kyprien 228 

Kypros Kyprisch • phoinikische Capitelle 43; alt- 
kyprische Tn. 12s \ Ausgrabungen auf — 238 

Kyrenäische F. iSg 

Kyros Zug gegen Kroisos 122/, 

Laberii Villa der — 'tSff- 

Labyrinth K. 68 

Laches Lieblingsnamc auf Vn, 140 

Lac US luturnae II2 

Ladenburg Ausgrabungen 6g 

Lagash Stadt 233 f. 

Lambda argivisches 41 

Lampe T, 236 

Laodicea (ad Lycum), Wasserleitung in — i ff. 7<? 

Lar Sitn,77,ig6 

Laurion V, aus — 137 

Leagros Lieblingsname V,23y 

Lectisternium Ahn, 154 

Legio L IV: 78, VIII; 2o/,\ XIL XIV: 7/; XV: 6g; 

XVI: 78', XXII: 20 f, 26, 6g ff. 73^ 7S\ XXX: 78 
Leichenzug ägyptischer j^ 
Leierspielcr TI-Lampe 236] Eros als — auf 

einem Löwen reitend 0,236 
Lemnia s. Athena 
Leon Gigant 128 
Leptis Minor 113 
L es che der Knidier 43 ff. 
Lesches kleine Ilias des — 80 ff, 
Lete Mtn. von — 151,36 
Leuchter Br* 143 
Leukippidenam Schatzhaus der Knidier zu Delphi 

4i\ K^6 
Libanios Bildnisse dee — 185 
Licinius Mkn, 76 
Licblingsnamen auf griechischen Vn,J33f,tg3,237 



Limes Bericht der Reichslimeskommission iff, 

Lincoln MUnzfund 23g 

L i n o s V. ^7 

Löwe Porossculptur 140% am Schatzhaus der Kni- 
dier zu Delphi 4i\ G, 6j; <Ä^/. 67; Vn,2\, 24. 
140; Mzn. 135 f. 

Dionysos als — 127; Eros auf — rettend G. 236", 

— und Gazelle lVjgm.32\ — und Gilgamesh 236; 

— der Göttermutter j^; — und Herakles, Kalk- 
steingruppe 77 t Ahn. 141 ff., Vn. 140. igo\ — 
und Hirsch 222\ — ein Reh zerfleischend G, 63 \ 

.und Stier Br..'V. 29. 31 f., Sk. 186 

Herakles auf Löwenfell gelagert Br, 237 ; Löwen- 
kopf als Gefäfshenkel 23g^ an Skphgn. 188. igs^ 
Br. 'Griff ig 6, Goldring i^^; Gigant mit Löwen- 
kopf /j?7/,; Löwin 125 
London Erwerbungen 234 ff.; British Museum: 

Niobiden F. 66; klazomenische Skphge. 173 ff". 
Lorberzweig als Attribut des Apollon 171 
Lotos Pflanze 31; Attribut des Hermes 181 ff. 
241/., des Antinoos 182; in Ägypten getragen 

183 

Lusia s. Artemis 

Lykos Flufs i f. 

Lykos Heros V. 71 

Lykos Lieblingsname V. 136 

Lykos ura Funde /// 

Lykurgos Goldring 143 

Lysippos Ausspruch des — ^82 ff. 

Macteur christliche Grabschriften aus — tg3 

Madrid Altertümer in — 125. 127 ff.; Codex 
Escorialensis 194 

Mädchen Tn. 6off.\ — verfolgt V, 136 

Mänaden V. 137; Blei-Ril ig8; Torso 118 

Malerei Ägyptische Grabgemälde 29ff., bemalte 
Grabstelen und Mumienmasken 233; Stuck- 
malereien eines Fufsbodens 32 ; Wgm. der Lesche 
der Knidier 46^ des Columbariums der Villa 
Pan&li 47 ff,t aus Pompeji 4g, im Farnesinahaus 
30, tronender Zeus 197; Vasenmalerei s. Vasen; 
Ein flufs der — auf die Reliefs der Traianssäule 
240 

Magnesia am Maiandros» Silensherme Br^ aus — 
ig6 

Mahlzeit Einteilung der römischen — 34 

Mainz Altertümer in — 7t /f. 

Malaka 119 

Manciana lex iig 

Mannheim Altertümer in — 6g 

Marcus Aurelius Ahn. 136. 152. 163. 174. 26, 

70* 77/' 
Markianopolis Ahn. von — 145 

20* 



2/2 



Register. 



Marktplatz in Ephesos no 

Marmor Erwerbungen Boston 140^ Dresden 12g ff,^ 

London (Brit. Mus.) 2j6 /.^ Oxford 142^ Paris 

(Louvre) ig4f^\ im Museum zu Pergamon 222\ 

Sculpturen aus Antiochia 184 ff, 
Maroni (Kypros) Ausgrabungen 238 
Mars (s. Ares) ReL 2g; Sttn, 75. ig6\ Venus mit 

den Waffen des — G, ys\ Weihungen an — /?. 

26, 2 g 
Maske Tn, 62.122 ; Mumienmasken Jjff» ; tragische — 

am Henkel einer Br.-V, tg6\ Serapismaske am 

Untersatz einer Är.-Gruppe 179 
Massilia Funde j^; Einflufs auf die iberische Cul- 

tur 120 f. 
Mastaba ägyptische Grabform 23s 
Mauer des Limes J^.,* Stadtmauer von Mainz //, 

Pergamon 221 
Maultier V. X33 
Maximian US Min. 66. 7J 
Medeia V. 65. 69 f. 
Medusenhaupt an Skphgn. 186. 188 
Meidias Vasenmaler 73 
Mclite y. 70 

Melos Inselsteine aus — 64/. 
Memphis 183. 2SS 
Menander Büste 140 
Menelaos und Helena Sp. 78 
Menidi Vn, aus — 13 ff. <?/ 

fAijvfoxoc Z3^ ff' 

Men-Kaura ägyptischer König 142 

Men-Kheper-Rä König 236 

Mercur (s. Hermes) Weihungen an — i8\ Altar 
des — 6g 

Mert-tefs ägyptische Königin 233 

Metapont Mzn. von — 170,119 

Metellus L. Caecilius — 87. 107. iii 

Metz Altertümer in — 66 

Milesische F». 224/. 

Militärdiplom jg6 

Miltiades Sia. 43 

Minerva (s. Athena) ReL-Fr. 26; ÄA». 73, ßp3 

Mini eh Sculpturen aus — ig4. ig8 

Minotauros Vn. 68. ^3 

Mischkessel silberner ^^ 

Mithras 177,1 

Mitos K, 151,36 

Monnus 22g 

Monogramme auf A&n. 183 

Montelcone Goldring aus — 236 

Mosaiken Alexandcrschlacht ^^o; im Castortempel 
zu Rom 100 f.; aus Grandson 136,5; aus Hadru- 
metum 1/4. n8 f. ; im Hause der Laberier 113 f» 
118 \ in Olympia 183; in der Villa des Pom- 



pejanus //j; aus Sarsina 120 ff. 173 \ aus Torre 
Annunziata iii f. 120 ff. 

Münzen Erwerbungen Boston 142^ London (Brit. 
Mus.) 23 g\ — von Aroastris 58 ff. 175 f.» Athen 
'73- '83^ Elis 177 ff'% griechische in Spanien 
123, griechisch-phoinikische in Spanien 120 f., 
iberische 124 f., von Knidos ^/, Philippopolis 
6i,u, phoinikische in Spanien 119, römische 
(Kaiser--^».) 26. 66. 68 ff. 73. 73 ff* 78. ig7, 
(Interregnum nach Nero) 198, tbrakische 134 ff. 

Mumien 66\ -Binden J^3\ -Kasten 233 \ -Masken 
und -Büsten SSff* 233 \ -Täfelchen mit Inschrift 

S9 
Mundschenk beim sog. Totenmahl 151 ff. 

Muschel Aphrodite in — fahrend V. 137 

Musen Rel. 67 \ Feder Attribut der — 183; mu- 
sische Agone in Epidauros 124 

Mykenische Funde auf Kypros 238^ — Br.-V. 
aus Ägypten 28 ff.; silberner Kuhkopf aus My- 
kenai 125; — Schach tgräber 123'^ — Thonidole 
123 f.i — Tracht 52; — Vn. i8g. 224 f.; Be- 
ziehung der — Cultur zu Ägypten 50 

Mykonos G. aus — 63 

Myron Perseus des — 60,7 

Mytilene Mkn, von — 160 

Narkissos Kopf j*^ 

Naukydes 63ff. 176 

Naxos Apollon Sün. aus — 172. 173,129 

Neapel Zeus Torso in — 192 ff. 

Nectanebus König ^3 

Nefer-tem ägyptisclier Gott 183 

Negerkopf L. ig6 

Nekyia Wgm, der Lesche 46 

Nemesis in Rhamnus 196 

Nenkheftka Grabstein des — t3g 

Neoptolemos Grab des — ^; den Priamos tötend 
ReL'V. 81 ff.; Polyxena opfernd V, 237 

Nephthys 37 

Neptun (s. Poseidon) Zug des — Mos. 118 

Nereiden Mos. 118; Grabstele ig3 

Nero Min. des — 74. 78; Haus des — in Olym- 
pia ^6 

Nesiotes Bildhauer 70 

Nessos Vn, 16. 132 

Nestor V. ^7 

Netum Ausgrabungen in — /// 

neu-attische Kunst iggf. 

Neufs römisches Lager in — 76 

Nikaia Herakles Kopf aus — 34 

Nike Vn. 133. 141. ig4; Rgl. 222; Tempel in Athen, 
Bauinschrift ///. 124 

Nikomedeia Mzn, von — 154 



Register. 



273 



Nikopolis Ahn. 136,4. 143 

Nil Tierleben and Jagd am — 298*. 

Ningirsu Gott ^j 

Ninive ^6 

Niobiden V, 66. 69 

Novius Vindex Hercules Epitrapezios des — 

178 
Nurhagen in Sardinien 122 
Nymphaeum in Bulla Regia 777 
Nymphe ReL öf; Ahn, I49f. 151,36. 153 

Obelisk 2SS 

Odessos Ahn, von — 145. 152. iSSff. 158fr. 161 f. 
163,90. 165. 167. 169; Priesterverzeichnis aus — 

158 

Odrysische Ahn, 162 

Odysseus und Dolon Sk, lyö; — und Skylla, 
Br,-Ril. 2sy 

Oecus IIS 

Ölbäume der Akademie 121 

Oidipus und Sphinx V, 14t 

Oinomaos im Ostgiebel des Zeustempcls zu Olym- 
pia 71; auf etr. Sp, 2S7 

Okeanos V, 27 

Olbia Ahn, von — 172 f.; Inschriften aus — 1 73,130 

Olisipo Funde 122 

Ol tos Vasenmaler 68 

Olympia Haus des Nero in — j86; Zeus des 
Pheidias 196. i^yff, 

Olympieion /// 

Omphale G, 236 

Omphalos Schalen mit — 28 f. igi; ApoUon auf 
— Ahn, 168 

One s im OS Vasenmaler ^«y,3. I3sf, 

Opfer Vn, 134, 140; der Polyxena V, 2S7 

Ornamentik der korinthischen Vn. 201 

Oroibios Kentaur 22 

Orpheus Ahn, 135fr. 

Orvieto Aphrodite Sita, aus — 126 

Osiris Br,'Stta, 66, 23S 

Otacilia Ahn, 6g, 797 

Oxford Altertümer in — 142 

Oxus Goldschatz vom — 23g 

Oxyrhynchos Funde 236 

Paidikos Lieblingsname V, 13 j 

Palermo Wage in — 75,1 

Palestrina Goldschmuck aus — 143 

Palissaden des Limes 4 

Palmyra Porträtkopf aus — 189 

Pan Kopf 1^4 

Panopolis Funde 23s 

Panter auf Vn, bei Dionysos 27, im Tierfries 201; 



an ^r.-Wage 74; Klazomen. Sk, 13g \ Vogel mit 
• — köpf y, 190 
Pantikapaion Ahn, von — 171 
Panyassis und Herodot, Doppelherme 226 
Papyrus -Boote 29. 31. 34. 36. 43; — handschriften 

23j\ — Stauden 29. 31. 34. 38 
Paris Louvre: Erwerbungen 1^4 ff,] Athena Velletri 
Sta. 60,7; Büste von Elche 114 ff. ii2, 128 \ 
Gigantomachie V, 124/.; V, des Onesimos i36\ 
Reiter, Goldblech 122; Cabinet des Medailles: 
Ahn, (Zeus des Pheidias) mff, 
Paros Ausgrabungen auf — 22^, 240 
Parthenon s. Athen 
Parthenos s. Athena 
Pataeken 119 

Patroklos am Schatzhaus der Knidier zu Del- 
phi 41 
Pegasos etr, Sp, 237 
Peloponnes-Reise 14s 

Pelops im Ostgiebel des Zeustempels zu Olym- 
pia 71 
Pepi l, 236 

Pergamon Cult des Zeus Philios in — 1 59,74; 
Horaz und — ^27/, 777. 180; Ahn, von — 
145. 147; Helirfs aus — 77. 236\ Porträtkopf 
aus — ig4\ Museum in — 221 ff, 
Perinthos Mzn, von — 141 ff. I44f. 
Peristyl im römischen Hause 77^" 
Persephone s. Kora 
Perseus des Myron 60,7 
persischer Goldschmuck 23g 
Pertinax Ahn, 152 
Pfahlbaufunde 68 
Pfahlgraben am Limes 2f, 7 
Pfeiler der Limesmaaer ^ 

Pferd Ä-.-Fibel 237^ Mzn, I35f., Silberschale 35, 
V. 140; Flügelpferde G, 64 f., Ahn, 121; Pferde- 
kopf Rel, 190; Pferd eprotome V, 132 \ Pferde- 
geschirr 70 
Pflüg er Mos, 114 
Pfund römisches 79. 124 
Phahaspes Perserkönig 23g 
Pha 11 OS- Figuren, ägyptische 236 
Pheidias 196. 4$, 177 ff. 180 
Philippopolis Ahn, von — 135 ff* 145 
Philippus L Ahn, 145 f. 151. 26 
Philosophen Mos, iiif, i2off, 17s 
phoinikischer Kunststil 43 f.; Phoiniker=Keftiu 
51 f.; punische Grabstelen 112/, iig\ griechisch- 
phoiniki3che Glasgefäfse 142\ phoinikische Cultur 
in Iberien 118 ff.; phoinikisches Porzellan 238 
Phoinix V, 23J 
Photographien verkäufliche 144 



274 



Register. 



P h y 1 e n Eponymoi der attischen — 4s 

Pi-netchem König 2Sä 

Piräus V. aus — 138 

Pia ton Mos» i^off. 

Pleuren Ausgrabungen 240 

Pluton 164. 166 

Po litt a Grabstele der — ajs 

Polygnot IVgm. des — in Delphi 46; Iliupersis 
81. 240 

Polykles Bildhauer 18 j 

Polyklet 64. 141, 180, 182 

Polyp V, i8g 

Polyxena V, 2J7 

Pompejanus Villa des — iij 

Pompeji Schnellwage aus — 75 f.; W^. aus — 
4g; Mos. aus — 240\ sog. Villa des Diomedes 
ii4\ IwanofT über — 242 

Pompejus BUste 140 

Pontedera etr, Sp, aus — igö 

Populonia Goldschmuck aus — 2j6 

Porträts Sammlung des Varro 22g \ ägyptische 
2j6t Mumien — SS ff' ^SS\ etruskische 142; 
griechische ///. /42\ iberische 114fr. J12. 128 \ 
römische 189. 236 

Alexander d. Gr. 2^8 \ Berenike G. 143 \ 
Caesar 231 \ Dichter -2^7; Galba 238 \ Hadrian 
238 \ Libanios (?) 185; Menander 140^ Pom- 
pejus 140 \ ; 

Porzellan 238 

Poseidon (s. Neptun) Mzn, 154 

Postumus Abn, 144 

Pozzo 194 

Praxiteles Werke: Hermes 173 f.; 'Pseliumene^ igt 

Priamos Tod Rel-V, 81 ff.; Wgrn, des Polygnot 81 

Priapos 230/. 

Priene Ausgrabungen 240 

Priester Statuen ägyptischer ~ 233 \ Priesterin 
der Athena 81 

Probus Mzn, des — 66 

Proclus 228 

Prophet des Amon - Ra Sta, 233 

Proportionen 184 

Prothesis Vn, 130/, 

Provinz Bei, 222 

Prusias Man, — 143 

'Pseliumene' des Praxiteles igi 

Pygmäen 4g 

Pythagoras Philosoph Mos. J20 

Rabe Mze, 135. 172; Rel, 171 f. 
rätischer Limes 3 
Ramm an u Windgott 236 
Ramses II 233 



Redner Sta, 1 83?.; Rednerb ahne auf dem Forum x 07 ff. 

Reh V, 133; von einem Löwen zerfleischt G. 63 

Reisesilber römisches 34 

Reisen des archäol. Institus Jyj/. igg: — in der 
römischen Provinz Arabia 120 

Reiter Br. 124; Goldblech 122; M%n, 124. 149 f. 
I55ff. i6xff. i64f. 167; Sta.'Fr. 66: T. 14/; 
Vn. 202. 13T. 133, 237 

Responsion /7Ö 

Retenu Volk der — 45f. 51; Tracht 52 

Rhamnus Nemesis in — 196 

Rheneia Ausgrabungen auf — 227 

Rhode i2of.; Ahn, I2I 

Rhodos MUnztypen 121; altrhodische Vn, 224 f. \ 
Inschrift aus — Z26 

Rhoetus Gigant 127/. 

Richtlatten Construction der — 32 

Rinder auf ägyptischen Monumenten 29. 35; 
Mzn. 135 f. 

R i n g e • Sammlung Franks 23 g 

Ringkampf zwischen Theseus und Minotauros 
V, 133 \ zwischen Herakles und Triton V, 133 \ 
Hermes im — Br, 178 ff. 

Rom Basilica lulia 91. 107. 113; Capitolium loi ; 
Capitolinischer Tempel I98f. 77J; Capitolinischer 
luppiter 192. 197 ff.; Apollon des Kaiamis auf 
dem Capitol 167; Castortempel 87 ff.; Cloaca 
Maxima 107; Forum 87 ff.; Tabularium iii,29; 
Tempel der Venus Genetrix 11 1,28; Thermen 
'des Caracalla 227, 241; Winckelmannsfest in — 
240; phoinik. Porzellan vom Esquilin 23S 

Antiken in — : Capitol (Stadtplan) 88. 112 ff.; 
Vatican: Diskobol S/a, 57 ff. 175 f., Vn. 66 f. 
72; Vigna Ctsi,.i93; Villa Famesina (römisches 
Haus) 30; Villa PfinfiR (Columbarium) 47ff,\ 
Villa Torlonia (Philosoppen Mos^ 120 f. 173 

Römisches Bad jg. 21, 26, 68. 73. iiof.\ 
römische Funde in Nordafrika t'3ff*\ Glas- 
gefäfse 72, 74. 77 fA römisches Haus, Ent- 
Wickelung //j", bei der Villa Farnesina 30^ bei 
LUtzelbach 6g\ Lager 7^; römische Münzen 
s.d.; römisches Pfund 79. 124; römische Strafsen 
im Limesgebiet 8 ff, 6g; Wasserwerke in Afrika 

^^Sff- 
Rosette in der ägyptischen Kunst 33 f. 

Rostra lulia 94. 108 ff.; grofse — 91. 94, 108; 

— ad Castoris 109 
Rüstungsscene y. igo 
Q. Rustius M%n. des — i54i&3 
Rutchek Äg>'pter 233 

Saarbrücken Altertümer in — 73 
Sabazios 150 



Register. 



275 



Säulen ägyptische und gnechischc 340 

Sagunt 121; Mzn. von — 123 

Sahu-Rä ägyptischer König 2JS 

Sakkära Funde 23^ 

Salb a kos Gebirge i 

Saloino Urteil des — 4g f, 

Salon i na Mzn, 77 

Saloninus Mtn. 77 

Sa mos Ausgrabungen auf — ^^4f*\ samische Vn, 

324 

Samothrakion 160 

Sandalen auf Vn^ 20,9. 131 

Sarapis s. Serapis 

Sardinien Nurhagen in — 122 \ ^r.-Funde 124 

Sarkophage aus Klazomenai isg, ^75 ff' ^^J'y 
phoinikische aus Gades 119; griechische aus 
Antiochia 185 ff.; römischer jgj\ — der Samm- 
lung Ciampolin 199 

Sarmizegetusa Einnahme von — 240 

Sarsina Mos. aus — ^'off, 

Sati ägyptische Göttin 235 

Satyr Br.-Stta, 122; G, 2j6\ Kopf 189; Sk, igj; 
T.'Rel 62; Vn, 134/^ W 

Scarabäen ägyptische 23s f* 238 

Schachtgräber mykenische 12s 

Schakal Mu. 136 

Schatzkammern s. Thesauren \ 

Schiffe (s. Boote) äg^'ptische 36; boiotische 237 \ 
römische Mos, 118 \ Schiffsmannschaft, ägyptische 
51 ff.; Schiffsschnäbel an der RednerbUhne 109 f. 

Schildkröte Amulet igö 

Schilf 29 

Schlange G. 64; Vn. 17, 20,10. 27. ^8\ Herakles 
Schlangen würgend Br, 237 \ Beziehung der — 
zum Heroencult 28 

Schrift iberische X20 

Schuhwerk auf sf. Vn» 20; ägyptisches 70 

Schwan V, 140; Br.'V, mit Schwanenkopf als 
Henkel ig 6 

Schwein JÄ^. 135; Form einer V, 238 

Schwert archaische Form 15,6. 

Scopas Minor 237 

Scorpion V, /40; Scorpionmenschen, Siegelcylinder 

^36 
Sebek Br.-Stta. 23J 
Seleucia Sculpturen aus — 189 
Seleukiden Msn. 168 
Semiramis 226 
Scnnacherib J36 
Sepulcralmaske T. 122 
Serapis Mzn, 60,7. 154. 156. 161. i65f.; Cultbild 

von Bryaxis 166; Maske 179; Gipsbüste S36; 

Übertragung nach Sinope 165 f. 



Sessel ägyptischer — 23J 

Sestos Jl^n, . von — 172 

Set iL J^s 

Severus Septimius — 3&». 144. 152. 165 f. 26. 

178; Triumphbogen des — 94 
Severus Alexander Mzn. 172 
Sexi 1x9 

Shamash Sonnengott ^6 
Shirpurla Stadt :(3S/. 
Side Mzf, von — 170,119 
Sieb Br, 64 

Siegel ägyptische 142, 236; kyprische J(38; phoi- 
nikische 1x9 
Sigillatafunde 68//'', 77 

Silber Verhältnis zum Kupfer 79; Erwerbungen 
des Brit Mus. 236/, 238; ägyptische Schale in 
Berlin 34; Hildesheimer Schatz 32 J^,; Kuhkopf 
aus Mykenai 125; Sp, igy 
Silen Herme igö; mit Schlauch V, 68; — und 
Nymphe Mzn, X5i,36; Gelage zweier Silene, 
Form einer arretin. V, 237 
Sinope Mzn, von — 154. i66f. I72f. 
Siphnier Thesauros der — in Delphi 41 
Skenographie 181 
Skioptikon 144 
SkizzenbUcher römische I93ff. 
Skylla Br,-Rel, 2^7 
Smyrna Bronun aus — igö 
Sokrates Mos, 120 

Sonne ägyptischer Hymnus an die — 23^ 
Sophilos Vasenmaler 19 ff. 
Spanien älteste Cultur in — 1x9 ff. 
Spei er Altertümer in — 70 
Sphinx geflügelt 43. 125; G, 6s\ Mzn, 125; 

klazomen. Sk, 13g \ Oidipus und — V, 141 
Spiegel 63^ 78, igöf, 237 
Spindel von Elfenbein igS 
Spirale Br, 191 
Spongano sf. V, in — joff, 
Stadion in Epidauros /// 

Stadt Stadtgöttin (s. Tyche) Mzn, 145,20; Stadt- 
mauer von Mainz 7/, Pergamon 22i\ Stadtplan, 
capitolinischer 88. 11 2 ff. 
Steigbügel 6g 

Stein Kalksteinkapelle der Göttermutter S2/,\ 
ägyptische Steinsculpturen 234 ff, \ assyrische 

935f' 
Steinbock V, 201; geflügelter — G, 6s 

Stella Feldmefsinstrument J2 

Stier assyrische und ägyptische Darstellung 39; — 
als Vasenform 142; auf Grabsteinen 125, V, X40, 
T. 2^8\ Herakles und — Mzn, 141 f. X44; 
liegender — 125. 23S\ Löwe und — Br,'V, 



2/6 



Register. 



29. 31 f.; Sk, 186; — mit Menschenkopf Afzn. 
125, Cylinder 2j6\ Stierkopf Br. 125, als Ge- 
wicht 124, als Ohrgehänge ^s^t an Skphgn. 186. 
188 
Strafsen römische — im Limesgebiet 8 ff, 6g 
Stuck-Malereien eines Fufsbodens in Teil el Amama 

32 
Studienreisen archäologische i4sf» '99» 341 
Stuttgart Altertümer in — 66 ff. 
Stymphalische Vögel M%n, 142. 144 
Styx 141,12 
Suel 119 
Sulla 124 

Syme Bleisculpturen aus — 198 
au(A(ACtp(a 181 f, j8j 
Syros Aft». von — I53i^& 

tabernae iii 

Tafelgeschirr römisches jj 
Tanagra 7». aus — 60 f, 141; A&n, von — 171 
Tanais 150,32 

Tanit punische Gottheit /»/. 
Tanz Vn, ij/f, 134. 19a. ^7; Eros tanzend T. 
ig4; Mänade tanzend RtlUfs 67» 198 ff, 221; 
Satyr tanzend Sk, 19s; Waffentanz Sk, 176 
Tarent Funde ///; Mzn. von — 162 
Tarraco Mzn, von — 123 
Tarsos Gold-Schatz von — ;^9 
Taube mykenischer Goldschmuck aj 
Tebessa Kloster bei — 1/9; Br, aus — 197 
Tekke (Kypros) Ausgrabungen 23 ^ 
Tektaios Bildhauer 173 
Teil el Amama Stuckmalereien eines Fufsbodens 

zu — 32; — Cultur 33 
Telephos Mzn, 141. 145 

Tempel zu Abydos 23Sy des Bei 236^ capitolinischer 
17s: der Castores 87 ff.; des Divus lulius 91. 94. 
98 f. 108 ff.; des Herakles in Gades 119; zu 
Jerusalem 234\ der Nike ///. J9^/ in Thermos 
240/,; ägyptische und griechische — 240; baby- 
lonisch-assyrische Tempelrechnungen 23Sf, 
Terracotten s. Thon 
Tesserae hospitii 124 
Teta ägyptischer König 23S 
Tetricus Mzn, 66. 73 
Thasos Mzn. von — 153 
Theater in Ephesos ///; Pergamon 222 
Theben (Ägypten) Sculpturen aus — 28 ff. ^f. 
23Sf-i (Boioticn) Funde: Glaswaren 797/ Gold- 
schmuck 6s f*; Kabirionfunde 151,36; Tn. 60 ff. 
Themis V. 66 
Theodoros 228 
Theophrast Mos. 120 



8t^c *l9xupd< 165,109; Miyac 150. i55ffl 158. 160. 

165,103. 167. 169; *Tr^;iotoc 150,32 
Theoxenien Mzn. I45ff. 158 
Thera Ausgrabungen auf — 240; römische Por- 

trätbflste aus — ^6 
Thermen s. Bad 

Thermos Ausgrabungen in — 227. 240/, 
Thesauren in Delphi: Athen 43ff-, Knidos ^o^., 

Siphnos 4t: im Castorteropel iiif. 
These US Vn. 65. 68. 7of. ^3 
Thessalien G. aus — 238 
Thetis V. j*// Haus der — V. 20,8 
Tholos in Athen 03: in Epidauros 123/" 
Thon (s. Vasen) Becher (Iliupersis Air/.) Soff.; 
römische Gef^fse 69; L. (Leierspieler) 236: 
Skphge. i7Jff.; babylonische Tempelrechnungen 
^S; Wasserleitungsröhren 3 f. 

Terracotten in Boston 140 ff. ^ Dresden 60 ff. 
131 ff», Hanau 70, London (Brit. Mus.) 3(37 f., 
Paris (Louvre) 197, Spanien 122 f., Tunis T18, 
aus Civita Alba ///; Jttngling mit Hund Sita. 72; 
mykenische Idole /2j/.; Sta. des Capitolinischen 
luppiter 198 
Thoth ^s 
Thotmes IH. :^6 

Thrakische Mzn. I34ff.; Ktiitx Ahn. i49f. I55ff. 
Thüren im Unterbau des Castortempels 104; des 

Hades V, 238 
Thyateira Ahe. von — 147 
^UfiiXi) i23f. 
Thysdrus iij 

Tiberius Mzn. des — 74, 78; Neubau des Castor- 
tempels 87. 90. HO f. 
Tierleben am Nil 29 
Tierstreifen Vn. 21 
Tigzirt (Tigranocerta) Funde 1/9, 197 
Timarchides Bildhauer 183 
Timgad Funde 119. 197 f. 
Tintenfisch G. 63 
Tisch des Tricliniums 34 
Todesgenius etr. V. 141 

Tomis Ahn. von — 145. 152 f. 163 f. 167; In- 
schriften aus — 153,43. 154 
Torre Annunziata Mos. aus — ////. 120 ff. 
Tote V. J38; Totenmahl 151. 189 
Tracht weibliche — Vn* 69 f.; Haartracht F». 70 
Tragische Maske ^r.-Henkel 196 
Traian Mzn. i$6.26. 70, 74. 78; Traianssäule 240 
Traianeum in Pergamon 221 
Traianopolis Ahn. von — 137 f. 150,31 
Tr alles Sculpturen aus — 194. 196 
Tremaux 146 /• 
Treppe des Castortempels -88 ff. 92 ff« 103 



I 



Register. 



277 



Triclinium jj/. 

Trier Altertümer in — 73ff»\ ^r.-Gewicht aus — 

64; archäol. Feriencurse in — 143 
Trinkgerät römisches ssf' 
Triton V. ijs 
Triumphbogen des Augustus 89 ff. 98; des 

Severus 94 
Troja Institutsreise nach — 146 
Türme des Limes: Steintürme j/. ; Holztürmcj/. 
Tuna Funde ^jj 
Tunis MvLseum i£9/, iiS/,; archäologische Arbeiten 

in — i^S 
Turin ApoUon Jüel in — 171 
Turris Caepionis 119,9 
Tyche A&n. 154; — des £ut}xhides 177 

Uartu-sen-nekht Ägypter 2j^ 

Überlingen Altertümer in — öS 

Unterwelt Flüsse der — 140; Unterweltsgottheiten 

(s. Hades) Afzn, 154. 164 
Untiketen in Spanien 120 
Uthina Villa der Laberii in — i/j ff, 

Varro 22g 

Vasen in Boston 140/,^ Cassel iSgff,^ Dresden 
lagff^t London (Brit. Mus.) j^, Spanien 122 f.; 

— aus Alabaster 140, tgS. 2js> ^^» 28 ffl 63 f,^ 
Faience 23s 

ägyptische — formen 48, — auf ägyptischen 
Wgm, 44, Bedehung zwischen ägyptischen und 
kyprischen — 55; äolische^jj; attische: Dipylon 

— ijö, 22 j^ — aus Menidi 13 ff., Netos-K. i6, 
Frangois-K. 22. iy6\ boiotische 7^9. igi\ Fikel- 
lura — 224\ korinthische 200 ff. iy6\ kyrenäische 
t8g\ milesische 224 f. \ my kenische 49. 18 g, 
22^/.; rot polirte 48. 54 ff.; rhodische 22^/.; 
samische 22^ 

Technik und Decoration: Herstellungsart 23 f.; 

Compositionsweise 69. i^ö; Chronologie 66 f.; 

Anfänge der sf. und rf. Malerei 22j'^ Gravirung 

22j\ Henkelpalmetten 67 

Darstellungen: Aigeus vor Themis 66; Amphi- 

araos 176^ Erichthonios' Geburt 66. 69. 73; 

Gigantomachie/2^/.; Hochzeit 71; Kodros65ff.; 

Kyknos joff»; Linos 67; Niobiden 66 

Vasenmaler s. Aison, Amasis, Aristophanes, 

Brygos, Duris, Epiktetos, Erginos, Euphronios, 

Euxitheos, Kachrylion, Klitias, Hieron, Meidias, 

Oltos, Onesimos, Sophilos 
Venus (s. Aphrodite) Sta, 118; Blei-Stta, 198; mit 

den Waffen des Mars G. 75; Tempel der — 

Genetrix iix,28 
Vergil Mos, 114, iig 



L. Verus Mzn. des — 135. 70. 7^ 

Verwundeter K. 201 

Vetulonia Funde /// 

Victoria (s. Nike) ReL an Sigillatagefäfs 70; 

Weihung an — 18 
Viergespann s. Gespann 
Viergöttersteine 67 
Villa der Laberii 113 ff. \ des Pompejanus 113 \ des 

Diomedes 114% villa suburbana 114 f. 
Vogel ^r.-Fibel ^7; G.64\ Gläser in — form 72; 

Marmor- K. 13 o\ Mzn. 135 f. 142. 144; Siegel- 

cylinder 238 \ T.-Vn, 21. 24. 201. J33. 18 g 
— mit Menschenkopf K21; — am Nil 29 ff. 34; 

— köpf am Schiffsbug 36; Vogelabwehr 230 ff,; 

Vögel des Aristophanes 231 ff, 
Volksbücher illustrirtc — 228 ff. 
Volusianus A&n. 169. 170,117 
Votivstein an Mercur 18 

Wachtel 130 

Waffentänze 176 

Wage römische 74 ff. 73 

Wagen V. 238; König auf — , Gold-5Äi. 23g; 

— -lenker F. 132; — rennen, Glas-A!r/. 74 
Wandgemälde s. Malerei 
Wappenstil 176 
Wasser — leitung in Antiochia 191, Athen iii, 

Laodicea i ß. 78; — resenroirs in Laodicea 3; 

— turm3. 5. 9; — vogel K.24; römische — werke 

in Afrika iij ff. 
Westdeutsche Altertumssammlungen 66 ff. 
Weintraube T, 62 
Wettfahren 176 
Widder K in Form eines — /^/; Msn. 135 f.; 

Köpfe an SkpA£^, 188; Hermes einen — opfernd 65 
Wiesbaden Altertümer in — 70 
Winckelmannsfest in Berlin 227^, in Athen 

240 /.t in Rom 240 
Winde dargestellt am Schatzhaus der Knidier zu 

Delphi 41 
Wolf Ä-.-Gewicht 124 
Worms Altertümer in — 70/. 
Würzburg archäologischer Feriencursus in — 

^¥3 
Xanten Altertümer in — 78 

Yecla Altertümer aus — 126 ff. 

Zenon Mos. 120 

Zeus Gipsbüste 236; — des Pheidias 196. J77 ff.\ 
Torso in Neapel 192 ff.; Mze. 60,7; Vn. 20,8, 
^2. j8g\ IVjpn. 197; — Herkeios 81 f. 



278 



Register. 



Ziege Afzn. 135 f.; — von einem Jäger getragen 
Br.'Rel 142 

Zicgclstempel der I. Legion 7/. 7«?, der IV.: 
7/, der VIII. : ao f,, der XII. XIV: 7/. der XV.: 
69, der XVI.: 78, der XXII.: 20 f. 26, 6g ff. 



7J». 7«y, der XXX.: 7«^; der Cohors I. IL: 22^ 

IV.: 23. 26, XXIV.: 22 
Zinn anglo-römischer Gcfäfse aus — 2j8 f. 
Zweigespann s. Gespann 
Zwiesel der Aufseher in der Palaistra 60 



II. INSCHRIFTENREGISTER 

Die Seiteocahlen dei Archäologischen Anteiger» sind curüt gedruckt. 



Inschriften ägyptische zS4ff.^ assyrisch-babylo- 
nische 23s f'% etruskische ^-//., griechische 121, 
oskische ig6^ römische i7ff*! auf einem homer. 
Becher Soff., auf Blei rg8^ Gn, 236, Ahn, 134 ff. 
(passim) 183^ Mumientäfelchcn J9, Vn, 16 ff. 22. 
72 f. 131 f, G4/' H'* '93t Ziegelstempeln 20, 66, 



68 ff, 71, 7J. 76 ff.; aus Antiochia 189fr., Delphi 
39 ff., Laodicea 3,2, vom Limes JTfil, aus Nord- 
africa itgf.^ Rhodos 226 ^ Rom iiifT., Spanien 
12 X, in Athen ///. 124» Ephesos iio, Pergamon 
222/.» westdeutschen Sammlungen 68ff. 



'Ayo 159 
a-)faXpta 41 
'Ayi^vcop 82 
^^Ayioc 150 
^Ay/iaXe-Jc 174 

!A8p(avo;roXe{TT]c 138 f. 141 
•A8piav(J5 135. 147 f. 
"ABr^va 155,56 
'Adrjvaioc 43 
a&Xa 226 
aipcfi 198 
dlxpo9(vta 43 
'AX^Savöpo; 172 

^XüTTO« 190 

dvaYpflf^tt) 160,80 
dvQtXafjLfxoc 4S 
dvaT{97)fjic 3,2. 41. jgj 
'AvTüivivoc, 'AvTCüvelvoc 135. 137 f. 

141. 152. 159. 165 
dnoxTCivu) 82 

'ATCj5X>.üiv 169 IT. 41. 43, 4S 
dnoairdlu) 80 

prfpt« 13» 

ap)f ... 05 J98 

!Ao(jup(7) 226 

AOyouaTo; 138. 141. 146. 152 

AuXoc 236 

A'ipi^Xioc 137. 152. 165. 174 

o'jToxpaTiup 135. 137 f. 141. 146 f. 

152. 159- 165. 172 
'A}r«io( 84 

. . . «x®'^ ^^ 
Bapßopo« 137 
Bf/po; 163 (s. O^po«) 
BiC'JTjvdc 146 fr. 
ßo'jXi^ 222 



a. Griechische Inschriften 

ßwu^C 80 f. 43 

Fefvcov 190 

Htac 148 

ropStav($c 138. 141. 159 

Ypdcpco 17 ff. 

A080« 173 

öäfJLOC ^J 

AopCdXtio 157, 63 
AepCeXdTTjc 156 f. 
AeaTTf^ouvoc 3*2 

A7]fJL1^TT]p 164 

Atövuao« 155 
Aidaxoupot 154 
Af^iXoc /$i^ 

A(U)V ^/ 

AdfjLva 137 

'ExdßT) 81 
'EXivT) 73 
'E}jL7rop{Tt)c 121 
'EitotYoOo« /9J" 
'ETt^poaxoc /9J 
'Eth^xog; 150 
'ETTiTeXeio; 159 
'EpdatTTTroc z^-/ 
'EpxeTo; 80 f. 

'EpjioYiflf^Tjc -V-^ 
2toc 135 

e^^u^^ui 189 
Zeu; 80. 159. ^^^ 

V^YCfjLOve'JU) 137 
'HW)rpouc 3,2 
"Hpa 20,8 
'HpoxX^c 155 
"Hpo); 163 f. 



Bed 164 

Beo .... 159 

Be(ic 150. 154 ff. 157 f. 165,10*2. 222 

dY]aaupdc 41 

Bfxe9i(uT05, Bfuaiu) J9 

BuaxetpTjv^c 147 
'laxpd; 169 fr. 

"hpaS 59 

Upareuu) 164 

Upiü> 158 

Upöv 17. 19. i6o,80 

lepo7roi($c i6o,80 

'IXidc 80. 82. I55i5« 

*IXiov 84 

MoüXfo 137 

'louXtoc 146 

'latpiTjvd« 165 

Maxup<Jc 165,102 

Kalaap 135. I37^« 14'. »47 f. 152. 

159- «63. 172. 174 
xaXfJ« /J»ö. 79^ 
xdfjLaToc 3,2. 191 
xapTTÖc 3,2 
xaTai^dmu 80 
xaTttcpeufto 80 
xatayO^vioc 164,97 
K^vraupoc 16 
xXecvoxdafjLOt 153 

KcTvoc ^36 

KtffJL{X0S0C 165 

KöpT) 164 

XTl'Cü) 3,2 

KxfaTTj; 141. 164,93 
Küpaa 155. 156,59 
MTfJ{^ 80. 82 





Register. 




279 


Ajxo« rs6 


Ilaföixoc J3S 


aufjLp.a^oc 84 




Auaipta^^cuc 236 


icav8o)relov ^^^ 


SwTi^p 155 




Mav{fjiaToc 163,90 


llaVOTToXl'TTJC J'^ 


2(1)9 iXoc 17 ff. 




Mapa8tiiv 43 


nepYOfiT^vd; 147 


xeXafJiuiv i6o,80 




}f-^'fji 84. 4S 


TteptxaXXi^c 19 


x{8T)fll l6o,80 


- 


M^ra« 155 ff. 


nXouTujv 164 


Tiptap5(ßi)c /«Jj* 


» 


(JL^y 13X05 322 


Tcoir^Ti^c 80. 82 


IVc 152 f. 




MeiXi^aio; igs 


floXuxXij« t8^, igö 


l0fl(XT)C 163 




MivavSpo; 222 


IlovTo; 152 f. 


T<JfjLo« 164,93 




ME^{ac '94 


ndpi; (32 


TpaiavoTToXixTj; 137 




MtjSo« -^ 


rip^afxoc Soff. 


Tpatavdc 147 




M^TTjp ÖeÄv 154 


TrpeaßuTcpo; 191 


uW« j-p 




fiTjTpdTToXi; 137. 152 f. 


npdßoc 191 


. . . uov ig8 




flfpUJJtt 84 


irpooo7op£uu> -cfj" 


. upo; ^i»^ 




Mixpa "IXca; 80. 82 


riuöio; 4^ 


TiJ^iaxo; 150 




Muxovo« ^JÖ 


'Po8lQT<UV 121 


<P(Xioc 159 




Mupi« <?/ 


Za{xodpaxiov 160 


cPiXiTTTidiroXic 137 




va(j(i 136 


2arj 173 


<PiXc7cico7roXe(xT]c 135 




vEia 190 


iIeß'oaTdc 135. 137. X47f. 


<P(Xi7ri:oc 146 




NeoTTTdXeptoc Soff. 


£cfjie{pafx(c ^'?ö 


<P(XoxapY)C H' 




Noujxi^vioc 236 


XeitT^fjiioc 148. 165 


Xalpe 190 




'05T^a(Tr|C 155. 157. 159. i6if. 


Xcufjpoc 165 


Xoipi^fjLüiv 59 




o{xta 80 f. 222 


Sei^r^C -yö 


Xio; 4S 




'OXPIOTTOX^TTIC 173 


Si^öxto; 172 


^i^9ia,ua 160, 80 




övOfJlOt^CO 3,2 


2(^1« 132 


^QpCtuv igs 




Oui)po; 174 (s. Br^po«) 


SxaxiXioc 137 







actor III 

actuaria 118 

Aelius 191. 2g 

Aemilianus iii 

Aer . . 20 

agerc curaxn 18, 2t 

ala 18 f. 

Alexsander ig3 

Alexaadrinus 21 

Antoniniana (cohors) 26 

Antoninus 26 

Aponia igs 

Arnasi 170,117 

Astures 22 

Atci 7^ 

Atilianus igt 

ATLIBER 165,103 

atrium iio 

Attianus 77 

Aucti 73 

auctoritas 11 1 

Augustus 112. 26 
legio Augusta 21 
Idus Au^^ustae 2i 



b. Lateinische Inschriften 

Aurelius 26, 37. igj 

Auriana 18 

Avus 77 

balineum 21 

Banna 75 

Bargathi 141 

Bassus III 

bibe 73 

Breuci 77,3 

Britann icus 26 

Brittones 21 

Caesar iii. 26 

Calendae 23 

Calpurnius igö 

Castor III ff. 

catascopiscus 118 

Catus 78 

celetes 118 

celoces 118 

centurio 21, 26 

ci . . . 6g 

Co , . . 20 

cohors 17,2, 20. 22, 23' 26 

Commoda (legio) 21 



Conatius 70 
conlabsus 21 
constans 21 
consul 21. 23 f. 6g 
Coto 77 
corbita 118 
curam agere 18. 21 

sub cura ig 
Cyrenaica 22 
de suo 21, 26 
dca 21, 23 
decemvir 191 
Decius 23 
dediticius 21 
Delmatae 20 
deus 26 
devotus 26 
dicare 26 
divinus 23/, 
Do . . . 20 
Domesticus 6g 
domus 23/, 
dos 73 
Dubitatus 6g 



28o 



Register. 



duplarius i8 


laetus 26 


Ederatus iij 


Lateranus 6g 


EL 2g 


legio 21 


Eucarpi 6g f. 


libens 26 


exagere 112 


Liberalis igj 


exercitus y8 


Liburnus igs 


Exgerin jö 


Lollus 77 


explorator 21 


loricatus iii 


fecit 2of, 6g. 72. f6ff. 


ludi 191 


Felicianus igs 


Lupus 21 


Felicit 153 


maiestas 26 


felix 21, 26 


a manu igj 


fidelis 21 


Mar . , n 20 


Firmus 70 


Marinus 70 


Flayius 18. 21 


Mars j8, 26 


Fortuna 21, 2j 


mater 191 


frumeDtariiis igj 


maxtmus 26 


Gaius igsf. 


Maximus 21. 2g 


Gemellianns 18 


memoria igs 


gentiles 21 


merito 26 


Gennania y8 


Mercurius 6 g 


Germanicus 26 


miles jgs 


Germanus 77 


Mont 77 


GratuB 2j 


Musa igs 


Hercules 144 


musculus 118 


heros 164,97 


Mustela iij 


in honorem 26 


Niddensis 2j 


horeia 118 


numerus 2j 


horreum 2j 


officialis 21 


lanaria zgj 


. • • • on 2g 


lanur 66 


Parthicus 26 


Idus 21 


pater patriae 26 


impendio 18 


Pec. 20 


Imperator 26 


Perennius 141 


Imperatus 18 


Petrullus 70 


inferior 7^ 


pius 21. 26 


instare 26 


pontifex maximus 26 


instituere 26 


Porlapa 78 


invictissimus 26 


potestas 26 


lugurtha 2j6 


Pothus 795 


lulius III. 18 


primigenius 21 


lustus 20 


Primus 20 


ixiulca 70 


proconsul 26 



procura tor iii 
restituere 21 
Romanus 21 
Rubrius igs 
Rufinus 6g 
Saccr 78 

sacerdotium 165,102 
sacrum 164,97 
Saeculum 153 
Salus 2j 
San , , , 78 
sanctus 21 

Scetasia, Scetasius jgj 
Scutarenses 28 
Seius igs 
Senex 20 
Septembris 2s 
sesquiplicaris ig 
Servandus 72 
Severus 67 
Signum 26 
sitio 77 
a solo 21 
Strabo igs 
Stu , . . 21 
Suavis 78 
Tertulla igs 
thermae iio 
Thracius 144 

Ti 26 

Treveri 26 

tribunicia potestas 26 
Urnini 68 
Valentinius 6g 
Valerius 20, 78 
Vesuna (osk.) ig 6 
vexillatio 78 
Victoria 18 
▼ikani 18 
Vindelici a^. 26 
Virilis 70 
Vocara 78 
Vonifatxia igs 



III. REGISTER ZUR BIBLIOGRAPHIE 



* = Autor einer Reeension. 
der Name auf derselben Seite erscheint 

K. S. Abamelek-Lazarew 148 

T. K. Abbott 158 

H. Abert 106 

Tb* Achelis 154. 249* 



L Autoren 
**s3 Autor einer recensirten Sctarlfr. Die eingeklammerten Zahlen deuten an, wie oft 



Adamantios 105 ••. 255 ♦♦ 
W. M. Adams 163 

F. Adler 79. 82, 2I9*^ 

G. Adler 79. 2i8**. 260 •♦. 263 



Ainalow 103 
E. Albanes 165 
R. Albrecht 83 
S. M. Alishan 208 



Register. 



281 



E. Ällain 200 


F. C. Babbit 254 




J. Beloch loo**. x67**. 259** 


T. Allara 166 


E. Babelon 87*. 91. loi 


f. 148. 


L. Beltrami X48 


P. Allard 88»*. 102*». 104**. 


150. 158(2). .166(2). 216. 251 


P. Benaky 79. loo** 


i6o**. 165 ••. 2II**. 259*» 


(2). 252**. 253(2). 259. 


262 ♦♦ 


G. Benedite 261 •• 


A. H. AUcroft 148(3) 


M. Bach 91 




0. Benndorf 159(3). 205. 242. 


0. Almgren 79. 95 •♦ 


K. Baedeker 79 (2). 94**. 


103 •♦ 


254 


Aisberg 209 


148 




A. Benoft 88 


P. Alsius 99 


M. Bahrfeldt 90**. 101 ♦♦ 




V. Berard 204 


F. Aly 168 


6. Baier 206 




van Berchem 252 


A. G. Amatucci 258 


A. Baillet 164 





E. Bergamini 148 


S. Ainbrosoli 102. 166. 242 


J. Baillet 214 




A. Bergeat 158(2) 


£. Amelineau loo^^ 209. 261 


Bakchylides 79. 85**. 94 •♦ 


Ph. Bcrgcr 93. X56. 157(2). 215 


W. Amelung 160 •. 166 ••. 169 ♦♦. 


C. J. Ball 98 




(2). 253 


212. 219*. 256 


A. Ballu 79 




J. Bergman 200 


G. Amnion 155 


A. Balsamo 242 




M. R. de Berlanga 99(2). 164. 


C Amore 242 


VV. Bannier 219 




258 (2) 


J. G. C Anderson 160. 21a 248 


G. Bapst 156 




J. A. Bernhard 79. 155**. i66f.**. 


Fr. Andre 216 


P. Barbati 200 




262 f.« 


H. J. Angelopulos 242 


Barbier de Meynard 90 




H. Bernhardt xo4*» 


Anger 85 •• 


F. Bamabei 98(2). 99(4). 


163(2). 


Berthier de Lagarde 84 


Marquis d*Anse1me de Puisaye 


164. 213. 214(4) 




F. Bertolini 247 


156 


L. D. Barnett 253 




A. Bertrand 255** 


D. N. Annoutchine 248 ♦♦ 


G. Barone 200 




G. Bertrin xoo«. 105 ♦♦. 165 •♦ 


A. Ansclmi 102 


M. Bartels 220 




(2). 207 ♦♦ 


Anthes 94(2) 


Th. Barth 97 




M. Besnier 95. 161. 211 


Antoine 161 


A. de Barth^lemy 206* 




E. Bethe 82. 100 ♦•. 158. 161 ♦. 


S. Antoniades 91 


0. Basiner 93 




211 • 


Antonowitsch 103 


St. Basis 205 




B. Bethune 165 


B. Apostolidb 79 


K. J. Basmadjian 258 




E. Beurlier 88*, I56*. 250» 


H. d'Arbois de Jubainville 215. 


D. Bassi 242 




P. Bianco 242 


2x6(2). 251. 2S9 


C. J. Bates 258 




P. V. Bienkowski 159. 254 


A. del Arco 87(2) 


F. 0. Bates 242. 259 ♦♦ 




A. Biese 105^ 


E. Ardaillon 148. 200 


A. G. Bather 99* 




D. Bikelas 259 


P. 0. Armanini 148 


A. Bauer xo6*. 244. 260* 




A. Billerbeck 162. 242 


M. Armellini 148 


J. Bauer loi 




G. Billeter 243 


P. Amauldet 251 


F. Baumgarten 79 f. 208 ♦♦. 


249 ♦♦. 


Biroccini 209 


P. Arndt 148 (2). i65**. 168 (2). 


263 ♦• 




E. F. Bischoff 92. 94. 162 


242 (2). 243 


R. de Baye 21 x 




F. W. ▼. Bissing 79. 92. 159. 


C. Asbach 220^ 


K. Bayersd orfer I57**. 


i66*». 


205. 214. 248. 256 


J. Asbach 94 ♦♦ 


218 ♦♦. 249 ♦♦ 




G. M. Bizyenos 91 


T. Ashby 164 


L. Beauchet io6*^. 259** 




R. Blair 257 


J. R. Asmus 102 ♦ 


£. Beaudoutn 88 ^ loi. 


166 (2). 


J.-A. Blanchet 100(2). 166(2). 


G. Assandria 97 


216. 259* (3) 




166 ♦. 251 (2) 


H. J. D. Astley 249 


C. de Beaurepaire 148 




A. Blanquier 248** 


P. Aucler 165 


G. Beauvisage loo** 




A. Bläsquez 206 


A. Audibert i66* 


F. Bechtel 153. 2i8**. 21 


9#« 


E. Blaumttller 79 


A. Audollet 216 


J. W. Beck 212 




Chr. Blinkenberg 212. 247 


L. Auge de Lassus 200 


Th. Becker 220» 




F. J. Bliss 243. 257 


E. Aust 200 


Begouen 250 




L. Bloch i67*«. 2i6**. 246 


H. Avelot 79 


W. Belck 105 




H. Blümner 82. 92**. loi**. 


Aveneau de la Granciere 88^*. 


Chr. Beiger 2 19 ♦(2). 262. 262^(2) 


i69** 


loo**. I54**. 165. 259** 


H. Belling 105* 




W. de Bock 211 


P. A. de Azevedo 86. IS4(3)< 248 


A. Bellino 79 




Bodewig 94. 96. 263 



282 



Register. 



W. Bode 149 
W. Boeheim 151 
J. Bochlau 149. 209 
£. Bocswülwald 149 
K. Bötticher.215 

0. Bohn 212* 

E. Boisacq 10 1 

U. Ph. Boissevain 261* 

A. Boissier 163. 220. 260 
G. Boissier 149. 217. 255* 
P. V. Boltenstern 263* 

G. Bonavenia 252 

S. Bonfiglio 79. 168 •• 

M. Bonnet 217* 

G. Bonsor 164 

J. Bonsor 164 

J. Bonus 219* 

L. Borchardt 102. 167. 169(3). 

208 •*. 2i8**. 220(2). 254 
M. Borgatti 243 

B. Borghesi IS7**« i^S**- 206 ♦♦. 

F. Borie 161 

£. Bormann 85. 159. 161 f. 254 
R. Borrmann I57**. 167 ••(2). 

255 •♦ 
L. Borsari 89. 98. 154*. 161 ♦♦. 

163. i66**. 207. 213. 257(2) 
R. C. Bosanquet 210(2). 248. 

258 (2) 
H. Botelho 154 

G. W. Botsford 200 

1. M. Pereira Botto 249 
G. Botti 156(2) 

J. J. Bouchard 79. 81 

A. Bouche-Leclercq loi. 150(2). 

216 
L. Boucher 156 
Ä. Bourguet 88.(2). 216*. 250 
U. Bourian 214 
A. Bovy 205 
H. N. Bowcr 155** 
R. Brähm 92 
Brandenburg 103 
Brandis 82 

H. Brandstätter 169(2) 
J. Brant 94 
E. Brassart 250 
J. Braun 218* 
Th. Braun 243 
A. Breitner 200 

D. G. Brinton lOi •• 

E. Briiio 162. 213(2). 247. 257(3) 



E. VV. Brooks 2x5 
R. Brown jun. 149. 208 ♦*. 2I9** 
K. Bruchmann 168^ 
A. Brückner 95* 
A. Brtlning 157* 
V. Brugnola 79(2) 
£. Brugsch-Bey 169 
Bruncke 217* 

Heinr. Brunn 89**. I03**. 148. 
i6o**. 200. 242 f. 255 ••. 262 ♦• 
Herrn. Brunn 200 
A. Bruno 206 

J. Bruns 103 ••. 219*. 260 •♦ 
J. BrunSmid 103 (2). 243 

A. Buchheim 243 
L. Buchhold 260* 
R. Buchwald 149 

E. A. W. Budge 79. 106 •• 

F. BUcheler 162 
F. Buehlmann 243 
L. Bürchner 243 
Bürger 91 

F. BUrkner 249* 

R. Büttner I04**. I57**. 169 •♦. 

220 •• 
Th. Büttner-Wobst 214 
S. Bugge 167. 218 

F. Bulid 89(8). 157(4). 159.207 
(5). 251(6) 

J. Bulie 89(2). 251 
H. Bulle 79. 96. I03». 168(3). 
200. 246 

G. BuUiot 161 

S. P. Bunting 79 
Chr. Buondelmonti X49 
J. Burckhardt 149. 243 
K. Buresch 149. I57**. 161 **. 
168 •♦. 249 ••. 254 ••. 262 f. •• 
C. P. Burger 200. 262 •• 
R. M. Burrows 210 

B. Bury 164(2). 2x0 
G. Buschan 89* 

A. Buscon 156 

G. Busolt 99*». X58. 2I5»» 

H. Busse 97 

Ch. Buttin 10 1 

E. T. B>'num 200 

E. Caccialanza 149 

E. Caetani-Lovatelli 85. 149. 154 

R, Cagnat 90. 100. loo*. 148. 
149(2). 150(3). 156. 165. 165» 
(2). 203. 243. 250**. 251(4). 
253(3)- 255 •• 262** 



Cahen 250 
Cailletet 157 

C. Calisse 243 

E. Callegari 104 *♦. 149 

F. Calvert 160 

E. Camoreyt X49. 166 •• 

M. de Canipos y MunciUa 243 

C Canal 85 •• 

L. Cantarelli 79. 149. i68** 2I5*». 

2x7 f. 
J. Capart loi 
Capitan 251 
A. Capelli 257 
de Cara 90. 157(3). 208 

G. Carducci 79. 8i 

D. Carotti 86 
J. Carrey 79 

F. Carrieri 155 
W. Gart 87 (2). 88 

E. Cartailhac 79(2). 85 
A. Cartault 165* 

J. B. Carter 200 

Carton X56. i65**. 211 f. 2l8**. 

251 
V. Casagrandi-Orsini 243 
T. R. de Castilla 79(2) 

F. Cauer 82. i68». 2i8». 2I9»(2) 
P. Cauer I03* 

Cavvadias s. Kabbadias 

Caziot 157 

A. Celestin 103 

J. B. Chabot 253. 255 

A. Chabret 87 

L. Chalumeau 259* 

P. D. Chantepie de la Saussaye 



89 



•• 



100 



•# 



E. Chantre 200 

C. Chappuis I49 

J. Charvat 200 

E. Chassinat X51 

P. Chebli 165 

Chenillat 85 

E. Chenon 211 (2) 

Cheylud 207 

P. Chiappelli 86 

Ch. Chipiez 79. 82 

A. Choisy 243 

J. Cholodniak 79. 93 (2). 243 

W. Christ 202. 262 ♦♦ 

Christides 96 

M. Cbrysochoos 163 

V. di Cicco 213 

E. Ciccotti 2I9**. 243. 252*». 262** 







Register. 




283 


M. Cicero 79 




0. Crusius 106(2). 157* (3). 263 


A. Dieterich 105 ♦♦. 166 •♦. 


Ji8«* 


C. Cichorius 151. 220 ♦♦ 




P. B. da Cruz 86 (2). 248 


Dietrich 162* 




J. M. Cirera 87. 155(2) 




F. Cumont 99. 100 •*. 104 ♦•. 


Dieulafoy 253 




G. Civitelli 259** 




166(2). 254. 255** 


F. Dillon 249 




S. Clarke 244 




II. Cuq 90. I56**. 2i6**. 2I9*» 


K. Dilthey 201 




A. T. Clay 202 




E. Curtius 80. 82. 2I9** 


0. Dingeldein x66* 




J. Cledat 259 




L. Cust 201. 249** 


H. Diptmar 87 




Clerc 253 




St. Cybulski 80 


A. Dirin 84 




de Clercq 200 




Daguin 251 (2) 


C. van R. Dirth 252 




M. G. Clerk 90**. 217(3) 




F. Damiani 80 


P. Dissard 90. 165; 208 




Ch. Clermont-Ganneau 79. 


93. 


A. Danielsson 149. 243. 2 58** 


W. Dittenberger 158. 244 




211**. 214. 252. 253(5). 


255 


H. Dannenberg 165. 220 


VV. Dörpfeld 80. 82. 96. 160 


"(2). 


£. Cocchia 99. 214. 249 




Ch. Darcmberg 150. 252** 


i66**. 2IO**. 2x6**. 2I9**. 


A- V. Cohausen 149. 256 •• 




G. Daressy x64f. 2x4. 250. 261 *♦ 


255** (2)- 256. 258'* 




G. Colin 250(4) 




R. Dareste 149. 2o8**. 262 •• 


. A. V. Domaszewski 151. 211(2). 


A. Colini 157. 208. 212. 25: 


! 


K. Darnay 91 


242. 255 f. 




M. CoUignon 80. 87**. 90. 


96. 


G. Dattari 260 


G. Donati 150 




102 •♦. 167 ••(2). 200. 208 ♦*. 


F. David loi*» 


Donsbach 2I7** 




213. 2I7**. 249**. 253. 


263* 


B. Dawkins 93 


L. Dorez 215 




b. CoUineau 216 




P. Decharme X50 


Doublet 250 




P. Collinet 216 




J. Dechelette 259 


F. Doubrava 201 




H. Collitz 153. 2i8»*. 2I9*» 


W. Deecke 94** 


H. Dragendorff 167*. 210* 




G. Colomb 259 




H. Degering 167*. 212 


St. N. Dragoumes 96. 256 




G. M. Columba 80. 166. 


20X. 


A. Deifsmann 158. 255* 


E. Drerup xo4*. 208 ♦♦. 219**. 


2I9»» 




Ph. Delamain 251 


262 • 




S. Colvin 20 X 




A. L. Delattre 80. 90. 93 ♦. X58. 


H. Dressel 95*. 220* (3) 


• 


L. Conforti 201. 218 




208. 211. 251. 253. 259. 259** 


W. Drexler X51. 2X9f. 246. 


262* 


M. Conrat (Cohn) i62**. 2 


59« 


Delehaye 207 


R. Dreyfus 244 




A. Conze 92. 149. 158. 167 ♦•. 


J. N. Delenda 245 


E. Drouin 165 




201. 209. 211 ♦*. 212. 


218. 


F. Delitzsch 90**. 105 ♦♦. X50. 


H. Droysen 82 




2I9»*. 254. 26o** 




201. 261** 


G. Ducoudray 150 




A. B. Cook 258 




M. Deloche 100 


E. Dünzelmann X02* 




L. Cordeiro 80 




L. Demaeght 88 


F. Dürrbach 217* (2) 




Cordenons 89 




W. Demetrykiewicz 95 (2) 


F. V. Duhn 92. 95* 




L. Corrcra 105 




M. G. Demitsas 167 *•. 201 


G. Dumesnil 154 




N. Corlellini 217(2) 




H. Demoulin 97. xos**. 2$g**. 


Dumuijs 251 




Cosentini 2x3 




261 ♦• 


E. Dunant 85. 205 




R. Cotroneo 102. 166. 217. 


260 


Ch. Deprat 95 


V. Durand 250 




H. F. de Cou 254 




A. Derewitzky 84(2) 


E. Duregne 10 1 




F. Courbaud 150. 215 




Desazars 250 


E. Durrbach 150(2) 




L. Coutil 80 




E. Deschamps 80. 92. 102 ♦*. 158 


R. Dussaud 259 




L. Couve 88. 164 f. 




Desnoyers 156(2) 


J. Dutilh I56(2j 




P. Couvreur 150 




H. Dessau 90**. 99**. X52. 21 1**. 


J. butoit 244 




G. Cox 80 




220»*. 242. 252**. 258**. 26x** 


Dziatzko 82(2) 




G. Cozza-Luzi 80. 149. 209. 


2X8. 


V. Dessi 257 


M. L. Earle 99* 




260 




A. Detlefsen 104* 


G. Ebers 98. 153 




G. de Grassier 149 




D. Detlefsen X67* 


Th. Eckinger 205 




A. Crespellari 163 




Th. Deveria 253. 260** 


C. C. Edgar 248 




6. Croce 249 




Dgeffri 96 


A, Ehrhardt io6** 




de la Croix 156. 206 




Dickie 257** 


R. Ehwald 219* 




W. Crook 209 




Ch. Diehl 105 ♦*. 169 •• 


Eidam 94 




Crostarosa 207 




H. Diels87**. io3**. 104 *♦. 158. 


R. Eins 201 




F. W. Crowfool 160. 248 




217 


A. Eisenlohr 105. 2i8** 





284 




Register. 






O. Eisenmann 209 




Th. Fischer 105* 




G. GabrieUi 257 


B. Elisei 252 




W. Fischer io6» 




P. F. M. Galamba 154 


T. Ely 86 




F. Fita 87(2). 206 




H. Galiment 216 


M. Emmanuel 104^* 




L. Flandrin 250* 




A. Galle X05 


A. Engelbrecht 167. 219' 


k# 


A. Flasch 89**. io3**. x6o»* 


G. F. Gamurrini 97. 213. 257(2) 


R. Engelmann 106*. 169. 220. 


A. Flofs 244 




G. J. de Guillen Garcia 164 


244. 263 




R. Förster 253 f. 262 ♦♦ 




E. A. Gardner 80(2). Ioo*^ 160. 


A. Erman 94*. 104*. 167. 


169(2). 


R. Font 259 




206 •♦. 2x0 


168 ♦. 2l8» 




P. Fontanie X56 




P. Gardner 99. 99**. xoo**. 155. 


H. Erman 87. 106 •♦ 




J. Forchhammer 201. 26 x 





x64f.** 2x0 


E. Ermatinger90^. 164 ♦• 


. 2l8*». 


L. Forrer 2x7 




F. P. Garofalo 150. 155. 249 


255 •* 




R. Fofs 169* 




A. GaroTaglia 260 


T. E. Evangclides 20 x 




Fossey 250 




G. Gatteschi 8x 


A. J. Evans 85**. 86. \ 


?3- 152. 


G. Foucart loo*. loo**. 


X02**. 


G. Gatti 89. 98(2). 163(2). 207. 


160. 2o8. 2x5 




153. 164- 214. 2I5*^. 2I7** 


213(3). 2X4- 257 


W. Eymer 105* 




P. Foucart 253 




P. Gauckler 95**. X52. 156(3). 


Ph. Fabia 101. 157. 217. 


260 


G. Fougeres X50. 201 




203. 205 ••. 206 f. 211. 213. 


E. Fabrellas X55 




Fouquet 152 




2X9**. 250*». 25 X (3). 253. 262*« 


Fabrici 208 




A. Fournier 88(2) 




J. Gaudeul X56* 


E. Fabricius 94, I04**. 242. 247. 


H. N. Fowler 159. 251. 254 


A. Gaudry 85* 


255» 




E. Fraas 209. 248** 




J. Gaulke 92 


V. Fabricius 244 




M. Fränkel 204. 212. 819 


••. 260 


B. H. Gausseron 20 x. 25o** 


C. ▼. Fabrixy 149 




A. Frank 106 




J. Gauthier 206 


H. R. Fairclough 105 ♦♦ 




Th. Frantz 150 




G. Gauthier 206 


J. Falchi 213(2) 




0. del Frate 80 




M. Gayet 205 


0. V. Falke 255 ♦ 




J. G. Frazer 80. 82. X64. 


I53-- 


V. Gaymann 244 


Faraglia 214 




155** (2). 157**. 2io*». 


258 ♦•. 


J. Geffcken 255* 


C. Farcinet 150 




262« 




G. Gehrich io6»* 168 ••. 255 •• 


L. R. Famell i64**(2). 258 


C. Fredrich 96 




H. Geizer xo5*. xo6». io6»*. 


A. Farrand 251 




E. A. Freeman 92**. 


97**. 


X69*. 242. 244 


V. Federici 86 




169 •*. 255 ♦*. 




G. Gemelli 260 


J. Fegerl 80 




G. Fregni 80(2). 201(3) 




W. Gemoll 104 •. 105 • 


H. Feigl 212. 256 




J. Frey 244 




S. Gcnthe 262 •♦ 


St Fellner 95« 166 •♦. 


169 •♦ 


Th. Friedrich 244 




A. Gercke X50 


W. S. Fergusson 206 •*. 


252 ••. 


E. Friesland 262* 




Germer-Durand 100 


255 ♦♦. 262 •• 




N. Fritsch 262 




Ghirardini 212 


F. Ferr^re 201 




H. V. Fritze 91 




G. Gigli 95 


E. Fcrrero 80(3). 155(3). 201. 


0. Froehde 244 




0. Gilbert 244 


213(3) 




W. Froehner 80. 150(2). 201.244 


P. Gües x64» 


A, Fick 2x9* 




C. Frossard 80 




Gindriez X65 


M. Fickelscherer 254 




A. L. Frothingham 252 




di Giorgio 214 


G. Ficker 263 • 




J. Fuchs 95**. 102 ♦♦. 


I04*«. 


C. Giovannoni 249 


L. Fiefsinger 201 




105*. 263 •• 




Giovenale 207 


E. Fina y Girbau 99 




R. Fuchs 262* 




P. Girard 96. 259. 259**. 262 •• 


G. Findly 91 




J. Führer 84. ^*\ i68*«(2). 


0. Gimdt 218 


Fink 94 




2x8 •♦(2). 263 ♦♦ 




Gitlbauer 87 ♦• 


F. Finocchiaro 244 




J. Fulleylove 80. 86 ♦• 




A. Gittee 166» 


L. Fiocca 80. 217 




F. X. Funk 255» 




Glavinid X59 


R. Fisch 150(2). I57»*. 


167.*. 


A. Furtwttngler 84. 94 ^ 


xoo»*. 


G. Glotz 150. 259* 


212 ♦♦. 2I5**. 220**. 


2SS**. 


X02. 104 ♦(2). X50. X67. 


167 ♦•. 


F. Gnecchi X02. x66. 2x7 


262** 




20X. 204. 2x5 ♦♦. 2x9*. 


253**. 


F. Gnesotto 206(2) 


0. Fischbach 201 




259**(2). 260. 260** 




Le comte Goblet d'AlvielU 87. 


L. H. Fischer 95 




E. Gabrici 102. 2x3. 249. 


257 


• 

2X9** 



Register. 



285 



A. Götze 89 •(2). 97(3). 105 •. 
248 ♦• 

Goldmann 94 

Th. Gomperz Sy»» 161 

F. Gori 244 

J. A. Gourlay 214 

G. Gozzadini 8x 

B. Graef 158 

P. Graef 8xf. 2I9»* 
H. Graeven 210. 249 

E. Graf 165 •• 
Grandjean 211 
G. Grasso 258 

VV. de Gray Birch 255 
A. de Gravillon 81. 93 
V. Graziadei 81 

A. H. J. Greenidge 99. i64*. 
261 ♦• 

W. Green well 157 
Greim 92* 
Grempler 209 

B. P. Grenfell 201. 208 ♦♦. 244. 
247 f.»» 

Grcve^iSi 

F. Ll^Griffith 85»*. 97»r 102 ♦♦. 
104**. 105 •♦. 152. i6o**(2). 
244 f. 

H. Grisar 90. 157(2). 207 f. 215. 

245 

E. Groag 161 

J. N. Gröbl 159 
J. Groeschel 262 
M. Gröfser 95. 157 
W. Groff 156 

F. Groh 81. 83. 94. 160 •♦. 211. 

2II* 

Groller 85 

J. de Groutars 97. 256 

G. Grünau 245 

G. B. Grundy 99. 160(2). 164 

O. Gruppe 105 ♦♦, 167 ♦•. 263 ♦• 

St. Gsell 152. 161. 250. 253 

S. Günther 105*. 261* 

V. Guerin 8x 

H. Guhrauer 263* 

F. Guidi 106 ♦ 

P. Guillabert 1^5 
£. Guimet loi 
L. Gurlitt 245 
P. Gusman 91. 100 
K. Gutmann 85** 
H. M. Gwatkin 215 

G. Habich 95*r 158 

Arcta&ologtocher Auxeiger 1898. 



C. Häberlin 21 1*. 219^(2) 

A. Hafner 245 

E. Hahn 94**. 95*. loo**. I04**. 



259 



#« 



99 



*# 



A. E. Haigh 94»». 99 
lox**. 2I9*». 258»» 

F. Halbherr 93(3). 159(2) 
W. G. Haie 93 
L. Halkin 81. 149. 250** 
H. R. Hall 2x4 
W. H. B. Hall 245 
J. Hamard X56 

G. Hannezo 204. 206 
R. Hansen 102*. 166*. 260* 
F. Härder 168 • 
E. Hardy X54 
R. Harman 165* 
A. Hamack 218 

A. Harrent 207 •* 
J. E. Harrison 99. 164* 

E. S. Hartland lox**. 2i6** 
J. J. Hartman 212 
Hartmann 82 
O. Hartwig 2 56 f. 
P. Hartwig 87 ♦♦. 91. 209 

2XI**. 261** 

F. W. Hasluck 90 
K. Hassert 103 
Haswell 258 

F. Haug x67*(2). 202. 210. 

252 ♦•. 261 
Hauser 202 
C. B. Hauser 89(3) 
F. Hauser 104 ♦. 167 *. 209. 

261 f.» 
Hausmann 103 

B. Haussoullier 100. 149. 208**. 
2x7(4). 2I7* 246. 260. 262 •♦ 

H. Hauttecoeur 88. 207 

Am. Hauvette xoo*(2). 169**. 

259* (2). 
F. Haverfield 85. 99. X54(3). 
x6o. 164. 164* (2). 205. 249. 

257. 258 (4) 

C. Haym 8x. 104 •*. 166 •*. 2Xi»* 

B. V. Head 166 •*. 202. 2i9»». 

259** 
R. Heberdey 88. 102 ♦♦. 104 ♦♦. 

105 ♦♦. X54. X59(2). 169*. 242 
A. Hedinger 205 
F. W. Heermance 159 
J. L. Heiberg X51. 261 • 
J. Heicrli 85. 208» 



R. Heim 2i6»* 

A. Heisenberg 105* 

M. Heisler 202 

W. Heibig 102. 151 

A. Helbling 202 
Th. Heldreich 163 
O. Helm 85 •• 

B. W. Henderson 99*. 215. 258 
Ch. L. Henning 209. 253 

K. Herepey 91 

F. Hermanin 9X. 249 
J. Hermann 95 
Hermanville 161 

S. Herrlich 151. 262 •♦ 
P. Herrmann 92. X58 

G. Hertzberg x67f.* 
G. Hertzog 249 

G. Herve 2x6 

E. Herzog 210 
S. Herzog 94* 
R. Herzog 256 

F. Hettner 8x. 83. 92. 104 ♦•. 
x68**. 203. 2X9**. 220 ♦♦. 247 

L. Heuzey 90. 215(3) 

E. Heydenreich xo6*. 162* (5). 

2I2*. 256(2) 
A. Hildebrand 81 

G. F. HiU 90». 94»*. 99 (2). 
lox*». X57(2). x64**. 2I7»». 



2x8 *•. 2x9 *♦. 220 



•• 



252. 



252* 

F. Frhr. Hiller v. Gaertringen 
90 ♦♦. 95 ♦♦. 205 •♦. 21 X •. 

2X5*»(2). 2X8. '245(2). 254. 
256. 262 ♦♦ 

H. V. HUprecht 8x. 93**. 15X. 
202. 261 (2) 

F. Hirsch 256* 

G. Hirschfeld xo4**. xo5** 

O. Hirschfeld X02. 106 *. 165(2). 

2x6. 242 
H. Hirt 220 
R. His 2II* 

Hitzig 92**. xoi**. X06*. 169** 
Th. Hodgkin 99. 257. 258(4) 
A. Hoeck 81. 253. 262* (4) 
O. Holder 9o**. 92**. x6o. 160 •♦. 

i66f.**. 2XO**. 220 •♦. 255 ♦• 
M. Hoemes 8x. 95*. xo5**. X59. 



158**. 205 ♦♦. 209' 



2X2 



O. Hoffmann 2x9* 
M. HoUeaux xoof. 165. 246. 259 
A. Holm 81(2). 92. 94*'. lox**. 

21 



286 



Register. 



I04*(2). 151. i68*(3). IS4' 



215 



•* 



220 



«• 



206 ♦♦. 208 •♦. 

262 *♦ (2) 
L. Holzapfel 104* (4). 218*. 261* 
F. Hoxnmel 98. loo**. 202 
L. Homo 21 X 
Th. Homolle 88. 157. 213. 246. 

250 (4) 
W. H. St. J. Hope 86 

F. Hoppe 255**. 260 •• 

J. C. Hoppin 99 

S. Homer 159** 

Sir H. H. Howorth 99. 164 

L. de Hoyos Sainz 154 

H. Hubert 2i6* 

J. A. Huddilston 151(2). 259 ♦*. 

262** 
£. Hübner 82. 86. 209. 211. 211 ^ 

242. 2S5* 
Ch. Hülsen 162. 157^ 242. 245 
F. HUppe 81. 89 •♦ 

E. Hula 159. 169* 

F. Hultsch 104*. 155. 247 
C. Humann 151 

G. Humbert 150 

W. V. Humboldt i68** 
A. S. Hunt 20I. 208 • 

248 ♦• 
C A. Hutton i6o. 248 
J. B. Jabot 93 
H. Jacobi 157(2) 



247' 



94**.0 104' 



106 



L. Jacobi 

166 ♦♦ 
F. Jacobs 102 
Ch. Jacquerel 99 
O. Jäger 245 
M. Jahns 149 

A. V. Jaksch 89 
P. Jamot 158 

M. Jastrow jr. 245 
K. Jaufmann 159 
L. Jeli6 89. 103. 207 

B. Jelinek 95 

F. Jelinek 87 •♦ 

S. Jenny 162. 212 

P. Jensen 259**. 261(2) 

H. Jentsch X05 

G. Jequier 152 

A. Jeremias 151. 246 

F. B. Jevons 81. 99** 

K, Jex-Blake 90**. 99**. 262** 



160. 



*) verdruckt in Jacobs 



F. Jezdinsk^ 162 

M. Ihm 151. 161*. 210. 246 

W. Ihne 106 •• 

M. Imbert 216 

F. Imhoof- Blumer 89**. 158. 
220 •♦ 

O. Immisch 262 * 
V. Inama 205 

G. B. Intra 155 

C. W. H. John 202 

Chr. Johnen 87**. 218. 262 •• 

F. Jomini 87 f. 

H. St. Jones 99 

Ch. Joret 87**. 88*» 

A. Joubin 96. 203. 253 

P. Jouguet 88 

Jouitteau 256 

Joulin 251 

O. Jozzi 151(2). 208 ♦* 

VV. Judeich 96. 151. 218. 2i8*. 

242 
J. Jüthner 159. 169*. 263* 
C. JuUian 157. 165. 165*. 207. 

215(2). 259* 
J. Jung 100 ♦*. 102 ♦*. 164 •♦. 

211*. 2l8* 

Jurenka 218 

W. Jurgewitsch 85 

C. Justi 202. 208 ••. 245 

F. Justi 2 19* (2) 
Ivecovid 89(2) 

S. A. IwanofT 245 

Kabbadias 90. 91(2). 209(2). 214 

J. Kaerst 106*. 202 

E. Kaiinka 85. 88. 159(3). 169*. 

242. 254(3) 
A. Kalkmann 245 
H. Kallenberg 105* 
A. Karoinka 101 
A. Kamphausen 169* 

E. Kapff 91 
Karo 208 

P. Karolides 202 

G. Katcheretz 259 

C. M. Kaufmann 157** 

D. Kaufmann 101. 105 
C. de Kay 245 

J. Keiffer 165. 259 

R. Kekule v. Stradonitz 209(2) 

Keller 104* 

C Keller 92. 209 

O. Keller 81. 219** 

F. Kenner 151 



T. M. Kenny Hughes 86. 93 

F. G. Kenyon 79. 81. $$**- 94**- 

245 f. 
Th. Keppel 102* 

O. Kern 82. 219* 

Kersers 211 

H. Kiepert 149 

K. F. Kinch 166 

C. H. Kindermann i68** 

J. Kirchmann 159 

J. E. Kirchner 213. 219*. 220 

Kirsch 251 

L. Kjcllberg I04**. 261* 

E. Klebs 90*^ 99**. 220 *•. 255*. 

26l** 

Klein 97. 210(6). 256 

W. Klein 81. 104 ••. 245. 262*» 

K. Klement 245 

Th. Klett 255 ♦ 

A. Klostermann 202 

H. Kluge 87**. 166 ♦*. 2o8*' 

N. Klugmann 245 

G. Knaack 150. 163. 205*. 219** 
C A. Kneller 261(2) 
Knickenberg 210 

F. Knoke 104 •♦. i69**. 2i2**. 
220 

E. KnoU 87*. 155 

J. A. KnudUon 105. 255** 

G. V. Kobilinski 90**. 92*». 95**. 
105 ♦•, 167 ••. 169** 

J. Koch 262 •♦(2) 
Koehl 94. 209. 256 
R. Koehler 261 
U. Köhler 102. 220. 254 
C A. Koella 81(2) 
C. Koenen x68. 210 
X. Koenig loi* 

F. Koepp 95* '59- 161 ♦. 167*. 
210. 2l8* 

Körber x6o. 211(3). 255. 260* 
A. Körte 105 ♦(2). 168 ♦. 212. 
262* 

G. Körte 162 

G. Körting 87**. 169 ♦♦ 
F. Kofier 154. 160(2) 
W. Kohl 211 
R. Koldewey 242 
P. A. Komnenos 245 

E. Komemann 219* 

V. Koschembar-Lyskowski 106^ 
A. Kotschubinski 84 f. 

F. Kovar 162 



J. Krall 205. 244 
£. FI. L. Krause 253 
F. KrejCi i6o* 
O. Kröhnke 81 

F. Krohn 104* 

W. Kroll 104*. 2S5*. 261 f.** 

J. Kroxnayer 92 

K. Krumbacher 105**. 106 *♦ 

V. Kubelka 202 

K. Kubicki 162 ♦♦ 

J. Kubik i69** 

W. Kubitschek 82. 89. 103**. 

106*. 159. x6i. 242. 254 
K. Kuchtner 151. 219** 
B. Kubier 244(2) 
H. KtienUlc 167 ♦♦ 
P. A. Kuhn 260** 
E. Kuhnert 262 • 
Kulakowsky 103 
H. KuDz 87 
R. Kunze 161* 
J. Kurth 96 

K. Kuruniotes 91(2). 209 
Kuttler 159 

V. Kuzsinszky 91. 98. 164 
J. Lacave-Laplange 88 
£. Lacuve 202 
Lafaye 156 

G. B. dal Lago 81 

M. J. Lagrange 90. 165 

M. de Laigue 206 f. 

L. Laloy 85* (2). 208 •(3). 248*(3) 

M. Larabert 93 

Sp. P. Lambros 86(2), 90 f. 154 f. 

168. 206 
H. Lammers 259 
Lamouroux 154 
G. Lampusiades 91 
M. G. Lamprynides 202 
R. Lanciani 154**. 162**. 202 f. 

214 

K. Lange 202 

L. Lanzi 218. 257 

A. Laporte 90 

W. Larfeld 103*. I04*. 2 19 ♦(3) 

Ch. Laroche 81 

G. Larroumet 202. 206** 

Ch. Latourneau 89 

V. V. Latyiev 84. 220** 

Laurent 250 

A. Laurent loi** 

M. Laurent i66*. 216* 

Ph. Lauzun 250 



Register. 

Laville 88 

de La Ville de Mirmont xoi* 

F. J. Lazcano 157 

J. D. Leader 255 

Le Ballet 256 

L. Le Bas 100. 165(2) 

E. Le Blant 95**. 104 *♦ 

E. Le Bourgeois 88 ♦• 
H. Lechat 100. 216. 246 
Ch. Lecrivain 161. 250 
A. Leftvre 216(8) 

F. Legge 98 

£. Legrand 149 

P. E. Legrand 202. 250 

A. Lehmann 202 

C. Lehmann 242 

C. F. Lehmann 151. 167*. 220. 

26 X**. 262* 
K. Lehmann 263* 
H. Lehner 92. 97. 106(2). 160(5). 

210. 248. 255 f. 263(2) 
T. Lehoczky 91 
M. Leicht 202 
L. Leiner 91 
J. Leite de Vasconcellos 81. 86(5). 

154(3). I54**- 2II**. 248(9)- 
A. Leitzmann 168** 
P. Lejay 88*. 217 
R. Leonhardt 245 
Ch. Lescoeur 156* 
A. Levi 81 
J. Levi loi 
S. Levi 93 

W. Levison 81. 2x0. 21 x**. 
L. Lewin X69 

A. L. Lewis 93 

B. Lewis 254 
W. Lewis 93 
N. Lewy 163 
L. Libonis 202 
W. Liebenam 261 
J. Lieblein 163 
A. F. Lievre 88 
E. Lincke 262 •• 

W. M. Lindsay 81. 204**. 258* 
Cl. Lindskog io2**. I04**. 219** 
J. H. Lipsius xo6**. x62**. 164 •♦. 

i66**. 206 
Baron A. de Loe X54. 202 f. 
R. Loeper 243 

G. Loeschcke 215 
E. Loewy 262* 
Fr. Lohr 220* 



287 

A. Loisy loo* 

A. Pereira Lopo 86. X54(2). 248 

G. D. Lord 159 

Loren tz 2x9* 

F. Lortzing 103*, X04* 

G. Loth 103 

H. Luckenbach 87**. 169**. 249** 

A. Ludwich 8x. X03. 261 *♦ 
W. Lübke 8x 

G. B. Lugari 86 
H. Lullies 262* 
Lumbroso xo6** 
V. Lundström 246 

B. Lupus 97**. 262^(2) 
F. V. Luschan 249 •• 

F. Luterbacher 102 •(2). 166*. 
260* 

M. Maas 262^ 

E. Maafe 87 ♦•. 94*. 2x6*» 

255 *(3) 
R. W. Macan x64* 

J. Macdonald 151. X64** 

G. Macdonald 252 

D. Mackenzie 248 

F. Macler 2i6* 

A. Madonna 102. 2x7 

E. de Magistris 15X 
K. H. Magnus 167** 



X02 



«♦ 



J. P. Mahafly86**. xoi** 
I56**. x65** 

E. Mahler 220. 263 

H. Maionica 95. 159. 212. 254 

A. Makowsky 95 

L, Mallinger 8x. 2x8**. 250**. 

259 ♦♦ 
W. Malmberg X03 
N. Malvezzi 8x(2) 
J. L. Manatt 102 ♦•. 162 •♦. i64** 
R. Mancini 212 
M. Manitius 213 
G. de Manteyer 2x1 
G. Mantovani 249 
H. C March 93 
L. Marcheix 8x 
C de Marchesetti 97 

F. Marchi 246 
de Marchi X02 

G. Margoliouth 258 
L. Mariani 89. 159(2) 

L. Marinier xoi*(2). 216* 
G. E. Marindin 164 
Markewitsch 84 
P. Markus I02** 

21* 



2*» 



*.4 



H. k, JUr^'ae* 155 

E. Mir-.n; -2 

24i. i-i-''. 240**- ^S^ 3,' 2 5'^ 

V. VCwi 103 

Vi', F, Mak.*» 14,* '3^ 

G. Vf u^er^> >4 'i.- for>*. i^**2 - 

y>>. 2IO*. 2X5 "i- 216. 246, 
Ij, MkteT 211 '2) 

A. M^ V>. ^2'i, 1^2 
M. Waver yS. 215 

c vu ;h.',är IST**- i<;7C** 2ii** 

D. W. My>< 155 

A. Mtiet'j^/'.M 103 

A. w«.::<t 2 so* 

B. iU-fiacT 155, 169^ 2iS*. 261* 
R. y.'r.Ma 153- 219 •* 

A. Mtiuen 151. 162 *• 
J. M>I .« 249» 

.J. R. Mtl:^ %2, S7. 99^3;. 217 
Vf. de Mtio'ua 2fj& 
J, Meltzer 210 
O. Mduer 95* 

F, de Mely y^f, 215* 
j, MeTiiUkt 200 

L« Meoard 2t 6 

K Mengarelli 213 

R. Mengt 260* 

K, Xcotnartini 257 

J, MeriUn 95, 165 

>L Mev.hler 218 

K, Mes^^aita de Figaetredo 86. 

»4« 

L. Mcsserscbmidt 212 
A. G. Mctrinos 91 
P. Mcuriot 82 

Ed, VIeyer82. 104*. i6i*. i69*:2). 
203. 2o8*. 211*. 253^2). 2Si** 
IL Meyer Ss**. 97(2; 



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J. M^er *2 

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A- M>::r: 152 

W. Mc<f«t.cw >3 '2 - i«62**- 252 •• 

E. M><: 4;:üi 249 

F. Mc«^e» 97 
\L M-.Iuk 152 
A. de Mcia *i 

A. E. de Melius 25.? 

L- Mcli-is 2CO 

J, Moc3:e;a %3 

A- MocL2i*en 103, 252 *•- 25^^**. 

262** 
Th- Momm«en 242. 253 
H- Mon-iieT 216 • 
El Marques de Monsalad 87 '4). 

155 2> 206. 249'» 
Monta^non 206 
O. Montelias 205^*. 209. 246. 

248- 
C H. Mooie 97**. 2f5* 
A. Mcrdtmann 246 
J. Mordtmann 219 f. 
L. Morel 156. 261 
J. de Morgan 152 (2), 206 *♦- 246. 

260** 
H. Morsch 255* 

V. Mortet 86**. 104 •*. 206. 217 
A. de MortiUet 216(2) 

G. de Mortillet 216 
Moscardi 208 
Moser 95 

JL Moser 208* 

L. K.' Moser 95 

R. Mowat loi. 156(2). 166. 217 

M. Mach 162. 212* 

A. Müller 104 •. 258 *• 

C. O. Müller 244 



2 - I^s^ *. 



A- S- >LxmT 15JL ^i 

G. Mj: 
;. L. Mjz 

24*. 20 

B. A- Vv^caksäes 2U»6. »59 

J. C Naäer 256 

Le MariTiä de Vw^^ T? ^- ^ 

A. Xaief 55. 2oS-» 

G. Nagy 164 

T. XaiLe 55- 99 

E- XiTLle 100*. 102 •. 259. 260' 

E. Nesde 104* 

W. Nesde 01 

C. NeixauaB 220 
H- W. NeTt35<?tt S2 

E- Xr^b^rTT 214. 249. 253 
A. Nkaise 25Ö 

A. Krcolai ao6 
W. Nicolai 152 
J. Nicole 217 
Nicolas 207 

H. Nicolas 95 

M. NiederBann 217* 

B. N'ies« 99'*. io6**. 2I5^* 

E. Nikel i67** 
A. Nikitskr 93 

G. Nikolaides 214 

A. de Nino 98(2). 163(2) 

F. Nis.5ardi 163 

F. Noack 96(2). 15S 

Ch. D. Nobin 82 

Th. Nöld^e 242 

P. de Nolhac 216 

J. B. Nordboff 246 

Ch. Nonnand 82. loo**. 153II 

R. Norton 254 

R. Novak 97*(2> 162. 162* 

W. Nowack loi** 

H. Nätzel 151 

L. de Nossac 206(2) 

Oberhmnmer 82 (3). 96. 10 1 * 

167 •. 242 
W. O'Connor Morris 99**. 252* 



Register. 



289 



P. Odelberg 2I9**. 255** 

R. Dehler 82. 104**. i67*(2). 

203. 209. 219*. 262* (2) 
J. Oeri 243. 2 55** 
J. Offord 98. 163. 214 
Olck 82 
£. Oldfield 86 
L. Olechnowicz 95 
A. Olivetti 246 
A. Olivieri 102. 217(2) 
O. Ollendorff 214 
O. Olshausen 89**. 105. 168 
H. Omont 82 
J. W. G. van Oordt 212 
A. Oppel 158 

J. Oppert 90(2). 246. 253(2) 
J. Ormiston 81 f. 
J. Ornstein 91(2) 
P. Orsi 89. 98(2). 105(2). 159. 

163(5). 214. 252. 257f. 
Osiander 102**. 104*. 106. 160. 

210. 218** 
L. Ott i68** 
A. Oxe 210 
J. Pagel 82. 105** 
E. Pais 82. 206 ♦♦. 211**. 2I9**. 

258** 
W. B. Paley 252 
L. Pallat 85. 94. 96(3). 209. 248 

A. de Paniagna 152. 156** 

B. Pansch 218* 

G. A. Papabasiliu 205(2) 

Ch. A. Papadopulos 91 

A. Papadopulos Kerameus 91. 96 

Papageorgiades 96 

P. N. Papageorgiu 104. 167. 

168(2). 205 
A. Papier 99 
A. Parat 156 
E. Parboni 262 
P. Paris loi. 152. 165(2). 207. 

213. 216. 217* 
J. Partsch 82(2). 103*. 104* (2). 

i68*. 212. 2i8*. 219**. 242. 

254 

C. Pascal 102 •♦ 

D. N. Paschalis 82 
Passow 262* 

A. Patin 87* 

G. Patroni 98(2). 157. 161 *♦. 203. 
208. 208 ♦•(2). 212. 249(2). 

257(3) 
K. Patsch 167**. 254 



C. Pauli 102 *. 149. 243. 258 •♦ 
Pauly 82. 164 ••. 168**. 219 •♦. 

249**. 255**. 260 ♦♦ 
Pausanias 82. 92**. loi**. I53f.** 

I55**(2). I57**. 169**. 2IO**. 

258**. 262 ♦• 
A. Pawlowsky 103. 243 
G. Pa>Tie 154 
U. Pedroli 102 

A. Pellegrini 164. 246 

G. Pellegrini 97. 163(2). 213(2) 

E. Penndorf 104** 

R. Peppmüller 261* 

P. Perdrizet88(2). i64f. 208. 213. 

216. 248. 250(6). 259 
K. Pereis 166 
N. Perini 246(2) 
E. Pemice 158. 167*. 209. 254 
E. Perontka 94 •(3). i6o*. 203 

B. Perrin 2i8** 

G. Perrot 82. i6o*(2). 164 ♦*. 
165*. 208. 210*. 246. 255*(2) 
N. Pcrsichetti 98(2). 2 56 f. 
L. Pertsch 81 f. 
U. Pestalozza 214. 244 
H. Peter 94 ♦♦. loo**. 105*. io6**. 



157 



** 



162 



** 



209 



** 



219*. 



220**. 261** 
Peters 153 f.* 164** 
Petersen 202 
E. Petersen 79. 96. 162. 208**. 

212. 246. 252 ♦♦. 255*. 255 ••• 

263. 

E. Petit 156 

G. de Petra 99. 2i2f. 249. 258 

F. Petraeiö 247 

W. M. Flindcrs Pctric 82 f. loo**. 
103. 152. 153**. 162 ♦♦. 215**. 

244(2) 
del Pezzo 213 

N. B. Phardys 91 

B. Pharm akowsky 100 

J. S. Phene 93. 103 

D. Philios 163. 214 

A. Philippson 92** 103**. 105. 



252 



«* 



E. Piccolomini 86 
P. Piccolomini 152 

F. Pichler 95 

F. Pichlmayr 94. 253 

B. Pick 209 

H. Picot 204 

K. Pichl 102. 102 • (2). 103*. 



258. 260(2). 260* (3). 261. 
261 *(2) 
R. Pietschmann 155. 206 

F. J. Pignatari 83 

L. Pigorini 208 ♦*. 216 ♦♦ 
E. J. Pilcher 258 
P. Pinton 161 

G. Pinza 157. 207 f. 247. 257 
Ch. Piot 87 (2). 250 

O. Piper 210 

C. Pires 248 

A. A. Pirie 98 

A. Pirro 203 

R. von Plantas 91 

K. Plath 83 

Plathner 162 •♦ 

A. Platt 160 

Plinius d. Ä. 90**. 99**. 100 •*. 

I57**. i67f.**. 211**. 262 ♦• 
P. Podestä 98. 213 
R. Pöhlmann 92. 94*. 159. 169. 

2i8*. 255* 
Pogodin 96 
G. Polivka 249 
L. PoUak 162. 212. 256. 259 
G. Pollini 83 
H. Pomtow 92. 158 
E. Pontremoli 100 
J. Poppelreuter 220* 
Pothier 156 
G. S. Potter 83 
E. Pottier 83. 86. 89**. 92. 94**. 

104**. 150(2). 165**. 246. 250. 

250 ♦♦ 
Potuilizin 85 
Ph. Pouzet 164 f. 
A. M. Poynter 248 
K. Praechter 214 
J. V. PraSek 97. 97* (3). 161 ♦♦. 162. 

162* (2). 203. 261*. 262 ♦♦ 
J. Prazak 97* 
Th. Preger 105*. 249* 
A. V. Premerstein 254 
H. Prevost 205 
E. Pridik 96. 104* (2) 
H. V. Prott 213. 256(2) 
Prou 251 
O. Puchstein 242 
G. Puig y Larrasz 87. 155. 249 
L. C. Purser 258* 
Puschi 95 
L. Pusterla 257 
A. Quentin loi*. 2i6* 



290 



Register. 



J. E. Quibell 169. 220 

Quilling 246 

J. Th. de Raadt 152 

G. Radet 217(2) 

A. Raeder 83. 167 

H. Raeder 167* 

F. Ramorino 83 

W. M. Ramsay 83. 155. 159**. 

164* (3). 203. 217. 218 ♦♦ 
J. Ranke 249* 
P. Rasi 102 
H. Rassam 98 

F. Rathgen 203 

Ch. Ravaisson-Mollien 251. 253 
H. Ravon-Bey 152 

G. Rawlinson i64** 

F. V. Reber 102 ♦*. 157**. i66**. 

i68*». 208 ♦♦. 2i8*». 249 ♦♦ 
W. Regel 243 

P. Regnaud I56**. 166 **. 261 ♦♦ 
F. Regnault 156 
L. Regnicr 88 
A. Rehm loi** 

D. Reich 205 
H. Reich 161 •• 
M. Reich 166 

W. Reichel 87**. 94**. 100 **. 

159. 166 *♦. 219**. 263** 
F. Reichlen 85 
S. Reinach 90 (3). 99 (2). 100 (2). 

loi**. 148. 152. 154. 164 f. 

164 ♦♦. 165* (3). 203(2). 205 ♦. 

208 f. 208 •♦. 215(4). 215*. 246. 

248»(2). 250. 252. 252 •♦. 253 

(3). 259. 259* (5) 
Th. Reinach 100. 149. 165(2). 

i66. 208 ♦•. 259. 262** 
P. Reineckc 85*». 95. 168 

E. Reisch 159. i6o** (2). 166 ♦•. 
2IO»». 2i6»*. 255** (2). 258** 

Reisner 103 
H Renault 206 
O. Retowski 84 

E. Reusens 207 
A. Reville loi* 
J. Reville loi • 
Baron E. Rey 156 
O. Ribbeck X49 

S. de Ricci 207. 215 

S. Ricci 86. 97**. xo2. 154. 

157**. i6i**. 163. i65**. i67*^. 

257. 260** 

F. T. Richards 99* (2). 258* 



G. C. Richards 164. 214 

R. B. Richardson 93. 254 (3). 

257(2) 
H. Richiy 212 

Richter 91 (2) 

J. P. Richter I05** 

O. Richter 209 

A. de Ridder 88. 100. 152. I56**. 

209. 215. 2I7**(2). 217* 
A. Riegl 106* 
A. Riese 104*. 160. 220 
H. Riggauer 167 f. 
G. Rindfleisch 247 
H. A. Ring 247 

E. Ritterling 94. 96. 160 (2). 161. 
211. 248. 255. 263 

G. E. Rizzo 96. 2i8**. 219 ♦•. 

261 ♦♦ 
Rjedin 103(2) 
C. Robert 82. 92. 104**. 105 ♦•. 

152. i66**. 253. 2$g** 

F. Robiou 10 1** 

S. Rocco 157**. 167 f. •♦ 

A. d. S. Rocha 83. 85*»(2). 154 

O. de Rochebrune 153 

Marquis de Rochemonteix 151 

L. Rochetin 95 

T. Rochigneux 250 

P. Rodeck 248 

A. Roegiers 256 

H. Roehl 245 

F. Rosiger 253* 

E. Rohdc 83. 104*. 208 *♦. 2i8*». 

260** 
P. de Rohden 152, 21 1**. 252**. 

258 ••. 261 ♦• 
de Roquefeuil 157 
L. Rosati 249 
W. H. Röscher 104**. 154. 162 f. 

205 ♦♦. 245. 256 
E. Rosenberg 168 • 
O. Rofsbach 81. 83. 97. 151. 167. 

219. 245. 256 

G. C. Rossi 203. 217 
S. Rossi 247 (2) 

M. Rostowzew loi. 105*. 166. 

211 f. 217. 243. 245. 260 
C. Rothe 105** 
E. Rothert 102**. 169** 
M. Rothstein 160* 
J. de Rouge 156. 251 
A. Roujou 90 
W. H. D. Rouse 153. 155** 



A. Roussel 156* 

J. Rouvier 159. 260 

O. Rubensohn 167* 256 

Fr. Rtihl 212 

C.-E. Ruelle 100 

Ruefs 87 • 

H. RUter 203 

W. Rüge 82. 105*. 254*. 262* 

E. di Ruggiero 80. 83. 201. 244 
Rupprecht Prinz v. Bayern 168 
Rutar 95 

F. Ruth 247 
V. Rydberg 83 
\V. H. Rylands 98 

G. Sachse 169* 

E. Saglio 150. 252** 
A. Sagnier 211 

A. Salinas 98. 257 (2) 

A. V. Sallet 203 

Salvioni 206 

de Sanctis 212 

J. E. Sandys 99*. 164*. 246 

A. Santarelli 257 

G. F. L. Sarauw 247 

F. Sarre 87 •• 

D. M. Sarros 91 

O. V. Sarwey 83. 104 ♦*. 168 ♦•. 

203. 219**. 220**. 247 

E. de Sarzec 164** 

F. Saska 83. i6o** 

B. Sauer 104*. 106 
H. E. Sauvage 247 
Savi 207 

L. Savignoni 96. 162. 168 **. 
212(2) 

F. Savini 102. 213 

A. H. Sayce 98. i62^*. 163 f. 

214 
R. V. Scala 204. 244 
L. Schäble 159 
K. H. Schaible 83 
M. Schanz 202. 260 •* 
Fr. V. Scheil 100. 105. 153. 164. 

214. 2i8**. 259 
M. Scheller 159 

C. Schenkl 159 
W. Scheuthle 91 
Schiaparelli 212 
C. Schick 105 •♦ 

J. V. Schlosser 159 

G. Schlumberger 253 

VV. Schmid 153. 214. 218 ♦• 219 
Schmidt 97 (3) 



•» 



Register. 



291 



*» 



B. Schmidt 213 
E. Schmidt 205* 
Hub. Schmidt 219* 
O. E. Schmidt i68* 

E. Schmit 95 
L. Schmitz 204 
A. Schneider 165**. 204. 248 
R V. Schneider 161. 254 
M. Schneidewin 92**. 100 

103 ♦•. 262 ♦♦ 
V. V. Schoeffer 82 

F. Schoell 106. 209. 253 
G.Schoemann loo**. io6**. 162**. 

i64»*. i66**. 261 ♦♦ 

G. Schön 159 
R. Schöne 83 

Th. Schreiber 157 •(3). 242. 255**. 

262 •♦ 
J. Schrijnen 97 
R. Schubert 97 
K. Schuchardt 169 
H. Schuermans 106 
A. Schulten 90**. 100 *♦. 104**. 

158. 161 ♦. 205*. 2II^*. 2l8*. 

2I9». 244. 247. 253. 256 

C. Schulteis 210 
C. Schultefs 153 
K. Schultefs 262 *♦ 

O. Schulthefs i66* (2). 219*. 260*. 

262* 
E. Schultze 261* 
E. Schulze 87**. 102*. 106 ♦. 

i66*. 210 
K. Schumacher 91 f. 94. 106. 158. 

160. 168 •. 209 f. 255*. 263 
W. Schumann 85**. 97 
E. Schure 153. 21 5** 
W. Schurz 153. 162 ♦* 
M. Schwab 10 1 
O. Schwab 247. 262** 
Schwartz 82 

E. Schwartz 94** (2). 158 
P. Schwartz 204 
G. Schweinfurth $$*•. 169, 248 *♦. 

260 
E. Schweizer 204 
Scialoja 214 
H. SCorpil 85 
K. SCorpil 84 (2). 85 
W. Söorpil 84 (6) 
E. Secretan 87 (2) 
A. St. Sedlmayer 169* 
O. Seeck 83. 2i8**. 220. 256** 



K. Seeliger i62** 

H. Segond 88 

M. Seibel 87* 

Ch. Seignobos 215* 

Fr. O. Sejourn^ 100 

P. M. Sejoume 165 

E. Seilers 90**. 99**. 262** 

£. J. Seltman 90. 260 

A. Semenow 220* 

Semrau 105 

Serafini 207 

G. Sergi 83. 86. 89. i62**. 218 

K. Sethe 220 

E. Sewera 220 

Th. D. Seymour 93 

S. Shebelew 243. 260 

P. Siebert 162* 

M. Siebourg i69* 

E. Siecke 105** 
W. Sieglin 242 

J. Sieveking 161 ♦ 

M. Simaika Bey 93 

J. Simon 106 

K. Sittl 102. 102 ♦ (3). 166 ♦ (2). 

217. 218* (2). 260* 
J. Sitzlcr 158* 
J. S. Six 90. 96. 162. 252 
G. Sixt 91. 94. 106. 160* 202. 

252**. 255 
A. N. Skias 163. 209. 214 (3) 
Th. Skuphos 205 
A. H. Smith 164* 
C. Smith 248 (4) 
Ch. M. Snyder 247 
Socin 155 
A. Sogliano 98 (3). 99. 163 (3). 

212 (2). 213 (3). 249. 257 (2). 

A. Solari 104**. 217 

Fr. Sollima 83 

P. M. de Soraluce 249 

G. Sordini 163 

A. S^rensen 83 

A. F. Sorrentino 247 

G. Sotiriadis 214 

A. Souchon 153 

J. Soury 216 

A. Souter 164 

M. C. Soutzo 216. 260 

W. Spiegelberg 82 f. 164. 169*. 

247 
J. B. Spindler 83 

F. Spiro 94* 



A. Springer 153 
H. Stadler i66* 

P. Stähelin 104 ♦♦. 105 ♦♦. 255** 
O'. Stählin 87. 87*. 249 
Stahlecker 153 

B. Stal's 214 

E. Stamatiadis 247 
Stampini 217 
Stein 82 

F. Stein i67** 
L. Stein 86 

G. SteindorfT 204 
J. Steiner 91. 210 
G. Steinmetz 167 ♦♦ 
Steinthal 205 

P. Stengel 106*. 202. 262* 

B. Stern i69** 

E. V. Stern 84 (4). 85. 103 
J. R. S. Sterret 93 
H. Steuding 105* (2). 167*. i68* 
(2). 219*. 261* (2) 

E. Stevenson 207 (4). 208. 252 

(3). 259** 
P. Sticotti 155. 249 

F. Stolle 153. i62** 
F. Stolz 21 8* 

J. R. V. Storck 106 ♦♦ 
J. M. Stowasser 220* 
M. L. Strack 102 ♦*. 213 

C. H. Stratz 247 

V. Strazzulla 98. 153. 217 

M. Streck 262 

E. Strong 215* 

L. Stroobant 204 

K. E. W. Strootmann 92 

J. Strzygowski 105*. 159. 163 

E. Stucken 208 ♦♦ 

F. Studniczka 95*. 254. 262** 
E. A. Stückelberg 83. 166. 260 
H. Stürenburg 105 ♦♦. 161 ♦♦. 

i66f.** 

G. Stuhlfauth 105 •*. 207. 256 
J. N. Sunden 2i8** 

J. N. Svoronos 83. 101 ♦•. 158, 

166. 202. 262^* 
H. Swoboda 102 *(3). 161. 166 *. 

i66**. 217*. 244. 255* 
J. Szamosi 97 
E. Szanto 159. 161(2). 254 
J. Szaraniewicz 95 
A. Szczukarew 243 
J. Szemäk 204 
E. Tacchella 216 



292 



Register« 



N. Tamassia 206 

F. Tambroni 247 

P. Tamponi 163(2) 

Tanata 84 

P. Tanncry 86. 87**. 100* 

A. Taramelli 159. 163. 248 ••. 

257 

F. B. Tarbeil 102 •♦ 

H. Taurer Ritter v. Gallenstein 

106 ♦• 
de TavoUe 207 

G. Tegläs 94. 97 (2) 
Thalhcim 261 *(2). 262* 

H. Thedenat 153. 25o*(2). 261** 

M. Thiel I04** 

G. Thiele 83. 204. 252 ♦♦ 

Fr. P. Thiers 208 

N. ThioUier 250 

E, Thomas 86**. ioo*(3). 215». 

2I7** 

E. Thrämer 87**. 104*. 167** 
A. Thumb 255* 

F. Thureau-Dangin 155. 215 

C. P. Tiele loi ♦♦. 106 •♦. i68**. 

255** 
Gr. Tocilesco 253 

J. Toepffer loo**. I02**. 104**. 

I54**. 161 •♦. 21 7**. 262** 

E. Toison 250 

Tomaschek 242 

G. Tomassetti 98 
C. Tonini 98. 213 
Torlonia 207 

C. Torr 154. 215 

£. Toulouze 204. 215 

Tournal 205 

P, Toussaint 206 

J. Toutain 83. 100 ♦. 150. i6i**. 

i66**. 211. 215*. 2I9**. 251. 

259* (2) 
H. F. Tozer 100 ♦. 2io** 
Tragan 161(3) 
L. Traube 209 
A. Trendelenburg 153. 211**. 

252**. 261** f. 
G. Treu 92 
O. Treuber 255* 
Tröltsch 91 

G. Tropea i68** 217. 218** 
Chr. Tsuntas 91(3). 102 ♦♦. i62**. 

i64**. 214 
Turajer 103 
S. L. Tuxen 259**. 261 ♦• 



Le comte M. Tyskie?ricz 99 

W. Uhl 204 

G. E. UnderhiU 99 

H. L. Urlichs 87* (2). 150. 201. 

249* (2). 253**. 259**. 260 ♦♦. 

262*. 262 ♦♦ 

C. Urseau 83 

H. Usener 213. 218 

J. L. Ussing 86»*. 218*. 2i9*\ 

247. 261. 261*. 261 ♦♦ 
G. Vacchetta 97 

D. Vaglicri 98(2). 99. 213 
A. Vaissier 161(2) 

V. Valentin 103* 

I. M. J. Valeton 96 

A. Valle 80 

L. de la Vallee Poussin 256 

L. Valmaggi 166 

L. Vanderkinderc 101 

M. Vasii 103** 

Vasnier 165. 205 

A. Vasquez Nunez 250 

O. Vauville 89. 251 

Marques de la Vega y Armijo 249 

L. Venetianer 204. 216** 

A. Venturi 249 

L. Venturini 217 

A. T. Vercoutre 165* 

R. Vemeau 248* 

A. W. Verrall 164*. 210 

Vidal de la Blache 90. 155 

P. Viereck 261* 

R. de Vignaud 251 

Vigncaux 88** 

C. Villani 252 

A. H. de Villefosse 90(4). 95. 

100. 156. 157(2). 207(3). 208. 

251(8) 
A: Vinchon 85 ♦* 
R. Virchow 89**. 168(2). 209. 

248 •* 
A. Vire 89 
Ph. Virey 214 
H. Visoky 254 
F. van Vleuten 210 
Th. Voges 97 

Marquis de VogUe 93. 158 f. 165 
Th. Volkov 154*. 248* 
W. Vollgraff loi 
F. Vollmer 256 

F. Vorelot 88 
Vofs 209 

G. Vuillier 83 



A. de Waal 98. 163. 258 
C. Wachsmuth 83 

E. Wagner 90**. 92**. 95**. 
105**. 160. 167 •♦. 169** 

R. Wagner 151. 169**. 245 

F. Wahnschaffe 158 
Ch. Waldstein 93 
Walter 208^(3) 

L. N. Walter 163 

H B. Walters 164. 214. 258 

A. W^alton 204 

J. Ward 84 

W. H. Ward 248 

G. C. W. Warr 214. 258 
M. Warren 93 

G. Wartenberg 105* 

O. Waser 205 

St. Waszynski 247 

J. C. Watt 84 

A. Weber 242 

G. Weber 92. 256 

H. Weber 252 

N. Wecklein 87 •. 218* 

C.Weichardt io6**. 155**. i65**. 

2I5**. 261** 
H. Weil 94*. loo**. loi**. 160. 

216. 250 
R. Weil 82. 84. 211 ♦, 2i9*(2). 

219**. 262^(2) 
Fr. W^eilbach 218 
W. Weinberger 163 
R. V. Weinzierl 85**. 212 
O. Weise 260* 
P. Weise I02**. i62*». 255** 

F. H. Weifsbach 105 
R. WeifshSupl 254 

K. Weifsmann 102 *. i66* 

P. Weizsäcker 102 ♦ (3). 151. 

i66*(4). 205*. 217*. 2i8*(3). 

219 *. 245. 246 (2). 260 *.. 

262 ♦ (3) 
Th. Wellauer 85 
P. Wendland 92 

G. Wentzel 154* 

K. Wernicke 82. 104 *• 244. 261*. 

262* (2) 
Werra 92 
C. Wessely 262* 
F. Wey 84 
C Weyman 87* 
J. F. White 210 
J. W. White 93 
F. Wickhoff 159. 244 



Register. 



293 



** 



218 



S. Wide 167 ♦. 208 

2I9*(2) 

Widmann 92*. 209* 

A. Wiedemann 105*. 163. 214. 

249*. 261 
Th. Wicgand 256 
F. Wieseler 244 
U. V. Wilamowitz - Moellendorff 

84. 85*. 92. 94*. i6o*. 248*. 

253- 255* 
U. Wilckcn 82. 



211** (2). 217 •♦. 



157 
219 

159 



** 



*♦ 



204. 
261 ♦♦ 
i6x (3). 



204 



A. Wilhelm 85 

I54r 254(2) 
E. Wilisch i66» 
A. S. Wilkins 258* 
IL Willcnbücher 167 
H. Willers 220 

K. Willing 90**. 256**. 263** 
H. WiUrich I04*. 161 ♦. 253 
G. Wilpert 207. 249 
Th. Wilson 85** 
A. Winckler 162* 
H. Winckler 162. 169**. 204 

210**. 212 
Winkelmann 94 



H. Winnefeld 161*. 21 1*. 254 

F. Winter 94. 97. 151. 158. 
209 

H. Winther 219* 
H. Wirz 244 
J. Wissowa 162 

G. Wissowa 82. 159. 161*. 164**. 
i68**. 211*. 2I9**. 246. 249**. 
252*. 255**. 260 *• 

F. Woenig 204 
Woemer 151 
E. Wolff 167* 

G. Wolff I04*(3). 160. 167*. 219*. 

255(2) 
P. Wolters 92. 96. 212. 256 
W. J Woodhouse 84. 86**. 210. 

2U**. 252**. 260** 
W. Wroth 208 
R. Wünsch 204. 252 •*. 255**. 

2 59** (2). 262** (2) 
E. Wuescher-Becchi 89 
O. Wulff 96(2). 103(2). 168. 247 
C. Wunderer 87. 98 
W. Wunderer 87*. 155*. 249* 
A. Wurm 247 
W. Wyse 164 



M. Graf York v. Wartenberg 

167** 
H. W. Young 258 
K. Zacher 254 
R. Zahn 212 
Zanella 207 
C. Zangemeister 80. 84. x6o. 211. 

242 

S. Zebelew s. Shebelew 

M. Zeitlin 10 1 

J. Zemann 162 

J. Zemp 85. 205. 248 

H. G. Zeuthen 84. 105 ♦♦. 261 ♦• 

E. Ziebarth 96(2). 212. 256(3). 

260 
E. Ziegeler 104 •♦(2) 
J. Ziehen 158(2) 
Th. Zielinski 105 ♦(2). 217 
H. Zimmerer 87*. 209. 263* 
H. Zimmermann 150 
M. G. Zimmermann 160^* 
H. Zimmern 105*. 220 
J. Zingerle 161. 263* 
C. Ziwsa 169* 
A. Zorzi 213 



n. Zeits 

Aarb^ger for Nordisk Oldkyndighed og Historie 
S4. 247 

Abhandlungen der Kgl. Akademie der Wissen- 
schaften zu Berlin 204 

Abhandlungen der k. bayer. Akademie der W^issen- 
schaften 84, iss, 204 

Abhandlungen der kgl. Gesellschaft der Wissen- 
schaften zu Göttingen 24J 

Abhandlungen der kgl. sächsischen Gesellschaft 
der Wissenschaften 247 

The Academy ijs, 204, 247 

L'Ami des Monuments et des Arts iS3. 204 

Annalen der Kais. Odessaer Gesellschaft fttr Ge- 
schichte und Altertumswissenschaft 84 

Annalen des Vereins fUr Nassauische Altertums- 
kunde und Geschichtsforschung 8^. 24J 

Annales de l'Academie de Mäcon 204 

Annales de geographie 204 

Annales du Musee Guimet 20^ 

Annales de S. Louis-des-Frangais 8s 

Annales de la Societe d'Archeologie de Bruxelles 
'54' ^oj 

Annales de l'Universite de Grenoble 1S4 

The Annual of the British School at Athens 248 



chriften 

L'Anthropologie 8^, 1J4, 20s, 248 

The American Antiquarian 248 

The Antiquary 8j, IJ4. 20s 

Nuova Antologia 8j. 1J4 

Göttingische gelehrte Anzeigen 8s , 1S4. 20s, 248 

Anzeiger der Kais. Akademie der Wissenschaften 

in Wien 8s. 15 4» 20s 
Anzeiger für schweizerische Altertumskunde 8s» 

20S* 248 
Archäologischer Anzeiger g2, is8. 20g, 2S4 
Archaeologia 8s 
Archaeologia Aeliana IS4 
Archaeologia historica 20s 
O Archeologo Portugues 86, 154. 248 
The Architect 24g 
The British Architect 24g 
Archiv für Anthropologie 20S* 24g 
Archiv für hessische Geschichte und Altumskunde 

'S4 
Archiv für Geschichte der Philosophie 86 

Archiv für Religionswissenschaft iS4» 20s» 24g 
Nuovo Archivio Veneto 86 

Archivio della R. Societa romana di storia pa- 
tria 86 



294 



Register. 



Archivio storico lombardo 86 

Archiv io storico per le provincie Napoletanc ^^9 

Archivio Trentino aoj 

L'Art pour tous 86 

L'Arte 24g 

Atene e Roma 86, IS4 

'AÖTjva aos 

The Athenaeum 86. IJ4, 206. 24g 

Atti deU'Accademia degli Agiati di Rovereto 24g 

Atti dclla R. Accademia delle scienzc di Torino i^s 

Atti della R. Accademia di archeologia di Napoli 

24g 
Atti dell'Ateneo di Bergamo 24g 
Atti e memoric della R. Accademia di scienze, lettere 

ed arti di Padova 206 
Atti e memorie della R. Accademia Virgiliana di 

Mantova Tfj" 
Atti e memorie della R. deputazione di storia pa- 

tria per le provincie di Romagna 86 
Atti e memorie dclla Societa istriana di archeologia 

e storia patria /jj. 24g 

Beiträge zur Assyriologie i^^ 

Beiträge zur Kenntnis des Schrift-, Buch- und 
Bibliothekswesens ijj,' 206 

Berichte über die Verhandlungen der Kgl. Säch- 
sischen Gesellschaft der Wissenschaften ijj, 206 

Bessarionc 86. ijj. 206 

Bibliothcque de Tl^cole des Chartes 86, 206 

Blätter fUr das Gymnasial-Schulwesen , hrsg. vom 
bayer. Gymnasiallehrerverein 8y* ijj, 206, 24g 

Boletin de la Real Academia de laHistoria S^, ijj, 
206, 24g 

Boletin de la Comisi6n provincial de monumentos 

Boletin de la Sociedad Arqueolögica Luliana 87, 

Bollettino della Societsi Storica Savonese 206 
Bollettino storico della Svizzera italiana 206 
The Builder <?/. iss, 206, 2jo 
Bulletin de l'Academie royale des Lettres et des 

Beaux-Arts de Belgique <?/. 2jo 
Bulletin de l'Academie du Var (Toulon) isj 
Bulletin archcologique du Comite des travaux 

historiques et scientifiques ij6, 206. 2jo 
Bulletin archeologique et historique de la Societe 

archeologique de Tam-et-Garonne (Montauban) 

'J6 
Bulletin de l'association Pro Aventico 8"^ 
Bulletin de la Commission des arts et monuments 

historiques de la Charente-Inferieure 88 
Bullettin des Commissions royales d'art et 

d'archeologie (Bruxelles) 20"^ 



Bulletin de Correspondance hellenique 8S, 2jo 
Bulletin critique 88, 1^6, 207, sjo 
Bulletin de la Diana (Montbrison) 2jo 
Bulletin de Tlnstitut egyptien (da Caire) 156 
Bulletin historique de la Societe des antiquaires 

de la Morinie (Saint-Omer) 88 
Bulletin monumental 88, 250 
Bulletin de la Societe des Antiquaires de TOuest 88 
Bulletin de la Societe archeologique du Midi de 

la France (Toulouse) 2jo 
Bulletine dela Societe archeologique et historique 

de rOrlcanais is6 
Bulletin de la Societe des ^tudes litteraires, seien- 

. tifiques et artistiques du Lot 88 
Bulletin de la Societe d'etudes scientifiques et 

archcologiques de la ville de Draguig^nan 88 
Bulletin de la Societe de geographie et d'archeo- 

logie de la province d'Oran 88 
Bulletin de la Societe de l'histoire de Paris et de 

rilc de France 207 
Bulletin de la Societe nationale des antiquaires 

de France J56, 207, 2ji 
Bulletin de la Societe normande de geographie 

IS6 
Bulletin de la Societe philomathique Vosgienne 88 
Bulletin de la Societe royale beige de geographie 

88, 207 
Bulletin de la Societe des sciences historiques et 

naturelles de l'Yonne (Auxerre) ij6 
Western Reserve University Bulletin 2^1 
Bulletin et Memoires de la Societe archeologique et 

historique de la Charente (Angouleme) 2ji 
Bulletins de la Societe d' Anthropologie de Paris 

88. IS 6, 207, 2^1 
Bullettino di archeologia e storia dalmata 8g. 

JS7. 207, 2JI 

Bullettino della commissione archeologica comu- 

nale di Roma 8g, 207 
Nuovo Bullettino di archeologia cristiana 207, 

2J2 

Bullettino di paletnologia italiana 8g, 1J7, 208, 

2S2 

Bullettino della Societa di storia patria L. A. 
Antinori (Aquila) 208 

Carinthia I. Mittheilungen des Geschieh tsvereihs 

für Kärnten 8g, is7 
Central blatt fUr Anthropologie, Ethnologie und 

Urgeschichte 8g, 208 
Centralblatt der Bau Verwaltung 8g, IJ7 
Literarisches Centralblatt 8g, 1^7, 208, 2^2 
The Century 2^2 
The Nineteenth Century 7.^2 



Register. 



295 



The Daily Chronicle 2^2 

The Numismatic Chronicle go, ijy. 208. 2J2 

La Chronique des arts et de la curiosite 208. 2j2 

La Ciudad de Dios /f/ 

La Civil tä cattolica go. 75-7. 208 

Comptes Rendus de l'Academie des Inscriptions 
et Belles-Lettres go, 1^7, 208. 2^2 

Congres archeologique de France go 

La Construction moderne go 

Correspondenzblatt der deutschen Gesellschaft 
für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte 
20g 

i^cXxfov rr^c btoptxfjc xal IövoXoyixt]? 'Exotpfac t^c 
'EXXdSoc go 

Antike Denkmäler hrsg. vom Kaiscrl. archäo- 
logischen Institut 20g 

The Echo gi, 2SS 

Bpfxix^ 'ErexTjpfc gi 

'Ecp7)fjiepl; dp}(aioXoY(xi^ 9/. 20g 

AieövfjC ''E^r^fjiepl? x^c vofJLtajxaxlx^C dp^^oioXoy^a; 

158 
Archacologiai ärtesito^/ 

Folk-Lore 20g 

Indogermanische Forschungen gi 

Fundberichte aus Schwaben gi 

Le Gallerie nazionali italiane gi 

Gazette des Beaux-Arts gi, ij8. 20g, 2S3 

Die Gegenwart g2 

Giornale arcadico 1^8» 20g 

Globe 2^3 

Globus g2, ij8, 20g, 2JJ 

The Graphic g2. ij8 

Gymnasium g2, ij8, 20g 

Das humanistische Gymnasium 20g, 2ss 

Glasgow Herald g2, 2j^ 
Hermathena ij8 
Hermes g2, ij8. 20g, 2js 

Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekro- 
log g2 

Jahrbuch des Kaiserl. Deutschen Archäologischen 
Instituts ^2. ij8. 20g. 2JJ 

Jahrbuch der Kgl. Preufsischen Kunstsammlungen 
20 g 

Jahrbuch der kunsthistorischen Sammlungen des 
A. H. Kaiserhauses ijg 

Jahrbuch des historischen Vereins Dillingen rjg 

Bonner Jahrbücher 210 

Neue Jahrbücher für das klassische Altertum, Ge- 



schichte und deutsche Litteratur, und für Päda- 
gogik g2, isg, 210, 2J4 
Neue Heidelberger Jahrbücher g2, 210 
Neue Jahrbücher für Philologie und Pädagogik 

(Fleckeisens Jahrbücher) g2 
Preufsische Jahrbücher 210, 2J4 

mm 

Jahreshefte des Osterreichischen Archäologischen 
Institutes in Wien ijg, 2S4 

L'Illustrazione g2 

The Independent 2^4 

American Journal of Archaeology 9^. /f^. 2^4 

The Archaeological Journal gj, ijg, 2S4 

Journal des Artistes gs 

Journal Asiatique gs, ijg, 2S4 

The Journal of the British Archaeological Asso- 
ciation gS' 2 SS 

The Journal of the Anthropological Institute of 
Great Britain and Ireland gj 

The Builder's Journal 2SS 

The Geographical Journal 210 

Journal des Ministeriums der Volksau fklärung gs 

The Journal of Philology 160 

Journal des Savants 9^. 160, 2SS 

The Journal of Hellenic Studies 160, 210 

Archacologiai Közlemenyek g4 

Korrcspondenzblatt des Gesammtvereins der 
deutschen Geschichts- und Alterthumsvereine 9^. 
210 

Neues Korrespondenzblatt fUr die Gelehrten- 
und Realschulen Württembergs 9^. j6o, 210. 2ss 

Korrespondenzblatt der Westdeutschen Zeit- 
schrift g4, 160, 211. 2SS 

Kunstchronik 9-/. 160, 2SS 



Limesblatt 9^. 160, 211. 2SS 
Listy ülologickc 9^. 160, 211 
Deutsche Litteraturzeitung 

»SS 



g4, 160, 211, 



Magasin pittoresque gs 

Anthropologische, archäologische und ethno- 
graphische Materialien (Krakau) gs 

Melanges d'archeologie et d'histoire gS* 161,211 

Memoires de l'Academie des sciences, inscriptions 
et belles-lettres löt 

Memoires de l'Academie de Vaucluse gs 

Memoires de la Societe academique d'archeologie, 
sciences et arts du dep. de l'Oise 161 

Memoires dela Societe d'agriculturc, commerce, 
scientes et arts du dep. de la Marne gs» 2SS 

Memoires de la Societe des Antiquaires du 
Centre 211 



296 



Register. 



Memoires de la Societe archeologique de Con- 

stantine g^ 
Memoires de la Societe archeologique et historique 

de rOrleanais 212 
Memoires de la Societe eduenne töi 
Memoires de la Societe d'emulation du Doubs 161 
Memoires de la Societe nationale d'agriculture, 

sciences et arts d' Angers 2^6 
Memoires de la Societe nationale des Antiquaires 

de France 211 
Memoires de la Societe des sciences, de l'agri- 

cultur6 et des arts de Lille 212 
Memorie della R. Accademia dei Lincei gs 
Memorie della Societä geografica italiana löt 
Liverpool Mercury 2^6 
Archäologisch - epigraphische Mittheilungen aus 

Oesterreich-Ungam i6t 
Mitth eilungen der k. k. Central -Commission für 

Erforschung und Erhaltung der Kunst- und 

historischen Denkmale 9^. 162, 212 
Mittheilungen der Anthropologischen Gesellschaft 

.in Wien gs* ^'^ 
Mittheilungen der k. k. Geographischen Gesell- 
schaft in Wien g^ 
Mittheilungen der Vorderasiatischen Gesellschaft 

162» 2J2 

Mittheilungen des Kais. Deutschen Archäologi- 
schen Instituts 9/. 162, 212» 2j6 

Mitteilungen des Kais. Russischen Archäologi- 
schen Instituts gö 

Mittheilungen aus der historischen Litteratur 
162, 2 t 2. 2j6 

Petermanns Mittheilungen gö. 212 

Mittheilungen aus den Orientalischen Sammlun- 
gen der Kgl. Museen zu Berlin 162 

Mittheilungen des Vereins für nassauische Alter- 
tumskunde gö 

Mnemosyne gö. 212, 2jö 

Westermanns Monatshefte gö 

Oesterreichische Monatsschrift für den Orient 
212, 2JÖ 

Monumenti antichi della R. Accademia dei Lincei 212 

Monuments grecs gö 

Monuments et Memoires (Fondation Piot) 212 

Le Musee beige 97. 2jö 

Das Museum 97 

Ceske Museum ülologicke 97. 1Ö2 

Rheinisches Museum g"/, 1Ö2, 21J» 2jö 

Erdelyi Muzeum 97 

Nachrichten über deutsche Altertumsfunde gj. 

2JÖ 

Napoli nobilissima 21J 



^a 



Die Nation g7. 2^0 

The Nation 2J7 

Nationalzeitung 1Ö2 

The Building News 2jy 

The Daily News 2J7 

Glasgow Evening News 2J7 

Notizie degli Scavi g^, 1Ö2. 21J, 2jy 

Philologus g8, löj, 214 

The Birmingham Daily Post g8 

The Moming Post löj. 2S7 

The New York Evening Post 2^7 

npaxTtxd TT^c h 'Afti^vaic 'Ap)raioXoytx^c 'Exaipiac 

214 
Aberdeen Free Press g8 
Neue Freie Presse g8 
Proceedings of the Society of Antiquarics of Ncw- 

castle-upon-Tyne 2S7 
Proceedings of the Society of Biblical Archaeo- 

logy gS, 214, 2^8 

Römische Quartalschrift g8. jöj, 238 

Rassegna Abbruzzese (Lanciano) 214 

La Rassegna Nazionale lös 

Rassegna Pugliese (Trani) 214 

R ecueil d' archeologie Orientale par Clermont- 

Ganneau 214 
Recueil de travaux relatifs ä la philologie et a 

l'archeologie egyptiennes et assyriennes 1Ö4, 

Budapest Regisegei g8. 1Ö4 

Rendiconti dell* Accademia di archeologia di 

Napoli gg. 214, 238 
Rendiconti della R. Accademia dei Lincei 99. 

1Ö4. 214 
Rendiconti dell' Istituto lombardo di scienze e 

lettcre 238 
Repertorium für Kunstwissenschaft 214 
The Builder's Reporter 238 
The Architectural Review 2j8 
The Classical Review gg. JÖ4. 214. 238 
The Contemporary Review gg. 2j8 
The Edinburgh Review 1Ö4. 238 
The English Historical Review gg. 1Ö4. 2ij. jj8 
The Quarterly Review 2^, 238 
Revista de archivos, bibliotecas y museos gg, 

1Ö4. 2s8 
Revista de la Asociacion Artistico - Arqueologica 

Barcelonesa gg. 1Ö4. 238 
Revue archeologique gg. 1Ö4, 21 j. 2sg 
Revue de Tart ancien et moderne 100, i6j 
Revue de l'art chretien 100. 21 j. 2jg 
Revue d'assyriologie et d'archeologie Orientale 21 j 



Register. 



297 



Revue beige de numismatique 100. löj 

Revue biblique 100. löj 

Revue celtique 100, 21 j, 2jg 

Revue critique d' histoire et de litterature 100. i6j. 

Deutsche Revue über das gesammte nationale 

Leben der Gegenwart 21s 
Revue des Deux Mondes 21^ 
Revue epigraphique du Midi de la France i6s* 216 
Revue des etudes grecques 100, röj, 216. 2jg 
Revue des etudes juives loi, 216 
Revue de l'histoire des religions 101. 216. 2jg 
Revue historique iöj. 2jg 
Revue de l'instruction publique en Belgique löj, 

216, 2S9 
Revue internationale de l'enseignement 2^9 
Revue mensuelle de l'ecole d'anthropologie de 

Paris 216 
La nouvelle Revue lou 216 
Nouvelle Revue bistorique de droit fran^ais et 

^tranger loi. 166, 216 
Revue Numismatique mi. 166, 216, 2jg 
Revue de philologie, de litterature et d'bistoire 

loi, 2jy, 260 
Revue des Pyrenees roi. 166 
Revue de Saintonge et d'Aunis loi 
Revue Savoisienne joi 
Revue semitique d'epigraphie et d'bistoire anciennes 

260 
Revue de l'Universite de Bruxelles loi 
Revue des Universites du Midi de la France iol 

2iy 
Rivista abbruzzese 102, 211 

Rivista archeologica della provincia di Como 260 
Rivista di filologia 102, 166, 217 
Rivista italiana di numismatica to2, 166. 217,260 
Nuova Rivista Misena 102 
Rivista di storia antica 102, 217 
Rivista storica Calabrese 102, 166. 2iy, 260 
Deutsche Rundschau 166 
Marine-Rundschau 166 
Neue Philologische Rundschau 102, 166, 21/. 260 

Sapiski Istoriko - philogiCeskago Fakulteta Impe- 
ratorskago S. Peterburgskago Universiteta 260 

Der Schriftwart 2/S 

Sudwestdeutsche Schulblätter 260 

The Scotchman 260 

Sitzungsberichte der Kais. Akademie der Wissen- 
schaften (Wien) 21S 

Sitzungsberichte derKgl. Preufsischen Akademie 
der Wissenschaften zu Berlin 102, 167. 218, 260 

Sitzungsberichte der philosophisch - philologi- 



schen und der historischen Classe der k. b. 

Akademie der Wissenschaften zu München 102, 

167» 260 
Norsk Videnskäbsselskabets Skrifter 167 
Sphinx 102, 260 
Standard 167 
The Evening Standard 261 
Stimmen aus Maria-Laach 21S, 261 
Studj e Documenti di Storia e Diritto 218 
Leipziger Studien 261 
Wiener Studien 167 
New York Sun 261 

Nordisk Tidskrift for Filologi 167, 2/8, 261 

The Times loj, 261 

Sunday School Times 261 

Transactions of the Royal Society of literature 

lOS 
Travaux de l'Academie nationale de Reims 261 
New York Tribüne 26t 

V Umbria 218 

Verhandlungen des X. archäologischen Con- 

gresses zu Riga J03 
Verhandlungen der Gesellschaft für Erdkunde 

zu Berlin 103 
Vjesnik hrvatskoga archeoloSkoga druStva loj 
La Vita italiana 218 

Deutsches Wochenblatt /o>j. 218 

Berliner philologische Wochenschrift /oj. 167* 

218, 261 

Wochenschrift für klassische Philologie 104^ 168, 

219, 262 

Zeitschrift des Münchener Altertumsvereins 168 
Zeitschrift für Assyriologie loj, 21g, 262 
Zeitschrift für Bauwesen 262 
Byzantinische Zeitschrift 10 s» 168* 220 
Zeitschrift für Ethnologie 10 s* 168, 220 
Geographische Zeitschrift loj, 220, 262 
Zeitschrift für vaterländische Geschichte und 

Alterthumskunde (Münster) 220 
Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde loj 
Zeitschrift der deutschen morgenländischen Ge- 
sellschaft loj. 220 
Zeitschrift für das Gymnasial wesen loj, i68* 

220, 262 

Zeitschrift für die oesterreichischen Gymnasien 

loö, zog, 220, 2(^3 
Historische Zeitschrift 106, i6g. 220, 2613 
Zeitschrift für bildende Kunst 220, 263 



298 



Register. 



Zeitschrift für Numismatik i6(), 220 

Zeitschrift der Savigny - Stiftung für Rechts- 
geschichte 106 

Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertums- 
kunde i6g, 220 

Westdeutsche Zeitschrift fUr Geschichte und 
Kunst 106, 220n 2((S 



Wiener Zeitschrift fUr die Kunde des Morgen- 
landes 106, JÖg, 26s 
MUnchener Allgemeine Zeitung, Beilage 106, i6g. 

263 
Vossische Zeitung i6g 
Die Zukunft 263 



Archäologischer Anzeiger 



Beiblatt 

ZUM Jahrbuch des Archäologischen Instituts 

i898. i. 



BERICHT ÜBER DIE THÄTIGKEIT 

der REICHSLIMESKOMMISSION 

VON ENDE NOVEMBER 1896 BIS 

ENDE DEZEMBER 1897. 

Aji der Leitung der Arbeiten betheiligten sich 
folgende Herren: 

i) Hr. Professor Fink in München förderte 
die Untersuchung der Limesstrecke von der Donau 
bis Kipfenberg, bei Schwabstätten sondirte er eine 
Schanze, in Koesching suchte er nach dem Kastell. 

2) Hr. Gutsbesitzer Winkelmann in Pftinz 
untersuchte auf der Strecke Kipfenberg — Peters- 
buch vier HolzthUrme und längs der Römerstrafse 
PfUnz — Weifsenburg drei Thürme. Aufserdem grub 
er vor dem Kastell Pfünz, 

3) Hr. Apothekenbesitzer Kohl in Weifsen- 
burg a. S. förderte die Untersuchung der Limes- 
strecke um Weifsenburg, untersuchte drei ThUrme 
an der Römerstrafse Pfünz — Weifsenburg und 
nahm aufs neue Grabungen in der Schanze bei 
Ried vor. 

4) Hr. Bezirksarzt Eidam in Gunzenhausen 
-förderte die Untersuchung der Limesstrecke uro 

Gunzenhausen und fand und untersuchte ein Kastell 
in Gunzenhausen selbst, 

5) Der historische Verein in Dillingen 
liefs» von der Limeskommission subventionirt, durch 
Hrn. Lehrer Magnus Scheller die Grabungen 
in Faimingen fortsetzen. 

6) Hr. General Popp in München untersuchte 
die Befestigungen bei Treuchtlingen und Berolz- 
heim. In seinem Auftrag grub Hr. Professor 
£n giert in Nassenfeis. 

7) Hr. Forstttoeister Prescher in Heidenheim 
vollendete die Untersuchung des Kastells Heidenheim. 

8) Hr. Professor Drück in Stuttgart recog- 
noscirte nach einem Kastell bei Bopfingen. 

9) Hr. Major z. D. Steimlc in Stuttgart för- 
derte die Untersuchung am rätisch -würltember- 
gischen Limes, grub am Burstel bei Buch und 
untersuchte das Kastell ßöckingcn. 

Archiologiscber Anzel^r 1898. 



lo) Hr. Professor Sixt in Stuttgart förderte 
die Untersuchung am öbergermanisch-württembergi- 
schen Limes. 

ix) Hr. Major z. D. Schulze in Berlin unter- 
suchte am obergermanisch-wUrttembergischen Limes 
Profile des Pfahlgrabens. 

12) Hr. Dr. R. Herzog, z. Z. in Rom, suchte 
nach einem Zwischenkastell bei Sindringen, grub 
ein Gebäude bei Rückhardtshausen aus und unter- 
suchte das Kastell Buch. 

13) Hr. Oberförster Schultz in Welzheim grub 
daselbst am Praetorium des Westkastells, entdeckte 
und untersuchte das zu diesem Kastell gehörige 
Bad und legte im Ostkastell noch ein Gebäude frei. 

14) Hr. Professor Naegele in Tübingen re- 
cognoscirte nach Kastellen südlich von Canpstatt, 
wobei er mehrere bürgerliche Siedlungen feststellte 
und ausgrub. 

15) Hr. Professor Schumacher in Karlsruhe 
förderte die Untersuchung an den badischen Limes- 
strecken, grub das Zwischenkastell Trienz aus, 
stellte einige Nachuntersuchungen im Kastell Schlos- 
sau und eine nicht beendete Untersuchung in einer 
Befestigung bei Grofseicholzheim an und fuhr fort 
das Kastell Wimpfen zu suchen. 

16) Hr. Baurath Wippermann in Heidelberg 
grub das Nordthor des dortigen Kastells aus. 

17) Hr. Kreisrichter a.D. Conrady in Milten- 
berg förderte die Untersuchung der Limesstrecke 
Miltenberg — Walldürn und beendigte die des Ka- 
stells Walldürn. 

18) Hr. Hofrath Kofi er in Darmstadt fand 
und untersuchte das Kastell Echzell, bei Grüningen 
setzte er seine Nachforschungen nach einem Haupt- 
kastell fort, aufserdem grub er bei Grüningen einen 
Limesthurm und im Wölfersheimer Wald einen 
Strafsenthurm aus. 

19) Hr. Geh. Oberschulrath Soldan in Darm- 
stadt, unterstützt von Hrn. Lieutenant a.D. Giess 
und an einigen Tagen von Hrn. Dr. Anthes, 
vollendete die Limesstrecke Grauer Berg — Amsburg, 
stellte ein polygonales Pfiihlwerk im LUtzelbachcr 

I 



Bericht über die Thätigkeit der Reichslimeskommission. 



Bannholz fest und begann die Untersuchung eines 
Zwischenkastells im Degenfeld bei Butzbach. 

20) Hr. Gymnasiallehrer Dr. Anthes in Darm- 
stadt untersuchte in Oberhessen die Wachstation 
im Himbacher Wald, eine ältere Anlage bei Kaichen, 
und die gut erhaltene Strecke am Bingenheimer 
Forsthaus und brachte die Arbeiten im Friedberger 
Burgwald zum Abschlufs. 

21) Hr. Professor G. Wolff in Frankfurt a. M. 
untersuchte die Stadtbefestigung von Heddemheim 
und zwei von ihm aufgefundene Erdkastelle bei 
Heldenbergen. 

22) Hr. Baurath Jacob i in Homburg ergänzte 
seine Untersuchungen zwischen Glaskopf und Feld- 
berg, nahm neu in Angriff die Strecke vom Glaskopf bis 
zum Maisei, untersuchte die £rdschanze Klosterthron 
und fuhr in der Ausgrabung der Capersburg fort. 

23) Hr. Dr. Ritterling in Wiesbaden unter- 
suchte die römische Schanze Heidenkringen und 
förderte die Ausgrabungen am Kastell Niederbieber. 

24) Hr. Museumsdirektor Pallat in Wiesbaden 
grub das Kastell Holzhausen aus und förderte die 
Untersuchung der Limesstrecke Kemel— Holzhausen. 

25) Hr. Professor Fabricius in Freiburg i. B. 
nahm die Limesstrecke Holzhausen — Schweighausen 
in Angriff und untersuchte das Zwischenkastell Pfarr- 
hofen. 

26) Hr. Oberlehrer Bodewig in Oberlahn- 
stein fand an Stelle eines vermutheten Kastells bei 
Bogel einen Meierhof und untersuchte das Erd- 
kastell bei Marienfels. 

27) Hr. Professor Loeschcke in Bonn stellte 
den bislang unbekannten Lauf des Pfahls vom 
Weiherhof bis zum Zwischenkastell Forsthof, sowie 
vom Waldrande westlich Rodenbach bis Oberbieber 
fest; die Untersuchung des Zwischenkastells An- 
hausen wurde vollendet. 

Um zu einer sicheren Erklärung des »Gräb- 
chens« zu gelangen und festzustellen, auf welchen 
Strecken HolzthUrme vorhanden seien und in wel- 
chem chronologischen Verhältnifs sie zu den ver- 
schiedenen LimeszUgen ständen, wurde bestimmt, 
dafs diejenigen Herren Streckenkommissare, welche 
sich mit diesen Fragen besonders eingehend be- 
schäftigt haben, ihre Ansicht durch Grabungen auf 
anderen Strecken nachprüfen sollten. Zu diesem 
Zwecke reisten in diesem Jahre Hr. Soldan auf 
die Strecke 9 und 10, und Hr. Loeschcke, den 
der Unterzeichnete begleitete, auf die Strecken 3, 
4, IG, 17. Diese Einrichtung hat vortreffliche Früchte 
getragen: viele Fragen wurden angeregt, manche 
gelöst, manche Annahmen, welche für sicher galten, 
als irrig oder unsicher nachgewiesen. 



Mit der Erforschung der Römerstrafsen waren 
beschäftigt ; 

1) Hr. General Popp in München, 

2) Hr. Professor Drück in Stuttgart, 

3) Hr. Professor Lachenmaier in Stuttgart, 

4) Hr. Praeceptor Richter in Besigheim, 

5) Hr. Professor Naegele in Tübingen, 

6) Hr. Professor Schumacher in Karlsruhe, 

7) Hr. Gymnasiallehrer Dr. Anthes in Dann- 
stadt, 

8) Hr. Kreisrichter a. D. C o n r a d y in Miltenberg, 

9) Hr. Professor Wolff in Frankfurt. 

Für den nachfolgenden Bericht lagen mir von 
den meisten Streckenkommissaren Mittheilungen vor; 
die über die Strafsen habe ich theilweise wörtlich 
benutzt. 

Wir betrachten zuerst die Fortschritte, welche 
durch die Grabungen an den Limites erzielt 
worden sind: 

I. An vielen Stellen, wo bis jetzt der Lauf 
des Pfahls unbekannt war, wurde er nach- 
gewiesen: 

1. Festgestellt wurde der Übergang des Pfahls 
über die schwäbische Rezat unweit der Lauter- 
brunnenmühle 2 km nördlich von Ellingen; soweit 
die Grabung stattfand — ein 60 m langes Stück 
mufste wegen des Wasserandranges ununtersucht 
bleiben — , lief überall die Mauer; 5i5m vor ihr 
stiefs man auf einige verkohlte, dünne, runde 
Hölzer, vielleicht vom Flechtwerkzaun. 

2. In der Gegend von Lorch wurde unter 
Beihilfe von Hrn. Soldan festgestellt, dafs die rSti- 
sche Mauer, wie schon im i. Jahre angenommen 
wurde, am Roethenbachthale thatsächlich aufhört. 
In mehreren Knicken zieht von da der Erdwall auf 
das Kloster Lorch zu, der i. Knick liegt am Zwischen- 
kastell Kleindeinbach, der 2. beim Turm bei Hangen- 
deinbach, der 3. im Schweizerthal und der 4. bei 
der Klosterlinde. Von hier zieht der Wall mit 
einem Gräbchen vor sich in einem Bogen auf die 
Götzenmühle zu. 80 m östlich von ihr hören an 
einer Schlucht Wall und Graben auf, und nur das 
Palissadengräbchen zieht bis zum See weiter. 

3. Bei Kloster Arnsburg wurde der Übergang 
des Pfahls über die Wetter festgestellt. Am Degen- 
feld bei Butzbach wurde nachgewiesen, dafs der 
Pfahl und das Gräbchen der 2. Periode in einem 
scharfen Winkel vorspringen, während das Gräb- 
chen der I. Periode geradlinig die angrenzenden 
bekannten Pfahlstücke verbindet. 

4. Auf der Strecke zwischen Kemel und Holz- 
hauscn, wo Cohausen nur eine punktierte Linie zu 



Bericht über die Thätigkeit der Reichslimeskommission. 



ziehen vermochte, wurde der Lauf mittels des Pa- 
lissadengräbchens nachgewiesen. Der Pfahlgraben 
fehlt hier auf etwa 6 km (vgl. Bericht 1896, S. 176); 
er schliefst i km. sUdlich vom Kastell Holzhausen 
scharf ab und setzt erst etwa i km nördlich von 
Kernel wieder ein. 

5. Auf der Strecke Holzhausen -Hunzel hatte 
Cohausen den Lauf auf Grund einiger im Wald 
erhaltener Stücke bestimmt; jetzt wurde er auch 
in den Feldern der Gemeinde Holzhausen, Ober- 
tiefenbach und Pohl nachgewiesen, wobei sich eine 
Reihe kleinerer Abweichungen von Cohausens An- 
nahmen ergaben : so biegt bei Pohl der Pfahl nicht 
südlich, sondern mehr als 200 m nordöstlich von 
der katholischen Kirche, in der Mitte zwischen Pohl 
und Lollschied, nach Westen um. 

6. In der Rheinprovinz wurden zwei grofse 
Lücken ausgefüllt. Einmal die 5 km lange Strecke 
von Oberbieber bis Rodenbach; der Limes umzieht 
fast ganz Oberbieber, sein nördlichster Punkt ist 
die Kreuzkirche, das Rodenbachthal überschreitet 
er im Orte selbst. Auf den Strecken Oberbieber- 
Kreuzkirche und Augustenthal- Rodenbach ist das 
Palissadengräbchen in der gewöhnlichen Entfernung 
vor dem Pfahl festgestellt, auf der dazwischen lie- 
genden Strecke aber läuft das erstere fast 1 7a km 
hinter dem letzteren, mehr auf der Höhe des Plateaus. 
Die eine Schnittstelle von Pfahl und Palissaden- 
gräbchen wurde aufgefunden und untersucht, die 
zweite war zur Zeit für eine Untersuchung un- 
zugänglich; dafs nicht etwa ein jüngeres Palissaden- 
gräbchen vor dem Pfahl läuft, glaubt der Strecken- 
kommissar versichern zu können, da im Bimsand 
seine Spuren kenntlich sein müfsten. — In der 
4 km grofsen Lücke vom Thurm südlich vom Zwi- 
schenkastell Forsthof bis zum Distrikt Freshelter 
nördlich vom Weiherhof wurde der Lauf des Pfahl- 
grabens und des Palissadengräbchens durch viele 
Schnitte festgestellt; zu den bekannten zwei ThUr- 
men wurden zwei weitere Wachtstationen entdeckt. 

II. I. Pfeiler finden sich an der rätischen 
Mauer, abgesehen von den Steilabhängen der bei- 
den Wasserthäler (Limesbl. S. 374 und 677) und 
des Rötbenbachthales (Limesbl. S. 44), auf längeren 
Strecken nur in der Ellwanger Gegend (untersucht 
von Paulus, Oberamtsbeschr. S. 328) und auf der 
Strecke Ellingen - Kaidorf ; die letztere wurde in 
diesem Jahre genauer untersucht. Die Pfeiler sind 
.ausschliefslicb an der Innenseite der Mauer ange- 
bracht, stehen mit dieser in Verband, sind aber 
nie so tief fundamentiert wie die Mauer, sie sind 
70 — 80 cm breit und 30 — 40 cm tief. Ihre Entfer- 
nung von einander schwankte zwischen 8 — 17 m. 



Auf derselben Strecke befinden sich unten am Fufse 
der Mauer viele 25 — 30 cm hohe und breite, senk- 
recht durch die Mauer gehende Kanäle, die je nach 
den Terrainverhältnissen die Tagewasser nach Aufsen 
oder nach Innen führen. Wo sie aus der Mauer 
heraustreten, ist jedesmal eine 60 cm breite und 
30 cm lange Pflasterung hergestellt. Die Kanäle 
sind meist in unmittelbarster Nähe der Pfeiler an- 
gebracht, so dafs die Pfeiler in den meisten Fällen 
offenbar den Zweck haben, der Mauer da, wo sie 
durch die Kanäle an Festigkeit etwas verliert, 
gröfsere Widerstandskraft zu geben. 

2. Für die hinter dem Erdwall her- 
laufende Mauer, welche zuerst bei Osterburken 
und dem Leutersthaler Hof nachgewiesen wurde, 
wurde festgestellt, dafs sie von Jagsthausen bis 
Bofsheim continuirlich vorhanden gewesen ist. Das 
nördlichste bekannte Stück liegt am Friedhof bei 
Bofsheim, aber der Beweis, dafs sie nicht weiter 
gelaufen sei, ist noch nicht erbracht; von Jagst- 
hausen bis Hergenstatt ist sie 70— 80 cm breit, von 
da bis zur Kirnau im, nördlich von dieser 1,20 m. 
Die Mauer läuft stets auf die Mitte oder auf 
den westlichen Theil der Thürme, steht aber mit ' 
diesen nie in Verband, sondern läfst stets einen 
Zwischenraum von mindestens 20 — 30 cm. Wo die 
Limesmauer breiter gehalten ist, je nach der Natur 
des verwendeten Materials, da *sind auch die Di- 
mensionen der Thürme gröfser; ihre Aufsenseiten 
wechseln von 4 — 4,80 m. 

III. SteinthUrme. i. Auf der badischen 
Strecke wurde am Vogelherd bei Unterkessach und 
auf dem Hormel bei Bofsheim je ein neuer Stein- 
thurm nachgewiesen. Beide waren von doppelten 
Ringgräben umgeben, von denen der innere das 
zum Einsetzen der Palissade geeignete Profil hatte. 

2. Unweit Grüningen an der Stelle, wo der 
von Langgöns kommende »Heerweg« den Pfahl- 
graben schneidet, wurde ein runder Steinthurm von 
6 m Dm. , ähnlich dem 2 km weiter südlich ge- 
legenen (Limesbl. S. 262) gefunden. Das Merk- 
würdige an dem neu entdeckten Thürme ist, dafs 
er von einer hufeisenförmigen Mauer allseitig um- 
schlossen ist, die mehrfach nur in einer Entfernung 
von 50 cm von der Rundmauer läuft. Der Strecken- 
kommissar vergleicht den äufseren Bau mit einer 
mittelalterlichen Apsis, hält aber wegen der Gleich- 
heit der Bauart die innere und äufsere Mauer für 
gleichzeitig und wegen der römischen Fundstücke 
für römisch. 

3. Auf der von Hrn. Fabricius in Angriff ge- 
nommenen Strecke wurden vier neue SteinthUrme 
von ungefähr 5,50 m Quadrat ausgegraben. Alle 



Bericht über die Thtttigkcit der Reichslimeskommission. 



▼ier waren sieber nicht über einem Holzthurme er- 
baut. Zwei waren mit einem flachen, i m breiten 
I^inggrabcn umgeben, von denen der eine — bei 
dem Thurm im Kohlwald — theilwcisc bei der 
Erbauung des Erdwalles zugeworfen worden ist. 
Der Steinthurm mit seinem Ringgraben ist also 
früher entstanden als der Erdwall. Das chrono- 
logische Verhältnifs ist demnach auf dieser Strecke 
dasselbe wie in Raetien (Kölner Vortrag S. 14) und 
im Taunus und der Wetterau (Bericht für 1896 
S. 178). 

IUI. Dafs im »Gräbchen« überall Palissaden 
gestanden haben könnten, wurde von mir unter 
Hinweis auf eine Reihe ganz bestimmter Stellen 
(vgl. Kölner Vortrag S. 9) in Abrede gestellt. Die 
Stelle am Leutersthaler Hof nördlich von Jagst- 
hausen war schon im vorigen Jahre unter den 
OegengrUnden im Wegfall gekommen (vgl. Bericht 
1896 S. 181). Die anderen Stellen wollten Herr 
Loeschcke und ich in diesem Jahre gemeinsam be- 
sichtigen, bei drei Stellen — bei Gleichen, bei 
Fiegenstall und am Greinberg — wurde dies Vor- 
haben auch ausgeführt Hr. Loeschcke tritt be- 
kanntlich seit Jahren dafür ein, dafs das Gräbchen 
durchweg Palissaden oder einen Zaun enthalten 
habe, und war der Überzeugung, dafs die Erschei- 
nungen bei Gleichen und Fiegenstall anders als 
bisher erklärt werden müfsten. 

I. »Die strafsenartige Absteinung bei 
Gleichen« (vgl. Limesbl. S. 359). Die bisherige 
Annahme war die , dafs unter einer wegartigen 
Absteinung aufrecht stehende Lttufer in einem 
Gräbchen vorhanden seien. Die Untersuchung 
zeigte, dafs die angeblichen LSufer mit Kohlen 
gemischt waren und keineswegs auf der Sohle des 
ganz normalen Gräbchens safsen,* die Erscheinung 
glich vollkommen der zahlloser Stellen, wo das 
ehemalige Vorhandensein von Palissaden un- 
bezweifelbar ist. Die Steine, welche wir als eine 
über den Läufern liegende wegartige Absteinung 
von 1,20 — 1,80 m Breite angesehen hatten, wurde 
diesmal bis zu einer Breite von 3,20 m verfolgt, 
ohne dafs man einen Abschlufs erreichte; die 
dortigen Steine haben alle scharfe Kanten, und es 
können deshalb die Arbeiter sehr leicht scharfe 
Kanten herstellen, die thatsächlich nicht vorhanden 
sind. Das ganze Terrain ist sehr steinig; bei An- 
lage des Palissadengräbchens wie des Pfahlgrabens 
sind massenhaft Steine ausgebrochen worden, die 
theilweise nach vorn geworfen und dann etwas 
planirt wurden. Auf diese Weise ist die »weg- 
artige Absteinung« cntst<inden (vgl. auch Sixt, 
Limesbl. S. 674). 



2. »Die Steinsetzung bei Fiegenstall«. 
Hier zieht unmittelbar unter der Erdoberfläche die 
Limesbl. S. 406 abgebildete Steinsetzung, welche 
aus je zwei kleinen dachförmig gegeneinander ge- 
wendeten Platten besteht; mehrfach sind diese von 
Aufsen nochmals durch eine zweite Platte verkeilt. 
Eine lange Reihe dieser Steinsetzungen bietet eine 
solche Regelmäfsigkeit, dafs man den Eindruck hat, 
sie müsse so von den Römern hingesetzt sein. 
Wenn man aber die beiden dachförmig gegen- 
einander gewendeten Platten aufklappt, wie man 
eine Muschel öffnet, so erhält man zwei vertical 
gestellte Randsteine, die meist einen Zwischenraum 
von 10 cm, bisweilen von 20 cm zwischen sich 
haben. Auf einer grofsen Strecke klappten wir die 
Platten auseinander, ohne dafs sich das geringste 
Hindernifs bot. Die Auffassung drängte sich auf, 
dafs ursprünglich zwischen diesen Steinen etwas 
gesessen habe, was durch sie fest verkeilt worden 
sei, man mufste an einen Latten- oder Flechtwerk- 
zaun denken. Nachdem dieser ausgefault war, 
neigten sich durch den Druck der Erde die Steine 
gegeneinander. 

Zu einer Untersuchung der gegen die Palissa- 
dentheorie Bedenken erregenden Stellen im Taunus 
gebrach es in diesem Jahre an Zeit. Einige »Ab- 
steinungen« daselbst gleichen ganz der bei Fiegen- 
stall, werden also auch wie diese sich erklären 
lassen. Andere, »wo grofse Steine festgekeilt sind«, 
müssen im nächsten Jahre unbedingt untersucht 
werden. Bis dahin verschiebe ich mein Urteil, roufs 
aber schon jetzt hervorheben, dafs meine Bedenken 
gegen eine fortlaufende Palissadirung zu schwinden 
beginnen, nachdem eine anscheinend dieser An- 
nahme so widersprechende Erscheinung wie die bei 
Fiegenstall eine so einfache Lösung gefunden hat. 

Freilich sieht man zur Zeit noch nicht, wie in 
diesem Sinne sich die Erscheinungen der 3. Stelle, 
welche ich mit Hrn. Loeschcke besuchte, »die 
Absteinung am Greinberg« erklären lassen 
soll. Dafs hier ein »Gräbchen« nicht vorhanden 
sei, sondern einzelne Grenzsteine, oft von gröfserem 
Umfang, in einzelne Löcher eingelassen seien (vgl. 
Bericht 1894 S. 155)1 wurde auch diesmal sofort 
wieder beobachtet. Indefs erregte dieselbe Linie 
unten im Thal zwischen Mudbach und Kastell Mil- 
tenberg Bedenken, denn hier safsen die Grenzsteine 
auf aufgeschwemmtem Land, in welchem mittel- 
alterliche Scherben und ein mittelalterlicher Ziegel 
vorkamen. Dennoch scheint diese Absteinungslinie 
nach Süden genau auf das Palissadengrabchen zu 
laufen, denn, wie Hr. Conrady über eine im No- 
vember vorgenommene Untersuchung berichtet, ist 



Bericht Über die Thätigkeit der Reichslimeskommission. 



5 



die Absteinungslinie nunmehr ununterbrochen ver- 
folgt bis an die Grenze zwischen der Reinhard- 
sachsener Feldflur und dem Walde Wolfshecke. 
Ziemlich genau in ihrer Verlängerung beginnt 
I km davon das unbezweifelbare Palissadengräbchen 
an der Reinhardsachsener Feldflur Schweinsgraben. 
Nördlich vom Schweinsgraben war das Palissaden- 
gräbchen nach Hrn. Conradys Ansicht sicherlich 
niemals vorhanden; auf dem i km langen zwischen- 
liegenden Stück nimmt er an, seien die Grenzsteine 
ausgerissen, eiAige auf den Feldern umherliegende 
Steine glaubt er noch als solche in Anspruch neh- 
men zu dürfen '. 

V. DieHolzthÜrme. Dafs, mit einer einzi- 
gen Ausnahme, auf allen Strecken aller Limites 
von Rätien und Obergermanien Holzthürme vor- 
handen waren, kann man jetzt mit Sicherheit aus- 
sprechen. Für den rätischen Limes sind sie von 
sämtlichen bayerischen Kommissaren nachgewiesen; 
sie zeigen meist auf einer Plattform vier Pfosten- 
löcher und um die Plattform einen rechteckigen 
Graben mit kleiner Abrundung; so sind sie be- 
schrieben von Fink, Limesblatt S. 711 (der übri- 
gens auch eine andere Sorte erwähnt) und von 
Winkelmann, ebenda S. 707. Hr. Kohl hat die 
gleiche Entdeckung sw. von Raitenbuch gemacht 
und Hr. Eidam mehrfach auf seiner Strecke, wenn 
auch seine Auffassung im Einzelnen abweicht (vgl. 
Limesbl. S. 702). Dafs von der bayrisch-wtirttem- 
bergischen Landesgrenze bis zum Röthenbach Holz- 
thürme noch nicht entdeckt worden sind, kann 
nicht gegen das Vorhandensein im Alterthum 
sprechen. 

Am obergermanischen Wall scheint uns gleich 
im Anfang an der Linde des Klosters Lorch ein 
Holzthurm entgegenzutreten, denn die vorläufigen 
Untersuchungen des Hrn. Steimle haben dort ein 
mit Kohle angefülltes Pfostenloch und einen um- 
laufenden Graben ergeben. Für die geradlinige 
Strecke vom Haghof bis Walldürn konnte man 
zwar aus den von Hrn. Schumacher bei Osterburken 



^) Auf diese Stelle werden wir im nächsten 
Jahre zurückkommen. Den Hauptgrund, dafs diese 
Absteinung, die einmal das sehr verdächtige Zeichen 
A auf einem Grenzstein zeigt, römischen Ursprunges 
sei, findet Hr. Conrady darin, dafs sie unter dem 
Ringwall durchlaufe. Hr. Loeschcke hält diese An- 
nahme für nicht erwiesen; von den drei Steinen, die 
Hr. Conrady unter dem Ringwall als Grenzsteine an- 
sieht, sei der mittelste als Grenzstein nicht zweifel- 
los, der erste und dritte könnten ursprünglich scharf 
am äufseren und inneren Rand des Walles gestanden 
haben und erst durch Abrutschen des Walles unter 
ihn gekommen sein. 



gefundenen Holzthürmen (Bericht 1896 S. 178) 
Rückschlüsse auch für den WUrttembergischen Theil 
machen, aber der wirkliche Nachweis daselbst war 
doch sehr erwünscht, um so mehr als Hr. Sixt auf 
Grund vielfachen Begehens aussprach, dafs sicht- 
bare BegleithUgel nirgends vorhanden seien. Bei 
dem Besuch von Herrn Loeschcke wurde südlich 
von Mainhardt ein unmittelbar neben dem Wall 
gelegener Steinthurm untersucht; da der östlichste 
Theil seines Ringgrabens vom Wall verschüttet 
war, mufste erschlossen werden, dafs er zu einem 
vor Errichtung des Walles erbauten Thurme ge- 
höre; bei der Ausgrabung wurde dann auch 
baldigst unter einer Ecke des Steinthurms ein 
Pfostenloch des Holzthurmes gefunden. Hr. Sixt 
untersuchte darauf 17 Steinthürme von Grab bis 
Gleichen ; nur drei standen auf jungfräulicher Erde, 
alle übrigen waren über Holzthürmen errichtet. 
Die Holzthürme waren sämtlich mit einem Graben 
umgeben und hatten meist dieselben Dimensionen 
wie die Steinthürme, da ihre Ecken unter denen 
der Steinthürme gefunden wurden. — . Auf der 
Strecke Walldürn-Miltenberg wie am Main entlang 
von Miltenberg bis Grofskrotzenburg fehlt bis jetzt 
der Nachweis der Holzthürme. Hr. Conrady kennt 
am Mainufer verschiedene Stellen, wo kleinere rö- 
mische Bauten liegen, die vielleicht als Steinthürme 
angesprochen werden können; eine Untersuchung 
in ihrer Nähe nach Pfostenlöchern würde nicht nur 
zur Auffindung der Holzthürme führen, sondern 
auch jene Zweifel wegen der Steinthürme heben 
können. 

Auf der rückliegenden Linie sind bekanntlich 
im Odenwald eine grofse Anzahl Holzthürme aus- 
gegraben — aber von einer anderen, sich nur im 
Taunus wiederholenden Construction — , während 
wie am Main, so auch am Neckar ihr Nachweis 
noch nicht gelungen ist. 

Die einzige Strecke, wo die Holzthürme viel- 
leicht wirklich fehlen, ist die von Grofskrotzen- 
burg bis Marköbel und vielleicht noch nördlich 
darüber hinaus. Steinthürme mit Gräben sind auch 
hier gefunden, aber Hr. WolfT stellt durchaus in 
Abrede, dafs unter den SteinthUrmen Holzthürme 
gelegen haben (vgl. Bericht 1896 S. 176). Dieses 
negative Ergebnifs wird seine Probe finden da- 
durch, dafs Hr. Soldan die älteste Grenze von 
Amsburg südwärts verfolgt. Hat Hr. Wolflf recht, 
so mufs Hr. Soldan einen rückwärts liegenden Zug 
der Holzthürme Anden. 

Wie massenhaft die Holzthürme in der Wetterau, 
im Taunus und in der Rheinprovinz nachgewiesen 
sind, ist bekannt; auf der dazwischenliegenden 



Bericht über die Thätigkeit der Reichslimeskommission. 



nassauischen Strecke wurden in diesem Jahre drei 
Stück ausgegraben. 

In der Rheinprovinz wurden in diesem Jahre 
noch zwei HolzthUrme untersucht. Sie liegen neben 
SteinthUrmen; dereine, am »Freshelter«, zeigt exakt 
in den Fels gehauene Pfostenlöcher von i m Seite 
und 1,40 m Tiefe, der andere in der »Mauerhecke«, 
zwischen dem Gebrannten Hof und dem Waldrand 
oberhalb Rodenbach, 40 Schritt südlich vom Stein- 
thurm, ist vom Wall vollständig Überschüttet (der 
6. Fall in der Rheinprovinz) ; die vier Pfostenlöcher 
bildeten ein Quadrat von 3,60 m Seite, der Ring- 
graben zeigt abweichend von den bisherigen Beob- 
achtungen in der Rheinprovinz das ausgesprochene 
Palissadenprofil. Mehr als ein Centner Gefa&scher- 
ben wurde im Graben und auf der Plattform ge- 
funden, so dafs schlechterdings ein Zweifel nicht 
aufgeworfen werden kann, dafs hier ein Wohnsitz 
vorhanden war. 

Zu einem wichtigen Ergebnifs ist Hr. Fabricius 
bei der Untersuchung von drei gleichartigen Hügeln 
bei Holzhausen, im Kohl wald und im Pohler -Wäld- 
chen gelangt. Auf der Plattform befinden sich acht 
Pfostenlöcher, von denen die vier inneren ein 
Quadrat von etwa 2,40 m Seite, die vier äufseren 
ein solches von etwa 5 m Seite bilden ; die Quadrate 
liegen zu einander nicht parallel, die Löcher des 
inneren Quadrats sind 1,70 m tief, die des äufseren 
bedeutend gröfser, aber nur 1,40 m tief. Um die 
Plattform laufen zwei concentrische Gräben, ein 
innerer von 1,50 m Tiefe und 3 m Breite und ein 
äufserer von nur i m Tiefe, aber 5 m Breite. Wäh- 
rend der innere Graben vor unserer Ausgrabung 
vollständig unsichtbar war, hob sich der äufscre 
deutlich im Terrain ab *. Der innere Graben ist 
zu Unterst mit Feldsteinen angefüllt, die nach der 
Meinung des Kommissars als Drainage gedient 
haben, darüber folgt Brandschutt mit Kulturresten, 
dann wieder reiner Boden, der in einem Fall sich 
deutlich als der Aushub aus dem äufseren Graben 
erkennen licfs, und schliefslich eine zweite Kultur- 
schicht. Für diese Erscheinungen giebt der Kom- 
missar eine sehr wahrscheinliche Erklärung: Die 
acht Pfostenlöcher rühren von' zwei verschiedenen, 
zeitlich sich ablösenden Thürmen her; der kleinere 
ist der frühzeitigere, zu ihm gehört der innere 
Graben. Als er verbrannt war, baute man einen 
gröfseren Thurm auf einer gröfseren Plattform. Des- 
halb wurde der innere Graben ausgefüllt. Die 
Tbatsachen, dafs der Graben mit Brandschutt des 



•) Nur bei dem auf freiem Felde liegenden 
Holzhausener Hügel war auch der äufsere Graben 
planirt. 



kleinen Thurmes und darüber bisweilen mit Aus- 
hub aus dem äufseren Graben zugefüllt ist und 
dafs der äufsere Graben offen liegen blieb, sind 
nur bei dieser Annahme verständlich. — Auf dem 
Damm zwischen den beiden Gräben läuft ringsum 
ein Gräbchen, von etwa 40— 50 cm Tiefe, welches 
in den gewachsenen Boden nur etwa 10 — 15 cm 
eingeschnitten ist und auf der Sohle auch nicht 
breiter als 10 — 15 cm ist; in diesem Gräbchen 
lagen zahlreiche eingekeilte Steine, Holzkohlen, Ge- 
fäfsscherben, Nägel, die aller Wahrscheinlichkeit nach 
von einem Lattenzaun herrühren (Limesbl. S. 72S}. 
Auf mich machte einen sehr ähnlichen Eindruck 
ein Begleithügel im Gambacher Wald, welcher öst- 
lich von der Main -Weserbahn 450 m hinter dem 
Pfahl, zusammen mit der unten S. 29 No. 32 be- 
schriebenen Schanze und einem zweiten BegleithUgel 
I liegt. Auf der Plattform des betreffenden Hügels 
I wurden fünf Löcher freigelegt, aber leicht können 
I noch mehr unter einer noch nicht aufgedeckten 
Stelle vorhanden sein. Um die Plattform laufen 
zwei Gräben, von denen der innere vor Beginn 
der Grabung nicht zu sehen war, während der 
äufsere sich sehr deutlich im Terrain markirte. 
Beide Gräben sind etwa 2, 50 m breit und i m tief; 
der vordere scheint keinerlei Holzwerk enthalten zu 
haben, auf der Sohle des inneren dagegen wurden 
in Entfernung von 1,45 m Reste von Pfahllöchern 
festgestellt. Von den Fabricius'schen Grabungen 
kommend hatte ich den Eindruck, als ob auch hier 
sowohl die Pfostenlöcher wie die Gräben nicht ein 
und derselben Periode, sondern vielmehr zwei ver- 
schiedenen Thürmen angehörten, während Hr. Soldan 
die Anlage für eine einheitliche hält Auf Grund 
der erwähnten Pfostenlöcher und der Massen ver- 
kohlten Holzes, welche fast ausschliefslich auf der 
Innenböschung d^s inneren Grabens liegen, stellt 
er die Hypothese auf, dafs hinter dem zweifellos 
an den Pfosten angebrachten Bretterverschlag der 
Graben durch eine Holzdielung überdeckt gewesen 
sei. — Auch darin gleicht dieser Hügel den oben 
erwähnten nassauischen, dafs sich auf dem Damm 
zwischen beiden Gräben zwei Reihen 5 — 7 cm dicker 
Erdlöcher befinden, die ein Annäherungshindcrnifs 
enthalten haben werden. 

VL Dafs am Limes aufser dem bekannten Pa- 
lissadengräbchen noch ein zweites Gräbchen 
stellenweise laufe, hatte schon seit längerer Zeit 
Hr. Eidam für die Gegend von Gunzenhausen nach- 
gewiesen; im vergangenen Jahre war es auch an 
verschiedenen Stellen der Wetterau nnd des Taunus 
zum Vorschein gekommen. In diesem Jahre wurde 
es mehrfach verfolgt: 



Bericht über die Thätigkeit der Reichslimeskoramission. 



1. Hrm Jacobi gelang es, es vom Feldberg- 
kastell (»Rothes Kreuz«) bis zum Glaskopf und noch 
weiter westwärts nach dem Maisei festzustellen; seine 
Tiefe schwankt zwischen 60—85 ^^' 

2. Hr. Soldan untersuchte von diesem zweiten 
Gräbchen, 30 m vor dem oben beschriebenen 
Gambacher Holzthurro, eine iS'/sni lange Strecke; 
es fanden sich in ihm in Distanzen von 1,40 bis 
1,50 m Reste von Pfählen, welche durch Flecht- 
oder Lattenwerk untereinander verbunden gewesen 
sein mUssen. — Dafs dieses Gräbchen am Degen- 
feld einen anderen Zug hatte als das Palissaden- 
gräbchen, wurde schon erwähnt. — In der Wetterau 
und im Taunus kann es schon nach dem Lauf 
dieses Gräbchens nicht zweifelhaft sein, dafs es 
eine ältere Periode repräsentirt als das Palissaden- 
gräbchen. 

3. Hr. Fabricius schliefst aus dem unten VIT, 4 
erwähnten, vor den Thoren festgestellten Befund, 
dafs dieses zweite Gräbchen ursprünglich überall 
auf der nassauischen Strecke vorhanden gewesen 
sei; er hält es für die älteste Grenzanlage, die 
später in der Regel durch den breiteren Palissaden- 
graben ersetzt worden sei. Aber nachgewiesen ist 
dieses zweite Gräbchen von ihm nur vor den 
Thoren, wie ich 'ausdrücklich hervorhebe. 

4. In Raetien hält man dagegen den Palissaden- 
graben für die älteste Anlage und das kleinere 
Gräbchen für die jüngere, der Steinmauer nur kurz 
vorangehende, weil es mit dieser ungefähr parallel 
läuft, während es mit den Palissaden bald con- 
vergirt, bald divergirt. Nach, der Angabe des 
Hrn. Eidam zieht dieses Gräbchen im Unterham- 
bacher Wald mitten durch den zugefUllten Graben 
eines Holzthiirms; es könne also erst nach Aufser- 
dienststellung des Holzthurms angelegt sein (Limes- 
blatt S. 705). Zweifellos bestand es früher als die 
Steinthürme, denn es zieht unter deren Mauern 
durch. Das Profil auf dem Gundelshalmer Bück 
war: 1,05 m Tiefe, wovon auf den Einschnitt in 
den gewachsenen Boden 50 cm. fallen, obere Breite 
1,00 m, untere 50 cm. Dieses Gräbchen habe eine 
doppelte Reihe von Pfählen enthalten, ihre Quer- 
cntfemung habe 15— 20 cm, ihre Längenentfernung 
40 — 50 cm betragen. An anderen Stellen wird für 
die Querentfernung der Pfähle 20—40 cm angegeben 
(Limesbl. S. 705). Ist aber diese Reihe identisch mit 
der im Altmühlbett freigelegten Reihe der zuge- 
spitzten Pfähle, so betrug dort die Querentfernung 
50 — 70 cm. — Dieses Zaungräbchen war schon im 
vorigen Jahr für die ganze Strecke des Hrn. Eidam 
nachgewiesen, in diesem Jahr hat es auch Hr. Kohl 
auf folgenden Punkten gefunden: a) an der be- 



kannten Stelle bei Fiegenstall zieht es einen halben 
Meter vor der Limesmauer her (s. Abbildung S. 8, 
e — f), b) 4 km weiter östlich bei der Höhenberger 
Linde ist das Gräbchen 2 m hinter der Mauer in den 
schiefrigen Kalkstein eingehauen, es ist 60 cm tief, 
oben 45, unten 35 cm breit, c) südwestlich von 
Raitenbuch zieht es 5 m. hinter der Mauer. 

Nach den bisherigen Berichten scheint sowohl 
das Aussehen des Zaunes, welcher sich in diesem 
zweiten Gräbchen befunden hat, als auch sein zeit- 
liches Verhältnifs zum Palissadenzaun, in Germanien 
und Raetien verschieden gewesen zu sein. Bei den 
Grabungen des kommenden Jahres wird besonders 
darauf zu achten sein, ob sich auf allen Strecken 
die Spuren ' eines zweiten Gräbchens nachweisen 
und Anhaltspunkte für seine relative und positive 
Chronologie gewinnen lassen. — Vielleicht giebt 
das Vorhandensein von bald zwei, bald einem 
Graben Aufschlufs über frühere oder spätere Ent- 
stehung der Linien ; namentlich wird es sich fragen, 
ob auf der geradlinigen Strecke Haghof -Walldürn 
zwei . Gräbchen sich nachweisen lassen. Hr. Sixt 
wirft im Limesbl. S. 674 die Frage auf, ob ein 
Gräbchen im Walde südöstlich von Mainhardt, auf 
welches schon vor längerer Zeit Hr. v. Herzog hin- 
gewiesen hatte, als die älteste römische Linie an- 
zusehen sei, es hat sehr verschiedene Profile, west- 
wärts von ihm liegt ein kleiner Wall. Aber ein 
Wall läfst sich mit einem Flecht- oder Lattenzaun 
schwer vereinigen, wie Hr. Loeschcke bei unserer 
Besichtigung mit Recht hervorhob; das Gräbchen 
wird wohl neuester Zeit seinen Ursprung verdanken. 
VII. Durchgänge durch den Pfahl, i. Der 
von Hrn. Eidam schon Limesbl. S. 124 besprochene 
Durchgang an der Strafse Unterwurmbach -Wald 
wurde weiter untersucht. 

2. Im >Haferstück« zwischen Sayn und Grenz- 
hausen wurde nur 5 m von dem früher entdeckten 
Durchgang ein zweiter, vor dem gleichfalls der 
Wallgraben unterbrochen ist, festgestellt; es handelt 
sich also um eine Art Doppelthor. Das ehemalige 
Vorhandensein eines zweiten Steinthurmes, den der 
Streckenkommissar an jedem Durchgang der späteren 
Zeit voraussetzt, läfst sich aus einer Angabe über 
daselbst ausgebrochenes Mauerwerk erschliefsen. 

3. An zwei Eingängen östlich von der Saal- 
burg (»am eisernen Schlag«) hat Hr. Jacobi aufser 
dem Palissadengräbchen, dicht am Pfahlgrabcn ein 
flaches und ein tiefes senkrecht in den Boden ein- 
geschnittenes Gräbchen aufgefunden; er fafst sie 
als Reste einer besonderen Befestigung der Ein- 
gänge auf. 

4. Ganz ähnlich scheint der Befund an zwei 



8 



Bericht über die Thätigkeit der Reichslimcskommission. 



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von Hrn. Fabricius auf der nassauischen Strecke 
untersuchten Eingängen zu sein. 540m nordwestlich 
von Holzhausen wurde vor der Thurmstelle ein 
zweites Gräbchen von 60 cm Tiefe entdeckt, welches 
nur 25 cm in den gewachsenen Boden eingearbeitet 
ist und eine etwa 30 cm breite Sohle hat ; es ga- 
belt sich mit dem Palissadengraben. Vor der Ga- 
belung liegt sogar noch ein ganz schmales drittes 
Gräbchen (abgeb. Limesbl. S. 715). — Das zweite 
Gräbchen wurde auch noch an einer anderen Über- 
gangsstelle über den Limes festgestellt. 

5. Vielleicht gehört hierher auch die viel er- 
wähnte Anlage bei FiegenstalL Die beistehende Ab- 
bildung, angefertigt mit Benutzung einer Skizze des 
Hrn. Kohl, zeigt ihren Grundrifs. Die mit »» wieder- 
gegebene Linie besteht aus jenen dachförmig gegen- 
einander gewendeten Steinen, von denen wir oben 
S. 4 wahrscheinlich machten, dafs sie einen Latten- 
oder Flechtwcrkzaun enthalten haben. Die Linie 
a— b läuft, wie mit vollkommener Sicherheit festge- 
stellt ist, über den Palissadengraben (0—0 — ) weg, 
die Lattenzaunanlage kann also erst nach dessen 
Aufsergebrauchstellung entstanden sein '• Ihre sonder- 
bare Form ist noch keineswegs erklärt, zumal nicht, 
weil sie anöden Punkten b, c, d plötzlich aufhört. 
Von ferne erinnert sie an die unter 3 und 4 beschrie- 
benen EingangsverschlUsse; die Limesmaucr enthält 
keinen Durchgang. Man mtifste deshalb voraus- 
setzen, dafs jener Durchgang im Flechtwerkzaun 
e — f gelegen habe-, dann wären, wie dies ja auch 
wegen der Gleichheit der Technik wahrscheinlich 
ist, die »»-Anlage und dieser Zaun gleichzeitig. 

6. Hr. Fabricius beobachtete, dafs auf seiner 
Strecke sich jedem Steinthurm gegenüber ein Über- 
gang über den Pfahlgraben befände. Die Ent- 
deckung ist auffallend, weil sie von den Erschei- 
nungen auf den anderen Strecken abweicht. 

VIII. I. Im Odenwald wurde an der Station 
»LUtzelbacher Bannholz« eine um die beiden Holz- 
thUrme und den Steinthurm herumfuhrende poly- 



') Dies bildet einen neuen Beweis für die That- 
sache, dafs der Palissadenzaun seit Errichtung von 
Mauer und Wall aufser Dienst gestellt wurde. 

'•) Der Flechtwerkzaun e- f ist weiter westlich 
festgestellt worden, als er auf der Abbildung — 
aus Platzmangel — eingezeichnet worden ist. 



gonale Umzäunung aus Palissaden fest- 
gestellt. Die Form ist sehr unregelmäfsig mit ein« 
und ausspringenden Ecken; die gröfsten Durch- 
messer betragen 64 und 58 m. Ein Graben schien 
nicht um diese Anlage zu ziehen. Die beiden 
Holzthürme liegen unweit der Westseite, der ältere 
etwa in ihrer Mitte, der jüngere in der Südwest- 
ecke. Bei Anlage dieses jüngeren Thurmes ist 
die Palissadenumzäunung theilweise zerstört worden, 
wodurch sich ergiebt, dafs sie gleichzeitig oder 
noch älter als der ältere Holzthurm ist. Das Pa- 
lissadengräbchen schneidet durch die Ostspitze der 
polygonalen Anlage; auch dies spricht dafür, dafs 
die letztere früher entstanden ist als die erstere. 

2. An der Station im »Unteren Seeschlag«, 
gleichfalls im Odenwald, läuft vor dem Gräbchen 
eine sog. Absteinung in geknickter Linie: sie könnte 
zu einer gleichen Anlage wie die eben beschriebene 
gehören. 

IX. Der Kolonnenweg wurde in Württem- 
berg von Gleichen südlich bis zum Neuwirthshaus 
verfolgt. Auf der Strecke durch die Rheinprovinz, 
wo er bis jetzt ernstlich noch nicht gesucht worden 
war, wurde er beim Weiherhof und auf dem Huhelt 
oberhalb Heimbach deutlich in einer Breite von 
3,50 m festgestellt. 

Die Erforschung der Römerstrafsen 
wurde auch in diesem Jahre erheblich gefördert. 

Zuerst sei der Strafsenthürme gedacht. 
Auf die Entdeckung des Hrn. Popp hin, dafs an 
der Römerstrafse Pfünz-Weifsenburg ThUrme 
gelegen haben (vgl. Bericht 1896 S. 182), wurden 
in diesem Jahre von den Herren Winkelmann und 
Kohl Grabungen vorgenommen. Der erstere ver- 
folgte die Strafse vom Kastell PfUnz aus nordwest- 
lich und grub iSoo m vom Kastell den ersten Thurm 
aus; er war 4,05X4i70m grofs, lag östlich von 
der Strafse und zu dieser mit der Schmalseite 
parallel. 2500 m weiter lag ein zweiter, jetzt aus- 
gebrochener, der jedenfalls .gröfser als der erste 
war. Ein dritter mufs 1500 m weiter einst im 
Dorf Preith gestanden haben. Ein vierter wurde 
1600 m weiter ausgegraben, er war 6, loX 6, 80 m 
grofs, lag östlich von der Strafse und mit der 
Langseite ihr parallel. — Für die folgende 7700 ra 



Bericht über die Thätigkeit der Reichslimeskommission. 



grofse Strecke sind bis jetzt die TbUrme noch 
nicht gefunden» dann setzen die Grabungen des 
Hm. Kohl ein mit dem Thurm in der Diebeslache, 
1600 m weiter folgt sein zweiter im Hohlspiegel 
und wieder 2200 m sein dritter im Steinbuck. Die 
ThUrme sind 6,50 X 7iiom grofs, sie sind mit der 
Breitseite zur Strafse gewendet, dieser jedoch nicht 
ganz parallel; die Nordwestecke liegt der Strafse 
etwas näher als die Nordostecke. Der Unterbau 
dieser Thürme ist massiv aus Steinen errichtet, der 
Oberbau hat wahrscheinlich aus Fachlehm bestanden. 
Sic gleichen durchaus den SteinthUrmen am Pfahl 
und werden mit diesen gleichaltrig sein. Hr. Winkcl- 
mann nimmt an, dafs sich diese Thürme auch auf 
der Strecke PfUnz-Kösching fortgesetzt haben (vgl. 
Popp, Westd. Zcitschr. XVI S. 131). 

Nahe der Römerstrafse Fried berg - Arnsburg 
liegt im Wölfersheimer Wald auf einem niedrigen 
Hügel ein Mauerviereck, in dem Hr. Kofier gleich- 
falls einen Strafsenthurm vermuthet. Es bildet ein 
Quadrat von 5,70 m Seite, dessen Mauern 1,80 m 
breit sind. Der Oberbau bestand aus Fachlehm, 
das Dach war mit Ziegeln eingedeckt, es war von 
einem kreisförmigen, 7,10 m breiten und 1,15 m 
tiefen Spitzgraben umgeben, auf dessen Sohle Pa- 
lissaden standen. Auf der Ostseite läuft ein 3, 10 m 
breiter besteintcr Weg nach der etwa 70 m entfernten 
Römerstrafse. 

Was die Strafsenrecognoscirungen an- 
langt, so untersuchte in Bayern mit Mitteln der 
bayrischen Akademie Hr. Popp folgende Strafsen: 
1) Von der von Ruffenhofen südwärts ziehenden 
Strafse die noch restirende Strecke Maihingen-Nörd- 
lingen. 2) Von der Römerstrafse Nördlingen-Röh- 
lingen das restirende Stück Nördlingen-Baldingen. 
3) Von Nördlingen westwärts nach Näbermem- 
mingen, vcrmuthlich Theil einer Thalstrafse nach 
Bopfingen (r.? = unsicher, ob römisch). 4) Fort- 
setzung der vorigen östlich; Hochweg benannt 
Über die halbe Meil und die WiesmUhl bei 
Grofselfingen, von da als Steinweg durch Allerheim 
zum Wömitzübergang (r.?). 5) Strafse von der 
grofsen Verschanzung Bürg südöstlich von Aufkir- 
chen über Fümheim, Oettinger Forst, Ehingen u. 
s.w. bis zur Chaussee Nördlingen - Harburg (r.?). 
6) Für die Chaussee Nördlingen -Harburg, welche 
die Strafse Röhlingcn-Nördlingen geradlinig verlän- 
gert, wird vermuthet, dafs sie auf römischer Grund- 
lage erbaut ist. 7) Oettingen - Heuberg (r.l). 7 a) 
Oettingen- Ehingen (r. ?). 8) Von Markt Offingen 
dicht östlich an Wallerstein vorbei, weiterhin unter 
der Chaussee nach Ehringen und Baldingen, dann 
über die Bergmühle und den Todten Berg, weiter 



als Diebsweg nach Schmachingen und Hohenalt« 
heim (r.?). 9) Vom Todtenberg südwestlich durch 
Klein - Erdlingen und Hohlheim in der Richtung 
auf Heidenheim (r.?). 10) Strafsensegment, welches 
südwärts von Nähermemmingen und westlich von 
Hohlheim vorbeiziehend in die Strafse nr. 9 ein- 
mündet (r. ?). 11) Als Fortsetzung von nr. 4 vom 
Wömitzübergang durch die Strafsäcker südöstlich 
von Rudelstetten, nördlich am Kriegsstatthof vor- 
bei, über dem Metzlerberg, am rechten Ufer des 

' Schwalbgrund entlang, oft durch Waldungen unter- 
brochen auf Monheim zu (r.r). 12) Döckingen, 

\ Hagau, durch die Fuchsberg -Waldungen westlich 
vom Steinring auf dem Ziegelberg, Wcmding, west- 
lich vom Galgenberg, dann durch die Waldungen 
über die Schwabsmühle und Gofsheim, weiter nach 
Harburg (r.?). 13) Von Döckingen westlich über 
die bewaldete Hardt und Polsingen zum Kronhof 
(r.?). 14) Von Polsingen südwärts, an der Stein- 
mauer vorbei , nach Wemding, vom Süden her in 
die Stadt einmündend (r. ?). 15) Von Wemding 
südöstlich über den Galgenberg nach Fünfstetten 
(r.?). 16) Von der Strecke Weifsenburg-Theilen- 
hofen wurde untersucht der sich vom Rennweg 
nördlich von Weifsenburg abzweigende Verbindungs- 
weg, welcher südlich der Schmalwiesen nach Stopfen- 
heim zieht (r.?). 17) Von Stopfenheim ostwärts, 
südlich von Massenbach vorbei, zum Nordrande 
von Ellingen (r.??). 18) Von Ellingen über VVei- 
boldshausen auf den Höhe -Berg (r.?). 19) Vom 
Höhe-Berg südwestwärts über den Rohrberg an der 
Hundskirche vorüber nach Hagenbuch hinüber zur 
Rezat (r.?). 20) Von Sammenheim südwärts auf 
den Hahnenkamm und über das Plateau östlich von 
Heidenheim bis zum Schilzberg. 21) Von Sam- 
menheim nach Gnotzheim. 22) Von Mainheim, dem 
Thale entlang, über Kurzenaltheim zur Gelben Bürg 
und nach Sammenheim. 23) Von WassertrUdingen 
über Gailsheim und Ostheim nach Gnotzheim. 
24) Von Altentrüdingen über Mögersheim zum 
Kastell Gnotzheim. 

In Württemberg wurden untersucht a) von 
Hrn. Drück in Stuttgart i) die Fortsetzung der 
Römerstrafse Aalen, Simmisweiler, Michelfeld, Auf- 
hausen. Nachdem die Untersuchungen zwischen 
Bopfingen, Kirchheim a. R., Wössingen und Bopfin- 
gen, Jagstheim, Wössingen zu keinem Ergebnifs ge- 
führt hatten, gelang es auf Itzlinger Markung An- 
haltspunkte zu finden, wornach die gesuchte Strafse 
entgegen der früheren Annahme doch entlang dem 
linken Sechtaufer lief. 2) Als Fortsetzung der Römer- 
strafse Aalen, Wasseralfingen, Höfen wurde die Strafse 
Höfen, Westhausen, Lauchheim, Aufhausen, unter- 



lO 



Bericht ttber die Thätigkeit der Rcichslimeskommission. 



sucht; Spuren einer alten Strafse wurden gefunden, 
doch blieb der römische Ursprung zweifelhaft. 

3) Von der Röroerstrafsc Nördh'ngen -Rohlingen 
wurden zwischen Baldingen und Dirgenheim mehr- 
fach Reste des Damms und des Strafsenkörpers ge- 
funden, zwischen Dirgenheim und Zöbingen sind 
Reste der alten Steinstrafse neben der heutigen 
nachweisbar; im Allgemeinen läuft sie von Dirgen- 
heim bis Rohlingen unter der heutigen Strafse. 

4) Eine Abzweigung von Nr. 3 vom Hochgreut 
nach Pfahlheim zum Limes zeigt römische Tracie- 
rung, aber keinen alten Strafsenkörper. 

Negative Ergebnisse hatte die Untersuchung 
der Verbindungen Nr. 5—12: 

5) Lauchheim, Röttingen, Zimmerstetten, Ker- 
kingen mit der zwischen Sechtenhausen und Itz- 
lingen hindurchfUhrenden östlichen ^ Fortsetzung. 
6) Baldem-Kerkingen. 7) Baldem-Zöbingen (ange- 
graben). 8) Kerkingen- Unterschneidheim (ange- 
graben). 9) Wössingen, Hardthausen, Nordhauser 
Burstel (angegraben). 10) Zöbingen, Walxheim, Pfahl- 
heim (angegraben), ii) Zöbingen, Walxheim, Rie- 
pach, Gerau, am Halheimer Kastell vorbei nach Bir- 
kenzell (angegraben). 12) Freihof, Weiler an der 
Eck, Stillau (angegraben). 

13) Von grofscr Wichtigkeit ist die von Zai- 
ningen her im Salzwinkel und MUnzenthäle laufende, 
zwischen Westerheim und Laichingen hindurch- 
ziehende Römerstrafse. Sie führte teilweise in 
schnurgerader Richtung, mit Abweichungen von der- 
selben unter stumpfem Winkel, über Berg und Thal 
hin, auf eine Strecke von 300 m die Oberamts- 
grenze bildend. Die Dammhöhe beträgt bis i m, 
die Breite auf der Dammkrone 4,5 m, von Graben 
zu Graben 7,5 m. Die Grabung ergab eine 25 cm 
starke Schicht von Ackererde und kleinen Steinen, 
darunter eine ebenfalls 25 cm starke Schicht grofser 
Steine. Vom Wald »Feuerbuch« aus zieht die 
Strafse noch gut nachweisbar den Bergabhang hin- 
unter auf die Markung Hohenstadt, wo sie durch 
die Kultur verschwunden ist; sie läfst sich wieder 
verfolgen auf der Markung Oberdrackenstein und 
kommt als 30—40 cm hoher Damm wieder deutlich 
zum Vorschein im Wald Schlegel, Lachenhäule und 
Ziegelhau, um dann als »Zigeunerhochstrafs« über 
Nellingen, Oppingen, Kastell Urspring, Langenau 
nach dem K<istell Faimingen bezw. Oppingen, 
Amstettcn, Söhnstetten nach dem Kastell Heiden- 
heim zu fuhren. 14) Die vermutete Fortsetzung 
von Nr. 13 vom » Münzen thäle« aus in östlicher 
Richtung nach Laichingen ist nicht vorhanden, 
Grabungen hatten an drei Stellen ein negatives Er- 
gebnifs. 15) Die westlichen, jedenfalls alten Fort- 



setzungen der »Zigeunerhochstrafs« (s. Nr. 13) gegen 
Oberdrackenstein und direkt nach Gosbach (»Heu- 
weg«) zeigen keine künstliche Anlage, was auch 
durch mehrere Nachgrabungen bestätigt wurde. 
16) VV^esterheim , Hohenstadt, Oberdrackenstein ist 
nicht römisch. 17) Für das Vorhandensein einer 
von andern Forschern angenommenen römischen 
Verbindung Gosbach, Gruibingen, Bad BoU, mit 
der Fortsetzung Aichelberg, Holzmaden, Kirchheim 
u. T. liefsen sich bis jetzt keine Beweise auffinden. 

18) Dasselbe gilt von der Strafse Gruibingen, 
Kalten wanghof, Weil beim. Die Schanzen zwischen 
Kaltenwanghof und Gruibingen sind nicht römisch; 
ihrer Bauart und Frontrichtung nach stammen sie 
aus dem Anfang des spanischen Erbfolgekriegs. 

19) Für die Strafse Herrlingen, Weidach, Bermarin- 
gen, am »hübschen Stein« (mit wUrtt., helfenstein- 
schem und Ulmer Wappen) vorbei nach Machtols- 
heim und Oberdrackenstein bz. Gosbach (angegra- 
ben) läfst sich römischer Ursprung nicht sicher nach- 
weisen. 20) Zwischen Blaubeuren, Suppingen, Feld- 
stetten zeigen sich Spuren einer alten Strafse, römi- 
scher Ursprung ist indefs nicht sicher nachzuweisen. 
21) Herbrechtingen (»Heersträfsie«), Herroaringen, 
Obermediingen (mit Forsetzung nach Faimingen) 
ist vielleicht römisch, aber nur ein Verbindungsweg, 
keine Kunststrafse von Bedeutung. 22) Die Fort- 
setzung des wahrscheinlich römischen, aber unbe- 
deutenden »Heersträfschens« Langenau, Wettingen, 
Hausen ob Lonthal, Dettingen ist in den Wäldern 
zwischen Dettingen und Heidenheim ein alter, ver- 
mutlich vorrömischer Verbindungsweg ohne künst- 
liche Anlage. 23) Eine römische Strafse Kastell 
Heidenheim, Zang, Bartholomä, Heubach, Kastell 
Unterböbingen konnte nicht nachgewiesen werden. 
Rechts und links der heutigen Strafse Heidenheim« 
Zang finden sich Spuren alter Wege, für die römi- 
scher Ursprung jedoch nicht zu erweisen ist; zwi- 
schen Zang und Bartholomä fehlt jede Spur einer 
Kunststrafse. Zwischen Bartholomä und Heubach 
gab es zwei alte Verbindungen, die eine ist zum 
Teil mit der heutigen Strafse identisch, die andere, 
mehr benutzte, geht durch den »Teich« und zwi- 
schen Hochberg und Glasberg (»Platz«) hindurch; 
jedoch verraten beide keine künstliche Anlage. Das- 
selbe gilt von der direkten Verbindung Heubach, 
Oberböbingen , Kastell Unterböbingen. 24) Die 
Verbindung Bartholomä durch das Wendthal nach 
Steinheim ist modern (erst durch Felssprengungen 
ermöglicht), desgleichen ist modern die direkte Ver- 
bindung Bartholomä -Steinheim. 25) Die Verbin- 
dung Bartholomä-Lauterburg über den Bärenberg ist 
alt, zeigt aber keine künstliche Anlage. 



Bericht Über die Thätigkeit der Reichslimeskommission. 



II 



b) Hr. Lachenmaier bat im wesentlichen um 
die Mittelpunkte Herrenberg, Weil der Stadt, Sindel- 
fingen, Ntlrtingen und Kirchheim unter Teck ge- 
arbeitet. 

Von Herrenberg aus wurde der römische 
Hauptstrafsenzug nach Böblingen als im wesent- 
lichen unter der Landstrafse Herrenberg-Nu frin gen, 
Ehningen-Böblingen verlaufend nachgewiesen; die 
Strafse Über den Schönbuch (Altdorf-Holzgerlingen- 
Böblingen) weist bedeutend geringere Breite und 
viel schwächeren Bau auf. Die übrigen bisher in 
der Umgegend von Herrenberg angenommenen 
StrafsenzUge zeigten nirgends römischen Kunstbau. 
(Das StrafsenstUck Hei|'enberg- Rottenburg fällt in 
das Gebiet des Nachbarkommissars.) Als römisch 
nachgewiesen wurde sodann der Strafsenzug Nuf- 
ringen-Aidlingen-Schafhausen-Weil der Stadt. Von 
Weil der Stadt aus wurde die römische Haupt- 
strafse nach Pforzheim zunächst unter der heutigen 
Strafse nach Merklingen, von dort weiter mit dem 
Paulus'schen Zug auf Tiefenbronn und bis zur Ver- 
einigung mit der Römerstrafse Pforzheim-Leonberg 
im Abtswald festgestellt, die Strafsenansätze nach 
N.O. in's Rankbachthal (Blanda) und nach W. auf 
Simmozheim nachgewiesen, sämmtlich ca. i m unter 
dem heutigen Niveau. Das Paulus'sche Hecrstrafsen- 
stUck in den Feldern östlich von Merklingen er- 
wies sich nur als schmaler römischer Vicinalweg. 
Die »Rheinstrafse« hat trotz ihrer in's 12. Jahrh. 
zurückreichenden Benennung via Rheni auf der 
ganzen, langen Strecke Friolzheim - Malmsheim- 
Dagersheim keine Spur römischen Unterbaus. 

Sindel fingen erwies sich als Mittelpunkt 
eines bedeutenden Strafsensterns : nach W. Sindel- 
fingen -Döffingen -Weil der Stadt; nach S.W. die 
bisher nicht vermutete Strafse Sindelfingen-Dagers- 
heim und Darmsheim mit Fortsetzung auf Aidlin- 
gen; nach S. Sindelfmgen-Böblingen (-Herrenberg); 
nach N. Sindelfingen -Richtung auf Solitude; nach 
N.O. Sindelfingen - Vaihingen. Die Paulus'sche 
Strafse nach S.O. Sindelfingen-Echterdingen konnte 
nicht aufgefunden werden. Im Schönbuch mufs- 
ten die Arbeiten wegen anhaltenden Regenwetters 
abgebrochen werden, es konnte nur das bisher un- 
bekannte StrafsenstUck Schaichhof-Weil im Schön- 
buch nachgewiesen und die ziemlich sicher nicht- 
römische Hochstrafse Schaichhof auf Nürtingen 
recognoscirt werden. Das letzte Stück derselben, 
der Heerweg über den Galgen weg westlich Nür- 
tingen wurde von hier aus untersucht und hat 
keinerlei römischen Unterbau; ebensowenig die 
Paulus'sche Fortsetzung über Rcudern auf Kirch- 
heim u. T. Auch der Paulus'sche Heerweg Nür- 



tingen-Beuren ist nicht römisch. Dagegen wurde 
unter und neben der heutigen Landstrafse nach 
Neuffen eine römische Steinachthalstrafse, sowie ihre 
nördliche Fortsetzung gegen Denkendorf-Efslingcn 
unter der Strafse nach Oberensingen nachgewiesen. 
Die römische Lauterthalstrafse Köngen - Kirch - 
heim und Kirchheim -Owen verläuft in der Haupt- 
sache unter der heutigen (im Steinach- wie im 
Lauterthal teilweise Kalkmörtelbeton mit feinen 
Kiesel- uhd Ziegelfragmenten 1). Die Strafse Kirch- 
heim-Weilheim konnte noch nicht sicher festgestellt 
werden, dagegen eine römische Strafse Ohmden- 
Zell gegen das Filsthal, Untersucht wurden ins- 
gesammt 281 km. 

c) Hr. Richter stellte i) von der römischen 
Neckarstrafse ein neues Stück fest unter dem >Stein- 
weg« zwischen Zatzenhausen und Kornwestheim in 
der Breite von 2,35 m mit einer östlichen Stein- 
böschung von 1,1 m. Nach Cannstatt zu setzt sich 
die Richtung des gefundenen Stücks fort in einer 
Gewanngrenze bis ins tiefe Feuerbachthal, gerad- 
linig auf das auf der Altenburg bereits gefundene 
StrafsenstUck hinweisend. Die früher geäufserte 
Meinung, es sei nördlich und südlich des Kastells 
Walheim eine unter der Staatsstrafse liegende ältere 
Strafse die römische, ist zu modifizieren: wenig 
südlich Kirchheim fand sich neben der Staatsstrafse 
im Feld die römische Strafse von 6,2 m Breite mit 
Seitengräben. Immerhin giebt die heutige Staats- 
strafse den ungefähren römischen Zug an. Auch 
südlich Walheim dürfte in der bei Besigheim wie- 
derholt erschlossenen alten Enzstrafse 5,9 m breit 
die eben fortbcnützte römische zu erkennen sein 
(röm. Münze im Schotter, Mauerwerk in der Nähe). 
Nördlich und südlich Neckargartach fanden sich 
gleichfalls neue Stücke der römischen Strafse (einmal 
4,3 m breit). Die neu gefundene aus dem Kastell 
Walheim zur porta decumana herausführende rö- 
mische Strafse konnte noch nicht weiter verfolgt 
werden. Die von Walheim nach Osten führende 
Strafse auf dem rechten Neckarufer, die früher noch 
im Feld sichtbar war, ist nicht mehr sicher zu con- 
statieren. Ob eine zwischen Wartberg und Stifts- 
berg auf dem rechten Neckarufer unter dem Weg 
nach Binswangen gefundene Kiesstrafse einem rö- 
mischen Zug Böckingen-Öhringen zugehört, ist noch 
weiter zu untersuchen. 

Vergebens war die Bemühung, in Meimsheim 
einen römischen Strafsenknoten nachzuweisen. 

2) Die Auffindung des noch fehlenden Stückes 
der Murrstrafse Sulzbach-Murrhardt gelang nicht: 
es dürfte auf dem linken Murrufer zu suchen sein. 
Keine Anhaltspunkte ergab die Recognoscirung 



12 



Bericht über die Thätigkeit der Reichslimeskommission. 



der Zttge Murrhardt-Ebersberg mit Fortsetzung nach 
Cannstatt-VViropfen- Kochendorf- Neuenstadt- Öhrin- 
gen: hier insbesondere liegt unter dem modernen 
Strafsenkörper kein älterer. 

Die Hochstrafse Jagstfeid -Jagsthauscn ist in 
ihrem östlichen Teil ohne jede Versteinung: eine 
Einmündung in Jagsthausen zu finden gelang nicht. 
Eine römische Strafse von Böckingen nach Westen 
wurde noch nicht gefunden: die Kastellausgra- 
bung giebt hier vielleicht Fingerzeige. Die alte 
Strafse Grofsgartach-Schwaigem-Stebbach ist noch 
wohl zu erkennen, aber ohne ältere Steinlage. 

3) Auf der Höhe südwestlich der Einmündung 
der Zaber in den Neckar wurden im Kaywald Mar- 
kung Kirchheim a. N« fünf benachbarte Erdhügel 
untersucht. In allen staken die Fundamente kleiner 
einzelliger römischer Bauten, nahezu quadratisch 
oder rechteckig, zwei mit antenähnlichen Mauervor- 
sprüngen (Mauerstärke ca. 70 cm, Innenflächen 2,47 
auf 1,7; 2,3 auf 2,7; 2,3 auf 2,7; 2.25 auf 1,7; 4,13 
auf 2,5 m); orientiert waren alle gleich. Die Mauern 
waren gemörtelt, innen verputzt; von einem Estrich 
fand sich keine Spur. Im gröfsten Gebäude waren 
die Mauern innen durch grofse Quadern verstärkt. Die 
Fundstücke bestanden in gewöhnlichen schwarzen 
und roten Thonscherben und einem etwas rohen 
ca. 20 cm hohen weiblichen Kopf aus Sandstein mit 
Di«idem und gewellter Frisur. Von einer Ummaue- 
rung oder Umwallung fand sich keine Spur; der 
Boden ist hier gegen früher abgeflöfst. Da Y4 Stunde 
davon eine römische Civilniederlassung sich befin- 
det, dürften diese Bauten dorthin gehören und nicht 
von einer militärischen Niederlassung herrühren. 

d) Hr. Naegele untersuchte i) von der Römer- 
strafse Schwenningen , Rottweil, Herrenberg die 
Strecke Hemmendorf, Weiler, Rottenburg, Unter- 
jesingen, Herrenberg, sowie die Abzweigung Weiler, 
Altstadt, Neckarthal. — Bei seinen anderen Unter- 
suchungen gelangte er zu folgendem Resultat: 2) die 
Strafse Altheimer Höhe, Eutingen, Seebronner Linde 
sei römisch, dagegen sei für ihre Fortsetzung über 
Wendelsheim nach Tübingen der römische Ursprung 
nur wahrscheinlich. 3) Die Strafse Balingen, Stein- 
hofen, Weilheim, Bodelshausen, Hemmendorf sei 
sicher römisch, dagegen Bodelshausen • Ofterdingen 
und Bodelshausen - Dettingen seien nicht römisch. 
4) Für den Erdweg Weiler bei Rottenburg, Frommen- 
hausen, Bietenhausen sei römischer Ursprung zweifel- 
haft. 5) Rottenburg, Kalkweil, Obcrnau, Dölle, \ 
Bieringen sei sicher römisch, dagegen sei von Kalk- 
weil der heutige Weg nach Obernau nicht römisch. 
6) Bieringen - Ergenzingen und Bicringen - Mühlen 
seien nicht römisch. 7) Ergenzingen-Baisingen und 



ebenso Obernau, Nellingsheim, Wolfenhausen, Bon- 
dorf seien wahrscheinlich römisch, dagegen nicht 
nachweisbar römisch seien Ergenzingen-»Heerstrafse« 
gegen Reuthin und Wolfenhausen, Remmingsheim, 
Sülchen (Toten weg). 8) Rottenburg, Seebronn, 
Bondorf sei römisch, dagegen seien nicht römisch: 
Eutingen, Ergenzingen, Seebronn ; Kalkweil - Nel- 
lingsheim; Obernau, Remmingsheim, Seebronn, Hail- 
fingen; Mühlweg Wolfenhausen zur Bronnenmühle 
bei Rottenburg. Zweifelhaft ob römisch, sei Bon- 
dorf-Hailfingen. 9) Zweifelhaft, ob römisch: Rotten- 
burg-Ofterdingen; Bodelshausen, Belsen, Mössingen; 
Mössingen - Oeschingen ; Mössingen -Thalheim. 10) 
Nicht römisch seien Rottenbufg, Wendelsheim, Thail- 
fingen und Rottenburg, Neckarfurt, Hirschau. Zweifel- 
haft, ob römisch seien Sülchen (heutiger Weg), Wurm- 
lingen, Hirschau und Hirschau -Tübingen. 11) Rö- 
misch seien Rottenburg, Bühl, Kiebingen ; TUbingen- 
Unteijesingen; Tübingen, Bebenhausen, Schaichhof; 
Kircbentellinsfurt-Pliezhausen. Wahrscheinlich rö- 
misch seien Unteijesingen , Bromberg, Schaichhof 
und Tübingen - Kirchentellinsfurt. Zweifelhaft ob 
römisch seien Kirchentellinsfurt, Altenburg, Ofer- 
dingen, Metzingen und Oferdingen-Reutlingen. Nicht 
römisch sei Lustnau, Einsiedel, Gniebel, Walddorf. 

In Baden Verfolgte Hr. Schumacher na- 
mentlich die Schrägverbindungen zwischen den 
Kastellen Neckarburken und Jagsthausen sowie 
Neckarburken und Walldürn. An den Strafsen 
Osterburken-Oberscheidenthal (bz. Schlossau) und 
Osterburken-Wimpfen wurden einige wichtige Lücken 
ausgefüllt. Die Strafse Stettfeld, Eppingen, Böckin- 
gen wurde in Angriff genommen und die am Fufse 
des Schwarzwaldes (Sinzheim, Cos, Durlach, Wies- 
loch) sowie durch das Rheinthal ziehenden Strafsen 
(Rastatt, Mühlburg, Graben) wurden nachgeprüft 
und die Kenntnifs ihres Laufes in einzelnen Punkten 
ergänzt. Von der Kinzigthalstrafse wurde nament- 
lich der Aufstieg zwischen Schiltach und Schen- 
kenzeil bis zum Schänzle genau nachgewiesen. Die 
Peutingerstrafse wurde zwischen Dürrheim, Hüfingen, 
Fützen, Schieitheim, Bechtersbohl, Zurzach reco- 
gnosciert. 

Hr. Conrady wies im Waldistrikt »Schwarze 
Sutte« bei Reichartshausen eine ältere 6 m breite 
Heerstrafse unter der darüberliegenden Strafse von 
9 m Breite nach. 

Hr. Anthes stellte eine vom Kastell Vielbrunn 
nach Höchst ins Mümlingsthal , wie es scheint in 
gerader Linie, hcrabführende Strafse fest. Weitere 
Untersuchungen fanden von Mainz gegen Gustavs- 
burg und Kostheim sowie in der Gegend von Grofs- 
gcrau statt. 



Bericht über die Thätigkeit der Reichslimeskomxnission. 



13 



Hr. Wulff bemühte sich i) Anhaltspunkte für 
eine frühzeitliche Strafse Kesselstadt, Heldenbcrgen, 
Oberflorstadt, Echzell zu finden. Bis jetzt war nur 
ein Strafsenstück zwischen Kesselstadt und Kilian- 
stetten bekannt, hinzutritt ein aus Sandstein- 
stUckung mit Kiesdecke und zwei seichten Grä- 
ben bestehendes Stück, welches in diesem Herbste 
hinter der südwestlichen Ecke des Heldenbergener 
Erdlagers zum Vorschein kam. Aber in der un- 
gefähren Richtung der anzunehmenden Strafse wurde 
nördlich von Heldenbergen »am Römerpfad« ein 
römisches Gehöft und östlich der Naumburg eine 
römische Villa unweit der zweifellos alten »Erb- 
stadter Hohl« gefunden. Wo diese mit der mo- 
dernen Strafse Naumburg -Erbstadt zusammentrifft, 
wurde wiederum ein grofses römisches Gehöfte 
entdeckt und grofsentheils ausgegraben. Von die- 
ser Stelle führt an Erbstadt vorüber am Fufs 
der zur Erbstadter Warte heraufziehenden Höhe 
ein alter Weg zum Erbstadter Wald; daselbst be- 
finden sich zwei alte Brunnen und mehrere früh- 
zeitliche Bauwerke. Zunächst kommt man zu einem 
kleinen aus zwei Zimmern bestehenden Bau und 
neben demselben scheint die hier mit Basaltsteinen 
hergestellte Strafse gelaufen zu sein. 11 00 m nörd- 
lich am »Raubschlofs« wurde ein allein liegendes 
Gebäude von 15 auf 9 m Seitenlänge gefunden, 
welches im Innern aus einem Corridor und zwei 
Wohnräumen bestand und von einer umlaufenden 
Trockenmauer umgeben war; man ist diesem stark 
geschützten Gebäude gegenüber geneigt an einen 
militärischen Zweck zu denken. — Wieder etwa 
800 m weiter nördlich liegt im Florstädter Wald 
das von Hrn. Anthes in diesem Jahre ausgegrabene 
»Steinerne Haus«, ein Raum von 23,30 m Länge 
und 14,25 m Breite, welcher wenigstens keine stei- 
nernen Zwischenmauern hatte. 

2) Die Strafsen Wiesbaden-Zug^antel und Wies- 
baden-Heftrich wurden zum Zweck der Untersuchung 
ihrer Geradlinigkeit begangen; für die erste hat die 
Platte, für die zweite der Kellerskopf als point de 
vue gedient. 3) Die Verbindung Höchst-Feldberg- 
kastell hält der Kommissar für identisch mit der 
alten Poststrafse Soden-Königstein (die im Wesent- 
lichen der heutigen Chaussee entspricht); oberhalb 
Königstein zog sie westlich um den Gipfel des 
Rommeisberg herum, während die Chaussee östlich 
zieht; alsdann wird sie im Ganzen der praehistori- 
schen Hühnerstrafse entsprochen haben, welche beim 
Rothen Kreuz den Limes kreuzt. 4) Die Stein- 
strafse zieht vom Urselübergang an der Kalten 
Mühle schnurgerade auf ßonames zu, zwischen 
beiden Orten wurde ihr Körper in den Wiesen 



aufs Neue festgestellt. 5) Für die Strafse Butz- 
bach - Nauheim wurde durch Untersuchungen bei 
Nieder- und Obermörlen die Geradlinigkeit erwiesen 
und in einem Hohlweg die Basaltpackung und Kies- 
decke oben in der Böschung entdeckt. 6) Die 
Strafse Echzell-Münzenbcrg weicht auf eine Entfer- 
nung von 7 Kilom. um wenige Meter von der Ge- 
raden ab, was Folge einer mangelhaften Absteckung 
ist. In ihrer Verlängerung auf Kastell Amsburg 
zu machte diese Strafse bei Trais - Münzenberg ein 
stumpfes Knie mit Rüchsicht auf die beste Über- 
gangsstelle über die Wetter. Die Strafse Münzen- 
berg-Friedberg ist bis zu ihrer Vereinigung mit der 
»hohen Strafse« Friedberg-Echzell geradlinig. 

Über die positiven und negativen Erfolge der 
Kastellforschung geben die Tabelle und die 
nachstehenden Beschreibungen Aufschlufs. Hervor- 
zuheben ist, dafs in Gunzenhausen und in Echzell 
Steinkastelle, am letzteren Orte sogar ein grofses 
und ein kleines, gefunden wurden. Ebenso wurde 
in Hcldenbergen festgestellt, dafs sich dort zwei 
Erdlager befunden haben. Unter den übrigen Gra- 
bungen in den Hauptkastellen sind die wichtigeren: 
die Freilegung der noch nicht untersuchten Kastelle 
Buch und Böckingen, des vor vielen Jahren flüchtig 
ausgegrabenen Holzhausen und des ausführlich 
untersuchten, aber unzuverlässig aufgenommenen 
Niederbieber. Sehr erfreulich waren auch in die- 
sem Jahre wieder die Erfolge in der Capersburg. 
Die Befestigungen der drei vici Faimingen, Wimpfen 
und Heddernheim wurden verfolgt und dabei auch 
die Kastelle von Faimingen und Heddernheim näher 
festgestellt, während das Kastell Winipfen trotz allem 
Suchen noch nicht zum Vorschein gekommen ist. 

An Zwischenkastellen wurden entdeckt: Han- 
kertsmühle und Degenfeld; vielleicht liegt auch ein 
gröfseres oder kleineres Kastell in Pohl. 

Die Ausgrabung in Trienz ergab j^ieder eines 
der sauber gebauten Odenwaldkastellchen. Neben 
dem Heidenkringen wurde eine grofse Masse Namens- 
ziegel der 22. Legion zu Tage gefördert. 

Mehrere lehrreiche Inschriften kamen in den 
Kastellen Welzheim -West, Osterburken, Trienz, 
Capersburg und Holzhausen zum Vorschein; die 
merkwürdigste lieferte das Bad von Walldürn. 

Die Recognoscirungen nach Kastellen im bayri- 
schen Hinterland und in Württemberg südlich von 
Cannstatt blieben ohne Erfolg. In Nassenfeis 
wurde ausführlich gegraben, aber nichts entdeckt, 
was auf ein Kastell hinwiese. 

Nach Auffindung des Erdkastells in Marien fels 
ist es unwahrscheinlich geworden, dafs am Rhein 



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Bericht über die Thätigkeit der Reicbslimeskommission« 




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22 

23 
24 

25 
26 

27 

28 

29 

30 

31 
32 

33 
34 
35 



36 

37 

38 

39 
40 

41 

42 

43 
44 



Bayern 



WUrttemlierg 



I 
I 

2 
2 

3 
4 






Hessen 
Baden 



Prcufsen 



Hessen 



Preufsen 



6 
6 
6 

7 
8 

9 
12 

13 

13 
10 

12 

9 
I 

I 

I 

I 

I 

I 

I 

16 

21 

21 

18 

18 

19 
19 
19 
22 



22 

23 
24 
24 

25 

2S 
26 

23 

27 



[Koesching] 
Pfünz 

Gonzenbausen 80 X 85 m 

Faimingen, Kastell 242 X > 

246 

Vicus 803 X*^^^"! 
558 



[Nassenfeis] 
Heidenheim 
[Bopfingen] 



Buch 140 X 150 m 
Welzheim -West 
VVelzhcim-Ost 



Böckingen 133 X 149 m 

[Wimpfen, Vicus 360 ?X 115 m] 

[Hufingen] 

Osterburken 

Walldürn 

[Grofseichbolzheim 80 X 122 m] 

Scblossau 75 X 79 m 

Heidelberg 

Heddernbeim, Vicus 95oX4«^<^ni 



Ecbzell 227X248 m 
136?, < > m 
[GrUningen] 



Capersburg f i. Periode 92 X 104 m] 

2. Periode 118 X 104 m 

3. Periode 134X 122 m 



Holzbiuisen io6Xt35ni 



Nicderbicbcr 19SX 265 m 



Zwischenkastelle, Befestigungen, 
Schanzen 



[Schwabstätten, Schanze *] 

[Kipfenberg] 

[Pfünz. »Iteres KastelH] 

[Ried bei Monheim, Schanze] 



[Burgstall bei Treuchtlingen] 
[Steinhaus bei Berolzheim] 



[Burstel bei Buch] 



Hankertsmühle 17X^9"^ 
[Sind ringen] 



Trienz 44 X 45 m 



Ileldenbcrgen 70 X 95 Jtj 
340? X ? m 



Schanze bei Gambach 

Degenfeld 

Schanze am Hunnenkirchhof 



Klosterthron 28 X 28 m 
Heidenkringen 60 X 78 m 
D(>sterberg 

Pfarrhofcn 38 X 40 m 
[Pohl ?] 

vf • f 1 *34 V. 148 m 
Manenfels ^ X 

108 ^^ 174 m 

Anhauscn 



^) In Klammern gestellt sind die Namen der Orte, für welche nachgewiesen wurde, dafs da- 
selbst eine römische Befestigung nicht vorhanden ist, oder für welche es bis jetzt noch nicht gelang, 
eine solche nachzuweisen. 



Bericht über die Thätigkeit der Rcichslimeskomroission. 



15 



in der Gegend von St. Goarshausen ein Kastell za 
suchen ist. Dagegen ist weiter südlich die Kastell- 
frage noch nicht gelöst; denn wenn Holzhausen, 
wie angenommen wird, späteren Ursprungs ist, mufs 
eine Festung früherer Zeit in dieser Gegend oder 
mehr landeinwärts gelegen haben. 

a) Kastelle. 

In Ko esc hing [2] wurde mehrere Wochen 
nach dem Lager der ala I Flavia Gemelliana gegra- 
ben, welches nach den Inschriften CIL III 1x907 
und 11908 zweifellos hier vorhanden war; bis jetzt 
ist aber ein sicherer Rest von ihm nicht aufgefunden 
worden. 

Steigt man vom AltmUhlthal zum Kastell 
PfUnz [4] (vgl. Bericht 1892 S. 157, 1893 S. 184, 
1894 S. 159) hinauf, so gelangt man auf halber 
Höhe zu einer nach Norden vorspringenden Kuppe. 
Dicht hinter ihrem äufsersten Vorsprung entdeckte 
man in diesem Jahre eine künstliche Aussparung 
im Felsen von 4 m Länge zu 3, 80 m Breite, in der 
sich ursprünglich Mauerwerk befand, von dem noch 
das Mörtellager zu erkennen war. Hiervon 4,50 m 
rückwärts stiefs man in dem Sattel, der die Kuppe 
mit dem Kastellberg verbindet, auf die Spuren 
eines zweiten Gebäudes von ungefähr 7 zu 4 ro, 
dessen Mauern gleichfalls bis auf einige Stümpfe 
ausgerissen sind. Dafs die Bauten römischen Ur- 
sprungs sind, geht mit Sicherheit aus den massenhaft 
herumliegenden römischen DachziegelstUcken und 
Gefäfsscherben hervor. Aufserdem fanden sich eine 
Lanzenspitze und ein Bronzeblech mit einem Satyr- 
kopf. — In den Feldern am Fufse des Kastell- 
berges gegen die Altmühl hin, 350 m südlich von 
der heutigen Strafse zeigen sich in einem Ein- 
schnitte, der eben gelegentlich des Eisenbahnbaues 
gemacht wird, deutlich die Profile zweier Gräben, 
die mit schwarzem Humus, Ziegelsteinbrocken und 
Gesimstrümmern ausgefüllt sind; vielleicht gehören 
sie zu einem älteren Kastell. 

Im südlichen Theil von Gunzenhausen [6] 
hat der Streckenkoromissar ein Kastell von 80 X 85 m 
entdeckt. Da es mitten im Orte liegt, waren die 
Grabungen sehr beschränkt. Festgestellt ist nur 
ein Graben auf der Nordseite, welche als Front- 
seite zu betrachten ist, Stücke des Ostthores mit 
davorliegendem Damm und anschliefsendem Graben 
und ein Theil eines Thurmes des Decumanthores 
nebst der 1,05 m breiten Umfassungsmauer. Die 
Lage des Decumanthores giebt die Möglichkeit, 
den Zug der Westmauer zu bestimmen, er wird 
übrigens auch durch Angaben, welche Hausbesitzer 
über früher aufgefundene Mauern machen, bestätigt. 



Die Principalthore liegen ungefMhr in der Mitte der 
Seiten , das Praetorium südlich von der via princi" 
palis. Sein südlicher Theil wird durch die Stadt- 
kirche verdeckt, während die nördlichen Enden der 
Langräume freigelegt werden konnten. Als Garnison 
des 6800 qm fassenden Kastells wird man einen Nu- 
merus anzusetzen haben. 

Bei Faimingen [7], wo die drei Römer- 
strafscn i) von Bopfingen, 2) von Heidenheim, 
3) von Stotzingen, Urspring, Gundelilngen die Do- 
nau überschritten, vermuthete schon Raiser (Ober- 
donaukreis II S. 33) einen wohlbefestigten Brücken- 
kopf. Indefs wurde erst im Jahre 1888 ein Kastell 
wirklich nachgewiesen und erst in den darauf fol- 
genden Jahren eine zweite noch gröfsere Befestigung, 
Diese Nachweise verdankt man dem Dillinger 
historischen Verein; von der bayerischen Akademie 
mit Mitteln versehen, läfst er seit 1888 Jahr für 
Jahr dort Ausgrabungen führen, die, unermüdlich 
und für die Sache begeistert, Hr. Lehrer Magnus 
Scheller in Faimingen leitet und in den Jahres- 
berichten des Dillinger Vereins veröffentlicht. In 
diesem Jahre beteiligte sich auch die Reichslimes- 
kommission an den Ausgrabungen. 

Die gröfsere Befestigung umschliefst den gan- 
zen Vicus, sie liegt mit ihren Langseiten parallel 
zum Flufs, während die Schmalseiten ungefähr senk- 
recht auf ihn laufen. Die dem Flufs zugewendete 
südliche Langseite ist gänzlich verschwunden; sie 
ist, obgleich hoch über dem Wasser gelegen, von 
diesem allmählich unterspült und dann wegge- 
schwemmt worden. Heute ist es die Brenz, die 
hier ruhig entlang fliefst, aber bis zu einer erst vor 
einigen Jahrzehnten vorgenommenen Stromreguli- 
rung strömte hier die Donau, während die Brenz 
erheblich oberhalb in die Donau mündete. Die 
Länge der Nordseite beträgt 803 m ^ die der Ost- 
seite jetzt 404 m und die der Westseite jetzt 558 m. 
Die beiden Schmalseiten waren aber ursprüng- 
lich gewifs noch mindestens 30 m länger, da sich 
ihre Steinreste so weit ins FluCsbett erstrecken. 
Eine Linie, die die an der Brenz gelegenen End- 
punkte der Ost- und Westmauer verbindet, ist 
865 m lang. Die Umfassungsmauer war sehr tief 
fundamentirt (2,65 m unter Terrain) und hatte im 
Fundament eine Breite von 2,40 m ; indem sie aufsen 
mit einem Absatz von 20 cm, auf der Innenseite 
mit zwei Absätzen von 31cm, bez. 8 cm abgesetzt 
war, verjüngte sie sich im aufgehenden Mauerwerk 



*) Die hier angegebenen Mafsc entstammen den 
jüngsten Messungen des Hm. Scheller. Die Pläne 
in den verschiedenen Bänden der Dillinger Jahres- 
berichte sind vielfach untereinander abweichend. 



I6 



'Bericht über die Thätigkeit der Reichslimeskommission. 



bis SU i»8oin. Ein Graben lag nicht vor der 
Mauer, Eck- und ZwischenthUrme waren vorhanden; 
die ZwischenthUrme sprangen nicht vor und hatten 
cinschliefslich der Mauerstärke eine Tiefe von 
5,20 m im aufgehenden Mauerwerke bei einer Breite 
von 5,40 m. Ihre Intervalle betrugen auf der Nord- 
seite meist 81 m, während sie auf der Westseite, 
veranlafst durch die Lage der Thore, ungleich 
waren und von 75 m bis loom wechselten. 

Vier Thore sind aufgefunden. Auf der Nord- 
seite erheblich nach Westen gerückt, von der Nord- 
westecke nur 274 m entfernt, liegt das Thor der 
Strafse von Bopfingen. Es hat nur einen Eingang 
von 4,40 m Breite, der von zwei 9,30 m langen, 
5,80 m breiten und 2,70 m über die Umfassungs- 
mauer vorspringenden Thtirmen flankirt wird (Dil- 
linger Jahresbericht VI S. 12). Die untersten 
Schichten waren, wie üblich, mit Bruchsteinen er- 
baut, darüber folgte eine die ganze Mauerbreite 
einnehmende Schicht aus mächtigen Quadern. Die 
Strafse zieht geradlinig in fast rein südlicher Rich- 
tung zum Strom (D. Jahresb. VI S. 13), sie besteht 
lediglich aus einer 30 cm starken Kicsschicht und 
hat eine Breite von 6 m. Noch innerhalb der Um- 
fassung ist westlich von dieser Strafse ein gröfsercs 
Gräberfeld aufgefunden worden, aus dem ausschliefs- 
lich Brandgräber zu Tage gefördert wurden (D. 
Jahresb. VIII S. 126). 

Das nördliche Thor der Westseite« an der 
Heidenheimer Strafse gelegen, wurde erst in diesem 
Jahre nachgewiesen, es war sehr zerstört. Die 
Strafse behielt, wie sich durch Grabungen ergab, 
auch innerhalb des Vicus ihre bisherige Richtung 
von N.W. nach S.O. bei; durch ihren Lauf ist die 
Richtung der Häuser I^ und !• nebst der ihrer 
Hinterhäuser IV« und IVb (I). Jahresb. IX S. 181. 
Taf. V) bestimmt; an ihr scheint auch der ver- 
öffentlichte Tempel (D, J. III Taf. II) gelegen zu 
haben. Das südliche Thor der Westseite, welches 
die Strafse von Urspring einliefs, liegt etwa 460 m 
von der N.W. Ecke und nur etwa 140 m vom Flusse 
entfernt; es stimmt in seinen Dimensionen mit dem 
Hopfinger Thor überein, springt aber weniger vor 
als dieses. Die Strafse ist im Orte noch nicht 
nachgewiesen. Berücksichtigt man die sehr erheb- 
liche AbspUlung am Ufer, so werden vermutlich 
alle drei Strafsen auf einem jetzt abgespülten Punkte 
zusammengetroffen sein und von diesem, um den 
Abstieg von dem 10 m hohen Plateau zu bewirken, 
am Ufer stromaufwärts zu dem Punkte geführt wor- 
den sein, wo die Strafse über die Donau setzte. 
Auf der Ostseitc ist bis jetzt erst ein Thor be- 
kannt, etwa 300m von der N.O. Ecke entfernt; es 



mufs am stärksten benutzt worden sein, da seine 
Einfahrt, die vermutlich durch einen Mittelpfeilcr 
geteilt war, eine Breite von 9,8 m hatte. Die 
Thürme waren im Allgemeinen den beschriebenen 
Thoren (D. J. II Taf. II) ähnlich ; ob in dieses Thor 
eine Strafse von Donauwörth einlief oder nur ein 
Kommunikationsweg von dem wegen seines Apollo- 
Grannus-Heiligthums im Alterthum hoch berühmten 
Lauingen, ist unbekannt. Ob die heutige Land- 
strafse Gundelfingen-Lauingen, soweit sie die Be« 
festigung durchquert, einem antiken Wege ent- 
spricht, ist noch nicht untersucht. Einen D. J. VI 
Taf. V n. 4 eingezeichneten breiten Kiesstreifen 
würde man gern als einen Theil dieser Strafse an- 
sehen, aber es wurden in seiner Verlängerung keine 
weiteren Anhaltspunkte gefunden. Die Frage ist 
übrigens leicht zu entscheiden: findet sich an der 
östlichen Umfassungsmauer unweit südlich von der 
Landstrafse ein Zwischenthurm , dann kann man 
mit Bestimmtheit sagen, dafs kein Thor an der 
Landstrafse vorhanden war, mithin unter der heu- 
tigen Strafse keine antike liegt. 

In der südöstlichen Ecke der bisher beschrie- 
benen Befestigung liegt das Kastell. Seine Süd- 
mauer ist gleichfalls in den Strom abgestürzt. Die 
Ost- und Westmauer sind auffallender Weise weder 
unter sich noch zur Umfassungsmauer des Vicus 
parallel. Die Nordmauer ist 242 m lang, die West- 
mauer jetzt 225,70 m, die Ostmauer jetzt 246 m. 
Berücksichtigt man, dafs sie ursprünglich noch 
etwas länger waren, so mufs das Kastell gegen 
60,000 Quadratmeter gefafst haben. — Die Um- 
fassungsmauer hat dieselbe Breite im Fundament 
wie die Vicusmauer; im Aufbau wurde sie an 
einer gut erhaltenen Stelle zu 1,70 m gemessen. 
Eck- und ZwischenthUrme sind bis jetzt nicht nach- 
gewiesen; an der Nordostecke, wo der Thurm ge- 
sucht wurde, lag aufgefüllter Grund, so dafs der 
Thurm vielleicht herausgerissen ist. Am südlichen 
Theil der rechten Flanke wurde an der Innenseite 
nicht entlang gegraben, das ehemalige Vorhanden- 
sein eines Zwischenthurmes wäre demnach noch 
möglich *. — Von den Thoren hatte die ^ria 
principalis dextra einen 7,3 m breiten Eingang und 

^) Auf der Ostscite glaubte Hr. Scheller im 
Jahre 1889 einen Festungsgraben gefunden zu 
haben (vergl. Bericht II Taf. II), da derselbe jedoch 
auf der West- und Nordseite nicht entdeckt wer- 
den konnte, hält Hr. Scheller es neuerdings für 
wahrscheinlich, dafs er damals auf der Ostseite nur 
eine Grube durchstochen habe, wie in den letzten 
Jahren viele im Kastellinneren zum Vorschein kamen. 
Die Untersuchung wird im nächsten Jahre wieder- 
holt. 



Bericht über die Thätigkeit der Reichslimeskommission. 



17 



zwei Thürme, die 5i7xn breit und einschliefslich 
der Umfassungsmauer 7,80 ro lang waren (vergl. D. 
J. II Taf. EL). Als porta praetoria hatte man bisher 
irrtümlich einen zu einer mittelalterlichen Kapelle 
gehörigen Bau angesehen und auf diesen zu die 
Umfassungsmauer in zwei flachen Bögen laufen 
lassen (D. J. II Taf. I) ; es hat sich in diesem Jahre 
herausgestellt, dafs das Thor erheblich weiter west- 
lich liegt und die Frontmauer vollständig gerad- 
linig ist. Von der porta sinistra wurde ein Thurm 
festgestellt. — Ein die Mitte des Kastells ein- 
nehmendes Gebäude \ das man eben wegen seiner 
Lage zunächst als Praetorium deuten mufs, weicht 
nach der Beschreibung (D. J. V S. 12) von allen 
bekannten Typen sehr erheblich ab; seine Mauern 
scheinen eher mit der Vicusmauer als mit den bei- 
den Kastellmauem parallel zu laufen. 

Man nimmt an, dafs das Kastell früher ent- 
standen sei als die Vicusbefestigung; letztere setzt 
man nicht vor Caracalla, weil auf einem abgestürz- 
ten Quader des Ostthores ein Denar dieses Kaisers 
gelegen hat (vergl. D. J. II S. 26 u. V S. 17). Jene 
Münze, die nicht durch Mörtel mit dem Stein ver- 
bunden war, kann zwar keinerlei Anhalt bieten, 
immerhin wird es richtig sein, dafs die Befestigung 
spätzeitlich ist und dem Anfang des 3. Jahrhunderts 
oder frühestens dem Ende des 2. Jahrhunderts an- 
gehört. — Bezüglich des Kastells enthalte ich mich 
bis jetzt des Urteils. Aufserlich gleichen die Ver- 
hältnisse sehr denen von Heddemheim (vgl. unten 
S. 22). Hier wie dort eine rechteckige Vicusbefesti- 
gung, in deren Sttdostecke ein Kastell, hinter Kastell 
und Vicusbefestigung ein Flufs. Für Heddemheim 
steht es fest, dafs die Gründung mit dem Kastell 
begonnen hat, dann die Marketendersiedlung folgte, 
das Kastell aufser Gebrauch gestellt und schliefslich 
die Siedlung umfestigt wurde. Am nächsten liegt 
es auch für Faimingen die gleiche historische Ent- 
wicklung anzunehmen, weil man sich den Punkt, 
wo so viele Strafsen über die Donau geführt waren, 
gern schon früh befestigt denkt. Nach General 
Popp's Angabe hat ~die Brücke in geradliniger Ver- 



J) Seine Lage ist in den Plänen D. J. V Taf. 
I und VI Taf. 1 sehr verschieden eingezeichnet: 
D. J. V S. 13 wird angegeben, dafs sich eine tiefe 
Grube unter der nördlichsten Wand dieses Gebäu- 
des befunden habe, in welcher die auf S. 12 er- 
wähnte Bronzemünze des Commodus gefunden wurde; 
das spricht für spätere Entstehung, wenn nicht des 
ganzen Kastells, so doch dieses Gebäudes. Ist das 
Gebäude erst später, als man das Kastell den bür- 
gerlichen Siedlern preisgegeben, entstanden, dann 
müfste man unter demselben noch die Reste des 
Praetoriums auffinden können. 

ArchSoIogltcher Anzeiger 1898. 



längerung der letzten, theilweise noch erhaltenen 
Strecke der Strafse von Aislingen her gelegen und 
hat die Strafse unweit der Südwestecke des Kastells, 
also unter dessen Schutz, das linke Ufer betreten. 
Auffallend ist dabei immerhin, dafs das Kastell ohne 
Grund gegen 160 m von der Bopiinger Strafse ent- 
fernt angelegt ist. Die grofse Dicke der Umfassungs- 
mauer und ihre auffallende Übereinstimmung, mit der 
Vicusmauer legen es nahe, beide ungefähr gleich- 
zeitig sich entstanden zu denken. Auch die un- 
regelmäfsige Form der Umfassungsmauer ist bei 
früher Entstehung sehr schwer zu begreifen'. 
Setzt man das Kastell spät an, so kaqn man ver- 
muten, dafs die linke Flanke parallel zu einer an 
der Bopfinger Strafse liegenden Häuserreihe, die 
rechte ungefähr parallel zur Vicusbefestigung ge- 
zogen wurde. 

Das Kastell hat die Gröfse von Aalen, würde 
sich also als Garnison einer ala milliaria eignen. 
Von sicheren Spuren, die auf einen ehemals hier 
stationirten Truppenkörper hinweisen, ist bis jetzt 
nichts aufgefunden'. 

Die in der Sammlung des Dillinger Vereins 
aufbewahrten Faiminger AlterthUmer machten mir 
(sehr im Gegensatz zu den gleichfalls dort befind- 
lichen Aislinger Funden) bei freilich zunächst erst 
flüchtiger Durchsicht den Eindruck, dafs kein vor- 
flavisches Stück dabei sei. Hierzu stimmt auch die 
Reihe der Faiminger Münzen, wie sie sich aus den 
D. J. ergiebt: i Nero? i Domitian, 2 Nerva, 
5 Trajan, i Hadrian, i Faustina I, 2 Marcus, 
I Lucius Veras, 3 Commodus, i Caracalla, i Plau- 
tilla, I Pupienus, i Gordian. 

Faimingen stellt uns eine sehr interessante Auf- 
gabe. Am ehesten wird man die noch zu beant- 
wortenden chronologischen Fragen durch genaue 
Untersuchung der Strafsenzüge lösen können. 

In Nassenfeis [10] (vgl. Bericht 1896 S. 188) 
haben die in diesem Jahre von Prof. Englert auf 



•) Die Bedenken gegen frühe Entstehung wür- 
den noch vermehrt, falls der Nachweis sicher er- 
bracht wird, dafs der Graben fehlt. 

*) Dafs auf dem D. J. II S. 87 edirten Bronze- 
plättchen coh(prs) I ß(reucorum)^ wie Fink las, nicht 
steht, hat Hirschfeld CIL III 11 901 gesehen; seine 
eigene Lesung scheint mir gleichfalls zweifelhaft 
und seine Erklärung jedenfalls unwahrscheinlich, 
weil uns weder bekannt ist, dafs eine a/d Comma' 
genorum in Raetien stand, noch dafs eine solche 
den Namen Flavia führte. Gestempelte Ziegel sind 
nur in einem Gebäude unweit des Heidenheiraer 
Thores zum Vorschein gekommen (D. J. IX S. 185), 
aber jener Stempel POI ist wohl am ehesten als der 
eines bürgerlichen Ziegelcrs aufzufassen. 



i8 



Bericht über die Thätigkeit der Reichslimeskommission. 



Kosten der bayrischen Akademie fortgesetzten Nach- 
suchungen Östlich von der Römerstrafse an der 
Stelle, an welcher zunächst das Kastell zu vermu- 
then wäre, viel römisches Mauerwerk zu Tage ge- 
fördert, es gehörte aber sicher nicht zu einem 
Kastell. Die rückliegende Erdbefestigung ist, wie 
sie jetzt vorliegt, jedenfalls mittelalterlichen Ur- 
sprungs, und dafür, dafs eine römische Befestigung 
fUr sie benutzt sei, ergaben sich bis jetzt wenig- 
stens keine Anhaltspunkte. Man mufs eingedenk 
sein, dafs der Votivstein an Mercur, gesetzt von 
einem duplarius alae Aun'anae, als deren Stand- 
quartier wir Weifsenburg keunen, ein sicherer Grund 
für die Annahme eines Kastells nicht ist, und das 
Weitere dem Zufall überlassen. Eine Revision der 
an der Kirchhofmauer eingemauerten Inschrift CIL 
III p. 1050 ergab: Afarü et Vktoriae vih{ani) Seu^ 
t(arensei) curag{entUfus) C Iul{io) Imperaio et Fl(avio) 
Gemelliano %m{j>endio) CML Aufser dem SCV, was 
auch schon di6 bisherigen Abschriften boten, ist noch 
die obere Hälfte des folgenden gröfseren T vorhan- 
den ; alsdann folgt ein Fehler im Stein von i — 2 Buch- 
stabenbreiten, der im Alterthum höchstens übermalt 
gewesen sein kann. Da Nassenfeis an dem Flüfs- 
chen Schutter liegt, welches im Jahre 918 Scutara 
(Mon. Boica 28 a, 158) genannt wird, kann die Er- 
gänzung vikani Seutarenses einem Zweifel nicht un- 
terliegen. Der Name des ersten Mannes ist, wie 
auch alle Abschriften übereinstimmend bieten, Int" 
perato geschrieben, und bei der seltenen Ligatur 
von AT ist kaum wahrscheinlich, dafs ein Irrthuro 
vorliegt; derselbe Name erscheint auch CIL XIV, 
1476. Die Namen des zweiten . Mannes — das 
Cognomen heifst sicher Gemellianus^ wie ähnlich 
auch schon Redenbacher abgeschrieben hat — er- 
innern an die unweit in Kösching stationirte ala 
Flavia Gemelliana\ vielleicht hat der Betreffende dort 
gedient und nach der Ala seinen Bürgernamen be- 
kommen. 

Im Kastell Heidenheim an der Brenz [ii] 
wurde die Lage des Praetoriums rückwärts von der 
via principalis festgestellt; es ist ungefähr 60 m lang 
und breit. 

In der Mitte der 28 Kilom. langen Strecke 
zwischen den Kastellen Buch und Ruffenhofen liegt 
bei Haiheim nur ein kleineres Kastell, das seiner 
Gröfse nach zwar nicht hinter den meisten Numerus- 
Kastellen zurücksteht, wegen des Mangels der Prin- 
zipal thore aber stark an ein Zwischenkastell (welches 
seine Besatzung aus einem der Nachbarkastelle 
empfängt) erinnert. Deshalb wäre es wohl möglich, 
dafs das zugehörige Hauptkastell weiter landein- 
wärts gelegen habe, bei Bopfingen oder Nördlingen. 



In diesem Jahre wurde die Umgegend von Bop- 
fingen [12] recognoscirt. Am meisten kommen für 
ein Kastell die westlich von Oberdorf (nördlich von 
Bopfingen) gelegenen Felder in Betracht, doch war 
auf diesen auch nicht eine römische Scherbe zu 
entdecken oder das Geringste über das Vorhanden- 
sein römischen Mauerwerks zu erfahren. Hr. Drück 
stellte Grabungen an auf dem »Burgstall« südlich 
der Stadt, sowie westlich von der Stadt beim 
I^öwenkeller, wo früher römische Reste gefunden 
worden sind, und auf dem Johannisfeld, an diesen 
drei Stellen ohne irgend welchen Erfolg. Nördlich 
von Bopfingen auf Kirchheimer Markung wurde auf 
der »Buchs« ein kleineres und ein gröfseres römi- 
sches Gebäude und »auf dem Kalkofen« ein HN'po- 
kaustum entdeckt; aber an beiden Stellen fanden 
sich keine Kastellumfassungsmauem. 

Das Kastell Buch [14], über den Thälcm des 
Altbachs und der Jagst hoch auf den Haldenäckern 
gelegen, war schon lange bekannt, aber noch nie 
untersucht. Es ergab sich ein Rechteck von 140 X 
150m; die Front ist nach Osten, dem Jagstthal 
zugewendet, welches vor allem zu decken war, 
denn in dieses mufs die grofse Strafse Augsburg, 
Faimingen, Heidenheim, Aalen, Buch gemündet 
haben. Aufgehendes Mauerwerk war an der Um- 
fassungsmauer nur an der Südseite erhalten, es war 
durchschnittlich 1,20 m breit. Eckthürme und auf 
jeder Seite je zwei Zwischenthttrme waren vorhanden. 
Für das Praetorial- und rechte Flankenthor konnte 
nachgewiesen werden, dafs sie zwei Eingänge hatten; 
für die beiden anderen Thore wurde dies nicht 
mit Sicherheit entschieden. Sie lagen alle vier 
genau in der Mitte der Seiten. Am Südthor waren 
eine Menge Bruchstücke von einer dünnen Stein- 
platte verstreut, auf welche ehemals Bronzebuch- 
staben wie bei der Inschrift von Holzhausen (vgl 
unten S. 26) geheftet waren; aber die Bronzebuch- 
staben waren abgefallen, ohne erhebliche Reste auf 
der Platte zu hinterlassen, so dafs eine wissenschaft- 
liche Verwerthung durchaus ausgeschlossen ist. Ein 
umlaufender Graben wurde festgestellt Das Prae- 
torium war verhältnifsroäfsig recht gut erhalten. Es 
war nahezu quadratisch (47 : 47 m). Eine Exerzier- 
halle mit mehreren sehr deutlichen Eingängen nahm 
die gewohnte Stelle ein, das übrige Praetorium lag 
von ihr rückwärts. Neben dem Atrium befand sich 
nur je eine Langhalle. Das Sacelluro, in der Mitte 
der rückseitigen Zimmer beHndlich, sprang nach hin- 
ten um ein Weniges aus der Mauerflucht vor, es war 
nicht unterkellert und mit einem Holzboden bedeckt; 
die Querbalken, auf welche die Dielen einst ge- 
nagelt waren, hatten noch vollkommen deutliche 



Bericht Über die Thätigkeit der ReichsUmeskommission. 



19 



Spuren hinterlassen. — Unmittelbar nördlich vom 
Praetorium lag ein ungefähr rechteckiges Gebäude 
von 15 X iS m. Am östlichen Theil der nördli- 
chen Flanke wurde, 7 m von ihr entfernt, eine Pa- 
rallelmauer freigelegt, neben der schon im Jahre 
1884 700 Stück ausgezeichnet erhaltener und mit 
Mennig bestrichener Pfeilspitzen gefunden worden 
waren und jetzt wieder über 100 StUck zum Vor- 
schein kamen. Vermuthlicb war hier ein Arma- 
roentarium, welches sich scharf an den Wallgang 
anlegte. Weitere Gebäude wurden nicht gefunden, 
wohl aber stiefs man an mehreren Stellen auf Ba- 
rackenschutt. Unweit der Nordwestecke entdeckte 
man einen Brunnen mit einem viereckigen (1,50 X 
1,80 m) Schacht aus horizontal zusammengefügten 
Eichen- und Föhrendielen. — Von den Thürmen 
des Kastells konnte man den Limes sehen, dessen 
nächstgelegene Stelle 1200 m entfernt lag. — Etwa 
100 m nordöstlich vom Kastell entdeckten wir in 
der Nähe des Zusammenflusses von Altbach und 
Jagst das Bad, welches durch ein Hebewerk sein 
Wasser aus der Jagst empfing. Am tiefsten und, 
wie üblich, am weitesten entfernt vom Kastell 
liegt das Vasarium. Sehr grofs war die Veranda, 
welche man zuerst betrat; in ihr standen noch 
mehrere Postamente für Dedicationen an ihrem ur- 
sprünglichen Platz, diese selbst waren aber nicht 
mehr aufzufinden. Alsdann folgte das Apodyterium 
mit links dem Frigidarium und rechts einem an- 
dern Raum, alsdann das Tepidarium und Caldarium ; 
letztere beiden haben eine viel geringere Breiten- 
ausdehnung als die vorhergehenden Räume. — Die 
Einzelfunde waren weder im Kastell noch im Bad 
zahlreich; die Münzen reichten von Claudius bis 
Elagabal. Gestempelte Ziegel oder Inschriften ka- 
men leider weder jetzt noch früher zum Vorschein. 
Im Praetorium des Kastells Welzheim-West 
[15] (vgl. Bericht 1896 S. 191) wurde der achte 
Theil einer runden Platte, vermuthlich die Deck- 
platte eines Tisches gefunden. Auf der Oberseite 
lief dem Rand entlang eine Inschrift in zwei Zeilen, 
ebenso war die Stirnseite mit einer einzeiligen In- 
schrift versehen; der Rest der ersteren lautet: 

CVRA.Ä subyura [M? 

«• CSQ . AI s^sqiuiplicar,) a[la€, 

der der zweiten '^S IV, vermuthlich ist c\os das 
Ende, IM[/] der Anfang einer langen Consul- 
angabe, die sich rings um den ganzen Tisch zieht. 
Der Stein ist wichtig, denn er bringt die Vermu- 
thung, dafs in diesem Kastell eine Ala gelegen, 
nahezu zur Gewifsheit. Diese drängte sich uns im 
Gegensatz zu der im Bericht 1896 S. 191 vorgetra- 
genen Ansicht auf, unter Berücksichtigung des Um- 



standes, dafs auch der Umfang des Parallelkastells 
Cannstatt für eine Cohorte zweifellos zu grofs ist. 
Für die Zeit der Anlage des Kastells Cannstatt 
kann jedenfalls nicht angenommen werden, dafs 
daselbst eine Cohorte und ein Numerus gelegen 
haben, da die Nunuri erst später formirt wurden. 
Dies führt darauf, als Garnison von Cannstatt eine 
Ala zu vermuthen, die bei Vorschiebung der Grenze 
nach Welzheim verlegt wurde, wie die Versetzung 
der Truppenkörper von Böckingen nach Oehringen 
und von Bcnningen nach Murrhardt sicher steht. — 
Welche Ata in Cannstatt und Welzheim gelegen 
hat, dafür giebt der Stein leider keinen Anhalt. 
In den Diplomen werden als obergermanische Alen 
genannt im J. 116 I Flavia gemina und I Scubulorum, 
im J. 134 die Indiana GaUorum, Dafs im J. 116 
mehr Alen in Obergermanien standen, als im Diplom 
genannt werden, ist durchaus unwahrscheinlich, da 
wir den Verbleib der übrigen bis dahin in Ober- 
germanien weilenden Alen kennen. Eher wäre es 
möglich, dafs die beiden im Diplom vom J. 116 
verzeichneten Alen auch noch 134 in Obergermanien 
waren. Bei keiner der genannten Alen ist bis jetzt 
für die Zeit von 100 — 250, die für uns in Frage 
kommt, die Garnison mit Bestimmtheit anzugeben, 
da die bisher bekannten Zeugnisse entweder vor 
oder nach diese Zeit fallen. 

Im Spätherbst wurde vor der Front, südlich 
einer von der porta praetoria des Westkastells zum 
Ostkastell führenden Strafse, das Badegebäude ge- 
funden. Die Längenachse liegt von Nord nach 
Süd. Das Gebäude ist ziemlich umfangreich. Ein- 
zelfunde kamen bis jetzt nicht zum Vorschein. 

Im Kastell Welzheim-Ost [16] (vgl. Bericht 
1894 S. 161) wurde in der N.W.-Ecke ein Gebäude 
von 26m Länge und 10 m Breite freigelegt; es 
bestand aus drei Räumen, von denen der mittlere 
14 m, die beiden seitlichen je 6 m lang sind. Die 
südliche Schmalseite grenzt unmittelbar an die vom 
Westthor auf das Praetorium zulaufende Strafse. 
In diesem Gebäude wurde einer jener Ringe aus 
Bronzedraht, bei denen die beiden Drahtenden um 
den Reif geschlungen sind, (ungefähr wie Jacobi, 
Saalburg Taf. 66 Fig. 13) gefunden. 

Dafs in der Umgegend von Böckingen [19] 
unweit Heilbronn ein Kastell gelegen habe, wel- 
ches Standquartier der coK I Hehetiorum und 
der Brittones Murrenses gewesen, ergab sich aus 
längst bekannten Inschriften. Schon im Jahre 1895 
(vgl. Bericht S. 207) war das Kastell an der von 
Miller vermutheten Stelle von Hrn. Metller gefunden 
worden. In diesem Jahre konnte endlich die Gra- 
bung in gröfserem Umfange vorgenommen werden, 

2* 



20 



Bericht über die Thätigkeit der Reichslimeskomroission. 



doch blieb sie auch diesmal durch viele einge- 
pflanzte Felder behindert. Es ergab sich unmittel- 
bar am Rande eines alten Neckarbettes, die Front 
diesem zuwendend, ein Kastell von i33X'49i35™» 
dem wie an den Parallel kastellen von Oehringen 
die Eck- und ZwischenthUrme fehlten. Die Thore 
hatten vorspringende ThUrme, die Flankenthore und 
das Frontthor zwei Eingänge, die decumana nur einen. 
Die Erhaltung der Umfassungsmauer war durchweg 
schlecht, und überall war nur noch Fundament- 
mauerwerk vorhanden; die Mauer war i,iom, an 
den Abrundungen 1,45 m stark. An der Frontseite 
befand sich unweit der linken Abrundung ein Ab- 
flufskanal, welcher weit in den Graben hineinführte. 
— Im Graben wurden mehrere Zinnendeckel ge- 
funden. — Das Praetorium lag hinter der viaprinci- 
paJis. Es war bis auf wenige Räume sehr schlecht 
erhalten, so dafs sich die Form nicht genau be- 
stimmen läfst. Das Sacellum ohne Apsis und jed- 
weden Vorsprung war nicht unterkellert; davor lag 
eine Estrade, wie sie an den Kastellen derselben 
Linie in Oberscheidenthal und Neckarburken -West 
bekannt ist; diese ist hier besser als sonst erhalten; 
sie wird gebildet durch eine Brüstungsmauer, die 
nach aufsen mit sehr sorgf^tig behauenen Quadern 
verkleidet und auf der Innenseite gegen den Grund 
gemauert ist ; dafs die Mauer nicht hoch aufgehend 
ist, ergiebt sich aus ihrer Bauart, aber für eine ge- 
naue Bestimmung ihrer Höhe fehlt es leider an 
einem Anhalt. Mehrere Gesimssteine, die im Prae- 
torium gefunden wurden, scheinen doch nicht im 
Praetorium ihre Verwendung gefunden zu haben. 

Geht man vom rechten Flankenthor 80 m süd- 
lich, so liegt das Kastellbad unmittelbar rechts von 
dem hier zu vermuthenden alten Weg. Es war 
von sehr verschiedener Erhaltung. Einige Kanäle 
und einige Heizungen standen noch hoch auf, da- 
gegen waren einige Mauern so vollständig ausge- 
brochen, dafs sie nur noch an den Fundament- 
gruben erkannt werden konnten, was freilich in dem 
glcichmäfsigen Lehmboden keine schwierige Auf- 
gabe war. Das Gebäude bildet ein Rechteck von 
22 m Länge und 14,40 m Breite, Über welches nur 
nach Norden der rechteckige Raum des Frigida- 
riums vorspringt; Apsiden sind nicht vorhanden. 
Vom Apodyterium nördlich liegt das Frigidarium, 
südlich liegen zwei Sudatorien; weiter westlich fol- 
gen das Tepidarium und Caldarium, deren Thei- 
lungsmauer nicht mehr nachgewiesen werden konnte. 
Das Vasarium war ganz zerstört. Aus dem Frigi- 
darium führten zwei Kanäle das verbrauchte Wasser 
ab, ein dritter kam aus dem Apodyterium. Für die 
Ilypokaustcnpfciler waren runde und viereckige 



Plättchen benutzt, in einem Zimmer waren die 
Pfeiler aus Tubuli, die mit Lehm geftlllt waren, 
hergestellt. Mehrere Ziegel waren gestempelt; sie 
tragen Stempel der eoh* V Delmatarum (gelesen 
zuerst von Zangemeister), der VIII imd XXII Legion, 
unter letzteren befinden sich die Namenstempel: 
1) L, Co, Pec. f, 2) Z. Mar, Aer. /. 3) C Do, Senex 
/, 4) Val» Primus. 5) lustum fecit. 6) der bisher 
noch unbekannte M. L P, — Ein grofses Interesse 
gewährt der eine Ziegel der 5. Cohorte der Delma- 
ter. Von dieser Cohorte sind bis jetzt nur zwei 
Grabsteine aus Mainz und Wiesbaden, Bramb. 
1069 und 1518 bekannt, die noch der Mitte des 
I. Jahrhunderts angehören können, dagegen wird 
sie erwähnt in sämmtlichen obergermanischen Di- 
plomen, während in diesen die cohors I